• «fe l > Vir" *it# *&?* ,1 ^i .->,.*#► *W S l ir^/.\ JrlK -* ^~ ■ < • ** *L i ^ Y ' V 1 ' « ' \ Redigiert von Dr. II. Polonie -r~— HJH~ ZWEITER BAND -i-fr- (April 1888 bis September 1888). -f+ -*— H§§M— - =s~ BERLIN. Verlag von Hermann Riemann. Inhalts-Verzeiehnis. Seite Allgemeines und Verschiedenes. Dreher, Der Zweck der Natur- wissenschaft und die Art und Weise, wie sie betrieben wird ... 73, 83 Müller, Karl, Die Verwertbarkeit des His'schen Embryographen . . 171 Pütz, Die künstliche Beleuchtung in der Photographie 121 Eaab, Ueber Verwendung des Torfs 140 Amerikanisten Kongress 205 Ansicht Darwin's von der Er- schaffung der ersten Wesen . . 47 Anthropologen-Versammlung . . . 151 Anwendung der lateinischen Nomen- klatur 143 Brücke über den Kanal 22 Chamisso's Stellung zur Lehre von der Verwandlung der Arten . . 182 Chamisso, Adalbert von 161 Fixierung des Stickstoffs durch den Pnanzenboden 118 Humboldt-Akademie 14 Klub- u. Vereinshaus-Aktiengesellsch. 8 Lombroso, Studie über den Hypno- tismus 174 Mannesmamvsches Röhrenwalzver- fahren 31, 39 Naturgeschichte des Verbrechers . 81 Neues Mittel gegenKesselsteinbildung 103 Papiererfindung, Zur Geschichte der 14 Photographische Aufnahme eines Eegenbogens 150 Spencer's Ablehnung eines Ehren- doktorats 181 Spiritus, Denaturirter 62 LXI. Versammlung deutscher Natur- forscher und Aerzte zu Köln 1888 181 Zoologie. Dewitz, Aufgaben grosser zoolo- gischer Landesmuseen 158 Griesbach, Ungebetene Gäste unserer Tafel 90, 98 Kolbe, Aus dem Gesellschaftsleben der Ameisen 173 — Ueber die Entwicklungsgeschichte der spanischen Fliege und anderer Blasenkäfer 137 Mäh renthal, von, Wie benutzen die Zoologen die Einbettungswinkel . 199 Melsheinier , Abnorme Schnabel- bildung bei Vögeln 57 N ehrin g, Das Skelett eines weib- lichen Ur. (Bos primigenius) . . 130 Seite Nehring, Wolf und Hund . ... 1 Peiter , Zwei seltene Gäste des hohen Erzgebirges 180 Schaff, Zum Seelenleben der Tiere 39 Schneider, Robert , Descendenz- frage und Urweltsforschung . . 135 Staby, Das Schweben und Kreisen der Vögel 196 Alpenlämmergeier, Vorkommen des- selben 23 Bastard zwischen Wolf und Hund . 69 Biber an der Elbe 134 Byssusorgang derLamellibranchiaten 7 Gloake beim Hausschwein .... 62 Cormoranflschen in Japan . . . . 118 Fauna der Azoren 125 Gütige Fische der Marschall-Inseln . 157 Giftige Spinnen Kusslands .... 45 Hausente mit Enterichgetieder . . 77 Käfer auf Ulex europaeus .... 31 Kegelrobbe in der Gefangenschaft . 54 Lebenszähigkeit unserer gemeinsten Süsswasserfische 125 Leuchtende Insekten ... .93, 103 Missenvertilgung von Vögeln ... 61 Miesmuscheln, giftige 55 Milben auf Nekrophorns germanicus 62 Missbildungen an niederen Tieren . 181 Moschusochse, geographische Ver- breitung desselben 69 Nahrung des' Maulwurfs 103 Parasiten in Hühnereiern .... 142 Physiologische Wirkung des Methans und seiner Chlorderivate .... 142 Spargelfliege 126 Steppenhühner in Deutschland . 69 Verein von Aquarien- u. Terrarien- Liebhabern 207 Vertreibung von Ameisen .... 207 Verwandschaft der Flöhe .... 151 Wie stellt man Skelette dar . . . 205 Botanik. A s c h e r s o n , Der Farbenwechsel des Saftmals in den Blüten der Ross- kastanie 129 C a m p b e 1 1 , Paraffin - Einbettungs- niethode für pflanzliche Objekte 61 Frank, Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen . 3, 10, 76 Hennings, Ueber das Konservieren und Präparieren fleischiger Hutpilze 20 Huth. die Verbreitung der Pflanzen durch Meeresströmungen .... 105 Klein, Eine neue Kraftquelle niederer Pflanzen 28 Seite Kohl, Arbeitsteilung und Genossen- schaftsleben im Pflanzenreich 153, 163. Ludwig, Die Feigen und ihre Liebes- boten 113, 123, 159 — Einige Notizeu über die Doppel-, natur der Flechten 29 Po t oni e, Praktische Winke über das Pttanzensammeln 52 — Praktische Winke über die An- legung eines Herbariums .... 188 Seh wendener, Rede zur Gedächtnis- ' feier König Friedrich Wilhelms III. in der Aula der Universität Berlin am 3. August 1888 .... 177, 185 Algen auf den Haaren von Faultieren 103 Aufbewahrung von Pilzen .... 23 Bedeutung und Ursache des Honig- taues auf Laubblättern .... 176 Beziehungen zwischen Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen 44 Düngung von Zimmer- und Garten- pflanzen 78 Ein neuer Flechtentypus .... 166 Entdecker der insektenfressenden Eigenschaften der Pflanzen ... 39 Flora der egyptisch-arabischen Wüste 142 Generalversammlung der Deutschen botanischen Gesellschaft .... 199 Keimung von durch den Verdauungs- kanal gegangenen Samen . . . 190 Lathraea squamaria und Bartsia al- pina keine „fleischfressende" Pflanzen 77 Pilze als Weinveredler 22 Raphiden, Physiologische Bedeutung der 7 Sarracenia purpurea 117 Ueber den Getreidekrebs .... 111 Unterschied zwischen Raps-, Rübsen-, Rüben- und Kolilsamen .... 198 Ursprung der baumlosen Grasprärien Nordamerikas 166 Weshalb rechnet man die Flechten jetzt zu den Pilzen? .... 55, 71 Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. Berendt, Die Soolquelle im Admi- ralsgartenbad zu Berlin .... 9 — Die südliche baltische Endmoräne des ehemaligen skandinavischen Eises in der Uckermark und Mecklenburg-Strelitz 130 Frech, Ueber die Entstehung der Alpen 86 — Ueber Eiszeiten in früheren geo- logischen Perioden 109 Seite Heim, Zur Prophezeihung der Erd- beben 193, 201 Krause, Atirel, Fossiles Eis . . 7, 23 Potonie, Ueber Stigmaria ... 74 Wahnschaffe, Die Entwicklung der Glazialtheorie in Nord- deutschland 4 — Ueber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an der Oberfläche liegenden Steine 145 Zimmermann, Zechstein auf dem Kamm des Thüringer Waldes und seine Bedeutung für die Frage nach dem Alter des Gebirges . . 65 Ammonit, Der grösste . . . ." . 46 Ausbreitungsgeschwindigkeit unter- irdischer Erschütterungen ... 93 Bildung von Haarsilber . . . 134, 198 Diamant in einem Meteorstein . . 78 Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Erdbebens bei Charlestone . . . 126 Gneiss und Granit 14 Höttinger Breccie 149 Internationaler Geologen-Kongress . 139 Rubine, Künstliche 22, 39 Physik. Dessau, Neue Phonographen. . . 116 Dreher, Das Beharrungsgesetz . . 70 Gutzmer, Ueber die Klangfiguren quadratischer Platten .... 51, 95 — Ueber einen Fernsprech- apparat 156 Jordan, Die Wirksamkeit der dynaino- elektrischen Maschinen . . 107, 198 Apparat tür Experimente bei hoher Temperatur in Gasen unter hohem Druck 118 Apparat zur Darstellung einfacher Schwingungen 14 Astatische Nadel, Eine neue Form der 30 Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalles 150 Ausnutzung des Niagarafalles zur Elektricitätserzeugung 46 Beobachtungen über Höhe, Länge und Geschwindigkeit der oceani- schen Wellen 205 Beziehungen zwischen der Elektricität und dem Licht 174 Brechungsexponent der Metalle . . 7 Die Grösse der Sterne und das psycho- physische Grundgesetz ..... 94 Durchgang des elektrischen Stromes durch Schwefel 110 Eindringen des Lichts in das Wasser des Genfer Sees 69 Einfiuss der Intensität des Lichts auf die Fortpflanzungsgeschwindigkeit desselben 8 Einfluss der Temperatur auf die Magnetisierung des Eisens . . . 110 Elektrische Erscheinung an Berg- krystall und Glasgewichten . . 70 Elektricität und Mathematik ... 70 Entstehungsgeschichte der Spektral- analyse 110 Seite Härte von Metallen 30 Ist die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes von der Bewegung des Mittels, in welchem die Licht- schwingungen vor sich gehen, ab- hängig? . 135 Konstitution der Lösungen .... 150 Leitungsfähigkeit des Vakuums für Elektricität 110 Leitungsvermögen beleuchteter Luft für Elektricität 30 Lichterscheinungen durch mecha- nische Einwirkung 175 Mathematisches Pendel 174 Messung niedriger Temperaturen . 204 Seefischerei mit elektrischem Licht . 23 Seismograph mit elektrischem Re- gistrierapparat 30 Totalreflexion, Eine neue Erschei- nung der 109 Ueber den infraroten Teil des Sonnen- spektrums 93 Versuche über die elektrische Ab- stossung 198 Warum bleibt die von der Sonne ausgestrahlte Wärmemenge be- ständig dieselbe trotz des infolge der Strahlung stattfindenden Wärme- verlustes, den die Sonne erleidet? 166 Welches ist die geringste Lichtstärke, welche ein normales Auge noch wahrzunehmen vermag? .... 126 Wirkungen des elektrischen Stromes auf feine Wagen 134 Zerstänben glühender Metalle . . . 110 Mathematik. Schlegel, Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum 41, 49, 58, 67 Schubert, Die Quadratur des Zirkels 97 — Die vermeintliche Herrschaft des goldenen Schnitts in Natur und Kunst 33 Astronomie. Albrecht, Einrichtung zur öffent- lichen Zeitregulierung . . . . 17, 25 Bestimmung der Bewegung von Sternen im Visionsradius ... 86 Das grösste astronomische Fernrohr der Erde 46 Fixsternhimmel, Populärer Führer durch den 22 Helligkeitszunahme von „y" Argus . 198 Kalender, Astronomischer 8, 14, 22, 31, 46, 54, 62, 71, 78 Komet Sawerthal ... 22, 31, 62, 175 Mondfinsternis, Totale 14 Nachrichten vom Lyck-Observatory 167 Neuer Planet 31, 62, 71, 87 Ueber den „neuen" Stern" im Schwan 167 Veränderlichkeit zweier Sterne . . 71 Veränderungen auf der Oberfläche des Mars 135 Versuch, welcher die Axendrehung der Erde beweist 159, 207 Voruntersuchungen zur Herstellung photographischer Himmelskarten . 22 Seite Meteorologie. Bendt, Ueber die niedrigste Tempe- ratur der folgenden Nacht und die Mittel -Temperatur des künftigen Tages 68 Jordan, Unter welchen Umständen und in welcher Weise geschieht die Bildung von Schneekrystallen ? 27 Less, die Erhaltungstendenz im Witterungscharakter aufeinander- folgender Winter 8 Wagner, Das Aspirations-Thermo- meter 22 — Polymeter 70 — Wolken und Nebel 169 Abgeprellter Meteorit 167 Atmosphär.-optische Störung, Ueber die Entstehung und den Verlauf der 54 Beeinflussung der Richtung von Ge- wittern durch Flüsse und den Mond 119 Blitzableiterfrage 86 Donner und Blitz 46 Drehung der Windbahnen .... 93 Föhn und Bora 181 Polai-lichtes, Eine neue Erklärung des 62 Regenverhältnisse der westlichen Staaten der Nordamerikanischen Union 62 Wetterprophet 23 Zur Vorausbestimmung der Tempe- ratur 110 Chemie. Koppe, (Jeber die Raoult'sche Methode der Molekulargewichts- bestimmung 89 Bleikammerprozesses, Theorie des . 38 Braunkohlenbildung in Dampfkesseln von Zuckerfabriken 167 Uhlorstickstoffes, Zur Kenntnis des . 175 Knallgas-Explosion . 21 Langsame. Verbrennung organischer Substanzen 126 Liebreich's „toter Raum" .... 78 Saccharin 29 Theophyllin 166 Umwandlung von Hyoscyamiu in Atropin 109 Ursprung der chemischen Grundstoffe 38 Zur Kenntnis des Färbungsvorganges 118 Geographie. Beschaffenheitder algierischen Sahara 204 Bestimmung der geographischen Länge und Breite der Schneekoppe 7 Deutscher Geographentag .... 8 Hilfsmittel für den geographischen Unterricht 14 Miclucho Maclay 151 Reise nach dem Janalande und den neusibirischen Inseln . . . . 45, 71 Rio Xingü, Erforschung des . . . 108 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Bischoff, Arsen in Bierkouleur . 8 Gutzmer, Eine pathologische Wirkung des elektrischen Lichts 115 3881 Seite Nussbaum, Körperliche und geistige Arbeit im Gleichgewicht .... 12 Schmitz, Wirkungsart der krank- heiterregenden Mikroorganismen im tierischen Körper 148 British medical association . . . . 151 Deutscher Aerztetag 199 Deutscher Verein für öffentliche Ge- sundheitspflege 190 Einfluss der Genussmittel auf die Magenverdauung 134 Einwirkung von Gasen auf den Organismus 93 Gesundheitsschädlichkeit mehrerer hygienisch und technisch wichtiger Gase und Dämpfe 134 Giftigkeit der menschlichen Aus- dünstung 166 Kongress für innere Medizin ... 14 Krankheitskeim des gelben Fiebers und Schutzimpfung gegen dasselbe 85 Medizinalbeamten verein, Preussischer 205 Ophthalmologischer Kongress . . . 151 Tuberkulose-Kongress 135 Seite Vermeintliche Giftigkeit der ver- nickelten Gebrauchsgegenstände 181 Litteratur und Bücherschau. Beetz, Leitfaden der Physik . . . 143 Claus, Lamarck als Begründer der Descendenzlehre 151 Der kleine Pilzsammler 167 Engler und Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien 78 Fritsch, Allgemeine Geologie . . 55 Gizycki, Autoritäten 206 Hölzel, Geographische Charakter- bilder 23 Jordan, Goethe — und noch immer kein Ende 190 Kerner, Pflanzenleben 119 Nussbaum, Neue Heilmittel für Nerven 95 Potonie, Elemente der Botanik . 87 Bemsen, Einleitung in das Studium der Chemie 8 Biese, Wolinungsgärtnerei . . . 207 Bunge, Die Mineralogie in Schule und Haus 111 Seite Schaff, Leitfaden der Zoologie für Studierende der Naturwissenschaf- ten und der Medizin 103 Schubert, Pflanzenkunde für höhere Mädchenschulen uud Lehrerinnen- seminare 63 Schwalbe, Griech. Elementarbuch 47 Urbanitzky, von, Elektrizität des Himmels und der Erde ... 39, 199 V i 1 m o r i n ' s Illustrierte Blumengärt- nerei. II. Aufl. Ergänzungsband, Die Neuheiten des letzten Jahrzehnts 176 Weiss, Die Sigillarien der Preus- sischen Steinkohlengebiete . . . 135 Wittwer, Grundzüge der Molekular- physik u. d. mathematischen Chemie 31 — Die thermischen Verhältnisse der Gase mit besonderer Berücksichti- gung der Kohlensäure 31 Zenker, Die Verteilung der Wärme auf der Erdoberfläche 159 Bücherschau 23, 31, 47, 55, 63, 71, 79, 87, 95, 103, 111, 127, 136, 143, 152, 159, 167, 176, 183, 191, 199, 207. vflS&ensr Esc/irj/^ mf ■ ihr >.■■-.. ■ ScWipi . , Redaktion: Dr. H. Potonie. Verlag von Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Priedrieh-Strasse 226. ^ IL Band. Sonntag', den 1. April 1888. Nr. 1. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Pe-st- austalteu, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 2.—; Bringegeld bei der Post 15 -j extra. ¥ Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 j. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkuuft. Inseraten- annahme bei allen Annoneenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Inhalt: Prof. Dr. A. Nehring: Wolf und Hund. — Prof. Dr. 15. Frank: Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. (Mit Abbild.). — Dr. F. Wahnschaffe: Die Entwickelung der Glaeialtheorie in Norddeutschland. (Mit Abbild.). — Kleinere Mit- teilungen: Fossiles Bis. — Ueber das Byssusorgan der Lamellibranchiaten. — Die physiologische Bedeutung der Rapbiden. — Ueber die Brechungsexponenten der Metalle. - Bestimmung dir geographischen Länge und Breite der Sehneekoppe. — Astronomischer Kalender. — Die Krhaltungstendenz im Witterungscharakter aufeinander folgender Winter. — Arsen in Biercouleur. — Deutscher Geographentag. — „Club- und Vereinshaus -Aktien -Gesellschaft". — Fragen und Antworten: Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes. — Litteratur: Ira Rerasen: Einleitung in das Studium der Chemie. — Briefkasten. — Inserate. Wolf und Hund. Von Prof. Dr. A. Nehring. Ueber die Abstammung der Haushunde und über ihr Verhältnis zu den Wölfen und Schakalen ist schon sehr viel geschrieben und gestritten worden. Viele namhafte Autoren betrachten den Haushund mit Liane als eine besondere zoologische Species (Canis familiaris), andere nehmen für die verschiedenen Gruppen von Hunderassen verschiedene fossile Stammarten an, welche schon im Diluvium als wilde Arten ausgestorben sein sollen. andere betrachten die noch jetzt lebenden Wölfe und Schakale oder doch gewisse Arten derselben als die Stammväter der Haushunde. Manche Autoren glauben auch die Füchse als Stammväter gewisser Rassen mit in Rechnung ziehen zu müssen. Langjährige Studien an reichem Materiale haben mich zu der Ueberzeugung gebracht, dass Wolf und Schakal oder genauer gesagt: mehrere der noch jetzt lebenden Wolfs- und Schakal-Arten als die Stammväter der Haushunde zu betrachten sind. Selbstverständlich fällt die Domesticierung der betreffenden Wölfe und Schakale in eine weit entlegene Vorzeit*), und nur selten wird heutzutage gelegentlich eine direkte, selbständige Domesticierung junger Wölfe und Schakale ausgeführt. *) Also genau genommen betrachte ich die diluvialen und altalluvialen Vorfahren der heutigen Wölfe und Schakale als die Stammväter der Haushunde. Dass die Zähnrang und Abrichtung junger Schakale keine besonderen Schwierigkeiten bietet, steht fest; aber auch mit jungen Wölfen hat man noch kürzlich manche erfolgreiche Versuche gemacht. Abgesehen von den dressierten Wölfen, welche vor wenigen Jahren hier in Berlin dem grossen Publikum vorgeführt wurden und, welche thatsächlich einen hohen Grad von Zähmung resp. Ablichtung zeigten, sind mir mehrere sonstige Fälle bekannt geworden. Besonders interessant erscheint in dieser Hinsieht eine Mitteilung von C. Rouge, we kürzlich unter der Ueberschrifl : „Zähmbarkeit der Wölfe" in Hugo's Jagd-Zeitung, 1887, Nr. 8, S. 243—245 ver- öffentlicht wurde. Heir Ronge schildert in sehr an- sprechender, anschaulicher Weise, wie er einen jungen Wolf aufgezogen und derart gezähmt hat, dass er ihm folgte, wie ein Haushund. Wir können hier die sogenannte „Hundefrage", d. h. die Frage nach der Herkunft der Hunde-Rassen, nicht näher verfolgen; wir wollen nur die vielfach angeführten und als speeifisch betrachteten Unterschiede zwischen den Wölfen und den grösseren Haushunden ein wenig ins Auge fassen. Blasius sagt in seiner Naturgeschichte der Säuge- tiere Deutschlands: „Will man den Haushund als Art von den übrigen Wölfen trennen, so giebt es auch noch Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. l. kein besseres Kennzeichen, als das des links gekrümmten Schwanzes der lakonischen Diagnose Linnes: C. cauda sinistrorsum recurvata." Ist diese Schwanzhaltung wirklich ein specifischer Unterschied zwischen Hund und Wolf? Durchaus nicht. Denn erstens giebt es zahlreiche Haushunde, welche den Schwanz für gewöhnlich abwärts hängen lassen und ihn nur im Affekt aufwärts krümmen, zweitens tragen ihn viele Hunde nicht nach links, sondern nach rechts ge- krümmt, und drittens gewöhnen sich fast alle Wölfe, welche in der Gefangenschaft aufwachsen und lange Jahre mit Menschen verkehren, das Wedeln und Auf- wärtskrümmen des Schwanzes an. Ich habe letzteres bei den meisten Wölfen, welche in Menagerien oder zoolo- gischen Gärten aufgewachsen waren, beobachtet, nament- lich dann, wenn ihr Wärter mit ihnen sprach. Ein alter Wolf, welcher fünfzehn Jahre im Berliner zoologischen Garten gelebt hat und von mir Jahre lang beobachtet worden ist, trug den Schwanz fast immer nach links aufwärts gekrümmt. Eine noch jetzt im hiesigen Garten vorhandene Wölfin, welchß schon über sieben Jahre in Gefangenschaft lebt, richtet regelmässig den Schwanz auf und wedelt mit ihm, wenn der Wärter oder ein ihr sonst Bekannter sie freundlich anspricht. — Dasselbe berichtet Professor Landois von den Wölfen des zoologischen Gartens in Münster. Wo bleibt da der specifische Unterschied in der Haltung des Schwanzes? Ebenso hinfällig erscheinen die übrigen Differenzen zwischen den Wölfen und den grösseren Hunderassen, namentlich, wenn man nicht nur den Lupus vulgaris von Europa, sondern auch die zierlicheren, schwächeren Alten resp. Lokalrassen, wie Lupus pallipes (den indischen Wolf), Lupus japonicus (den Wolf von Nippon), Lupus mexicanus (eine kleinere Varietät des Lupus occidentalis), Canis latrans (den Prairiewolf), C. anthus etc. zum Ver- gleich heranzieht, und wenn man vor allem die tief- eingreifenden Wirkungen einer Jahrtausende währenden Domestication berücksichtigt. Es ist vollkommen richtig, dass bei den Haushunden das Gebiss durchweg schwächer und namentlich die so- genannten Reisszähne (Sectorii) kleiner sind, als bei Wölfen gleicher Grösse; ebenso weicht die Schädelform bei manchen Hunderassen (z. B. beim Bulldog) wesentlich von derjenigen der Wölfe (und Schakale) ab. Ich habe aber vor einigen Jahren nachgewiesen, dass diese Ab- weichungen sich auf die Wirkungen der Domestication (Beschränkung der Freiheit, veränderte Nahrung, Inzucht etc.) zurückführen lassen, da die in der Gefangenschaft geborenen und aufgewachsenen Wölfe meist eine deut- liche Verkleinerung der Reisszähne und nicht selten auch Abweichungen in der Form des Schädels, wie z. B. ein gewisses Uebergreifen des Unterkiefers über den Ober- kiefer zeigen. Auch fehlt nicht selten der vorderste oder der letzte Backenzahn im Gebiss solcher, in der Gefangen- schaft geborener Wölfe, was ausnahmsweise auch wohl bei freilebenden Exemplaren vorkommt, bei Haushunden aber relativ häufig beobachtet wird. Wenn man ferner die grössere Länge des Darm- kanals als ein wichtiges Merkmal der Haushunde gegen- über den Wölfen angeführt hat, so kann ich auch diesen Unterschied nicht als specifisch betrachten. Die grössere Länge des Darmkanals bei den Haushunden gegenüber den freilebenden Wölfen erklärt sich ebenso, wie die grössere Darmlänge der Hauskatzen im Vergleich mit den Wildkatzen, der Hausschweine im Vergleich mit den Wildschweinen ; sie ist lediglich eine Folge der mehr oder weniger vorwiegenden vegetabilischen Nahrung bei den genannten Haustieren gegenüber der fast ausschliess- lichen Fleischnahrung bei Wolf und Wildkatze, beziehungs- weise der relativ stark in Betracht kommenden animalischen Kost des Wildschweins. Landois glaubt in der unersättlichen Fressgier und in dem hastigen Hinabschlingen der Nahrung einen charak- teristischen Unterschied zwischen Wolf und Hund gefun- den zu haben. Ich kann aber auf diesen Punkt kein besonderes Gewicht legen; die Art des Fressens ist im wesentlichen Sache der Gewöhnung, des Temperaments, der Besorgnis vor neidischen Konkurrenten und der- gleichen. Ich besass früher einen Hund, der seine Nahrung stets, auch ohne starken Hunger zu haben, mit wahrer Wolfsgier verschlang, obgleich ihm Niemand die- selbe streitig machte; anderseits habe ich gefangene Wölfe beobachtet, welche ohne Hast mit aller Gemäch- lichkeit ihr tägliches Futter verzehrten. Da nun ferner beobachtet ist, dass sich Wölfe mit grösseren Hunden fruchtbar vermischen, und auch die Bastarde sich durchweg wieder fortpflanzungsfähig er- weisen, so bestellen meines Erachtens keine anderen Unterschiede zwischen den oben genannten Wolfsarten und den grösseren Hunderassen, als solche, welche durch langdauernde Domestication unter vielfacher Kreuzung der entstandenen oder absichtlich produzierten Rassen hervorgebracht sind. Dass bei dem Zustandekommen der zahlreichen, mannigfaltigen Hunderassen, welche wir bei den Cultur- völkern finden, Liebhaberei und Sport neben den prak- tischen Bedürfnissen eine Hauptrolle gespielt haben, ist unverkennbar. Die Naturvölker, welche auf der Stufe des Jäger- oder Hirtenlebens verblieben sind, haben sich im Allgemeinen mit ihren primitiven wolfs- oder schakal- ähnlichen Hunden begnügt und sich nicht bemüht, die- selben umzumodeln. Ich schliesse meine Betrachtung mit dem Ausspruche Cardans: „Lupi cicures post multas generationes in Canes transeuut." Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. Von Professor Vor drei Jahren habe ich nachgewiesen, dass ganz allgemein die Wurzeln unserer wichtigsten Waldbäume eine wesentlich andere Organisation besitzen als die ge- wöhnlichen Wurzeln der anderen Pflanzen, indem sie regelmässig mit einem Pilz vergesellschaftet sind, welcher wie ein lückenloser Mantel die ganze Oberfläche der kSaugwurzel bis zu deren Spitze nicht nur überzieht, sondern dabei auch in fester organischer Verwachsung mit der Wurzel sich befindet. Die letztere ist daher hier auch kein einfaches, nur der Pflanze angehöriges Organ, sondern ein aus zwei heterogenen Wesen zusammen- gesetztes Gebilde, dem ich deshalb den Namen Pilz- wurzel oder Mykorhiza gegeben habe. Genauere Untersuchung überzeugt uns, dass hier Pilz und Wurzel ein gemeinsames Ganze bilden, dass sie in gegenseitiger Abhängigkeit zusammen leben und zusammen weiter wachsen und augenscheinlich auch gemeinsame Funktionen ausüben. Es ist also einer der in anderen Formen schon bekannten Fälle von Symbiose zweier heterogenen Lebe- wesen. In welcher Weise hier die beiden Symbionten, die Baumwurzel und der Pilz, vereinigt sind und mit- einander leben, soll in nachstehendem beschrieben werden. Es ist bekannt, wie die gewöhnlichen unverpilzten Pflanzenwurzeln gebaut sind: ihre äusserste von der Wurzelhaube bedeckte Spitze ist aus lauter in Vermeh- rung begriffenen Zellen zusammengesetzt und bewirkt daher lediglich das weitere Längenwachstum der Wurzel. Die rückwärts von der Wurzelspitze liegenden Partieen der Wurzel sind oberflächlich mit zahllosen Haarbildungen, den Wurzelhaaren, bekleidet, welche hauptsächlich die Nahrungsstoffe aus dem Erdboden in gelöster Form auf- saugen. Bei der Mykorhiza dagegen ist die ganze Oberfläche von einem dichten Pilzgewebe eingehüllt, welches, eben weil es die Oberfläche einnimmt, auch allein die Ueber- tragung der Nahrung in die Wurzel vermitteln muss, so dass die letztere dafür auch ihre eigenen Aufnahme- organe gar nicht ausbildet; denn die Mykorhiza ist völlig ohne Wurzelhaare, die sich unter dem dichten und fest angewachsenen Pilzmantel auch nicht würden bilden können. Auch gestaltlich erscheinen die Mykorhizen ab- weichend von den gewöhnlichen Pflanzenwurzeln, indem sie bei einer verhältnismässig dicken und kurzen Gestalt eine hohe Neigung zur Verzweigung zeigen, so dass sie mehr oder weniger korallenförmig oder büschelförmig aussehen. Fig. 1 unten. Wenn wir diese Gebilde stärkerer Vergrösse- rung unterwerfen, so sehen wir ihre ganze Oberfläche von einer verworrenen, filzigen oder feinzelligen Masse gebildet, Fig. 1 oben, die bei genauerer Betrachtung von pilzlicher Natur sich erweist, d. h. aus Pilzfäden besteht, die ent- weder so verwoben sind, dass man ihre Fadenstruktur noch unterscheiden kann, oder auch so innig sich zwischen- Dr. B. Frank. einander pressen, dass ein sogenanntes Pseudoparenchym entsteht, in welchem man den Verlauf der Fäden nicht mehr verfolgen kann. Eine genügende Vorstellung von dem Ganzen gewinnen wir erst, wenn die Mykorhiza im Längs- durchschnitte betrachtet wird. Fig. 2, links. Man unter- scheidet innerlich den Wurzelkörper, welcher, wenn man von dem Fehlen der Wurzelhaare absieht, in der Haupt- sache einer gewöhnlichen Wurzel gleich gebaut ist. Aus- Fig. 1. Unten : Wurzelstück mit Mykorhizen. Natürliche Grösse. Oben: Spize einer Mykorhiza. 145fach vergrössert. Fig. 2. Links: Längsschnitt durch die Spitze einer Mykorhiza von Hainbuche. p Pilzmantel, r Rinde, f Fibrovasalstrang. 240 fach vergrössert. Rechts: Stück eines Längsschnittes durch einen älteren Teil derselben Mykorhiza. p Pilzmantel, e Epidermis, darunter Rindezellen. 240 fach vergrössert. wendig geht ringsherum eine bald dickere, bald dünnere kon- tinuierliche Lage des Pilzgewebes, welche auch nicht einen Punkt der Wurzel frei lässt. Die Oberfläche dieses Pilz- mantels ist manchmal ziemlich glatt, häufiger gehen zahlreiche seiner Fäden in freiem Verlaufe weit in die umgebende Bodenmasse hinein, so dass die Mykorhiza oft eine dichte Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. faserige Bekleidung zeigt. Bei genauerer Verfolgung sieht man. dass diese Pilzfäden wie gewöhnliche Pilz- mycelien die umgebenden Bodenteilchen, den Humus, be önders allerhand verwesende Pflanzenreste, wie Laub, Zweigstückchen etc., offenbar um aus ihnen Nährstoffe zu holen, durchwuchern. Fig. 3. Sie sind also die nahrung- aufnehmenden Organe des Pilzmantels und vertreten da- her geradezu die fehlenden Wurzelhaare. Sogar darin sind sie den letzteren ähnlich, dass man sie vielfach mit Eid- oder Humusteilchen verwachsen findet und dass sie Fig. 3. StiicU-Humus mit My- korhizcn und von diesen ausgehenden Mycel- strängen, die sich im Humus verbreiten. Natürliche Grösse. daselbst anschwellend diese Teilchen mehr oder minder umwachsen. Anderseits überzeugen wir uns aber auch, dass zwischen dem Pilzmantel und dem Wurzelkern eine innige Vereinigung besteht. Denn die Pilzfäden dringen auch zwischen die hier besonders weiten Epidermiszellen ein und umspinnendieselben ziemlich allseitig. Fig. 2, rechts. Durch diese Einrichtungen ist offenbar ein lebhafter Stoff- austausch zwischen Pilz und Wurzel ermöglicht. Beide Teile, Wurzel und Pilz, wachsen auch Schritt haltend miteinander fort: denn auch die äusserste die Verlänge- rung des Wurzelkörpers bewirkende Wurzelspitze ist. von dem Pilzmantel umzogen; aber der letzten- ist an dieser Stelle auch wachstumsfähig, d. h. aus jüngeren in lebhafter Vermehrung begriffenen Fäden zusammen- gesetzt. Er dehnt sich hier also in dem Maasse mit weiter aus, als der wachsende Wurzelkern es verlangt. So kann sich die wachsende Wurzel nicht aus dem Pilzmantel befreien, beide wachsen zusammen gleichsam wie ein einheitliches Organ, und auch durch diese That- sache erweisen sich beide Symbionten als Teile eines höheren Ganzen. (Schluss folgt.) Die Entwickelung der Glacialtheorie in Norddeutschland. Von Dr. F. Wahnsehaffe. Kgl. Landesgeolo Die lockeren Ablagerungen von Gebirgsschutt, welche das norddeutsche Flachland bedecken, wurden in den ersten Anfängen der geologischen Wissenschaft nur wenig beachtet. Man hielt sie für Absätze einer grossen katastrophenartig hereingebrochenen Flut, welche man meist mit der biblischen Sintflut in Zusammenhang brachte. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung Diluvium für das sogenannte „aufgeschwemmte Land". Die erratischen Blöcke (Wanderblöcke, Find- linge), jenes bunte Gemisch von Trümmern der verschieden- artigsten Felsarten, welche im ganzen norddeutschen Flachlande verbreitet sind, lenkten zuerst die Aufmerk- samkeit auf sich und gaben Veranlassung zu vielfachen Hypothesen über ihre Herkunft. Obwohl einzelne Forscher schon sehr früh zu der Erkenntnis gelangt waren, dass die Hauptmasse dieser Blöcke und „Gerolle" aus Skan- dinavien und den übrigen baltischen Gebieten zu uns gelangt sein müsse, hat es doch noch langer Zeit be- durft, bis diese Thatsache allgemeine Anerkennung fand. Wir begegnen im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts noch zwei anderen Ansichten, welche sich Geltung zu verschaffen wussten. Nach der einen sollten die Blöcke südlicher Herkunft sein und von den deutschen Mittel- gebirgen stammen, während sie nach der anderen Trümmer der im Untergründe Norddeutschlands vermuteten an- stehenden Gesteine waren, folglich einheimischen Ur- sprunges hätten sein müssen. Diese zweite Auffassung wurde in betreff der versteinerungsführenden Geschiebe noch um die Mitte dieses Jahrhunderts mit vielem Eifer von E. Boll vertreten, nachdem auch Klöden, der un- ermüdliche Durchforscher der Mark Brandenbung, 1834 g-e und Privatdocent an der Universität Berlin, erklärt hatte, dass die Frage nach dem Vaterlande der Geschiebe der Lösung ferner denn je sei und dass Schweden unmöglich als die Geburtsstätte unserer Pe- trefakten betrachtet werden könne. Gleichzeitig mit der Frage nach der Heimat der Geschiebe beschäftigte man sich auch mit der Art und Weise ihres Transportes und dieser Punkt musste haupt- sächlich für die Vorkämpfer der Ansicht von der nor- dischen Herkunft der Findlinge von Wichtigkeit sein. Die meisten der hier in Betracht zu ziehenden älteren Hypothesen kommen darauf hinaus, dass die Geschiebe durch eine grosse gewaltsame Flut oder durch Treibeis zu uns gebracht wurden. Bereits im Jahre 1775 war Hauptmann v. Arenswald, welcher den versteinerungs- führenden Geschieben in Pommern und Mecklenburg grosse Aufmerksamkeit gewidmet hatte, durch Reisen in die das Diluvialgebiet umgrenzenden Länder zu der Auf- fassung gelangt, dass die Versteinerungen eine grosse Aehnlichkeit mit schwedischen Vorkommnissen besässen. Er leitete daraus den zu damaliger Zeit leider zu wenig beachteten Schluss ab, dass ein grosser Teil unserer Ge- schiebe durch eine Flut in Schweden losgebrochen und zu uns herübergeführt worden sei. G. A. v. Winter feld wies im Jahre 1790 in einem Aufsatze „vom Vater- lande des mecklenburgischen Granitgesteines" darauf hin, dass der nächste anstehende Granit in Schweden zu finden sei und dass der Blocktransport bei einer allge- meinen Meeresbedeckung durch Treibeis stattgefunden habe. Wie weit jedoch die Anschauungen auseinander gingen, beweist ein von dem Berliner Gelehrten Silber- schlag im Jahre 1780 veröffentlichtes Buch, in welchem Nr. 1. in unwissenschaftliche Wochenschrift. ilbe ausführlich darzulegen suchte, dass die erratischen Blöcke saml dem nord Sande durch vulkanische gro en Kratern, welche er in den kessel- ai u Pfuhlen unserer Diluvialplateaus zu erkennen ite, nervo sudert worden seien. Und noch im L846 kommt der um die Geognosie der deutschen Ostseeländer sehr verdiente B. Boll auf ähnliche An- ten zurück, nur dass er den Herd der vulkanischen Thätigkeit nach Skandinavien verlegte. Bei dem daselbst stattgehabten Durchbrach der Granite soll sieh ein Regen vulkanischer Bomben im weiten Kreise über die um- liegenden Länder verbreitet haben. Ais hervorragende Vertreter der Fluttheorie bei der Verfrachtung des nordischen Materials müssen wir Duell L. v. Buch (1811) und den schwedischen Geologen Sef ström (1836) erwähnen. Letzterer nahm eine gl Isteinsflut an, welche sich über Skandinavien und Norddeutschland fortwälzte und durch die mitgeführten Steine die Schrammung auf dem Felsuntergrunde her- vorgerufen haben sollte. Durch Lyell, der die geologischen Vorgänge ihres katastrophenartigen Charakters entkleidete, indem er zeigte, dass die Kräfte, welche noch heute wirksam sind, auch in früheren Erdperioden thätig waren und nur durch die Länge der Zeit grosse geologische Veränderungen hervorriefen, ist auch die erwähnte Fluttheorie für immer beseitigt worden. Nachdem durch die Glacialforschung in den Alpen, namentlich durch die Untersuchungen von Agassiz, die Lehre von der Eiszeit begründet worden war, fand die von Lyell zuerst 1835 aufgestellte und r weiter ausgeführte Drifttheorie immer mehr An- hänger. Was insonderheit das norddeutsche Flachland betrifft, so nahm Lyell eine allgemeine Meeresbedeckung desselben bis zum Nordrande der deutschen Mittelgebirge an. während zu gleicher Zeit Skandinavien von mächtigen Gletschern bedeckt w r ar, die in dieses Meer ausliefen. Auf dem Rücken der von den Gletschern sich ablösen- den Eisberge sollte das nordische Material nach Nord- deutschland transportiert und bei der Strandung undAb- schmelzung derErsteren abgelagert worden sein. Infolge der Autorität, welche Lyell wegen seiner grossen Ver- dienste um die geologische Wissenschaft besass, gelangte seine Drifttheorie bald zu unbedingter Herrschaft, und sie hat mehrere Jahrzehnte hindurch alle im norddeutschen Flachland ausgeführten Forschungen beeinflusst. Diese Theorie, welche die ganzen Diluvialbildungen Nord- deutschlands, gleichgültig ob dieselben aus Geschiebe- mergeln, Sanden oder Thonen bestanden, als durch den Treibeistransport vermittelte Absätze des Diluvial- meeres ansah, hatte schliesslich einen gewissen Grad von Starrheit angenommen, sodass auf dieser Grundlage kein weiterer Fortschritt in der Entvvickelung der Quartär- geologie mehr möglich war. Vom Jahre 1875 an vollzog sich jedoch ein bedeut- samer Umschwung. Eine neue Theorie, die Gletscher- oder Glacialtheorie, die von Schweden aus zu uns herüberkam, hat äusserst befruchtend auf alle Forschungen im norddeutschen Diluvium eingewirkt und es sind so viel Beweise für die Richtigkeit derselben erbracht worden, dass wir die ehemalige Vereisung Norddeutschlands gegen- wärtig als eine feststellende geologische Thatsache be- trachten können. Dem schwedischen Geologen Otto Torell gebührt das grosse Verdienst, diese Auffassung zuerst in Deutsehland ausgesprochen und begründet zu haben. Allerdings hat er in dem deutschen Forscher Bernhardi bereits einen Vorläufer besessen, doch blieben die schon im Jahre 18:]l> geäusserten Ansichten des Letzteren vollständig unbeachtet und unbekannt. Gestützt auf reiche Erfahrungen, die sich Torell durch ein eingehendes Studium der skandinavischen Glacial- bildungen, sowie auf grossen Reisen nach Spitzbeigcn, Grünland, Nordamerika und den Alpen erworben, hatte er schon lange die Vermutung gehegt, dass Norddeutsch- land von Skandinavien aus mit Landeis überzogen worden sei, welches die Schuttmassen seines Ausgangs- gebietes im norddeutschen Flachlande als Grundmoräne verbreitete. Diese Grundmoräne stellt eine schichtungs- lose, lehmig-sandige Masse dar, in der die nordischen Blocke, welche bei Ipm», ihrer Fortbewegung M durch das Eis häufig _ ilf Kritzen verseilen ijjj&B wurden, eingebeilet sind. Fig. 1 zeigt ein derartiges Ge- schiebe. Die kanten- gerundete Form die- ses silurischen, dem „Geschiebemergel " Fig. 1. von Hohenwarthe an der Elbe entstammenden Blockes ist für die Diluvial- geschiebe charakteristisch und beweist, dass sie nicht durch Wasser transportiert sein können, denn dieses ist stets bestrebt, die Steine bei der Fortbewegung gleich- massig abzurunden. War die Annahme Torell's richtig, so musste an den Punkten. w t o sich fester Felsuntergrund in Nord- deutschland fand, eine Schrammung durch die unter dem Eise transportierten Gesteinstrümmer hervorgerufen sein. Dieser Nachweis wurde von ihm 1875 durch die Auf- findung von typischen Gletscherschrammen auf den Schichtenköpfen des Rüdersdorfer Muschelkalkes geführt, und unter Vorlegung dieser Beweisstücke trug er an dem- selben Tage seine Ansichten in der Novembersitzung der deutschen geologischen Gesellschaft vor. Die beigegebene Abbildung Fig. 2 stellt ein Stück dieses in ost-westlicher Richtung geschrammten Muschelkalkes dar. Von deutschen Gelehrten waren es in der ersten Zeit besonders Beren dt, Herrn. Credner, Dames, Orth und Penck, welche die Bedeutung der neuen Theorie erkannten, und wir wollen nicht unerwähnt lassen, dass Professor Dames Naturwissenschaftliche Wochensehri ft. Nr. 1. zuerst auf deutschen Hochschulen die neue Lehre vor- getragen hat. w. -< «0. Nachdem durch Toreil die Anregung gegeben war, mehrten sich seit 1879 schnell die Beweise für die Richtig- keit seiner Ansichten. Zunächst war es Herrn. Credner, welcher durch eine Reihe wich- tiger Arbeiten über die Diluvialbildungen Sachsens die Glacial- theorie wesentlich ge- fördert hat. Er zeigte, dass die von ihm und Penck auf den Por- phyrkuppen bei Leipzig, später auch an anderen Punkten Sachsens von Dathe, Dalmer und Herr mann nachge- wiesenen Schliffe nur durch das Vorrücken des Landeises und sei- ner Grundmoräne her- vorgerufen sein konn- ten. Er hob die Wichtig- keit der gekritzten ein- heimischen Geschiebe hervor, welche sich nur durch eine Vereisung Norddeutschlands erklären lassen, beschrieb Schichten- störungen im Untergrunde des Geschiebelehmes, die durch den Druck der sich fortbewegenden Eismassen verursacht wurden und brachte den Geschiebetrans- port der dem sächsischen Untergrunde entstammenden Gesteinsbruchstücke in Beziehung zu den Schrammen- richtungen auf anstehendem Gestein. Ausser diesen Untersuchungen Credner's brachten die nächsten Jahre noch mehrere Arbeiten, die für die Portentwickelung der Glacialtheorie von Bedeutung waren. Fi.?. In dem „Gletschertheorie oder Drifttheorie in Nord- deutschland?" betitelten Aufsatze suchte Berendt eine Vermittlung zwischen jenen beiden Theorien anzubahnen, während Heiland, Penck und Dames die Bildungen des norddeutschen Flachlandes mit den glacialen Ab- lagerungen Skandinaviens verglichen und aus der voll- kommenen Uebereinstimmung derselben eine gleichartige Entstehung folgerten. Angeregt durch die Untersuchungen, welche der Verfasser im Herbst 1880 mit Tor eil und DeGeer in Rüdersdorf ausführte und welche namentlich eine genaue Feststellung der Schrammenrichtungen bezweckten, begab er sich nach dem bei Oebisfelde gelegenen braun» schweigischen Orte Velpke, um den daselbst im Abbau befindlichen Bonebed-Sandstein auf Glacialerscheinungen zu untersuchen. Es gelang ihm auch alsbald, in ver- schiedenen Steinbrüchen eine deutliche G 1 a c i a 1 - schrammung nachzuweisen, welche nach Abdeckung des Geschiebelehms überall auf den Schichtoberflächen hervortrat und sich auf zwei Systeme zurückführen Hess. Eine durch den gewal- tigen Druck des sich vorschiebenden Eises hervorgerufene Erschei- nung zeigte sich hier besonders deutlich in der Bildung der Lokal- moränen. Fig. 3 stellt dieselbe aus einem bei Danndorf unweitVelpke gelegenen Steinbruche dar. Man sieht zuunterst den regelmässig abge- lagerten dünnbänkigen Sandstein und darüber ein wirres Haufwerk von Trümmern des- selben, welche fest in- einander gepresst sind. Unter ihnen kommen zerstreut einzelne nor- dische Geschiebe vor. Eins derselben, welches absichtlich in der nach einer Photographie her- gestellten Zeichnung schwarz gegeben ist, Avar zwischen die noch ungestörten Schichten fest eingekeilt. Derartige Lokalmoränen, verbun- den mit Schichtenstörungen, sind vom Verfasser später auch von Rüdersdorf und Gommern beschrieben worden. An letztgenanntem, südöstlich von Magdeburg gelegenen Orte fand derselbe ausserdem deutliche Gletscherschrammen auf. Solche für die vormalige Vereisung Norddeutschlands hauptsächlich beweisende Glacialschrammen wurden ausser den schon erwähnten Fundorten noch bei Landsberg unweit Halle a. S. durch Lüddecke, bei Osnabrück Nr. 1. Natm wissenschaftliche Wochenschrift. durch Hamm, auf den Septarien des Hermsdorfer Sep- tarienthones bei Berlin durch Laufer und ebenfalls auf einer Septarie bei Joachimstal durch Berendt nach- gewiesen. Die genaue Durchforschung' des norddeutschen Flach- landes von Seiten der geologischen Landesanstalt hat er- geben, dass die früher von Lyell angenommene allgemeine Meeresbedeckung sich nicht bestätigt hat, denn abgesehen von einzelnen Gebieten in der Nähe der Ostseeküste, wo Berendt. Jentzsch, Schröder u. A. eine marine Fauna nachgewiesen haben, sind in den sogenannten präglacialen, unter den Grundmoränen liegenden Ab- lagerungen ausschliesslich Reste von Pflanzen und Tieren gefunden worden, welche das Land und die süssen Gewässer bewohnen. Von grosser Bedeutung für die ganze Gliederung der glacialen Bildungen ist das Vorkommen von Pflanzen- und Tierresten in Schichten, die zwischen den Grund- moränen gelegen sind. Die Grandschicht mit diluvialen Säugetierresten, deren Lagerung zwischen zwei Geschiebe- mergeln namentlich bei Rixdorf klar erkennbar ist, sowie ein Torflager bei Lauenburg in gleichem geologischen Niveau, sind zwingende Beweise für die Annahme einer wiederholten Eisbedeckung Norddeutschlands. Keilhack welcher die fossile Flora jenes Torfes genau untersuchte, konnte den interessanten Nachweis führen, dass der Charakter dieser Pflanzen auf ein gemässigtes Klima hindeutet und dass mithin eine vollständige, durch eine Aenderung des Klimas bewirkte Abschmelzung der ersten Vereisung vorausgegangen sein musste, um die Ein- wanderung dieser Flora zu ermöglichen. Leider müssen wir es uns versagen, auf die von Dames, Nehring und anderen vielfach hervorgehobenen Beziehungen der Dilu- vialfauna zur Eiszeit sowie auf viele andere interessante Punkte, welche durch die Glacialtheorie eine Erklärung gefunden haben, hier näher einzugehen. Erwähnt sei nur noch, dass ausser der Eisbedeckung, auch die der zweiten Vereisung folgende Abschmelzperiode nach den Untersuchungen von Berendt, E. Geinitz und Klockmann das Relief des norddeutschen Flachlandes wesentlich beeinflusste. Wir schliessen hiermit unsere Betrachtung, deren Hauptzweck es war zu zeigen, durch welche Beweise die Torell'sche Glacialtheorie gestützt wird und wie dieselbe un- sere Anschauungen über die Entstehung der norddeutschen Quartärbildungen in ungeahnter Weise erweitert hat. Kleinere Mitteilungen. Fossiles Eis. — Im Jahre 1860 wurden von Kotzebue und ■seinen beiden wissenschaftlichen Begleitern, Chamisso und Eschscholtz zn der Nordküste von America jene merkwürdigen Eisklippen in der Bschscholtzbai entdeckt, über deren Bildung und Entstehung nachmals sehr abweichende Ansichten aufgestellt worden sind. Nach der ursprünglichen Schilderung sollte dort ein ganzer Hügelzug aus klarem festem Eise bestehen, überdeckt von einer dünnen Erdschicht mit einem ziemlich reichen Pfianzenwuchs. Im wesent- lichen ist auch diese anfänglich stark angezweifelte Auffassung durch die neuesten Untersuchungen bestätigt worden. Es ist nun Tun hohem Interesse, dass ähnliche Bildungen auch auf den neu- sibirischen Inseln beobachtet worden sind Dr. A. Bunge und Baron E. Toll, welche im Auftrage der Kaiserlichen Akademie in Petersburg im Jahre 1886 die wissenschaftliche Erforschung jener Inseln unternahmen, fanden auf einer derselben, der grossen Ljachow- Insel. das hügelige Land im wesentlichen aus ungeheuren Eismassen bestehend mit eingelagerten, Tier- und Pflanzenreste führenden Erd- schichten. Nach Ansicht von Dr. Bunge sind diese Eismassen, deren ■eine eine Mächtigkeit von 22 m hatte, durch das Gefrieren des in Erdspalten -eingedrungenen Wassers entstanden. Durch die Ein- wirkung der Sonne findet eine jährliche Abnahme der Eishügel statt, und die aufgethauten Erdmassen fliessen als dicker Scblammbrei dem Meere zu. Ein starker Moder- und Fäulnissgeruch entströmt diesen Massen, herrührend von den fossilen Resten, unter denen sich nicht nur noch mit Mark gefüllte Knochen, die von den Hunden begierig verzehrt wurden, sondern auch Reste von Weichteilen, Fell und Haare ausgestorbener Säugetiere fanden. Eine vorläufige Untersuchung ergab das Vorhandensein des Mammuths. zweier (?) Nashornarten, des Rindes, Pferdes und Moschusochsen, dreier Hirsch- .arten, des Hasen und des Seehundes. Dr. Aurel Krause. Ueber das Byssusorgan der Lamellibranchiaten teilt stud. rer. nat. Ludwig Reichel im „Zoologischen Anzeiger" (1887 p. 488) eine interessante Beobachtung mit. Die Byssusorgane, jene aus der „Byssusdrüse" in der Fussgegend vieler Muscheln aus- gesonderten, erhärtenden Fäden, welche wie ein langer Bart zwischen den Schalen herausstehen, dienen ja den Tieren zu ihrer Befestigung an fremde Gegenstände. Nun war man bisher der Meinung, dass die Tiere zeitlebens den einmal gewählten Platz inne behielten, wenn man auch die Beobachtung gemacht hatte, dass gewaltsam abgerissene Tiere sich unter Umständen wieder festzusetzen ver- mögen. Der genannte Autor hat jedoch an der Dreissena polymorpha heobachtet, dass diese Muschel zeitweilig wandert, und zwar wird der Byssus in seiner Gesamtheit abgestossen, worauf das Organ durch Neubildung ersetzt wird. Ein solcher Wechsel des Byssus findet regelmässig statt mit dem Eintritt der kälteren Jahreszeit. Im Sommer sitzen die Tiere dicht unter der Oberfläche des Wassers, im Spätherbst jedoch wandern sie unter Zurücklassung des Byssus in die Tiefe. Die physiologische Bedeutung der Raphiden. — In den Zellen der Lauborgane vieler Pflanzen kommen lange, nadel- fürmige Krystalle, Raphiden aus Kalkoxalat, vor, welche gewöhn- lich in grösserer Anzahl nebeneinander liegen und so ein dichtes Bündel herstellen. Die meisten Botaniker sehen in den Raphiden für die Pflanze nutzlose Exkrete. Stahl glaubt jedoch (Biolog. Centralblatt 1887. Nr. 16) dieselben auf Grund von Fütterungsver- suchen mit verschiedenen Tieren als Schutzmittel gegen Tierfrass betrachten zu dürfen, da zahlreiche Tiere rapbidenführende Pflanzen überhaupt nicht oder nur ungern fressen, und einige Tiere — z. B. Schneckenarten — von Pflanzen, welche Nadeln aus Kalkoxalat führen, nur die nadelfreien Teile verzehren. Manche Pflanzen, welche für giftig gelten, z. B. der Aronstab (Arum maculatum), verdanken ihren brennenden Geschmack einzig den sehr zahlreichen Raphiden, welche durch den aufquellenden Schleim aus ihren Behältern hervor- getrieben werden und sich in die weichen Teile der Mundwerkzeuge einbohren. Der durch Filtration gewonnene Saft hat durchaus milden Geschmack. Ueber die Breehungsexponenten der Metalle hat Prof. Kundt in den Sitzungsberichten der K. Akademie der Wissen- schaften zu Berlin (16. Februar 1888) interessante Mitteilungen gemacht. Derselbe stellte sich eine grosse Zahl von Prismen aus Silber, Gold, Kupfer, Platin, Eisen, Nickel und Wismuth mit sehr kleinen Winkeln her und bestimmte durch sehr zahlreiche Beobach- tungen die Breehungsexponenten dieser Metalle und damit die Fort- pflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes in denselben. Prof. Kundt kommt zu dem sehr interessanten und überraschenden Resultat, dass die Metalle sich in Bezug auf die Lichtgeschwindigkeit in dieselbe Reihe ordnen wie in Bezug auf die Leitung der Elektricität und Wärme; die besten Leiter für die letzteren besitzen den kleinsten Breehungsexponenten und somit die grösste Lichtgeschwindigkeit, eine Beziehung, welche die Perspektive auf weitere interessante Untersuchungen eröffnet. A. Gutzmer. Bestimmung der geographischen Länge und Breite der Sehneekoppe. — Im nächsten Sommer ist seitens des k. geo- daetischen Institutes in Berlin die genaue Bestimmung der geo- graphischen Länge und Breite der Schneekoppe in Aussicht ge- nommen. Die geographische Länge ist durch unmittelbare astrono- mische Beobachtungen überhaupt noch nicht bestimmt worden, da eine solche nur unter Benutzung des elektrischen Telegraphen er- folgen kann, die Schneekoppe aber erst seit einem Decennium mit Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. dem allgemeinen Telegraphennetz in Verbindung- gesetzt ist. Da- gegen ist die geographische Breite zwar bereits wiederholt ermittelt worden, aber nicht in dem Umfange der Beobachtungen und daher nicht mit der Genauigkeit, welche für einen Punkt von der Be- deutung der Schneekoppe als der höchsten Erhebung Deutschlands nördlich der Donau nothwendig erscheint. Die Beobachtungen werden ca. S Monate Zeit in Anspruch nehmen. X. Astronomischer Kalender. — Am 1. April Sonnenauf- gang 5 Uhr 33 Minuten, Sonnenuntergang 6 Uhr 33 Minuten', Mondaufgang 12 Uhr 42 Minuten, Untergang 9 Uhr 21 Minuten. Am 7. April Sonnenaufgang 5 Uhr 20 Minuten, Untergang 6 Uhr 43 Minuten; Mondaufgang früh 4 Uhr 24 Minuten, Untergang 1 Uhr 17 Minuten. Am 3. April 1 Uhr 35 Minuten letztes Viertel. Von Planeten sind sichtbar Mars und Jupiter. Fixsternbedeckungen ■finden in dieser Woche nicht statt. Um die bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man zu dieser hinzufügen am 1. April 3 Minuten 46,15 Sekunden, am 7. April 2 Minuten 0,69 Sekunden. Dr. F. Plato. Die Erhaltungstendenz im Wittervmgscharakter auf- einander folgender Winter. — Bei der Untersuchung von Fragen nach der Wahrscheinlichkeit, dass der Witterungscharakter aufein- ander folgender Jahre oder Jahresabschnitte der gleiche bleibe oder sich ändere, begegnet man gewöhnlich der Schwierigkeit, dass in den dabei in Rücksicht zu ziehenden ausgedehnten Beöbaclvtungsfeihen nicht selten die Aufstellung der Instrumente, zuweilen auch diese selbst gewechselt haben, woraus sich systematische Felder in der Berechnung ergeben müssen. Nach einer von solchen gänzlich un- abhängigen Methode ist kürzlich durch J. Kleiber untersucht worden (vgl. Meteorologische Zeitschrift, Februarheft 1888), in wie vielen von hundert Fällen auf einen strengen Winter in Russland wieder ein strenger und auf einen milden ein milder folge, nämlich aus der Zeil des Anfangs und Endes der Eisbedeckung der Newa, für welche fast lückenlose Beobachtungen seit 1706 vorliegen. Im Mittel aus allen Jahren fällt der Tag des Zuganges der Newa auf den 15. No- vember, der des Aufganges auf den 10. April, und die Dauer der eisfreien Zeit beträgt 219 Tage oder sechs Zehntel des Jahres. Die wahrscheinliche Abweichung der letzteren von ihrem Mittelwerte beläuft sich für den einzelnen Jahrgang auf elf Tage, aber es ist wahrscheinlicher, dass dieselbe bei aufeinander folgenden Wintern im gleichen als im entgegengesetzten Sinne stattfinde. Hat die eisfreie Zeit schon zweimal hintereinander zu lange oder zu kurze Zeit ge- dauert, so wächst noch die Wahrscheinlichkeit, dass das gleiche auch im dritten Jahre der Fall sein werde; und wenn in drei oder vier Jahren nacheinander die eisfreie Zeit in demselben Sinne von ihrer normalen Dauer abwich, so kann man fast zwei gegen eins wetten, dass auch in dem folgenden Jahre der Sinn der Abweichung derselbe sein wird. Die hierin ausgesprochene Tendenz zur Erhaltung des gleichen Witterungscharakters beschränkt sich jedoch keineswegs auf Russland, denn schon eine ältere Bearbeitung der Temperatur- beobachtungen im preussischen Stationsnetz hat auch G. Hell- mann (vgl. Z. S. des k. statistischen Bureaus 1883) das Resultat ergeben, dass die Jahre mit langen Wintern sehr häufig gruppen- weise aufzutreten .pflegen. Einen neuen Beleg dafür lieferten wie- derum die drei letzten Jahre, deren Wintermonate übereinstimmend zu niedrige Temperaturen hatten. Ihre Abweichung von den lang- jährigen Mittelwerten betrug beispielsweise für Berlin — 1.9° C. in den Monaten December 1885 bis Februar 1886, —0,9° C. im De- cember 1886 bis Februar 1887 und belief sich auf —1,4° C. in den drei letzten Wintermonaten. Dr. E. Less. Arsen in Biercouleur. — Bekanntlich werden vielfach dunkle Biere dadurch hergestellt, dass man hellen Bieren sogenannte Biercouleur zusetzt, ein Präparat, dass in der Regel aus Stärke- zucker durch Erhitzung mit kohlensauren Alkalien erzeugt wird. Im verflossenen Jahre sind mir in drei Fällen Proben von Bier- couleur zur Untersuchung zugegangen, welche bereits in geringen Mengen des Materials das Vorhandensein von Arsen erkennen Hessen. Aus 3 — 5 gr Biercouleur wurden bei geeigneter Vorbereitung charak- teristische Arsenspiegel erhalten Der Befund dürfte kaum zweifel- haft auf die Verwendung unreiner Rohmaterialien zur Stärkezucker- fabrikation zurückzuführen sein. Da im verflossenen Jahre auch von 0. Schweissinger für Zuckereuuleur, die für Konditoreizwecke als Farbe dienen sollte, die gleiche Beobachtung mitgeteilt ist. dürfte das Vorkommen dieser gewiss nicht indifferenten Verun- reinigung weitere Verbreitimg haben. Befunde dieser Art beweisen, wie. aus kaum geahnten Quellen in unsere täglichen Nahrungs- und Genussmittel Spuren von Giften einwandern können. Dr. 0. Bischoff. vereideter Chemiker der Kgl. Gerichte u. des Kgl. Polizei-Präsidiums zu Berlin. Deutseher Geographentag. — In Folge der in ganz Deutschland herrschenden tiefen Trauer um das Hinscheiden des Kai- sers ist der VIII. deutsche Geographentag, welcher vom 4. bis 6. April in Berlin abgehalten werden sollte, um ein Jahr vertagt worden. W. Eine „Club- und Vereinshaus Aetien-GeseUsehaft" ist in Berlin im Entstehen begriffen. Die Anregung ist vom Präsidium der Deutschen Chemischen Gesellschaft ausgegangen, welches die Bildung eines Consortiums aus Vereinsmitgliedern. Architekten und Finanzmännern zur Vorbereitung einer praktischen Lösung dieser Frage veranlasst hat. Das Cousortium hat sich bereits die Er- werbung eines Grundstückes in geeigneter Stadtgegend (Mauer- Strasse 44 — 46) gesichert, Baupläne entwerfen lassen, eine Renta- bilitätsberechnung des Unternehmens aufgestellt und den gesamten Plan einer aus hervorragenden Vertretern der grösseren technisc len und wissenschaftlichen Vereine und Finanzmännern bestehenden Versammlung zur Prüfung vorgelegt. Diese hat das Unterne als ein zeitgemässes und dem allgemeinen Bedürfnisse entsprechendes begrüsst und zur Förderang desselben aus ihrer Mitte einen Ausschusi gewählt, der nach Prüfung und auf Grund des von den Vereinen eingeholten statistischen Materials die Ueberzeugung von der Durch- führbarkeit des Planes gewonnen, und die Verwirklichung desselben auf dem Wege der Bildung einer Aktiengesellschaft innerhalb der Interessenten zur Ausführung zu bringen, beschlossen hat. Fragen und Antworten. Hat die Intensität des Lichtes Einftuss auf die Fort- pflanzungsgeschwindigkeit desselben? Diese Frage war bis vor kurzem noch streitig, sie ist jedoch von Dr. Ebert in den Annalen der Physik 1887. N. F. B. XXXI [ durch genaue Untersuchungen dahin entschieden worden, das-, die Wellenlänge und folglich auch die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes von seiner Intensität unabhängig ist. A. G. Litteratur. Ira Remsen: Einleitung in das Studium der Chemie. Autorisierte deutsche Ausgabe. Bearbeitet von R. Seubert. Laupp's Verlag in Tübingen. 1887. Preis geb. 7 JO. Unter den zum Teil ausgezeichneten Kompendien, Repetitorien, kurzen Lehrbüchern etc. der anorganischen Chemie nimmt die „Ein- leitung in das Studiuni der Chemie" von Remsen ohne Zweifel eine hervorragende Stelle ein. Es giebt wenige derartige Werke, die so klar, leicht verständlich und dabei doch streng wissenschaftlich die Grundbegriffe der Chemie erörtern. In der richtigen Erkenntnis, dass ein Uebermass von Einzelheiten sowie ein zu frühes Eingehen auf die Theorien geeignet ist den Anfänger zu verwirren und das Ver- ständnis für den Gegenstand zu erschweren, beschränkt sich der Verfasser darauf, nur die. wichtigsten Thatsaehen mitzuteilen. Erst nachdem an typischen Beispielen das Wesen der chemischen Vor- gänge eingehend klargelegt, geht er zur Besprechung der wissens- wertesten theoretischen Grundlehren über. Das Werk ist durch- aus eigenartig und verdient die weiteste Verbreitung. Die vor- liegende deutsehe Fei lersetzung resp. Bearbeitung dieses zuerst in englischer Sprache erschienenen Buches ist als eine treffliche zu be- zeichnen. Dr. C. Baerwald. Zur Nachricht! Die Redaktion wird sich bemühen, zeitgemässe und soweit es der Gegenstand nur irgendwie zulässt allgemein -verständliche — also vor allen Dingen mit möglichster Fernhaltung von Fremdwörtern geschrie- bene — Aufsätze und kleinere Mitteilungen aus dem Ge- samtgebiete der Naturwissenschaft und ihrer praktischen Anwendung zu bringen. Wir bitten alle diejenigen, welchen die Naturwissen- schaft am Herzen liegt, uns ihr Vertrauen zu schenken! Redaktion und Verlag. Briefkasten. Den Entwurf zum Titelkopf verdanken wir der kunst- geübten Hand des Kgl. Preuss. Hof- Dekorations- Malers Herrn Carl Sievers. Hierzu eine Beilage. Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 8. April 1888. Nr. 2. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Yierteljahrspreis ist J< '_'.— ; Bringegeld bei der Post 15 «j extra. ][ f Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -j. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annalntie bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Die Soolquelle im Admiralsgarten-Bad zu Berlin. Vmi Professur Durch die im Admiralsgartenbade zu Berlin statt- gehabte Erbohrung einer seit dem 10. Dezember vorigen Jahres ununterbrochen niessenden Soolquelle hat wieder einmal die Geologie einen Triumph auf praktischem Ge- biete gefeiert und gleichzeitig die Intelligenz wohlver- diente Früchte geerntet. Nicht umsonst war nämlich von wissenschaftlicher Seite schon vor Jahren, als die Anstalt, um sich von dem kostspieligen Leitungswasser frei zu machen, sich durch eine erste Tiefbohrung in den Besitz eines Süsswasser- brunnens setzte, darauf aufmerksam gemacht worden, dass es nur einigen Mutes und eines gewissen Ver- trauens auf die Beobachtungen der Geologie bedürfe, um die Kosten einer grösseren Tief bohrung nach springen- dem Wasser zu wagen. Des damals gegebenen Winkes wusste man sich zur rechten Zeit zu erinnern. Ein von dem Verfasser noch besonders erbetenes schriftliches Gut- achten stellte bei einer Tiefe von 230 bis etwa 300 m springendes resp. sogenanntes artesisches Wasser in einiger- massen sichere Aussicht. Ob die Wasser aber süsse oder salzige sein würden — hiess es in dem Gutachten — müsse dahingestellt bleiben; jedenfalls dürfte jedoch auch die Erschrotung von Soole dem Bade nur zum Vorteil ge- reichen. Im Juli vorigen Jahres wurde die, nicht unbedeutende Vorkehrungen erfordernde und mit den neuesten Mitteln der Wasserspülung ausgeführte Bohrung begonnen und schon im Dezember — unter der Leitung des Bohr- Dr. G. Heren dt. I technikers Beyer aus Elensburg durch dessen Bohr- meister Christian Jenssen — bei der angegebenen | Tiefe von etwa 232 m eine zu Tage ausfliessende Sool- quelle glücklich erreicht. Die Soole ist 3procentig; sie enthält nach einer von Dr. C. Bischoff ausgeführten vorläufigen Analyse 27,01 Gramm im Liter Kochsalz, 0,1472 0,6631 0,9639 0,1882 Natriumsulfat, Chlorcalcium, Clüormagnesium, Calciumsulfat. Berechnet 28,9724 Gramm Gewogen 29,62 „ Eingehendere, auch auf den Gehalt von Brom, Jod etc. gerichtete Analysen stehen in nächster Aussicht, einerseits durch Professor Dr. Finkener in Berlin, ander- seits durch den Geheimrat Professor Dr. Fresenius in Wiesbaden. Die Bohrung durchsank — 52 m Sande und Grande der Diluvialformation, 52— 88 m Letten, Sande und Kohlen der Braunkohlen- bildung. 88 — 135 m Glimmersande des marinen Oberoligocän, 135—230 m Septarienthon des marinen Mitteloligocän, 230—234 m Glaukonitische Sande und Sandsteinbänkchen, welche wohl dem marinen Unteroligocän zu- zusprechen sein dürften. 10 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2. Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzein mit Pilzen. Von Professor Dr. B. Frank. (Schluss) Das Ueberraschende ist nun, dass diese Wurzel- verpilzung kein vereinzeltes Vorkommen, sondern für die betreffenden Pflanzen allgemeine Regel ist. Zunächst bin ich bei Gelegenheit der Untersuchung der Trüffel- entwickelung, wobei es sich auch um ein genaues Studium der Beschaffenheit der Wurzeln der Waldbäume an den Trüffelorten handelte, auf diese Eigentümlichkeit auf- merksam geworden. Wurzelproben, die ich dann aus den- Oberförstereien des grössten Teiles der preussischen Monarchie erhielt, bestätigten die Allgemeinheit der Mykorhiza an den Wurzeln der wichtigsten Waldbäume. Weitere Nachforschungen zeigten, dass auch in anderen Ländern Europas und auch in anderen Erdteilen z. B. am Kap der guten Hoffnung die betreffenden Baum- gattungen ebenso verpilzte Wurzeln haben wie bei uns. Diese Mykorhiza ist auf bestimmte Pflanzenfamilien beschränkt. Vor allen ist sie den Kupiüiferen in ihrem ganzen Umfange eigen, also den Buchen, Hainbuchen, Haseln, Eichen und Kastanien; daran schliessen sich die Betulaceen. Ferner ist sie unter den Koniferen, nament- lich unter den bestandbildenden Arten verbreitet: näm- lich bei der Pichte, Tanne, Lärche, gemeinen Kiefer, Krummholzkiefer etc. Auch die Linde gehört dazu. Dahingegen sind andere Holzpflanzen in ihren Wur- zeln constant unverpilzt, selbst wenn sie neben jenen Bäumen stehen und ihre Wurzeln mit den Mykorhizen benachbarter Bäume verflochten sind; so z. B. die Esche, die Ahorne, die Rüstern, die Obstbäume. Auch die Wurzeln der kleineren Vegetation des Waldbodens sind nicht in dieser Weise verpilzt. Bei der Keimung der Samen jener Bäume im Boden ist natürlich die junge Keimwurzel zunächst unverpilzt. Aber nach verhältnismässig nicht langer Zeit finden sich die Wurzelpilze ein. Oft sieht man schon an einjährigen Sämlingen fast alle Wurzeln verpilzt, oder erst mit ei- nigen ist dies der Fall, um erst im zweiten oder dritten Jahre vollständig zu werden. Augenscheinlich sind es also im Boden lebende Pilze, welche schneller oder lang- samer auf die im Erdboden sich entwickelnde Baumwurzel gelangen. Sterilisiert man vorher den Erdboden durch Erhitzen oder zieht man die jungen Pflanzen in Wasser- kulturen, wo die Nährsalze in reinem Wasser gelöst den Wurzeln dargeboten werden, so entwickeln sich die Wurzeln pilzfrei und bilden Wurzelhaare, ernähren sich also selbständig. Sind einmal die Saugwurzeln einer jungen Baumpflanze zu Mykorhizen geworden, so setzt sich dies Verhältnis auch in die künftigen Lebensjahre fort und das ganze Wurzelsystem des Baumes bildet Mykorhizen. Denn abgesehen davon, dass bei der Er- starkung der Wurzelentwickelung an immer neuen Punkten die Bodenpilze auf die Pflanzenwurzeln überwandern, folgt schon aus der Fortentwickelung einer Mykorhiza, dass der Pilz mit ihr selbst weitergebildet wird, indem er dem Längenwachstume folgt und auch die neuen Zweige, welche die Mykorhizen treiben von Anfang an bekleidet. Wird die Wurzel älter und stärker, so ent- steht an ihrer Oberfläche das regelmässig in dieser Periode auftretende Korkperiderm , durch welches die Pilzhülle abgestossen wird; in diesem Entwickelungszustande, wo die Wurzel eine Korkhaut bekommen hat, ist sie über- haupt nicht mehr zur Aufnahme von Nährstoffen geeignet. Meine jüngsten Untersuchungen haben mich nun weiter gelehrt, dass eine constante Wurzelsymbiose mit Pilzen auch noch weiter in der Natur besteht, wenn auch in anderen Formen. Bedenkt man, dass bei der bisher beschriebenen Art der Mykorhiza der Pilz ausser- halb der Wurzel sich befindet, weshalb man hier von einer ectotrophischen Pilzwurzel reden kann, so ist nun auch der andere Fall denkbar, dass der die Nahrung für die Wurzel aufnehmende und zubereitende Pilz ins Innere der Wurzel, wenigstens in ihre peri- pherischen Gewebeschichten sich zurückzieht, so dass man einen solchen Fall als endotrophische Myko- rhiza bezeichnen kann. Thatsächlich habe ich diesen Fall nachgewiesen in dem ganzen Umfange der Familie der Ericaceen, nämlich bei Calluna vulgaris, Vaccinium myr- tillus, vitis idaea, uliginosum, oxycoccus, Andromeda poli- folia, Ledum palustre, Azalea- und Rhododendron-Arten, also bei Pflanzen, die teils auf humushaltigem Sand, teils auf Moorboden wachsen. Gestaltlich sind diese Myko- rhizen von den vorigen sehr verschieden. Die Wurzel hat hier bei grosser Länge eine haarförmige Dünne und ist sehr spärlich verzweigt. Diese Wurzeln haben auf- fallend weite Epidermiszellen , die aber wiederum niemals Wurzelhaare bilden. Wohl aber enthalten die meisten in ihrem Innern eine dichte, trübe Masse, die bei genauerer mikroskopischer Prüfung sich als ein Komplex miteinander veiUochtener Pilzfäden erweist. Fig. -t. Nicht selten wachsen einzelne dieser Fäden durch die Membran der Epidermiszelle nach aussen und spinnen sich weiter über die Wurzel- oberfläche hin, ohne sie jedoch wirklich mit einem vollständigen Pilzmantel über- ziehen zu können, oder sie wachsen auch von der Wurzel weg in den Boden hinein. Als endrotrophische Mykorhiza muss auch der schon bekannte Fall des Vor- kommens von Pilzen in den Orchideen- wurzeln betrachtet werden. Diese Pilze D d n ureh etaeiMw"' naDen iüren hauptsächlichen Sitz in einer rhiza von a. p., die 0( j er me hreren kontinuierlichen Schichten pilzerfullten grossen Epidermis- Behufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von Jt 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von Jt 2,10 (in Briefmarken.) Einzelne Nummern kosten 25 4. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. Jetzt vollständig' erschienen! I Verlag von B. F. Voigt in Weimar. Die Präzis der aturgeschichte. Ein vollständiges Lehrbuch über das Sammeln lebender und toter Naturkörper ; deren Beobachtung, Erhaltung: und Pflege im freien und gefangenen Zustand; Konspiration, Präparation und Aufstellung in Sammlungen etc. Nach den neuesten Erfahrungen bearbeitet von Phil. Leop. Martin. In drei Teilen. Erster Teil: Taxidermie oder die Lehre vom Präparieren, Konservieren und Ausstopfen der Tiere und ihrer Teile; vom Na- turaliensammeln auf Reisen und dem Naturalienhandel. Dritte verbesserte Auflage revidiert von L. und P. Martin unter Mitwirkung von Konservator Hodek. Mit Ph. L. Martin's Bildnis und einem Atlas, enthaltend 10 Tafelu nach Zeichnungen von L. Martin. 1886. gr. 8. 6 Mark. Zweiter Teil: Dermoplastik und Museologie oder das Modellieren der Tiere und das Aufstellen und Erhalten von Naturaliensanimlungen. Zweite verm. und verb. Auflage. 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Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: Prof. Dr. ö. Behrendt: Die Soolquelle im Admiralsgartenhad zu Berlin — Prof. Dr. B. Frank: Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. (Mit Abbild.) Schluss. — Geheimrat von Nussbaum in München: Körperliche und geistige Ar beit im Gleichgewicht. —Kleinere Mitteilungen: Einen neuen Apparat zur Darstellung einfacher Schwingungen, der Papiererfindung. — Astronomische Nachrichten. — Astronomischer Kalender. — Verzeichnis von Vorlesungen Akademie zu Berlin. — 7. Kougress für innere Medicin. — Fragen und Antworten: Unterschied. von Gneis richtsmittel : Hilfsmittel für den geographischen Unterricht, — Briefkasten. — Inserate. — Zur Geschichte an der Humboldt- und Granit. — Unter- Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie\ — Verlag: niemann & Möller. — Druck: Gebrüder Kiesau. 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Dieser Notwendigkeit ist bereits in ver- schiedenen Städten Rechnung getragen worden; Berlin. Wien, Neufchätel, Paris, London und verschiedene amerikanische Grossstädte besitzen mehr oder minder ausgedehnte Systeme einheitlich regulierter öffentlicher Uhren. Am weitesten ist man in dieser Beziehung in Paris vorgegangen, indem daselbst an ein grösseres Netz öffentlicher Uhren ein ausgedehntes System privater Uhren angeschlossen ist. In Berlin sind bereits im Laufe des vorigen Jahr- zehnts auf Veranlassung des Direktors der Sternwarte Professor Dr. Foerster seitens der Stadtverwaltung auf öffentlichen Plätzen sechs Normaluhren aufgestellt worden, welche von der Sternwarte aus elektrisch reguliert werden und die richtige Zeit bis auf die Sekunde genau angeben. Doch hat sich gegenwärtig mit. der wachsenden Aus- dehnung der Stadt die Notwendigkeit einer noch weiter- gehenden Vervielfältigung herausgestellt. Um eine der- artige Erweiterung der bestehenden Einrichtungen anzu- bahnen, hat Dr. Leman im Auftrage des Direktors der Sternwarte ein Gutachten über die für die öffentliche )r. Th. Albrecht, Sektionschef am k. geodätischen Institut in Berlin. von Einrichtungen Zeit-Regulierung in Betracht kommenden technischen Einrichtungen ausgearbeitet, welches gegenwärtig in Ver- bindung mit Vorschlägen des Herrn Professor Foerster, betreffend die künftige Gestaltung der öffentlichen Zeit- Regulierung in Berlin, publiziert worden ist. Diese Schrift ist zwar in erster Linie zur Information für die betreffen- den Interessentenkreise bestimmt, da es sich hierbei aber um Erörterungen von weitergehendem Interesse handelt, erscheint es angezeigt, im folgenden an der Hand dieser Schrift eine für weitere Kreise bestimmte Darlegung der einschlägigen Verhältnisse zu gelten. Je nach dem Präzisionsgrad, bis zu welchem das Problem der Regulierung gelöst werden soll, sind drei verschiedene Arten von Uhren zu unterscheiden. Erstens die Präzisionsuhren, welche in ihren Angaben nur um Bruchteile einer Sekunde differieren; zweitens die öffent- lichen Uhren auf Türmen, Bahnhöfen u. s. w., bei denen der Fehler bis zu 10 Sekunden anwachsen kann; drittens endlich die Uhren im Innern von Gebäuden, bei welchen selbst ein Fehler bis zu 20—30 Sekunden zulässig ist, da für den gewöhnlichen Verkehr die Minute als die kleinste Zeiteinheit angesehen werden kann. Als Mittel für die Regulierung ist bisher für die erste und zweite Art der Uhren ausschliesslich die Elektricität in An- wendung gekommen, als solches für die dritte Art aber neben der Elektricität auch komprimierte oder verdünnte Luft. Welches dieser beiden Hilfsmittel mit Vorteil an- zuwenden ist, hängt wesentlich von der Ausdehnung der ganzen Anlage ab. Ist dieselbe bedeutend, so kann die Regulierung nur auf elektrischem Wege erfolgen, weil 18 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. die Fortpflanzung pneumatischer "Wirkungen nicht mit derjenigen Präzision vor sich geht, welche erforderlich ist, um eine ausreichende Zuverlässigkeit der Zeitüber- tragung auch für grössere Leitungslängen zu sichern. Die älteste Methode der Zeitübertragung basiert auf der Anwendung der sogenannten elektrischen Zifferblätter. Die Uhr auf der Centralstation ist mit einer selbstthätig wirkenden Vorrichtung versehen, durch welche im Ver- laufe einer jeden Sekunde ein elektrischer Strom ge- schlossen und wieder unterbrochen wird. In diesen Strom- kreis sind eine Anzahl Elektromagnete eingeschaltet, deren Anker bei jedem Stromschluss angezogen werden und durch Uebertragung dieser Bewegung auf die neben den Elektromagneten befindlichen Zeigerwerke die Se- kundenzeiger derselben jedesmal um eine Sekunde vor- wärts bewegen. Diese Einrichtung leidet aber an dem Uebelstande, dass es fast unmöglich ist, metallische Kou- takte für den Stromschluss herzustellen, welche bei der Kürze ihrer Zeitdauer (nur den Bruchteil einer Sekunde umfassend) und der starken Inanspruchnahme (einmal während jeder Sekunde, also 86400mal im Laufe eines Tages) nicht zeitweilig infolge Oxydation der sich be- rührenden Metallflächen versagen. Jedes Ausbleiben eines Stromschlusses hat aber zur Folge, dass die Anker der Elektromagnete nicht angezogen werden und infolge- dessen die Sekundenzeiger nicht weiterrücken. Die An- gaben der elektrischen Zifferblätter werden dadurch un- richtig und bleiben im Laufe einer gegebenen Zeit um so viele Sekunden zurück, als während derselben Kon- takte ausgeblieben sind. Man hat diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen gesucht, dass man die Zahl der im Laufe eines Tages eintretenden Kontakte wesentlich ver- minderte und die Zeitdauer eines jeden beträchtlich er- höhte, indem man die Anker nicht mit den Sekunden-, sondern mit den Minutenzeigern in Verbindung setzte. Man erhält dann eine springende Minute und bedarf im Laufe eines Tages nur 1440 Kontakte. Dieses System ist gegenwärtig vielfach auf Bahnhöfen in Anwendung und in ausgedehntem Masse auch bei dem Betriebe der Berliner Stadtbahn eingeführt. Durch dieses Hilfsmittel ist allerdings eine Besserung erzielt, aber eine volle Be- seitigung der Uebelstande dieses Systems auch auf diesem Wege nicht erreicht worden. Man hat auch eine pneu- matische Auslösung des Zeigerwerkes in Vorschlag ge- bracht, doch ist eine solche wegen der geringeren Zu- verlässigkeit in der Fortpflanzung pneumatischer Wirkungen nur bei Anlagen von geringer Ausdehnung der Leitungen mit Erfolg anzuwenden. Im allgemeinen hat sich aber das System der elektrischen Zifferblätter nicht bewährt und nur dort gute Resultate geliefert, wo für aufmerk- same Ueberwachung und Unterhaltung der elektrischen Einrichtungen in umfassender Weise Sorge getragen ist. Dieser Unvollkommenheit des Zifferblattsystemes ist in neuerer Zeit dadurch abgeholfen worden, dass man die zu regulierenden Uliren als wirkliche Pendeluhren konstruiert und den elektrischen Strom nur dazu benutzt, Erd Je. t tu_ tv$_ eine Synchronisation, d. i. eine volle Uebereinstimmung der Pendelschwingungen dieser Uhren mit denen der Hauptuhr herzustellen. Es entspricht dies dem System der sympathischen Uhren, welches für die Präzisions- bezw. die Normaluhren in Berlin und Paris adoptiert worden ist und sich nach jeder Richtung hin bewährt hat. Die folgende Figur stellt das System dar, welches bei den Berliner Normaluhren in Gebrauch ist und das abgesehen von einigen Modifikationen demjenigen ent- spricht, welches im Jahre 1858 von Jones in ehester angegeben wurde. Die Normal- uhren sind voll- ständige Pendel- uhren, welche in der gewöhnlichen Weise aufgezogen werden und so justiert sind, dass sie im Laufe des Tages bis auf eine geringe Anzahl Sekunden genau nach richtiger Zeit gehen. Die Pen- del tragen aber an Stelle der Linse einen Hohlcylinder, welcher mit iso- liertem Draht um- wunden ist, dessen Enden an der Pendelstange in die Höhe führen und mit der Telegraphenleitung nach der Sternwarte oder der Erde in Verbindung gesetzt sind. Ferner ist seitlich an jeder Normaluhr ein stab- förmiger permanenter Magnet so angebracht, dass ihn die Drahtrolle bei der grössten Amplitude des Pendels gerade umschliesst, ohne ihn aber zu berühren. Die Hauptuhr auf der Sternwarte, welche so genau als mög- lich (bis auf Bruchteile einer Sekunde) auf richtiger Zeit erhalten wird, ist mit einer Vorrichtung (zeitweilige Be- rührung eines am Pendel befestigten Metallstiftes mit einer seitlich aufgestellten Metallfeder) versehen, zufolge deren sie selbstthätig alle 2 Sekunden einen nur einige Zehntel -Sekunden andauernden Stromschluss bewirkt. Infolge dieser sich stetig wiederholenden Stromschlüsse umkreist im Verlaufe jeder Doppelsekunde ein elektrischer Strom die Drahtrolle der Normaluhr und ruft dadurch eine magnetische Anziehung mit dem permanenten Magnet, über welchen die Rolle hinwegschwingt, hervor. Diese magnetische Wechselwirkung wird nur dann ohne Ein- fluss auf die Schwingungen des Pendels bleiben, wenn sich die Rolle im Moment des Stromschlusses genau in der Mitte des Magnet befindet, in allen übrigen Stellungen aber wird dieselbe die Schwingungen des Pendels be- schleunigen oder verzögern. Nimmt man an, das Pendel habe sich in der neutralen Lage befunden, die Uhr zeige Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 19 aber infolge unvollkommener Justierung oder ander- weitiger äussere')- Einflüsse die Tendenz, gegen die rich- tige Zeit vorzueilen oder zurückzubleiben. In diesem Falle wird das Pendel bestrebt sein, seine Schwingungs- phase zu verändern; da aber bei jeder Aenderung der- selben sofort die verzögernde oder beschleunigende mag- netische Anziehung zu wirken beginnt, wird das Pendel in seine richtige Lage zurückgeführt und trotz der Tendenz der Uhr, vorzueilen oder zurückzubleiben, eine voll- kommene Uebereinstimmung der Pendelschwingungen der Normaluhr und der Hauptuhr erzielt werden. Aus diesen Darlegungen geht ferner hervor, dass ein Ausbleiben eines oder selbst mehrerer Kontakte aus dem Grunde keine Beeinträchtigung der Angabe der Normaluhr be- wirkt, weil die geringe Abweichung in der Schwingungs- phase des Pendels, welche infolge des Versagens selbst einer massigen Reihe von Kontakten eintreten kann, durch die folgenden Kontakte binnen kürzester Frist wieder beseitigt wird. Zur Sicherung des Betriebes sind auf der Zentral- station in die nach den einzelnen Normaluhren führen- den Leitungen Galvanoskope eingeschaltet, an denen bei jedem Stromschluss eine Bewegung der Nadel wahrzu- nehmen ist. Die regelmässige Wiederkehr dieser Nadel- äusschläge nach Ablauf von je zwei Sekunden bietet eine Gewähr, dass die Leitung intakt ist und die Re- gulierung in vollem Umfange erfolgt. Um indess volle Gewissheit zu erlangen, dass die Angaben der einzelnen Normaluhren streng mit denen der Hauptuhr überein- stimmen, ist ferner die Einrichtung getroffen, dass jede Uhr allstündlich nach der Sternwarte ein Kontrollsignal abriebt. Zu diesem Behüte ist auf der Minutenwelle jeder zu regulierenden Uhr ein Stift angebracht, welcher einmal im Laufe jeder Stunde bei einer im Voraus be- stimmten Stellung des Zeigers eine Feder berührt, hier- durch einen elektrischen Strom schliesst und durch Ver- mittelung desselben auf der Steinwarte ein Signal ver- zeichnet. Trifft dieses Signal zu der richtigen Minute und Sekunde ein, so gewährt dies eine volle Sicherheit dafür, das die Zeitregulierung vollkommen zuverlässig funktioniert. Sollte jedoch infolge vorübergehend wirken- der Hindernisse oder einer zeitweisen Unterbrechung der Leitung ein Zurückbleiben oder Voreilen einer der Normaluhren erfolgt sein, so wird der Fehler der betreffen- den Uhr von der Sternwarte aus auf folgende Weise beseitigt. Die Verbindung der Normaluhr mit der Haupt- uhr wird aufgehoben und an Stelle der letzteren eine Hilfsuhr eingeschaltet, deren Pendel, je nachdem die zu regulierende Uhr zurückgeblieben oder vorgeeilt ist, etwas rascher bezw. langsamer schwingt, als das Pendel der Hauptuhr. Dadurch wird die Normaluhr so lange zu einem rascheren bezw. langsameren Gange genötigt, bis der Fehler beseitigt ist, worauf die Hilfsuhr ausgeschaltet und die Verbindung mit der Hauptuhr wieder hergestellt wird. Grössere Hindernisse werden freilich auch auf diesem Wege nicht zu beseitigen sein, wenn man nicht zu dem Hilfsmittel der Anwendung sehr starker gal- vanischer Batterieen seine Zuflucht nehmen will. Da aber dieses Auskunftsmittel anderweitige Unzuträglichkeiten im Gefolge hat, und bei starkem Voreilen oder Zurück- bleiben die Gefahr nahe liegt, dass es sich um eine dauernde Beeinflussung des Ganges der betreffenden Uhr handelt, wird man bei Eintritt eines solchen Falles auf Beseitigung des Fehlers von der Sternwarte aus ver- zichten und statt dessen an Ort und Stelle die Ursache der Abweichung zu ermitteln suchen. In Paris ist ein System der Regulierung in Gebrauch, welches im Jahre 1847 von Foucault angegeben wurde und gleichfalls darauf basiert, unter Vermittelung elektri- scher Stromimpulse eine volle Uebeieinstimmung der Pendelschwingungen der Normaluhren und der Hauptuhr zu erreichen. Die Pendel der Normaluhren tragen an Stelle der mit Draht umwundenen Hohlcylinder gewöhn- liche Pendellinsen, unterhalb derselben aber noch ein Stück weichen Eisens, welches sich bei den Schwingungen des Pendels an zwei zu beiden Seiten aufgestellten Elektro- magneten in sehr geringer Entfernung vorbeibewegt. Der Stromimpuls wird in diesem Falle nicht auf das Pendel selbst, sondern auf die feststehenden Elektromagneten übertragen, im übrigen aber in analoger Weise wie bei dem System Jones durch die in jeder Sekunde wieder- kehrenden magnetischen Anziehungen eine volle Syn- chronisation der Pendelschwingungen erzielt. Auch bei diesem System ist es aber nicht unbedingt erforderlich, die regulierende Wirkung von beiden Seiten aus auf das Pendel ausüben zu lassen ; man kann den einen Elektro- magnet weglassen und dadurch die Anordnung gleichwie bei dem in Berlin angewandten Systeme zu einer ein- seitigen machen. Dadurch wird nicht allein eine Ver- einfachung der ganzen Einrichtung erzielt, sondern auch eine grössere Unempflndlichkeit gegen Variationen in der Stromstärke erreicht, sowie an Kosten für die Erhaltung der Batterieen gespart, da bei einseitiger Anordnung die, Stromimpulse nur alle zwei Sekunden erfolgen. Welches der beiden in Berlin bezw. Paris adop- tierten Systeme den Vorzug verdient, ist schwer zu ent- scheiden; im allgemeinen wird nicht zu leugnen sein, dass das System Foucault in seiner Anordnung einen eleganteren und gefälligeren Eindruck macht. Nicht allein, dass die Handhabung der ganzen Einrichtung bei dem letztgenannten System dadurch wesentlich vereinfacht wird, dass der Strom nicht an der Pendelstange herab- läuft, sondern es wird auch eine etwaige Umkehrung der Stromrichtung bei demselben einflusslos sein, wäh- rend eine solche bei dem System Jones zu sehr empfind- lichen Störungen Anlass eiebt.*) *) In neuester Zeit hat Cornu (Comptes Rendus, Tome CV, pag. 1106) für die Synchronisation ein System vorgeschlagen, dessen Anwendung- gegenüber denjenigen von Jones und Foucault wesent- liche Vorteile in Aussicht stellt. Dasselbe ist in gewissem Sinne eine Umkehrung des Systems von Jones, indem Cornu den seit- lich aufgestellten permanenten Magnet und die am Pendel be- festigte Drahtrolle miteinander vertauscht. Der etwa 15 cm lange Magnet, welcher unterhalb der Pendellinse angebracht ist. bildet 20 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. S. Was übrigens die Aufstellungsweise der Normaluhren anbelangt, so wird in Berlin besonders bei einer Erwei- terung der Anlage eine Abänderung geboten sein, da die Uhren bei der gegenwärtigen Art der Aufstellung in zu hohem Grade störenden Einflüssen ausgesetzt sind. einen Kreisbogen, dessen Mittelpunkt dem Aufbängepunkt des Pendels entspricht. Die Drahtrolle, welche alle 2 Sekunden vom Strom durch- laufen wird, ist soweit seitlieh aufgestellt, dass im Moment der grössten Amplitude nur die auf der zugewandten Seite gelegene Hälfte des Magnet von derselben umschlossen wird. Dieser Rolle gegenüber steht auf der anderen Seite eine zweite von gleichen Dimensionen, deren Drahtwindungen aber nicht mit der Hauptuhr in Verbindung gesetzt, sondern in sich selbst geschlossen sind. Sobald das Pendel nach dieser Seite hin schwingt, tritt der andere Pol des Magnet in diese Rolle ein und induciert in derselben einen Strom, welcher infolge seiner Rückwirkung auf den Magnet eine Dämpfung der Schwingungen des Pendels herbeiführt. Der An- ziehung des einen Magnetpoles infolge der stetig wiederkehrenden Stromimpulse auf der einen Seite steht daher eine fortgesetzte Dämpfung der Schwingungen auf der anderen Seite gegenüber, wo- durch eine noch wesentlich präzisere Synchronisation erzielt wird als bei den Systemen Jones und Poucault. Selbst bei Anwendung nur schwacher Batterieen ist die Wechselwirkung zwischen der Rolle und dem Magnet eine so intensive, dass das Pendel aus voll- kommener Ruhe in Schwingungen versetzt werden kann und die Synchronisation ist eine so kräftige, dass es Comu selbst gelungen ist, eine pro Tag um 6 Minuten 30 Sekunden fehlerhaft gehende Uhr zu vollkommen übereinstimmendem Gang mit der Hauptuhr zu bringen, während bei den Systemen Jones und Foucault schon ein Fehler im täglichen Gange der Uhr von etwa einer halben Minute die Grenze dessen bezeichnet, was bei Anwendung nicht zu starker Batterieen durch diese Regulierungssysteme noch zu com- pensieren ist. Dieselben participieren nicht allein an allen Temperatur- schwankungen der freien Luft, sondern sind infolge der einseitigen Bestrahlung des Gehäuses durch die Sonne und der Erwärmung durch die Gasflammen, welche wäh- rend der Nacht zum Zwecke der Beleuchtung der Ziffer- blätter im Innern des Gehäuses angezündet werden, Temperaturdifferenzen in noch erhöhtem Masse ausgesetzt, und es ist bei der jetzigen Aufstellungsweise kaum mög- lich, die Uhren hinreichend vor dem Verstauben zu schützen. Um diese nachteilig wirkenden Einflüsse auf ein möglichst geringes Mass abzuschwächen, schlägt Dr. Lern an vor, das Uhrwerk unter das Strassenniveau in eine gemauerte und überwölbte Kammer zu legen, welche mit einem Einsteigeschacht versehen ist, und über dieser Kammer ein Postament zu errichten, welches allein das Zifferblatt und Zeigerwerk enthält. Die Uhr wird dann einem geringeren Temperaturwechsel ausgesetzt, sowie vor äusseren Störungen und dem Verstauben besser ge- schützt sein. Man wird indes denselben Erfolg in ein- facherer Weise und vielleicht noch erhöhtem Masse erzielen, wenn man darauf verzichtet, die Uhren auf öffentlichen Plätzen aufzustellen, und sie statt dessen in Parterre-Lokalitäten so unterbringt, dass das Zifferblatt von der Strasse oder dem Platze aus zu sehen und ab- zulesen ist. (Schluss folgt.) Ueber das Konservieren und Präparieren fleischiger Hutpilze. 1 ) Von P. Hennings, Assistent am Mit wie grossen Schwierigkeiten das Konservieren mancher Hutpilze für wissenschaftliche Sammlungen ver- bunden ist, weiss jeder, der Gelegenheit hatte, sich hiermit zu beschäftigen. Es wird auch wohl schwerlich jemals ein Verfahren ersonnen werden, durch welches die fleischigeren Arten derselben völlig unverändert in ihrer Form und Farbe erhalten bleiben. Der ungemein grosse Wassergehalt vieler Pilze bedingt schon eine grosse Veränderung beim Trocken- werden. Ausserdem sind die einzelnen Arten sowohl, als auch grössere Gruppen der Hutpilze, so die Corti- narien, Marasmien, Russuleen, Lactarien von der eigent- lichen Gattung Agaricus durch Merkmale verschieden, die wohl im frischen Zustande recht gut kenntlich sind, durch das Trocknen oder Aufbewahren in Spiritus aber zum Teil oder ganz verschwinden. Hierzu kommt noch, dass eine und dieselbe Pilzart häutig infolge Witterungs- einflüsse, des »Standortes, Substrates u. s. w. in Form und Farbe sehr variiert, und ein und dasselbe Individuum ausserdem, je nach seinem Entwicklungs-Stadium, sein' verschieden sein kann. Ich will hier nur an den be- kannten Fliegenpilz erinnern. Während viele Arten, besonders aus den Familien der Helvellaceen, Pezizeen, Phalloideen, Tuberaceen u. s. w. sich ziemlich gut in Alkohol konservieren lassen, ohne ihre charakteristischen Kennzeichen wesentlich zu verändern, werden die meisten *) Vergl. auch Band I dieser Zeitschrift, Seite 147 Red. Kgl. botanischen Garten zu Berlin. Boletus- und Agaricus -Arten hierin völlig unkenntlich. — Eine Amanita- oder Russulä-Species zu konservieren, ist mir bisher nicht gelungen. Manche Art lässt sich dadurch ziemlich unverändert erhalten, dass ich sie sehr kurze Zeit in schwache schwefelige Säurelösung lege, sie dann auswässere und in Spiritus setze. ■— Derartig pflege ich fast sämmtliche Helvellaceen, Pezizeen und manche Agaricineen zu behandeln. Selbst Russula adusta und R. nigricans, die in Alkohol tief schwarz werden, bleiben auf diese Weise präpariert, nebst der Flüssigkeit unver- ändert. Was nun das Präparieren fleischiger Hutpilze für das Herbar anbelangt, so verfahre ich mit diesen in fol- gender Weise: Jede Pilzart wird möglichst in mehreren Exemplaren und in versclüedenen Entwickelungs- Stadien gesammelt. Die Hüte einzelner sporenreifer Exemplare werden an der Ansatzstelle von den Stielen abgeschnitten und be- hufs Erlangung von Sporenpräparaten auf entsprechende Papierstückchen gelegt. Von den übrigen Pilzen suche ich möglichst dünne Längsschnitte zu fertigen. Nachdem ich mehrere gut erhaltene, sich gegenüberstehende La- mellen auf der Unterseite des Hutes aufgesucht, führe ich mittelst flacher, scharfer Messerklinge, einen Schnitt von oben durch den Hut und Stiel aus und zerspalte damit den Pilz in zwei gleiche Längshälften. Von beiden werden dann ein oder mehrere dünne Längsschnitte, Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 21 welche möglichst nur eine Lamelle besitzen, gefertigt. Diese Schnitte werden auf einen glatten Seiden- oder Fliesspapierbogen gelegt und dann zwischen Fliesspapier- lagen getrocknet. Die beiden Huthälften löst man vom Stiele ab und entfernt durch Ausschneiden und Aus- schaben die Lamellen und das Fleisch soweit als möglich, ohne die Oberhaut zu verletzen. Ist letztere schmierig oder mit Warzen bedeckt, wie es beim Fliegenpilz der Fall ist, so lege ich die ausgefleischten Hüte mit der Unterseite auf Fliesspapier und lasse die Oberseite ent- weder in der Luft etwas trocken werden, oder erziele dieses durch sorgfältiges Abtupfen mit einem weichen Tuche. Alsdann werden die einzelnen zusammengelegten Teile auf Bogen zwischen Fliesspapier] agen gebracht und getrocknet. Für gewöhnlich ist nur ein einmaliges Wechseln der Lagen erforderlich. In manchen Fällen ist es rätlich, einzelne Exemplare nur zu halbieren, die Lamellen nicht zu entfernen und sie schwächerem Druck auszusetzen, um sie später lose in Papierkapseln beizufügen. Klei- nere Arten mit wenig fleischigen Hüten, wie viele My- cenen, Omphalien, Marasmien u. s. w. sind ebenfalls teils halbiert, teils ganz, ohne dass Fleisch und Lamellen aus- geschnitten werden, einzulegen. Die trockenen Exemplare werden, wenn nötig, mit der Scheere etwas beschnitten und auf der Unterseite mit in Alkohol gelöstem Queck- silber-Sublimat mittelst eines feinen Pinsels bestrichen. Sollten Papierreste an den Hüten festgeklebt sein, so lösen sich diese beim Durchdringen der Sublimatlösung gewöhnlich ab, oder sie lassen sich leicht abziehen. Um die Pilze auf Papierbogen zu befestigen, ver- wende ich am besten einen gut zerriebenen Stärkemehl- kleister, der mit einem Vierteil aufgelösten Gummi ara- bicum gleich massig gemischt wird. Zuerst wird der Stiel und dann der Hut aufgelegt, so dass das Präparat die Form des lebenden Pilzes im Profil zeigt. — Gewöhnlich klebe ich die verschiedenen Entwickelungsstadien der Reihe nach auf, und darunter in gleicher Weise die Längs- schnitte, alsdann die Sporenpräparate und etwaige Kapseln mit losen Exemplaren derselben- Art. — Am besten ist ein starkes, festes Papier oder Kartonpapier zu ver- wenden und zwar in entsprechenden Formaten. Die aufgeklebten Pilze werden zwischen Papierlagen gut ge- presst. Was nun die Anfertigung der Sporenpräparate be- trifft, so wende ich je nach der Sporenfärbung verschie- dene Methoden an. Die vom Stiel getrennten Böte mit unverletzten Lamellen werden, falls sie farbige Sporen besitzen, auf weisses Schreibpapier gelegt, dagegen die, mit weissen Sporen auf blaues Papier, dessen Farbe aber konstant sein muss und dann mit einer Glasglocke und Schachtel bedeckt. Kleinere Arten, die leicht trocken werden, kann man auf Blumentöpfe oder Schüsseln, die etwa 1 oder 2 er» unterhalb des Randes mit feuchtem Sand gefüllt sind, legen und diese dann mittelst einer Glasscheibe oder eines Brettes bedecken. Während grössere Pilze gewöhnlich schon nach 6 — 12 Stunden so viele Sporen abgeworfen haben, dass auf dem Papier- blatte ein deutliches Abbild des Hymeniums sichtbar ist, dauert dieses bei sehr kleinen Pilzen oft 1 bis 2 Tage. Um farbige Sporen auf dem Papier zu fixieren, so dass sie nicht verwischbar sind, nehme ich soviel Kolophonium, als sich im Alkohol bester Qualität auflöst, und bestreiche mit dieser Lösung das Papier mit dem Sporenpräparat von unten. Die Flüssigkeit muss das Papier und die Sporen hinreichend durchdringen. — G. Herpell in St. Goar, welcher das Fixieren der Sporenpräparate zu- erst bekannt gemacht hat, wendet zu diesem Behufe complicieitere Lösungen von verschiedener Stärke an, doch dürfte das einfachere Verfahren, wenn es den Zweck gleich gut erfüllt, das bessere sein. Für die weissporigen Pilze ist in manchen Fällen die Herpell'sche Fixierungs- flüssigkeit, bestehend in einer Auflösung von einem Teil Mastic, in dreissig Teilen Aeter ganz vortrefflich. Bei vielen Tricholoma-, Clitocybe-, Mycena-, Collybia-Arten j aber werden die Sporen durch diese Behandlung meistens durchsichtig oder durch zu starken Zusatz von Mastic gelblich gefärbt. — Für diese Arten verwende ich letzt- zeitig ein besonders präpariertes Papier, welches mit der oben beschriebenen Kolophonium-Lösung ein- oder mehr- mals getränkt wird. Dieses Papier kann man stetig vor- rätig halten und in Benutzungsfällen ein entsprechendes | Stück abschneiden. Der Pilzhut wird darauf gelegt und wenn genügend Sporen abgeworfen sind, sorgfältig ab- geholten. — Das Papier wird von unten über einer Gas- flamme gleichmässig erwärmt. — Hierdurch wird das im Papier enthaltene Harz flüssig und bindet beim Erkalten die Sporen, welche ihre Farbe unverändert bewahren und schwer verwisehbar sind. Kleinere Mitteilungen. Ueber die Knallgas -Explosion hatte Bansen bereits 1867 auf Grund experimenteller und theoretischer Untersuchungen die Behauptung aufgestellt, dass dieselbe aus einer Reihe aufein- ander folgender Partial-Explosionen bestehe. Gegen dieselbe war von einigen Seiten Widerspruch erhoben worden, so dass man über diesen Punkt unklar war. Daher haben A. v. Oettingen und A. v. Gernet neue Versuche zur Feststellung des Vorganges bei einer Knallgas-Explosion unternommen, und sie kommen (Ann. d. Phys. u. Chem.) zu dem Resultat, dass die Befunde der experimen- tellen Untersuchungen sich mit Bunsen's Annahme gut deuten lassen. Die Explosion wurde dabei mittels eines elektrischen Funkens hervorgebracht und auf einem rotierenden Spiegel, welcher mit einer photographischen Camera in Verbindung stand, beobachtet. Die photugraphischen Aufnahmen zeigen drei verschiedene Arten von Lichtwirkungen, welche sich als Wellenzüge zu erkennen geben. Ferner ergiebt sich, dass die Explosion selbst lichtlos vor sich geht; die beobachtete gelbliche Lichterscheinung rührt von anderen Teilen (Natrium) her, welche bei der hohen Temperatur aufleuchten. Der fehlenden Lichterscheinung wegen kann die Explosion auch keine Wirkung auf die photographische Platte ausüben, während man durch Hinzufugen von Metallsalzen gute Aufnahmen erhält. Die Explosion geschieht von der Funkenstelle aus in einer Reihe auf- einander folgender Partial-Explosionen, welche sich auf dem photo- graphischen Bilde in den sogenannten „Nebenwellen" erkennen 22 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. lassen. Die nähere quantitative Verwertung der Resultate (Be- stimmung der Explosionsgeschwindigkeit u. s. w.) können wir in diesem kleinen Rahmen nicht ausführlich angehen und müssen auf das Original selbst verweisen. A. Gutzmer. Künstliche Rubine. — Die Bedeutung, welche die Ver- suche, Mineralien künstlich darzustellen, für die Wissenschaft haben, liegt hauptsächlich darin, dass dieselben geeignet sind, eine Erklärung der natürlichen Entstellung der Mineralien und Gesteine anzubahnen und zu geben, über die Art ihres Auftretens und endlich über die genaue chemische Zusammensetzung gewisser Mineralien Licht zu verbreiten. Dass die Darstellung der Edelsteine für das praktische Leben von hoher Bedeutung sein muss, liegt auf der Hand. Nach- dem die künstliche Erzeugung von Korund (AI 2 O 3 ) schon auf ver- schiedene Weise gelungen ist, hat im letzten Jahre Fremy in Paris in Gemeinschaft mit dem Chemiker Verneuil (Vergl. Comptes rendus) eine schon früher von ihm und Feil angewandte Methode weiter vervollkommnet. Dieselbe beruht auf der Anwendung von Fluoriden, die sicli bei der künstlichen Erzeugung verschiedener Mineralien fruchtbar erwiesen hat vermöge der erkannten mineralbildenden Kraft der Flusssäure. Freray erhitzte Fluorbaryum und Thonerde, der winzige Mengen von doppelchromsauren Kali beigemischt waren, zusammen etwa 50 g, in einem Tiegel. Das Chromsalz hat nur den /weck, die rote Farbe des entstehenden Korunds hervorzurufen, die von Spuren von Chromoxyd herrührt. Die Höhe der Temperatur und die Zeit des Erhitzens ist genau abzumessen (aber zunächst noch nicht bekannt geworden). Aus der weissen, porösen Schmelze sind die gebildeten roten Korunde (Rubine) durch Ausschütteln mit Wasser leicht zu isolieren. Die Grösse der Krystalle erreichte 0,6 bis 0,75 mm. Die chemische Analyse ergab nur Thonerde mit Spuren von Chrom. Die Krystalle gleichen in Schwere, Härte, Farbe, Glanz, Durchsichtigkeit und Lichtbrechung durchaus den natürlichen Rubinen, gleich denen sie auch rhomboedrisch krystalli- sieren. Interessant ist dabei, dass nach den krystallographischen Untersuchungen, welche Des Cloizeaux vornahm, ausser Rhomboeder und Basis sich Flächen vorfinden, die wohl an dem mit dem Korund isomorphen Eisenglanz (Fe 2 O 8 ), aber nicht am natürlichen Korund beobachtet wurden sind. Es sollen nun Versuche angestellt werden grössere Krystalle zu erzielen. In einer der folgenden Nummern der Naturw. W. werde, ich mich über die Bedeutung und die Ergebnisse der künstlichen Er- zeugung von Mineralien aussprechen. Dr. R. Scheibe. Das Aspirationsthermometer. — Eine der schwierigsten Aufgaben der meteorologischen Beobachtungskunst, nämlich die Ermittelung der wahren Lufttemperatur eines gegebenen ( (rtes ist neuerdings durch die Untersuchungen des Dr. fi. Assmann, Ober- beamten des Königlich Preussischen Meteorologischen Instituts, einer völlig befriedigenden Lösung nahe gerückt worden. Da die An- gaben der Thermometer in festen Aufstellungen, d. h. in mehr oder weniger gut ventilierten Gehäusen resp. Hütten durch vielfache Fehlerquellen störend beeinflusst werden, ferner das von Arago an- gegebene „Schleuderthermometer" neben seinen Vorzügen leichter Handhabung und grosser Empfindlichkeit dennoch erhebliche Mängel besitzt, erscheint die Konstruktion eines Thermometers das von den Nachteilen sowohl der festen Aufstellung als auch des Thermometers „fronde" frei ist, als ein erheblicher Fortschritt. Da die erste Bedingung zur Erhaltung der wahren Luft- temperatur die beständige Berührung des Thermometergeiässes mit den der freien Atmosphäre angehörenden Luftmassen ist. erwies sich als einzig zum Ziel führendes Verfahren die Aspiration der zu untersuchenden Luft, indem diese durch ein Röhrensystem an dem Thermometer vorbeigeführt wird, ohne vorher durch Wärme- wirkung fremder, grössere Masse besitzender Körper beeinflusst werden zu künnen. Der zweiten Bedingung, nämlich der Fern- haltung jeglicher Erwärmung durch Strahlung wurde nach langen Versuchen durch Anwendung hochpolierter Metallflächen genügt, welche zur Umhüllung des Thermometers verwendet werden. Danach besteht das Aspirationsthermometer aus zwei Haupt- teilen: dem Thermometer, umschlossen von einem hochpolierten Metall- rohr und dem Aspirator, der mit demselben durch einen Gummi- schlauch verbunden wird. Als bequemster Aspirator dient ein mit sehr exakt schliessenden Ventilen versehener Saugebalg (als um- gekehrt wirkender Blasebalg zu denken), mittelst dessen ein Luft- strom von konstanter Geschwindigkeit aus der freien Atmosphäre durch die Umhüllung des Thermometers hindurchgesaugt wird. Zur Verhütung eines etwaigen Restes von Strahlung kann das Thermo- metergefäss mit einer zweiten polierten Metallhülse versehen werden, durch welche gleichfalls die Aspiration stattfindet. Ein so kon- struiertes Instrument zeigt bei gleichmässiger Aspiration im Schatten und im vollen Sonnenschein keinen wahrnehmbaren Unterschied seines Standes — die Verwendung desselben Instruments als Psychro- meter, indem ein ebenso konstruiertes befeuchtetes Thermometer da- chen geschaltet wird, ermöglicht es, endlich zuverlässige und brauch- bare Bestimmungen der Feuchtigkeit der Luft zu erhalten, was nach den bisherigen Methoden namentlich bei Frostwetter oft unaus- führbar ist. Wir hoffen die Eigenschaften des neuen Apparates später ein- gehend darzulegen, und bemerken nur, dass er wegen seiner grossen Empfindlichkeit, mit welcher er jede Aenderung der Temperatur sofort anzeigt, bei Ballonfahrten und auf Reisen als einzig brauchbar erscheint, aber auch für die gewöhnlichen Aufgaben klinratologischer Forschung der ausgedehntesten Verwendung fähig ist. Dr. Ernst Wagner. Astronomisches. — I. Astronomische Neuigkeiten: Voruntersuchungen zur Herstellung photographischer Himmelskarten. Bei dem im Frühjahr 1887 stattgehabten astronomischen Kongress in Paris wurde beschlossen, phutographische Aufnahmen des gesamten Sternenhimmels zu machen. Einen grossen Teil der hierzu nötigen Vorarbeiten übernahm das Potsdamer astrophysikalische Observatorium zu Potsdam. Die bezüglichen Aufgaben waren die folgenden: 1. Herstellung photographischer Gitter zur Ausmessung der Plat- ten. — Diese Gitter sollten zunächst dem Zwecke dienen, Verzerrungen der lichtempfindlichen Schicht nachzuweisen, um bei den Messungen dieselben in Rechnung stellen zu können. Während der Unter- suchung zeigte es sich, dass sie auch direkt zu Messungszwecken sich vorzüglich verwenden Hessen. Bei der Ausführung der Netze versah man zunächst Glasplatten mit verschieden gefärbten Lack- überzügen, in welche feine. Linien eingerissen wurden. Allein die Kopien fielen nicht zur Zufriedenheit aus, ebensowenig wie die von Netzen, die dadurch hergestellt wurden, dass man feine Platin- drähte über einen Rahmen spannte. Vorzügliche Gitter dagegen wurden von Dr. Scheiner bei der Verwendung stark versilberter Glasplatten erhalten, allerdings auch nur bei besonderer Form und Anwendung des Reissers. 2. Untersuchungen über die Veränderung der empfindlichen Schiebt in Folge der durch Hervorrufung und Fixierung bedingten Manipulationen. — Die Untersuchungen des Dr. Scheiner haben gezeigt, dass trotz des hohen Genauigkeitsgrades der Messungen, der Betrag der Verziehungen ein ausserordentlich geringer sei bei der Anwendung von Gelatineschichten, dass er dagegen bei Kol- lodiumschichten unter gewissen Umständen recht erheblich werden kann. — Komet. Satverthal. Dieser Komet ist nun auch in Europa gesehen und zwar auf der Sternwarte in Palermo am 13. März. Der Kern erscheint glänzend, der Schweif breit, divergent und nach WSW gerichtet, Populärer Führer durch den Fixsternhimmel. Unter diesem Namen bringt Vogtherr in Bamberg ein Instrument in den Handel, das in der einfachsten Weise dem Laien erlaubt jeden Stern am Himmel aufzufinden. Der Apparat ist von Liebhabern der Astronomie und auch für Unterrichtszwecke recht gut zu verwerthen. II. Astronomischer Kalender. — Am 10. April Sonnenauf- gang 4 Uhr 59 Minuten, Untergang 6 Uhr 59 Minuten; Mondaufgang morgens 8 Uhr 32 Minuten, Untergang abends 12 Uhr 5 Minuten. Am 23. April Sonnenaufgang 4 Uhr 44 Minuten, Untergang 7 Uhr 11 Minuten; Mondaufgang nachmittags 3 Uhr 18 Minuten. Untergang früh 4 Uhr 22 Minuten. Am 19. April mittags 12 Uhr 45,8 Minuten erstes Viertel. Von Planeten sind Mars die ganze Nacht und Jupiter sechs Stunden sichtbar. Um bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erbalten muss man von letzterer abziehen am 16. April 20,3 Sekunden, am 23. April 1 Minute 50,1 Sekunden. In der Zeit vom 19. bis 23. April findet ein verhältnismässig bedeutender Steru- schnuppenfall mit mehreren Strahlungspunkten statt, dessen Bahn mit der des Kometen 1 von 1861 ziemliche Uebereinstimmung zeigt. Dr. F. Plato. Pilze als Weinveredler. — Unsere Kenntnis derjenigen Pilze, die durch ihre Lebensprozesse bei der Bildung unserer Genuss- mittel sich beteiligen, ist neuerdings vermehrt worden durch eine Arbeit von Dr. H. Müller- Thurgau über den Traubenpilz Botrytis cinerea. (Landwirtschaftliche Jahrbücher 1888.) Dieser Schimmelpilz, eine Conidienform der zu den Ascomyceten gehörigen Peziza Fuckeliana, befällt die reifen Trauben und versetzt sie in einen Zustand der Fäulnis. Während nun andere Schmarotzerpilze der Trauben, wie das Oidium Tuckeri oder selbst der gemeine Pinselschimmel (Penicillium glaueum), den Ertrag der Beeren er- heblich schädigen, kann die Botrytis cinerea unter günstigen Um- ständen im Gegenteil eine wesentliche Verbesserung des Weins zur Folge haben. Dass die faulen Trauben vielfach bedeutend edlere Weine liefern, wissen die Winzer der deutschen Rhein- und Mosel- gegend längst, sie lassen daher in guten Jahren die Trauben am Stock, bis sie faul geworden sind, und lesen die faulen Beeren aus, um sie gesondert zu verkeltem. Müller-Thurgau hat nun nach- gewiesen, dass die Ursache der Veredlung in den Lebensprozessen des Pilzes zu suchen ist, und dass diese Fäulnis, die „Edelfäule", eine ausschliessliche Wirkung der Botrytis cinerea ist. nicht aber Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 durch andere Pilze, z. B nicht durch Penicillium glaucum, das auch auf den Trauben vorkommt, hervorgerufen werden kann. Der Pilz verbraucht zu seiner Ernährung Zucker, Säure und Stickstoff aus der Beere, die beiden letzteren aber in viel höherem Verhältnis, und da zugleich aus den edelfaulen Beeren mehr Wasser verdunstet, als aus den gesunden, so erhält man aus jenen zwar eine geringere Menge Most, aber einen solchen von viel edlerer Beschaffenheit, mit höherem Zucker- und viel geringerem Säure- und Stickstoffgehalt. Daraus entstehen mildere und zugleich langsamer und weniger voll- ständig vergälirende, daher süssere Weine. Dieses Resultat wurde durch chemische Untersuchung gesunder und fauler Trauben, sowie durch Reinkultur des Botrytispilzes in vorher sterilisiertem Most gewonnen. Reinkulturen des Penicillium brachten im Gegensatz zu solchen der Botrytis eine erhebliche Verschlechterung hervor. Die Veredlung des Weines durch den Pilz betrifft nicht mit die (übrigens nach Müller von dem „Aroma" zu unterscheidenden) eigentümlichen „Bouquetstoffe", die den deutschen Rieslingweinen den lieblichen Duft und Geschmack geben; im Gegenteil wirkt die Fäulnis auf diese zerstörend ein. aber um so weniger, je edler die Traube, d. h. je zuckerreicher sie ist. Ueberhaupt machen sich die günstigen Wirkungen der Fäule nur bei edlen Reben, in guten Lagen und bei günstiger Witterung voll geltend; weniger gute Trauben werden von der Fäulnis leicht zu sehr ergriffen, und bei feuchter Witterung kann leicht ein erheblicher Schaden durch Aus- waschen der faulen Beeren entstehen. Der Winzer wird daher mit den Verhältnissen seines Weinbergs und insbesondere mit dem Wetter zu rechnen haben, wenn er sich entscheidet, ob er seine Trauben gesund oder edelfaul ernten will. Dr. H. Klebahn. Eine Brücke über den Kanal ist neben dem unterseeischen Tunnel schon ein altes Projekt, um England mit Frankreich zu verbinden. Dasselbe musste früher mit Recht für unausführbar gehalten werden, soll aber nach den neuesten Erfahrungen über Eisenkonstruktionen als vollkommen möglich zu betrachten sein. Nach dem Plane des Unternehmers der Arbeiten beim Suezkanal. Hersent, würde diese Brücke in Frankreich am Kap Gris-Nez be- ginnen und in zweimal gebrochener Linie bei der Länge von 37,5 km bei Folkestnne in England enden. Die Kosten dieses Riesenprojektes werden im ganzen auf etwa eine Milliarde Franks geschätzt — wird «s ausgeführt werden? wird sich eine solche Summe durch den Ver- kehr verzinsen 9 Seefischerei mit elektrischem Lichte wird jetzt in Ame- rika in grösserem Masse betrieben. Zu dem Zwecke wird in dem Netz eine Glühlampe angebracht, durch deren Lichtschein die Fische angelockt und so leicht gefangen werden. — Aehnlich hat man das elektrische Licht zur Aufsuchung von Gegenständen verwendet, welche sich auf dem Grunde des Wassers befinden. Fragen und Antworten. 1. In der Fragebeantwortung Seite 210—211, Band I, bezüglich des Vorkommens des Alpenlämmergeiers oder Bartgeiers geht uns folgende Ergänzung zu: Vom Bartgeier Bosniens und der Herzegowina habe ich ein altes Paar und einen jungen Vogel, von jenem des Kaukasus ein altes Männchen in Händen gehabt; alle diese Exemplare stimmten mit solchen aus den Alpen, aus Siebenbürgen und Spanien bis auf die durch das Alter bedingten Verschiedenheiten vollständig überein. Der afrikanische Bartgeier, von dem ich selbst je ein Männ- chen ad., Männchen und Weibchen med. und Männchen juv. besitze, unterscheidet sich konstant vom europäischen durch etwas geringere Grösse und durch die Befiederung der Tarsen, welche bei ihm nicht so tief an die Zehenwurzel hinanreicht, wie bei jenem. Aber auch er bildet nur eine klimatische Varietät (Gypaetus barbatus, var. meridionalis Schlegel), keine Art. In den österreichischen Alpen hat das letzte Paar im Jahre 1880 gehorstet. Im Retyezat, dem Grenzgebirge zwischen Rumänien und Siebenbürgen, wo alljährlich 1 — 2 Stücke geschossen werden, ist der Bartgeier noch regelmässiger Brutvogel. E. Ritter v. Dombrowski, Chefredakteur der Zeitschrift „Der Weidmann." 2. Nach einer Angabe soll ein Witterungswechsel auf eine luft- dicht abgeschlossene Mischung von Salmiak, Salpeter, Kampher, Spiritus, Wasser, mehrtägig digeriert und dann abgegossen, derartig verändernd einwirken, dass man das kommende Wetter vierundzwanzig Stunden vorher bestimmen kann. Es wurden genau nach Vorschrift zwei Wettergläser hergestellt; aber absolut keine Veränderung infolge von Witterungswechsel an denselben wahrgenommen. Wie steUt sich die Wissenschaft zu dem geschilder- ten Wetterpropheten? Derartige Hausmittel zur Vorausbestimmung der Witterung pfle- gen meistens auf mangelhafter Statistik oder Beobachtung zu beruhen. Auf eine luftdicht abgeschlossene Salzlösung könnten, abgesehen von der Temperatur, höchstens Aenderungeu in der Intensität oder Qualität der Sonnenstrahlung Einfiuss üben, aus denen sich jedoch nach unseren heutigen Kenntnissen noch keinerlei Schlüsse auf das kommende Wetter ziehen lassen. Dr. E. Less. 3. Bezüglich der Frage: In welcher Flüssigkeit kann man Pilze aufbewahren? Oder kann man sie auch noch auf andere Weise konservieren? vergl. den Artikel des Herrn Hennings in dieser Nummer der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift " Litteratur. Hölzel's Geographische Charakterbilder. Kleine Hand- ausgabe. 30 Chromolithographische Tafeln mit beschreibendem Text von Prof. Dr. Fr. Umlauft und V. v. Haardt. Wien. Eduard Hölzel. Preis 7,50 Mark. Die vor kurzem erschienene und für den Handgebrauch bestimmte kleinere Ausgabe von Hölzel's Geographischen Charakterbildern kann als eine vortreffliche litterarische Gabe bezeichnet werden. Auf 30 Tafeln werden uns die hauptsächlichsten geographischen Landschafts-Typen vor Augen geführt, deren Farben- gebung zum Teil eine so ausgezeichnete ist, dass uns die eigen- tümlichen Charaktere der Landschaft in voller Naturwahrheit ent- gegentreten. Von diesen Darstellungen zeichnen sich durch be- sondere Schönheit aus : der Canon und Wasserfall des Shoshone aus der nächsten Nachbarschaft des Nationalparks in Nordamerika, die Wüste Sahara mit dem gelblichen Ton ihrer Sanddünen, das Pano- rama des Berner Oberlandes, der heisse Sprudel Otukapuarangi in Neuseeland mit seiner rosarothen Sinterterrasse, das Panorama des Golfes von Neapel, der Gross-Glockner mit dem Pasterzengletscher, das Säulenkap auf Kronprinz Rudolfs-Land, der Hafen Nagasaki auf der japanischen Insel Kiu-Siu, die eigentümlichen Erosionsformen der Weckelsdorfer Felsen, das Stettiner Haff, der Tafelberg mit der Capstadt und der Grand Canon des Colorado. Eine allgemein ver- ständliche kurze Beschreibung macht uns auf die Eigentümlichkeiten jedes einzelnen Bildes aufmerksam. Auf diese Weise stellt das Buch ein treffliches Hilfsmittel für den geographischen Anschauungs- unterricht dar und kann überhaupt jedem Freunde der Erdkunde auf das Wärmste empfohlen werden. Möge es bei seiner grossen Wohlfeilheit die weiteste Verbreitung finden. Dr. F. Wahnschaffe, Kgl. Landesgeologe und Privatdocent an der Universität Berlin. Archiv der naturwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen. 6. Bd. Nr. 6. (Botanische Abtig.) gr. 8°. Preis 6JC. Inhalt: Prodromus der Alpenflora von Böhmen. 1. Tl. (Enthält die Rhodophyceen, Phaeophyceen u. Chlorophyceen). Von A. Hans- girg. 2. Hft. (m. Illustr.) Fr. Rivnäc in Prag. Goldschmidt, V., lieber krystallographische Demonstrationen mit Hilfe von Korkmodellen mit farbigen Nadelstiften, gr. 8°. (20 S. m. 6 Taf.) Preis 3 JC. Julius Springer in Berlin. — Index der Krystallformen der Mineralien. 2. Bd. 1. — 3 Hft. u. 3. Bd. 1. Hft. gr. 8°. Preis 12 JC 80 -j. Inhalt: H. 1. Fahl- erz— Frieseit. (64 S.) Preis 3 JC 60 4. — 2. Gadolinit— Gyps. (S. 65—128) Preis 3 JC 60 4. — 3. Haidingerit — Jarosit. (S. 129—192). Preis 3 JC 60 4. — III. 1. Quarz. (25 S.) Preis 2 JC. Julius Springer in Berlin. — lieber Projektion und graphische Kry Stallberechnung, gr. 8°. (IV, 97 S. m. Illustr.) Preis 6 JC. Julius Springer in Berlin. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Briefkasten. Herrn Lehrer 0. Bick. — Vielleicht genügt ihnen: H. Wendt, Ueber Schul-Excursionen mit besonderer Rücksicht auf grössere Städte. Verlag von Appelius in Berlin. Preis 0,30 JC. Berichtigung. Die Reise um die Welt mit der Romanzoffischen Entdeckungs- Expedition, an der Chamisso und Eschscholtz als Naturforscher be- teiligt waren, fand bekanntlich 1815—1818 statt: auf Seite 7 Bd. IL „Fossiles Eis" muss es daher in der ersten Zeile nicht 1860 sondern 1816 heissen. 2i Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. Inserate namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung-. Seit Anfang dieses Jahres erscheint die Praktische Physik Zeitschrift für Experimentalphysiker, Studierende der Physik. Mechaniker, Optiker u. s. w. und Organ für den physikalischen Unterricht. Unter Mitwirkung hervorragender Autoritäten und bewährter Fachmänner lierausgegeti. von Dr. M. Krieg. Monatlich 1— Vfe Bogen. Preis halbjährlich 3 Jt. Die „Praktische Physik" enthält Original-Artikel, welche sieh auf die Praxis der Physik beziehen, unterstützt die Veröffentlichung guter und brauchbarer, teils verbesserter, teils neu konstruierter Apparate und ist eine Centralstelle aller Bestrebungen zur Förderung der physikalischen Technik und der physikalischen Demonstrationen. Trotz ihres kurzen Bestehens erfreut sieh die „Praktische Physik" bereits grosser Beachtung in den Kreisen der Dozenten der Universitäten und tech- nischen Fackschulen und der höheren Schulen, der Studierenden, Mechaniker, Optiker u. s. w. Bestes Insertions-Organ. Inserate die einmal gespaltene Fetitzeile 40 sprechenden Rabatt; Beilagen nach Vereinbarung. Probenummern gratis und franko durch die grössere Aufträge ent- Verlagsbuchhandlung Faber'sche Buchdruckerei, A. u. R. Faber, Magdeburg. Expedition der oder „Praktischen Physik" Magdeburg, Poststr. Deutsche Chemiker-Zeitung erscheint im Verlage von EUGEN GROSSER in BERLIN und berichtet aus folgenden Disziplinen regelmässig, schnell und den < regenstand erschöpfend: Theoretische, physikalische, allgemeine anorganische und organische, analytische, technische, Agrikultur- u. Pflanzen- Chemie, Elektrotechnik, Berg- u. Hüttenwesen, Medizinische u. physiologische Chemie u. 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Abonnement pro Quartal 3•> Behufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von M 4,20 (in Briefmarken) fran- des Bandes gegeu EL (in Briefmarken.) ko, einzelne Quartale des Bandes gegeu Einsendung von , l( 2, 10 Einzelne Nummern kosten 25 4. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. Inserate für Nr. 5 Bei Benutzung der der„Naturwissensehaftiichen! Inserat e bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Wochenschrift" müssen späte- stens bis Sonnabend, 21. April in unseren Händen sein. Die Expedition. Inhalt: Prof. I>r. Th. Albrecht: Einrichtung zur öffenüiehen ZeikReguliemng, (Mit Abbild. ) und Präparieren fleischiger Hutpilze. — Kleinere Mitteilungen: Lieber die Knallgas-Explosion. P. Heim ings : Deber das Konservieren Künstliche Rubine. — Das Aspirations- thermometer. — Astronomisches. — Pilze als Weinveredler. — Eine. Brücke über den Kanal. — Seefischerei mit elektrischem Lichte. - Fragen und Antworten. — Litteratur: Hiilzel's Geographische Charakterbilder. — Bücherschau. — Briefkasten. — Berichtigung. - Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Möller. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Priedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 22. April 1888. Nr. 4. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- -\r Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -j. Grössere Aufträge anstalte«, \vi>- bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 2.— ; entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Debereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post l.j-/ extra. A annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdrnck ist nur mit vollständiger Qnellenangabe gestattet. Einrichtungen zur öffentlichen Zeit-Regulierung. Von Professor Or T! Albrecht, Sektionschef am k. geodätischen Institut in Berlin. (.Sclihiss) Während für die Präeisionsuhreii unstreitig das System der sympathischen Uhren als die beste Lösung des Problems der Zeit-Regulierung anzuseilen ist, wird man für die in viel grösserer Zahl vorhandenen öffent- lichen Uhren zweiter Art, bei denen ein Fehler bis zu 10 Sekunden zulässig ist, entsprechend diesem geringeren Genauigkeitsgrade einfachere Lösungen des Problems in Anwendung bringen können. Im Vordergründe stehen in dieser Beziehung die nannten Stundensteiler, welche darauf basieren, dass allstündlich oder nach Ablauf einer gewissen Anzahl von Stunden durch Vermittlung eines elektrischen oder pneu- matischen Stromes der Minutenzeiger richtig eingestellt und somit der in der Zwischenzeit entstandene Fehler wiederum beseitigt wird. Da der Minutenzeiger nur durch Reibung auf seiner Achse aufsitzt, kann diese Manipulation vor sich gehen, ohne dass hierdurch eine Störung auf den Gang des Uhrwerkes ausgeübt wird. Je nach der Art und Grösse der zu regulierenden Uhr sind für den Regulieuingsmechanismus sehr ver- schiedenartige Vorrichtungen in Vorschlag gebracht worden. Am einfachsten ist die in nebenstehender Figur dargestellte Einrichtung. Auf der Achse des Minutenzeigers ist dicht hinter dem Zifferblatt ein Arm angebracht, der zur Zeit der Regulierung d. i. bei Beginn einer jeden Stunde senkrecht nach abwärts gerichtet ist. Unter demselben befindet sich, um eine horizontale Achse drehbar, ein Ankerhebel, dessen freies Ende nach oben hin gabelförmig aus- geschnitten ist. Sobald nun zur vollen Stunde die Centraluhr den Kontakt schliesst, wird dieser Ankerhebel durch den Elektromagnet nach oben gezogen, die Gabel umfasst den HDfsarm und führt ihn, falls er um diese Zeit nach der einen oder der andern Seite geneigt steht, genau in die senkrechte Lage zurück. Da bei dieser Konstruktion die Kraft des Elektromagnet unmittelbar zur Zeigerstellung benutzt wird, kann diese Einrichtung nur zur Regulierung kleinerer Uhren angewendet werden, wenn man nicht unverhältnismässig starke und grosse Elektromagnete benutzen will. Dieselbe lässt sich aber ohne Schwierigkeit auch auf grössere Uhren übertragen, weDn man davon absieht, den Elektromagnet direkt auf den Ankerhebel wirken zu lassen und ihn nur zur Aus- lösung eines Hilfsmechanismus verwendet, welcher unter der Wirkung eines Gewichtes oder einer Feder die Richtigstellung des Minutenzeigers bewirkt. Das Auf- ziehen dieses Mechanismus erfolgt gleichzeitig mit dem 26 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. Aufziehen der Uhr in analoger Weise wie das des Schlagwerkes bei den gewöhnlichen Uhren. Ausser dieser einfachsten Vorrichtung zur Regulierung sind noch andere mehr oder minder komplizierte Ein- richtungen in Vorschlag gebracht worden, welche gleich- falls auf dem Prinzip basieren, den voi geeilten oder zurückgebliebenen Minutenzeiger nach Ablauf bestimmter Zeitintervalle wieder in seine richtige Lage zurück- zuführen. Andere Einrichtungen gehen von der Er- wägung aus, dass es einfacher - ist, eine Uhr von Zeit zu Zeit richtig zu stellen, bei der die Abweichungen immer nur nach derselben Seite gerichtet sind, welche also von Hause aus so justiert ist, dass sie täglich um ein bis zwei Minuten voreilt oder zurückbleibt. In diesem Falle wird die Regulierung an das [Räderwerk verlegt; dasselbe wird entweder so lange angehalten bis der durch die Voreilung entstandene Fehler wiederum beseitigt ist, oder bei jeder Regulierung das Echappement ausgelöst, bis der fehlende Betrag wieder eingeholt ist. Bei der Beurteilung des Wertes derartiger Einrichtungen ist zu bedenken, dass es unnatürlich ist, ein Pendel gleich von vornherein mit einem Fehler zu behaften. Alle Vor- richtungen dieser Art sind überdies ziemlich kompliziert und funktionieren kaum mit grösserer Zuverlässigkeit als die Regulierung mittelst direkter Einstellung des Zeigers, bei der eine unrichtige Justierung des Pendels nicht vorausgesetzt ist. Endlich giebt es noch Systeme, bei denen jeder Eingriff auf die Zeiger und das Räderwerk vermieden wird und die Regulierung durch ein kleines längs der Pendelstange verschiebbares Gewicht erfolgt. Im Prinzip sind Einrichtungen dieser Art deshalb am vorteilhaftesten, weil sie auf möglichst natürlichem Wege die Aufgabe zu lösen suchen; ob sie aber auch in der praktischen Ausführung am besten funktionieren, ist gegenüber der Einfachheit in der Konstruktion und Wirkungsweise der eigentlichen Stundensteiler um so mehr in Zweifel zu ziehen, als die bisher in Vorschlag gebrachten Ein- richtungen dieser Art der wünschenswerten Einfachheit entbehren. Ein System (Redier-Tresca), welches sich auf dieses Prinzip gründet, ist bei der Regulierung der öffentlichen Uhren in [Paris eingeführt. An jeder Uhr sind zwei durch Windflügel regulierte Laufwerke an- gebracht, welche sich in entgegengesetzten Richtungen drehen und durch Vermittlung einer Rolle eine Hebung oder eine Senkung des an der Pendelstange verschieb- baren Gewichtes bewirken. Bei richtigem Gange der Uhr laufen am Schlüsse jeder Stunde beide Laufwerke nacheinander je 15 Sekunden lang, das Gewicht wird unter der Wirkung dieser Bewegungen um ebensoviel gehoben als gesenkt und infolge dessen keine Aenderung der Schwingungsdauer des Pendels hervorgebracht. Wenn aber die Uhr voreilt oder zurückbleibt, findet das Anhalten des einen und das Auslösen des anderen Laufwerkes nicht in der Mitte der Zeit, sondern um so viel früher oder später statt, als der Fehler [der Uhr beträgt); das Gewicht verändert infolge dessen seine Stellung, und das Pendel schwingt in der Zwischenzeit zwischen dieser und der nächstfolgenden Regulierungsepoche langsamer oder rascher, wodurch der Fehler allmählich wieder ein- gebracht wird. Ein anderes System (Aron) schliesst sich mehr dem- jenigen an, welches bei der Regulierung der Berliner Normaluhren in Gebrauch ist. Das Pendel trägt an seinem unteren Ende an Stelle der Linse eine Drahtrolle, welche bei jeder Regulierungsepoche, sobald ein Fehler der Uhr eingetreten ist, je nach der Grösse dieses Fehlers kürzere oder längere Zeit von einem konstanten positiven oder negativen elektrischen Strom durchlaufen wird. Da die Rolle über einen permanenten Magnet schwingt, der aber in diesem Falle nicht seitlich sondern senkrecht unter dem Aufhängepunkte des Pendels aufgestellt ist, erfährt das Pendel für die Zeitdauer der Einschaltung des Stromes eine konstante Verzögerung oder Beschleuni- gung, durch welche der Fehler der Uhr allmählich wieder beseitigt wird. Diese Einrichtung hat den Uebelstand, dass die Regulierung in hohem Grade von der Intensität des elektrischen Stromes abhängig ist und daher bei einer Aenderung der Stromstärke leicht einmal versagen kann; auch ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass in- folge der magnetischen Anziehung zwischen der Draht- rolle und dem Magnet eine so starke Dämpfung auf die Pendelschwingungen ausgeübt wird, dass das Echappe- ment nicht mehr auslöst und die Uhr stehen bleibt. Was die Anordnung der ganzen Anlage betrifft, so wird man bei allen Systemen der zweiten Art von dem Verfahren Gebrauch machen, eine grössere Anzahl Uhren in ein und dieselbe Stromschleife zu legen; anderseits wird man aber die Uhren nicht von einem einzigen Centralpunkte aus regulieren, sondern sie an die einzelnen Normaluhren anschliessen, weil hierdurch der Umfang der Leitungen und somit auch der Kostenbetrag der ganzen Anlage wesentlich herabgemindert wird. Endlich sind noch die Uhren im Innern von Ge- bäuden zu erwähnen, welche für den Privatgebrauch bestimmt sind. Zur Regulierung dieser Uhren ist, ab- gesehen von dem nicht sehr zuverlässigen System der elektrischen Zifferblätter, nur das System von Mayrhofer mit wirklichem Erfolg in Anwendung gebracht. Bei diesem System wird die Regulierung durch den Druck komprimierter oder verdünnter Luft bewirkt, und diese Kraft ausser für die Zwecke der Regulierung auch zum selbstthätigen Aufziehen der Uhren verwendet. Hier- durch wird der grosse Vorteil erlangt, dass die nach diesem System regulierten Uhren gar keiner Beaufsichti- gung bedürfen. Als Motor ist in einfacher und sinn- reicher Weise der Druck der Wasserleitung in der Art verwendet, dass die Centraluhr selbstthätig zur betref- fenden Zeit einen Hahn öffnet und das Wasser in einen Windkessel oder einen Ejektor ausströmen lässt. Hier- durch entsteht eine Verdichtung oder Verdünnung der oberhalb des ausfliessenden Wassers befindlichen Luft, Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. •27 welche, sich in kürzester Frist durch das ganze Röhren- system fortpflanzt, an das sämmtliche Uhren angeschlossen sind. Die nach den einzelnen Uliren führenden Zweig- rohre endigen in Metallkapseln, welche durch Membranen abgeschlossen sind. Wenn diese unter dem Drucke der Luft gespannt werden, tritt ein Hebel in Thätigkeit, der nach dem System der Stundensteiler den Minutenzeiger in seine richtige Lage zurück führt. Sobald dies ge- schehen ist, gleitet der Hebel ab und fallt in seine Ruhelage zurück, worauf infolge der fortgesetzten Köm- pression oder Evakuation ein zweiter Hebel die Winde- oder Federtrommel der Uhr um soviel vorwärts bewegt, als sie seit der letzten Regulierungsepoche abgelaufen ist. Dieses System ist zwar in der Ausdehnung der An- lage gewissen Beschränkungen unterworfen, weil die Fortpflanzung pneumatischer Wirkungen nur bei massigen Leitungslängen mit der erforderlichen Präcision vor sich geht; es gestattet aber anderseits, eine grosse Anzahl Uhren an dieselbe Leitung anzuschliessen und diese Zahl beliebig zu verändern, ohne die Sicherheit im Betriebe der Anlage zu gefährden. Es können auch Uhren von sehr verschiedener Grösse in ein und dieselbe Leitung eingeschaltet werden, da man bei grösseren Uhren nur eines weiteren Zuführungsrohres und einer Membran von grösserem Durchmesser bedarf, um den zur Regulierung und zum Aufziehen derselben notwendigen Mehrbedarf an Kraft zu erhalten. Bei ganz grossen Uhren (Turm- uhren u. s. w.) ist es zweckmässiger, die Regulierung nicht mehr direkt zu bewirken, sondern den pneumatischen Impuls nur zur Auslösung eines mittelst Gewichtes be- triebenen Hilfsmechanismus zu benutzen, welcher letztere die richtige Zeigerstellung ausführt. Der Wasserverbrauch ist selbst für ausgedehnte An- lagen nur ein geringer und auf nicht mehr als 10 — 30 Liter pro Regulierung zu veranschlagen. Da das be- nutzte Wasser überdies in keiner Weise verunreinigt wird, ist es für die meisten gewerblichen und Haus- haltungszwecke noch weiter verwendbar. Die Uhren sind als Pendeluhren konstruiert, welche nach vollem Aufziehen acht Tage lang gehen und es wird daher eine zeitweise Absperrung der Wasserleitung kein Versagen der ganzen Anlage zur Folge haben, sondern nur bewirken, dass die Uhren während dieser Zeit unreguliert weitergehen. Um nichts desto weniger hinsichtlich des ungestörten Funktionierens der ganzen Anlage eine fortlaufende Kontrole zu haben, ist sowohl an der Centraluhr als auch an der entferntesten Stelle des Leitungsnetzes je ein Zählwerk angebracht, von denen das Erstere von der Centraluhr direkt, das Letztere in ähnlicher Weise wie die Stellvorrichtungen an jeder Uhr mittelst einer Membran ausgelöst jwird. So lange die Angaben beider Zählwerke untereinander überein- stimmen, hat der Apparat ohne Störung gearbeitet; zeigt sich aber eine Differenz, so ist aus derselben zu ersehen, wie lange die Störung angehalten und innerhalb welcher Zeit weder eine Regulierung noch ein Aufziehen der Uhren stattgefunden hat. Es bedarf bei längerer Dauer des Versagens nur einer nachträglichen Prüfung des Standes der Uhren und eines gelegentlichen direkten Aufziehens der Uhrwerke bis zum vollen Betrage, um jeden nachteiligen Einfluss einer derartigen Störung zu beseitigen. Eine besonders ausgedehnte Verwendung hat dieses System zum Betriebe der Privatuhren in Paris gefunden, aber auch in Berlin ist in der Börse seit dem vorigen Jahre eine ziemlich umfangreiche Anlage dieser Art, 30 gewöhnliche und 2 grosse mit Schlagwerk versehene Uhren umfassend, in Betrieb. Eingehende Prüfungen dieser letzterwähnten Anlage haben einen Genauigkeits- grad ergeben, welcher die Anwendung dieses Systems sogar zum Betriebe öffentlicher Uhren als geeignet und zweckmässig erscheinen lässt. Die Vorzüge dieses Systems beruhen hauptsächlich darin, dass bei demselben drei Faktoren in sehr zweckentsprechender Weise verwertet sind: die Elektricität zur Regulierung der Centraluhren, die komprimierte Luft zur Signalübertragung auf die einzelnen Punkte und zur Ausübung einer massigen Kraftäusserung, und der Druck der Wasserleitung als bequemer, billiger und zuverlässiger Motor. Das vorteilhafteste System der Zeitregulierung besteht daher darin, von einem Centralpunkte aus eine geringe Anzahl auf die einzelnen Stadtgebiete verteilte Präcisions- uhren nach dem System Jones, Foucault oder Cornu zu regulieren ; diese wieder als Ausgangspunkte einer grösse- ren Zahl öffentlicher Uhren anzusehen, welche gleichfalls unter Anwendung des elektrischen Stromes nach einem der hierfür angegebenen Systeme allstündlich in ihren Angaben berichtigt werden, und an Letztere endlich die nach dem System von Mayrhofer regulierten Privatuhren anzuschliessen, welche unter Benutzung des Druckes der Wasserleitung auf pneumatischem Wege nicht allein reguliert, sondern auch aufgezogen werden. Unter welchen Umständen und in welcher Weise geschieht die Bildung von Schneekrystallen? Vun Dr. K. F. Jjo'rdan. Wenn in der Atmosphäre die Temperatur unter den Gefrierpunkt gesunken ist, so hält sich das Wasser da- selbst im festen Zustande auf, vorausgesetzt, dass solche Umstände nicht fehlen, welche eine Unterkühlung ver- hindern. (Vergl. darüber meine Mitteilung über Rauhreif und Glatteis in Bd. I Nr. 25 dieser' Zeitschrift.) In den höchsten Luftschichten sind nach neueren Beobachtungen auf Luftschiffahrten wahrscheinlich immer Eiskrystalle vorbanden, auch wenn sie — ihrer Feinheit wegen — von der Erde aus nicht gesehen werden, ebenso gut wie 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. die niederen Schichten oft Wasserdunst oder Nebel, sicher aber stets Wasser dampf führen; diese Eiskrystalle schweben oberhalb einer mannigfach in ihrer Gestalt wechselnden, im ganzen wagerechten Fläche, in welcher die Luft die Temperatur Grad besitzt — der soge- genannten lsothermfläche Null. Wenn in der kalten Jahreszeit oder in kalter Gegend die Isothermfläche Null sich gesenkt hat, so dass auch auf der Erdoberfläche negative Tcmperaturgrade herrschen und wenn sich nun ein Niederschlag der Feuchtigkeit ereignet, so erscheint derselbe statt in der Form der Wassertropfen in der- jenigen der wohlausgebildeten Schneekrystalle, der dich- teren Schneeflocken oder der festen Graupelkömer; auf den Hagel wollen wir an dieser Stelle nicht eingehen. Die schön ausgebildeten Schnee- oder Eiskrystalle treten in selteneren Fällen auf; meist hängen unvollkommen entwickelte oder zertrümmerte Eisnädelchen oder -blätt- chen in dichten Haufen aneinander und bilden so die Schneeflocken, welche wegen der lockeren Anhäufung der Bestandteile und der zahlreichen, zwischen ihnen eingeschlossenen lufthaltigen Zwischenräume die bekannte undurchsichtige, weisse Beschaffenheit erhalten. Die Schneeflocken entstehen wahrscheinlich immer in Wolken, welche entsprechend ihrer dichten Beschaffenheit in dem niedrigen Gebiete des Haufengewölks — dem Cumulus- gebiete — schweben; die anfangs vorhandenen kleineren Eiskrystalle werden durch fortwährende Verdichtung von Wasserdämpfen grösser, fügen sich aneinander und wachsen dann noch beim Herabfallen durch die untersten Luftschichten. Die Schneeflocken treten meist bei reich- licherem Schneefall auf. Ihnen können die Graupelkörner zur Seite gestellt werden, da auch diese aus zusammen- gehäuften Eisnädelchen bestehen, die aber ziemlich fest zusammengeballt sind. Sie erscheinen hauptsächlich in der stürmisch bewegten Uebergangszeit vom Winter in den Frühling oder auch vom Herbst zum Winter. Wenn die Umstände in der Atmosphäre eine ruhige Krystallbildung vor sich gehen lassen, so werden feine, «arte Schneekrystalle von schönster Ausbildung gezeitigt. Aus ihnen besteht das hoch schwebende, wenig massige Feder- oder Cirrusgewölk. Bei spärlichem Schneefall und mehr oder minder trockener Kälte gelangen sie an Stehe der Schneeflocken zur Erdoberfläche herab. Einige trocken kalte, zugleich stark windige und fast heitere Tage im verflossenen Februar (der 22. und 24.) brachten den Niederfall von Schneekiystallen mit sich, welche nach dem, was ich beobachtete, die in Fig. 1 bis 6 ab- gebildeten Formen aufwiesen. Dieselben gehören dem drei- und einachsigen oder hexagonalen Krystallsystem an, einesteils bestehen sie aus feinen Nadeln, die wahrscheinlich sechsseitige Säulen sind und zu sternartigen Figuren zusammentreten (Fig. 1 bis 3); andernteils sind sie sechseckige Täfelchen oder Blättchen, denen oft Verstärkungsrippen aufgesetzt sind und die in verschiedenen Verbindungen beobachtet werden können (Fig. 4, 5 und 6). Wann die einen, wann die anderen Formen in der Atmosphäre entstehen, lässt sich bisher mit völliger Sicher- heit nicht sagen. Erwähnt sei, dass die grossen Mond- und Sonnenringe auf das Vorhandensein der Eisnadeln, die irisierenden Wolken auf dasjenige der Eistäfelchen in der Atmosphäre hinweisen. Die Eisnadeln beobachtet man ferner bei Schneefällen, die nicht bei allzu niedrigen Temperaturen auftreten, während bei strengerer Kälte die Eisblättchen häufiger werden. In seltenen Fällen werden neben den genannten Formen auch körperliche Gebilde, sechsseitige Pyramiden und dergleichen gesehen. Kleinere Mitteilungen. Eine neue Kraftquelle niederer Pflanzen. — Allver- breitet in stehenden und fliessenden Gewässern, namentlich in solchen, in welchen organische Stoffe faulen, wie Fabrikabwässer, aber auch im Meere wie z. B. in dem sogenannten toten Grunde der Kieler Bucht, und ganz besonders in schwefelwasserstoffhaltigen Quellen finden sich grosse Spaltpilze, die Beggiatoen und ihre Verwandten, ausgezeichnet durch meist reichliche Einlagerung von stark licht- brechenden, dunkelcontourierten Körnchen, die durch Cramer's Untersuchungen von 1870 als Schwefelkörnchen erkannt wurden Diese reichliche Schwefeleinlagerung in Verbindung mit dem Umstände, dass die Beggiatoen in schwefelwasserstoffreichem Wasser am besten gedeihen und selbst dann noch am Leben bleiben sollten, wenn Schwefelwasserstoff bis zur Sättigung in dem betreffenden Wasser gelöst ist — Verhältnisse, die für alle anderen Organismen unbedingt tödlich sind — führte Cohn 1875 dazu, einen causalen Zusammenhang zwischen der Lebensthätigkeit der Beggiatoen und dem Schwefelwasserstoffgehalt des betreffenden Wassers anzunehmen, und bis in die neueste Zeit sah man allgemein die Beggiatoi ; n als Organismen an, welche Sulfate unter Bildung von Schwefel und Schwefelwasserstoff zu reducieren vermöchten, wobei sie den Schwefel in ihren Zellen aufspeicherten. Dabei blieb es zweifelhaft, ob Schwefel in den Beggiatoazellen direkt aus Schwefelsäure abge- schieden würde oder durch Oxydation von Schwefelwasserstoff ent- stände. Letzterer Annahme standen indess schwerwiegende Bedenken chemischer Natur gegenüber, da nicht wohl in einer und derselben Zelle neben energischer Sulfat reduktion, wie sie die Entstehung des Schwefelwasserstoffs voraussetzt, eine Schwefel Wasserstoff Oxy- dation stattfinden kann. Hoppe-Seyler (1886) fand dann bei seinen Untersuchungen über Cellulosegährung, dass dieser Prozess im Sommer in jedem wasserdurchtränkten Boden stattfindet und als Produkte dieser Gährung Kohlensäure und Methan zu gleichen Teilen gebildet werden, dass dagegen bei Gegenwart von leicht re- ducierbaren Körpern wie Eisenoxyd, Manganoxyd und Sulfaten ein Teil des Methans im Status nascens Sulfate unter Schwefel-. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 29 wasse rstoffausscheidung reduciert. Das gleiche gilt auch für andere bei Luftausschlnss vorsichgehende Gährungen, bei denen Methan und Wasserstoff gebildet werden. Demgemäss ist diese Reduktion der Sulfate „für sich allein nicht denkbar und stets ein sekundärer Prozess", kann also darum auch nicht ein von Beggiatoen hervorgerufener Vorgang sein, wie er überhaupt nicht an irgend eine bestimmte Species geknüpft sein kann. Durch diese Resultate wurde natürlich die Schwefelfrage der Beggiatoen aufs neue verdunkelt, indess nur auf kurze Zeit, denn die ganz vorzügliche Experimentaluntersuchung von Winogradsky (Botanische Zeitung 1887. Nr. 31 — 37) brachte auf einmal neues und unerwartetes Licht in die Sache. Diese Arbeit ist es. auf die sich vorliegende Mitteilung als Quelle stützt. Winogradsky fand unabhängig von Hoppe-Seyler und auf anderem Wege, dass die Beggiatoen, und die anderen, Schwefel- körnchen in ihren Zellen enthaltenden Bakterien, die er unter dem Namen Schwefelbakterien zusammenfasst, keinen Anteil an der Sul- fatreduktion und Schwefelwasserstoffentwickelung nehmen, vielmehr den Schwefel nur infolge von Oxydation des aufgenommenen Schwe- felwasserstoffs im Plasma der Beggiatoen eingelagert wird in Form von kleinen Kügelchen. welche aus amorphem, weichem Schwefel bestehen und innerhalb der lebenden Zellen wie in den krystallini- schen Zustand übergehen. Er kam ferner zu dem überraschenden Resultate, dass freier Schwefelwasserstoff, fast für alle andere Orga- nismen ein heftiges Gift, nicht nur günstig auf die Beggiatoenent- wickelung einwirkt, sondern vielmehr für das Leben derselben ganz unentbehrlich ist, indess nur dann, wenn der Schwefelwasserstoff- gehalt des Wassers noch ziemlich weit von Sättigung entfernt ist. Dieser Konzentrationsgrad tütet auch die Beggiatoen. Bei Schwefel- (resp. Schwefelwasserstoff-) Entziehung werden Lebensprozesse und Bewegung sistiert und es tritt früher oder später der Tod ein. Dem- gemäss kann auch der Schwefelgehalt kein morphologisches Merkmal sein, wie frühere Beobachter glaubten und ebenso wenig kann davon die Rede sein, dass die Beggiatoen, wie Hoppe-Seyler noch an- nahm, den Schwefelwasserstoff unter sonst für sie günstigen Be- dingungen „ertragen", indem sie Schwefel aufspeichern. Die Beggiatoen begnügen sich aber nicht damit, den Schwefelwasserstoff zu Schwefel zu oxydieren, sondern dieser Oxydationsprozess wird noch weiter geführt der in den Zellen ausgeschiedene Schwefel wird noch weiter in denselben oxydiert bis zur höchsten Oxydationsstufe, der Schwefel- säure und zwar weit (ungefähr 20 mal) energischer als die Oxydation von Schwefelpulver im Wasser vor sich geht, so dass man sie hier- mit nicht vergleichen kann. Die so gebildete Schwefelsäure wird von den Zellen wieder ausgeschieden und verwandelt die kohlen- sauren Basen des Wassers in schwefelsaure, hauptsächlich kohlen- sauren Kalk in schwefelsauren Kalk, ein Vorgang, der sich höchst wahrscheinlich schon innerhalb der BeggiatoSnzelle abspielt, denn mit ilem Verbranch der im Wasser gelüsten Karbonate steht auch die BeggiatoSnentwickelung still und niemals lässt sich dann freie Schwefelsäure im Wasser nachweisen. Darum ist auch das Leben der Beggiatoen an die Gegenwart von Karbonaten geknüpft. Ein starker Schwefelverbrauch findet auch bei langsamem Wachstum und selbst dann noch statt, wenn das Wachstum ganz stille steht. Die eingelagerten Schwefelmengen sind im Verhältnis zur Masse des Fadens und namentlich im Verhältnis zur Masse des Plasmas sehr gross und zwar um so grösser, je gerundeter und beweglicher der Faden ist: sie können sicher bis zu 80 mitunter vielleicht Ms zu 95% des Gesamtgewichtes betragen. Mit diesen Eigentümlichkeiten stehen die Schwefelbakterien ganz vereinzelt da. Zur Synthese der Eiweissstoffe können diese Schwefelmassen nicht verbraucht werden, dazu sind sie viel zu gross und ausserdem werden sie fortwährend aufgelöst, die Beggiatoen verbrauchen täglich das 2 bis 4 und mehrfache ihres Gewichtes an Schwefel. Winogradsky's Versuche die Beggiatoen mit organischen Substanzen zu ernähren, gestatteten auch hierfür die Erklärung zu finden. Die Beggiatoen brauchen nämlich ausserordentlich wenig organische Substanz zur Erhaltung ihres Lebens, so wenig, wie es bis jetzt für keinen chlorophyllfreien Organismus bekannt ist, und können dabei als Kohlenstoffquelle noch solche Substanzen benutzen, wie Ameisen- und Propionsäure, welche das Leben anderer Organis- men nicht zu erhalten vermögen. Sie können leben und sich sehr üppig vermehren in einer Flüssigkeit, die kaum nachweisbare Spuren von organischer Substanz enthält, wie viele natürliche Schwefel- quellen. Dagegen sind die gewöhnlichen Bakterienkulturflüssigkeiten, überhaupt alle sogenannten „guten" Nährstoffe wie Kohlehydrate, in erster Linie Zucker, also Stoffe bei deren Zerfall resp. Verbrennung viel Wärme frei wird — die Haupt-Kraft-Quelle für die übrigen Organismen — für die Beggiatoen geradezu schädlieh. Sie be- günstigen eine rapide Vermehrung anderer Bakterien, deren Kon- kurrenz sie rasch erliegen. Die Erklärung für diese in ihrer Art einzig dastehenden Ver- hältnisse findet Winogradsky wohl mit Recht die der oben er- wähnten Schwefeloxydation. Sie bildet hier die Kraftquelle, sie ersetzt hier die normale mit Kohlensäureausscheidung verbundene Athmung, obwohl ein ehemisch ganz verschiedener Prozess, physiolo- gisch doch vollkommen. Eine solch normale Atmung findet bei den Schwefelbakterien höchst wahrscheinlich überhaupt nicht statt und wenn, dann jedenfalls in ganz untergeordnetem Masse. Die Schwefel- hakterien passen eben nicht in das gewöhnliche ernährungsphysiolo- gische Schema und stellen eine eigenartige Anpassungserscheinung dar, die es diesen Pflanzen ermöglicht an Orten und unter Bedingungen zu leben, wo alles sonstige Pflanzenleben und damit auch jede Kon- kurrenz ausgeschlossen ist. Dies sind aber nur die hauptsächlichsten Resultate. Bezüglich der zahlreichen interessanten Details und der sinnreich ausgedachten und kritisch durchgeführten Experimente, die zu obigen Resultaten führten, muss auf das Original verwiesen werden. Dr. L. Klein, Privat docent in Freiburg i. B. Einige Notizen über die Doppelnatur der Flechten. — Auf Seite 78, Bd. I dieser Zeitschrift hat Herr Dr. Kienitz- Gerloff die Leser über den gegenwärtigen Stand der Flechtenfrage unterrichtet und über die wichtigen Arbeiten, welche neuerdings im Laboratorium Brefeld's ausgeführt worden sind, berichtet. Es ist hiernach festgestellt, dass durch geeignete Kulturen nicht allein der eine Bestandteil der Flechte, die Alge, sondern auch der Pilz für sich zu selbständiger Entwickelung gebracht werden kann. Während jedoch die in den Flechtenarten aufgefundenen Gonidienbildner schon seit langer Zeit als selbständige freilebende Algen bekannt sind, hat man in freier Natur die Flechten-Pilze nur zusammenlebend mit ihnen gefunden. Eine Arbeit der letzten Jahre, an die mich die neueren Kulturen des Pilzelementes der Flechte erinnern, behauptet jedoch auch das isolierte Vorkommen eines Flechtenpilzes. Die Roesleria hypogaea Thüm etPass., eine Discomycetenform, die bald als Ursache, bald als Begleiterin der Wurzelfäule des Weinstockes auftritt, ist nach den eingehenden Untersuchungen, welche der belgische Botaniker E. Laurent angestellt hat, nichts als ein unterirdischer gonidienloserZust an d des Flechte n- konsortiums Coniocybe pallida Pers. Auch der berühmte englische Mykologe Cooke, zieht, den Pilz in die Entwicke- lung der Flechte Coniocybe pallida Pers. (vgl. Laurent, E., Di- couverte en Belgique du Coniocybe pallida (Pers.) Fr. (Roesleria hypogaea Thüm et Pass.) (Compt. rend. d. seances de la s. bot. Belg.T. XXIII. II 1884 S. 17— 27 u X. Gillot, Notes mvcologiques, Revue myc. VI p. 65—68). — Die bekannten einheimischen Flechten gehören ihren Pilzele- menten nach ausschliesslich zu den Schlauchpilzen (Ascomyceten), während die grosse Gruppe der Basidiomyceten, die z. B in der Gattung Telephora die Pilze der von Mattirolo und Johow ent- deckten westindischen Hymenoliclienen bilden, bei uns Flechten nicht zu bilden scheint. Dass sich indessen auch hier wenigstens Ueber- gänge irgend welcher Art finden müssten, vermutete ich öfters, wenn ich an feuchten Stellen des Waldes und nach anhaltend feuchtem Wetter Exemplare von Trametes, Daedalea, Telephora, Polyporus (z. B. versicolor) von grünen Algen üppig durchwuchert fand. G. v. Lagerheim hat nun thatsächlich in ähnlichen Fällen eine Beeinflussung der Algen seitens der Pilze Trametes Pini, Daedalea quereina. Polyporus lucidus beobachtet, die der in bekannten Flech- ten der Ascomyceten ganz gleich ist. Die Alge Stichococcus bacillaris Näg. nimmt nämlich auf und in jenen Pilzen eine Form an, wie sie von Neubner im Flechtenthallus der Calicien bei derselben Alge beobachtet worden ist. Von Lagerheim hat diese Form, die er in Deutschland und Schweden antraf und welche De Toni und Levi neuerdings in Italien fanden (Intorno ad una Palmellacea nuova per la flora veneta. Notarisia 1887 p. 281) als Stichococcus bacillaris Näg. b. fungicola Lagerh. bezeichnet (vgl. Algologiska och mykolo- giska anterkningar fran en botanisk resa i Luleä Lappmark. Öfvers. af k. vet. Akad. Förhandl. 1884 p. 106. Flora 1888 Nr. 4). Prof. F. Ludwig. Das Saccharin. — Seit einiger Zeit wird von der Firma Fahlberg, List & Comp", in Salbke a. Elbe ein chemisches Prä- parat unter dem Namen Saccharin*) in den Handel gebracht, welches durch seinen ausserordentlich süssen Geschmack und seine ander- weitigen physiologischen Wirkungen ausgezeichnet, die Aufmerksam- keit weiterer Kreise auf sich gelenkt hat. Dasselbe, ein Benzol- derivat, wird unverändert vom Organismus wieder ausgeschieden und ist deswegen geeignet als Versüssungsmittel für die Nahrung der Diabetiker zu dienen. Auch wird es als Versüssungsmittel für Arzneien angewendet. Ferner zeichnet es sich durch seine anti- septischen Eigenschaften aus. *) Dieser Name ist insofern unglücklich gewählt, als bereits ein anderer organischer Körper diesen Namen führt. Es ist dies das Anhydrid der Saccharinsäure C H 10 5 . Dasselbe ist isomer mit Stärke. 30 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. TJeber die Darstellung^ weise dieses interessanten Körpers ist bisher folgendes bekannt geworden: Toluol wird bei einer Temperatur unter 100°. unter starkem Rühren mittelst gewöhnlicher konzentrierter Schwefelsäure sulfuriert. Wird das entstandene Gemisch von Ortho- und Paratoluolsulfosäure mit Oxydationsmitteln behandelt, so erhält man ungefähr gleiche Teile, von Ortho- und Parasulfobenzoesäure. Die getrockneten Alkali- salze dieser Säuren gehen beim Behandeln mit Chlor bei Gegenwart von Phosphortrichlorid in die Dichloride C 6 H 4 (S0 2 Ol) (C Cl) über. Setzt man zu diesen, nachdem das entstandene Pbosphoroxi- ehlorid abdestilliert ist, Ammoniumcarbonat, so wird das Dichlorid der Parasäure in das unlösliche Dianlid übergeführt, während das Orthosulfobenzoesäuredichlorid in das wasserlösliche Ammoniumsalz der Orthosulfaminbenzoesäure übergeht. Laugt man nach beendeter Reaktion mit Wasser aus und setzt Salzsäure zu dieser Lösung, so erhält man das Saccharin. Dasselbe hat die Zusammensetzung' Cg H 4 • CO • S0 2 • NH, ist also das Anhydroderivat der Orthosul- faminbenzoesäure. Von einigen Seiten ist die Ansicht ausgesprochen worden, dass dieser Körper der Zuckerindustrie gefährlich werden könnte. Dies muss jedoch bezweifelt werden. Denn, abgesehen davon, dass noch keine Erfahrungen darüber vorliegen, ob nicht ein Antiseptikum wie das Saccharin bei fortgesetztem Gebrauch dem Körper schadet, so ist im Auge zu behalten, dass das Saccharin stets nur als Genussmittel dienen wird, während dem Zucker doch als Nahrungsmittel ein beträchtlicher Wert zukommt. Dr. K. Baerwald. Neues aus der Elektrieitätslehre. — 1) Eine neue Form der astatischen Nadel. — Um sehr schwache elektrische Ströme nachzuweisen und zu messen, führt man bekanntlich den Strom in vielfachen Windungen um eine Magnetnadel, wodurch die Wirkung desselben auf die letztere sehr verstärkt wird. An Stelle der einfachen Magnetnadel verwendet man die von Nobili ange- gebene, viel empfindlichere „astatische" Nadel, welche aus zwei fest verbundenen, gleich grossen, gleich schweren und möglichst gleich stark magnetisierten Nadeln besteht, welche in derselben Ebene einander parallel sind, und deren Pole entgegengesetzt gerichtet sind, wie die schematische Figur erkennen lässt. _V Eine neue Form der astatischen Nadel giebt nun Herr Oberlehrer A. H e m p e 1 in der wissenschaftlichen Beilage zum 8 l N Programm der Friedrichs-Werderschen " ■" Ober-Realschule zu Berlin: „über elektrische Induktion" an. Die- selbe besteht aus einem Paar hufeisenförmiger, magnetischer Stahl- nadeln, die in ihren indifferenten Teilen fest miteinander in der Weise verbunden werden, wie es die Figur ; darstellt. Ein solches Nadelpaar von Hufeisenmagneten lässt sich natürlich N auch als eine obere und eine untere Nadel auffassen, so dass dasselbe wie- der eine astatische Nadel darstellt. -j Es gelang A. Hempel durch geeig- netes Abschleifen der Schenkel u. s. w. ein nahezu völlig symmetri- sches Nadelpaar herzustellen, das nur sehr langsame Schwingungen machte. Die so konstruierte Nadel zeigt, wenn sie in das Galvano- meter eingehängt wird, eine sehr grosse Empfindlichkeit und giebt sogar bei dem Strom einer Holtz'schen Maschine einen Ausschlag. Als Hauptvorteile dieser neuen Form der astatischen Nadel bezeich- net A. Hempel a. a. 0.: 1) dass die Nadel auf die Dauer nahezu gleich stark astatisch bleibt; 2) dass dem Nadelpaar leicht ein vor- feschriebener Grad von Astasie erteilt werden kann derart, dass das 'aar an einem Coconfaden von gegebener Länge aufgehängt in der Zeiteinheit eine vorgeschriebene Zahl von Schwingungen macht. 2) Ueber das Leitungsvermögen beleuchteter Luft hat Arrhenius im neuesten Heft von Wiedemann's Annalen d. Phys. u. Chemie interessante Mitteilungen gemacht. In einem Glas- rohre, welches mit Luft gefüllt war .und zur Regulierung des Druckes mit einer Luftpumpe in Verbindung stand, waren zwei Platindrähte eingelöhtet. Dieselben waren durch eine Leitung verbunden, in der ein empfindliches Galvanometer eingeschaltet war. Die in dem Glas- rohre befindliche Luft konnte nach Belieben durch elektrische Funken von aussen beleuchtet werden, welche von einer Holtz'schen Maschine erzeugt wurden. Die Versuche von Arrhenius zeigen nun, dass der Druck sowohl als auch die Beleuchtung auf die elektrolytische Leitung der eingeschlossenen Luft von starkem Einfluss ist. Es ergiebt sich nämlich, dass bei Drucken von etwa 1 — 20 mm die Luft bei Bestrahlung mittels geeigneten Lichtes sich wie ein Elektrolyt verhält. Dies wurde noch in einer etwas veränderten Versuehsan- ordnung bestätigt, indem hier ein Draht aus Platin und einer aus Zink verwendet wurden. Es wurde in allen Fällen beobachtet, dass in der durch Beleuchtung leitend gemachten Luft ein Strom vom Zink zum Platin ging, ganz in derselben Weise als ob statt der Luft Wasser zur Vereinigung von Zink und Platin verwendet worden wäre. Wie Arrhenius selbst hervorhebt, ist es ihm nicht gelungen, diese Erscheinung bei höheren Drucken zu beobachten, doch unterliegt es seiner Ansicht nach keinem Zweifel, dass eine solche Wirkung der Beleuchtung auf die Leituugsfäbigkeit der Luft auch dann stattfindet. Es sprechen allerdings die interessanten Versuche von Hertz für eine solche Ansicht; deini aus denselben geht mit Sicherheit hervor, dass in Luft von gewöhnlichem Druck die elektrischen Funken sich leichter ausbilden, wenn die Funkenstrecke beleuchtet wird, als wenn dies nicht der Fall ist. Es ist mit diesen Versuchen ein neues Feld schöner Unter- suchungen eröffnet worden, welche vielleicht geeignet sein werden, uns nähere Aufschlüsse über das Wesen der Elektricität zu geben, wie sich auch erwarten lässt, dass die Lehre von der Elektricität der Atmosphäre und die Meteorologie ihnen Fortschritte verdanken werden. 8) Seismograph mit elektrischem Registrierapparat. — Dr. Carl Fröhlich giebt in Exner's Repertorium der Physik, Bd. 24 Heft II, die Beschreibung eines neuen, von ihm selbst er- fundenen Seismographen. Das Wesentliche desselben besteht in folgendem. An einer Spirale hängt frei ein Gewicht aus Metall, welches mit einer Spitze in ein Quecksilbergefäss taucht und da- durch mit einem Elemente verbunden ist. Dem Gewichte stehen, den vier Himmelsrichtungen entsprechend, vier Kontaktfedern gegen- über. Bei der geringsten Erschütterung des Bodens wird das Ge- wicht eine oder zw f ei der Kontaktfedern berühren, dadurch wird aber eine elektrische Leitung geschlossen, denn jede der Federn steht in Verbindung mit je einem Elektromagneten, welche Auslösevor- richtungen besitzen, ähnlich den in Hotels und Wohnungen üblichen elektrischen Einrichtungen. Ebenso wird eine Hebung oder Senkung des Gewichtes angegeben. Der Apparat steht ferner mit einer Regulatoruhr in Verbindung, welche bei einer eintretenden Er- schütterung sofort zum Stillstehen gebracht wird. Dadurch wird die Zeit des ersten Anstosses und durch die an einem Elektro- magneten herabfallende. Signalscheibe die Richtung desselben ange- geben. Damit wird zugleich ein Läutewerk geschlossen, das so lange ertönt, bis die Hemmungsvorrichtung der Uhr wieder zurückgestellt ist. Die nähere Einrichtung des Apparates können wir hier nicht ausführlich angeben. Wir wollen nur bemerken, dass der Apparat 1) die Himmelsrichtung der horizontalen Erdbewegung (und zwar die Richtung, in welcher eine Senkung stattfindet), 2) die vertikale Richtung (aber nur falls der Apparat sich zufällig gerade über der Zentralstelle der Bewegung befindet) und 3) die Zeit des ersten Stosses angiebt. Sind mehrere solcher Apparate a7i verschiedenen Stellen aufgestellt, so lässt sich aus ihren Angaben der Ort einer Senkung oder Hebung bestimmen. — Da der Apparat die kleinsten, sonst gar nicht bemerkten Erschütterungen der Erdoberfläche an- giebt, so empfiehlt Dr. Fröhlich denselben in vereinfachter Form als Warnungssignal für vulkanische Gegenden, wobei dann auf die Richtungsbestimmungen kein Gewicht gelegt zu werden braucht. A. Gutzmer. Die Härte von Metallen. — Wenn man nach der älteren Methode, welche Calvert und Johnson (1859) und Bettone (1873) zur Bestimmung der Härte fester Körper angewendet haben, eine belastete Stahlspitze bis zu einer bestimmten Tiefe in den Körper eindringen lässt, so ergiebt das zur Verwendung gelangte Belastungs- gewicht kein reines Mass der Härte; sondern eines Widerstandes, der sich aus der Härte und der Zähigkeit zusammensetzt; denn zum Eindringen der Stahlspitze gehört nicht nur ein Vorsichherschieben, sondern auch ein Seitwärtsdrängen der kleinsten Teilchen des festen Körpers Th. Turner (Beibl. z. d. Annal. d. Phys. u. Ch. 1887. Bd. XI. S. 752.) hat sich daher eines anderen, schon von See- beck, Franz und Pf äff vorgeschlagenen Verfahrens bedient, um die Härte unabhängig von der Zähigkeit zu bestimmen. Ueber die polierte Fläche des zu untersuchenden Metalls wird eine belastete Diamantspitze geführt, welche einen Strich einritzt; alsdann wird die Belastung so weit vermindert, bis kein Einritzen mehr zu be- obachten ist. Die letzte Belastung, welche noch einen Strich hervor- brachte, gilt als Mass der Härte. — Aus den nach diesem Verfahren vorgenommenen Untersuchungen ergab sich die interessante Beziehung, dass bei den Metallen im amorphen Zustande die Härte proportional dem Quotienten s/a ist, worin s das specifische Gewicht, a das Atom- gewicht bedeutet. Derselben Grösse zeigte sich auch die Zähigkeit proportional, für welche die absolute Festigkeit als Mass genommen wurde. Bei krystallinischen Materialien findet keine Proportionalität zwischen Härte und Zähigkeit statt. — Was lehrt dies Ergebnis? Die Grösse s/a ist, wenn wir s und a auf dieselbe Einheit beziehen, nichts anderes als die relative Anzahl der in der Volumeinheit enthalte- nen chemischen Atome des untersuchten Metalls. Je grösser diese An- zahl ist, je dichter also die chemischen Atome in einem Metall bei- einander liegen, desto grösser ist — sofern der amorphe Zustand vorhanden ist — die Härte und auch die Zähigkeit des Metalls. Dr. K. F. Jordan. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 31 Mannesmann'sehes Röhrenwalzverfahren. — Bin neues Bearbeitungsverfahren für dehnbare Metalle, das sogenannte Mannes- mann'sche Röhrenwalzverfahren verdient wegen seiner fast ans Wunderbare grenzenden Leistungen auch über den engeren Kreis der Techniker hinaus bekannt zu werden. Mittelst desselben ist man nämlich im Stande volle Metallstäbe ohne ein ins Innere der- selben dringendes Werkzeug, nur durch Einwirkung auf die äussere Oberfläche in Röhren von beliebigen äusseren und inneren Durch- messer zu verwandeln. Diese dem Uneingeweihten ganz unmöglich erscheinende Wir- kung wird dadurch hervorgebracht, dass der Oberfläche des Metall- stabes. der sich in dehnbarem oder teigartigem (z. B. als Bisenstab in glühendem) Zustande befinden muss, mittelst zweier sich unter spitzem Winkel kreuzender, in Umdrehung versetzter Walzen von Kegelstumpf-Gestalt eine schraubenförmig fortschreitende Bewegung erteilt wird, deren Geschwindigkeit in der Richtung der Fort- schreitung zunimmt. Hierbei muss notwendiger Weise eine Dehnung oder Streckung der Oberfläche in derselben Richtung erfolgen und das darunter liegende Metall vermöge seiner Kohäsion an dieser Dehnung teilnehmen. Wenn jedoch ein Körper in einer Richtung ausgedehnt wird, so ist damit stets eine Zusammenziehung in der Querrichtung verbunden, wie man an jedem angespannten Gummi- band oder -Schlauch beobachten kann. Diese Zusammenziehung er- folgt nun bei unserem Metallstabe in der zu allen Windungen der schraubenförmigen Fortschreitungslinie senkrechten, d. i. in der ra- dialen Richtung derart, dass das Metall sich rings um die Stabachse nach aussen etwas zurückzieht. Da nun alle Stellen der Stabober- fläche, nacheinander zwischen den Walzen hindurchgehend, gleich stark gedehnt werden, so wird auch überall im Stabe eine gleiche radiale Zurückweichung des Materials von der Achse stattfinden oder mit anderen Worte» im Innern ein cylindrisches Loch und aus dem Stab eine Röhre gebildet werden. Durch Vorstellung der Walzen lässt sich der äussere und innere Durchmesser des Rohres verändern, so dass man mit einem und demselben Walzenpaare Röhren von den verschiedensten Durch- messern, oder Rühren mit beliebig abwechselnden Verengungen und Erweiterungen oder auch mit eingeschalteten vollen Stücken her- stellen kann. Das ist in kurzen Worten das Princip des Walzverfahrens, welches, eine deutsche Erfindung, bestimmt zu sein scheint, eine vollständige Umwälzung in der Metallindustrie, soweit sie auf der Walzarbeit beruht, hervorzurufen. G. Brelow, Ingenieur und Docent an der Kgl. Bergakademie zu Berlin. Astronomisches. — I. Astronomische Neuigkeiten. — Wiederum ist die Anzahl der kleinen Planeten zwischen Mars und Jupiter um ein Exemplar vermehrt worden. In der Nacht vom 3. zum 4. April entdeckte Palisa in Wien den 274. Stern dieser Gattung im Sternbilde der Jungfrau. Das Objekt ist ausserordent- lich lichtschwach und nur 13. Grösse, seine Bewegung ist nach Nord- westen gerichtet. — Der Komet 1888 (Sawerthal) ist Ende März und Anfang April in Turin, Nizza, Rom, Strassburg und Kiel be- obachtet. Da seine Nordpoldistanz sich immer mehr verringert, so nimmt die Dauer seiner Sichtbarkeit für die nördlichen Gegenden zu, leider aber nimmt seine Helligkeit in gleichem Masse ab. Schon Ende März war sein Kern nur noch so hell wie ein Stern fünfter Grösse. H. Astronomischer Kalender. — Am 24. April Sonnen- aufgang 4 Uhr 42 Minuten, Untergang 7 Uhr 13 Minuten; Mond- aufgang nachmittags 4- Uhr 42 Minuten, Untergang morgens 4 Uhr 46 Minuten. Am 1. Mai Sonnenaufgang 4 Uhr 28 Minuten, Unter- gang 7 Uhr 25 Minuten; Mondaufgang nachts 1 Uhr 22 Minuten, Untergang abends 9 Uhr 56 Minuten. Am 25. April abends 7 Uhr 15,7 Minuten findet Vollmond statt. Um die bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von diesen abziehen am 24. April 2 Minuten 1,2 Sekunden, am 1. Mai 3 Minuten 4,9 Sekunden. Dr. F. Plato. Fragen und Antworten. Kommen auf "Ulex europaeus L. Käfer vor, welche nur diese Pflanze beherbergt? Nur auf Ulex europaeus L. lebt Apion Ulicis Schh.; auf Ulex nanus L. Apion scutellare Kirby (=ulicico]a Perr.), der nach Kalten- bach aufU. europaeus vorkommt. Wahrscheinlich ist auch das nur aus Frankreich bekannte Apion uliciperda Pand. ein alleiniger Be- wohner von Ulex. Man vergl. E. Perris, Observations sur les insectes qui habitent les galles de l'Ulex nanus et du Papaver dubius (Ann. Soc Ent, France 1840 S. 89— 99 Taf. 6). — und Goureau, Note pour servir ä l'histoire des insectes qui vivent dans les gousses du genet epineux (Ulex europaeus) (Ann. Soc. Ent. France 1847 S. 245—253 Taf. 3 Nr. U). H. J. Kolbe. Litteratur. 1) W. C.Wittwer: Grundzüge der Molekular -Physik und der mathematischen Chemie. — Stuttgart, Verlag von K. Wittwer. Preis 5 JC 2) W. C.Wittwer: Die thermischen Verhältnisse der Gase mit besonderer Berücksichtigung der Kohlensäure. — 8°, 56 Seiten. — Verlag von K. Wittwer. Stuttgart, 1887. Preis 1 JC 80 4. 1) Obwohl dieses Werk, welches uns soeben von der Verlags- handlung zugeht, bereits vor längerer Zeit (1885) erschienen ist, wollen wir doch nicht unterlassen, unsere Leser auf dasselbe auf- merksam zu machen. Verfasser sucht tiefer in die Erkenntnis der Konstitution der Materie einzudringen und studiert zu dem Zwecke ganz besonders den „Aether" im Verhältnis zu den „Massenteilchen". Dabei wird manche der bisherigen Anschauungen über den Aether, als. mit den Erfahrungstatsachen im Widerspruch stehend, durch neue ersetzt. Besonders bemüht sich Verfasser, den Aether in der Chemie einzubürgern, wo er bisher gar nicht berücksichtigt worden ist. Wenngleich Verfasser teilweise auf dem älteren Standpunkte der Physik steht und z. B. dem Gesetze der Wärmeäquivalenz keine allgemeine Bedeutung zuerkennt, bietet das Werk doch manche An- regung, und empfehlen wir dasselbe der Beachtung. — Die Aus- stattung in Papier und Druck seitens des Verlages muss als vor- züglich bezeichnet werden. 2) Dieses Heft bildet gewissermassen eine Fortsetzung der „Molekulargesetze" (Leipzig 1871) und der vorstehend besprochenen „mathematischen Chemie" desselben Verfassers. Es wird hier der Aether in die Wärmelehre eingeführt und besonders bei den ther- mischen Verhältnissen der Gase berücksichtigt. Die Kohlensäure studiert Verfasser eingehender, weil dieselbe das bestbekannte Gas ist, Verfasser steht nicht auf dem Standpunkte der kinetischen Gastheorie und nimmt deshalb nur „Oscillationen" der Atome inner- halb enger Grenzen als Grundlage der Wärmeerscheinungen der Gase an. Der originelle Versuch eines tieferen Eindringens in das Verständnis der noch so wenig aufgeklärten Molekularverhältnisse enthält mancherlei Anregungen und ist der Beachtung sicher wert. A. Gutzmer. Anton, F., Specielle Störungen u. Ephemeriden für die Planeten Cassandra u. Bertha. gr. 8°. Preis 60 -}. G. Freytag in Leipzig. Beiträge zur Anthropologie u. Urgeschichte Bayerns. Organ der Münchener Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urge- schichte. Red.: J. Ranke u. N. Rüdinger. 8. Bd. 1. u. 2. Hft. gr. 8°. (105 S. m. Illustr.) Preis pro kplt. 24 JC. Literarisch- artistische Anstalt (Theodor Riedel) in München. Ellenberger, W., Grundriss der vergleichenden Histologie der Haussäugetiere, gr. 8°. (VI, 270 S. m. Illustr.) Preis geb. 7 JC. Paul Parey in Berlin. Grofe, G., Heber die Pendelbewegung an der Erdoberfläche. 4°. Preis 1 JC 20 -}. E. J Karow in Dorpat. Pinner, A., Bepetitorium der organischen Chemie. 8. Aufl. gr. 8°. Preis 6 JC 50 4. Robert Oppenheim in Berlin. Bath, G. vom, Durch Italien und Griechenland nach dem heiligen Land. Beisebriefe. 2. Ausg. 2 Bde. 8°. Preis 6 JC. geb. 8 JC. C. Winter in Heidelberg. Reich, E., Das Heilbestreben der Natur im Organismus der Ge- sellschaft, gr. 8°. Preis 2 JC. Verlagsverein für Wissenschaften, (Rothermel & Co.) in Karlsruhe. Sara sin, P., u. F. Sarasin, Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschungen auf Ceylon in den Jahren 1884 — 1886. 1. Bd. 2. Hft. Fol. (Mit 4 Taf.) Preis in Mappe 14 JC. C. W. Kreidel's Verlag in Wiesbaden. Sitzungsanzeiger der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. Jahrg. 1888. Nr. 1. (gr. 8°.) pro kplt. Preis 3 JC. G. Freytag in Leipzig. Sitzungsberichte und Abhandlungen der naturwissenschaft- lichen Gesellschaft Isis in Dresden. Jahrg 1887. Juli — Decbr. gr. 8°. Mit 1 Taf. Preis 3 JC. Warnatz & Lehmann in Dresden. Steinbruch, Der Darwinismus und seine Folgerungen. Ein Vor- trag, gr. 8°. Preis 30 4. Ludwig Wiegand in Hilchenbach. Tollens, B., kurzes Handbuch der Kohlenhydrate. 8°. (M. Illustr.) Preis geb. 9 JC. Eduard Trewendt in Breslau. Zaengerle, M., Grundriss der Mineralogie. Anh. zum Grundriss der anorgan. Chemie. 3. Aufl. gr. 8°. Preis 1 JC. 20 4. Gustav Taubald in München. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke frank«. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten urir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. Inserate namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. sowie In Bruhn's Verlag (Inhaber: Bugen Appelbans) in Braun- schweig ist soeben erschienen: NaturpscMclite für die einfache Volksschule, Natnrkürper der Heimat innerhalb natürlicher Gruppen vorgeführt und von einheitlichem Gesichtspunkte aus be- trachtet. Nebst Anleitung zu zahlreichen Beobachtungen. Ein Handbuch für Lehrer. In 2 Kursen zu je 40 Lektionen bearbeitet von Dr. Franz Kiessling u. Egmont Pfalz. Mit zahlreichen Holzschnitt-Abbildungen. Preis 2 M, geb. 2,50 J(_ Das Buch ist in demselben Geiste gearbeitet wie das rühmlichst bekannte grossere Handbuch derselben Verfasser, des ersten, welches den gesamten naturgeschichtlichen Unterrichtsstoff innerhalb natürlicher Gruppen (Lebensgemeinschaften) auf Jahreskurse verteilt brachte. Wie das grössere Handbuch sucht auch das oben angezeigte das Verständ- nis der Gesetzmässigkeit in der Natur, zu deren Beobachtung es an- leitet, sowie eine sinnige Naturbetrachtung zu fordern. PJ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, sowie | auch direkt gegen Franko-Einsendung des Be- trages von der Verlagshandlung. Brockhaus' Conversations - Lexikon. Mit Abbildungen und Karten. * . 16 Bände und 1 Supplementband. Kein Nachahmer bar notariell bestät. lobende Anerkennungen | wie zu Tausenden nur B. Becker I in Seesen a. Harz über s. Holl. J Tabaok. 10 Pfd. frk. 8 Mk. [35] Der Wetterprophet, j Eine Anleitung, das Wetter 24 Stunden vorauszubestimmen und wie sich jedermann ein Wetterglas für noch nicht 50 Pfennige, herstellen kann. von Dr. W. Schulz. Elegant brosch. Preis 50 »j. Zu beziehen durch die Ver- lagsh.G.Goldbach, BerlinSW.48. * oder durch die Expedition der i „Naturwissensch. Wocuenschr." * *.*..-*. w -vm w-m-w*-- w-w-.w-w-.w-m rn._m.wi Inserate für Nr. 6 der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" müssen späte- stens bis Sonnabend, 28. April in unseren Händen sein. Die Expedition. Besonderer Beachtung empfohlen! In Fr. Mauke? Verlag in Jena erseheint: ! Naturwissenschaftlich-Techmsche Umschau. Illustrierte populäre Halbmonatsschrift über die Fortschritte auf den Gebieten der angewandten Naturwissenschaft u. techn. Praxis. Für Gebildete aller Stände. 4. Jahrg. Herausgegeben von A. Rohrbach, Ingenieur in Berlin. Preis pro Quartal durch Post oder Buchhandel bezogen 3 Mark. j Probehefte sind durch jede Buchhandlung, sowie direkt vom Verleger' gratis und franko zu beziehen. Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer Berlin SW. 48. Friedriehstrasse 226 empfiehlt sich zur Besorgung von naturwissenschafto liehen Werken und Zeitschriften. t( Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten 5* Behufs anhaltender Verbindung wolle maii mit der Firma in Korrespondenz sei Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von . H 2. 10 (m Briefmarken.) Einzelne Nummern kosten 25 .;. Oie Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Fri edrioh-Strasse 226. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. \\ss\ssv\\sa Der heutigen Nummer der „Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift" liegt ein vierseitiger Pro- spekt der Verlagsbuchhandlung von Ferdinand Hirt i. Breslau üb. „Natur- geschichtliche Lehrbücher" i»i. \ v x \ s v:-r*m«'\ \ v x vs Inhalt: Prof. Dr. Tb. Albrecht: Einrichtung zur öffentlichen Zeit- Regulierung. (Mit Abbild.) (Schluss.) — Dr. K. F. Jordan: Unter welchen Umstanden und in welcher Weise geschieht die Bildung von Schneekrystallen? — Kleinere Mitteilungen: Eine neue Kraft- quelle niederer Pflanzen. — Einige Notizen über die Doppelnatur der Flechten. — Das Saccharin. — Neues aus der ElektricitätsleUre. — Die Härte von Metallen. — Mannesmann' sches Röhrenwalzverfahren. — Astronomisches. — Fragen und Antworten: Kommen auf Ulex europaous L. Käfer vor, welche nur diese Pflanze beherbergt? — Litteratur: W. C. Wittwer: Grundzüge der Molekular-Physik und der mathematischen Chemie. — W. 0. Wittwer: Die thermischen Verhältnisse der Gase mit besonderer Berücksichtigung der Kohlensäure — Bücherschau. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Müller. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sä;.: Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag-, den 29. April 1888. Nr. 5. Abonnement: Man abonniert bei allen Bachhandlungen und Post- j Inserate: Die viergespaltene Petitzeile SO -j. Grössere Aufträge anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 2.— ; 0J3 entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Pust 15 4 extra. Jl annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Die vermeintliche Herrschaft des goldenen Schnittes in Natur und Kunst. Von Dr. H. Schubert, Profes Zu den beliebtesten Kapiteln der Geometrie gehörte bei den Griechen das über den goldenen Schnitt. Eine Strecke heisst nach dem goldenen Schnitt oder stetig geteilt, wenn sich der kleinere Teil zum grösseren Teile so verhält, wie eben dieser grössere Teil zur ganzen Strecke. So teilt in der beistehenden Figur der Punkt C die Strecke AB stetig, weil das Verhältnis von CB A C li zu CA deich dem Verhältnis von CA zu AB ist. Schon Euklid, der grosse Systematiker der Geometrie, lehrte, dass man den AB stetig teilenden Punkt C findet, indem man in B auf AB ein Lot errichtet, halb so lang wie AB, den Endpunkt D mit A verbindet, um D mit DB einen Kreis beschreibt, der AD in E schneidet, und um A mit AE einen Kreis beschreibt, der AB in dem gewünschten Punkte C schneidet. Die Beliebtheit des goldenen Schnittes bei den in der Aesthetik der Formen hochgebildeten Griechen hat wohl wesentlich darin ihren Grund, dass derselbe in so eleganten Konstruktionen und Figuren auftritt. So gelingt die mathematisch genaue Einteilung einer Kreis-Peripherie in zehn, und also auch in fünf, zwanzig, vierzig, fünfzehn u. s. w., gleiche Teile nur vermittelst des goldenen Schnittes, weil die Seite eines einem Kreise einbeschriebenen, regulären Zehnecks der grössere Abschnitt des stetig geteilten Radius ist. In ein- fachster und schönster Weise zeigt den goldenen Schnitt die hier beigegebene Figur des Pentagramms oder Druden- fusses, d. h. der Figur, welche aus den fünf Diagonalen eines regulären Fünfecks besteht, weil jede der fünf auf- or am Johanneum in Hamburg. einanderfolgenden Strecken des Pentagramms von jeder andern, sie schneidenden Strecke nach dem goldenen Schnitt geteilt wird. Am Ende des Mittelalters bekam das Penta- gramm den Beigeschmack des Mystischen und Wunderbaren, und wurde dadurch schliesslich das Wahrzeichen der Geheim- künstler und Alchymisten. Darum lässt auch Goethe auf Faust's Schwelle ein Pentagramm angebracht sein, das dem Mephisto ein Hindernis bereitet. Noch heute wird diese das Auge fesselnde Figur häufig- benutzt. Beispiels- weise ist sie dem Wappen des chemischen Staatslabora- toriums in Hamburg eingefügt. Laien verwechseln das Pentagramm bisweilen mit dem aus zwei sich durch- dringenden gleichseitigen Dreiecken bestehenden Wirts- hauszeichen. Letzteres ist ein sechseckiger Stern, der aus zwei Zügen besteht, während das Pentagramm in einem einzigen Zuge hergestellt werden kann. Nicht allein das Pentagramm, sondern überhaupt die stetige Teilung und die derselben zu Grunde liegende stetige Proportion fand im sechzehnten Jahrhundert lebhafte Bewunderung, namentlich bei dem Priester Pacioli und dem Astionomen Keppler. Pacioli vergleicht in seinem 1509 in Venedig erschienenen Werke „Divina propor- tione" die Proportion des goldenen Schnittes mit der Gottheit, welche eine Dreieinigkeit enthalte, ebenso wie diese Proportion aus drei Gliedern bestehe. Von Pacioli rührt auch die Ausdrucks weise „göttliche oder goldene Proportion, goldener Schnitt" u. s. w. her. Keppler ver- gleicht in seinem Mysterium cosmographicum den pytha- 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5. goräischen Lehrsatz mit einer Masse Goldes, das Ver- hältnis des goldenen Schnittes aber mit einem Edelstein. Es liegt nahe, dieses Verhältnis, also das Verhältnis des kleineren Abschnitts zum grösseren, oder was ja eben ihm gleich sein soll, das Verhältnis des grösseren Ab- schnitts zur ganzen Strecke numerisch auszurechnen. Man findet dafür 1 /-z (V5 — 1) oder in Decimalstellen 0,618 . . Dieses Verhältnis, das wir im Folgenden „das goldene" nennen wollen, ist irrational, d. h., es giebt keine zwei ganzen Zahlen, und wären dieselben noch so gross, die dieses Verhältnis genau ausdrücken könnten. Man kann aber in behebiger Menge Paare von ganzen Zahlen finden, die das goldene Verhältnis näherungs- weise ausdrücken. Alle solche Zahlen-Paare erhält man durch je zwei benachbarte Zahlen einer eigentümlichen Reihe, welche entsteht, wenn man, von den Zahlen 1 und 2 ausgehend, jede folgende durch Addition ihrer beiden Vorgänger bestimmt. Diese Reihe — Lame'sche Reihe genannt — , lautet also: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377, 610, . . . Die hieraus entstehenden Brüche Ya> 2 /a, 3 /s, h /s, . . . sind immer abwechselnd kleiner und grösser, als das goldene Verhältnis, kommen demselben aber immer näher, ohne ihm je genau gleich werden zu können. Die Lame'sche Reihe hat überdies die Eigenschaft, dass das Quadrat jedes ihrer Glieder sich nur um 1 von dem Produkte ihrer beider Nachbarglieder unterscheidet, und zwar abwechselnd um 1 zu gross oder zu klein ist, wie man findet, wenn man zweimal zwei mit einmal drei, drei- mal drei mit zweimal fünf u. s. w. vergleicht. Die im Vorangehenden geschilderten, geometrischen und arithmetischen Eigenschaften des goldenen Schnittes und des goldenen Verhältnisses sind natürlich nicht durch Beobachtung gewonnen, sondern mathematisch beweisbar, d. h. aus den Grundeigenschaften des Raumes und den Grundlagen unseres Denkens direkt abzuleiten. Den Untersuchungen, die sich mit derartigen Eigenschaften beschäftigen, stehen jedoch Untersuchungen krass gegen- über, die in unserm Jahrhundert von phantastisch an- gelegten Gelehrten angestellt sind, und die kein geringeres Ziel haben, als den Nachweis, dass das goldene Ver- hältnis alle Natur- und Kunstkörper beherrsche und deshalb gewissermassen ein morphologisches Grundgesetz der Natur und der Kunst sei. Hauptsächlich hat in dieser Richtung der Münchener Gymnasial - Professor Adolf Zeising um die Mitte unseres Jahrhunderts ge- arbeitet. Von hervorragenden Naturforschern haben dann namentlich der Botaniker Alexander Braun und der Mineraloge Naumann Messungen angestellt und Arbeiten geliefert, welche gleichfalls das überwiegende Vorkommen des goldenen Verhältnisses an Naturkörpern beweisen sollten. Neuerdings ist endlich in Augsburg ein von Professor Pfeiffer in Dillingen verfasstes und „Der gol- dene Schnitt in Mathematik, Natur und Kunst" betiteltes Werk erschienen, welches, unter Hinzufügung der eigenen Untersuchungen des Verfassers, alle früheren, auf das Vorkommen des goldenen Verhältnisses gerichteten Unter- suchungen in ausführlichster Weise bespricht. Zunächst soll der goldene Schnitt das Planeten-System beherrschen. Nun haben aber die Entfernungen der acht grossen Planeten von der Sonne nicht das ersehnte Verhältnis. Die Enthusiasten des goldenen Schnittes aber wissen sich zu helfen. Sie addieren die Entfernungen des ersten und dritten, des zweiten und vierten, des fünften und siebenten, des sechsten und achten Planeten von der Sonne, und geben ihrer Freude darüber Ausdruck, dass die erste und zweite dieser vier Summen, sowie auch die dritte und vierte das goldene Verhältnis näherungsweise zeigen. In einer ähnlich willkürlichen Weise werden auch von den auf die Monde der Planeten sowie ihre Umlaufszeiten bezüglichen Zahlen solche heiausgesucht, die in die Zwangsjacke des goldenen Verhältnisses einiger- massen passen. Dass wirklich zwei kleine Planeten, Medusa und Hermione, in ihren Entfernungen von der Sonne dem goldenen Schnitt annähernd entsprechen, darf nicht Wunder nehmen, wenn man beachtet, dass man, wenn man nur 180 solche Planeten rechnet, 16110 Ent- fernungs-Verhältnisse bilden kann. Um auch die Herr- schaft des goldenen Schnittes in der Geographie zu zeigen, hat Zeising den vom Lande bedeckten Teil mit dem vom Meere bedeckten Teile der Erdoberfläche verglichen. Da beide Teile aber im jetzigen Jahrtausend sich etwa wie 100 zu 263 verhalten, und diese Zahlen unmöglich mit dem goldenen Schnitt in Einklang zu bringen waren, so zog Zeising aus beiden Zahlen die Quadratwurzel, und der gewünschte Einklang war erreicht. Nur hatte Zeising dabei vergessen, dass. wenn die Vornahme be- liebiger arithmetischer Operationen zulässig ist, jedes Verhältnis in jedes andere verwandelt werden kann. Dies gelingt sogar schon durch blosse Addition. So kann man z. B. aus 1000 zu 2000 dadurch, dass man zu beiden Zahlen 61S addiert, das goldene Verhältnis herausbringen. Auf etwas festeren Füssen stehen die Untersuchungen, welche den goldenen Schnitt im Pflanzenreiche nachzu- weisen streben, wenigstens, soweit sie die Blattstellung betreffen. Geht man am Stengel einer Pflanze von der Ansatzstelle eines Blattes nach oben bis zur Ansatzstelle des nächst höheren Blattes, von diesem Blatte ebenso weiter zum zweiten Blatte, u. s. w., so trifft mau schliess- lich auf ein Blatt, dessen Ansatzstelle sich gerade ober- halb derjenigen des Anfangs-Blattes befindet, ist dieses das b-te Blatt, und hat man, um auf dasselbe zu kommen, den Umfang des Steiles a-mal umkreisen müssen, so ist a : b immer derselbe Bruch, welches Blatt man auch als Anfangsblatt nehmen mag, oder, was auf dasselbe hinaus- kommt, projiziert man die Ansatzstellen zweier aufein- anderfolgender Blätter auf einen kreisförmig gedachten Querschnitt des Stengels, so erhält man zwei Punkte, deren Bogen-Entfernung immer dieselbe Grösse hat, näm- lich a : b mal 360 °. Den Bruch a : b nennt man den Blattstellungsbruch der betreffenden Pflanze. Als Blatt- stellungsbrüche treten nun vorherrschend diejenigen Brüche Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 35 auf, welche Näherungswerte des goldenen Verhältnisses sind, mit anderen Worten, die aus den Gliedern der Lame'schen Reihe hervorgehenden Brüche 1 ji, 2 /3, s /s, 6 /s, 8 /i3, vi /'i\, .... Nach Alexander Braun gehorchen diesem Gesetze auch die Schuppen an den Tannenzapfen, und zwar ergieht sieh z. B. bei Pinus Larix 13 /ai, bei Pinus alba s n als vorherrschend. Die Untersuchungen über den goldenen Schnitt in der Blattstellung stehen auch schon darum höher als die analogen Untersuchungen in anderen Gebieten, weil man hier wenigstens versucht hat, die Erscheinung mit bekannten Naturgesetzen in Beziehung zu setzen, nämlich mechanisch zu erklären. Hierüber ver- gleiche man die Abhandlung Seh wendener' s über die „mechanische Theorie der Blattstellungen" (Leipzig 18781. Was das Tierreich anbetrifft, so hat Pfeiffer Messungen angestellt, welche die Herrschaft des goldenen Schnittes auch hier beweisen sollen. Die Messungen be- ziehen sich vorzugsweise auf die Windungen und Zeich- nungen der Schnecken-Gehäuse, auf die Flügellängen und Flügelspannweiten der Insekten in ihrem Verhältnis zu den Körperlängen, auf das Verhältnis von Kopf, Thorax und Hinterleib bei den Käfern, auf die Teilung der Fischlängen durch die Flossen und auf das Verhält- nis der Längenachse zur Breitenachse bei Vogeleiern. Ueber die. Proportionen am menschlichen Körper hat Zeising eine besondere, 1854 in Leipzig erschienene Schrift publiziert. Pfeiffer hat dann speciell diemensch- liche Hand auf den goldenen Schnitt hin untersucht. Er Fasst die zwei Glieder des Daumens und die drei Glieder der übrigen Finger mit dem zugehörigen Mittelhand- knochen zusammen und erhält dann folgende Längen- Verhältnisse: beim Daumen 2:3:5, beim Zeigefinger 8 : 13 : 21 : 34, beim Mittelfinger 3:5:5:8, beim ( Gold- finger 1:2:3:4 und beim kleinen Finger 13 : 21 : 34 : 55. Diese Verhältnis-Zahlen sind beim Daumen, Zeigefinger und kleinen Finger 3 oder 4 aufeinanderfolgende Zahlen der Lame'schen Reihe; die beiden anderen Finger ge- horchen jedoch diesem Gesetze nicht. Das Evangelium des goldenen Schnittes ist von Z ei sing und Pfeiffer aber nicht allein den Naturforschern, sondern auch den Künstlern gepredigt. „Da die menschliche Hand den Uebergang von der Natur zur Kunst vermittelt, und die Natur, besonders aber auch die menschliehe Hand, den goldenen Schnitt zeigt, so muss ihn auch die Kunst zeigen". In der Architektin' ist es den Aposteln des goldenen Verhältnisses nicht schwer geworden, Bauwerke, namentlich alt-christliche Kirchen, ausfindig zu machen, bei denen die Breite und die Länge, letztere, wie es am besten passte, teils mit Vorhalle, teils ohne Vorhalle ge- messen, das gewünschte Verhältnis haben. Auch in Auf- rissen lassen sich natürlich Längenpaare finden, die dem Gesetze gehorchen. Um zu zeigen, wie in der Plastik und Malerei die passenden Beispiele mit den Haaren herbeigezogen werden, wählen wir folgendes Beispiel. Auf dem „Abendmahl" von Leonardo da Vinci befinden sich rechts und links vom Heiland zwei Gruppen von je drei Aposteln. Der Raum nun, welchen auf jeder Seite die Köpfe der drei näheren Apostel einnehmen, hat zu dem Räume, welchen die Köpfe der drei entfernteren Apostel einnehmen, das Verhältnis 3 : 5, also ein Ver- hältnis, das als Näherungswert des goldenen Schnittes aufgefasst werden kann. Iu der Musik will Pfeiffer den goldenen Schnitt schon durch die Schwingungszahlen der Töne eines gewöhnlichen Akkordes bestätigt finden. Diese. Zahlen verhalten sich aber bei c, e, g, c' wie 4:5:6:8. Besser passt daher nach des Referenten Ansicht der erweiterte Akkord c, g, e', c", dessen Schwingungszahlen sich wie 2:3:5:8 verhalten, also vier aufeinanderfolgende Zahlen der Lame'schen Reihe geben. In der Poesie sieht Pfeiffer den goldenen Schnitt in dem Gesetze der „Vermittelung". Die vermittelnde Rolle spielt z. B. in der antiken Tragödie der Chor, in Schiller's „Bürgschaft" der Freund, der also nicht bloss mittlere Proportionale zwischen Moros und dem Tyrannen, sondern auch gleich der Differenz beider ist. Gegen die Untersuchungen, die den goldenen Schnitt als morphologisches Naturgesetz hinstellen wollen, lassen sich mancherlei Bedenken geltend machen. Die wesent- lichsten Bedenken sind wohl folgende. Erstens ist das Vorherrschen des goldenen Schnittes in Natur und Kunst so lange nicht bewiesen, als nicht durch Beobach- tungen und Messungen klargelegt ist, dass nicht auch jedes andere Verhältnis, etwa 1 : 2, wenn man es nur ebenso eifrig sucht, ebenso häufig zu finden ist. Zweitens sind alle solche Untersuchungen so lange mehr Spielereien als wissenschaftlich wertvoll, als sie nicht von dem Streben begleitet werden, den inneren Grund dieses Vorkommens mechanisch oder biologisch zu erklären, d.h. das vermeintliche Gesetz mit den feststehenden Naturgesetzen in logischen Zusammenhang zu bringen, um dadurch dem Vorherrschen des goldenen Schnittes den Charakter des Zufälligen und Unbegreiflichen zu nehmen. Descendenzfrage und Unterweltsforschung. Von Dr. Robe Bekanntlich gipfelt die moderne Naturanschauung, wie sie besonders durch Darwin und seine Schule zur Geltung gekommen isV hn Prinzipe der Descendenz, d. h. in der Auffassung, dass alle heute lebenden Tier- und Pflanzen- arten allmählich im Laufe der unendlich langen geologi- schen Zeiträume aus anderen, meist niedriger organisierten rt Sehneider. Formen sich auf natürlichem Wege entwickelten; dass nahe verwandte Formen (Gattungen, Arten) auch stets in gene- tischem Zusammenhange stehen, d.h. von gemeinsamen Vor- fahren abstammen müssten. Die „Veränderlichkeit der Ar- ten" ist die fundamentale Voraussetzung, die „Entstehung der Arten" die nächste Konsequenz dieses Natursystemes. 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5. Es liegt nun nahe, dass die Anhänger und Verfech- ter dieser natürlichen Entwicklungslehre in erster Linie darauf bedacht sein müssen, nicht nur auf dem Boden eines Theoremes stehen zu bleiben, sondern ein möglichst reiches Beweismaterial für die Richtigkeit ihrer Anschau- ung im einzelnen beizubringen. Solches Beweismaterial ergiebt sich aber der exakten Forschung in erster Linie da, wo es gelingt, Vermittelungs- und Uebergangsformen zwischen mehreren sich verwandtschaftlich nahestehenden, aber doch artlich unterschiedenen Organismen nachzu- weisen, sodass der Weg, welchen die Entwickelung, die Abänderung im einzelnen Falle genommen, gewisser- massen aufgedeckt und beleuchtet erscheint. Je mehr derartige Fälle von genetisch verwandtschaftlicher Be- ziehung, also positiver Beweiskraft, bekannt werden, desto besser für die Begründung und Sicherung der Descendenz- lehre. Dieselbe kommt insofern lediglich auf eine Zeit- frage, auf ein Additionsexempel hinaus. Bis jetzt nun freilich ist es der Wissenschaft erst gelungen, eine relativ geringe Zahl solcher wirklich be- weiskräftigen Bindeglieder zwischen bestimmten sich nahe- stehenden Tier- oder Pflanzenarten aufzufinden. Darwin selbst legt seinen eigenen Erwägungen und Entwickelungen in dem berühmten Werke: „Onthe origin of species" als Ausgangspunkt die Thatsache zu Grunde, dass die mancherlei im Laufe der Kulturent- wickelung dem Menschen zu eigen gewordenen Haustiere und Kulturpflanzen, von ursprünglich wild lebenden, die als solche meist nicht mehr vorhanden, also ausgestorben, abstammen; dass deren gezähmte und gezüchtete Nach- kommen ihrerseits wieder unter dem verschiedenartigen Einflüsse der Menschen in eine oft grosse Zahl ver- schiedener sogenannten Rassen und Spielarten ausein- ander gegangen seien, — und das alles in — mindestens geologisch gesprochen — kurzen, zuweilen nachweisbar sehr kurzen Zeiträumen. Was aber der Mensch, der hier gewissennassen selbst neue Arten gemacht hat, innerhalb verhältnismässig beschränkter Zeitdauer vermag, sollte dies nicht, fragt Darwin, durch die allmächtig und un- aufhaltsam wirkende Werde-Energie der Natur innerhalb der ungeheueren geologischen Zeitspannen weit gross- artiger zuwege gebracht worden sein? Wir hätten also hier eine Gruppe von Thatsachen, welche die Abstammung, die Abänderungs-Fähigkeit, ja -Notwendigkeit der Lebewesen unter veränderten äusseren Bedingungen darthun. Indessen wird hiergegen von ge- wisser Seite mit einer Art Recht der Einwand erhoben, dass es sich hier gar nicht um spontane Abänderungen, um natürliche Entwicklungsprozesse einer Art in eine andere und neue handele, sondern um künstlich er- zwungene, auf dem Wege der sogenannten künstlichen Zuchtwahl zustande gebrachte, was sich mit dem Ver- laufe der Dinge im Frei- und Naturleben gar nicht ver- gleichen lasse. Ja, man hat sogar überhaupt alle Hausrassen schlechthin als krankhafte Missbildungen — im Vergleiche zu ihren wildlebenden Vorfahren — hinstellen wollen! Mag man nun diese Bedenken teilen oder nicht, — von besonderem, durchgreifendem Werte werden jeden- falls im Frei- und Naturleben beobachtete Uebergangs- und Vermittelungsstadien sein, — und auch solche auf- zudecken ist der Forschung der letzten Decennien mehr- fach gelungen. So hat man, um einige Beispiele zu er- wähnen, in der Krebsgattung Arte mia (Blattfusskrebse) zwei Arten kennen gelernt, welche früher als völlig selbst- ständig und getrennt galten, von denen in Wahrheit aber die eine durch eine natürliche und allmähliche Reihe von Zwischenstadien in die andere übergehen kann, und zwar, was in diesem Falle besonders interessant, unter dem rein physischen Einflüsse salzhaltigen Wassers, in welches sie versetzt wird oder worden ist. Ferner entdeckte man bei einer südamerikanischen Erd-Orchideen-Gruppe, dass drei äusserst verschiedene Angehörige derselben, die sogar als gänzlich verschiedene Gattungen beschrieben worden waren, (Catasetum, Monachanthus und Myanthus) ineinander übergehen können, oder wie laienhafte Berichte schon vorher erwähnt hatten, Neigung hätten, „sich in- einander zu verwandeln". Es ist begreiflich, dass, nachdem die ersten Anre- gungen dieser Art einmal gegeben waren, besonders die Vorwesenkunde es sich angelegen sein Hess, bei ihrem Durchforschen der im Laufe geologischer Vergangenheit abgelagerten Erd- und Gesteinschichten nach fossilen Tier- und Pflanzenresten, die Ahnen und Urahnen unserer heute lebenden Geschlechter aufzusuchen und auch hier womöglich die heute fehlenden, weil offenbar ausgestor- benen Bindeglieder zwischen verwandten, aber nicht mehr direkt vermittelten Organismengruppen ausfindig zu machen. Da ist es besonders den unermüdlichen Anstrengungen amerikanischer Forscher neuerer Zeit gelungen, in ihren weiten, bisher nur wenig aufgeschlossenen Gebieten die wichtigsten und wertvollsten Funde ans Tageslicht zu fördern. Da hat man in den unzähligen dort aufge- häuften Knochenresten und Versteinerungen der palaeo- und mesozoischen Formationen die Ueberbleibsel von Ge- schöpfen erkannt, welche die grossen, heute völlig zu- sammenhangslos erscheinenden Hauptäste des Wirbel- tierstammes in schönster Weise vermitteln und zu ihrem gemeinsamen Ursprünge wieder zusammenleiten: so direkte Uebergänge zwischen Vogel und Reptil, zwischen Am- phibium und Säugetier etc., wie solche heutzutage nicht mehr vorkommen. Nachdem man schon vorher in unserem Vaterlande den berühmten Archaeopteryx, ein direktes Mittelglied zwischen Vogel und Eidechse, aufgefunden hatte, unterlag es keinem Zweifel mehr, dass die Vor- wesenkunde ganz besonders dazu auserlesen war, in Zu- kunft eine der vornehmsten Stützen der modernen Ent- wickelungslehre zu werden. Neuester Zeit scheint auch die Untersuchung der unterirdisch, also in Höhlen, Grotten, Brunnen und Schächten lebenden Wesen dazu berufen, eine gewisse Rolle in der Descendenzfrage zu spielen und Beiträge im obigen Sinne zu liefern. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 37 Schon Darwin widmet diesem Gegenstande eine wenn auch nur kurzgefasste Besprechung. Es musste für ihn ausserordentlich nahe liegen darauf hinzuweisen, dass jene heutzutage im Dunkel der Unterwelt ein- heimischen Tiere, meist durch Körperbleichheit und ver- kümmerte Sehorgane gekennzeichnet und von den nächst- verwandten oberirdischen Allen somit scharf unterschieden, nicht gleich von Anfang an dort gelebt haben konnten, sondern ursprünglich von normalen, oberirdisch lebenden Formen abstammen mussten, welch letztere in alter Zeit durch verschiedene Ursachen in jene, zum Teil Schutz gewährenden Tiefen der Erde hinabgeführt worden waren. Die Bedeutung dieser Erscheinung für die Abstammungs- lehre liegt also klar zu Tage. Dass alle jene merkwürdig abgeänderten Unterweltsbewohner in der That erst von obenher hinabgelangt sein werden, dafür spricht schon der Umstand, dass jene Grotten, Höhlen etc., in denen sie besonders vorkommen, vorwiegend Tropfsteingebilde sind und als solche erwiesenermassen einer nicht allzu- weit zurückgelegenen geologischen Vergangenheit ihre Entstehung verdanken. Ferner hat man bei genauerer Untersuchung gefunden, dass viele jener bleichen und blinden Höhlenbewohner noch deutlich nachweisbare Reste eines Gesichtsorganes besitzen; so hat der berühmte Grottenmolch der Krainer Kalksteinhöhlen, der Olm oder Proteus, in seinem verkümmerten, unter der Haut ver- steckten Auge noch alle Teile aufzuweisen, nur die Linse fehlt. Jene vorhandenen Bestandteile aber können nicht wohl vom Organismus bei stetem Leben im Dunkel er- worben worden sein, sondern nur als verkümmerte Reste ursprünglich normal, d. h. im Lichte funktionierender Organe erklärt werden. Gerade hier haben wir also schlagende Beispiele einer wirklichen natürlichen Neu- Entstehung von Arten innerhalb geologisch nicht allzu bedeutender, wenn auch nicht näher bestimmbarer Zeit- räume. Trotzdem ist es äusserst schwierig, die unmittelbare Abstammung solcher stark und eigentümlich abgeänderten Unterweltsarten von bestimmten noch vorhandenen und bekannten oberweltlichen Formen nachzuweisen. Kein Mensch weiss bis jetzt, von welchem oberirdischen Molche der Olm, von welchem Ahnen der merkwürdige Blind- fisch (Amblyopsis) aus der Mammuthhölüe von Ken- tucky abstammt; die nächsten oberirdischen Verwandten dieser einzig dastehenden Gattungen sind eben allem Anscheine nach nicht mehr am Leben. Nur auf Um- wegen oder durch glückliche Fossilfunde dürfte man vielleicht den hier fehlenden Mittelgliedern noch auf die Spur kommen können. Näher lag die Möglichkeit eines Abstammungs-Nach- weises bei einigen typischen Vertretern unserer vater- ländischen Höhlenfauna, besonders dem bleichen und blinden Grotten-Flohkrebs (Niphargus puteanus) und der Höhlen-Wasserassel (Asellus cavaticus). Beide, obwohl als selbständige Arten völlig bestimmbar, haben eine entschieden nahe Verwandtschaft mit zwei ganz bekannten oberirdischen Arten aufzuweisen: ersterer mit dem gewöhnlichen Bachflohkreb.se (Gammarus pul ex), letztere mit der gewohnlichen Wasserassel (Asellus aquaticus). So allgemein verbreitet diese beiden Tiere bei uns in ihren oberirdischen Bezirken, sind auch jene in ihren unterirdischen. Die Haupt- Eigentümlichkeit beider Dunkelbewohner besteht auch hier wieder in der vollkommenen Körperbleichheit, d. h. dem Fehlen von Haut-Farbstoffen, und dem Mangel der Gesichtsorgane, während die beiden oberirdischen Arten sehr lebhafte Färbung und wohlentwickelte Augen be- sitzen. Dazu kommen noch feinere, weniger ins Auge springende Abweichungen. Sollte sich nun in diesem unserem Falle eine Ab- stammung der beiden Höhlenarten von der entsprechenden oberirdischen Form oder einer ihr sehr nahestehenden mit annähernder Sicherheit erweisen lassen? — sollten irgendwo vermittelnde Uebergangsstufen zwischen den je zwei entsprechenden Extremen zu finden sein? Diese Fragen sind durch Untersuchungen der letzten Jahre im bejahenden Sinne entschieden worden. Die Stollen und Bauten unserer ältesten Bergwerke, haben für beide Tierformen solche Zwischenstadien geliefert, Clausthal im Oberharze für die Flohkrebse, Freiberg im Erz- gebirge für die Wasserasseln. So leben in den alten Stollen von Clausthal Scharen bleicher Gammariden, die seit ca. 300 Jahren dort eingebürgert sein" müssen und, wie die noch deutlich vorhandenen Augenflecke und der übrige Körperbau zeigen, vom gewöhnlichen Flohkrebse abstammen. Die Bleichheit aber weist sie wieder mehr zu den Höhlentieren hin, und die genauere Untersuchung des Auges lehrt, dass dasselbe schon un- verkennbare Spuren von Verkümmerung, speziell der Linsenkörper, an sich trägt. Bezeichnend ist es dabei, dass die auch in den jüngeren Stollenstrecken lebenden Flohkrebse diese Abweichungen erst in weit geringerem Grade aufzuweisen haben und schliesslich stufenweise zu der normalen oberirdischen Form übergehen. Eine ganz entsprechende Mittelstellung zwischen den beiden Extremen nimmt auch die im „Alten tiefen Fürstenstollen" von Freiberg entdeckte bleiche Wasserassel ein; auch sie zeigt uns, in welcher Weise die Dunkeltiere aus den gewöhnlichen Formen entstanden sind. Grubenbewohner, soweit sie in sehr alten Schächten nachzuweisen, dürfen also ganz allgemeinhin als Mittel- stufen zwischen der oberirdischen und der Höhlenform gelten und bieten ausserdem den wichtigen Anhalts- punkt, dass man bei ihnen mit annähernder Genauigkeit die Dauer ihrer unterirdischen Existenz ermitteln kann, was bei Höhlenbewohnern kaum möglich ist. Uebrigens ist es gleichzeitig auch gelungen, andere dem kleineren Tierleben angehörige Schachtbewohner als Anpassungs-Mittelglieder zwischen den entsprechen- den oberirdischen und den unterirdischen Arten zu er- kennen, so gewisse dort lebende Cyclopenkrebse, Daphniden oder Wasserflöhe u. a., bei welchen allen 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. auch vorherrschend Auge und Körperfarbstoff die be- wussten Anklänge an Höhlenformen verraten. Auf die stark umgestaltende Kraft jener wichtigen Verhältnisse, welche dort in den dunklen Erdtiefen so unverkennbar auf den Organismus einwirken, kann ich hier nur hindeuten; so auf den bedeutsamen Einfluss der Finsternis an sich, den Fortfall jahreszeitlicher Unter- schiede, den iibernormalen Eisen- und Kalkgehalt der Grundwasser. Mag die jüngst von einem Forscher ausgesprochene Hoffnung in immer reicherem Masse in Erfüllung gehen: dass einer jener zur Aufhellung der natürlichen Schöpfungs- geschichte beitragenden Lichtstrahlen ans dem Dunkel heraufzudringen bestimmt sei. Kleinere Mitteilungen. Der Ursprung der chemischen Grundstoffe. — Ueber dieses Thema hat der englische Forscher William Crookes, der durch die Erfindun g des Radiometers und noch mehr durch die Ent- deckung der „strahlenden Materie" auch in weiteren Kreisen bekannt geworden ist, in der „Royal Institution" zu London einen Vortrag*) gehalten, in welchem er die gemeinsame Herkunft aller unserer chemischen Grundstoffe aus demselben Urstoff verkündet. Der Ge- danke, den er hiermit vertritt, ist nicht neu; schon längst hatte man vermutet, dass den Elementen jene starre Unveränderlichkeit, welche wir als ihre Grundeigenschaft ansehen, nicht von' Ewigkeit her zu- kommt, dass sie nicht das schlechthin und in letzter Hinsicht Ein- fache in der Welt des Stoffes sind; auf diese Vermutung war man durch die Thatsache hingewiesen worden, dass die Spektren der Grundstoffe aus einer grösseren oder kleineren Anzahl von Licht- linien zusammengesetzt sind und diese Linien sich verschiedenen Bedingungen gegenüber verschieden verhalten. Dem genannten Gedanken, der indessen bisher nur ein loser, unsicherer war, geben die Crookes'schen Versuche über die Yttrium- Metalle eine neue wissenschaftliche Stütze. — Die Scheidung dieser Metalle, die sicli im Samarskit, Gadolinit und einigen anderen Mine- ralien finden, ist eine äusserst schwierige, weil die Eigenschaften der Elemente wie ihrer als „seltene Erden" bezeichneten Sauerstoff- verbindungen nur wenig verschieden voneinander sind. Man glaubte bisher dre[ jener Metalle zu kennen: Yttrium. Erbium und Ytterbium, doch wurde neben ersterem wohl noch das Samarium als besonderer Grundstoff genannt; und im Jahre 1866 hatte Nordenskjöld dazu die merkwürdige Entdeckung gemacht, dass sich jene drei Elemente nicht nur immer in Gesellschaft, sondern auch stets in demselben Mengenverhältnis vorfinden: das in den verschiedenen Mineralien ent- haltene Gemisch der Oxyde der drei Elemente zeigte nämlich stets das gleiche Molekulargewicht. Deswegen war Nordenskjöld auch berechtigt, ihm einen einheitlichen Namen — Gadoliniumoxyd — zu geben. • letzt aber ist Crookes zu dem Ergebnis gelangt, dass das „alte Yttrium" aus neun Korpern besteht, welche sich durch ihr phosphoreszierendes Spektrum in so bestimmter Weise unterscheiden, dass man genötigt ist, sie als ebenso viele Grundstoffe .anzusprechen. Crookes stellte seine Versuche in der Weise an, dass er die Lösung der Yttriumerde mit schwachem Ammoniakwasser versetzte und einen Teil des gelüsten Oxydes ausfällte. Das in der Lösung bleibende Oxyd mnsste dann etwas, aber nur ganz wenig, stärkere basische Eigenschaften haben als der Niederschlag. Wurde nun das Oxyd wieder gelöst und in beiden Lösungen eine abermalige teil- weise Fällung vorgenommen, so erhielt der Versuchsansteller 4 Oxyde (zwei als Niederschlag, zwei gelöst), welche eine regelmässige Stufen- folge der Basicität einhielten. Auf diesem Wege der „Fraktionie- rung" konnte Crookes solche Oxyde erhalten, die in ihren Eigen- schaften so weit als möglich auseinander gehen. Den Yttrium-Metallen gegenüber scheinen wir nach dem Ge- sagten den Begriff des chemischen Grundstoffes nicht aufrecht er- halten zu können. Das Nordenskjüld'sche Gadolinium benimmt sich wie ein Element und besteht doch aus drei anderen : Yttrium. Erbium, Ytterbium, von denen sich aber das erste wiederum aus neun anderen zusammengesetzt erweist. Crookes erklärt dieses Verhalten durch die Annahme, dass die Atome, aus denen sich das „alte Yttrium" (und ebenso das Gadolinium) zusammensetzt, nicht alle gleicher Natur sind; dass vielmehr verschiedene Arten der Atome jener für Grundstoffe ge- haltenen und in gewissem Sinne ja auch als solche auftretenden Körper unterschieden werden müssen, welche wahrscheinlich in ihrem Gewichte, sicher aber in ihren inneren Bewegungszuständen von- einander abweichen. Letzterer Umstand bewirkt es, dass gewisse Atome diese, andere wieder jene Linien und Bänder des Gesamt- Spektrums des Elementes liefern, so dass bei einer Trennung der Atome verschiedene Spektren erhalten werden. *) Als eigene Schrift erschienen unter dem Titel: „Die Genesis der Elemente", deutsch von Dr. A. Delisle. Vieweg & Sohn in Braunschweig 1888. Soweit stützt sich dieCrookes'sche Hypothese fest und sicher auf die beobachteten Thatsachen. Aber auch der weitere Ausblick, den sie uns auf alle übrigen Grundstoffe und auf das periodische System derselben gewährt, scheint mir ein durchaus klarer und be- friedigender zu sein, wenn auch mit ihm noch nicht das Rechte ge- troffen sein sollte. Nicht nur das Gadolinium und das „alte Yttrium", sondern alle Grundstoffe sollen aus Atomen von verschiedener Be- schaffenheit, aber in feststehenden Verhältnissen zusammengesetzt sein; aus ihnen entspringen die verschiedenen Spektralstrahlen, wel- che in ihrer Gesamtheit erst das Spektrum des Elementes, wie wir es zu sehen bekommen, bilden. Aber auch diese Bestandteile sind nicht das Letzte, sie bringen uns demselben nur näher. Die letzten Bestandteile alles Stoffes sind gleichartig beschaffene Atome (ver- gleichbar den „philosophischen Atomen" Fechner's), welche in ver- schiedener Anzahl und Lagerung zusammentreten, um so die Atome der Elemente zu bilden. Den Stoff, welchem jene Atome angehören, nennt Crookes „Protyle" oder „Protyl"; ich möchte den deutschen Namen „Urstoff" wählen. Dieser Urstoff erfüllte einst den Welt- raum, und er ist es vielleicht, der noch heute als Welt- oder Licht- äther uns Kunde von den übrigen Himmelskörpern giebt. denn ohne ihn würden die Strahlen, die sie aussenden, nicht zu uns gelangen. Aus ihm haben die chemischen Grundstoffe ihren einstigen Ur- sprung genommen und zwar infolge fortschreitender Abkühlung und Verdichtung und unter Mithilfe elektrischer Erregungen. Nachdem eine gewisse Anzahl von Atomen der Grundstoffe entstanden war — und zwar derjenigen mit den niedrigsten Atomgewichten : des Wasser- stoffs, Lithiums, Berylliums, Bors, Kohlenstoffs, Stickstoffs, Sauer- stoffs, Fluors, ferner des Natriums, Magnesiums, Aluminiums. Sili- ciums, des Phosphors, Schwefels und Chlors — kehrten ähnliche Bedingungen der Stoff bildung wieder; nun aber war die Temperatur gesunken und so ist anzunehmen, da^s die dann entstehenden Elemente jenen zuerst aufgetretenen zwar ähnlich wurden (so Kalium dem Lithium etc.), aber eine Abänderung in gewissem Sinne aufwiesen, vor allem geringere molekulare Beweglichkeit und ein höheres Atom- gewicht besassen. Später wiederholte sich die Stoffbildung noch öfters, so dass nach und nach Elemente das Dasein gewannen, die in Reihen eines periodischen Systems — wie es ja von Mendelejeff und L. Meyer begründet wurde — eingeordnet, werden können. Die zuerst gebildeten Grundstoffe hatten die grösste chemische Energie, welche indess im Verlaufe der Zeit ebenso wie die Wärme abnahm. Erfolgte in einem gewissen Zeitpunkte der Bildung der Grund- stoffe der Abkühlungsvorgang rasch und unregelmässig, so entstand nicht ein einzelnes Element, sondern es schlugen sich verschiedene Arten von Atomen gleichsam nieder, die zwar Elementen mit ähn- lichen Eigenschaften, aber doch mehreren besonderen Elementen zu- zuweisen sind, welche eine Gruppe wie die Yttrium-Metalle oder wie Eisen, Nickel und Kobalt bilden. — Wieder ist es somit in erster Linie die Spektralanalyse, welche — wie sie uns vor mehr als einem Vierteljahrhundert lehrte, dass die gleichen Stoffe, welche die Erde zusammensetzen, auch in den fernsten Himmelskörpern angetroffen werden — uns nun auf die Einheit alles Stoffes in Bezug auf seine Herkunft und seine wahren Elemente mehr oder weniger deutlich hinweist. Dr. Karl Friedr Jordan. Die Theorie des Bleikammerprozesses. — Prof. Lunge in Zürich hat vor kurzem die von Raschig aufgestellte Theorie in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft einer Kritik unterzogen und sich überhaupt sehr eingehend mit diesem theoretisch so interessanten und fürdie chemische Technik so wichtigen Gegen- stand beschäftigt. Raschig nahm im Gegensatz zu seinen Vor- gängern, welche die Theorie des Bleikammerprozesses aufzuklären versuchten, eine neue unbekannte Substanz an, welche durch Zu- sammentreten von salpetriger und schwefliger Säure entstehen soll. Im Augenblicke des Entstehens soll sie sich in Berührung mit mehr salpetriger Säure in Stickoxyd, Schwefelsäure und Wasser spalten. Das Stickoxyd soll mit Sauerstoff und Wasser wieder salpetrige Säure geben. Lunge hält die von Raschig angegebene Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 Erklärung des Prozesses nicht aufrecht, zeigt vieiraehr, dass diese Theorie auf unhaltbaren Voraussetzungen beruht und erklärt seiner- seits den Prozess, ohne irgend eine unbekannte Substanz anzunehmen. Ltinge's Ansicht ist die: Das Schwefeldioxyd tritt mit Stickstoff- trioxyd, Sauerstoff und wenig Wasser zu Nitrosylschwefelsäure zu- sammen. Letztere ist ein wichtiges Zwischenglied des Prozesses Beim Zusammentreffen mit mehr Wasser zerlegt sich die Nitrosyl- scbwefeksäure in Schwefelsäure und Stickstofftrioxyd. Dieses ver- mag nun abermals zu wirken. Nieht. wie man bisher allgemein an- nahm, das Stickoxyd, sondern das Salpetrigsäureanhydrtd fungiert als Sauerstoffüberträger. I)ie gelbrot« Färbung im hinteren Teile der Kammer beruht auf der Anwesenheit von Stickstofftrioxyd. Die Existenz des Stickstofftrioxydes in gasförmigem Zustand steht nicht fest, und das ist es auch, was man gegen Lunge's Theorie vor- bringen könnte. Für den vorderen Teil der Kammer muss die an- gegebene Theorie erweitert werden. Bin Teil der Nitrosylschwefel- säure wird hier durch Schwefelsäure denitriert. Das so gebildete Stickoxyd giebt mit Sauerstoff, schwefelige Säure und Wasser direkt Nitrosylschwefelsäure. Als Nebenreaktion kann Xitrosylsehwefel- säure auch durch Einwirkung von Salpetersäure (ursprünglich ein- geführte oder frisch gebildete) auf Schwefeldioxyd entstehen. Unter- salpetersäure tritt im normalen Kammerprozesse gar nicht auf, das Stickoxyd aber mir im Anfang durch eine Nebenreaktion. — Fort- schritte der Schwefelsäurefabrikation scheinen in einer Richtung möglich, nämlich wenn es gelingt, die lange Zeitdauer des Prozesses und den grossen Raum, der bei demselben nötig ist (das Bleikammer- system), zu verringern. Das wichtigste Problem, welches hierbei zu lösen bleibt, ist das. ein brauchbares System zur fortwährenden und gründlichen Mischung der Gase zu finden. Dr. Ft. Worms. Zum Seelenleben der Tiere. — Unter obiger Ueberschrift erzählt Hans v. Basedow in Nr. 1 der „Zeitschrift für Ornitho- logie und praktische Geflügelzucht" (XU. .Jahrg.) folgenden Vorfall: „Auf den Türmen der alten Frauenkirche (in München nämlich) nisten mehrere Paare Turmfalken (Tinnunculus claudarius) und Dohlen (Corvus monedula). Mein Arbeitszimmer gewährt den Blick auf die Frauentürme, so dass ich viel Gelegenheit hatte, die Tiere zu beobachten. Am 7. Oktober abends war ich nun Zeuge einer ebenso interessanten, wie rührenden Scene. Da starker Wind wehte, machte einer der Falken vergebens Anstrengungen zu fussen, geriet dabei, wahrscheinlich infolge des Windes, unter den Draht des Blitz- ableiters und wurde dort festgeklemmt und zwar so fest, dass er sich absolut nicht befreien konnte. Er erhob ein jämmerliches Ge- schrei, auf welches eine Dohle herbeieilte, sie Hess sich neben dem Zappelnden nieder und untersuchte augenscheinlich den Thatbestand. dann rief sie ihre Genossen herbei. Nachdem die übrigen angekommen waren und die erste Dohle ihn- Genossen auf den ("instand auf- merksam gemacht hatte, stemmten die sämtlichen Dohlen sich unter den Draht und nestelten so lange an dem Falken, bis er frei war." An diese Beobachtung knüpft der Autor einige Betrachtungen über das Seelenleben der Tiere und sagt weiter: „Diese Scene beweist erstens: Mitleid mit einer Vögel jagenden Species, zweitens: Oeberlegung, drittens: Mitteilungsvermögen des Tieres alias Sprache in ihrer Art." Etwas weiter wird die Meinung geäussert, dass die, er Vorfall mehr bewiese als Ueberlegung von Seiten der Dohle, dass er vielmehr eine „Folge aufopfernder Freundschaft, hervorgerufen durch jahre- lange.'. Beisammen wohnen" sei. Das klingt alles recht hübsch und ist sicher der Feder eines gefühlvollen Tierfreundes entflossen — aber wie hinkend sind die Schlüsse, wie mangelhaft die Beweisführung, wenn dies Wort hier überhaupt gebraucht werden darf, wo von Beweisen gar nicht die Rede sein kann. Der Autor lässt sich in überströmender Tierfreund- lichkeit hinreissen, unter Ueberspringung einer langen Reihe von Zwischengliedern aus einer einzelnen Beobachtung die weitgehendsten Schlüsse zu ziehen. Vom Fenster eines Wohnhauses bis zu den Frauen türmen ist eine so beträchtliche Entfernung (wie ich aus eigener Anschauung weiss), dass es mir sehr gewagt erscheint, einen Vor- gang, wie er in der zu Anfang angeführten Erzählung zu Grunde liegt, in der Weise zu deuten, wie es geschehen ist. Wie sämtliche Dohlen es z. B. anfangen, sich unter den Draht des Blitzableiters zu stemmen, ist nicht recht verständlich. Dass der Draht ferner so lose sein sollte, dass die- Dohlen ihn bewegen können, ist sehr zu verwundern', in der Regel pflegen die mehrfach zusammengedrehten Blitzableiter-Drähte recht straft' und gut befestigt zu sein. Wobei weiss der genannte Autor, dass die Dohle überhaupt die Absicht hatte, dem Falken zu helfen? Gerade so gut könnte man sagen, die erste Dohle hätte die Absicht gehabt, den Falken anzugreifen. hätte sieh aber nicht stark genug gefühlt und deshalb andere, ihrer Art herbeigerufen. Hierdurch ersehreckt und durch die Zahl der Feinde arg bedrängt, hätte der Falke mit auf das höchste angespannten Kräften sich befreit. Diese Deutung ist gerade so berechtigt wie die V.Basedow's. Letzterer hat die in der „Seele" der Dohle sich abspielenden Vorgänge so dargestellt, wie sie in der Seele eines Menschen unter ähnlichen Umständen sieb abspielen würden. Das ist. ein Fehler, in den viele Beobachter fallen, welche sich bemühen, äusseren Handlungen oder Erscheinungen innere Thätigkeiten, seelische Vorgänge zu Grunde zu legen. Wir wissen aber von der Tierseele noch so wenig, dass wir höchstens sagen können, sie sei von der des Menschen wohl nur graduell verschieden. Ob dieselben Affekte, wie wir sie beim Menschen kennen, auch dem Tier zukommen, ist sehr fraglich, keinenfalls bewiesen. Im vorliegenden Fall von Mitleid und aufopfernder Freundschaft zu reden, dürfte daher kaum berechtigt sein. Dr. E. Schaff. Fragen und Antworten. Wer hat die „insektenfressenden" Eigenschaften der Pflanzen entdeckt und wie viele und welche Pflanzen- arten in Deutschland gehören zu den insektenfressenden? Wie so oft in den Wissenschaften Entdeckungen und aus guten Beobachtungen einzelner hergeleitete Anschauungen unbeachtet bleiben oder gar unterdrückt werden, weil sie von dem Gewohnten und Bekannten gar zu weit abliegen, so waren auch die schon vor mehr als hundert Jahren gesammelten Erfahrungen von einigen ge- wissenhaften Forschern über das Fangen und Verdauen von Tier- chen so sehr in Vergessenheit geraten, dass sich erst durch ein im Jahre 1875 erschienenes Werk (Insectiverous plants) des grossen Darwin die Aufmerksamkeit der Botaniker dem in Rede stehenden Gegenstände wieder mehr zuwandte. Schon 1765 machte der englische Naturforscher Ellis mit der ihm aus Amerika gesandten Dionaea muscipula Experimente über das Fangen und Töten von Insekten vermittelst der sich auf einen Reiz schnell zusammenklappenden Laubblätter, und bald darauf 1779 hatte Ruth auf einer Exkursion bei Bremen unseren Soimenthau (Drosera) mit zahlreichen gefangenen Insekten auf den Blättern be- obachtet und wurde dadurch veranlasst ebenfalls Experimente an- zustellen. Schon Roth meint, dass die gefangenen und getöteten Insekten möglicherweise der Pflanze als Nahrung dienten. Gleich- zeitig hatte auch der Engländer Whateley mit Drosera experi- mentiert. Bald, 1791. wurde auch durch Bartram die Eigentüm- lichkeit der Gattung Sarracenia aus Nordamerika bekannt, welche in ihren schlauchförmigen . Wasser erfüllten Blattstielen gut wir< kende Insekten -Fallen besitzt. Es haben sieh dann noch, jedoch ohne viel Beachtung zu finden, mehrere Forscher eingehender mit Sarracenien beschäftigt, so Macbride (1815) und Burnett (1829), von denen der Letztere vom Verdauen der gefangenen Tiere durch die Pflanze spricht und die Sarracenien-Schläuche direkt mit dem Magen der Tiere vergleicht. Zu nennen ist dann noch Curtis, der 1834 die Dionaea eingehender erforschte. Bis auf Darwin 's grund- liche Untersuchungen haben dann die insektenfressenden Pflanzen vorwiegend nur nach ihrer morphologischen Seite hin nähere Be- sprechungen erfahren; einige Forscher haben allerdings wenige Jahre vor dem Erscheinen des Darwin 'sehen Buches die Aufmerksamkeit etwas rege gemacht. Besonders der Amerikaner Cauby (1868), der die Dionaea wieder vornahm. In Deutschland sind uns jetzt nicht weniger als 14 insekten- fressende Arten bekannt, nämlich Drosera rotundifolia, intermedia und anglica, Aldrovandia vesiculosa, Utricularia minor, Bremii, ochroleuca. intermedia, vulgaris und negleeta, Pinguicula vulgaris und alpina und endlieh die erst neuerdings von Eerner und v. Wettstein als insektenfressend erkannten Lathraea Squamar'a und Bartsia alpina H. P. Litteratur. Dr. A. Bitter von Urbanitzky: Die Elektricität des Himmels und der Erde. — Verlag von A. Hartleben in Wien. Von diesem Werke, dessen erste Lieferung' wir in Nummer 24 (Bd. I) besprochen haben, sind bis jetzt 10 Lieferungen erschienen. In klarer und allgemein-verständlicher Sprache führt uns Verfasser das weite Reich der elektrischen und magnetischen Erscheinungen der Erde und des sie umgebenden Luftkreises vor Augen, unterstützt durch grösstenteils treffliche Abbildungen. Die neuesten Forschungen und namentlich das reichhaltige Beobachtungsmateria] der meteoro- logischen Stationen aus den letzten Jahren finden dabei ausgedehnte Verwertung. Wir können das Werk, welches in 18—20 Lieferungen erscheinen wird, empfehlen. A. Gutzmer. Berichtigungen. Seite 22 muss es in der kleineren Mitteilung über „Künstliche Rubine" Zeile 22 heissen gegeben und nicht geworden. Seite 31 muss es in der kleineren Mitteilung über das „Mannesmann - sehe Röhrenwalzverfahren" in der ersten Zeile des dritten Absatzes heissen Verstellung und nicht Vorstellung. 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. Inserate namentlich Anzeigen aller optischen, ehemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien. Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. '~* '''''''''''/''/////'''//'//'////**// ////,/ / / / / / / / Vorrätig in allen 33nd)liaublungen. 3Kq> er* ^ofRößitdkr bringen baS 33efte auä allen Sitteraturen in muftergültiger Bearbeitung unb gebiegener 9tu§ftattttng. = $rci* fciict; 9htmmcv 10 Pfennig. = 3ebeS Öänbdjen ift einzeln fäuflich. 500 Stummem liegen bereits cor. 8riitai,£te(Sb,enld)tmebe - £er tDUe 3nba« Itt>e. - Surft (San}, gott unD banger JOalbnoti. 349 K0 4if(t)t)loe , In untjji'lie «tamieiiuus. ü37. üira,uMnei§. 368 - 370. Vorne, 91u3 meinem io- gebuetje. 234. [467.1 - SBermifdjte 'Jlufjrlrje f SBreiitaito.tikfdiiditeitom brauen ffiniberi.4C0. - Olotfel, Qintel unb ©Jdeleia 235. 236. '.xüloin, 1. Sb^ttcfbeare» fHobellen. 381-383. - 11. ©poiiijctje Mosel. len. 384-386. - IIL graiijöfifdie 9!o. tteBen. 387-389. - IV. 3talieni dje 9!o> bellen. 390 392. - V. englifdie Wobei. len. 473. 474. - VL SDeutfdje fHobellen. 475. 476. IBfiraer.tSebidite. 272.273. - 9Jfüud)l)aufen§ Steifen u. «beut. 300. 301. '■Sbron, (suilbe §arolbS l 4iilgeriab.rt.398.399. - Ite Snfel. - SBebpo. - SBraul bbn illbijboB. 188. 189. - SDon3uait 192-194. - S>.ftorfar.-S!ara. 87.88. - SJionfreb. - ffain. 133. 133. [159.1 - TOajebpa.- 2>.©jaur.) - Sarbanapal. 451. 452. (Salberon, SDaS fteftinnbl. be§ iBelfojer. 334. tf t>nuii[fo, (Sebid)te.263 - 268. - Veter Sdjlemibl. 92. . 439. 6nrl|>tQe8, 3bbigenia bei ben Sauriern 342. - ÜKebea. 10». rJlOJte, Dieben a.b. beut)d)e Kation. 453-455. Woubll, SBenejianijdje Vcobeüen. 494-496. flouqut, Unbine. 285. «eitert, gabeln unb er. jätjlungen. 231-233. Wortbe. (itaoigo 224. - (Ji.moul 57. - iUitfl I. 2. 3. - yaujt 11. 106- 108. - «nSgnu Web. 216. 217. (SBtj U. SBerlid). 48. 49. - öermami u.Sorotljea.l - 3»t)igenie. 80. [I6.| - 3tal. ffle.fe. 258-26*. - Sie l'aune beä SBer» liebten. - Sie 6)e= fdjioifter. 434. - Sie üeiben beS jungen SSerlljer. 23. 24. - ÜDilt/. fDleiflerS üe&r. jalire. 201-207. - SieTO|d)ulbigen.431. - Sie naiiirlidieSodrter. 432. 433. - IReineleJudiS. 186.187. - Stella. 394. - SornuatoSaffo. 89.90. - Sie SUaltluertuaiibt. fdtaflen. 103-105. (9ottt|e>Sit)iller, -tenien. 208. «riibbr, üiaboleon. 338- 339. (Brlutuiclsltaiiftn, gim> blicifftlnuS 278/283. «agrborii fabeln iLer©d)eitoiirllIefjan. bria. 139. 140. - SaS SBirtäbauS tm ©beffart 141. 142. peBel, Sdtafttaftlein beS rb,einijd)en JpatiS. freunbel. 286-288. gellte, Sita Sroa. 410. - ®ud)b.«ieber.243-245. - Seui|d)lanb. 411. - 9!eue@Sebid)te.246.247. - Sie £>arareije. 250. - S.9(orbiee. DaSSBudj L'elSranb 4«5. 486. - Stoinattjero. 248. 249. gerbet, SerUib. 100. 101. - Über ben Urfbrungber Sbracbe. 321. 322. - !8olf§lieber. 461-4G4. gibbel. Über bie ©l;e. 441-443. paffmann, SaS gräulein bon Scuben. 15. - S.golbSobf. 161.162. - Sa8 ÜKajoraL 153. - 99!eifler 9Wartin. 46. - Ser untjehnlidie @aft - Son 3uan. 129. golbtro, 3ebpe bom SJerge. 308. golBerlln, Oebidjte. 190. 191. - ^nperion. 471. 472. P«mer, 3Ha8. 251-256. - Obujiee. 211-215. pumbolbt, tu). D., »riefe an eine greunbin. 802-307. 3(flano, Sie Säger. 3i0. 341. - SerSuieler. 395.396. jmmeriiiaiiii, Ser Cber- b,oj. 81-84. - S.neue'iii)gniaIion.85. - inflati unb ifolbe. 428-430. - Sulifnnldjen. 477 478. ^rutiiii. Sagen uou Der SlUjaiubra. 180. 3ean tpoul, ö-legeljaljre. 28-33. - Ser ffbmet. 144-148. - SiebenfäS. 115-120. Jung = Stillt ngt retten. 310-314. flont, Ihiii ber9J!ad)tbei (SeinUtl. 325. «letft,C*r)dt)lutigen. 73.74 - Sie gamilie Sd)tof= fenitein. 465. 466. - S. ^temuaniiStitilad]! 178. 179. - SaSfiätljdien nun (peil. bronn. 6. 7. - fmictiael flobltjans 19. 20. - iJJenthefilea 351. 352. - Ser 'Itrinj öon ^ om ' bürg. 160. - S.jerbrodienefltug. 86. Itniggr, tlber ben Uni' gang mit fDeenfdjeit. 294-297- Jlörner, Srjäliluugen. 143. - i'eier u. Sdjroert 1 7'V - „Stint]. 42. 43. fflortum, Sobflabe. 274- 277. ftofttbiir, Sie beutidieu ffleinfläbter. 171. - Xie beibeitSritng^berg. 257. [156. 1..7 | t'etiau. Sie vilbigeuier.l - iMuägelbätilte ISebidjte. 12-14. - Sabanarola. 154. 155. t'ef age, Ser t/intenbe ieu- feL 69-71. [39.1 SefRng, emilia©alotti.| - «ebittjte. 241. 242 - üadldon. 25-27 - !D!inna bon SBarn. tjelm. 1. - 9Jii6 Sara SainbfDit. 209. 210. [63.1 - 9!atl)anber3Beife.62.i - SBabemetum ftir'i'aftar Sänge. 348. fittlitr, Sifdireben. 400. Wlattbi|'joii.i«tMditf 484. 9Jleriui*e,UbIbinba. 93.94. - Kleine Wouellen. 13t;. ÜRIIton, Ta§ iierlorue UiarabieS. 121-124. 5Roliere, Sie gelehrten grauen. 109. - Ser TOiiauttjrbp. 1(15. - Ser lartüff 8 !K8|er/;'iiirioti|(l|t^lwn. taften. 422-424. 9!u|3ue, Segenben son !»Ubejal)L 72. - aSolfämdrdjen I. 225. 226. [228.1 - aSoi!3ma'rd>u n. 227.1 - SolfSmärdjen Hl 229. 230. üiottalis, .fieinridt Bon C j. terbttigen. 497.498 Cralrufttiläger. üorreg, gib. 469. 470. tpeftaloi3t, yieuljarb unb ©ertrttb. 315-320. !JJIateu,t»leöid)ie. 269.270. !Pu|iDfin,ai)ri8lSobunof. 29:1. tUarltit. 'atb,alia. 172. - SBritanniuiS. 409. - '^lljäbra. 440. IHntmunll, Ser SBauer al§ SUiUionär. 436. - IerSBeridtnienber.437. 438 maubnifi, Ser Müller u. fein Itinb. 435. Sotiit=?Sterre, 'l'aul unb S3irginie. 51. 52. Sollet, * Säten söbange» liutn 487-490. Saiib,granj,ber(Jb,ambi. 97. 98. - Ser'JeurelSjuinpf. 47. Sdittiftitbürf , (Sebicbte. 336. 337. Srblller, Sie ißraut »on ÜBeffina. 184. 185. - Soit JtarloS. 44. 45. - erjäljtungen. 91. - iiie--'to. 55. 56. - Viusgetuäblte ©ebidtte. 169. 170 - SerWeifterfetjet 21.22. - Sie 3ungfrau bon Or- leans.' 151. 152. - 95)aria£tuart.l27.128. - Rabale u.Siebt 64.65. - S.Weffea Dnlel 456. - Sie Ülituber. 17. ia - Über ülnmut unb Mürbe. 99. - über naibe unb fett- ltmentalifd)e Sieb* lung. 346. 347. - «Botletiifein I. 75. 76. - aDalleiiftein II. 77. 78. - Sliilbelni SeU. 4. 5. Sd)legel, (Sngl. u. fpan. itjeaier 356-358. - eried) unb ritnifdjeS Sltealcr 353-355. Sdllclermndtcr, Wonb< löge. 468. SnjubartA'ebeu u. @efim nungen 491-493. Siumab, Eollar gauftuä. 405. - gorrunaluS unb feine Sbbne 401 402. - ©rifelbiS. - Stöbert ber Teufel. - Sie Sdjilbbürger. 447- 448. - Sie biet &ei|inoii§, [inber. 403 404. - ftirlanba. - ©enooefa -SaSSdjIojj inber ftöble Xa 3fa. 449. 450. - S.idjöneUKelufitta 284. - flauer OctabiauuS. 406. 407. - ftleiueSagenbeSÜUter- tutnS. 309. - Ser gehörnte Steg- frieb. - Sie fdjöne 'JJiagelone. - Ser arme Jpeinrid). 445. 446. Scott, SaS fyräulem bom See. 330. 331. Seume, Mein Seben. 359. 360. - OTein Sommer 1805. 499. 500. «BoteitJ ort. StiiioniuSu. (Jleopatrn. 222.223. - (lüriolan. 374. 375. - i>amlet. 9. 10. - 3uIiuS Säfar. 79. - Ser Kaufmann Bon SBenebig. 50. - flonig iieiuridi IV 1. Seil 326. 327. 2. Seil. 328 329. - tpeinr Vm. 419. 420. - König Seat. 14». 150. - KBntg Stidjarb HL 125 126. - fmacbett). 158. - Ctt)ello. 58. 59. - SHomeou.Sulie. 40.41. - (Sin Sommeruadjt-;, trautn. 218. - Ser Sturm. 421. - Siel Sdrin um 9iid)t§. 345 - Sie luftigen SYJeiber u. SOiiibjor. 177. - Süintermärdjen. 220. 221. - Sie ^abmung tct Seiferill. 219. SobbotleJ, Vlutigoite. 11 - rfltftra. 324. - König ObibuS. 114. - CbipuS auf KolonoS. 292. - l Uiia u Stni. balb. 457. 458. - SSanbalin. 182. 183. - IHuiarion. - Weron btr 'Jlbetige. 166. - Obeton. 06-68. - ^eruonte ober ;bie aBünfdje. 459. ^ortjnriii , Ser üteuoiu- miit. 173. ^fdiotfr, Abenteuer eitlff 9!eujnl)rSnad)t.-Saä blaue TOutiber. 181. - Ser gelblueibel. - S. ÜBalpurgiSnadit - SaS »ein. 366. 367. [364 1 - Kleine Urfadjen. S63 ( - Kriegeiifdje 'Jlbentetief eines griebfertigen 865. - Sertote(üaft.3G1.3iW 3JJenerS 5ßol!§büd)er finb auf [turfem, geglättetem Rapier flar gebrueft unb folib gebeftet. 2)ie Orthographie ift bie neue nad) „SubenS 2ßörterbud/'. SScrlafl bc§ ^ibltogtavljifdjctt S«ftitut§ in Seiest«. W/^:'/,: s s / / s / / s / / s / / / / / / /.'■:* / y / / / / / / / / ///////// s / / / s s k et? 4 c.31 &• — s: 8 B g-^S'gg?-» OB 33 Tägliche Zuschriften bestätigen, dass der seit 1880 nur von mir fabriz. Holland. Tabak (10 Pfd. lose in ein. Beutel fco. 8 Mk.) in Güte von kein. Nachahmer erreicht wird. B. Becker in Seesen a. Harz. [31] Inserate für Nr. 7 der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" müssen späte- stens bis Sonnabend, 5. Mai in unseren Händen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschritt" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: Dr. H Schubert: Die vermeintliche Herrschaft des goldenen Schnittes in Natur und Kunst. (Mit Abbild.) — Dr. Ro- bert Schneider: Descendenzfra- ge und Unterweltsforschung. — Kleinere Mitteilungen: Der Ur- sprung der chemischen Grundstoffe. — Die Theorie des Bleikammer- prozesses. — Das Seelenleben der Tiere. — Fragen und Antworten: Wer hat die „insektenfressenden" Eigenschaften der Pflanzen i-nt- deckt und wie viele und welche Pflanzenarten in Deutschland ge- hören zu den insektenfressenden? — Litteratur: Dr. A. Ritter von Urbanitzky: Die Elektricitat des Himmels und der Erde. — Berichtigungen. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Möller. — Druck: Gebrüder. Kiesau. Sämtlich in Berlin. Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 6. Mai 1888. Nr. 6. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- -^ Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -j. Grössere Aufträge anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 2.— ; <25 entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- Bringegeld hei der Post 15 .j extra. JL annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V Wenn wir die Fortschritte betrachten, welche die geometrische Wissenschaft gemacht lud, seit sie durch Euklid in die Form eines logisch begründeten Systems gebracht wurde,' so fällt uns auf, wie sehr die Bereiche- rung ihres Inhalts durch neue Wahrheiten und die Er- kenntnis des Zusammenhanges derselben jederzeit ab- hängig gewesen ist von der Ausbildung ihrer Methoden. Welche Fülle neuer Resultate verdankt sie nicht dem genialen (iedanken des Descartes, die Operationen der Arithmetik und Algebra, deren sie sich vorher nur zu dem beschränkten Zwecke von Messungen bediente, ihr zum Zwecke systematischer Durchforschung von noch unbekannten Gebieten dienstbar zu machen! Wie sehr wurde nicht die Einsicht in den inneren Zusammenhang dieser Resultate gefördert durch Steiners erfolgreichen Versuch, die Geometrie auf ganz neuer Grundlage aufzu- bauen, unabhängig, wie das System des Euklid, von den inzwischen schon oft zur drückenden Fessel gewordenen Rechnungsmethoden, umfassend, und aus dem engen Ge- dankenkreise der Euklidischen Forschung hinausführend, wie das System des Descartes ! Wir sehen aber auch, wie bei allen diesen Fort- schritten die Geometrie in einer bestimmten Hinsicht den Charakter einer Erfahrungswissenschaft bewahrt. Wenn sie auch längst über das in ihrem Namen liegende be- schränkte Ziel, die Thatsachen der Ebene zu erforschen, hinausgegangen war und den Raum in den Kreis ihrer Betrachtung gezogen hatte, unseren Weltraum mit der Fülle der in ihm teils wirklich existierenden, teils ge- dachten körperlichen Gebilde: aus diesem a priori gege- Schlegel. benen Gebiete war sie nie herausgekommen, ja man würde, selbst in den Kreisen der Mathematiker, bis in die neuere Zeit jeden Gedanken einer ausserräumlichen Geometrie als absurd verworfen haben, wie man noch vor 30 Jahren in den Lehrbüchern die imaginären Grös- sen, die jetzt ein Gemeingut unserer Rechnungen sind, als unmögliche bezeichnete. Auch die philosophischen Spekulationen und wechselnden Ansichten über das Wesen dieses Weltraumes hatten auf die Richtung und den Charakter der geometrischen Forschung keinen Ein- fluss gehabt; aus der Erfahrung nahm man die Grund- lagen der Geometrie, in dem Erfahrungsraume vollzogen sich ihre Operationen, entstanden und blieben ihre Gebilde. Wenn nun trotzdem in verhältnismässig kurzer Zeit Begriffe wie „vierte Dimension des Raumes" und „vierdimensionaler Raum" nicht nur in der Wissen- schaft sich eingebürgert, sondern sogar die Aufmerksam- keit des grossen Publikums, welches doch sonst von den Spekulationen der reinen Mathematik sich fernzuhalten pflegt, in dem Masse auf sich gezogen haben, dass sie ihm trotz ihrer Rätselhaftigkeit wenigstens geläutige Ausdrücke geworden sind, so drängen sich von selbst die Fragen auf: Woher stammen diese anscheinend so widerspruchsvollen Begriffe? wie konnten sie so populär werden? wie sind sie zu verstehen? und welche wissen- schaftliche Berechtigung haben sie ? — Ein Versuch, diese Fragen von dem hier allein massgebenden mathematischen Standpunkte zu beantworten, dürfte auch den Lesern unserer Zeitschrift nicht unwillkommen sein, zumal da in 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6. der Regel jeder, der über diesen Gegenstand Belehrung sucht, nicht nur den in der Natur der Sache liegenden Schwierigkeiten, sich darüber klar zu werden, gegenüber- steht, sondern auch einer teils durch weitverbreitete, unabsichtliche Missverständnisse, teils durch bewusste Täuschungen herbeigeführten argen Verwirrung der Vor- stellungen und Begriffe. Schon die doppelte Ausdrucksweise: „vierte Dimen- sion des Raumes" und „vierdimensionaler Raum" ist ein Zeichen dieser Verwirrung. Wenn man von einer vierten Dimension des Raumes spricht, so stellt man sich vor, dass' unserem Welträume neben den drei Ausdehnungen der Länge, Breite und Höhe, noch eine mysteriöse vierte Dimension von gleichartiger Natur mit den anderen zu- geschrieben werde. Dies ist aber ein Unding, und die ganze Ausdrucksweise „vierte Dimension des Raumes" beruht auf einem Miss Verständnis und ist zu verwerfen. Spricht man dagegen von einem vierdimensionalen Räume, so hat zu diesem Begriffe die folgende Ueberlegung ge- führt: In der Geometrie wird uns gezeigt, dass der Punkt keine Ausdehnung hat, die gerade Linie eine einzige, die wir Länge nennen, die ebene Fläche deren zwei, nämlich Länge und Breite, der Raum dagegen, wie jeder Körper, der ja nur einen Teil desselben vor- stellt, deren drei, wie schon oben bemerkt. Da nun die Gerade, die Ebene und der Raum in gleicher Weise Gebiete sind, in denen wir allerlei geometrische Gebilde konstruieren und deren Eigenschaften untersuchen können, so können wir auch den Begriff des Raumes erweitern, indem wir die Gerade einen eindimensionalen Raum nennen und die Ebene einen zweidimensionalen, während unser Weltraum ein dreidimensionaler Raum bleibt. Und wir können uns, zwar nicht in anschauliche)', aber doch in abstrakt denkender Weise zu dem Begriffe eines vier- dimensionalen Raumes erheben, in welchem unser Welt- raum (Erfahrungsraum) neben beliebig vielen anderen seinesgleichen ebenso Platz hätte, wie beliebig viele Ebenen in unserem Welträume, oder beüebig viele Ge- raden in einer Ebene. Dieser „vierdimensionale Raum" ist also ein reines Produkt mathematischer Spekulation, dient nur mathematischen Zwecken, und um die Frage nach seiner etwaigen wirklichen Existenz kümmert sich kein Mathematiker. Dies musste zur Klarstellung des Begriffes vorange- schickt werden. Man wird nun fragen: Wenn die Ge- ometrie sich 2000 Jahre lang mit den Räumen zufrieden gab, die nur mit einer, zwei oder drei Dimensionen be- dacht sind, und wenn doch von diesen allein praktische Anwendungen auf die Gebilde der realen Welt zu machen sind, wie kam man in dem nach praktischen Anwendungen alles Wissens gierigsten aller Jahrhunderte dazu, die Geometrie auf ein so nebelhaftes Gebiet auszudehnen, und hiermit einen Schritt ins Abstrakte zu thun, wie er in gleicher Kühnheit in der Wissenschaft selten dage- wesen? — Die Erklärung ist leicht, wenn man bedenkt, dass zwar die angewandten Wissenschaften in ihrer Ent- wickelung durch die Forderungen der Zeit beeinflusst, liier gehemmt, da gefördert werden, dass aber eine reine Geisteswissenschaft, wie die Mathematik, in ihrer Aus- bildung unentwegt vorwärts schreitet, da die treibenden Kräfte nur in ihr selbst wirken. Wie diese Kräfte nun gerade in unserem Jahrhundert zur Entstehung einer Geometrie des vierdimensionalen Raumes drängten, sei der nächste Gegenstand unserer Betrachtung. Schon lange war es den Mathematikern aufgefallen, dass für einen der elementarsten geometrischen Sätze, betreffend die Winkel, welche eine Gerade mit zwei Parallelen bildet, ein strenger Beweis nicht erbracht werden konnte, so dass derselbe als eine unbewiesene Thatsache unter dem Namen „Parallelenaxiom" (11. Axiom des Euklid) in den Lehrbüchern seine Stelle fand. Dieser Umstand führte schliesslich mehrere Geometer auf den Gedanken, die Grundzüge einer Geometrie zu entwickeln, in welcher dieses Axiom nicht galt, also auch nicht be- wiesen zu werden brauchte. Natürlich wurden in dieser „nichteuklidischen" Geometrie alle diejenigen Resultate, die sonst aus jenem Axiome folgten, durch neue, unseren gewohnten geometrischen Anschauungen und Begriffen widersprechende ersetzt. Namentlich zeigte sich, dass in der nichteuklidischen Geometrie die Winkelsumme eines Dreiecks kleiner als 180° war. Später fand man, dass noch eine dritte Geometrie erdacht werden konnte, in welcher jene Summe grösser als 180° gefunden wurde. Theoretisch erschienen alle drei Arten der Geometrie als gleichberechtigt, aber es mussten die beiden neu gefun- denen Arten so lange als widersinnig betrachtet werden, als man nicht ein Gebiet angeben konnte, in welchem sie wirklich galten. Nun stellte sich aber heraus, dass die letztgenannte Geometrie keine andere war als die der (konstant positiv gekrümmten) Kugelfläche, vorausgesetzt, dass man die grössten Kugelkreise als gerade Linien der Kugelfläche auffasste; und auch für die nichteuklidische Geometrie wurde eine (konstant negativ gekrümmte) Fläche gefunden, auf welcher sie unter entsprechenden Voraussetzungen Geltung fand.*) Diese Flächen erhielten nun durch die besonderen Geometrieen, die man für sie gefunden, gewissermassen gleichen Rang mit der Ebene (Fläche mit der Krümmung Null) ; und wenn man nun alle drei Flächen als zweidimensionale Räume bezeichnete, die sich nur durch die Beschaffenheit ihrer Krümmung unterschieden, so konnte es nicht ausbleiben, dass man diese neuen Vorstellungen auch auf den dreidimensionalen Raum zu übertragen suchte, und neben den bisher allein betrachteten Weltraum, der jetzt als einziges uns be- kanntes und zugängliches Exemplar der Gattung „drei- dimensionaler Raum mit der Krümmung Null" erschien, *) Beispiele für die oben erwähnten Dreiecke liefern: 1. im Falle der ziiletztgenannten Geometrie ein Dreieck auf der Erdkugel, begrenzt von einem Aequatorbogen und zwei aus seinen Endpunkten nach einem Pol gebenden Meridianbogen; 2. im Falle der nicht- euklidischen Geometrie ein ebenes Dreieck, gebildet aus drei Kreis- bogen, -welche einem in der Dreiecksfläcbe gelegenen Punkte sämt- lich ihre convex gekrümmte Seite zuwenden. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 noch zwei Arten von Räumen setzte, einen positiv und einen negativ gekrümmten. Selbstverständlich verzichtete man hier von vornherein auf jeden Versuch, einen der- artigen Raum wirklich aufzufinden; auch war man in der Erkenntnis der Bedeutung der abstrakten Geometrie schon weit genug vorgeschritten, um diese Räume nicht deshalb als widersinnige Denkprodukte zu verwerfen, weil unsere Erfahrung über die Existenz eines einzigen krümmungslosen Raumes uns verbot, diese Räume als wirklich existierend anzusehen. Dieselben waren eben Produkte mathematischer Ueberlegung, wie tausend an- dere geometrische Gebilde, nur dass sie der Anschau- lichkeit entbehrten. Nun lehrte aber die Geometrie, dass alle ebenen und gekrümmten zweidimensionalen Flächen in unserem dreidimensionalen krümmungslosen Welträume existierten, oder konstruiert, oder wenigstens gedacht werden konnten, und es lag daher wieder nahe, für die drei Arten des dreidimensionalen Raumes ein gemeinsames krümmungs- loses vierdimensionales Gebiet anzunehmen, in welchem sie alle Platz finden konnten, und zwar nicht in je einem, sondern in beliebig vielen Exemplaren. Dieses Gebiet ist der vierdimensionale Raum der Mathematik. Die Methode der Analogie, welche uns hier aus dem Gebiete des dreidimensionalen Raumes in das des vier- dimensionalen geführt hat, gestattet sofort den Schluss. dass dieser abstrakte Prozess der Raumbildung beliebig weit fortgesetzt werden kann, und in der Tliat besitzen wir schon zahlreiche Resultate der Geometrie, welche für einen Raum von beliebig vielen Dimensionen gelten. Neben den Betrachtungsweisen der nichteuklidischen Geometrie boten sich aber auch noch andere Wege, um zu einer Ausdehnung des Raumbegriffes auf mehr als drei Dimensionen zu gelangen. Namentlich hätte die von alteis her bekannte und seit Descartes, wie im Ein- gange erwähnt, zur Auffindung neuer Wahrheiten plan- massig ausgenutzte Anwendung des Zahl- und Massbe- griffes auf die Geometrie schon längst zur Ausführung jener Verallgemeinerung führen können, wenn nur irgend eine zwingende Veranlassung dazu sich geboten hätte. Bedenkt man nämlich, dass eine einfache Zahl a die Länge einer gemessenen Strecke darstellt, die zweite Potenz dieser Zahl, a 2 , den Flächeninhalt des über der Strecke a als Seite errichteten Quadrates, und die dritte Potenz a 3 den Rauminhalt des über diesem Quadrate als Grundfläche konstruierten Würfels, so entsteht naturge- mäss die Frage nach der geometrischen Bedeutung der folgenden Potenzen a 4 , a 3 u. s. w., und man sieht leicht, dass diese Grössen die Resultate der einfachsten Inhalts- bestimmungen in den Räumen mit 4, 5 und mehr Di- mension sind, sobald man sich nur entsclüiesst, diesen Räumen und den für sie geltenden Geometrieen das Bürgerrecht in der Geometrie zu gewähren, trotzdem dass die Anschauung uns hier überall im Stich lässt. — Da ferner eine Gleichung als algebraische Ausdrucksform für einen Punkt, eine Linie oder eine Fläche angesehen werden kann, je nachdem sie 1, 2 oder 3 veränderliche Grössen enthält, so ergiebt sich von selbst die Frage nach der geometrischen Bedeutung einer Gleichung mit 4 und mehr Veränderlichen. Und auch diese Bedeutung wird in den Räumen mit 4 und mehr Dimensionen ge- funden. Wenn nun auch, wie gesagt, diese Ueberle- gungen nicht die Veranlassung zur Aufstellung des Be- griffs mehrdimensionaler Räume geworden sind, so sieht man doch, wie einfach diese Räume sich in den Rahmen geläutiger geometrischer Vorstellungen einfügen, und wie brauchbar sie sind, um die sonst nur in beschränkten Grenzen mögliche gegenseitige Verwandlung algebraischer und geometrischer Betrachtungen und Resultate beliebig weit auszudehnen. Wir haben oben gesehen, dass die Geometrie ur- sprünglich den Charakter einer Erfahrungswissenschaft besitzt, und zwar nicht nur, weil die Ausgangspunkte ihrer Betrachtungen in dem Erfahrungsraume und der in demselben verteilten Körperwelt liegen, sondern auch, weil sie beständig in der Lage ist, die Richtigkeit ihrer Ergebnisse durch die Uebereinstimmung derselben mit den Thatsachen der Wirklichkeit messend zu kontrolieren. Da aber anderseits die geometrischen Gebilde neben ihrer Verkörperung (wozu auch Zeichnungen und alle sonstigen Hilfsmittel der Anschauung zu rechnen) auch eine ideale Existenz in unserem Geiste besitzen, und sogar erst in diesen gedachten und vorgestellten Gebilden ihre Eigen- schaften in voller Reinheit zum Ausdruck kommen, so muss es nicht nur möglich sein, die Geometrie, wie längst üblich, in dem Sinne als reine Geisteswissenschaft auf- zufassen und zu entwickeln, dass man, den Begriff des Weltraums und die Grundaxiome abgerechnet, von der Erfahrung gänzlich Abstand nimmt, sondern es muss auch möglich sein, die Anzahl der Dimensionen des betrach- teten Gebietes (Gerade, Ebene oder Raum) als neben- sächlich anzusehen und eine Geometrie zu entwerfen, deren Wahrheiten in jedem Gebiete von beliebig vielen Dimensionen gelten. Zu dieser abstrakten Wissenschaft würden dann unsere Geometrieen der Ebene und des Raumes in dem Verhältnis stehen, dass sie specielle Fälle derselben darstellen, welche in den Erscheinungen unserer Körperwelt ein reales Geltungsgebiet besitzen. Diese abstrakte Auffassung der geometrischen Wissenschaft ist nun in der That vor mehr als 40 Jahren durch Grass- mann begründet und zur Durchführung einer solchen n-dimensionalen Geometrie, der „Ausdehnungslehre", ver- wendet worden, wozu allerdings eine besondere analy- tische Methode erforderlich war, die schliesslich von dem parallelen geometrischen Gedankenprozesse sich nur durch die äussere Form der Darstellung und die Terminologie unterscheidet. Es ist demnach im Ganzen ersichtlich, dass es sich bei diesem Unternehmen nicht nur um einen vierdimensionalen Raum, sondern um ein Gebiet mit be- liebig vielen Dimensionen handelt, und dass in dieser abstrakten Geometrie der anscheinende Widerspruch, in welchen sich der Begriff eines mehr als dreidimensionalen 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6. Raumes mit den sonstigen Thatsachen der Geometrie setzt, völlig verschwindet. Aus der Art und Weise, wie man zu dem Begriffe eines vier- und mehrdimensionalen Raumes gelangt, er- giebt sich nun auch die Methode, wie man diese anfäng- lich leeren Gebiete mit widerspruchsfreien geometrischen Gebilden füllen und an diesen Gebilden Eigenschaften erkennen kann. Es ist einfach die Methode der Ana- logie, die freilich mit umso grösserer Vorsicht gehandhabt werden muss, da die Kontrole der Anschauung, durch die wir in der Geometrie gewissermassen verwöhnt sind, hier fehlt. Da wo man eine algebraische Grundlage für die geometrischen Untersuchungen hat, also namentlich in der analytischen Geometrie des Descartes, ist diese Methode der Analogieschlüsse eine ganz leichte und sichere; denn die Ausdehnung der algebraischen Be- trachtungen auf mehrdimensionale Gebiete erfolgt nach bestimmten, allgemein anerkannten Gesetzen, und im Uebrigen kommt es nur noch darauf an, die Ergebnisse der Rechnung in die Sprache der Geometrie zu über- tragen. Denn ebenso, wie man aus mehreren aufein- anderfolgenden Gliedern einer gesetzmässig gebildeten Zahlenreihe, z. B. 1, 4, 9, 16 . . . oder 1, 3, 6, 10 . . . auf die Grösse aller folgenden schliessen kann, ebenso ist auch das Verfahren, durch welches man aus der Ge- stalt der Gleichungen mit 1, 2 oder 3 veränderlichen Grössen auf die Existenz und die Eigenschaften der ihnen entsprechenden geometrischen Gebilde schliessen kann, vorbildlich für die Untersuchung von Gleichungen mit noch mehr Veränderlichen und die durch sie darge- gestellten Gebilde. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Beziehungen zwischen Funktion Professor G. Haberlandt in Graz hat über das im Titel genannte Thema ein interessantes Buch (Jena 1887) veröffentlicht. Er bietet in demselben eine Zu- sammenfassung und abgerundete ausführliche Darstellung desselben Gegenstandes, über den er schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahres in den Berichten der Deutschen botanischen Gesellschaft eine vorläufige Mitteilung ge- macht hat. Der berühmte Botaniker C. Nägeli hat in seinem Werke „Mechanische Theorie der Abstammungslehre" den Begriff des Idioplasma aufgestellt mit der Vorstel- lung, dass dieses derjenige Teil des Gesamt-Plasmas sei, durch welchen der Organismus die Gesamtheit seiner Eigenschaften bei der Fortpflanzung vererbe: das Idio- plasma ist also der Träger der vererblichen Eigenschaften des Organismus. Nach Nägeli tritt das Idioplasma strang- förmig, je nach der Form der Zelle verschiedengestaltig auf. Es wird in den grösseren Pflanzenzellen gewöhnlich innerhalb der Membran die Oberfläche überziehen, ferner auch häufig durch den Zellraum verlaufen und besonders auch im Kern zusammengedrängt sein. Dem Idioplasma gegenüber steht das Ernährungsplasma. Der Kern wild als ein Magazin von Idioplasma und Ernährungs- plasma angesehen. Die vom Kerne ausgehenden und zu demselben zurückkehrenden Plasma -Strömchen deuten nach dem genannten Autor ohnehin darauf, dass sich hier ein Centrum von Stoff und Kraft befindet. Sehr bald sprachen sich jedoch mehrere Gelehrte: O. Hertwig, Wasmann, Kölliker, dahin aus, dass das Idioplasma ausschliesslich in den Zellkernen vorhanden sei, eine Ansicht, die sich auf Grund der Beobachtung gebildet hat, dass der Befruchtungsvorgang allein auf der Ver- schmelzung des Eikernes mit dem Spermakerne beruht. Dazu kam dann noch die Entdeckung Pflüger's, dass der Körper des Eies aus gleichartigen Teilen besteht, so dass also nicht bestimmte Organe des Embryos aus ganz bestimmten Teilen des Eikörpers hervorgehen. und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen. Haberlandt glaubt ebenfalls, dass die Zellkerne die alleinigen Träger des ldioplasmas sind. Sie sind es, welche die besondere Entwickelungsrichtung in den Organismen bedingen und die besondere Ausgestaltung jedes einzelnen Organes, Gewebes und jeder Zelle an- regen und beherrschen. Wenngleich nicht ohne weiteres behauptet werden darf, dass in einem künstlichen kernlosen Teilstück einer Zelle der Einfluss des Zellkernes auf das kernlose Plasma aufgehoben ist, da er ja möglicherweise eine „Nach- wirkung" ausübt, so sprechen doch Versuche, welche zeigen, was solche ihres Kernes befreite Plasmateile leisten können, ein gewichtiges Wort mit. M. Nuss- baum und A. Gruber haben solche künstliche Teilungs- versuchc an Infusorien vorgenommen, und es hat sich als Hauptresultat ergeben, dass kernlose Teilstiicke von Infusorien unfähig sind, verloren gegangene Teile zu ersetzen, Neubildungen zu erzeugen und so eine voll- ständige Regeneration zu einem normal gebauten Indi- viduum zu erfahren, daher Gruber den Kern als den „arterhaltenden Bestandteil der .Zelle" bezeichnet. Mit Pflanzen sind entsprechende Experimente von G. Klebs ausgeführt worden. Er brachte meist Algen-Zellfäden in 16 bis 25prozentige Rohrzuckerlösung, in welcher Plasmolyse der Zellen eintritt, d. h. der Zellsaft giebt einen grossen Teil seines Wassers an die Lösung ab, was sich durch Zusammenballen des Plasmas und Zurück- ziehen desselben von der Wandung kund thut. Bei dieser Zusammenziehung des Plasmakörpers durchschnürt sieh derselbe häufig und zerfällt in zwei Teile, von denen der eine den Kern enthält, der andere kernlos ist. Es zeigte sich nun, entsprechend den Beobachtungen an Infusorien, dass nur die kernhaltigen Teilstücke im Stande sind, s ich mit einer neuen Zellwandung zu umkleiden, in die Länge zu wachsen und überhaupt die ganze Zelle voll- ständig wiederzubilden. Was nun die jeweilige Lage des Keines in seiner Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 45 Zelle anbetrifft, so ist diese keineswegs beliebig sondern stellt mit seiner Funktion in Beziehung, ebenso wie auch die Lage der Chlorophyllkörper in den assimilierenden Zellen von bestimmten Verhältnissen abhängig ist. Mit Nägeli stellt sich Haberlandt die Wirkungsweise des Idioplasmas im Kein auf das übrige Plasma ausserhalb des Keines, das Cytöplasma, dynamisch vor, und berück- sichtigt man, dass eine Uebertragung von Bewegungs- zuständen um so gesicherter und vollständiger sein muss, je kleiner die Entfernung zwischen den in Bewegung gesetzten Teilen und dem dynamisch wirkenden Apparat ist, so kann es keineswegs gleichgiltig sein, welche Lage der Zellkern in der sich entwickelnden Zelle einnimmt. In der That zeigt denn auch Haberlandt an vielen Beispielen im „speciellen Teil" seines Buches, dass sich der Kern in grösserer oder geringerer Nähe jener Stelle in der Zelle findet, wo besondere Wachstumsvorgänge einzuleiten sind. Die Lage des Kernes in sich ent- wickelnden Zellen ist also häufig keineswegs regellos — wie man stillschweigend früher annahm — , vielmehr nimmt der Kein in jungen Geweben und Zellen eine je nach der Art derselben verschiedene, ganz bestimmte Lage ein. Er befindet sich in grösserer oder geringerer Nähe derjenigen .Stelle, wo das Wachstum der ganzen Zelle und speciell auch — ■ wie unsere Figuren zeigen — wo ein Dicken- oder Flächenwachstum der Zellhaut Fig. 1. Stark v«i'grösserte Epidernuszellen des Laubblattes von Cypripedinm in- Stark vergrößerte, nahezu vollkommen ausgebildete Epi- dermiszelle der Samenschale von Seopolina atropoides. Innenwand und teil- weise auch die Seiten- wände sehr stark verdickt. stattfindet. Ist mehr als eine Stelle im Wachstum be- vorzugt, so nimmt der Kern eine solche cen- trale Lage ein, dass er von den Orten aus- giebigsten Wachstums ungefähr gleich weit ent- fernt ist. In der aus- gebildeten Zelle zeigt der Kern meist eine unbestimmte La- gerung. Bezüglich der Funktion des Zell- kernes schliesst Haberlandt aus den beobachteten Thatsachen, dass dieselbe hauptsächlich mit den Entwickelungsvorgängen zusammenhängt, und dass der Kern beim Wachstum der Zelle, speciell beim Dicken- und Flächenwachstum der Zellhaut eine Rolle spielt. Da- mit ist nicht ausgeschlossen — ■ bemerkt unser Autor aus- drücklich — , dass er in der ausgebildeten Zelle eventuell noch andere Funktionen zu erfüllen hat. Als Hauptergebnis seiner Arbeit stellt Haberlandt den Satz auf: ,.Die Lage des Kernes in sich entwickelnden Pflan- zenzellen steht in der Regel in Uebereinstimmung mit der Funktion des Zellkernes als Trägers des die Ent- wicklung beherrschenden Idioplasmas." H. P. Kleinere Mitteilungen. Eine Reise nach dem Jana -Lande und den Neu- Sibirischen Inseln. — Baron Eduard v. Toll berichtete in der am 3. März d. J. abgehaltenen Sitzung der Gesellschaft für Erd- kunde zu Berlin über seine, in Begleitung des Dr. Bunge nach den Neu-Sibirischen Inseln unternommene Reise. Die Reisenden verliessen im Dezember 1884 Petersburg, am 5. März des folgenden Jahres Irkutsk am Baikal-See. gelangten über Jakutsk die Lena abwärts bis zu dessen Östlichem Zuflüsse Aldan, den sie eine Strecke weit verfolgten, und passierten dann nordwärts einen Pass. um das noch wenig bekannte Thal der Jana, welche in das Eismeer mündet, zu besuchen. Das Thermometer zeigte hier am 26. April — 38° (!. Im Winter sinkt das Quecksilber oft bis tief unter — 50° herab. Für die weitere Reise nordwärts, die schnell im Schlitten zurückgelegt wurde, musste die Pelzbekleidung der zunehmenden Kälte wegen bedeutend vermehrt werden. In der von Jakuten spärlich bewohnten Gegend sind Stationen nur alle 20 bis 24 Stunden anzutreffen. Am 1. Mai war Werchojansk erreicht, welcher Ort schon jenseits des Polarkreises liegt. Die Jana wurde am 1. Juni eisfrei. Im August befanden sich die Reisenden an der Mündung dieses Flusses und an der Küste des Eismeeres. Hier liegt der Ort Kasatschje. Von demselben aus wurde in westlicher Richtung eiu Ausflug quer durch die Tundra nach Bulun an der Lena unternommen. Der arktische Sommer machte sich hier durch die unermesslieh vielen Mücken in empfindlicher Weise bemerkbar. Die Reisenden schützten sich gegen diese Plage durch Rauch und doppelte Schleier. Zurückgekehrt nach der Jana richteten sie ihre Winterquartiere ein. Die Nähe des Meeres milderte die Kälte, welche im Binnenlande viel inten- siver ist; nur zweimal im Winter stand das Thermometer tiefer als —50° C. Im April 1886 wurde die Reise fortgesetzt, zunächst um den Mammutplatz aufzusuchen, der unter 71° n. Br. 35 Meilen östlich von Kasatschje liegt. Man sah den wohlerhaltenen Kadaver eines Mammuts teilweise in gefrorenem Lehm steckend auf einer mächtigen Eisschicht liegen; die Weichteile waren so gut erhalten, dass einer von den Eingeborenen Fleischstücke von den Gelenk- kapseln der Ulna behaglich verspeiste Vermittelst Hundeschlitten fuhr man alsdann zum Kap Swjatoi Noss und erreichte von hier aus bald die 10 Meilen vom Kap entfernte Ljachofski-Insel, die nächste der Neu-Sibirischen Inseln, wohin die Schlitten in neun Stun- den gelangten. Die Espedition blieb auf den Inseln bis zum Winter und benutzte die Zeit zu wissenschaftlichen Sammlungen und Beob- achtungen. Am 10. Juli war das Thermometer auf -(-10° C. ge- stiegen. Der Pflanzenwuchs der Inseln ist sehr gering. Insekten sind zahlreich. Auch die "Vogelwelt ist reich vertreten. Von Säuge- tieren wurden Eisbären, Eisfüchse und wilde Renntiere gefunden. Auf der Ljachofski-Insel befinden sich die Knochenlager ausge- storbener Tiere, die namentlich vom Mammut. Nashorn und Moschus- ochsen herrühren. Die Mammutzähne locken viele Elfenbeinsammler nach den Inseln, die den ganzen Sommer auf diesen zubringen. Mitte Dezember 1886 kamen die Reisenden wieder in Kasatschje auf dem Kontinent an und kehrten nach Petersburg zurück. Das über diese Reise ausgearbeitete Werl;, betitelt „Expedition nach den Neu-Sibirischen Inseln und dem .Jana-Lande", bildet den in diesem Jahre in St. Petersburg erschienenen III. Band der dritten Folge der „Beiträge zur Kenntnis des russischen Reichs" und ent- hält sechs Karten. H. J. Kolbe. Ueber die giftigen Spinnen Russlands, von denen drei ein besonderes Interesse haben, hielt Prof. Dr. Kobert in einer der letzten Sitzungen der Dorp. Naturf -Ges. einen Vortrag. I. Die Solpuge, Galeodes araneoides Pall.. wird, da es kein eigentliches russisches Wort dafür giebt. vom Volke Phalang genannt, ein Wort, welches Aristoteles für giftige Spinnen über- haupt eingeführt hat, und das von Linne dafür aeeeptiert wurde. Die erste genaue Kunde und zugleich leider auch die letzte stammt von dem Akademiker Pallas (1778). Danach soll sie ausserordent- lich giftig sein und Menschen und Tieren gefährlich werden. Es ist aber jetzt wieder in Frage gestellt, ob sie giftig ist oder nicht. Experimente wurden über die Giftwirkung wenigstens nie angestellt und von keinem Zoologen die Anwesenheit der Giftdrüse nachge- wiesen. Dass ihr Biss eine starke Verwundung ^etzt, ist bei der Grösse des Tieres natürlich selbstverständlich und soll nicht be- stritten werden. IL Die Tarantel. Trochosa singoriensis Lax., ist mit der italienischen nicht identisch und scheint weniger giftig als diese zu sein. In Berichten des vorigen Jahrhunderts wird zwar oft von der „giftigen Tarantel" gesprochen, es ist jedoch nur sehr selten 46 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6. darunter die Troehosa zu verstehen. Wenn sie überhaupt dem Menschen gefahrlich wird, so ist dies in den Monaten Juli und August der Fall. In anderen ist sie so wenig bösartig, dass in manchen Gegenden die Kinder mit ihr spielen können. An der Existenz ihrer Giftdrüsen ist nicht zu zweifeln; pharmakologische Versuche über das Gift liegen aber nicht vor. Hoffentlich findet sich noch Gelegenheit, solche in Dorpat anzustellen. III. Die Malmignatte, Lathrodectus tredecimguttatus Walk., kommt in Russland in einer bunten und einer schwarzen Varietät vor. Letztere wird Kara kurt, d.h. schwarzer Wolf, in anderen Gegenden auch schwarze Wittwe genannt. Mit Un- recht hat Prof. Kessler dieses Tier als ungiftig bezeichnet, dasselbe ist vielmehr, wie beispielsweise Motschulski behauptet hat, enorm giftig und ist dadurch schon den Schriftstellern des Altertums auf- gefallen. 1839 wurden von ihr an der unteren Wolga 7000 Rinder getötet. Für Pferde und Kamele ist sie aber noch viel gefährlicher, so dass in manchen Gegenden 33 Prozent aller Kamele daran zu Grunde gehen. Auch Berichte über Todesfälle nach ihrem Biss bei Menschen liegen bereits aus Spanien, Italien und Russland (z. B. von Ucke) vor. Vortragender untersuchte die Wirkung des Giftes der leben- den und der toten Spinne an Ratten, Vögeln, Katzen, Hunden und Fröschen. Für alle diese Tiere ist dasselbe gleich gefährlich; selbst der Igel kann demselben nicht widerstehen. Ob das Schaf es ver- mag, ist noch nicht ausgemacht, nach den Berichten der Reisenden aber denkbar. Kobert verbreitete sich weiter über das Zustande- kommen der Wirkung, die das Blut und das Herz sowie wahrschein- lich auch das Zentralnervensystem betrifft. Das Gift lähmt die ge- nannten Organe noch bei mehr als millionenfacher Ver- dünnung und ist hinsichtlich der Stärke seiner Wirkung nur mit dem Schlangengift zu vergleichen. Wie dieses, ist es bei innerlicher Darreichung ganz unwirksam. Während aber das Schlangengift sich nur in der Giftdrüse und nicht im übrigen Körper findet, wird das Malmignattengift im ganzen Körper und selbst in den Beinen und in den unentwickelten Eiern ange- troffen. Seiner chemischen Zusammensetzung nach ist es eine Ei- weisssubstanz und zwar ein sogenanntes Ferment. Daher wird es durch Kochen vernichtet, während das Schlangengift selbst bei mehr- rainutlichem Kochen seine Wirksamkeit behält. An eine Identität beider Gifte kann also gar nicht gedacht werden. x. Der grösste Ammonit. — Im Münsterlande ist, wie Prof. Landois in derZeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. mitteilt, im vorigen Sommer ein Ammonit (Ammonites Coesfeldensis) gefunden worden, der durch seine Grösse gerechtes Staunen erregt und das grösste bekannte Weichtier überhaupt bilden dürfte. Während die grössten bisher gefundenen Ammoniten etwa 1 m Durchmesser hatten, zeigt dieser bei 35 cm Dicke 1,50 m Durchmesser. Da daran nun auch noch die mindestens 1 / 2 timfang einnehmende Wohnkaromer fehlt, so muss das Gehäuse des lebenden Tieres mindestens 2,40 m Durch- messer besessen haben. Das Gewicht des versteinerten Restes be- trägt 25 Centner! Denkt man sich das ausgewachsene Gehäuse gestreckt, so würde schon der letzte Umgang eine Länge von mehr als 7,5 m haben. Was wollen gegen solche Riesenformen die grössten, versteinerten Formen der zweiten Cephalopodenabteilung, die 2 m langen Orthoceren sagen? — Der genannte Riesenammonit fand sich in der obersten Kreide, und es hat von je Wunder genommen, dass gerade in dieser Schichtengruppe, in welcher die Ammoniten auf der ganzen Erde plötzlich ausstarben, die grössten Individuen auftreten. Eine Erklärung hierfür ist bisher nicht gegeben. Vermutungsweise hat Carus Sterne ausgesprochen, dass diese Tiere einen Meister in der Gefrässigkeit gefunden haben könnten in dem verwandten Stamm der gehäuselosen Tintenfische, welcher sich seitdem mannig- facher entfaltete und sie aus dem Felde drängte. Sind doch von diesen Tintenfischen („Polypen") Exemplare beobachtet worden, die mit ausgestreckten Armen 30 Fuss massen. Dr. E. Zimmermann. Donner und Blitz. — Bekanntlich kann aus der Zeit, welche zwischen dem Sichtbarwerden eines Blitzes und dem Hörbar- werden des darauffolgenden Donners verstreicht, auf die Ferne der heranziehenden Entladungsstelle (die Entfernung des Gewitters) ge- schlossen werden. Jede Sekunde, die nach einem Blitze donnerlos verläuft, entspricht nach dem Gesetze der Schallbewegung annähernd einer Entfernung von 330 m, so dass — da man mehrfach 40 Se- kunden zu zählen vermochte — der Halbmesser des ganzen Sehall- kreises eines Blitzschlages eine Länge von nahezu 2 Meilen = 15 km haben kann-, nach einigen Angaben betrug derselbe bisweilen sogar 3, ja 4 Meilen; der Kreis des Blitz seh ein es in der Nacht ist bei weitem grösser (sein Halbmesser kann 30 Meilen = 225 km betragen), da das Licht der Gewitterwolke von den höchsten Cirruswolken zurückgeworfen werden kann. Da der Donner längs der ganzen Blitzbahn entsteht und zwar wegen der grossen Blitzgeschwindig- keit, die sich für 1 km nur auf zehntausendstel Sekunden belauft, innerhalb sehr kurzer Zeit, weil aber ferner die Fortpflanzung des Schalles verhältnismässig langsam geschieht, so werden wir das- jenige Donnergeräusch zuerst hören, welches an der uns zunächst gelegenen Stelle der Blitzbahn entsteht, während die weiteren Schall- wellen in dem Masse später nächfolgen werden, als sie an ferneren Stellen ihren Ursprung nehmen. Deswegen können wir auch aus der Dauer eines Donnerschlages einen gewissen Schluss auf die Länge der Blitzbahn machen (genauer zunächst nur auf die Länge des Teiles der Bahn von dem dem Beobachter am fernsten bis zu dem ihm am nächsten gelegenen Punkte), wenn wir ausserdem die Richtung der Bahn in Betracht ziehen. Als grösste Länge hat sich so 8000 m, als durchschnittliche 1000 m ergeben. — Die Ursache der Lufter- schütterung, welche sich uns als Donner kundgiebt, hat man in der Wärmeausdehnung der Luft erblicken wollen. Ueber eine solche selbst ist aber nichts bekannt; es ist noch sehr zweifelhaft, ob der Blitz, welcher in festen Körpern eine grosse Erhitzung zu erzeugen ver- mag, wie es insbesondere die Blitzrühren lehren, in dünnen oder lockeren Stoffen, welche ausweichen können, auch nur entfernt ähn- liche Wirkungen nach sich zieht. So wird z. B. trockenes Schiess- pulver durch einen Blitzschlag auseinander gestreut, ohne zu zünden. Zudem müsste, damit ein Sehall entstehen könnte, die Luft nach der Ausdehnung plötzlich wieder an Dichte zunehmen, die Wärme also plötzlich verlieren, was nicht anzunehmen ist. In dem vorigen Jahr- gange (1887) der Zeitschrift „Das Wetter" wird daher die Ansicht ausgesprochen, dass die Ursache des Donners in der plötzlichen mechanischen Ausdehnung und in dem ebenso plötzlichen Zu- sammenschlagen der Luft längs der ganzen Bahn zu suchen ist. Diese Ansicht stützt sich auf die Thatsache, dass der Blitz auf die von ihm getroffenen Körper mechanisch zerreissend, zersprengend wirkt. — Käme es bei der Entstehung des Donners bloss auf Er- hitzung an, so müsste derselbe auch bei Meteoriten zu hören sein, die in der Atmosphäre bis zu 6000° C. erhitzt werden, während bei ihnen doch nur ein kurz dauerndes Geräusch unterschieden werden kann, das vielleicht von einer Explosion herrührt. Dr. K. F. Jordan. Ausnutzung des Niagarafalles zur Elektricitäts- erzeugung. — Die von Dr. William Siemens vor längerer Zeit gegebene Anregung, die Wasserfälle zum Betriebe von dynamo- elektrischen Motoren zu benutzen, ist nach dem „Centralblatt für Elektrotechnik" bei den berühmten Niagarafällen ausgeführt worden. Die Anlage wird den umliegenden Ortschaften grossen Vorteil ge- währen, da die Kosten sehr geringe sind. Dabei ist der Bezirk, welcher von dieser Stelle aus mit Elektricität versehen werden soll, ein sehr ausgedehnter, denn sogar das 32 km entfernte Buffalo ver- langt allein ein Zehntel der gesamten Kraft zum Betriebe der elek- trischen Beleuchtung. Vorläufig wird den Fällen nur ein Prozent des Wassers entzogen, doch wird man wohl in kürzerer oder längerer Zeit eine neue Anlage machen müssen, da die Anfragen wegen des Anschlusses an das elektrische Stromnetz sich ausserordentlich häufen. A. G. Das grösste astronomische Fernrohr der Erde. — Für die Lick-Sternwarte in Kalifornien ist von den Mechanikern Warner und Swassey in Cleveland (Nord-Amerika), wie die Zeitschrift für Vermessungswesen mitteilt, ein Fernrohr hergestellt worden, dessen Grösse alles ähnliche in den Schatten stellt. Das Fernrohr wird von einer quadratischen gusseisernen Säule getragen, die nicht weniger als 360 Zentner wiegt und für sich die Höhe eines dreistöckigen Gebäudes besitzt. Diese Säule trägt zunächst einen 80 Zentner schweren Aufsatz, innerhalb dessen sieh eine 28 Zentner wiegende Stahlaxe von 10 Fuss Länge befindet, welche der Erdaxe parallel gerichtet ist. An dieser befindet sich wieder die 10 Fuss lange und 23 Zentner schwere Deklinationsachse. Die letztere wieder hat das Rohr zu tragen, welches, bei einer Länge von 50 Fuss, aus dünnem Stahlblech hergestellt ist. Das Objektivglas, dessen Durchmesser 36 Zoll und dessen Gewicht 638 Pfund beträgt, lässt eine 4000 fache Vergrösserung zu. Die verschiedenen Teilkreise werden durch elek- trisches Glühlicht beleuchtet und können vom Okularende des Fern- rohres abgelesen werden. Desgleichen kann man jede dem Instru- mente zu erteilende Bewegung vom Okularende aus bewirken. Damit der beobachtete Himmelskörper immer in der Mitte des Sehfeldes bleibt, wird das Fernrohr durch ein genau reguliertes Uhrwerk um seine Achse gedreht, so dass es der Bewegung des Objekts folgt. Wenn das Instrument nach dem Zenith gerichtet ist, so bat das Objektivglas eine Höhe von 22 m über dem Säulenfuss. Das Ge- wicht des ganzen Instrumentes beträgt 050 Zentner. A. Gutzmer. Astronomischer Kalender. — Am 2. Mai geht die Sonne auf um 4 Uhr 26 Minuten, sie geht unter um 7 Uhr 2C Minuten; Mondaufgang 2 Uhr Minuten früh, Untergang mittags 11 Uhr 5 Minuten. Am 9. Mai geht die Sonne auf um 4 Uhr 14 Minuten, sie geht unter 7 Uhr 38 Minuten; Mondaufgang nachmittags 4 Uhr 14 Minuten. Untergang abends 7 Uhr 38 Minuten. Am 2. Mai nachts Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 12 Uhr 40,7 Minuten letztes Viertel. Um die bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von der letzteren ab- ziehen am 2. Mai 3 Minuten 15.9 Sekunden, am 9. Mai 3 Minuten 44,4 Sekunden. Dr. F. Plato. Fragen und Antworten. An welcher Stelle sagt Darwin in seinen Werken von dem ersten oder den ersten Wesen, von welchen die übrigen abstammen sollen, „dass diese von Gott geschaffen worden seien"? (Vergl. „Naturwissenschaftliehe Wochenschrift" Bd. I Seite 181). Auf Seite 488 der ersten deutschen Uebersetzung des Darwin- schen Buches über die Entstehung der Arten, die wir H. G. Bronn verdanken (B. Schweizerbart. — Stuttgart 1860), lindet sich der folgende Satz: „ . . . Daher ich annehme, dass wahrscheinlich alle organi- schen Wesen, die jemals auf dieser Erde gelebt, von irgend einer Urform abstammen, welcher das Leben zuerst vom Schopfer einge- haucht worden ist." In späteren Auflagen (z. B. Seite 573 der 6. deutschen von J. Victor Carus besorgten Auflage. — Stuttgart 1876) lässt Darwin an dieser Stelle jedoch den Schöpfer weg und der ent- sprechende Satz lautet hier folgendennassen: „ . . . . Und wenn wir dies zugeben, so müssen wir auch zu- geben, dass alle organischen Wesen, die jemals auf dieser Erde ge- lebt haben, von irgend einer Urform abstammen." Allein der Anfang des Schlusssatzes des ganzen in Rede stehenden Werkes lautet in allen Auflagen : „ .... Es ist wahrlich eine grossartige Ansicht, dass der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgiebt, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat, . . . . " Litteratur. Prof. Dr. B. Schwalbe: Griechisches Elementar- buch, Grundzüge des Griechischen zur Einführung in das Verständnis der aus dem Griechischen stammenden Fremd- wörter. Berlin, S. Reimer 1887. Preis gebunden 3,20 Jt. Das vorliegende Buch enthält eine praktische und theoretische Widerlegung der Ansicht, dass ohne die auf den humanistischen Gym- nasien gebotene Kenntnis der griechischen Sprache die Erklärung und das Verständnis der wissenschaftlichen Nomenklatur überhaupt unmöglich sei. Es wäre ja auch kläglich, wenn man eines so rein äusserlichen Zweckes willen die edle Sprache der Hellenen auf den Gymnasien 6 Jahre hindurch gelernt würde. Ist ja doch auch in jeder Wissenschaft die Sachkenntnis das eigentlich wesentliche und wichtige, während die Wortkenntnis nur Vnkabelwert besitzt. Schwalbe zeigt, dass die Deutung der aus dem Griechischen stammen- den termini technici auf einfachere und leichtere, aber doch rationelle Weise erreicht werden kann. Er zeigt aber auch, dass in der Medizin, Mathematik, Naturbeschreibung, besonders aber in der Chemie und Physik neugebildeten Worte keineswegs alle mit dem Primaner- griechisch zu erklären sind, dass die meisten Klassizisten „sich mit der Empfindung begnügen, dass das Wort aus dem Griechischen stammt." (Wie viele Philologen werden in diesen Wochen um die Erklärung des Wortes „Perichondritis" auch von „klassisch Ge- bildeten" angegangen worden sein!?). Es ist sehr dankenswert, dass Schwalbe mit grosser Sorgfalt und Umsicht „aus der Summe der griechischen Sprachkenntnis heraus, •wie sie auf dem Gymnasium erlangt wird, dasjenige zusammenstellt, was für das Wortverständnis des gewöhnlichen Lebens und der wissenschaftlichen Nomenklatur von Wichtigkeit ist"; er leistet damit auch uns gymnasial Gebildeten einen grossen Dienst. Aber noch mehr haben ihm diejenigen für das Buch zu danken, welche einen realistischen Bildungsweg zurückgelegt haben; denn sie gewinnen daraus jedes wünschenswerte Wortverständnis für die dem Griechi- schen entlehnte Nomenklatur Diese Nomenklaturen sind übrigens grossenteils recht willkürlich -gewählt und erfordern die Kenntnis der verschiedensten Sprachen, wie Schwalbe u. a. in seinem Vortrage auf der deutschen Naturforscherversammlung 1886 dargethan hat. Die Grundsätze, nach welchen er sein Elementarbuch ausge- arbeitet hat, legt der Verfasser im Vorworte ausführlich dar: wir können denselben nur beistimmen. Auch an der Ausführung des Planes im Einzelnen dürfte wenig auszusetzen sein. Die Beispiele für die Lese- und Uebersetzungsübungen sind recht passend gewählt; erwünscht aber wäre die Hinzufügung einer kurzen Quellenangabe. Die interlineare Uebersetzung könnte für wissenschaftlieh Gebil- dete etwas freier gestaltet sein. Und so hätte der eine vielleicht dieses, der andere jenes zu wünschen. Aber jeder wird den grossen Wert dieser ebenso mühevollen als verdienstlichen Arbeit freudig und bereitwillig anerkennen. Das zuverlässige Register macht das Ele- mentarbueh übrigens auch zu einem wertvollen Nachschlagebuch für jeden höher Gebildeten, insbesondere für den Jünger der Natur- wissenschaft. Dr Tb.. Bach. Direktor des Falk-Real-Gymnasiums zu Berlin. Amsel, H., Grundzüge der anorganischen und organischen Chemie als Leitfaden und zu Repetitionen für Mediziner, Pharmazeuten, Chemiker etc. 8°. Preis 3 Jt 60 4. R. Friedländer & Sohn in Berlin. Bungartz, J., Kaninchen-Rassen. Illustriertes Handhueh zur Be- urteilung der Kaninchen-Rassen. 8°. Preis 2 Jt. Creutz'sche Buchh in Magdeburg. Emmerig, A., Unser nächtlicher Sternenhimmel. 8°. M. Illustr. u. 1 Karte. Preis kart. 2 Jt. Buchner'sche Verl. -Buchh. in Bamberg. Erde, die, in Karten und Bildern. Hand-Atlas in 60 Karten u. 800 Illustr. 25. Lfg. Fol. 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Herrn L. u. a. — Wir beschränken uns — der Richtung unseres Blattes entsprechend — in unserer Rubrik „Fragen und Antworten" auf die Beantwortung von Fragen aus den Gebieten der Naturwissenschaften. 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift, Nr. 6. Ixa.sera.-be namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Vir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An- gebot, Nachfrage und Tausch naturwissenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. In Ernst Günther's Verlag in Leipzig erscheint: rfc ie menschliche M^nmi 1 i e nach ihrer Entstehung und natürlichen Entwicklung Friedr. v. Hellwald. In 10 monatlichen Lieferungen zu 1 Mark. Aus dem reichen Inhalt lassen wir folgende Uebersicht folgen: 9) Exogamie und Clanbildung. 10) Das Matriarchat etc. 11) Polyandrie u. verw. Erscheinungen. 12) Der Frauenraub und seine Folgen. 1) Die Geschlechter u. d- Paarungstrieb. 2) Werbesitt'en, Geschlechtsverkehr im Tierreich. 3) Die Familie im Tierreich. 4) Natur- und Urmensch. 5) Das Schamgefühl u. dessen Aeusse- rungen. 6) Kuss und Liebe. 7) Der Geschlechtsverk. in der Vorzeit. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift" ist in den Stand gesetzt, die erste Lieferung vorzulegen und Bestellung auf die Fortsetzung- entgegen zu nehmen. 13) Die Kaufehe und ihre Verbreitung. 14) Das Patriarchat. 15) Die antike Familie. 17) Die väterliche Familie der neueren Zeit etc. etc. Grundzüge der Meteorologie. Die Lehre von Wind und Wetter nach den neuesten Forschungen gemeinfasslich dargestellt von H. MOHN Professor der Meteorologie an der Universität zu Christiania, Direktor des norwegischen meteorologischen Instituts. Deutsche Oi'igiiial-Ansgabe. Vierte verbess. Auflage m. 23 Karten u. 36 Holzschnitten. 1887. - Freis gebunden 6 Mark. — ^ Zu haiien bei der Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift", Berlin SW. 48. Gegen Einsendung- von 1 Jl 20 -j pro Band (auch in Brief- marken) liefern wir franko: Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine Witterangskunde. Eleg. geh. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die Insekten nach ihrem Nutzen und Schaden. Mit 70 Abbildungen Eleg. geb. Taschenberg, Dr. Otto, Die Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- bildungen. Eleg. geb. Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne und die Planeten. Mit 68 Ab- bildungen. Eleg. geb. Gerland, Dr." E., Licht und Wärme. Eleg. geb. Peters, Prof. Dr. C. F. W., Die Fixsterne. Mit 69 Abbildungen. Eleg. geb. Lehmann, Paul, Die Erde und der Mond. Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R., Die NiUänder. Eleg. geb. Valentiner, Kometen und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg. geb. Wassmuth, Prof. A., Die Elektricität und ihre Anwendung. Mit 119 Abbildungen. Eleg. geb. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernährung der Pflanzen. Mit 74 Abbildungen. Eleg. geb. Berlin SW. 48. Rieniann & Möller. Neue Preisliste über Coleopteren ist erschienen u. wird an kaufende Sammler gratis «.franko eingesandt K. V. Steigerwald, Entomologe [80] in Chotebov (Boheinia). Von Aprien, Terrarien, Fontänen, Felsen, Fischen, Reptilien, Pflanzen, Laubfrosch- u. Wetterhäuschen, 8ienenzuchtge- räthen vers. illustr. Preisliste gratis. W. Siebeneck, Mannheim, rsi) Verbreitung durch Empfehlung treuer Kunden an Freunde fand tausendfach der vorzügl. Holland. Tabak. 10 Pfd. franko 8 M bei B. Becker in Seesen a. Harz [32] ******************** BW" Der heutigen Nummer unserer „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" liegt ein Prospekt von A. Pichler's Wwe. & Sohn in Wien über empfehlenswerte Bücher, Lehrmittel etc. bei. Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von M 2,10- (in Briefmarken.) Einzelne Nummern kosten 25 4. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Priedrich-Strasse 226. Über 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. = Unentbehrlich für jeden Gebildeten. = MEYERS Konversations-Lexikon VIERTE AUFLÄGE. Das 1. Heft und den 1. Band liefert jede Buchhandlung ^■v zur Ansicht. 256 Hefte ä 50 Pfennig. - 16 Halbfranzbände ä 10 Mark. Zu beziehen durch Riemann & Möller in Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 226. Inserate für Nr. 8 der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" müssen späte- stens bis Sonnabend, 12. Mai in unseren Händen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: Dr. V. Schlegel: lieber den sogenannten vierdimensionalen Raun. — Ueber die Beziehungen zwischen Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen. (Mit Abbild.) — Kleinere Mitteilungen: Eine Reise nach dem Jana-Lande und den Neu-Sibirischen Inseln. — Ueber die giftigen Spinnen Russlands. — Der grosste Ammonir. — Donner und Blitz. — Ausnutzung des Niagarafalles zur Elektricitäts-Erzeugung. — Das grOsste astronomische Fernrohr der Erde. — Astronomischer Kalender. — Fragen und Antworten : An welcher Stelle sagt Darwin in seineu Werken von dem ersten oder den ersten Wesen, von welchen die übrigen abstammen sollen, „dass diese von Gott geschaffen worden seien"? — Litteratur: Prof. Dr. B. Schwalbe: Griechisches Elementarbuch, Grundzüge des Griechischen zur Einführung in das Verständnis der aus dem Griechischen stammenden Fremdwörter. — Bücherschau. — Briefkasten. — Inserate. . Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Rieraann & Müller. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. .^r Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 13. Mai 1888. Nr. 7. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 2.— ; Bringegeld bei der Post 15 -j extra. T Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 30 -*. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Lieber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Schlegel. (Fortsetzung) und Kanten jedesmal gleich viele Grenzkörper zusammen- treffen. Solcher Gebilde giebt es sechs, und zwar sind di^ < ; i vnzkörper in drei Fällen Tetraeder, in je einem Falle Hexaeder, Oktaeder und Dodekaeder. Dehnt man dies»- Betrachtungen auf Räume von beliebig vielen Dimen- sionen aus, so findet sich, dass drei Arten regelmässiger Gebilde in jedem dieser Räume vertreten sind. Die erste Reihe von Gebilden beginnt in der Ebene mit dem gleichseitigen Dreieck, begrenzt von drei kon- gruenten Strecken ; dann folgt im dreidimensionalen Räume das regelmässige Tetraeder (Vierflach), begrenzt von vier kongruenten gleichseitigen Dreiecken, und im vier- dimensionalen Räume das sogenannte Fünfzell, begrenzt von fünf kongruenten regelmässigen Tetraedern. Die zweite Reihe beginnt in der Ebene mit dem Quadrat (Viereck), begrenzt von vier kongruenten Strecken, setzt sich im dreidimensionalen Räume fort mit dem Würfel (Sechsflach), begrenzt von sechs kongruenten Quadraten, und im vierdimensionalen Räume mit dem Achtzell, begrenzt von acht kongruenten Würfeln. Die dritte Reihe beginnt in der Ebene ebenfalls mit dem Quadrate; es folgt im gewöhnlichen Räume das Oktaeder (Achtflach), begrenzt von acht kongruenten Dreiecken, und im vierdimensionalen Räume das Seehzehnzell, begrenzt von sechzehn Tetraedern. Das Bildungsgesetz dieser drei Reihen von Gebilden ist nach diesen Angaben auch für die höheren Räume leicht zu erkennen. Aber so einfach auch für das abstrakte Denken der Fortschritt in den vierdimensionalen Raum sich oft ge- Schwieriger wird der Fortschritt ins Mehrdimensionale da, wo die rechnerische Begründung dieses Fortschrittes nach der Natur der Sache ausgeschlossen oder nur künst- lich zu erlangen ist. Ein Beispiel für diesen Fall bietet die Frage nach der Anzahl und Beschaffenheit der so- genannten regulären Gebilde, zunächst im vierdimen- sionalen Räume. Man weiss, dass es in der Ebene re- guläre Vielecke von jeder beliebigen Seitenzahl giebt, die das gemeinsame Merkmal haben, dass ihre Flächen von lauter gleichlangen Strecken begrenzt werden, von denen immer je zwei in einem Eckpunkte, und zwar unter lauter gleichen Winkeln zusammenstossen. Die entsprechenden Gebilde des Raumes sind die regelmässigen Körper, die von kongruenten regelmässigen Vielecken begrenzt werden, von welchen in jeder Ecke des Körpers eine gleiche Anzahl zusammenstösst, während in allen Kanten je zwei Flächen unter gleichen Winkeln zu- sammentreffen. Solcher Körper giebt es bekanntlich nur fünf. Unter diesen werden drei von gleichseitigen Drei- ecken begrenzt, von welchen in jeder Ecke drei (beim Tetraeder) oder vier (beim Oktaeder) oder fünf (beim Ikosaeder) zusammenstossen; einer (der Würfel oder das Hexaeder) wird von Quadraten, einer (das Dodekaeder) von regelmässigen Fünfecken begrenzt, wobei jedesmal drei Grenzflächen um eine Ecke gelagert sind. Es ist nun nachgewiesen, dass auch der vierdimensionale Raum ganz analoge regelmässige Gebilde besitzt, die ihrerseits wieder von regelmässigen Körpern begrenzt werden, und zwar so, dass bei jedem dieser Gebilde in allen Ecken 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. staltet, immer wieder macht sich der Mangel an An- schaulichkeit bei allen Begriffen und Sätzen, welche diesen Raum betreffen, auf das Störendste geltend, und selbst geübte Forscher sind Irrtümern aus diesem Anlass nicht entgangen. Man hat daher auch nach verschiedenen Richtungen überlegt, wie wohl diesem Mangel abzuhelfen sei. Die gründlichste Abhilfe wäre freilich die, dass es uns gelänge, unsere geometrische Vorstellungskraft in der Weise auszubilden, dass es uns möglich würde, vier- dimensionale Gebilde uns im Geiste ebenso vorzustellen, wie es mit den dreidimensionalen Gebilden der Fall ist. Man könnte nämlich so argumentieren: Dasjenige Sinnes- organ, welches in erster Linie uns geometrische An- schauungen vermittelt, das Auge, giebt uns ursprünglich auch nur die Eindrücke von Flächen, also zweidimen- sionalen Grössen. Nicht anders steht es mit dem das Auge unterstützenden Tastsinn. Trotzdem erwerben wir uns vom Beginn unseres Lebens an allmählich die Fähig- keit, die uns umgebende Körperwelt als eine dreidimen- sionale zu erkennen, und ebenso auch nach Belieben, ohne Zuhilfenahme des Auges, uns dreidimensionale Ge- bilde aller Art so anschaulich vorzustellen, wie wir es zum Zwecke geometrischer Einsicht nur verlangen können. Dass im übrigen diese letztere Fälligkeit, sicli räumliche Dinge vorzustellen, je nach dem darauf verwandten Masse von Uebung eine sehr verschiedene sein kann, thut hier nichts zur Sache. An diese Thatsache liesse sich nun die Erwartung knüpfen, dass, wenn nicht das Auge, so doch vielleicht die geometrische Phantasie das erwähnte Vorstellungsvermögen so ausbilden könnte, dass zu dem hinzuenvorbenen Sinne für die dritte Ausdehnung auch noch der für die vierte treten könnte. Es ist aber leicht einzusehen, dass dieser I redanke gänzlich hoff- nungslos ist. Dasjenige nämlich, was unsere Wahr- nehmungsfähigkeit für 1 dreidimensionale Dinge -erzeugt und ausbildet, ist erstens die Erfahrung, welche wir teils mittelst des Auges durch die Bewegungserschei- nungen unseres eigenen Körpers und der uns umgebenden Welt, teils mittelst unseres Tastsinnes erlangen, zweitens unser Urteil, welches die durch Sehen und Fühlen ge- wonnenen Erfahrungen combiniert, und die immer nur zweidimensional bleibenden Wahrnehmungen des Gesichts- und Tastsinnes zu einem der objektiven Wirklichkeit entsprechenden Bilde vereinigt.*) Aber erst diese ge- steigerte Fähigkeit des Gesichtssinnes befähigt uns auch *) Die Hilfe, welche das stereoskopische Sehen mit zwei Augen gewährt, kommt natürlich ebenfalls in Betracht. — Wie sehr übrigens selbst für ein normal ausgebildetes Auge in besonderen Fällen der Mangel jener Erfahrung und jenes Urteils das objektive Sehen beeinträchtigen kann, und wie uubehilrlioh das Auge in solchen Fällen wird, bemerken wir am besten, wenn wir vom Gipfel eines hohen Berges eine tief unter uns liegende Landschaft betrachten. Dieselbe wird unserem Auge verhältnissmassig eben erscheinen, und so überraschend der durch diesen Umstand gesteigerte Eindruck der Holie unseres eigenen Standpunktes ist, ebenso überraschend wird beim Abstieg die Entdeckung von allerlei förmlich unter unseren Augen anwachsenden Unebenheiten sein, von deren Vorhandensein wir oben keine Ahnung hatten. Aehnlichen Täuschungen ist namentlich das Auge des Bewohners der Ebene im Gebirge auch beim horizon- talen Sehen ausgesetzt. zur Bildung' von Vorstellungen dreidimensionalen Inhalts, denn mit der Wahrnehmungsfähigkeit wird gleichzeitig unser Vorstellungsvermögen ausgebildet, welches beständig Veranlassung hat, die Gegenstände der Wahrnehmung innerlich (vor dem „geistigen Auge") zu reproduzieren. Vergleichen wir mit diesen Thatsachen die Bedingungen, unter welchen eine Vorstellung von vierdimensionalen Gebilden möglich wäre, so ist vor allem klar, dass hier die wesentliche Grundlage vollständig fehlt, nämlich das Vorhandensein einer vierdimensionalen Aussenwelt, aus welcher wir die Erfahrungen schöpfen könnten, welche die ursprüngliche Thätigkeit unserer Sinneswerkzeuge ergänzen würden. Es ist daher auch dem Geiste un- möglich, sich irgend welche Vorstellungen auf diesem Gebiete zu bilden. Denn wenn der Geist auch frei schaffen und sich Dinge vorstellen kann, die das vYuge nie gesehen hat, so bleibt doch dieses Schaffen stets in die allgemeinen Grenzen gebannt, die auch der Wahr- nehmung des Auges gesteckt sind. Mit anderen Worten: Mir können uns nur solche Gegenstände und Gebilde vorstellen, von denen wir, wenn wir sie nicht schon ge- sehen haben, doch wenigstens begreifen, dass wir sie sehen könnten. Muss nun auf eine direkte Wahrnehmung und Vor- stellung von Gebilden mit mehr als drei Dimensionen endgiltig verzichtet werden, so kann man zunächst ver- suchen, die vierte Dimension durch irgend ein Surrogat der Vorstellung näher zu bringen. Gesetzt, wir betrachten die gewöhnliche perspektivische Zeichnung eines undurch- sichtigen Würfels, bestehend aus einem Quadrat mit zwei anstossenden Parallelogrammen. Ein im Betrachten solcher Zeichnungen ungeübtes Auge wird im vorliegenden Falle vielleicht nur die eben erwähnten ebenen Figuren sehen, nicht aber eine Darstellung des räumlichen Körpers. Denn es ist eben bei dieser Abbildung eines Körpers auf einer Ebene eine Dimension verloren gegangen. Erscheint aber etwa das Quadrat in hellgrauer Färbung, und die beiden Parallelogramme in zwei abgestuften dunkleren Farbentönen, so kann die Färbung jedes einzelnen Punktes der Zeichnung gewissermassen als ein Surrogat der fehlen- den dritten Dimension angesehen werden, so dass wir statt mit Länge, Breite und Dicke nunmehr zu tliun haben mit Länge, Breite und Farbe. Der Nutzen dieses Surrogats bewährt sich sogleich darin, dass es dem Auge dadurch leichter wird, in der Zeichnung die Darstellung eines körperlichen Gebildes zu erkennen, weil ein wirk- licher Würfel unter gewöhnlichen Beleuchtungsverhält- nissen ähnliche Abstufungen in der Färbung seiner sicht- baren Flächen zeigt. In ähnlicher Weise könnte man allgemein sagen, dass bei einem in Farben ausgeführten Gemälde die fehlende dritte Dimension für das Auge durch die Farben ersetzt wird, bei einem Holzschnitt oder Kupferstich durch die Schattierungen, während eine nur die Umrisse der Gegenstände bietende Skizze die Vorstellung des Körperhöhen am unvollkommensten her- vorrufen wird. Wenn trotzdem solche Skizze, von der Nr. 7. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 51 Hand eines Meisters hervorgebracht, grossen Werth haben kann, so liegt der Grund darin, dass ein geübtes Auge sich von selbst ergänzt, was der Skizze zur Hervor- bringüng .eines körperlichen Eindruckes fehlt, gerade so wie ein im Betrachten stereometrischer Zeichnungen ge- übtes Auge mit der einfachen Darstellung der Ecken und Kanten eines Körpers sich begnügt, um aus einer solchen Zeichnung den Eindruck des Räumlichen zu ge- winnen. Noch auffälliger und einfacher als an dem oben gegebenen Beispiele der Würfelzeichnung zeigt sich der Nutzen des Verfahrens, jedem Punkte der ebenen Zeich- nung eines Körpers eine bestimmte Färbung zu geben, wenn ein gewöhnlicher Kreis als Bild einer Kugel be- trachtet werden soll. Denn hier giebt die einfache Zeichnung auch dem geübten Auge durchaus keine Ver- anlassung, etwas Räumliches in ihr zu sehen, während eine zweckmässige Färbung aller Punkte durch abgestufte Farbentöne sofort ein plastisches Bild der Kugel erzeugt und die fehlende dritte Dimension ergänzt. An dieses Beispiel wollen wir denn auch anknüpfen, um Surrogate für die vierte Dimension zu betrachten. Wie nämlich die zweidimensionale Kreisfläche als Abbild des drei- dimensionalen Kugelkörpers, so kann dieser wieder als Abbild eines analogen vierdimensionalen Gebildes be- trachtet werden. Denken wir uns nun eine Kugel aus Sandstein, und alle Körnchen derselben in einer be- stimmten Abstufung der Farbentöne gefärbt, so lässt sich sagen, dass in dieser Kugel, wenn sie als Abbildung jenes vierdimensionalen Gebüdes gelten soll, die fehlende vierte Dimension ebenso durch die Farbe ersetzt wird, wie in dem Kreise als Abbildung der Kugel die fehlende dritte Dimension. — Aber hier entsteht sofort die Frager Leistet in diesem Falle die Farbe etwas Aehnliches für die Anschauung oder Vorstellung wie vorhin? Keines- wegs! Denn vorhin wurde durch die gefärbte Zeichnung eine bekannte Vorstellung geweckt, nämlich die des An- blicks, welchen eine wirkliche Kugel bietet. Hier aber handelt es sich darum, dass eine ganz neue, vorher un- bekannte Vorstellung, nämlich die eines vierdimensionalen Körpers, erzeugt werden soll. Und das leistet das Surrogat der fehlenden Dimension nicht, mag es nun Farbe heissen, wie wir hier angenommen haben, oder Masse, oder An- ziehung, oder wie sonst die Versuche heissen mögen, die man in dieser Richtung angestellt hat, Es scheint sogar, dass gerade aus einem Missverständnis derartiger Ver- suche die irrtümliche Auffassung stammt, als liege es im Begriff' des vierdimensionalen Raumes, dass dem Welt- raum oder den in ihm enthaltenen Gebilden eine vierte Dimension beigelegt werde. Fortsetzung folgt.) Ueber die Klangfiguren quadratischer Platten. Von August Gutzmer. Wie eine gespannte, durch Streichen mit dem Bogen in Schwingung versetzte Violinsaite sich in eine bestimmte Anzahl gleicher, entgegengesetzt schwingender Teile teilt, welche durch ruhende Punkte (Knotenpunkte) von ein- ander getrennt sind, so besitzt bekanntlich eine irgend- wie geformte elastische Platte, die am besten ebenfalls durch Streichen mit dem Bogen zum Schwingen gebracht wird, Linien (Knotenlinien), an denen keine Bewegung stattfindet. Den Verlauf dieser Knotenlinien oder die sogenannte Klanghgur macht man am besten durch Auf- streuen von feinem staubfreiem Sande auf die durch eine Klemme in horizontaler Lage gehaltene Platte sichtbar. Natürlich ist es von grossem Interesse, die Schwin- gungsweise und damit den Verlauf der Knotenlinien einer elastischen Platte von gegebener Form und Beschaffen- heit theoretisch zu bestimmen. Es ist dies eine sein' schwierige Aufgabe der theoretischen Physik, die bis jetzt nur für kreisförmige Platten vollständig von G. Kirchhoff gelöst worden ist. Für quadratische Platten hatte schon Wheatstone eine eigentümliche Bestimmung der Knotenlinien versucht, die indes nicht einwurfsfrei war. Auf seine Betrachtungen gestützt, hat neuerdings Dr. Tanaka aus Tokio einen weiteren Schritt zur Lösung dieses Problems gethan. Es ist ihm gelungen, mittels eines einfachen trigono- metrischen Ausdrucks die Knotenlinien bei quadratischen Platten rechnerisch zu bestimmen. Die so erhaltenen Klangliguren stimmen sehr gut mit den experimentell gefundenen überein, wie sich aus den beigefügten Ab- Fig. 1. Fisr. 2. 713. B ä- - 1. ox Fig "3 Rk . a. = ♦ i. d Fig. b. bildungen ergiebt. Fig. 1 und Fig. 2 sind die experi- mentell gefundenen Formen" zweier Klangfiguren, während Fig. a und Fig. b die zugehörigen, durch Rechnung gefundenen Figuren sind. Wie schon aus diesen beiden Beispielen ersichtlich ist, treten Abweichungen haupt- sächlich am Rande ein, was damit zusammenhängt, ,dass der trigonometrische Ausdruck nur die für das Innere 52 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 7. der Platte geltenden Bedingungen, nicht aber die so- genannten Randbedingungen befriedigt. Immerhin ist aber damit ein Fortschritt in der Theorie der Schwin- gungen elastischer Platten zu verzeichnen. Wir wollen an diesem Orte zwar nicht auf die mathematischen Er- örterungen eingehen, welche in Wiedemann's Annalen der Physik und Chemie, N. F. Bd. 32 zu finden sind, wollen aber doch den Grundgedanken derselben und die Gesetze, zu denen die Formeln führen, angeben. Die Versuche mit quadratischen Platten zeigen nämlich, dass es Klangfiguren giebt, welche aus einem gitterförmigen Systeme von geraden Linien bestehen, die den Rändern der Platte parallel sind. Ein solches System kann man leicht durch einen trigonometrischen Ausdruck darstellen. Nimmt man an, es trete dasselbe System von Knotenlinien gleichzeitig noch einmal auf, aber um 90 ° gegen das erste gedreht, so wird aus dem Zusammen- wirken dieser beiden Schwingungsweisen, der „Schwester- schwingungen", eine Klangfigur sich ergeben, welche im allgemeinen aus krummlinigen Knotenlinien besteht. Auch diese ist dann leicht durch eine allgemeinere mathematische Formel darstellbar. Dieselbe liefert alle bekannten Klang- figuren. So entstellen die als Beispiele gewählten Figuren, wenn zu der aus 7 geraden, parallel dem einen, und 5 geraden, parallel dem anderen Rande bestehenden Figur die Schwesterschwingung hinzutritt, welche also aus 3 ge- raden, die zum ersteren, und 7 geraden, die zum letzteren Rande parallel sind, besteht. Je nachdem nun das Amplitu- denverhältnis B/A beider Schwingungsformen andere und andere Werte annimmt, verändert sich auch die zugehörige Figur, was aus den Abbildungen gleichfalls zu erkennen ist. Chladni hatte schon für die Schwingung quadra- tischer Platten die beiden Gesetze gefunden: Unter gleichen Umständen ist die Schwingungszahl des von der Platte erzeugten Tones 1. der Dicke der Platte direkt und 2. dem Quadrate der Seitenlänge umgekehrt pro- portional, welche auch aus der theoretischen Formel fliessen. Diesen fügt Dr. Tanaka das dritte Gesetz hinzu: In einer und derselben Platte ist die Schwingungs- zahl der Summe der Quadrate der Anzahl von Knoten- linien in beiden den Rändern parallelen Richtungen direkt proportional. Ein anderer bemerkenswerter Punkt ist der, dass hiernach eine grosse Zahl von anscheinend ganz ver- schiedenen Klangfiguren zusammengehören. Sowohl nach der gefundenen Formel durch Aenderung des Ampli- tudenverhältnisses der Schwesterschwingungen als auch experimentell durch allmähliche Verschiebung der Stütz- und Streichpunkte verwandeln sich die Figuren, bei Fest- haltung derselben Tonhöhe, in andere, bis man schliess- lich die erste Figur- wieder erhält. Alle diese durch cyklische Veränderung hervorgebrachten Figuren wird man naturgemäss zu einer Familie zälden. Die angeführte Abhandlung enthält nur das wesent- liche Resultat der Untersuchungen Dr. Tanaka's, aus- führlich gedenkt derselbe diesen Gegenstand in den Denkschriften der Kaiserlich Japanischen Universität Tokio in deutscher Sprache zu behandeln. Praktische Winke über Von Dr. H. Die erwachende Pflanzenwelt erregt in Vielen den Wunsch sich eingehender mit ihr zu beschäftigen und es dürfte diesen dabei' recht sein, etwas Näheres über Pflanzensammeln zu hören. Wir wollen im Folgenden die Aufmerksamkeit auf verschiedene hierbei in Betracht kommende Einzelheiten lenken, die jedem, der nicht selbst floristische Exkursionen macht, nebensächlich scheinen mögen und dennoch — wie jeder erfahrene Florist weiss — von grossem Belang sind. Zunächst versieht man sich mit einem kräftigen Messer und einem Pflanzenstecher, dessen Bauart wohl zu erwägen ist. Die fertig käuflichen Pflanzen- stecher sind gewöhnlich durchaus unbrauchbar; es bleibt einem daher nichts übrig, als sich für den ernsten Ge- brauch ein solches Instrument selbst anfertigen zu lassen. Am besten giebt man dem Stecher, der aus gutem Stahl bestehen muss, die Form einer kleinen Brechstange von etwa 35 cm Länge und 5 cm Umfang, denn gerade die- jenigen Bodenarten, welche Pflanzen mit charakteristischen (oft für die Bestimmung notwendigen) unterirdischen Or- ganen tragen, sind häufig von einer ungemeinen Festig- keit. Nicht selten kommt man auch auf steinigem Boden in die Lage, die in den Ritzen wachsenden Pflanzen das Pflanzensammeln. Potonie. vollständig ausheben zu müssen, wobei auch gelegentlich ein Auseinanderbrechen von Felsstücken vermittelst eines brechstangenähnlichen Werkzeuges sehr wünschenswert erscheint. Der Spitze des Stahlstabes giebt man eine spatelige, langherzförmige Form und schärft dieselbe etwas an. Es ist jedoch besonders darauf zu achten, diesen spateligen Teil des Stechers nicht zu flach zu gestalten, sondern ihm eine gehörige Dicke zu belassen, um den Brechstangen-Charakter zu wahren. Erscheint er zu dünn, so bricht er leicht durch, womit die Spitze verloren geht, und fehlt diese, so kann man nicht mehr in festen Erdboden und in Ritzen hineindringen. Das andere Ende versieht man mit einem hölzernen Griff, durch dessen ganze Länge der sich nur wenig verjüngende Stahlstab hindurchgehen muss, so dass derselbe am Gipfel des Heftes zum Vorschein kommt, wo er durch Ver- nietung oder durch eine Schraubenmutter wie beim Knauf eines Degens oder eines Stossfechtels befestigt wird. — Der Transport des beschriebenen Instrumentes geschieht zweckmässig in einer Lederscheide, die man sich an einem bequemen Gurt umhängt. Die zu sammelnden Pflanzen müssen so vollständig als möglich eingelegt werden, be- sonders bei Gewächsen, deren oberirdische Teile alljährlich Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 53 absterben; es sind daher bei den Stauden sowie bei den einjährigen Pflanzen die unterirdischen Organe, die Wurzeln und Rhizome (unterirdische Stengelausläufer) sorgfältigst zu beachten, da in den Floren mit Recht gerade hierauf Rücksicht genommen wird. Nichts ist verdriesslicher, als ein aus „Schauerschnipseln" (sit venia verbo) zusammengesetztes Herbarium, wie es deren nur zu viele giebt, in denen nur flüchtig oben abgerissene Stücke zu sehen sind, ohne die charakteristischen Organe oder doch die für eine sichere Bestimmung wichtigen Verhältnisse zu zeigen. Während man früher allgemein mit der Botanisier- trommel hinauszog, in die alles hineingequetscht wurde, pflegt man heutzutage die für das Herbarium bestimmten gesammelten Schätze sofort am Fundort einzulegen. Man benutzt hierzu eine leicht tragbare, im Rücken breitere Mappe, in welche man zur Aufnahme der Speci- mina Papier (z. B. Zeitungspapier) thut. Das Einlegen in die Exkursionsmappe braucht keineswegs mit pein- licher Sorgfalt vorgenommen zu werden, wenn man nur auf eine einigermassen schickliche Lage der Teile Acht giebt und die Pflanzen nicht geradezu ohne Weiteres in die Mappe wirft. Diese Art des Pflanzenaufbewahrens hat, wie jeder Praktiker weiss, mehrerlei Vorzüge. In der Trommel werden sehr viele zartere Gewächse voll- ständig unansehnlich, so dass ihr Habitus nicht mehr erkannt werden kann, namentlich wenn holzige und stachelige Gewächse mit ihnen zusammengebracht werden ; aber auch wenn sie allein sind, schrumpfen sie leicht zusammen und verlieren den Turgor, dessen Vorhanden- sein während des Einlegens wichtiger ist, als man meinen sollte. Allerdings lässt sich der letztere meistens dadurch wieder erzeugen, dass man die Pflanzen in Wasser stellt: aber eine Befeuchtung derselben vor dem Trocknen ist natürlich zu vermeiden. Häufig lässt sich übrigens der Pflanze in der genannten Weise der Habitus gar nicht wiedergeben, weil sie oft bereits zu schlaff geworden ist. Sehr zarte Organe, wie z. B. die Blumenkronen von Helianthenium u. s. w. sind in der Trommel unvermeidlich verloren, und aus reifen Früchten herausfallende Samen, die man im Herbarium den Arten gern in Papierkapseln beifügt, werden in derselben mit anderen Samen ver- mengt, während sie zwischen dem Papier in der Mappe bei der zugehörigen Art verbleiben. Und wie sieht nun gar der am frühen Morgen gesammelte Inhalt einer Trommel am Abend nach einer grösseren, an einem heissen Sommertage unternommenen Exkursion aus! Namentlich wenn stachelige, zarte, überhaupt Pflanzen verschiedener Beschaffenheit zusammen gethan wurden. Der gesammelte Schatz bildet eine meist schwer oder gar nicht entwirr- bare Masse. Es soll übrigens mit dem Gesagten die Botanisier- Trommel nicht als durchaus wertlos für den Floristen 'hingestellt werden. Ein passendes Unterkommen bietet sie für manche dickere, zu Hause weiter zu präparierende Pilze und derbe Gewächse, die beim Einlegen besonders widerspenstig sind und daher „gebändigt" werden müssen. Auch wenn es sich um den Transport grösserer Mengen einer und derselben Art handelt, die zu Hause besonders untersucht oder behufs weiterer Beobachtung verpflanzt werden soll, ist die Trommel, die in solchen Fällen mit feuchtem Torfmoos oder einem feucht zu haltenden P>ade- schwamm zu versehen ist, nützlich. Aber man sollte dann wenigstens nicht versäumen, dieselbe weiss, nicht grün lackieren zu lassen, da dunklere Farben ja die Wärmestrahlen stärker absorbieren, die doch, um die Pflanzen frisch zu erhalten, möglichst abgehalten werden müssen. Kommt der Florist nach Hause, so braucht er keines- wegs sofort an das sorgfältigere Einlegen seiner Schätze zu gehen; aber dann muss er wenigstens seine Mappe an einen günstigen Ort bringen, wo sich die Pflanzen frisch erhalten. Letzteres wird nun dadurch erreicht, dass man die Mappe in einem (feuchten) Keller am besten auf dem steinernen Fussboden aufbewahrt. Zur Aushilfe mag auch die Mappe über einem Behälter mit Wasser aufgehängt oder aufgestellt werden, da es zweckmässig erscheint, wenn sie feucht liegt, ohne dass jedoch die Pflanzen hierbei auch nur im Geringsten nass werden dürfen. Ist dies befolgt worden, so wird der Florist mit Freuden am anderen Tage seine Pflanzen in einem Zu- stande vorfinden, als wenn er sie eben erst eingelegt hätte, und er kann während des sorgsameren Einlegens zwischen trockenes Papier mit Geistesfrische an die Untersuchung „Bestimmung" gehen, die immer am besten an der lebenden Pflanze vorgenommen wird. Die einzelnen Pflanzenlagen müssen beim Trocknen durch ziemlich dicke Papierschichten geschieden werden. Die letzteren müssen alle Tage mindestens einmal so lange gegen vollkommen trockene Papierlagen gewechselt werden, bis die Pflanzen ganz trocken sind. Ein so zu- bereitetes, nicht zu dickes Pflanzenpacket wird entweder gelinde beschwert oder zwischen zwei Draht- oder Holzgitter gebunden. Bei der letzteren Einrichtung kann man die Packete leicht in der Sonne oder an luftigen, trockenen Orten aufhängen. Sehr fleischige Arten taucht man entweder einen Augenblick mit Ausnahme der Blüten in kochendes Wasser, oder man legt dieselben vor dem Trocknen auf kürzere oder längere Zeit in eine gesättigte Auflösung von schwefeliger Säure in vier Teilen Wasser und einem Teil Spiritus. Auf mehrtägigen Exkursionen ist unterwegs oft ein Umlegen und überhaupt Trocknen der Pflanzen bei un- günstigen Verhältnissen erschwert oder unmöglich, und für solche Fälle ist es angerathen, mit einem Bekannten eine Vereinbarung zu treffen, der das Trocknen der ihm vermittelst der Post zugesandten Pflanzen übernimmt. Vorher müssen natürlich die letzteren mit genauen Eti- quetten, welche über den Fundort und das Datum des Sammeins Aufschluss geben, versehen werden. Als Ver- packung dienen am besten zwei dünne Pappendeckel, 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 7. zwischen welche der vorher in trockenes Papier um- gelegte Inhalt der Exkursionsmappe gethan wird, um das Ganze mit starkem Papier zu umwickeln. Mit solchen Sendungen hat der Verfasser dieses die allerbesten Er- fahrungen gemacht: nicht nur aus den entlegensten Oert- lichkeiten der Mark Brandenburg, sondern auch aus Thüringen, dem Harz und sogar dem Riesengebirge sind solche Packete in vorzüglichem Zustand in Berlin an- gekommen. Vom Pflanzentrocknen feucht gewordenes Papier breitet man zum Trocknen auf dem Fussboden aus. Kleinere Mitteilungen. Die Kegelrobbe, Halichoerus grypus Nilss., in der Gefangenschaft. — Es wird allgemein angenommen, dass die Kegel- robbe, Halichoerus grypus. welche neben dem gemeinen Seehunde. Phoca vitulina L.. in der Nord- und Ostsee (z. B. bei Rügen), aber auch bis Island und Grönland vorkommt, unzähmbar sei und die Gefangenschaft überhaupt nicht ertrage. Professor Nehring weist nunmehr (Sitzungsber. d. Gesellsch. naturf. Freunde zu Berlin 1888. Seite 7 und 8) darauf hin, dass diese weniger bekannte Robbenart in vereinzelten Fällen schon in früheren Jahren Monate lang in der Gefangenschaft am Leben erhalten wurde. Im Berliner zoologischen Garten befindet sich ein Exemplar seit Ostern 1886 noch jetzt sehr munter. Auch das Berliner Aquarium besitzt seit einiger Zeit eine Kegelrobbe. Es ist ein erwachsenes Männchen, welches im April 1887 bei Pillau unweit Königsberg in der Ostsee gefangen wurde. Obgleich dieses Tier länger als ein halbes Jahr in einer engen Kiste zubringen musste und in vielen Städten Deutschlands zur Schau gestellt wurde, so befindet es sich doch ganz wohl und hat im Aquarium sogar eine gewisse Zähmung angenommen. Die Länge dieses Exemplars beträgt 7 Fuss. Sein Gewicht wurde im Apiil v. J. auf 3 3 / 4 Centner festgestellt. In der Seehundsgrotte des Aquariums befindet sich auch ein erwachsenes Männchen der Phoca vitulina, so dass man die Unterschiede dieser beiden Robbenarten , namentlich die Differenzen in der Form des Kopfes, sehr gut erkennen kann. H. J. Kolbe. Ueber die Entstehung und den Verlauf der atmo- sphärisch-optischen Störung, welche von Ende August 1883 bis Juli 1886 beobachtet worden ist. hat Prof. Kiessling Unter- suchungen angestellt und im Märzheft der met. Zeitschrift eine vor- läufige Mitteilung veröffentlicht. Die Königliche Gesellschaft in London hat im Januar 1884 eine Kommission eingesetzt zur Untersuchung aller Erscheinungen, welche im unmittelbaren Anschluss an den Krakatau-Ansbruch beobachtet worden sind. Obgleich der Bericht dieser Kommission noch nicht erschienen ist, hält es Prof. Kiessling auf Grund des umfang- reichen, von ihm persönlich im Laufe der vergangenen Jahre ge- sammelten und gesichteten Beobachtungsmaterials für angebracht, die Hauptergebnisse seiner Untersuchung zu veröffentlichen, da die- selbe eine Reihe meteorologischer Fragen, welchen seiner Zeit die weitesten Kreise mit grossem Interesse nahe getreten sind, zu einem endgiltigen Abschluss bringen. Die Erscheinungen, in welchen die Störung sich äussert, sind in dreifacher Form aufgetreten. Ausser ungewöhnlichen grünen und blauen Sonnenfärbungen ist eine erhebliche Steigerung in der Entwickelung der Dämmerungsfarben und ein die Sonne umgebender Beugungsring beobachtet worden. Da alle drei Erscheinungen zuerst gleichzeitig auftraten und die beiden letzteren eine ununterbrochene Entwickelung in der Aus- breitung zeigten, müssen sie auch auf eine gemeinschaftliche Quelle zurückgeführt werden. Aus den überaus zahlreichen für die Tage vom 26. bis 31. August 1883 vorliegenden Beobachtungen ergiebt sich, dass der zeitliche Beginn der Störung genau mit der Steigerung der vulkanischen Thatigke.it auf der Insel Krakatau am 26. und 27. August 1883 zusammenfällt, und dass der geographische Ausgangspunkt gleichfalls in der Sunda-Strasse liegt. Der Verlauf der geographischen Ausbreitung der Erscheinungen bis zu ihrer ausgedehntesten Entwickelung lässt drei Perioden unter- scheiden. In der ersten Periode bis Ende September beschränken sich die Erscheinungen, welche eine die Erde mehr als zweimal in der Richtung von nach W mit 40m Geschwindigkeit umkreisende Bewegung erkennen lassen, im allgemeinen auf die äquatoriale Zone. Daneben ist eine nach NNO gerichtete Bewegung von 20»» Ge- schwindigkeit vorhanden, deren westliche Grenze durch die zahl- reichen Beobachtungen auf japanischen Stationen sich sehr genau feststellen lässt. In der zweiten Periode, etwa bis Mitte November, wird die äquatoriale Zone allmählich frei von optischen Störungen, welche die west-östliche Bewegung verlierend, auf beiden Hemisphären polwärts vordringen. Zugleich bilden sich Gebiete von grösserem Umfang aus, in welchen ohne Unterbrechung Dämmerungserscheinungen auftreten: die bedeutendsten derselben liegen östlich von Mauritius und nord- östlich von den Capverdischen Inseln. Das letztere Gebiet erweitert sich anfangs November wahrscheinlich unter dem Eintiuss einer Reihe den nordatlantischen Ocean durchsetzender Minima bis nach der Nordsee und ruft hier in England und Dänemark die an fang November beobachteten Erscheinungen hervor. Auf Mauritius sind die anhaltenden Dämmerungserseheinungen von einer auffallenden Steigerung der Gewitterhäufigkeit begleitet. Eine optische Einwirkung der vulkanischen Vorgänge auf St. Augustin (Alaska) am 6. Okto- ber 1883 ist nirgends zu erkennen. In der dritten Periode, bis Ende Dezember 1883, breitet sich das Störungsgebiet gleichzeitig in der nördlichen und südlichen Hemisphäre über die ganze gemässigte Zone diffundierend aus. Eine vierte Periode würde die Zeit umfassen, in welcher die optischen Störungen aus der Atmosphäre allmählich schwinden. Dies dauert bei den ungewöhnlichen Dämmerungserscheinungen über Jahres- frist, bei dem Ring-Phänomen sogar bis zum Sommer 1886. Die Annahme des Eintrittes einer kosmischen Staubwolke in die Erdatmosphäre ist für den Beginn der ersten Periode ausgeschlossen. sowohl durch die Form der anfangs getrennt liegenden partiellen Störungsgebiete, als auch durch die geringe Höhe der lichtreflektieren- den Materie. Es bleibt daher nur die Annahme zulässig, dass die Störung durch die vulkanische Katastrophe auf der Insel Krakatau verursacht worden ist. Aus den umfangreichen Untersuchungen von Verbeek ergiebt sich, dass die Hauptexplosion am 27. August 10 Va Uhr morgens stattgefunden hat, und zwar infolge des Einsturzes des grössten Teiles der Insel. Diese Katastrophe ist der grösste unterseeische Vulkanausbruch, welcher bis jetzt beobachtet worden ist. Die durch den Einsturz der Insel erregte Wasserwelle und die durch die heftige Explosion erzeugte Luftwelle haben gleichzeitig von derselben Stelle aus ihre die ganze Erde wiederholt umkreisende Bewegung begonnen. Die bei der letzten Explosion in die Atmosphäre emporgetrie- benen vergasten und zerstiebten mit Verbrennungsprodukten ver- mischten Wassermassen sind als die einzige Quelle der fast drei Jahre lang dauernden optischen Störung der Erdatmosphäre anzusehen. Die optischen Phasen der Dämmerung hei normaler Entwicke- lung beruhen auf der Absorption und Lichtheugung, welche die Kondensationsprodukte in den untersten Atmosphärenschichten Ulli das durchgehende Sonnenlicht ausüben. Alle Erscheinungen, welche während der Störungsepoche beobachtet worden sind, stimmen im wesentlichen mit denjenigen Erscheinungen überein, welche bei tropischen Dämmerungen unter geeigneten Umständen eintreten. Dieselben lassen sich in allen Einzelheiten durch Lichtbeugung in künstlich erzeugtem Nebel experimentell darstellen. Aus den experimentellen Untersuchungen mit mechanisch er- zeugtem Staub ergiebt sich, dass die festen Auswurfsstoffe, d. h. die aus Bimsteinstaub bestehende „vulkanische Asche" bei der Steige- rung der Dämmerungsfarben keine Rolle gespielt haben kann. Alle Volumenberechnungen der ausgeworfenen 'Asche sind daher für die optische Seite der Frage gegenstandslos. Der lange Aufenthalt der fremden Stoffteilchen in der Atmo- sphäre steht in vollem Einklänge mit der experimentell bestimmten Fallgeschwindigkeit von Rauch in atmosphärischer Luft. Kiessling glaubt, dass durch diese Ergebnisse die „Krakatau- Frage" im wesentlichen als erledigt anzusehen sei. x. Astronomischer Kalender. — Am 10. Mai Sonnenaufgang 4 Uhr 12 Minuten. Sonnenuntergang 7 Uhr 40 Minuten; Mondaufi- gang abends 6 Uhr 53 Minuten, Untergang früh 4 Uhr 54 Minuten Am 17. Mai Sonnenaufgang 4 Uhr 1 Minute, Untergang 7 Ubr 51 Minuten; Mondaufgang früh 10 Uhr 23 Minuten, Untergang Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 nachte 1 Uhr 4 Minuten. Am 10. Hai nachte 2 Uhr 17,1 Minuten Neumond. Um die bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, rauss man von letzterer abziehen am 10. Mai 3 Minuten 16,8 Sekunden, am 17. Mai 3 Minuten 47.2 Sekunden Am 14. Mai wird der Stern y im Sternbilde der Zwillinge vom Monde, bedeckt. Dr. F. l'lato. Fragen und Antworten. Weshalb rechnet man die Flechten jetzt zu den Pilzen? Wenn man den KOrper einer zu der Pflanzenahteilung der Flechten gehörigen Art mikroskopisch untersucht, so findet man ein Zellfadengeflecht (,Hyphen"-Geflecht), welches kugelige Einzelzellen mit grünen Inhaltsbestandteilen (Chlorophyllkörnern), die man hier als Gonidien bezeichnet, zwischen sich birgt. Schwendener, der sich wiederholentlich (1860 — 1872) mit der Anatomie der Flechten beschäftigt hat, machte die fnteressante Entdeckung, dass jene Zell- fäden Pilzen (ans den Gruppen der Pernio- und Discomyceten) an- gehören, welche auf Algen, den Gonidien, schmarotzen oder, wohl besser gesagt, mit ihnen zusammenleben. Die Algenzellen, welche meist den Abteilungen der Cyanophyceen und Palmellaceen ange- hören, erscheinen gewissermassen als besondere, das Kohlendioxyd (die „Kohlensaure") der Luft assimilierende Organe des Flechten- fcörpers und sind demselben als solche nützlich. Den Pilzen fehlt ja das Chlorophyll, welchem allein die genannte Funktion zukommt, sodass sie sich als Schmarotzer (Parasiten) oder Fäulnisbewohner (Säprophyten) ernähren. Die Fortpflanzung der Flechten ist dieselbe wie bei den genannten Pilzgruppen, indem in keuligen Anschwellungen, Hyphenendigungen, die zu besonderen Portpflauzungsorganen (t'eri- thecien resp. Apothecien) vereinigt sind. Zeilen (Sporeij) individuali- siert werden, aus denen heim Zusammentreffen mit bestimmten Algen- zellen wieder Flechten hervorgeben. Ausserdem gliedern sich aus Hyphen und Gonidien zusammengesetzte Körnchen vom Flechten- körper ab, die ebenfalls der Verbreitung der Art dienen. Einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit der Schwende- ner'schen Deutung des Flechtenkörpers haben 1867 Famitzin und Baranetzky geliefert; diese beiden Botaniker haben nämlich nach- gewiesen, dass die Gonidien, also die Algen des Flechtenkörpers, auch ausserhalb des letzteren selbständig weiterzuleben im Stande sind. A. Möller hat nun, wie schon in Bd. I der „Naturwissensch. Wochenschrift" Seite 87 auseinandergesetzt worden ist. im vorigen Jahre auch den Nachweis erbracht, dass man aus den Sporen der Flechten algenfreie Individuen zu erzielen vermag, wenn man ihnen eine günstige Nährlösung bietet, wie solche für Pilzkulturen oft an- gewendet wird Ks ist dem genannten Botauiker gelungen, seine Kulturen bis zur Sporenbildung zu bringen Neben den erwähnten Sporenbehältern der Flechten resp. Pilze sind bei diesen Pflanzen noch andere Behälter (Spermogonien) bekannt, welche Hyphen-Endigungen bergen, die stäbchenförmige Zellen „Sper- matien" alischnüren. Bisher wusste man nichts rechtes mit den Spermatien anzufangen und hielt sie vielfach für männliche Befruch- tungselemente zur Erzeugung der Perithecien und Apothecien, ent- sprechend ähnlichen Gebilden, wie sie mit der in Rede stehenden Funktion bei den Rhodophyceen (Florideen) unter den Algen bekannt sind. Möller hat jedoch die Spermatien der Flechten, wie das auch schon früher gelungen war, zum Keimen gebracht und ans ihnen neue Spermogonien tragende Individuen erzogen; diese Gebilde sind also ungeschlechtliche Keimzellen. (Vergl. weiteres inBd I Seite 87.) H. P. Litte ratur. K. v. Fritsch: Allgemeine Geologie. Mit 102 Ab- bildungen. Verlag von J. Engelborn. Stuttgart 1888. Preis 14. V. In der von Fr Ratzel herausgegebenen Bibliothek geogra- phischer Handbücher erschien vor kurzem das vorliegende Buch, welches, wie der Verfasser im Vorwort sagt, „in der Ueberzengung geschrieben ist. dass naturwissenschaftliche Lehren nie auf Theorien und Hypothesen begründet werden sollen, sondern nur auf Erfahrungen und Beobachtungen. Im Leser soll das Streben wach erhalten werden, im Freien zu sehen und zu arbeiten, um auf Grund eigener Wahrnehmungen in der Natur jede Schlussfolgerung und jeden Lehr- satz sorgfältigst prüfen zu können." Diesen Grundsätzen ist der Verfasser in seinem Buche in vollstem Masse getreu geblieben. Er hält sieh fern von unbegründeten Hypothesen und besitzt in der Behandlung aller geologischen Fragen einen sehr objektiven Stand- punkt. Eine grosse Zahl der zur Begründung der geologischen Lehrsätze dienenden Beispiele ist aus eigenen Beobachtungen ent- lehnt, die der Verfasser während seiner geologisch-kartogiaphisehen Thätigkeit, sowie auf seinen grösseren Reisen gemacht hat. Sowohl aus diesem Grunde als auch infolge der ganzen Anordnung und Behandlung des Stoffes besitzt das Buch den Vorzug grosser Ori- ginalität. Die Gruudzüge der allgemeinen Geologie werden in den fünf nachbenannten Abschnitten behandelt: I. Geophysiographie. IL Geo- tektonik. III Geochemie oder chemische Geologie. IV. Geomechanik oder physikalische Geologie. V. Allgemeine Abschnitte der histo- rischen Geologie oder Geogenie. Sehr instruktiv für die Einfühlung in die praktische Gei ist das Kapitel über die Darstellung des Gebirgsbaus, in welchem auf Grund mathematischer Entwicklungen die Ermittelung der Grenzflächen, die Bestimmung der Mächtigkeit und die Berechnung der Profilkonstruktion sehr klar erläutert werden. Das durch zahlreiche originelle Abbildungen vortrefflich aus- gestattete Buch wird sowohl von dem Fachgelehrten als auch von demjenigen willkommen geheissen werden, welcher sieb mit den Leinen der allgemeinen Geologie erst vertraut machen will. Dr. F. Wahnschaffe. Abich, H., Geologische Forschungen in den kaukasischen Ländern. 3. Tl. Ceologie ib-s armenischen Hochlandes. II. Osthälfte. 4°. (XII. 102 S. m. eingedr. Holzschn. u. 21 Taf. nebst Atlas in Fol v. 20 Karten. Profilen u. Panoramen.) Preis 100 JC. Alfred Holder in Wien. — Geologische Fragmente. 4°. (46 S. m. 1 Atlas in Fol. v. 7 Taf.) Preis 20 ■'/. Alfred Holder in Wien. Balling, C. A. M., Grundriss der Elektrometallurgie, gr. 8°. (VII. 123 S. m. Hlustr.) Preis 4 Ji. Ferdinand Enke'in Stuttgart. Beetz, W. v., Leitfaden der Physik. 9. Aufl.. hrsg. v. J. Henrici. gr 8°. (VIII, 354 S. m. Holzschn.) Preis :! . U 60 .;. Th. Griehen's Verlag (L. Fernatu in Leipzig. Bernstein J., Ueber die Kräfte der lebenden Materie. 4". (22 S.) Preis 1 JC 20 4, Max Niemeyer in Halle Bisching, A., Geologische Karte der österreichisch-ungarischen Monarchie zum Schulgebrauche 1 : 6000000. Chromolith. 4°. Preis 40-(. Alfred Hobler in Wien. Bleicher, H., Grundriss der Theorie der Zinsrechnung, gr. 8°. (IV. 75 S.) Preis 2 ■ U . Julius Springer in Berlin. Bornhak, K., Gartenbuch für alte Gartenbesitzer nnd Blumen- liebhaber. 4 Aufl.. bearb. v. E. J. Peters. 8°. (IV, 145 S.) Preis 1 J( . Moritz Buhl in Leipzig. Boyman, J. R., Lehrbuch der Mathematik. 1. Tl. Geometrie der Ebene. 12. Aufl.. besorgt v. K. Werr. 8". (IV, 191 S.) Preis 2 JC. L. Schwann'sehe Verlagshandlung in Düsseldorf.] Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir ans bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Berichtigung. In dein Artikel über giftige Miesmuscheln (Bd. I) ist auf S. 184 die Bemerkung enthalten, dass die Schalen der Muscheln im Binnen- (Hafen-) Wasser tliatsächlich — „kleiner" — seien, wie in der offenen See. — Diese Bezeichnung (kleiner) entspricht jedoch meines Wissens nicht dem betreffenden Wortlaute in dem citierten Berichte des Kreisphysikus Dr. Schmidtmann in Wilhelmshaven (in Nr 2 der Zeitschrift für Medizinalbeamte) und sie stimmt auch nicht mit der von mir. Dr. Lohmeyer und anderen Forschern ge- machten darauf bezüglichen Beobachtungen überein. Die Gehäuse der im Hafenwasser zu Wilhelmshaven zeitweise zur Beobachtung kommenden Giftmuscheln erscheinen nämlich in der Regel keineswegs kleiner, wie die gesunden Muscheln aus der offenen See; sie sind vielmehr oft ungewöhnlich gross, indem die darin lebenden, — meist durchweg orangegelb gefärbten und übelriechenden — Muscheltiere — wahrscheinlich infolge ihrer vergrösserten und kranken Leber — häufig auffallend dick und fettreich sind. — Im allgemeinen ist ihre Grösse je nach dem Alter zwar ver- schieden, jedoch findet man gewöhnlich mehr grosse als kleine Indi- viduen darunter. Ihre Schalen aber sind fast immer auffallend dünn, brüchig, oft papierdünn und durchscheinend und — wahrscheinlich infolge von Kalkarmut — speci fisch leicht. Hin- sichtlich ihrer Form sind sie platter und nicht so gewölbt, wie die Muscheln aus offener, bewegter See ; ihre Oberhaut ist meist glänzend und glatt, wie Chitin oder Homsubstanz. Ihre Farbe ist nicht, gleichmässig dunkelblau, sondern verschiedenartig, stellenweise näm- lich entweder orangeartig oder braungelb oder dunkelblaubraun; namentlich findet sich regelmässig bei ihnen eine vom Schlosse nach den Rändern hinziehende, radiale blaue oder braunblaue Streifung, welche von ebenso gefärbten, konzentrisch verlaufenden Querstreifen durchzogen ist. Dr. Lindner, Generalarzt a. D. 56 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 7. Inserate namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An- gebot, Nachfrage und Tausch naturwissenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. < < « < A 4 < 4 < Heinr. Boecker, Wetzlar empfiehlt mehrfach prämiierte mikroskopische Präparate und Mikroskope sämtliche Utensilien zur Mikroskopie. [73J Kataloge gratis. Gegen Einsendung von 1 JC 20 „t pro Band (auch in Brief- marken) liefern wir franko: Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine Witterungskunde. Bieg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die Insekten nach ihrem Nutzen und Schaden. Mit 70 Abbildungen. Eleg. geb. Taschenberg, Dr. Otto, Die Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- bildungen. Eleg. geb. ' Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne und die Planeten. Mit 68 Ab- bildungen. Eleg. geb. Gerland, Dr. E., Licht und Wiirme. Eleg. geb. Peters, Prof. Dr. C. P. W., Die Fixsterne. Mit 69 Abbildungen. Eleg. geb. Lehmann, Paul, Die Erde und der Mond. Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R., Die Nilländer. Eleg. geb. Valentiner, Kometen und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg. geb. Wassmuth, Prof. A., Die Elektricität und ihre Anwendung. Mit 119 Abbildungen. Eleg. geb. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernährung der Pflanzen. Mit 74 Abbildungen. Eleg. geb. Berlin SW. 48. Riemann & Möller. Niemand ist unzufrieden, der den Holland. Tabak von B. Becker in Seesen o. Harz je versucht hat. 10 Pfd. fro. Nachnahme Jl. 8,—. Garantie: Zurücknahme. [33J In J. U. Kern's Verlag (Max Müller) in Breslau ist soeben erschienen : Die Minerale Schlesiens. Von (60) H. Traube Privatdozent an der Universität Kiel. -8- Mit 30 Zinkographieen. -Jf gr. 8°. geheftet, Preis 9 JC Neue Preisliste über Coleopteren ist erschienen u. wird an kaufende Sammler gratis u. franko eingesandt. K. V. Steigerwald, Entomologe [80] in Chotebof (Bohemia). Über 500 Illustrationstafeln und Kar tenbeilagen. = Unentbehrlich für jeden Gebildeten. =' MEYERS Konversations-Lexikon VIERTE AUFLAGE. Das 1. Heft und den 1. Band liefert jede Buchhandlung zur Ansicht. 256 Hefte ä 50 Pfennig. - 16 Halbfranzbände ä 10 Mark. Zu beziehen durch Riemann & Möller in Berlin SW. Friedrichstrasse 226. Mi $ '+ M * ■* Mi Mi Mi M Mi :* Mi '* M M M M * Mi Mi M M M Mi !* M Präparator Berlin N. 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Potonie: Praktische Winke über das Pflanzensammeln. — Kleinere Mitteilungen: Die Kegelrobbe, Halichoerus grypus Nilss., in der Gefangenschaft. — Ueber die Entstehung und den Verlauf der atmosphärisch-optischen Störung. — Astronomischer Kalender. — Fragen und Antworten: Weshalb rechnet man die Flechten jetzt zu den Pilzen? — Litteratur: K. v. Fritscb: Allgemeine Geologie. — Bücherschau. — Berichtigung. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Möller. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. y'*~ 1**: *Ji"B^ den Gebilden dir 1'hnnus.ic, wird *■> ,Xi^* H ' ,,r Cll ' l| ii«'' er««fot durcli .T"ii WVt!. i fc .. I ■« _ganl/» 3fa U ^-»1»T .1. . Wirkli.l, !<,,[, ,], r u,rv fü> ^ Redaktion: f Dr. H. Potonie Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226 IL Band. Sonntag, den 20. Mai 1888. Nr. 8. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Pest- ■« Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 .. Grössere Aufträge anstauen, wie l»-i der Expedition. Der Vierteljaluspreis ist . h 2.—; gJÖ entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkimft. Inseraten- Bringegeld bei der Pos! 15 ■< extra. JL annalnne bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdrnck ist nur mit vollständiger ({uellenaiigabe gestattet. Abnorme Schnabelbildung bei Vögeln. Im Oktober 1884 beobac (Sturnus vulgaris L.) und es fiel mir dabei auf, dass einer darunter von einem andern gefüttei't wurde. Da das Füttern der jungen Staare durch die Alten um diese Zeit längst auf- gehört hat, so vermutete ich gleich, dass der also gefütterte Staar in einem Zustande sich befinden müsse, der ihm eineSelbst- ernährung unmöglich mache. Um mir Gewiss- heit darüber zu verschaffen, schoss ich ihn, leider aber mit so dickem Schrot, dass nur der Kopf unversehrt blieb. Der untere Schnabel weicht um 32° nach rechts ab, wodurch sich meine obige Vermutung bestätig- te. Bei der Untersuchung zu Hause stellte sich her- aus, dass es ein altes Weibchen War. Das Männ- chen hatte also schon seit Jahren nicht nur seinem "Weibchen, sondern auch den iteti Von Oberförster Melsheimer i ich einen Flug Staare Mit Linz .iiii Rhein. welchem Eifer es CU i> Tungen Nahrung zugetragen. Manuellen war. sich dieser Liebesarbeit unterzog ging aus dem überaus wohl- genährten, feisten Zustan- de des Weibchens hervor, wie ich es früher beim Staare nie wahrgenommen habe. Fig. a stellt den Kopf dieses Staarweib- chens in natürlicher Grösse dar. Nachdem ich vorstehen- des in der Herbstversamm- lung des Naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westfalens vom Jahre 1886 unter Vor- zeigung des betreffenden Kopfes mitgeteilt hatte, kam tags darauf, am 4. Oktober, mein Sohn Leo- pold zu mir und sagte, es sitze ein Spatz (Passer domesticus L.) auf einem Baume, der von einem an^ deren gefüttert würde. Ich liess ihn den gefütterten Spatz mittelst einesFlobert- füntchens herabschiessen und fand, dass es ein altes diesmal von seinem Weibchen ge- 5S Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 8. füttert worden ist. Der obere Schnabel ist fast ganz verkümmert, so dass eine Selbsternährung- auch liier ganz ausgeschlossen erscheint, wie Fig. b in natürlicher Grösse veranschaulicht. Später im Dezember erhielt ich von meinem Bruder aus Andernach eine Saatkrähe (Corvus frugilegus L.) zu- geschickt, deren Kopf in natürlicher Grösse in Fig. c abgebildet ist. Hier erscheint der Oberschnabel 1 * 2 cm über den unteren herabgebogen, der untere aber gegen den oberen linksseitig kahnförmig heraufgebogen, so dass zwischen beiden eine rechtsseitig 1 mm, linksseitig 2 mm weite nach vorn und hinten spitz zulaufende Oeffnung sich befindet. Allem Anscheine nach war auch diese Krähe nicht im Stande, sich selbst zu ernähren und er- hielt ihre Nahrung ebenfalls von einer anderen zugetragen. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Schlegel. (Fortsetzung) Gleichwohl braucht man das eben beschriebene Ver- fahren nur von der überflüssigen und störenden Zuthat dessen zu befreien, was die vierte Dimension ersetzen soll, um ein auf dem Boden der reinen Mathematik wurzelndes Anschauungsmittel zu erlangen, welches alles das leistet, was man hier der Natur der Sache nach überhaupt von einem solchen verlangen kann. Es ist bereits hervorgehoben worden, wie eine ebene Zeichnung sehr wolü als Abbildung eines gewöhnlichen Körpers gelten kann, wobei zwar eine Dimension verloren geht, aber durch unser Vorstellungsvermögen wieder hineinge- tragen wird. Das Verfahren, durch welches eine solche Zeichnung zu stände kommt, ist die Projektion, über deren Begriff hier wohl nichts erörtert zu werden braucht. — Nehmen wir nun die schon oben erwähnte Zeichnung des Würfels wieder vor, nur mit dem Unterschiede, dass der Würfel jetzt als durchsichtig gelten soll, wodurch also sämtliche Ecken und Kanten in der Zeichnung zum Vorschein kommen. Gesetzt, es sei jemand, der diese Zeichnung betrachtet, nicht im stände, sie als Abbildung eines Körpers zu erkennen, indem sein räumliches Vor- stellungsvermögen ihn hierbei im Stich liesse.*) Er wird gleichwohl, wenn er wenigstens weiss, was sie vorstellt, aus der Zahl der Ecken, Kanten und Flächen, und der Art ihrer Verteilung aneinander im stände sein, allerlei Angaben über den Körper zu machen, und so von der Figur Nutzen zu ziehen. Werden, wie es in der dar- stellenden Geometrie geschieht, in gesetzmässiger Weise zwei oder drei solcher Projektionszeichnungen hergestellt, so können dieselben sogar überhaupt zur wissenschaft- lichen Erforschung der Eigenschaften des dargestellten Körpers benutzt werden. In ganz entsprechender Weise kann nun auch von einem vierdimensionalen Gebilde, namentlich wenn es von gewöhnlichen, ebenflächigen Körpern begrenzt ist, eine Projektion im dreidimensionalen Räume hergestellt werden. Wie bei der gewöhnlichen ebenen Projektionszeichnung eines Körpers, so werden auch bei der Herstellung der Projektion eines vierdimen- sionalen Gebildes nur die Kanten, und zwar durch Drähte, resp. Fäden zur Darstellung gebracht, so dass die Pro- jektion sich als ein räumliches Liniennetz darstellt. Auf I *) Diea kann auch einem geübteren Beobachter leicht begegnen, wenn die Zeichnung den Körper in einer ungewohnten Stellung zeigt. diese Weise hat z. B. der Verfasser die oben erwähnten regelmässigen Körper des vierdimensionalen Raumes zur Anschauung gebracht. Das einfachste dieser Projektions- modelle besteht aus einem Draht-Tetraeder, in welchem ein innerer Punkt durch Fäden mit den vier Ecken ver- bunden ist. Wie es nun überhaupt möglich ist, von Gebilden, die man sich nicht einmal vorstellen kann, erstens die theoretische Existenz zu beweisen, und zweitens zuverlässige Projektionen derselben herzustellen, diese Frage kann in dem Räume dieses Aufsatzes nicht be- antwortet werden, würde auch zu sehr in das specielle. Gebiet der Mathematik hinübergreifen. Es ist im all- gemeinen von diesen räumlichen Projektionsgebilden nur noch zu sagen, dass genau so, wie bei den oben be- schriebenen Projektionszeichnungen, eine Dimension des dargestellten Gebildes verloren geht, dass aber diese Dimension nicht durch unser räumliches Vorstellungs- vermögen ersetzt werden kann, weil uns eben dieses Vermögen hinsichtlich der vierten Dimension im Stich lässt. Sie leisten also dem Beobachter dieselben Dienste wie jene Zeichnungen, vorausgesetzt, dass die letzteren vom Verstände als richtige Abbildungen begriffen, vom Auge aber nicht als solche erkannt werden. Die im Vorstehenden gelegentlich mitgeteilten Proben vierdimensionaler Gebilde können als Bausteine zu einer Geometrie des vierdimensionalen Raumes angesehen werden. Und nachdem wir in der Projektion dieser Gebilde auf den dreidimensionalen Raum auch ein Hilfsmittel der Anschauung gewonnen haben, wie wir es in analoger Weise auch in der Stereometrie benutzen, wenn wir ebene Zeichnungen der betrachteten Raumgebilde anfertigen, so sehen wir, dass die wissenschaftliche Entwickelung einer solchen vierdimensionalen Geometrie keineswegs ausser dem Bereich der Möglichkeit liegt. Thatsächlich ist auch in den letzten beiden Jahrzehnten auf diesem Gebiete nach allen Richtungen, sowohl in niederer wie in höherer Geometrie, so vieles geleistet worden, dass der Abschluss wenigstens der elementaren Geometrie des vierdimen- sionalen Raumes nicht mehr fern zu hegen scheint. Diese „Zukunftsgeometrie" wird allerdings mangels jeder Anwendbarkeit auf Verhältnisse der Wirklichkeit niemals die Wichtigkeit und Bedeutung der Geometrie der Ebene und des Raumes erlangen, und auch in ihrer Nr. S. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 59 Eigenschaft als formales Bildungsmitte] unseren Schulen fernbleiben, es müsste denn sein, dass in einer künftigen (leneration die Entlastung von unmodernem Lehrstoff eine noch ungeahnte Steigerung des Yorstellungs- und Abstraktionsvermögens zur Folge hätte. Dahingegen ist der rein wissenschaftliche. Nutzen der geometrischen Betrachtungen und Kesultate auf vier- wie auf mehrdimensionalem Gebiete keineswegs gering anzuschlagen. Denn nicht nur wird der Zusammenhang analoger Wahrheiten in den Gebieten der geraden Linie, der Ebene und des gewöhnlichen Raumes besser be- griffen, wenn wir diese Gebiete als Anfangsglieder einer ganzen Reihe von Gebieten kennen lernen; wir vermögen auch aus Resultaten der mehrdimensionalen Geometrie durch Specialisierung und andere Mittel neue Wahrheiten der ge- rn wohnlichen Geometrie abzuleiten, zu denen ein andererWeg nur schwer aufzufinden wäre. 1 >azu kommt, dass jede Furt- entwickelung eines Zweiges der mathematischen Wissen- schaft auch auf andere Zweige befruchtend und fördernd einwirkt, die mit jenem, sei es als Anwendungsgebiete, sei es als Hilfswissenschaften, zusammenhangen. Aus dem, was wir bisher über den vierdimensionalen Raum gesagt haben, ist nun wohl ersichtlich, dass er das Interesse des Mathematikers erregen kann; allein die weite Verbreitung, welche wenigstens die Kenntnis seines Namens im grösseren Publikum erlangt hat, würde sich hieraus noch lange -nicht erklären. Denn naturgemäss sind es nicht die Kesultate der reinen Wissenschaft, sondern erst ihre Anwendungen auf Verhältnisse der Wirklich- keit, welche die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich ziehen. Und es ist vorhin ausdrücklich betont worden, wie sehr gerade die vierdimensionale < reometrie von praktischen Anwendungen entfernt ist. Wie nun trotz- dem der Begriff des vierdimensionalen Raumes mit ge- wissen Problemen, die uns im Welträume begegnen, theoretisch zusammenhängt, diese) 1 Frage wollen wir im Folgenden näher treten. Zunächst giebt es Probleme der ebenen Geometrie, ilie sich nicht in der Ebene allein erledigen lassen, sondern nur unter Zuhilfenahme des dreidimensionalen Raumes. Legen wir z. B. zwei einseitig schwarz gefärbte Papier- blätter so auf einander, dass die schwarzen Seiten oben liegen, schneiden gleichzeitig aus beiden ein ungleich- seitiges Dreieck aus, und legen dann diese beiden Drei- ecke, die schwarzen Seiten wieder nach oben gewendet, auf eine Ebene, so können dieselben durch einfaches Verschieben in der Ebene zu vollständiger Deckung ge- bracht werden. Man nennt sie in diesem Falle kon- gruent. Lagen dagegen die Papierblätter etwa so auf- einander, dass die schwarzen Seiten einander von innen berührten, so können die beiden (in diesem Falle sym- metrisch genannten) Dreiecke, wenn sie ebenso wie oben auf die Ebene gebracht worden sind, nicht mehr durch blosse Verschiebung zur Deckung gelangen. Man muss vielmehr das eine derselben vorbei' so umklappen, dass die weisse Seite oben liegt, und diese Umklappung ist nur dadurch möglich, dass das Dreieck aus der Ebene in den Raum hinaus gebracht, dort umgewendet, und endlich wieder in die Ebene zurückversetzt wird. — Eine ganz analoge Aufgabe bietet der Raum selbst. Ziehen wir nämlich auf den weissen Seiten zweier Papier- blätter der vorigen Art von einem Punkte des Randes aus zwei Linien, welche mit dem Rande auf beiden Blättern gleiche Winkel bilden, falten dann beide Blätter längs dieser Linien so, dass die schwarzen Flächen nach aussen kommen, und befestigen die offenen Ränder jedes Blattes aneinander, so entstehen zwei kongruente drei- seitige Ecken, die so in einander geschoben werden können, dass Scheitelpunkte, Kanten und Flüchen der einen sich mit denen der andern vollständig decken. Faltet man dagegen das eine der beiden Blätter längs derselben Linien so, dass die weisse Fläche nach aussen kommt, so sind die beiden Ecken symmetrisch, d. h. sie lassen sich trotz Gleichheit aller ihrer Winkel nicht mehr in einander schieben. Man schliesst nun durch Analogie wie folgt: Gerade so, wie eins von zwei symmetrischen Dreiecken dadurch zur Deckung mit dem andern gebracht : werden kann, dass man es erst aus der gemeinschaft- lichen Ebene herausnimmt, in den dreidimensionalen Raum bringt, dort umkehrt (d. h. Ober- und L T nterseite ver- | tauscht) und dann wieder in die Ebene zurücktransportiert, geradeso könnten wir, wenn uns ein vierdimensionaler Kaum zur Verfügung stände, und die Möglichkeit, Gegen- stände in denselben hinein zu versetzen, gegeben wäre; die eine von zwei symmetrischen Ecken erst aus unserem Welträume in diesen vierdimensionalen Raum bringen, dort umkehren (d. h. Innen- und Aussenseite vertauschen) und dann in unseren Raum zurückbringen, worauf die Deckung der beiden Ecken durch Ineinanderschieben gelingen würde. Diese Operation würde möglich sein, ohne irgendwie die Gestalt der Ecke zu ändern und nachträglich wieder herzustellen. AVenn freilich dieses letztere Verfahren zugestanden wird, dann kann eine solche Papierecke, selbst ohne den Zusammenhang ihrer Oberfläche zu zerstören, auch im gewöhnlichen Räume umgekehrt werden. Sehr nahe hegt hier der Vergleich der beiden symmetrischen Ecken mit einem Handsehuh- paar, dessen ebenfalls symmetrisch gestaltete Glieder dadurch kongruent gemacht werden können, dass man durch Umkehrung die Innenseite des einen zur Aussen- seite, und so z. B. aus dem linken Handschuh einen zweiten rechten macht. Ein geschickter Taschenspieler könnte, indem er den linken Handschuh verschwinden lässt, und dann statt desselben einen zweiten rechten produziert, uns glauben machen, er habe die Umkehrung auf die vorher beschriebene Weise im vierdimensionalen Räume vollzogen oder vollziehen lassen, wohin unser Blick natürlich nicht reicht. Alles selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass wir entweder den Glauben an die wirkliche Existenz des vierdimensionalen Raumes schon mitbringen, oder durch dieses Experiment uns in diesen Glauben versetzen lassen. Theoretisch wäre unter dieser 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 8. Voraussetzung nichts gegen die vorgebrachte Erklärung einzuwenden. Ein anderes Beispiel. Zeichnen wir einen Kreis auf der Ebene, setzen die Spitze der Feder, die uns einen Punkt bedeuten soll, in das Innere des Kreises, und lassen, indem wir die Spitze der Feder auf dem Papier vorwärts rücken lassen, diesen Punkt sich bewegen. Wollen wir den Punkt aus dem Innern des Kreises herausbringen, ohne dass er die Ebene verlassen soll, so rauss er nothwendig irgendwo die Kreislinie passieren, d. h. die Spitze der Feder muss die Kreislinie kreuzen. Heben wir aber die Feder vorher auf und setzen ihre Spitze ausserhalb der Kreisfläche auf dem Papier nieder, so ist unser Punkt von innen nach aussen gekommen, ohne die Kreislinie zu passieren, er hat dieselbe offenbar dadurch umgangen, dass er sich aus der Ebene in den Raum hinausbewegte, um nach erfolgter Umgehung in die Ebene zurückzukehren. Dabei ist zu beachten, dass der Uebergaug in den Raum an jeder beliebigen Stelle der Kreisfläche erfolgen kann, und dass der Punkt für ein Auge, welches ihn nur in der Ebene sucht, so lange verschwindet, als er ausserhalb derselben im Räume ver- weilt. — Denken wir uns jetzt eine vollständig geschlossene hohle Glaskugel, und innerhalb derselben einen beweg- lichen Punkt; derselbe mag durch ein Schrotkorn dar- gestellt sein. Offenbar kann dieser Punkt aus dem von der Kugelfläche eingeschlossenen Räume nur dadurch nach aussen kommen, dass die Kugelfläche irgendwo durchbrochen wird. Hätten wir aber einen vierdimen- sionalen Raum, so würden wir dieselbe Wirkung ohne Verletzung der Kugelfläche erzielen können, wenn wil- den Punkt da, wo wir ihn gerade vorfänden, in den vierdimensionalen Raum versetzten, ihn hier die Kugel- fläche umgehen Hessen, und ihn endlich ausserhalb der- selben irgendwo in den gewöhnlichen Raum zurückver- setzten. Ohne Schwierigkeit ist hieraus das Recept zu entnehmen, nach welchem der Taschenspieler, der uns dieses Wunder vorführen will, zu verfahren hat, indem er nämlich zwei äusserlich ganz gleiche Kugeln, von denen die eine das Schrotkorn enthält, mit einander verwechselt. Eine dritte, sehr bekannt gewordene und viel- umstrittene Aufgabe möge als letztes Beispiel dienen. Man kann in einem mit zwei offenen Enden versehenen Stück Band eine einfache Sclüinge oder einen Knoten anbringen, und ebenso diese Gebilde wieder auflösen. Sind dagegen die beiden Enden an einander befestigt, so dass das Band die Gestalt einer geschlossenen oder in sich zurückkehrenden Linie hat, so ist weder das eine noch das andere möglich. Auch diese, im dreidimen- sionalen Räume unlösbaren Aufgaben könnten, natürlich ohne die Geschlossenheit des Bandes aufzuheben, oder sonst irgendwie den Kern der Aufgabe zu umgehen, im vierdimensionalen Räume gelöst werden, und das in den Weltraum zurückversetzte Band würde im ersten Falle mit der Schlinge versehen, im zweiten von derselben befreit, wieder in die Erscheinung treten. Der Beweis für die theoretische Richtigkeit dieser Behauptung ist auf streng mathematischem Wege erbracht worden, und jeder Mathematiker kann sich ohne Schwierigkeit durch Verfolgung der gar nicht weitläufigen, allerdings hier nicht mitteilbaren Rechnung davon überzeugen. Auch sonst hält es eben nicht schwer, mancherlei im gewöhn- lichen Räume unlösbare Raumprobleme anzugeben, die unter Zuhilfenahme des vierdimensionalen Raumes ihre Erledigung linden würden. Aber ebenso leicht ist auch einzusehen, dass alle diese Lösungen nur in der geometrischen Phantasie be- stehen können. Dort freilich sind sie gleichwertig mit zahllosen anderen Konstruktionen und Lösungen von Aufgaben, die man eben auch nur in Gedanken ausführt, wie (um nur einige ganz einfache Beispiele anzuführen) das Legen einer Ebene durch drei Punkte des Raumes, die Konstruktion einer Kugelfläche mit gegebenem Radius aus einem Punkte des Raumes. Ja selbst unsere Zeich- nungen von Linien und Figuren auf einer Ebene ent- sprechen ja keineswegs genau den reinen geometrischen Konstruktionen unserer Phantasie, sondern sind nur mehr oder weniger grobe Veranschaulichungsmittel für das Auge. Und der einzige Unterschied zwischen den eben genannten Arten von Konstruktionen und denjenigen, welche den vierdimensionalen Raum zu Hilfe nehmen, besteht darin, dass wir uns die letzteren eben nicht vorzustellen und daher auch nicht, ihrer richtigen Beschaffenheit ent- sprechend, zu veranschaulichen im Stande sind. — Indem wir nun insbesondere die mathematischen Gesetze, welche wir an den von uns ausgedachten und durch Zeichnungen oder Modelle veranschaulichten Körperformen entdecken, in der uns umgebenden Körperwelt verwirklicht und bestätigt linden, so geben auch umgekehrt die noch un- erklärten Erscheinungen dieser Körperwelt uns Anlass, verborgenen mathematischen Gesetzen nachzuspüren, und ebenso veranlassen uns Aufgaben, welche wirklich vor- handene Körper aller Art betreuen, die Lösungen dieser Aufgaben an den entsprechenden mathematischen, d. h. gedachten Körpern auf mathematischem Wege zu suchen. Soll nun eine so gefundene Lösung in die Wirklichkeit umgesetzt, d. h. an wirklich vorhandenen Körpern aus- geführt werden, so ist es eine unerlässliche Voraus- setzung, dass dazu nur das uns allein zugängliche Gebiet des Weltraums in Anspruch genommen wird. Reicht dieses Gebiet zur Lösung einer solchen praktischen Auf- gabe nicht aus, muss vielmehr der vierdimensionale Raum dazu herangezogen werden, so ist die Aufgabe eine für uns absolut unlösbare. — Werden dennoch vor unseren Augen solche im Weltraum unlösbare Aufgaben, wie die oben beschriebenen, gelöst, so handelt es sich eben um eine Täuschung unserer Gesichtswahrnehmung, d. h. um ein mehr oder weniger interessantes Taschenspieler- kunststück. (Schluss folgt.) Nr Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 61 Paraffin-Einbettungs-Methode für pflanzliche Objekte. Von Dr. Dougla In der letzten Zeit sind Versuche gemacht worden die von den Zoologen mit so grossem Erfolge gebrauchte Methode der Paraffin-Einbettung solcher zarteren Organe, die zur anatomischen Untersuchung durchschnitten werden müssen, auch für das Durchschneiden zarter pflanzlicher Gewebe zu verwenden. Bei embryologischen Untersuchungen, die ich an- gestellt habe, erwies sich mir die genannte Methode als äusserst brauchbar, jedoch habe ich weder die von S. Schönland (Bot. Centralblatt 1887 Nr. 22), noch die von J. W. Moll (Bot. Gazette. Jan. 1888) angegebenen Verfahren allein benutzen können, sondern habe beide verbunden und modifiziert. Wenn die Zellmembran nicht cuticularisiert ist. kann man Alkohol-Material benutzen, ist sie aber cuticula- risiert — wie bei der Macrospore von Pilularia — , so ziehe ich dem Alkohol eine einprozentige Chromsäure- Lösung oder das auch von Moll empfohlene Flemming- sche Gemisch von Chromsäure, Osmiumsäure und Essig vor; mit Alkohol gehärtete Sporen machen das Durch- dringen des Paraffins durch das Exosporium fast un- möglich. Zur Einbettung empfelüe ich ein Paraffin mit dem Schmelzpunkt von etwa 50° C, weil das leichter schmelz- bare zu wenig fest ist. um gute Schnitte zu bekommen. H. Campbell. Im Gegensatz zu Schönland habe ich nie gefunden, dass eine Temperatur von 50—55" C. im mindesten schädlich auf die Pflanzenobjekte wirkte. Das Verfahren der Einbettung, das ich anwende, ist das folgende: Ich nehme zur Herstellung eines Papierkästchens für die Einbettung, einen Papierstreifen, wickele diesen um einen Flaschenkorken und klebe das freie Ende mit Gummi fest; bis das Gummi trocken geworden ist, be- festige ich das freie Ende mit einer Stecknadel. Zur Fertigstellung des Kästchens entfernt man den Kork und legt ein kreisförmiges, festes Stück Papier als Boden in den Papiercylinder hinein. Der einzubettende Gegen- stand wird dann auf den Boden gebracht und das Käst- chen mit geschmolzenem Paraffin gefüllt. Darauf stellt man das Ganze in ein mit Paraffin gefülltes Schälchen, welches 8—10 Stunden lang in einem Wärmschränkchen in einer Temperatur von 50 — 55" C. verbleiben muss, um ein vollständiges Eindringen des Paraffins in das zu untersuchende Objekt zu erreichen. Um Luftblasen zu vermeiden, muss die Abkühlung möglichst plötzlich er- folgen. Sobald daher die Oberfläche des Kästcheninhaltes mit einer dünnen Paraffinhaut bekleidet ist, tauche man dasselbe in kaltes Wasser. Kleinere Mitteilungen. lieber Massenvertilgung von Vögeln. — Als das nun- mehr erschienene und demnächst in Kraft tretende Reichs-Vogel- schutzgesetz Gegenstand der Verhandlungen des Reichstages war, bildete den am meisten besprochenen und von allen möglichen Seiten erörterten Punkt derjenige Paragraph, welcher vom Fang der Krammets- vögel handelte. Von den Gegnern des Krammetsvogelfanges wurde besonders hervorgehoben, dass durch die ausserordentlich grosse Zahl der gefangenen Drosseln diese nützlichen Vögel stark vermindert werden müssten. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, dass es barbarisch und unästhetisch sei, einen Singvogel massenweise in Schlingen zu fangen und zu verspeisen. Es müsste ferner besonders dies dem Zustandekommen eines internationalen Vogelschutzgesetzes hinderlich sein; denn wenn z. B. von den Italienern verlangt würde, sie sollten keine Singvögel und Wachteln in der bisher üblichen Weise fangen, so dürften in Deutschland auch keine Drosseln auf dem Dohnenstrich gefangen werden. In vielen Zeitschriften und Tagesblättern kam man bei dieser Gelegenheit wieder auf das un- erquickliche Thema des Vogelfanges in den Mittelmeerländern. All- bekannt, genugsam beklagt und (umsonst) bekämpft ist die Art und Weise, in der speciell in Italien den Zugvögeln nachgestellt wird. Ob eigentlicher Jagdvogel oder Singvogel, das ist dem Italiener gleich- gütig. Was Federn trägt, sei es Drossel, Schwalbe, Nachtigall, das wird erlegt, in Netzen gefangen, erschlagen und wandert in die Küche. Unzählbar sind die Scharen der auf diese Weise getüteten Vögel und mit Recht schreibt man es diesem Verfahren zum grossen Teil zu, wenn von Jahr zu Jahr die Zahl vieler Vogelarten bei uns abnimmt. Wenn wir aber anderen Nationen vorwerfen, dass sie in über- triebenem Masse zur Verminderung der Vögel beitragen, so müssen wir auch im eigenen Lande Umschau halten, ob sich nicht ähnliches auch in Deutschland findet. Zwar sind Finkenherde und eine ganze Reihe anderer Einrichtungen zum Fange kleinerer und nützlicher Vögel wohl für immer verschwunden; vom Dohnenstrich ist mit Sicherheit und zahlenmässig nachgewiesen, dass er eine Verminderung der Drosseln nicht herbeigeführt hat. Aber wir haben noch an unseren Küsten besonders in Ostfriesland, ferner auf den Inseln an den Küsten Schleswig-Holsteins in den Entenkojen Vorrichtungen, in denen ein wichtiger Vogel der Niederjagd, die Stockente, nebst vielen ihrer Verwandten (Pfeif-, Krick-, Eis-, Samt-, Trauerenten etc.) in geradezu erstaunlichen Mengen gefangen wird. E. Pfannen- s c h m i d führt in einem kleinen Aufsatz im „Weidmann" (1888, Nr. 27) Zahlen an; für die in einem Jahr durch die Entenkojen und durch unter Wasser an den Küsten errichtete Netze gefangenen Enten. (Es werden nämlich vielfach die Tauchenten durch unter der Ober- fläche des Wassers befindliche Netze gefangen, in welche sie beim Tauchen geraten, um darin zu ersticken). „Nach einer glaubwürdigen Notiz sind auf Führ im vergangenen Jahre gegen 32000 Stück er- beutet worden. AufFehmarn und an verschiedenen Orten der Küste, wo „unter Wasser" gefangen wird, dürfte die Kopfzahl mindestens 50,000 betragen; wir hier an der ostfriesischen Küste nehmen unser bescheidenes Teil, d. h. weidmännisch, wenn es hoch kommt alles in allem mit ungefähr 10,000 Stück weg. Streiche ich auf Sylt und Führ selbst diverse Tausende und schätze ich den Fang auf den beiden Inseln zusammen jährlich auf 50,000, Fehmarn mit der Küste auf 50,000, in Ostfriesland auf 10,000, so beläuft sich die Gesamt- ausbeute an der deutschen Nord- und Östseeküste auf 110,000 Stück Enten .... Muss es da nicht Wunder nehmen, wenn es überhaupt noch Enten giebt?" .... In der That ist es klar, dass die Entenkojen zur Verminderung der Enten ausserordentlich viel beitragen, und es erscheint gerecht- fertigt, wenn die Frage angeregt wird, ob nicht etwa dieser Massen- fang etwas eingeschränkt werden könne oder müsse, etwa durch Ver- kürzung der Fangzeit oder vielleicht durch ein Verbot des Unter- Wasser-Fangens. Nicht nur, dass diese Methode durchaus unweid- männisch ist, sondern das Wildpret wird sehr oft durch das lange Liegen im Wasser für die Küche total unbrauchbar. Freilich ist der Entenfang ein altes friesisches Recht, welches die zähen Küsten- bewohner nicht werden aufgeben wollen. Es könnte aber schliess- lich dahin kommen, dass die Kojen von selbst ausser Betrieb gesetzt werden, weil es an genügender Beute fehlt. Dr. Ernst Schaff. 62 Naturwissenschaftliche "Wochenschrift. Nr. 8. „Kloake" beim Hausschwein. — G. Lutze teilt in dem „Zoologischen Garten" (März 1888) die Beobachtung-, einer Miss- bildung am Verdauungskanale eines Hausschweines mit. Das Tier, vielleicht ein halbes Jahr alt, 150 Pfd. schwer und zum Schlachten bestimmt, hatte keine besondere Afteröffnung, sondern der Mastdarm mündete etwa einen Zoll von der Vulva in die Scheide ein, so dass in dieser Vereinigung ein Analogon zur Kloake der Monotrematen erblickt werden kann. Eine neue Erklärung des Polarlichtes. — Auf Seite 30 Bd. II der „Naturw. Wochenschrift" habe ich kurz über die inter- essanten Versuche von Arrhenius über das Leitungsvermögen beleuchteter Luft berichtet und am Schlüsse angedeutet, dass diese Untersuchungen mit denen von Hertz und Wiedemann neue Aufschlüsse über die Elektricität der Luft erwarten Hessen. Dieses hat sich nun überraschend schnell schon während des Drucks jener Nummer bestätigt, denn in Nr. 16 des „Naturforscher" benutzt Dr. P. Andries die erwähnten Thatsaehen zur Erklärung des Polarlichtes. Neuere Untersuchungen haben mit Sicherheit dar- gethan. dass unsere Atmosphäre stets Eisnadelschichten enthält und diese verwertet nun Dr. Andries für seine Auffassung. Es lässt sich nämlich experimentell nachweisen, dass die Sonnenstrahlen im Eise Elektricität hervorrufen, und daher kann man wohl schliessen, dass durch die Bestrahlung der Eisnadelschichten durch die Sonne elektrische Ströme in denselben erregt werden. Die Luftschicht auf derjenigen Seite, welche von der Sonne beleuchtet wird (Tag- seite), befindet sich, da Beleuchtung und Leitungsvermögen eines Gases ja in Zusammenhang stehen, im Zustande grösster Leitungs- fähigkeit. Zur selben Zeit findet aber in den Eisnadelschichten die Elektricitätsentwicklung statt und zwar am stärksten da, wo die Sonne im Zenith steht. Von dieser Stelle der stärksten Beleuchtung und Elektricitätsentwicklung wird daher die Elektricität nach allen Richtungen strömen, so dass an der Beleuchtungsgrenze die Dichtig- keit derselben wächst. Denkt man sich nun die Erde als aus zwei zum Erdmittelpunkt konzentrischen Kugelschalen bestehend, von denen die eine mit freier positiver Elektricität geladen ist, und sich an der Grenze der Atmosphäre befindet, während die andere, mit negativer Elektricität geladene, sich in der Erdrinde befindet, so kann man sich von den elektrischen Vorgängen der Erde und Luft eine Vorstellung machen. Unter dieser Annahme erklärt Di'. An- dries das Nordlicht als den „Ausgleichungsprozess zwischen der Erdoberfläche und jener elektrischen Kugelschicht der Atmosphäre". Hat die Elektricität in der Luft eine gewisse Spannung erreicht, so wird dieser Ausgleich vor sich gehen, wobei die untere At- mosphäre durch ihren Widerstand hemmend wirkt. Die Folge ist, dass in höheren Schichten Strahlen auftreten, die Nordlichtstrahlen, welche also nur die Ströme darstellen, die den Ausgleich bewirken. Bei dieser sehr interessanten Erklärung des Nordlichtes ist das Auftreten lokaler Polarlichter ohne weiteres erklärlich, es wird dies dann geschehen, wenn der Leitungswiderstand der Luft aus irgend welchen Gründen an einem Orte verringert ist, hier wird alsdann jener Ausgleich stattfinden, d. h. ein Nordlicht zum Vorschein kommen. Nimmt man diese Erklärung an, so sieht man sofort ein. dass einerseits die Erdströme sehr stark vom Nordlicht beeinflusst weiden müssen, und dass anderseits das letztere von den Veränderungen der Beleuchtungsgrenze und der Beleuchtungsintensität alihängt. Die Grenze ändert sich sowohl täglich als auch jährlich, es wird also der Nordlichtgürtel, d. h. das Gebiet, in welchem Nordlichter auftreten, eine tägliche und jährliche Veränderung oder Verschiebung erleiden. Von der Beleuchtungsintensität hängt ferner die mehr oder minder grosse Stärke und Häufigkeit des Polarlichtes ab, und zwar weiss man, dass hierin eine elfjährige Periode herrscht. Da aber die Intensität der Sonnenstrahlen ohne Zweifel mit der grösseren oder geringeren Zahl der Sonnenflecken in Zusammenhang steht und in dem Auftreten der letzteren eine elfjährige Periode kon- statiert ist, so wird jedem der hier herrschende ursächliche Zu- sammenhang einleuchten. Wir müssen es uns versagen, diese interessante und einfache Erklärung jener geheimnisvollen und rätselhaften Lichterscheinung weiter zu verfolgen, wie dies Dr. Andries in seinem Aufsatze thut. Der Schleier des Geheimnisvollen ist von dem Phänomen des Polarlichtes gezogen worden, welches dazu bestimmt sein sollte, dem Bewohner der Polargegenden während der langen Nacht des Winters das rosige Licht zu ersetzen, — ist aber der „Zauber der Wirklichkeit" dadurch verringert worden? A. Gutzmer. lieber die Regenverhältnisse der westlichen Staaten der nordamerikanischen Union sind von dem General Greely Untersuchungen angestellt worden, welche vor allen Dingen beweisen, dass es in Nordamerika keine regenlosen Gebiete giebt, wie so oft behauptet worden ist. Je mehr Stationen in Thätigkeit traten, desto mehr zogen sich die Trockengebiete auf den Karten zusammen und das Gebiet des mit weniger als 125 mm geschätzten jährlichen Niederschlages ist fast ganz verschwunden. Dass überhaupt die Existenz umfangreicher Trockengebiete so lange als sicher angenommen wurde, hat zum Teil seinen Grund darin, dass man von der irrigen Ansicht ausging, zur Kulturtähig- keit der beregten Landstreckeu gehöre eine jährliche Niederschlags- menge von mindestens 500 mm Höhe. Jedoch ist die Regenhöhe allein nicht massgebend, wie die Erntestatistik von Dakota beweist, woselbst die durchschnittliche Regeiihöhe 1885 und 1887 nur 349 resp. 384 mm betrug. Der Schluss von der Kulturtähigkeit des Landes auf das notwendige Minimum des Niederschlages ist daher unzulässig, da sehr viel von der Jahreszeit abhängt, in welcher die Hauptmasse des Niederschlages fällt, sowie von der grösseren oder geringeren Verdunstungsfähigkeit des Bodens. Die in früheren Jahren gemeldeten niedrigen Regenmengen erklären sich zum Teil durch den Umstand, das? eine grosse Zahl der Stationen an der Zentral-Paeific-Eisenbalin gelegen war. welche gerade den allertrockensten Teil des Landes durchschneidet, sodass der Durchschnitt für das Land infolgedessen viel zu gering ausfallen musste. Dr. Ernst Wagner. Astronomisches. — 1. Astronomische Neuigkeiten. — Neuer Planet. — Der unermüdliche Planetenentdecker, Palisa hat die Anzahl der kleinen Planeten wieder um ein Exemplar vermehrt, es ist dies bereits der 276. seiner Gattung. Aufgefunden wurde er am 17. April im Sternbilde der Jungfrau. Seiner Helligkeit nach ist er der elften Grössenklasse zuzuzählen. — Komet Sawerthal. — Der neue Komet gewährt einen ausser- ordentlich schönen Anblick im Fernrohr. Engelhardt berichtet aus Dresden unterm 15. und 19. April, der Komet ist sehr hell. Der Schweif, welcher am 15. eine Länge von 40 Bogenminuteu hatte, ist am 19. bereits bis auf 75 Bogenminuteu angewachsen. Anfäng- lich schmal, erweitert er sich allmählich und ist an dem Ende etwa dreimal breiter als am Kopfe. Vom Kopfe bis zur Mitte des Schweifes ist in demselben ein heller, linienförmiger Streifen sicht- bar, welcher genau in der Schweifachse liegt. Der Kern war am 15. von gelblich-weisser Farbe und doppelt. Der Hauptkern ist scheibenförmig, sein Begleiter ist kleiner, sternartig und geht dem Hauptkerne südlich voran. Die Kerne liegen in einer kleinen, ge- meinschaftlichen, ovalen, hellen Hülle, welche von einer zarten Nebel- hülle umgeben ist. Am 19. war die Hülle gelblich und so hell, wie die Kerne selbst, dass die Teilkerne in unscharfer Trennung erschie- nen. Die Entfernung der beiden Kerne betrug 6,3 Bogensekunden. II. Astronomischer Kalender. — Am 18. Mai Sonnenauf- gang 4 Uhr 1 Minute, Sonnenuntergang 7 Uhr 52 Minuten; Mond- aufgang nachts 1 Uhr 4 Minuten , Untergang mittags 10 Uhr 23 Minuten. Am 25. Mai Sonnenaufgang 3 Uhr 52 Minuten. Unter- gang 8 Uhr 2 Minuten; Mondaufgang abends 7 Uhr 53 Minuten. Untergang nachts 4 Uhr 9 Minuten. Am 18. Mai 11 Uhr 58.7 Minuten erstes Viertel, am 25. Mai 2 Uhr 33,7 Minuten Vollmond. Um die bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzelt zu erhalten, muss man von letzterer abziehen am 18. Mai 3 Minuten 47.2 Sekunden, am 25. Mai 3 Minuten 15,5 Sekunden. Dr. F. Plato. Denaturierter Spiritus. — Die unter dem Publikum noch immer bestehende Abneigung gegen den Gebrauch von denaturiertem Spiritus im Haushalte, sowie zu gewerblichen Zwecken, rührt, wie die Chemiker-Zeitung vom 18. April d. J. ausführt, zum grossen Teil daher, dass anfangs die zur Ungeniessbarmachung dienenden Zusatzstoffe in einem anderen Mischungsverhältnis und in zu grosse) Menge angewandt wurden und dass der so denaturierte, ziemlich stark riechende Spiritus gegenwärtig noch nicht völlig im Kleinhandel abgesetzt worden ist. Das zuerst angewandte Verfahren bestand darin, dass man zwei Raumteile Holzgeist mit einem Raumteil Pyridin mischte und von diesem Gemisch 3/ auf 100 / lOOprozeutigen Alko- hol anwandte. Das Pyridin (U 5 H 5 N). eine farblose, stark basische, hei 117° Q. siedende Flüssigkeit, ist nebst anderen Pyridin-Basen namentlich in dem durch trockene Destillation entfetteter Knochen gewonnenen animalischen Teer enthalten. Es ergab sich nun schon nach den ersten Monaten, dass die zugesetzte Menge des Pyridins zu hoch gegriffen war. Infolgedessen hat man durch Bundesratsbeschluss vom 15. Dezember v. ,T. ab das Den aturierungs verfahren derartig abgeändert, dass man 4 Teile Holz- geist mit einem Teil Pyridin mischt und den Zusatz auf 2 1 /2 / für 100 l lOOprozentigen Alkohol ermässigt. Auf diese Weise untrink- bar gemacht, dürfte er den billigen Anforderungen des Publikums entsprechen, da er durch den Zusatz die Verwendbarkeit zu allen sonstigen Zwecken behält, während der gegen früher weit schwächere Holzgeist- und Pyridin-Geruch bei einiger Lüftung ziemlich rasch verfliegt. W. Fragen und Antworten. Gesammelte Exemplare von Necrophorus germanicus fand ich mit einer Menge von Milben besetzt. In welchem Nr. 8. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 63 Verhältnis stehen diese zu dem Käfer? An Schmarotzer ist doch wohl kaum zu denken. Die auf der Körperoberfläche von Necrophorus germanicus und anderen Arten derselben • Jattung befindlichen Milben gehören zu Garaasus coleoptratorum L. (Gamasidae, Klasse Araehnoidea). Es sind keine eigentlichen Schmarotzer, da sie auf dem Körper der Käfer sitzen, ohne sieh festzusaugen. Sie leben vielmehr in faulen- den Substanzen (Aas. Kotauswurf) und benutzen die an gleichen Orten lebenden Käfer, z. B. die oben genannten, nur als Vehikel. Auch Mistkäfer (Geotrypes) sind gewohnlich mit diesen Milben he- haftet. Kullie. Litteratur. A. Schubert: Pflanzenkunde für höhere .Mädchen- schulen und Lehrerinnen-Seminare. Teil [. (Erster und zweiter Kursus). Mit 104 Holzschnitten. — Verlag von Paul Parev in Berlin. 1888. Preis geb. 2 JC. Weitgehender Arbeitsteilung verdankt unsere Zeit die raschen Fortschritte auf vielen Gebieten der Kultur. Aus unzähligen Quellen fliegst der Strom unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Die Pädagogik kann und darf sieh nicht der allerdings schwierigen Auf- gabe entziehen, die leitenden Ideen ihrer Zeit für die Erziehung und Bildung der Jugend soweit fruchtbar zu machen, als aus ihnen ein gesicherter Bildungsinhalt von bleibendem Werte sich gewinnen lässt. An der Vermittlung dieses Bildungsinhaltes nimmt heutzutage das weibliche Geschlecht einen stets wachsenden Anteil. Dass aber die derzeitige Mädchenerziehung dafür überall genügende Grundlagen geschaffen hätte, wird kaum jemand zu behaupten wagen. Am schwächsten ist es erfahrungsmässig mit der Befähigung bestellt, auch nur die Elemente naturkundlichen Erkennens richtig und zweck- mässig der Erziehung dienstbar zu machen. Die Schuld trägt häufig eine Art der Unterweisung, welche die Natur nicht beim Geiste zu versteht. Wie wenig insbesondere der botanische Schulunter- richt den modernen Standpunkt der Wissenschaft berücksichtigt, lehrt zur Genüge ein Blick auf die noch vielfach in Mädchenschulen demselben zur Grundlage dienenden sogenannten Leitfäden, welche meist den Eindruck hervorbringen, als hätte die botanische Forschung seit Linne's Zeiten einen hundertjährigen Schlaf geschlafen und nie- mals Männer wie Darwin, Müller, Nägeli. Sachs. Ei eh ler. &chwendener u. a. in ihren Reihen gehabt. Diesem Mangel ab- zuhelfen, den unerschöpflichen Bildungsgehalt der Pflanzenwelt dem Teile der Menschheit besser zu erschliessen. dem mehr und mein die Aufgabe zufallen rauss, den heranwachsenden Geschlechtern schon vor der Schulzeit durch die erste Anleitung nnd Beleh- rung die Grundlagen einer vernünftigen Weltanschauung vorzu- bereiten : das ist der Zweck des im Titel genannten Buches. Es sucht denselben zu erreichen durch Unterstützung bei einer ein- gehenden und gründlichen Betrachtung pflanzlicher [ndividuen. durch mannigfaltige Anregung zur Naturbeobachtung, durch Stete Bezugnahme auf den Zusammenhang zwischen Form und Funktion der Organe, durch Hinweis auf die Wechselwirkungen in der organischen Welt, durch Anbahnung des Verständnisses der die Veränderungen in der organischen Gestaltung bedingenden lokalen und klimatischen Verhältnisse u. s. w. Die Form, in welcher der angedeutete Inhalt dargeboten wird, berücksichtigt in geschickter Weise die Mädchennatur und trägt dem jugendlichen Verständnisse Rechnung, ohne sich soweit zu verflachen, dass sie aufhörte, be- ständige Denkarbeit herauszufordern. Schubert hat mit Begeisterung für seine Sache die Arbeit aufgenommen und bei den gediegenen Kenntnissen, die ihm zur Verfügung stehen, trefflieh ausgeführt. Für die Schule, welche die Zukunft des Menschengeschlechtes in Händen hat. ist „das Beste gerade gut genug". Sehubert's Pflanzenkunde ist das dem Rezen- senten bekannte beste Buch seiner Art: möchte es den Schund (ich linde kein besseres Wort), den man den Kindern vielfach zu bieten wagt, verdrängen helfen! Breuer, A., Konstruktive Geometrie der Kegelschnitte auf Grund der Fokaleigenschaften, gr. 8°. (V, 110 S.) Preis 1 JC 60 4. J. Bacmeister in Eisenach. Cecchi, A.. Fünf Jahre in Ostafrika. Reise durch die südlichen Grenzländer Abessiniens von Zeila bis Kaffa. gr. 8°. (XI, 541 S. m. lllustr.) Preis 15 JC.\ geb. 17 JC. Julius Bohne in Berlin. Damm, L. A., Xeura Handbuch der Medici7i für Aerzte und gebildete Nichtärzte. 1. Bd. 6. Lfg. gr. 8°. (S. 145—176.) Preis 80 4. Staegmayr'sche Verlagsh.- (Ant. Carl Staegmeyr) in München. Darwin, Ch., Gesammelte Werke. Aus dem Engl, übersetzt von J. V. Carus. 112. u. 113. (Schluss-)Lfg. gr. 8°. (16 Bd. S. 257 bis 402.) Preis ä 1 JC 20 4. E. Schweizerbart'sehe Verlagshdlg. (E. Koch) in Stuttgart. Dreehsel, E., Leitfaden in das Studium der chemischen Reaktionen und zur qualitativen Analyse. 2. Aufl. gr. 8°. (VIII, 126 S.) Preis geb. 3 JC. Jobann Ambrosius Barth in Leipzig. Engler, A. , u. K. Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien nebst ihren Gattungen und wichtigeren Arten, insbesondere den Nutzpflanzen. 18. Lfg. gr. 8°. (3 Bog. m. lllustr.) Subskr.-Pr. 1 JC ÖO ,j; Einzelpr. 3 JC. Wilhelm Engelmann iu Leipzig. Ettingshausen, C. Frhr. v., u. F. Krasan, Beiträge zur Er- forschung der atavistischen Formen an lebenden Pflanzen und ihrer Beziehungen zu den Arten ihrer Gattung. (Sep.-Abdr.) gr. 4°. (12 S. m. 4 Tat'.") In Komm. Preis 2 JC 20 4. G. Freytag in Leipzig. Everett, J. D., Physikalische Einheiten und Konstante». Den deutschen Verhältnissen angepasst durch P. Chappuis u. D. Kreich- gauer. gr. 8°. (V. 126 S.) Preis 3 JC. J. A. Barth in Leipzig. Erk, F., Der Föhn. Eine meteorolog. Skizze. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (19 S m. i Karten.) Preis 1 Jl. Literarisch-artistische Anstalt (Theodor Riedel) in München. Griebsch, P., Beiträge zur Kenntnis der physikalischen Isomerie einiger Hydroxylaminderivate. 8°. (44 S.) Preis 1 JC. Gräfe und l'nzer in Königsberg in Pr. HaeckeL E., System der Siphonophoren. auf phyloge.net. Grund- lage entworfeil. (Sep.-AbdrO gr. 8°. (46 S.) Preis 1 JC 20 4. Gustav Fischer in Jena. Hansen, A., u G. Könne, Die Pflanzenwelt. 9 Lfg. gr. 8°. (2 Bog.) Preis 40 .(. Otto Weisen iu Stuttgart. Hauck, G., Lehrbuch dir Stereometrie. Auf Grund v. F. KommereU's Lehrbuch neu bearb 0. Aufl. gr. 8°. (XVI. 226 S. m. lllustr.) Preis 2 .. H 40 .(. H Laupp'sohe Buchh. in Tübingen. Hertwig, O., Lehrbuch der Entwickelungsgeschichte d. Menschen u. der Wirbeltiere. 2 Aufl. gr. 8°. (XU, 519 S. m. lllustr.) Preis 11 JC. Gustav Fischer in Jena. Hann, J., Resultate ie Einbanddecke alleni 70 4. Dieses Jahrbuch führt in gemeinverständlicher, anregender Sprache die wichtigsten Errungenschaften vor, die das verflossene Jahr auf dem Gesamtgebiet der Naturwissenschaften gebracht hat. Die beiden früheren Jahrgänge haben eine überaus günstige Auf- nahme befunden. Um so mehr ist dies von dem vorliegenden, in mehr- facher Beziehung vervollkommneten neuen Jahrgang zu erwarten. • Erdbeschreibung oder Hausbuch des geogr. 2 starke Bände. Lex. 8°. 2424 Seiten mit In 2 eleg. Ganzleinenbänden. Statt M.30,— Balbi-Arends, Allgemein Wissens. (5 Aufl. vielen lllustr. 187s. nur M. 10,—. Bernstein, A., Naturkraft und Geisteswalten. 1876. broch. Statt M. 5,— nur DI. 3,—. DierckS, G., Entwicklungsgeschichte des Geistes der Menschheit. 2 Bde. 1882 Statt M. 10— nur M. 5,-. Haeckel, E., Gesammelte populäre Vorträge aus dem Gebiete der Ent- wicklungslehre. 2 Bde. mit 82 Abbild. Lex. 8°. 1879. broch. Statt M. 8— nur M. 5,—. Harms, F., Die Philosophie in ihrer Geschichte. 2 Bde. 1879/80. Statt M. 13,50 nur M. 7,-. — , Geschichte der Psychologie. 2. Aufl. 1879. Statt M. 7.50 nur HI. 5,-. — , Geschichte der Logik. 1881. Statt M. 6— UM M. 4,—. Homeyer, E. F. V., Die Wanderungen der Vögel. 1881. broch. Statt M. 8.- nur I. 4,—. — , Ornithologische Briefe, gr. 8°. 1881. broch. Statt M 6 — nur DI. 2,—. Vorstehende Bücher sind zu den beigesetzten — bedeutend ermässigten — Preisen von uns franko zu beziehen. Berlin SW. 48, Riemann & Möller. Friedrichstrasse 226. Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer. is: Über 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. = Unentbehrlich für jeden Gebildeten. =S» MEYERS Konversations-Lexikon VIERTE AUFLAGE. Das 7. Heft und den 1. Band liefert jede Buchhandlung | 5. %v zur Ansicht. 256 Hefte ä 50 Pfennig. - 16 Halbfranzbände ä 10 Mark. ^ Zu beziehen durch Riemann & Möller in Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 226. Bp5| ■s e -3' i V> ■ S? o" ~- 1 3 ~- Ja C % S O , o g 5j» ■ ifS-c g i. I O i_. , 3-3? ST < 1 S-S'I 1 p ^o; >-ti(Q- CD © x — B * 2.® 5' 3 % ~t $ f © 3 2 =■ ******************** Notarielle Bestätigung des tausendfachen Lobes ütier den Holland. Tabak v. B. Becker in Seesena.HarzlOPfd.fko.8Mk., haben die versch. Zeitungsexpedi- tionen eingesehen. [34] Käferbuch w ti.—W. Tausend. Dr. Wilh. Medicus, Illustriertes mit 183 fein kol. Abbildungen. jheleg. geod. Gegen Mk. 1,80 liefern franko. Illustriertes Schmetterlingsbuch. 6. — 10. Tausend. Mir *7 fein kol. Abbild., hocheleg. gebd. liegen Mk. 1,80 liefern franko. Unsere essbaren Schwämme. 36. 'Pausend. Mit 23 feinkol. Abbildungen, hocheleg. gebd, G-egen Mk. 1,20 liefern franko. Riemann & Möller Buchhandlung für Naturwissenschaft Berlin SW. 48, Friedrichstr. 22G. 38 -■4 ^* ^8 Ein Seitenstück zu Brelnns Tierleben. Soeben erscheint in 28 Lieferungen zu je 1 Mark: Pflanzenleben von Prof. Dr. A. Kerner v. Marilauit. Das Hauptwerk des berühmten Pflanzenbiologen! 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Campbell: Paraftin-Eiubettungs-Methode für pflanzliche Objekte. — Kleinere Mitteilungen: Ueber Massenvertilgung von Vögeln. — „Kloake" beim Hausschwein. — Eine neue Erklärung des Polarlich- tes. — Ueber die Regenverhältnisse der westlichen Staaten der nordaraerikanischen Union. — Astronomisches. — Denaturierter Spiritus. — Fragen und Antworten: Gesammelte Exemplare von Necrophorus germanictis fand ich mit einer Menge von Milben besetzt. In welchem Verhältnis stehen diese zu dem Käfer? An Schmarotzer ist doch wohl kaum zu denken. — Litteratur: A. Schubert: Pflanzenkunde für höhere Mädchenschulen und Lehrerinnen-Seminare, Tl. I. — Bücherschau. — Briefkasten. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Möller. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Redaktion: r Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. iL Band. Sonntag, den 27. Mai 1888. Nr. 9. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreia ist Jt 2.— ; Bringegeld bei der Post 15 ., extra. t Inserate: Die viergesnaltene Petitzeile 30 ~j. Grössere Auftrag» entsprechenden Rabatt Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur luit vollständiger Quellenangabe gestattet. Zechstein auf dem Kamm des Thüringer Waldes und seine Bedeutung für die Frage nach dem Alter des Gebirges. Von Dr. Krnst Das eigentliche Thüringer Waldgebirge .scheidet sich, wie jedem seiner zahlreichen Besucher sofort bei der An- näherung an dasselbe oder bei einem Ausblick vom Kamm aus auf das Vorland auffällt, von letzterem sehr scharf ab, sowohl durch die Höhe und Bodengestaltung, wie auch durch die Vegetation: Das Gebirge ist ein mächti- ger Körper aus hohen, dichtbewaldeten Kegeln und Kuppen, die zum Teil noch hoch über den etwa 2300' hohen Kamm emporragen und durch tiefe Thalschluchten getrennt sind; das Vorland ist ein feldbedecktes, flaches Tafelland von etwa 1400 bis weniger als 1100' Meeres- höhe, und von flachen Thalrinnen durchfurcht. Die Ur- sache dieses scharfen Unterschiedes beruht auf dem eben- so schroffen Gegensatz, den der geologische Bau beider Landesteile zeigt: Das Vorland ist lauter „sedimentäres Gebräu", wie es V. v. Scheffel in seinem bekannten „Lied vom Granit" nennt, gebildet aus weithin horizon- talen oder schwachgeneigten Schichtentafeln der Trias (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper), im Gebiige aber sehen wir Eruptivgesteine, jenen Granit und die, wie es im selben Liede, aber freilich wenig naturwahr heisst, von ihm „zu Hilfe gerufenen wackeren Porphyre" mäch- tige Bergmassen zusammensetzen, und daneben noch deren Epigonen, d. h. die aus ihrer mechanischen und chemi- schen Zertrümmerung und Verarbeitung hervorgegangenen Tuffe, Konglomerate und Sandsteine in hervorragender, manchmal fast ausschliesslicher Weise am Gebirgsbau sich beteiligen ; es haben diese Bildungen Rotliegendalter, sonst waren im eigentlichen Thüringer Walde bisher nur noch / immerm an n. ältere, keine jüngeren Gesteine bekannt. — Der geologischen Bildungszeit nach ist nun zwischen Rotliegend- und Bunt- sandstein das Bindeglied der Zechstein, und dieser Rolle entsprechend findet sich dieser denn auch als fast un- unterbrochenes, wenn auch oft recht schmales Band am ganzen Fuss des Gebirges, d. h. also an der Grenze gegen das Vorland. Auch um den Harz herum bildet der Zechstein ein ebensolches Band. Er ist eine der ältestbekannten Konnationen, ja von ihm ist ein gutes Teil der ersten geologischen Wissenschaft ausgegangen, da in seiner untersten Schicht, dem Kupferschiefer, ein reicher Kupfer- und Silbergehalt sich findet, seit alters der „Segen des Mansfelder Bergbaues", von welch' letz- terem viele Bergleute und Geologen sich ihre Ausbildung geholt haben. Dieser Zechstein nun besitzt, wenn man nur wenig- stens l / 2 bis 1 km vom Fuss des Gebirges entfernt ihn durch Bergbau aufgeschlossen vor sich sieht, ebenso wie die Trias eine ziemlich horizontale oder nur schwach vom Gebirge weg geneigte Lagerung, und so schloss man, dass das letztere vor seiner Bildung entstanden war und nun als Festland aus dem Meere herausragte, dessen er- härtete Kalk- und Mergelschlammabsätze eben nun als Zech- stein bezeichnet werden. Bei dieser Annahme ist aber schwer zu erklären, woher dann die steile bis senkrechte Schichtenaufrichtung des Zechsteines, ebenso aber auch der Trias an der unmittelbaren Grenze gegen das Rot- liegende komme; ebenso ist schwer zu erklären, warum nicht Gerolle, welche die Flüsse aus jenem Festland doch 66 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 9. bringen mussten, nicht im Zechstein, Buntsandstein u. s. w. zu finden sind; endlich hätten doch, wenn das jetzige Thüringer Waldgebirge Festland von der Zechsteinzeit an war, die Witterungseinflüsse (Frost und Hitze, Luft, Regen und Flüsse) im Laufe der seitdem verflossenen Millionen von Jahren Zeit genug gehabt, das Gebirge zu zerstören, wo doch die Flüsse jetzt noch alljährlich ungeheuere Mengen von Schutt daraus fortführen. Man sah sich deshalb zur Aufstellung einer anderen Theorie, über das Alter des Gebirges genötigt. Man sagte : das- selbe habe zur Zeit des Zechsteines und der ganzen Trias noch nicht als solches existiert, sei vielmehr damals unter Meer getaucht gewesen und von dessen Schlamm- und Sandabsätzen überdeckt worden, sodass man sich das in Fig. 1 dargestellte schematische Bild des Schichtenbaues machen könne, wie es etwa am Ende der Triaszeit in dem Gebiete, wo heute der Thüringer Wald sich erhebe, bestanden habe. Man nahm dann weiter an, dass später (man hat Grund zu der Vermutung, dass es zur Zeit der r£«.I. pby --,-.- Norddeutschen Braunkohlenbildung geschehen sei) entlang von zwei gewaltigen, am ganzen jetzigen Gebirge beider- seits hinlaufenden Spalten AA und BB in Fig. 2 das jetzige Vorland um wenigstens 2000 bis 2500' in die Tiefe gesunken und so das Gebiige erst als Hervorragung entstanden sei. Ursprünglich war es dann natürlich noch von der ganzen Schichtenreihe des Zechsteines und der Trias bedeckt, aber diese Decke ist im Laufe der oben erwähnten Jahrmillionen abgespült worden; ebenso hat die Abspülung auch im Vorland gewirkt, wenngleich natürlich nicht so mächtig, und so mussten in der Zeich- nung durchpunktierte Linien die ehemals vorhandenen Lager, die jetzt nicht mehr vorhanden sind, ergänzt werden. Bei Gelegenheit des Niedersinkens wurden die Rand- partien der Senkungsfelder geschleift und so ihre Schichten in steile Stellung gebracht. Man muss dieser Theorie, welche den Thüringer Wald als einen zwischen gesunkenen Tafeln stehen ge- bliebenen „Horst" ansieht, grosse Einfachheit und Ueber- einstimmung mit allen beobachteten Thatsachen, also grosse Wahrscheinlichkeit zusprechen ; aber sie blieb doch einigermassen immer noch Theorie gegenüber der anderen, dass der Thüringer Wald schon zur Zechsteinzeit aus dem Meere emporgeragt habe, bis nicht zusammenhängende Lager oder wenigstens einzelne Reste der vorauszusetzen- den ehemaligen Sedimentärdecke auf der Höhe des Ge- birges gefunden waren. Diese erst konnten Beweis für die Richtigkeit der Horsttheorie hefern. Und solche Reste finden sich in der That. Bekannthch ist eine sehr charakte- ristische Tierform, welche zur Zechsteinzeit gelebt hat, ein muschelartig, zweiklappiges Tier mit langen Stacheln, welches den Namen Productus horridus führt. Die von mir bewirkte geologische Aufnahme des beliebten herr- lich gelegenen Luftkurortes Oberhof unweit des grossen Brandleitetunnels lehrte auf einem 1840' hohen Berg- gipfel bei dem Chausseehaus Wegscheid nördlich von Oberhof, und in einigen Thälchen, die von da nach ver- schiedenen Richtungen ausgehen, überaus zahlreiche und bis über centnerschwere Gesteinsblöcke kennen, von denen einzelne ziemlich häufig jenen Productus samt seinen Stacheln enthielten. Diese Blöcke lagen also ungefähr 450' über dem Fuss des Gebirges, und nur etwa 250' unter dessen Kamm ; und ihre Beweiskraft war eigentlich schon gross genug; aber es fanden sich später im Schnabel- bach südöstlich von Oberhof noch ebensolche Blöcke in nur 1 hm Entfernung vom Kamm, mussten also gerade- zu auf diesem selbst ursprünglich gelegen haben, wenn man in Betracht zieht, dass sie nicht mehr fest anstehen und somit schon ein Stück am Bergabhang von den Wässern hinabgeführt worden sind. An letzterem Orte fanden sich freilich keine Productus im Gestein vor, und zudem zeigt dieses — und das ist der zweite Grund, warum der Zechstein auf dem Kamm des Thüringer Waldes ein ganz besonders hohes Interesse verdient ■ — eine solch himmelweit abweichende Ausbildung, dass wohl selbst kein Geolog, wenn er nicht die Gesteinsübergänge in die ebenfalls sehr stark, aber doch noch nicht ganz so stark abweichende Muttennasse der oben erwähnten Productus sehen könnte, an die Zechsteinnatur jener Blöcke glauben würde. Es ist näm- lich im Schnabelbach ein sehr grobkrystallinischer, dunkel- brauner, dem Eisenkiesel ähnlicher Quarzit, der äusserst hart und zäh ist, am Stahl Funken giebt und nicht die Spui- von Kohlensäure enthält, während alle sonst be- kannten Zechsteingesteine ziemlich weich, kalkig, dolo- mitisch oder mergelig sind, und mit Salzsäure befeuchtet. stets lebhaft aufbrausen und Kohlensäure entwickeln. Auch das produktusfüluende Gestein au der Wegscheid ist ein solcher Quarzit, aber nicht so grobkrystallinisch. Unter dem Mikroskop zeigt das Gestein beider Fund- orte eine überraschende, überaus charakteristische Struktur, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann ; aber diese ist so eigentümlich, dass der Beweis für das Zech- steinalter der Schuabelbacher Blöcke trotz des Productus- mangels unumstösslich ist. — Es ist nicht anzunehmen, dass der Quarzit ursprünglich als solcher entstanden, sondern durch kieselhaltige Quellen aus Kalkstein um- gewandelt ist. — Näheres über die interessanten Blöcke findet man in den Erläuterungen zur geologischen Special- karte von Preussen und den Thüringischen Staaten, Blatt Crawinkel. Nr. 9. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 67 Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V (Schi Durch die letzten Betrachtungen haben wir uns der Cirenze genähert, wo die Kompetenz der exacten Wissen- schaft in Sachen des vierdimensionalen Raumes aufhört, und das freie unbegrenzte Feld beginnt, auf welchem sich willkürlich und ohne zwingenden Grund erdachte Hypothesen tummeln, abergläubische Vorstellungen, welche den Inhalt dieser Hypothesen als Wahrheit betrachten, und endlich gewissenlose Spekulationen, welche sich be- mühen, wider besseres Wissen jene abergläubischen Vor- stellungen zu verbreiten. *■ Ist nämlich der Mann, welcher vor unseren Augen das Schrotkorn aus der geschlossenen Kugel heraus- eskamotiert, ehrlich, so zeigt er uns entweder, wie er die Täuschung durch natürliche Handgriffe in unserem Räume zu stände gebracht hat, oder er lässt uns wenig- stens die Ueberzeugung, dass er unsere Wahrnehmung auf eine wenn auch von uns nicht begriffene Weise ge- täuscht hat. — Will er sein Kunststück würzen, so kann er dazu einen Vortrag halten, etwa wie folgt: „Verehrtes Publikum, Ihr gesunder Menschenverstand sagt Ihnen, dass weder ich noch ein anderer Sterblicher im Stande ist, das Schrotkorn, welches Sie in dieser Glaskugel liegen sehen, oder, wenn ich schüttle, klappern hören, aus der Kugel heraus zu bringen ohne irgendwo die Kugel zu öffnen. Ich würde es können, wenn ich im Stande wäre, die Kugel mitsamt ihrem Inhalt für einen Augenblick in den vierdimensionalen Raum zu versetzen." (Folgen die oben mitgeteilten Gründe.) „Dieser vierdimensionale Raum existiert nun allerdings, und wird, geradeso wie unser Weltraum, von denkenden und fühlenden Wesen bewohnt, welche einen vierdimensionalen Körper besitzen. geradeso wie Sie selbst einen dreidimensionalen. Diese W^sen sind keine anderen als die Geister unserer Ab- geschiedenen, welche dort in einer höheren Existenz weiter leben. Für einen solchen Geist ist es ebenso leicht, unsichtbar für uns, an jeder beliebigen Stelle in unseren Raum einzugreifen, und dort Dinge zu voll- bringen, die uns, weil sie die Gesetze der natürlichen Weltordnung verletzen, als Wunder erscheinen, wie es für uns selbst ist, in jedem beliebigen Punkte der Papier- fläche die Federspitze aufzusetzen, daselbst Zeichnungen auszuführen, und die Spitze der Feder wieder von der Papierfläche verschwinden zu lassen. Wäre die Papier- fläche von zweidimensionalen Wesen bevölkert, so würde diese Zeichnung für sie ein ganz gleiches Wunder sein." (Folgt als Vorbereitung auf das zu erwartende Kunst- stück die Schilderung des oben beschriebenen zweidimen- sionalen Wunders, wie ein Punkt aus dem Innern eines Kreises herauskommt, ohne die Kreislinie zu passieren.) „Ja noch mehr, ebenso, wie Sie selbst auf einer Ebene einen zweidimensionalen Schatten werfen, so vermögen auch die vierdimensionalen Leiber jener Geister sich in unseren dreidimensionalen Raum zu projizieren, und ■Schlegel, uss) so als dreidimensionale Gebilde Ihnen sichtbar zu werden. Es giebt nun besonders veranlagte Menschen, zu denen auch meine Wenigkeit gehört, welche im stände sind, die Geister zu solchen Eingriffen in unseren Raum zu veranlassen. Ich werde demnach die Ehre haben, diese Kugel einem von mir eigens zu diesem Zwecke citierten Geiste zur Verfügung zu stellen, der Geist wird sie, uns selbst unsichtbar, ebenfalls zum Verschwinden bringen, indem er sie in den vierdimensionalen Raum versetzt, dort wird er sie von dem Schrotkorn befreien, und dann wird beides, die Kugel und das herausgenom- mene Schrotkorn, plötzlich wieder vor Raren Augen er- scheinen." — Ist nun nach dieser Vorbereitung das Kunst- stück geglückt, und hat der Künstler seinen Vortrag mit dem Humor und dem Tone der leisen Selbstironie ge- halten, welcher dem Zuschauer die Ueberzeugung giebt, dass der Künstler zwar im Ernste seine Augen, aber nur im Scherz seinen Verstand habe täuschen wollen, so werden die Zuschauer die oratorische Zugabe als eine passende geistige Würze des Kunststückes betrachten. — Sollte aber einer unter ihnen sein, der dem Redner alles aufs Wort geglaubt hat, und dem nun eine vorher un- geahnte Perspective in eine vierdimensionale Geisterwelt und einen möglichen Verkehr mit derselben aufgegangen ist, so ist dieser Mann ein Spiritist geworden, und zwar ein ehrlicher, der wirklich glaubt, was er gesellen und geholt, und was er selbst vielleicht andere glauben machen will. — Wenn endlich der oben erwähnte Künstler den Anspruch erhebt, dass alles, was er zur Erklärung seines Kunststückes sagt, von den Zuschauern für wahr gehalten werden soll, und wenn er diese seine vermeint- lichen Ueberzeugungen auch im Ernste anderen bei- zubringen sucht, so ist er ebenfalls ein Spiritist, aber einer von der schlimmen Sorte derjenigen, welche unter dem Deckmantel der Wissenschaft das in dieser Wissen- schaft nicht genügend bewanderte oder sonst leicht- gläubige Publikum zu täuschen versuchen. Wir können jetzt die Popularität des vierdimensionalen Raumes begreifen. Denn wir sehen ja diesen Begriff durch den Spiritismus in Zusammenhang gebracht mit derjenigen Frage, die von jeher den denkenden Geist wie keine an- dere beschäftigt hat und beschäftigen wird, so lange es Menschen giebt: mit der Frage nach unserer Fortexistenz nach dem Tode. Fassen wir lediglich die eine Behaup- tung des Spiritismus, dass die Seelen im vierdimensionalen Räume weiterexistieren, als eine der zahlreichen Hypo- thesen auf, welche zur Beantwortung dieser Frage auf- gestellt worden sind, so ist die Annahme dieser Hypo- these, wie so vieles Andere, wofür kein direkter Beweis erbracht werden kann, eben Sache des Glaubens. Wenn aber wirklich jemand im Ernste die Verbreitung dieses Glaubens sich wollte angelegen sein lassen, dann würde er besser thun, ein ehrliches ignorabimus auszusprechen» 68 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 9. als wie der Spiritist es macht, ein aller Wissenschaft und Erfahrung hohnsprechendes Beweisverfahren einzu- schlagen, welches nicht nur alle Augenblicke als Täuschung entlarvt wird, sondern selbst dem Gläubigen die Aussicht auf eine Zukunft verleiden müsste, in der er keinen Augenblick sicher wäre, von seinen ehemaligen Mit- menschen citiert und zur Verübung von allerlei Unfug und Albernheiten missbraucht zu werden. Ueberlassen wir also den vierdimensionalen Raum den Mathematikern, die schon seit einer ganzen Reihe von Jahren sich in demselben häuslich eingerichtet und eine wahrhaft fruchtbringende und für die Fortentwicke- lung der Wissenschaft nützliche Thätigkeit darin ent- faltet haben. Unterscheiden wir aber vor allen Dingen zwischen diesem rein abstrakten Gebilde geometrischer Ueberlegung, welches uns nirgends in Widersprüche mit anerkannten Gesetzen verwickelt, und dem Raum der Spiritisten, welcher ohne weiteres als wirklich existierend angenommen und mit unserem Weltraum in einen Zu- sammenhang gesetzt wird, der zwar zum Teil theoretisch richtig begründet ist, dagegen in seinem Anspruch auf wirkliche Existenz mit den durch jahrtausendelange Er- fahrung bestätigten Gesetzen unserer Weltordnung in Widerspruch gerät und daher zu verwerfen ist. Mit. dieser Gegenüberstellung dürfte der Begriff des vier- dimensionalen Raumes hinreichend geklärt sein. Ueber die niedrigste Temperatur der folgenden Nacht und die Mitteltemperatur des künftigen Tages. Von Pran Es ist eine bekannte Erscheinung, dass durch eine einzige kalte Nacht zuweilen die gesamte Ernte der Weinberge einer Gegend vernichtet werden kann. Auch der Gärtner hat jene launige Eigentümlichkeit der Witte- rung zu fürchten, durch welche besonders im Frühling und im Herbst nach einem milden Tage die Temperatur der Nacht plötzlich unter den Gefrierpunkt sinkt. Es dürfte daher von Interesse sein, mit einer vor kurzem von dem Genfer Astronomen A. Kammermann gegebenen Me- thode bekannt zu werden, welche es ermöglicht, die tiefste Temperatur der folgenden Nacht schon am Nachmittage vorausbestimmen zu können. — „Eine für die Land- wirtschaft höchst bedeutungsvolle Frage", schreibt der- selbe, „ist im Frühling unzweifelhaft die Vorausbestim- mung der tiefsten Nachttemperatur, und gerade diese können die meteorologischen Centralstationen für einen bestimmten Ort unmöglich beantworten. Es ist ja längst bekannt, dass zwei nur wenige Meilen oder noch weniger von einander entfernte Orte zwei sehr verschie- dene Nachtminima aufweisen können und meist auch aufweisen. Diese Bestimmung ist also nur durch örtliche Beobachtungen möglich, und zwar, wie ich zeigen werde, mit ziemlich grosser Annähe- rung, schon um 1 Uhr Nachmittags." Es erschien anfangs, als ob der Beobachter, welcher sich der Kammermann'schen Methode bedienen wollte, gezwungen sei, eine bestimmte Konstante für seinen Ort zu ermitteln. Durch spätere Untersuchungen von Troska ist aber festgestellt worden, dass die Zahlen für Genf allgemeine Giftigkeit haben. Wir gehen nun zur Schilderung des höchst einfachen Verfahrens über: Man bedient sich zur Vorausbestimmung der tiefsten Temperatur des „feuchten Thermometers", welches folgende Einrichtung hat. Ein gutes Celsius-Thermometer mit möglichst grosser Gradeinteilung wird an seiner Kugel mit einer Hülle von Musselin oder Leinwand in einfacher Lage umwickelt und aus einem darunter aufgestellten, z Bendt. mit Wasser angefüllten Gefässe andauernd feucht ge- halten. Dies auf dem Wege kapillarer Leitung zu ver- mitteln, dient ein entsprechend langes Bündel von etwa zehn Baumwollenfäden, welche oberhalb der Thermometer- kugel zusammengeschlungen, im übrigen Verlaufe zu- sammengeflochten werden und in das mit Wasser gefüllte Gefäss hineinhangen. Die Musselinhülle, sowie die Baum- wollenfäden müssen vor dem Gebrauche in warmem, weichen Wasser ausgewaschen und fernerhin sehr sauber gehalten werden; gut ist ein monatlicher Wechsel. Das feuchte Thermometer ist sodann an einem Orte auf- zustellen, wo es vor den Sonnenstrahlen und auch vor der Ausstrahlung des Hauses geschützt ist, am besten innerhalb eines weiss angestrichenen Kastens, dessen Inneres mit der Luft möglichst frei zirkuliert, wie solcher zu diesem Zwecke von den Mechanikern verfertigt wird. Man wird bemerken, dass ein feuchtes Thermometer um einige Grade tiefer steht, als ein trockenes und zwar um so mehr je trockener die Luft ist. Die wichtige Thatsache nun, welche Kammermann fand und auf welche sich die Prognose gründet, ist, dass die tiefste Temperatur der nächsten Nacht um 4°C. niedriger ist, als die Temperatur, welche das feuchte Ther- mometer am Nachmittage des vorhergehenden Tages zeigt. Um die Prognose für die kommende Nacht zu stellen, hat man daher von der Temperatur, welche das feuchte Thermometer am Nachmittage zeigt 4° zu subtrahieren; ergiebt die Differenz eine Temperatur unter Null, dann ist Nachtfrost zu erwarten. » * * Durch eine ähnliche Methode, wie die soeben ge- schilderte ist es Dr. Troska, dem oben bereits ge- nannten Gelehrten, auch gelungen, die „mittlere Tem- peratur" des nächsten Tages vorausbestimmen zu können. Er zeigte nämlich, dass die niedrigste Tempe- ratur der Nacht im allgemeinen in bestimmter gesetz- Nr. 9. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 69 massiger Beziehung zu der Temperatur um 8 Uhr morgens des darauf folgenden Tages steht. Die Temperatur um 8 Uhr morgens ist aber erfahrungsgemäss gleich der mittleren Temperatur desselben Tages. — Zur Bestimmung des nächtlichen Minimums bediente sich Troska der Taupunktmethode. Unter Taupunkt versteht man bekanntlich den Temperaturgrad, bei welchem sich die atmosphärische Feuchtigkeit kon- densiert; in jedem Elementarlehrbuch der Physik findet man Methoden zu seiner Bestimmung. Wir wollen uns merken, dass beim oben beschriebenen feuchten Ther- mometer die Temperatur des Taupunktes in der warmen Jahreszeit 4 ° C, in der kalten Jahreszeit 3 ° C. unter dem Stande desselben liegt. Es zeigt sich also, dass die niedrigste Temperatur der Nacht gleich der Temperatur des Taupunktes ist. — Gehen wir nun zur Schilderung der Vorhersagung selbst über. Es ist eine bekannte Regel, dass auf eine kalte Nacht ein kühler Tag- und auf eine warme Nacht ein noch wärmerer Tag folgt. Kann man aber, wie soeben gezeigt, schon am Nachmittage oder am Abende das Minimum der Nacht bestimmen, dann muss es auch möglich sein, die wahrscheinliche Temperatur für 8 Uhr am Morgen des nächsten Tages zu ermitteln. Das nächt- liche Minimum tritt regelmässig etwas vor Sonnenaufgang ein und von da an bemerkt man ein Ansteigen der Temperatur. Dr. Troska fand hierfür folgende Regel: Die Temperatur um 8 Uhr morgens (= der mitt- leren Tagestemperatur) übersteigt die des nächt- lichen Minimum um soviel Grade, wie Stunden seit dem Aufgange der Sonne verflossen sind. An einem Beispiele mag jetzt gezeigt weiden, wie eine Prognose mit Hilfe dieser Regel zu stellen ist: Man bestimme die Temperatur des nächtlichen Minimum (Tau- punktes) am Nachmittage; sie sei gleich 9 u C. — Die Sonne gehe um 6 Uhr auf. Dann ist die Mitteltempe- ratur des folgenden Tages = 9 + (8—6) = 11° C. Kleinere Mitteilungen. TJeber die geographische Verbreitung des Moschus- ochsen (Ovibus moschatus) in Europa während der Quartärzeit macht C. Struckmann gelegentlich eines Fundes von Resten dieser Art bei Hameln .Mitteilung (Zeitschr. d. deutsch, geolog. Gesellseh. 1888 S. 601- 604). Hier wurde in einer 10 m unter der Oberfläche befindlichen Kiesschicht ein Schädelfragment entdeckt, welches Gottsche als zum Moschusoch-en gehörig erkannte. Die- selbe Schicht enthielt Reste des Mammuts (Elephas primigenius). des wollhaarigen Nashorns (Rhinoceros tichorhinus), des Edelhirsches (Cervus elaphus), des Wisent (Bison priscus). des Auerochsen (Bos primigenius) und des Pferdes (Eqiius caballus). Diese Fauna gehorte der älteren Diluvialzeit an. Fossile Reste des Moschusochsen sind in Deutschland nur selten, aber weit auseinanderliegend gefunden. Man kennt Knochen desselben vom Kreuzberge bei Berlin, aus Schlesien, von Merseburg, Dömitz, Jena. Unkelstein am Rhein. Langen- lirunn im oberen Donauthale, Moselweiss bei Coblenz, Vallendar am Rhein und jetzt auch von Hameln an der Weser. Nach Dawkins ist die Art auch über einen grossen Teil von Frankreich und Eng- j land und über Sibirien verbreitet gewesen. Höchst wahrscheinlich ist es, dass der Moschusochs noch zur Zeit des Menschen in Mittel- europa vorhanden war. Man schliesst das aus Funden in der Hohle von Thayingen und aus den von Boyd- Dawkins nach englischen ; Höhleni'unden zusammengestellten Tiiarsachen, sowie aus den von I Schaaffhausen an einem Schädel von Moselweiss beobachteten künstlichen Einschnitten. Gegenwärtig lebt der Moschusochs nur noc-h in den hochnordischen Ländern und Inseln Nordamerikas. Die Vergesellschaftung von jetzt nur in der Nähe des Nordpols lebenden Tieren mit dicht behaarten Verwandten (Mammut, Rhinozeros) von solchen, die gegenwärtig nur der heissen Zone angehören, weist auf ein sehr rauhes Klima in unseren Breiten hin, was durch die gleich- zeitige Ausdehnung grosser Gletscher bestätigt wird. H. J. Kolbe. Steppenhühner in Deutschland. — Ein für Ornith^ logen höchst bemerkenswertes Ereignis vollzieht sich in den letzten Wochen in Deutschland. Es wandern nämlich, wie schon einmal in grösserer Zahl im Jahre 1863, Steppen- oder Fausthühner (Syrrhaptes paradoxus Pall.) bei uns in Deutschland ein. Diese eigentümlichen Vögel haben ihre Heimat in den Steppengegenden Asiens, östlich vom Kaspischen Meer, in den tartarischen Steppen bis hinauf zum Altai, östlich bis nach China hinein. Hier leben sie im Frühjahr in kleinen, im Herbst aber in grossen Flügen von oft mehreren hundert Stück; sie nähren sich von Sämereien und zarten, grünen l'flanzen teilen. In ihrer äusseren Erscheinung bieten die Steppenhühner manche Eigentümlichkeiten. Der ganze Habitus erinnert teils an Tauben, teils auch an Feldhühner, hinsichtlich der spitzen Flügel an die Brach- schwalben (Glareola). Die erste Schwinge ist wie das mittlere Paar der Schwanzfedern sehr laDg und dabei äusserst fein zugespitzt, weit feiner noch als bei der Rauchschwalbe. Die Beine sind einschliess- lich der Zehen befiedert; eine Hinterzehe ist nicht vorhanden, die drei Vorderzehen sind in eigentümlicher Weise miteinander ver- wachsen, so dass der Fuss von unten gesehen eine einzige Sohle bildet, aus welcher vorn die drei stumpfen Krallen hervorragen. Die Färbung der Vögel passt sich vortrefflich der des Bodens an : sie ist auf der Oberseite sand- oder lehmfarbig mit kleinen, dunklen Flecken, unten isabellfarben, am Bauch dagegen schwarz. Am Kopf finden sich rostbraune Partien, welche beim Weibchen weniger schön und kräftig sind, als beim Männchen. Letzteres ist ausserdem noch durch ein feines, schwarzes Band quer über die Unterbrust kenntlich. Im Fluge sollen die Steppenhühner nach Berichten, welche mir durch Augenzeugen zugingen, viel Aehnlichkeit mit Regenpfeifern haben; auch lassen sie während des Fliegens beständig ein eigentümliches Geschrei hören, welches sich schwer beschreiben lässt. Die asiatischen Gäste sind seit den letzten acht Tagen in Posen, Schlesien, der Mark, Sachsen, Hannover, Westfalen etc. bis nach dem Elsass und Lanenburg beobachtet worden. Bei Liegnitz wurden mehrere Ketten bemerkt, welche sich schliesslich zu einem Fluge von etwa 150 Stück zusammenschlugen. Eine Anzahl der Steppenhühner hat sich durch Anfliegen an Tele- graphendrähte tütlich verletzt. Die Kgl. landwirtschaftliche Hoch- schule in Berlin erhielt durch die Redaktion der „Deutschen Jäger- zeitung" (Neudamm) ein Weibchen, welches in der erwähnten Weise den Tod gefunden hatte. Der Eierstock war ziemlich stark ent- wickelt, sodass anzunehmen ist, das Tier würde in einiger Zeit reife Eier produziert haben. Es wäre von grossem Interesse, wenn die Steppenhühner dies- mal bei uns brüteten und es muss daher mit allen Kräften danach gestrebt werden, dass sie möglichst wenig beunruhigt, besonders nicht beschossen werden. Jeder, welcher Gelegenheit hat, in dieser An- gelegenheit thätig zu sein, sollte auf möglichste Schonung der Steppenhühner dringen. Dr. Ernst Schaff. Ein fruchtbarer Bastard zwischen Wolf und Hund. — Ein Bastard zwischen Wolf und Hund, der in dem Londoner Zoo- logischen Garten erzielt worden war. starb, wie „The Field" vom März d. J. mitteilt, dieser Tage, ohne dass er sechs vollständig aus- gebildete Junge wegen eines Fehlers im Becken hätte zur Welt bringen können. Schon während der Zeit der Trächtigkeit war es dem Beobachter W. Lort aufgefallen, dass das trächtige Tier nur geringen Umfang in den Flanken hatte, dass aber die Rippen stark ausgedehnt waren. Der Vater der ungeborenen Jungen war ein Skya Terrier von der ungefähren Grösse des Bastards. TJeber das Eindringen des Lichtes in das Wasser des Genfer Sees hatte Forel bereits 1873 auf photographischem Wege festgestellt, dass die Grenze absoluter Dunkelheit für das Chlorsilber im Sommer 45 m, im Winter 100 m unter der Oberfläche liegt. Seitdem sind von Asper. Fol it. a. teils ebenfalls im Genfer See, 70 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 9. teils in anderen schweizerischen Seen diese Versuche wiederholt worden, und sie sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass für die ausserordentlich empfindlichen Platten von Monckhoven die Grenze erst in fast doppelter Tiefe liegt. Während der letzten Zeit hat Forel nun alle zwei Monate diese Versuche, welche für die Tiefenfauna ein ganz besonderes Interesse haben, wiederholt. Er hat sich dabei wieder des durch Chlorsilber empfindlich gemachten Papiers bedient, welches sich für diesen Zweck leichter anwenden lässt, als empfindliche Platten. Um eine Reihe von gleichzeitigen Beobachtungen in verschiedenen Tiefen zu erhalten, befestigte Forel an einem Tau, welches mit einem Senkblei versehen war, immer von 10 zu 10 m die photographischen Apparate; dieses Ganze wurde dann während der Nacht in 3,5 km Entfernung vom Ufer bis zu 130 m Tiefe in das Wasser des Genfer Sees versenkt. Die Apparate blieben dort bis zu einem klaren, sonnigen Tage und wurden in der darauffolgenden Nacht wieder emporgeholt. Aus den Zahlen, welche Forel in den „Coraptes Rendus" veröffentlicht, ergiebt sich, dass für das Chlorsilber die Grenze absoluter Dunkelheit im März 100—110»», im Mai 75 m, im Juli 45 m, im September 50 m, im November — Februar 85 m unter der Oberfläche des Wassers liegt. Dass die Durch- lässigkeit des Wassers für Licht im Sommer beträchtlich kleiner ist als im Winter, schreibt Forel wohl mit Recht dem im Sommer in ausserordentlich grosser Menge suspendierten organischen „Staube" zu. Ausserdem ergab sich noch, dass die photographische Wirkung nahe der Grenze absoluter Dunkelheit im Sommer in stärkerem Grade abnimmt als im Winter. A. Gutzmer. Elektrische Erscheinungen an Bergkrystall und Glas- gewichten. — Bei Gelegenheit der Prüfung von Gewichten aus Bergkrystall (Quarz) hat die Normal- Aichungs-Kommission eine eigen- tümliche Wahrnehmung gemacht. Diese Gewichte werden im all- gemeinen in Kästen aufbewahrt, die mit Leder, Sammet oder Seide gefüttert sind. Nimmt man nun die Gewichte aus dem Kasten, so zeigen sich dieselben, wohl infolge der Reibung an der Stofffütterung, elektrisch erregt, und zwar kann ihre Ladung so stark sein, dass selbst Körper mit kleiner Oberfläche und einem Gewichte bis zu 50 mg an jeder Stelle der Gewichtsstücke getragen werden. Da diese Ladung auch das Wagengehäuse und die einzelnen Teile der Wage elektrisch erregt, treten fremde Kräfte in Wirksamkeit, welche die Wägungsresultate unter Umständen erheblich verfälschen. Es empfiehlt sich daher, solche Gewichte, die wegen ihrer Un- veränderlicl.keit mit Recht geschätzt werden, auf einem Glasteller unter einer Glasglocke aufzubewahren, wenn man nicht genüthigt sein will, nach Herausnahme der Gewichte aus dem Kasten mit der Benutzung so lange zu warten, bis die Ladung sich zerstreut hat. Das Letztere kann je nach dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft und der Unterlage, auf welcher das Gewicht steht, bis zu zehn Stunden und länger dauern. Von Vorteil wird auch sein, vor der Benutzung die Oberfläche des Gewichtes mit einem frei in der Hand gehaltenen Staniolblatt zu umfahren. Auf Glasgewiehte erstrecken sich die Wahrnehmungen der Kommission nicht, doch werden sich diese ähnlich verhalten. Aehnliche Beobachtungen sind früher gemacht von Regnault. Dumas, Botissignolt und Stas. Die Stärke der Elektrisierung scheint noch von weiteren Umständen abzuhängen, denn Wild und andere Forscher wollen bei der Anwendung von Quarzgewichten wenig von Störungen durch Elektrisierung empfunden haben, aller- dings ohne dass erhellt, ob dies besonderen Vorsichtsmassregeln zu danken war. Dr. F. Plato. Elektricität und Mathematik. — Die Elektricität, die in unserem Jahrhundert sicherlich eine sehr grosse Rolle spielt, nimmt bekanntlich auch mathematische Kenntnisse von ihren Jüngern in Anspruch. Dafür scheint sie jetzt auch den Mathematikern etwas bieten zu wollen. Nicht zufrieden mit dem Nebengebiet der Elektro- therapie, hat sie nun auch das der reinen Mathematik betreten — sie löst nämlich Gleichungen auf. ■ — In den „Comptes rendus" der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 5. März d. J. wird ein Verfahren von F. Lucas veröffentlicht, durch welche sich alle algebraischen Gleichungen jedes Grades mit reellen, numerischen Coefficienten vermittels der Anwendung von Elektricität auf graphi- schem Wege ohne irgend welche Rechnungen lösen lassen, und zwar dergestalt, dass alle Wurzeln, reelle wie imaginäre, bestimmt werden. Das wesentliche Resultat der Methode lässt sich in die Worte fassen: Die Knotenpunkte der äquivalenten Potentiallinien sind die Wurzel- punkte eines Polynomes vom selben Qleichungsgrad. — Lucas sagt am Schluss seines Aufsatzes: So hoch auch der Grad einer alge- braischen Gleichung sein möge, eine einzige Operation genügt, um alle, reellen oder imaginären, Wurzeln zu erhalten. Dr. C. Ochsenius. Das Beharrungsgesetz. — Auf Seite 184—185 von Bd. I der »Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" finde ich einen Artikel: „das Trägheitsgesetz — ein Grundgesetz der Physik" von Dr. K. F. Jordan, in welchem der Verfasser die Unnahbarkeit der Gründe nachweist, welchej. Hensel in seinem Buche: „Das Leben, l.Teil: Die Fortdauer der Urzeugung", gegen das Gesetz der Beharrung geltend macht. Nach genanntem Artikel kulminieren die Einwände, welche J. Hensel gegen das in Frage stehende Axiom erhebt, in der Betrachtung: „dass Bewegung ein Kraft-Aequivalent sei und daher für ein endliches Mass von Kraft (im besonderen etwa Stosskraft) keine ewig dauernde Bewegung, d. h. kein unendliches Mass von Bewegung geleistet werden könne; wenn dennoch ein Körper in die Welt hinausgestossen werde, so könne er nur so lange fliegen, bis für die angewendete Kraft genug Bewegung geleistet worden sei. — " Im Anschluss an die Widerlegung des Herrn Dr. Jordan erlaube ich mir noch zu bemerken, dass, wenn Hensel die Bewegung für ein Kraft-Aequivalent ausgiebt, dies in der theoretischen Mechanik nur insofern einen Sinn hat, als die Bewegung eines Körpers auf eine bestimmte Zeiteinheit bezogen wird, womit gerade das Gesetz der Beharrung und das der Erhaltung oder Energie in Kraft treten würde, da ein xmal so grosser „Stoss" denselben Körper in derselben Zeitgrösse auch xmal soweit bewegen müsste. — Dieser Voraussetzung gemäss würden wir nicht berechtigt sein, eine Ab- nahme der Geschwindigkeit bewegter Körper, viel weniger noch einen einstigen Stillstand derselben im absolut leeren Raum anzunehmen, indem kein Widerstand, auch nur ein Minimum des treibenden Agens, der aktuellen Kraft vergeht. — Anders verhält es sich, wenn wir nachfolgende Betrachtuug anstellen, die ich, ganz unabhängig von irgend welcher Beeinflussung Hen sei's, wie der Gang meiner Studie erweist, in der „Natur" (Halle a./S.) im vorvorigen Jahre veröffentlicht habe. In dieser Studie: „Erweiterungen im Kalkül der theoretischen Mechanik" betitelt, heisst es: „Bei der Annahme des Axioms, dass ein im absolut leeren Raum sich bewegender Körper seine Geschwindigkeit ungeschwächt beibehält, übersieht man jedoch, dass auch der innere Widerstand, den eine Materie als solche ihrer Fortbewegung entgegensetzt, dazu beitragen muss, ihre Bewegung zu hemmen oder allmählich zu vernichten, selbst wenn diese Hemmung oder diese Vernichtung auch rein phänomeneller Natur sein sollte. Für unsere Zwecke genügt es hier zu zeigen: wie die den Körper bewegende Kraft und sein Widerstand bei der Bewegung eine Resultierende veranlassen, die kleiner und immer kleiner wird, während nach den bisher üb- lichen Ansichten in der Physik keine Bewegungsabnahme zulässig ist." Es folgt alsdann der auf dem Kalkül der theoretischen Mechanik hissende Beweis für die ganz allmähliche Abnahme der Geschwindig- keit eines sieh im völlig leeren Räume bewegenden Körpers, wobei der Widerstand der bewegten Materie, wie es allein geboten ist, als eine unter 180° kontinuierlich wirkende Kraft gegen das den Körper vorwärts zu treiben suchende Agens aufgefasst wird. Ich muss diejenigen Leser dieser Zeitschrift, welche sich für dieses Problem der theoretischen Mechanik interessieren, auf die Lektüre der genannten Studie verweisen und greife hier nur noch den auf das in Frage stehende Problem Bezug nehmenden Schluss- satz dieser Arbeit heraus, welcher das Resume meiner Spekulationen enthält, nachdem ich den theoretischen Nachweis geliefert habe, dass das Trägheitsgesetz, obwohl in Anbetracht sich bewegender Körper nicht mathematisch zutreffend, dennoch für praktische Zwecke als giltig erachtet werden muss: „Die angestellten Betrachtungen lehren also, dass zur Fortbewegung eines Körpers im völlig leeren Räume sowohl der rückwärts wirkenden Widerstandskraft der bewegten Materie ein Gleichgewicht zu halten als auch ein die Masse fortrückendes Agens erforderlich ist. Weil aber, wie gesagt, der Widerstand als eine kontinuier- lich wirkende Kraft an der der Materie mitgeteilten (momentanen) Kraft beständig zehrt, so muss dem bisher angenommenen Beharrungsgesetze zuwider auch im völlig widerstandslosen Räume die Geschwindigkeit eines bewegten Körpers, wenngleich unmerklich, den- noch mit jedem Zeitteilchen abnehmen. — " Dr. Eugen Dreher, weil. Dozent a. d. Universität Halle. Unter dem vielversprechenden, aber eigentlich wenig bezeichnen- den Namen „Polymeter" empfiehlt der bekannte Güttinger Mecha- niker Lambrecht ein Instrument, das der lokalen Wetterprognose besondere Dienste leisten soll. Dasselbe besteht aus einem Hygro- meter, welches in Verbindung mit einem Thermometer die relative Feuchtigkeit, den Dunstdruck und den Taupunkt durch einfache Ablesung der an dem Instrumente angebrachten Skalen zu bestimmen gestattet. Die Einfachheit der Handhabung lässt dieses Instrument für meteorologische Dilettanten ganz nützlich erscheinen, und wer ohnehin von der Unfehlbarkeit der Lokalprognosen überzeugt ist, findet in den der Gebrauchsanweisung beigegebenen Wetterregeln die nötige Stärkung seines Glaubens. < >b jedoch nach denselben die Nr. 9. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 71 Aufstellung einer Prognose bei den vielen „wenn und aber" so über- aus einfach sein dürfte, ist eine andere Sache. Im übrigen würden wir auf das Polymeter nicht näher ein- gehen, da es durchaus nichts neues bietet, wenn nicht die Bemer- kungen des Herrn Lambrecht über die Psychrometrie einige auf- klärende Worte nötig machten. Es macht auf Dilettanten bekannt- lich stets den Eindruck der Schneidigkeit, wenn man den „Meteoro- logen von Fach" eins anhängen kann. Letztere wissen aber sehr genau, dass das bekannte vielverbreitete Psychrometer nach August nur ein Notbehelf ist. da es für das Gros der Beobachter am leich- testen zu handhaben ist; während Instrumente, die die Feuchtigkeit der Luft nach umständlicheren Methoden bestimmen, zu kostspielig sind, und ein grösseres Mass von physikalischer Technik verlangen, als gewöhnlich vorausgesetzt werden darf. Daher ist man sich der Mängel, welche den meisten Psychrnmeterablesungen anhaften, wohl bewusst und eifrig bestrebt, denselben abzuhelfen. Dass das Haar- hygrometer. welches vor mehr als hundert Jahren von Saussure angegeben wurde, mit den modernen Verbesserangen ein sehr nütz- liches Instrument zur Bestimmung der relativen Feuchtigkeit nament- lich in den Fällen ist, wo die atmosphärischen Bedingungen für das Psychrometer ungünstig sind, wird nirgends geleugnet. Es wäre aber erwünscht gewesen, zu erfahren, wie Herr Lambrecht den Punkt für 100 Prozent der relativen Feuchtigkeit bestimmt, denn wenn wir auch mit ihm darin übereinstimmen, dass in freier Luft vollkommene Sättigung mit Wasserdampf äusserst selten vorkommen dürfte, so haben wir auch n ch seinen Darlegungen noch keinen An- halt für eine richtige Bestimmung des Punktes vollkommener Sättigung — oder sollte man das Instrument in Wasser legen, und nach dem erreichten Stand 100 anschreiben? Schliesslich wollen wir noch zu erwägen geben, ob die Be- stimmung des Taupunktes, der für die Voraussage von Nachtfrost massgebend ist. unter Umständen nicht sehr fehlerhaft ausfallen dürfte, wenn man das Thermometer des Instruments ohne allen Schutz igt. Dr. Ernst Wagner. Astronomisches. — 1. Astronomische Neuigkeiten. Neuer Planet. Am 3. Mai nachts 12 Uhr 54 Minuten ist wiederum ein neuer Planet aufgefunden worden in der Nähe des hellsten Sternes im Sternbilde der Jungfrau. Spica. Der Entdecker ist der Observator der Sternwarte in Nizza Charlois. Der neue Planet ist der "277. seiner Art und der 11. Grössenklasse zuzuzählen. In Prag hat Professur Safarik die Veränderlichkeit zweier Sterne festgestellt, die bisher als veränderliche nicht bekannt waren. Der Stern D. im Sternbilde des Wallfisches wechselt seine Hellig- keit, soweit die Beobachtungen dies bis jetzt klarlegen können, von der 8,4. bis zur 9,2. Grösse und zwar wahrscheinlich in länger als 4 Monaten, beim Sterne S. im Schützen waren die beobachteten Helligkeitsextreme 9,4. und 10.2. Grösse. Die Dauer der Periode ist noch fraglich. II. Astronomischer Kalender. Am 27. Mai Sonnenauf- gang 3 Uhr 50 Minuten, Sonnenuntergang 8 Uhr 5 Minuten; Mond- aufgang abends 10 Uhr 20 Minuten, Untergang vormittags 5 Uhr 35 Minuten. Am 2. Juni Sonnenaufgang 3 Uhr 44 Minuten, Unter- gang 8 Uhr 23 Minuten; Mondaufgang nachts 12 Uhr 25 Minuten, Untergang mittags 1 Uhr 26 Minuten. Am 1. Juni mittags 1 Uhr 47 Minuten letztes Viertel. Um die bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von letzterer abziehen am 27. Mai 3 Minuten 2,4 Sekunden, am 2. Juni 2 Minuten 12,5 Sekunden. Am 30. Mai wird der Stern 3. (1 rosse im Steinbock vom Monde bedeckt. Von Planeten sind Mars und Jupiter die ganze Nacht hindurch sichtbar. Saturn etwa nach zwei Stunden. Dr. F. Plato. Fragen und Antworten. Auf Seite 12 Bd. II der N. W. findet sich die Be- merkung, dass die im Boden enthaltenen Pilze vermittelst des Dampfsterilisierungs-Apparates getötet wurden, könn- ten sieh hierbei nicht einige mineralische Bodenbestand- teile verändern und so dem Pflanzenwuchs ungünstig werden? Die Frage, ob der Erdboden durch hohe Temperatur Verände- rungen erleidet, welche für das Wachstum der Pflanzen nachteilig sind, ist mit Rücksicht auf die vorliegenden Bodenverhältnisse von mir durch Versuche mit einem humushaltigen Boden geprüft worden, in welchen teils im unveränderten Zustande teils nachdem er im Dampfsterilisierungsapparate gewesen war, Lupinen oder Hafer, also Pflanzen ohne pilzliche Wurzelsymbiose eingesäet wurden. Stets entwickelten sich die Pflanzen in diesem Boden weitaus günstiger wenn derselbe sterilisiert als wenn er nicht sterilisiert war. Prof. Dr. B. Frank. Litteratur. Lüben, A., Leitfaden für den Unterricht in der Naturgeschichte. 2. Kursus. 19. Aufl. 8°. (140 S. m. Illustr.) Preis 80 4. ' Hermann Schultze. Verlags-Cto. in Leipzig. Martini & Chemnitz, Systematisches Conchylien-Cabinet. Neu herausgegeben u. vervollständigt von H. 0. Küster u. W. Kobelt. 358. Lfg. 4°. (64 S. m. 6 Taf.) Preis 9 Jt. Bauer & Raspe in Nürnberg. Medicus, L., Kur:e Anleitung zur Massanalyse. 3. u. 4. Aufl. gr. 8°. (IX, 144 S.) Preis l'Jt 40 4; geb. 3 Jt. H. Laupp'sche Buchh. in Tübingen. Michaelis, C. Tb.., Stuart Mills Zahlbegriff. 4°. (18 S.) Preis 1 Jt. R. Gärtner's Verlag in Berlin. Nussbaum, J. N. v., Neue Heilmittel für Nerven. Vortrag. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (16 S.) Preis 60 4. Eduard Trewendt in Breslau. Peschel, O., Physische Erdkunde. Nach den hinterlassen en Manuskripten selbständig bearb. u. hrsg. v. G. Leipoldt. 2. Aufl. Neue Ausg. 1. Lfg. gr. 8°. (96 S.) Preis 1 Jt 40 4. Duncker und Humblot in Leipzig. Potonie, H., Elemente der Botanik, gr. 8°. (323 S m. 539 Illstr.) Preis \tJt. 80^.; geb. 3 Jt 60 4. Moritz Boas, Verl.-Buchh. in Berlin. Rausenberger, O., Lehrbuch der analytischen Mechanik 1. Bd. Mechanik d. materiellen Punkte, gr. 8°. (VIII, 316 S.) Preis 8 Jt. U. G. Teubner in Leipzig. Schmidt, E., Anthropologische Methoden. Anleitung zum Beobachten und Sammeln für Laboratorium und Reise. 8". (IV, 336 S.) 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Wilhelm Knapp in Halle. Steiner, J., Grundriss der Physiologie der Menschen. 4. Aufl. gr. 8°. (VIII, 452 S.) Preis 9 Jt; geb. 10 Jt. Veit & Co. in Leipzig. Stülmark, H., Ueber Ricin. e. giftiges Ferment aus den Samen v. Rici7ius comm. L. u. einigen anderen Euphorbiaceen. gr. 8°. (121 S.) Preis 2 Jt. E. J. Karow, Verl -Cto. in Dorpat. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Berichtigung. 1. Auf Seite 55 ist in der Fragebeantwortung für Famitzin zu setzen: Famintzin. 2. Da Quecksilber bei —40° C. erstarrt, muss es aufSeite45 in der Zeile 12 der ersten kleineren Mitteilung heissen: Im Winter sinkt die Temperatur oft bis tief unter — 50° herab. Briefkasten. Unsere Post-Abonnenten machen wir hierdurch darauf aufmerksam, dass die Post bei BesteUungen, die ihr nach dem 1. Tage im Quartal zugehen, die Nach- lieferung der bereits erschienenen Nummern nur auf Verlangen besorgt und dafür tarifmässig 10 Pfennig für Porto erhebt. Sollten einige unserer Post -Abonnen- ten noch nicht aUe Nummern des laufenden Quartals besitzen, so bedarf es nur einer diesbezüglichen Rekla- mation bei der Bestell-Postanstalt. 72 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 9. Xaä@@a?@^b@ namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An- gebot, Nachfrage und Tausch naturwissenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. ÜMMM ■$* Ein Seitenstück zu Brehins Tierleben. Soeben erscheint in 28 Lieferungen zu je 1 Mark: Pflanzenleben von Prof. Dr. A. JKJemer v. llarilaun. Das Hauptwerk des berühmten Pflanzenbiologen! 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Schlegel: Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. — Franz Bendt: lieber die niedrigste Temperatur der folgenden Nacht und die Mitteltemperatur des künftigen Tages. — Kleinere Mitteilungen : Peber die geographische Verbreitung des Moschusochsen (Ovibus moschatus) in Europa während der Quartärzeit. — Steppenhühner in Deutschland. — Ein fruchtbarer Bastard zwischen Wolf und Hund. — Ueber das Eindringen des Lichtes in das Wasser des Genfer Sees. — Elektrische Erscheinungen an Bergkrystall und Glasgewichten. — Elektricität und Mathematik. — Das Beharrungsgesetz. — Polymeter. — Astronomisches. — Fragen und Antworten. — Litteratur. — Berichtigung. — Briefkasten. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Möller. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Redaktion: / Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 3. Juni 1888. Nr. 10. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei .ler Expedition. Der Vierteljahrspreis isl Jt '-'.--: Bringegeld bei der Post 1". ., extra. f Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -}. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoneenbureaux, "wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Der Zweck der Naturwissenschaft und die Art und Weise wie sie heute betrieben wird.*) Von Dr. Bugen Dreher, weil. Die grossartigen empirischen Errungenschaften, welche die Naturwissenschaft fast" in allen ihren Zweigen in den letzten Decennien aufzuweisen hat, Erfolge von derartige] Tragweite, dass unser ganzes Kulturleben dadurch eine wesentliche Förderung und Hebung erfahren hat, legen dem besonnenen Denker um so mein- die Pflicht auf, zu fragen: ob auch der hierdurch erworbene rein geistige Gewinn diesen glänzenden äusseren Vorteilen entspricht. Dass die Naturwissenschaften als ihre Hauptaufgabe die Klärung des Urteils, die Herausbildung des Verstandes. tue Erweiterung unserer Erkenntnis, die Befreiung vom Aberglauben und von den mit uns nur zu oft verwachsenen Vorurteilen zu betrachten haben, wozu sich noch das Erwecken der Lust zu einem sinnigen und gemütsvollen Vertiefen in die Wunder der Schöpfung gesellt, unterliegt für denjenigen keinem Zweifel, welcher das Streben nach dem Ideal als die höchste Aufgabe des Lebens erachtet. Dass aber diese rein ideale Bestrebung uns nicht der Wirklichkeit entfremdet, sondern vielmehr darauf hinweist: wie auch die äussere Seite des Lebens an- genehm und vorteilhaft zu gestalten ist, die wir wegen ihrer Quellen reichhaltigen Genusses und wegen ihrer Rückwirkung auf unseren Geist nicht unterschätzen dürfen, leuchtet jedem ein, der nicht, in blöder Einseitig- keit befangen, überall diejenigen Grenzlinien schaut, die er sich seiner Bequemlichkeit halber selbst gezogen hat. *) In dem obigen Artikel kämpft Verfasser gegen einige all- gemein angenommene Frincipieu der Naturwissenschaft; wir glauben aber der ehrlich gemeinten Kritik — so lange sie rein sachlich bleibt — unsere Spalt.'!; nicht verschliessen zu dürfen. Iiedi Dozent an der Universität Halle. Haben nun die Naturwissenschaften unseren Geist in dem Masse gefördert, wie unsere materielle Wohlfahrt durch sie gehoben worden ist? Die Frage muss leider verneint werden. Der geistige Gewinn bleibt weit, weit hinter dem materiellen zurück. Es würde nicht schwer fallen, diese Behauptung nach allen Seiten hin zu begründen und durchzuführen. Für unsere Zwecke genügt es hier, sie durch einige in die Augen fallende Beispiele zu stützen. Man denke an die vielen, weitreichenden Entdeckungen auf dem Gebiete der Elektricität und an den sich jedem Fachmann auf- drängenden Mangel einer Theorie, sie ursächlich zusammen zu fassen. Man blicke sich um in der Chemie, welche fast täglich Stoffe entdeckt, die für unsere Kultur in mannigfachster Beziehung von ganz hervorragender Be- deutung sind, und man beachte dabei die schwachen, Mnfälligen Säulen des theoretischen Lehrgebäudes, welche die Wucht des vorliegenden empirischen Materials tragen sollen. Man überzeuge sich von der Reichhaltigkeit unserer heutigen Heilmittel und deren überraschender Wirkung, und frage nach dem Wie des Zustandekom- mens der ungeahnten Erfolge. Man betrachte che inter- essanten Produkte der Tier- und Pflanzenzucht und be- merke, wie wenig nocli der darwinistische Gedanke, vor allem bei dem Systematiker, Eingang gefunden hat! — Mit Recht erwecken die unerwarteten Aufschlüsse der Spektralanalyse, welche ihre Macht auf die Sternenwelt wie auf den Mikrokosmus ausdehnt, das grösste Staunen. — Die Vorgänge jedoch, welche die charakteristischen Licht- phänomene, die verschiederartigen Spektren erzeugen, ob 74 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 10. atomistische, ob molekulare Prozesse sie bedingen, sind in Dunkel gehüllt. Fragen wir jetzt nach dem Grunde für die That- sache : dass die Praxis der Theorie so uu verhältnismässig vorausgeeilt ist, so könnte es auf den ersten Blick scheinen, dass dies seine volle Begründung in dem Wesen der Forschung finde, insofern der Forscher angewiesen ist, der Natur ihre Gesetze abzuspähen und abzulauschen, was nur langsam und mühevoll geschieht, und den ge- fundenen Thatsachen gemäss s'eine Hypothesen und Theorien aufzustellen, und nicht, wie viele Naturphilo- sophen bedauerlicher Weise gethan haben und noch thun: Gesetze. Phänomene und das ihnen zu Grunde liegende Weltprinzip zu erdichten, wo es sich um die heiligsten Fragen handelt. Wie sehr diese in der Philosophie häufige Entweihung der Wissenschaft: vor- zugeben, das Rätsel des Daseins gelöst zu haben, die nur aus grösster Selbsttäuschung oder aus niederem Egoismus füessen kann, den Fortschritt der Wissenschaft nicht nur hindert, sondern auch demoralisierend wirkt, ist leicht zu beweisen. Dass in der- angeführten Entschuldigung der Tbat- sache, dass „die Theorie der Praxis nachhinkt" ein gut Teil Wahrheit liegt, kann niemand in Abrede stellen, der auch nur eine Ahnung von dem überaus reichhaltigen widerstrebenden Stoff hat, welchen der Korseher ursächlich verknüpfen soll, und der die Schwierigkeit zu würdigen weiss, befriedigende, zeitgemäss erschöpfende Erklärungen für Naturerscheinungen auszusinnen. Sehr würde man jedoch irren, wollte man diesem Umstände allein die Ungleichheit des praktischen und theoretischen Fort- schrittes beimessen. Ein viel mehr Ausschlag gebender Grund, warum die Praxis der Theorie vorausgeeilt ist, hegt zweifelsohne in dem geringen wissenschaft- lichen Idealismus unserer Zeitrichtung, die in wissen- schaftlicher Beziehung den äusseren Erfolgen den Vorzug vor den hinein einräumt und im mühelosen Fluge die geistigen Güter als nicht gerade zu entbehrendes Bei- werk zu erhaschen wähnt. Dass unserer Zeit der Schwung der wissenschaftlichen Geistesbewegung fehlt, die, Ende des vorigen Jahrhunderts mit veralteten Traditionen brechend, eine der Vernunft entspringende moralische Weltorduung zu gründen trachtete, kann nicht geleugnet werden; und der Umstand, dass dieser hohe Ideenflug, den an ihn gerichteten Anforderungen nicht gewachsen, in den seichten Materialismus umschlug und so den Stoff statt des Geistes zum Träger der Weitordnung erhob, kann mit zur Entschuldigung dienen, dass unsere Zeitrichtung mit wenig Zutrauen dem Idealismus ent- gegen kommt. Die Thatsache ferner, welche namentlich für unser Vaterland gilt: dass der blosse Idealismus dem Volksbewusstsein entfremdet ist, indem er uns von den durch Geburt und Vaterland zunächst Stehenden mehr als thunlich isoliert, insofern er die Ideenwelt als das einzig Schätzenswerte vorspiegelt, kann gleichfalls mit zur Recht- fertigung unserer Zeitrichtung angeführt werden. Was aber an völliger Rechtfertigung noch fehlt, muss den Irrtümern und der in mancher Beziehung oberflächlichen und denkträgen Richtung unserer Zeit zugeschrieben werden, die gern anerkannten Autoritäten ohne Vor- behalt glaubt, um sich die Mühe zu sparen, selbst prüfen und urteilen zu müssen, die den Erwerb idealer Güter vernachlässigt, um dem materiellen um so besser nach- jagen zu können. Sehr zutreffend sagt E. du Bois-Reymond in seinem Vortrage: „Kulturgeschichte und Naturwissenschaft", wo er von der in Amerika herrschenden engherzigen Nütz- lichkeitslehre spricht: „Aber wie? Sehen wir nicht, indem wir über amerikanische Kultur uns erheben, den Splitter in unseres Bruders Auge, und «erden nicht gewahr des Balkens in unserem Auge? Wie steht es mit dem Widerstände, den die im Vergleich zur ameri- kanischen so alt gesicherte, so fest gegründete deutsche Kultur jenen bedrohlichen Strebungen entgegensetzt? Wollen wir uns nicht einer der neuerlich bei uns beliebt gewordenen Selbsttäuschungen hingeben, so müssen wir gestehen, dass wir in der Amerikanisierung schon be- unruhigende Portschritte gemacht haben. U. s. w." Es soll in der folgenden Nr. der Naturw. Wochenschr. meine Aufgabe sein: die nicht genügende Gründlichkeit unserer modernen wissenschaftlichen Richtung an einigen Fällen, die zu den hervorragendsten gehören, eingehend nachzuweisen. (Schluss folgt.) lieber Stigmaria. Von Dr. H e Unsere Lycopodiaceen, Bärlappgewächse, sind kleine Pflanzen. Die meisten Arten dauern zwar mit ihren oberirdischen Organen aus, erreichen aber niemals auch nur annährernd die Grösse von Bäumen; in den Tropen können sie mehrere Fuss hoch werden, unsere ein- heimischen Arten jedoch erheben sich nicht weit über den Erdboden, auf welchem sie meist als „Schlangen- moos" weit hinkriechen. Ihnen nahe verwandt sind die Psilotaceen, seltene Gewächse der Tropen, die Selaginella- ceen und die häufig unter Wasser lebenden Isoötaceen: nry Potonie. alles nur kleine Gewächse. Diese vier Familien fasst man als Lycopodineen zusammen, da sie sich von den anderen Pteridophyten (Farngewächsen im weitesten Sinne) durch besondere gemeinsame Merkmale wohl abgliedern. Ihre Laubblätter sind einfach; die Sporenbehälter sitzen meist einzeln auf der Oberseite oder in den Winkeln von Blättern, und die Wurzeln sind gabelig verzweigt. Diese charakteristischen Merkmale besitzen auch jene baumförmigen Pteridophyten der Vorwelt, besonders der Steinkohlenzeit, welche namentlich die Gattungen Lepi- Nr. 10. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 75 dodendron und Sigilläiiä bilden. Die meisten Autoren rech- nen denn auch diese schon so lange vom Erdboden verschwundenen und uns nur in kümmerlichen Resten überkommenen Bäume zu den Lycopodineen. Die Lepidodendreen, von denen unsere Fig. 1 einen restaurierten" Baum veranschaul cht, sind besonders in den unteren und mittleren Schichten der Steinkohlenformation Fig. 1. E ;: restaurierter Lepidodendron. Aus Potonie: „Elemente 'ler Botanik" sehr häutig: aber noch im Rotliegenden (also über dei Steinkohlenformation) einerseits und l'nterdevon (also unter ■der Steinkohlenformation) anderseits wurden spär- liche' Reste gefunden. — Die Lepidodendreen sind gabelig sich verzweigende Bäume, deren Stamm-Oberfläche in auffallender Weise in Schrägzeilen gestellt' 1 .. Polster" zeigt, von denen jedes eine Blattnarbe trägt. Die Formen der Polster und Blattnarben, die uns meist allein als Abdruck'' erhalten .sind, geben die Merkmale für die „Arten" ab. Die Ausbildung von deutliehen Polstern mit Blattnarben auf Stengelteilen ist übrigens auch bei vielen jetzt leben- den Arten — wie Fig. 2 zeigt — derartig charakteris- tisch, dass sich danach ganz wohl eine systematische Gliederung vornehmen lässt. Fig. 2. Stineeistuckclien einiger Koniferen (specieller Abietiueen) mit Blatt- narben und Polstern .' Abies pectinata, B Tsuga eanadensis, C Tsuga Dou- glasii, D Picea exeelsa, E Cedrus Libani, F Larix europaea, G Pseudolarix Kaenipferi. — (Aus Engler n. Prantl: „Die natürlichen Pflanzenfainilien"). Die Blätter der Lepidodendreen sind meist einfach und von länglich-lanzettlicher Gestalt. Nicht selten finden sich an den Enden jüngerer, noch beblätterter Zweige oft grosse, tannenzapfenartige Sporenbehälterstände (Le- pidostroben): einfache Achsen mit dichtgedrängt stehenden Blättern (Lepidophyllen), an deren Grunde je ein Sporen- behälter, ein Sporangiuin, sitzt. Man kennt Gross- und Kleinsporen. — Die Stämme besitzen ein zentrales, von einer mächtigen parenchymatischen Rinde umgebenes Leit- bündel. Sie wachsen nachträglich in die Dicke und zwar sind es Zellteilungen eines Gewebes der Rinde, welche die Fig. 3. Eine restaurierte Sigillarie mit Stigmaria. (Aus Potonie: „Elemente der Botanik".) Dickenzunahme ganz oder vorzugsweise bedingen: jedoch wird in manchen Fällen auch ein aus einem Cambium- ring hervorgegangener, zuweilen beträchtlicher, nachträg- lich entstandener Holzkörper ohne Jahresringe beobachtet. Die Sigillarien, von denen Fig. 3 ein restauriertes Exemplar vorstellt, sind in den untersten Schichten der Steinkohlenformation noch sehr selten und in den mitt- leren am häufigsten. Auch im Rotliegenden finden sie sich: eine Art ist aus dem oberen Bundsandstein, also in viel jüngeren Schichten, bekannt geworden. — Die Si- gillarien sind einfach- — seltener gabelig- — stämmige Bäume mit charakteristischen Blattnarben auf der Stamm- oberiläcbe, die bei den typischen Arten deutliche Längs- reihen bilden; bei vielen sind auch Polster vorhanden. Die Oberflächenbeschaffenheit nähert sich bei manchen Arten ungemeiu derjenigen der Lepidodendreen. Da auch hier meist nur Abdrücke derStamnioberfläehen vorliegen, so ist man auch hier auf die Verwertung der Unterschiede der- selben für die — selbstredend hierdurch ganz künstliche — Systematik dieser Gewächse angewiesen. Die nur sehr selten noch dem Stamm anhaftend aber oft abgefallen sich lindenden Blätter sind lang-lineal. Aehrenfoimige Sporangienträger , die bisher allerdings noch nicht in Zusammenhang mit Sigillarien gefunden worden sind, hinterlassen an ihren Ansatzstellen auf den Stämmen be- sondere Narben zwischen den Blattnarben. — Im Zentrum des Stammes erblicken wir ein Markparenchym umgeben von Holz, dessen Erstlingszellen aussen liegen. -Aus einem (Aimbiumring hervorgegangenes Holz ohne Jahresringe und eine starke Rinde kommen hinzu. 76 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 10. Was nun die Wurzeln der in Rede stehenden vor- weltlichen Lycopodineen anbetrifft, so hat man lange hin und her gestritten, ob als solche die häufigen, ja in manchen Schichten der Steinkohlenformation ganz ge- meinen, jedenfalls allbekannten Petrefakten, die unter dem Namen der Stigmarien bekannt sind, anzusprechen sind, oder ob die Stigmarien eigene Organismen vorstellen. Ihre genauere Verbreitung stimmt so ziemlich mit der der Lepidodendreen überein : in der Steinkohlenformation also am allergemeinsten, lassen sie sich zurück bis zum Devon verfolgen. Auch imRotliegenden findet man sie noch. Bevor wir des näheren auf die Frage ihrer Zuge- hörigkeit eingehen, wollen wir zur Orientierung die wesentlichsten Merkmale der Stig- marien angeben. (Vgl. hierzu Fig. 3). Die Stigmarien sind cylindrische Kör- per. Ihre Ober- fläche ist in etwa gleichen Abständen mit kreisförmigen Narben besetzt, in denen ein stark markierter Mittel- punkt hervortritt; den Narben sitzen oftmals noch An- hänge von gestreck- ter Gestalt an, wel- che die Nahrung aus dem sumpfigen Boden aufgenom- men haben, in wel- chem die Stigmarien lebten. Die wieder- holt gabelig - ver- zweigten Körper besitzen ein starkes Fie nis der in Rede stehenden eigentümlichen Gebilde erfahren wir aus dem ausgezeichneten, kritischen Buche des Grafen zu Solms-Laubach „Einleitung in die Palaeophytologie" (Leipzig 1887) und aus der ebenfalls im vorigen Jahr erschienenen Monographie über Stigmaria ficoi'des des englischen Phytopalaeontologen Williamson. Auf ein näheres Eingehen der Deutungen älterer Autoren, welche die Stigmarien mit Opuntien, Cacalien, Ficoi'deen, Stapelien, Aroideen und gar mit Palmen ver- glichen, wollen wir verzichten und mit A. Brongniart beginnen, der 1828 zuerst die Stigmarien mit Lycopodineen in Beziehung brachte. Lindley und Hutton haben dann in den dreissi- ger Jahren ein kuppel- oder dom- förmiges Gebilde aus England be- schrieben, von wel- chem strahlig, schräg absteigend, zwölf wohlerhalte- ne, zum Teil gega- belte und mit „An- hängen" versehene Stigmarienäste ab- gehen. Sie glaubten, dass Stigmaria eine niederliegende dickfleischige diko- tyledone Land- pflanze gewesen sei, mit strahlig aus- gehenden, gegabel- ten Zweigen. Die „Anhänge" hielten sie demgemäss für Blätter, die dem Schlamm, in wel- chem sie wuchsen, Nahrung entnah- men. Göppert (1841) u. a. eine mit ■fg. t. Cycadee. A Encephalartos Hildebrandtii, blühende weibliche Pflanze, B Blüte derselben. cl Mark lind eine dicke Frucntblättern besetzte Achse, C weibliche Blüte vonE. villosus. — A um das zehnfache, B und C um das SCÜlOSSeU S1CÜ die fünffache verkleinert. — (Aus Engler und Prantl: „Die natürlichen Pflanzenfamilien".) Rinde und zwischen beiden einen aus einem Verdickungsring hervorgegange- nen Holzcylinder. Die beschriebenen Körper gehen von einem gemeinsamen Hauptkörper aus, der unter- wärts zwei sich kreuzende Furchen aufweist, welche denselben in vier Stücke unterabteilen, von denen je ein dicker Stigmaria-Arm abgeht. Diese Vierteilung lässt sich begreiflicherweise als rasch wiederholte gabelige Verzweigung auffassen. Nach oberwärts setzt sich der zentrale Hauptkörper oft in einen Stamm fort, sodass die Stigmarien dann in der That vollkommen den Eindruck von Wurzeln machen. Ausführlicheres über die Geschichte unserer Kennt- ser Anschauung an, wennschon dieser Autor die Stigmarien lieber als ein Mittel- glied betrachten möchte, welches namentlich die Lycopodien den Cycadeen nähert, jenen „Sago- oder Farnpalmen" unserer warmen Zonen inkl. Tropen, Fig. 4. Seit der in der Mitte der vierziger Jahre ebenfalls in England erfolgten Binney' sehen Entdeckung auf- rechter Sigillarienstammstümpfe, die unterwärts in je vier Aeste mit Stigmariencharakter ausliefen, ist die Frage endlich zur Entscheidung gebracht worden. Es sind dann noch wiederholentlich Stämme in Zusammenhang mit Stigmarien — namentlich von Rieh. Brown in Amerika — gefunden worden, deren Oberflächenbeschaffenheit aber Nr. 10. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 77 keine genügende Auskunft giebt. Wenn die von diesem Autor geäusserte Ansicht, dass unter diesen auch Lepi- dodendreen vorkämen, jetzt durchgedrungen ist, so liegt dies daran, dass H. B. Geinitz (1854 und 1855) und W. Ph. Seh im per (1862) auf die ausserordentliche Häufigkeit von Stigmarien in Schichten (Culmsandstein) betonten, in denen keine Sigillarion, wohl aber zahl- reiche Lepidodendreen-Reste vorkommen. Schimper hat dann aber auch in dem Anfang der siebziger Jahre eine Lepidodendree mit Stigmaria bekannt gemacht und so auch diese Frage abgeschlossen. Auch ist nach William- son vor wenigen Jahren ein Steinkohlen- Wald in Oldham (Lancashire) zu Tage gelegt worden, in welchem einige Bäume unzweifelhafte Lepidodendreen mit Stigmarien waren. Dass die Stigmarien in physiologischer Hinsicht wie Wurzeln funktionieren, scheint nun zwar nach allem, was wir von ihnen wissen, zweifellos ; ihrem Baue nach haben sie aber manches mit Rhizomen gemein, die ja bei jetzt- lebenden Pflanzen — z. B. manchen Orchideen wie Corallorhiza innata — Wurzelfunktion besitzen können. Von echten Wurzeln unterscheidet die Stigmarien die Stellung der Anhänge, der „Würzelchen" Williamson's, sowie die „exogene" Entstehung derselben aus den oberen Schichten der Körper, im Gegensatz zu den echten Neben- wurzeln, welche „endogenen" Ursprungs sind, also im Inneren der Mutterkörper entstehen. Die Gabelung der Körper — auch gelegentlich der „Anhänge" — spricht allerdings nicht gegen die Wurzelnatur von Stigmaria, da ja die Lycopodineen — wie wir eingangs sahen — gabelige Wurzeln besitzen. Kleinere Mitteilungen. Eine Hausente mit Enterichgefieder beschreibt Dr Kor- schelt in den „Sitzungsberichten der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin" (1887 Nr. 9). Dir Hute lebte vom Jahre 1871 tiis zum Frühjahre 1887, als» 16 Jahre, auf einem Hühnerhofe, glich in ihren F. (lern etwa einer weiblichen Wildente, legte regel- mässig bis 1883 Eier, brütete dieselben aus und führte auch ihre Jungen gut. Mit der Mauser in ihrem 13 Jahre nahm sie die Färbung' eines Enteriche an. der Kopf wurde grün, die Brust rotbraun, das übrige Kleid grau, fein gesprenkelt, der Rücken dunkel grün- schillernd. Zugleich nahm die Ente die Gewohnheiten eines Enterichs sogar den übrigen Euren gegenüber an Die Sektion ergab eine, starke Verkürzung und Verkümmerung des Eileiters. Der Eierstock war zu einem 15 mm lausen und 4 min breiten Körper am oberen Rande der Niere, geworden; er bestand in seiner Hauptsache aus dichtem Bindegewehe, I" Zellen waren nicht mehr vorhanden. Der Eierstock konnte also keine Eier mehr erzeugen und die „Hahnen- fedrigkeit" hängt liier demnach mit der bei hohem Alter eingetretenen Unfruchtbarkeit der Ente zusammen Dieser Fall erinnert im die Wirkungen der Kastration, bei der ebenfalls eine Veränderung des einen Geschlechts nach dem anderen hin stattfindet. Auch bei Krabben, deren innere Geschlechtsorgane durch die Einwirkung von Schmarntzerkrebsen (Bopyrus u. a.) eine Rückbildung erfahren, nähern sich infolgedessen die Weibchen in ihrer äusseren Gestaltung den Männchen und umgekehrt. Dns- selbe findet bei manchen Erdbienen (Andrena) statt, die von Stylons befallen werden. A Giard, der die letzterwähnten Erscheinungen beschreibt, be- zeichnet dieselben als „p;iras : täre Kastration*. Darwin behauptete das Vorhandensein „latenter Geschlecltscliaraktere". Danach würden beim Männchen die weiblichen, beim Weibchen die männlichen Charaktere latent vorhanden sein, und diese latenten Geschlechts- charaktere können erst dann zur Ausbildung gelangen, wenn die eigentliche vorherrschende Geschleehtsfnnktion des betreffenden Tieres aus irgend einem Grunde erloschen ist; bei der erwähnten Ente würde dies mit der Entartung des Eierstocks infolge des Alters eingetreten sein. Dass aber auch die Hahnenfedrigkeit bei jungen, eierlegenden Vögeln vorhanden sein kann, lehrt z B. die in der Zeitschrift „Der zoologische Garten" (Jahrg. VII. .S 167) beschriebene und abgebil- dete Henne sowie die weiteren Notizen über ähnliche Vorkommnisse in Bd. IX, S. 94 und Rd. X, S. 63 und 90. Lathraea squamaria und Bartsia alpina sind keine „fleischfressende" Pflanzen. — A. Kerner und R. Wettstein glaubten in einer in den Sitzungsberichten der Wiener k k. Aka- demie der Wissenschaften (Die rhizopodoiden Verdauungsorgane tier- fangender Pflanzen) nachgewiesen zu Italien, dass die in der Ueber- schrift genannten Pflanzenarten Tiere fangen und verdauen. Lathraea squamaria, die Schuppenwurz, blüht von März bis Mai und ist, wenn auch nicht gerade häufig, so doch auch nicht selten in ganz Deutschland anzutreffen und in Europa weit ver- breitet. Man sieht der Pflanze sogleich an, dass sie zu den Schma- rotzern gehört, da ihr ein Kohlensäure-Assimilations-Apparat, näm- lich grüne Laubblätter vollständig fehlen, und man kann sich leicht überzeugen, dass sie in der That mit Raumwurzeln, vorzugsweise mit denen des Haselstrauches in organischer Verbindung steht. Ausser einer Aufnahme von Nahrung durch die Wurzeln nimmt nun die Lathraea tiach den beiden genannten Autoren organische Nahrung durch Tierfang, welchen die dickfleisclugeu, schuppigen Blätter des Rhizoms besorgen, zu sich. Die Rhizomschuppen werden nämlich (vergl. die Figur auf .Seite 15 Bd. I der N. W.) von 5—13 in der Längsrichtung des Blattes verlaufende, längliche Kammern durch- zogen, welche am Grunde, an der Rückenseite der Schuppen Ein- gangsötfnungen für den Eintritt kleinerer Tiere, vorwaltend Infu- sorien, besitzen. Sobald ein Tierchen in die Kammer gelangt ist, soll dasselbe, (ähnlich wie die Pseudopodien der Rhizopoden ihre Beute festhalten) von Protoplasmafäden, die von besonderen Drüsen ausgehen, umklammert und am Entschlüpfen verhindert werden. Die Eiweissteile sollen verdaut und nur z. B. Chitinsubstanzen zurück- gelassen werden. A. Scherffel weist nun in einer kürzlich erschienenen Ab- handlung, betitelt „Die Drüsen in den Höhlen der Rhizomschuppen von Lathraea squamaria L." (Mitteilungen des botanischen Instituts zu Graz. Heft II), nach, dass jene Deutung irrtümlich ist. Die vermeintlichen Plasmafäden haben sich nämlich als Ketten von Stäb- chen-Bakterien erwiesen, sodass nach Scherffel die Höhlen der Rhizomschuppen mit dem Tierfange nichts zu thun haben. Es ist hingegen eine offene Frage, ob die der Hühlenwaud ansitzenden Rakterien nicht irgend eine Rolle bei der Ernährung der Lathraea spielen oder ob nicht gar ein symbiotisches Verhältnis zwischen beiden Organismen besteht. Es ist nicht so unwahrschein- lich, dass in den Höhlen Stoffe ausgeschieden werden, die diese Rakterien veranlassen, sich hauptsächlich auf den Höhlenwänden an- zusiedeln, und dass sie vielleicht chemische Vorgänge einleiten, aus denen die Lathraea dann Nutzen zieht. Dann müsste man die Drüsen der Hühlenwand in der That nicht nur als secernierende, sondern auch als absorbierende Organe ansehen. Auch Bartsia alpina, die im arktischen Gebiete und in der Flora der Hochgebirge durch fast ganz Europa verbreitet ist und bei uns nicht selten in den höheren Regionen des Riesengebirges vorkommt, wo sie im Juni und Juli blüht, ist nach Kern er und Wettstein's Darstellung dadurch besonders bemerkenswert, als sie ihre Nahrung auf viererlei Weise zu sich nimmt: nämlich durch Aufnahme von Kohlensäure vermittelst der Laubblätter, ferner durch die Wurzeln, die sowohl aus der Erde als auch schmarotzend aus Pflanzen ihrer Umgebung Nährstoffe beziehen und endlich durch Tierfang. Letzterer soll ebenfalls von unterirdischen Schuppen be- werkstelligt werden, welche im Herbste entstehende Sprösschen be- kleiden, die im nächsten Frühjahr zu einem oberirdischen Stengel auswachsen. Der Tierfang soll in derselben Weise von statten gehen, wie bei der Lathraea, nur werden die Schuppen nicht in ihrem Innern von Kammern durchzogen, sondern besitzen ihre „rhizopoiden" Zellen an den nach rückwärts rinnig zurückgebogenen beiden seitlichen Rändern. Die so entstehenden Rinnen werden von den tieferstehenden Schuppen gedeckt, sodass auch hier von oben 78 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 10. her zugängliche, morphologisch allerdings mit denen von Lathraea nicht vergleichbare Käramerchen gebildet werden. Auf Veranlassung des Herausgebers der Mitteilungen des bo- tanischen Instituts zu Graz, des kürzlich verstorbenen Prof. Leitgeb, hat nun der Assistent desselben, Dr. Heinricher, auch die Bartsia einer Nachuntersuchung unterzogen, der nunmehr ebenfalls zu dem Resultate kommt, dass die der Bartsia alpina zugeschriebene „Ver- langende" Eigenschaft in hohem Grade unwahrscheinlich ist. Es scheinen dieser Pflanze selbst die vermeintlichen „rhizopoTden Ver- dauungsorgane", welche bei Lathraea also als den Drüsen aufsitzende Bacterien erkannt wurden, zu fehlen. Die einzige Uebereinstimmung zwischen Lathraea und Bartsia besteht in dem Besitz der gleichen Drüsentypen auf ihrer Blattunterseite; diese findet aber in der nahen Verwandschaft der beiden Rhinantideen. welche von Bentham als Angehörige der gleichen Gruppe, der Euphrasieae, betrachtet werden, ihre genügende Erklärung. H. I'. Ueber Liebreieh's „toten Raum". — Auf der 59>deutschen Naturforscher-Versammlung zu Berlin machte Liebreich Mitteilung von einigen Erscheinungen, für welche er eine Erklärung gab, die. im Falle ihrer Richtigkeit, im stände gewesen wäre, eine totale Um- wälzung unserer Anschauungen über chemische Reaktionen hervor- zurufen. Er glaubte gefunden zu haben, dass einige Reaktionen nicht völlig gleichmässig durch die ganze Reaktionsmasse hindurch verlaufen, sondern dass ein Teil der Mischung, der „tote Raum", sich der Reaktion entziehe. Den experimentellen Nachweis suchte er durch zwei Reaktionen zu führen: a) Umsetzung von Chloral- hydrat und Natriumcarbonat zu Chloroform und Natrium formiat, b) Jodausseheidung durch überschüssige Jodsäure auf schweflige Säure. Seine Ansichten fasst er folgendermassen zusammen: 1. In Flüssigkeiten wird der Raum der chemischen , Reaktion durch eine reaktionslose Zone (den toten Raum) begrenzt, und zwar da. wo die Flüssigkeit mit der Luft in Berührung oder von der Luft durch eine feine Membran getrennt ist. 2. In engen Rühren tritt die Reaktion langsamer ein als in weiten Röhren. 3. Kapillarräume sind im stände, chemische Reaktionen vollkommen aufzuheben. Nachdem v. Fuchs die betreffenden Erscheinungen ohne Ex- perimente mathematisch-physikalisch zu erklären versucht hatte, weist neuerdings Dr. R. Gartenmeister (Liebig' s Annalen der Chemie, Band 245, 230) nach, dass sie sich vollkommen durch bekannte Gesetze erklären lassen, und die Hypothese Liebreieh's über- flüssig sei. Gleiche Volume 20prozentige Chloralhydrat- und 14prozentige Natriumcarbonatlösung wurden im verschlossenen Glase miteinander gemischt, dann das Reagensglas umgekehrt und stehen gelassen. Es findet eine Zerlegung des Chloralhydrats statt, gemäss der Formel: 2CC1 3 . CH ( ) . H 2 + Na 2 C0 3 = 2CC1, . H + 20 HC) . ONa + H 2 + C0 2 . Chloralhydrat. Chloroform. Xatriumformiat. Die gebildete Kohlensäure wird von dem überschüssigen Na- triumcarbonat absorbiert, so dass keine Gasentwiekelung sichtbar wird. Nach 5 Minuten beginnt die nebelartige Ausscheidung von Chloroform. Es bleiben aber die der Oberfläche zunächst gelegenen Schichten (der „tote Raum") zuerst völlig klar, trüben sich aber allmählig, so dass die klare Zone immer kleiner und kleiner wird und endlich dauernd verschwindet. Die Erscheinung erklärt sich folgendermassen: Die Reaktion geht allmählig vor sich: das Chloro- form wird zuerst in der Flüssigkeit gelöst und scheidet sich nach vollendeter Sättigung derselben aus. In den obersten Schichten finden zugleich zwei physikalische Vorgänge statt: Verdunstung des Chloroforms von der Oberfläche aus, und Diffusion desselben aus den tieferen nach den oberen Schichten. In letzteren tritt bei Gleichheit von Verdunstung und Neubildung des ( 'hloroforms ein konstanter Znstand ein. Jede Schicht wird durch Diffusion um dieselbe Chloroformmenge ärmer, die sich durch die chemische Zer- setzung neu bildet. In den tieferen Schichten nimmt der Gehalt an Chloroform zu. bis der Sättigungsgrad erreicht ist, und dann die sichtbare Ausscheidung beginnt, und zugleich die Diffusion authört. Die Höhe der klar bleibenden Schicht wird kleiner mit der Abnahme der in der Zeiteinheit gebildeten Chloroformmenge und mit der Ab- nahme der Verdunstung zu der Oberfläche. Tst die über dem Ge- menge befindliche Luftschicht mit Chloroform gesättigt, so hört die Verdunstung desselben auf, statt dessen findet seine Ausscheidung in der bis dahin klar gebliebenen Schicht statt: es ist dann die Flüssigkeit gleichmässig getrübt. Feine Membranen heben die Verdunstung nicht auf; daher findet die Bildung von Liebreieh's totem Raum auch in diesem Falle statt. Dass in der That im toten Raum Chloroformbildung stattfindet, weist Gartenmeister in der Weise nach, dass er die verdünnten Lösungen in einer Höhe von 2))/»/ in ein weites Gefäss mit ebenem Boden bringt und das Gefäss verschliesst. Die Flüssig- keit bleibt völlig und dauernd klar, während die < 'hloroformbildung sich unzweifelhaft an dem Geruch kenntlich macht. Auch in Kapillarröhren konnte Gartenmeister die Chlorofonn- bildung unter dem Mikroskop an dem Auftreten von Tröpfchen erkennen. Aehnlieh wie bei der Chloroformbildung erwiesen sich die Ver- hältnisse bei der Reaktion von Jodsäure auf schweflige Säure. Auch hier können die von Liebreich zur Begründung seiner Hypothese geltend gemachten Erscheinungen mit Hilfe bekannter physikalischer Gesetze erklärt werden, so dass die Hypothese vom „toten Raum" als abgethan angesehen werden Kann. Dr. M. Bragard, Assistent am chemischen Laboratorium der Kgl. Bergakademie zu Berlin. Diamant in einem Meteorstein. — In den Verhandlungen der Russischen Kaiserl. Mineralog Gesellschaft veröffentlichen M. Jetofe.jeff und P. Latschinoff eine Arbeit über den im Sep- tember 1880 bei Nowo-Urei, Gouv. Pensa in Russland, gefallenen Meteorstein, der ausserordentliches Interesse wegen seines Gehaltes an Diamant, beansprucht. Der Stein, etwa 190O g schwer, besteht zum grösseren Teil aus Olivin; geringer treten Augit und Nickel- eisen auf und 2.26 Prozent beträgt der Gehalt an Kohlenstoff, wo- von 1.26 Prozent auf Kohle, 1 Prozent auf Diamant kommen. Der- selbe tritt in Form von sogenanntem Carbonat auf, d. h. nicht in Krystallen, sondern in derben, schwärzlichen Körnern von rauher Oberfläche. Chemische Natur (=0), speeifisches Gewicht (= 3,1 im Mittel), Härte (^> 9) und optisches Verhalten charakterisieren diese Körner als Diamant. Pariseh und Haidinger haben 1816 in dem Meteoreisen von Arva kleine Würfel aufgefunden, die aus graphit- artiger Substanz bestanden und über die Gustav Rose bemerkte, dass sie vielleicht l'seudomorphosen nach Diamant seien. Neuerdings fand L. Fletsch er ganz entsprechende Würfel im Meteoreisen von Joundegin (Westaustralien), deren speeifisches Gewicht = 2,12, deren Härte = 2,5 sie vom Graphit scheiden. Er nannte den Stoff Cliftonit, eine reguläre Form des Graphitkohlenstoffes. Diese Funde gewinnen nun neues Interesse. Wir wissen, dass Diamant bei starker Er- hitzung und unter Luftabschluss in Graphit übergeht. Es liegt sehr nahe, in den Würfeln graphitischer Natur umgewandelten Diamaut zu sehen. Dr. R. Scheibe. Astronomischer Kalender. — Am 3. Juni Sonnenaufgang 3 Uhr 43 Minuten. Sonnenuntergang 8 Uhr 13 Minuten; Mondauf- gang nachts 1 Uhr 42 Minuten, Untergang mittags 1 Uhr 27 Mi- nuten. Am 9. Juni Sonnenaufgang 3 Uhr 40 Minuten. Untergang 8 Uhr 18 Minuten ; Mondaufgang vormittags 3 Uhr 53 Minuten. Unter- gang nachmittags 7 Uhr 55 Minuten. Um die bürgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von letzterer abziehen am 3. Juni 2 Minuten 3 Sekunden, am 9. Juni Minuten 57 Se- kunden. Am 9. Juni 5 Uhr 28 Minuten nachmittags Neumond. Dr. F. I'lato. Fragen und Antworten. Ich erbitte eine Vorschrift zur Düngung von Zimmer- und Gartenpflanzen. Die „Pharm. Zeit." vom 26. März 1887 giebt die folgende Vorschrift. Man nehme 40 Teile Ammonium nitricum = NHjN0 3 20 „ „ phosphoricum = (NH 4 ) 3 P0 4 25 „ Kali nitricum = KN0 3 5 „ Ammonium chloratum = NH 4 C1 6 ,. Calcium sulfuricum = OaS0 4 4 ,. Ferrum sulfuricum = FeS<> 4 oder : 5 „ Kali nitricum = KN0 3 5 „ Calcium carbonicum = OaC0 3 5 „ Natrium chloratum = Na Ol 5 „ Calcium phosphoricum = Ca 3 (P04)2 5 „ Natrium silicum = Na a Si0 3 1,5 „ Ferrum sulfuricum = FeS0,i. Die einzelnen Präparate werden als grobe Pulver mit einander gemischt. Auf eine Giesskanne von etwa 5 Liter Inhalt benutzt man einen Theelöffel voll und begiesst die Blumentöpfe etwa 2 — 3 Mal wöchentlich mit der Lösung. Litteratur. Engler und Prantl: Die natürlichen Pflanzenfamilien. — Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. Bis jetzt 18 Liefe- rungen. 1887—1888 ä 1,50 M- als Subskriptionspreis und 3 M als Einzelpreis. Dieses ausgezeichnete Werk mit. seinen zahlreichen, trefflichen Abbildungen (von denen die Figuren 2 und 4 in dieser Nummer der „Naturw. Wochenscbr." Proben geben) soll etwa 300 — 330 Bogen Nr. 10. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 79 in Lexikon 8° ausmachen; von denen jährlich etwa 50 Bogen in Lieferungen von 3 Bogen erscheinen. Die Behandlung der einzelnen Familien erfolgt im wesentlichen nach folgender Vorlage: 1. Wichtigste Litteraturangaben. 2. Merkmale jeder Familie in knapper Form und allgemeinverständ- licher Darstellung. 3. Besprechung der Vegetationsorgane mit Rücksicht auf die Existenz- bedingungen. Hervorhebung besonders wichtiger anatomischer Verhältnisse. 4. Besprechung der Blütenverhältnisse mit Rücksicht auf Entwicke- lung und Bestäubungseinrichtungen. 5. Besprechung von Frucht und Samen mit Rücksicht auf Ent- wickelung und namentlich auf Yerbreitungsniittel. 6. (ieographiscbe Verbreitung. 7. Kurze Erörterungen über die verwandtschaftlichen Beziehungen der Familie. 8. Einteilung der Familie in Unterfamilien, Gruppen und Gattungen. 9. Anführung aller bekannten Gattungen, zwar ohne Diagnosen, aber mit kurzer Angabe der wirklich unterscheidenden Merkmale, sowie des Vorkommens und der Artenzahl. 10. Anführung der Arten, welche an der Vegetationsdecke der Erde hervorragenden Anteil nehmen, der Nutzpflanzen und schäd- lichen Arten. 11. Ausführliche Besprechung der Nutzpflanzen und ihrer Produkte, sowie der besonders schädlichen Arten. Die Reihenfolge der Pflanzenabteilungen geschieht nach dem von Engler in einigen Punkten zeitgemäss umgestalteten natürlichen System, welches wir hier in seinen grösseren Abteilungen anführen: I. Abteilung. Mycetozoa. Klassen: Acrasiei, Myxogasteres, Phytomyxini. D.Abteilung. Thallophyta. 1. Unterabteilung Schizophyta. '_'. Unterabteilung Algae. Klassen: Bacillariaceae (Diatomaceae), Chlorophyceae inkl. Cbaraceae, Phaeophyceae. Rhodophyceae (Florideae). 3. Unterabteilung. Fungi. Klassen: Pliycomycetes, Ustilaginei, Ascomycetes (inkl Lichenes z.T.), Uredinei. Basidiomyeetes (inkl Lichenes z T ). ID. Abteilung. Embryophyta zoidiogama (Archegoniatae). 1. Unterabteilung. Bryophyta (Muscinei). Klassen: Hepaticae. Musci foliosi. 2. Unterabteilung. Pteridophyta. Klasse: Filicinae. Unterklassen: Filicinae isosporae und Filicinae heterosporeae ( Hydropterides). „ Equisetinae. Unterklassen: Equisetinae isosporae und hetero- sporac (letztere fossil). „ Sphenophyllinae I fossil). „ Lycopodinae. Unterklassen: Lycopodinae isosporae und heterosporae IV. Abteilung. Embryophyta siphonogama. 1. Unterabtei- lung. Gymnospermae Klassen : Cycadinae, CordaYtinae (fossil), Coniferinae, Gnetales. 2. Unterabteilung. Angiospermae. Klasse: Monocotyledoneäe. „ Dicotyledoneae. 1. Unterklasse: Archichlamydeae. 2 Lnter- klasse: Synvpetalae Besonders wichtig erscheint die Teilung der Arbeit unter be- währte Systematiker, von denen die meisten monographisch gearbeitet haben; es kann somit vieles zuverlässiger geboten werden, als z. B. in der von einem einzigen — wenn auch sehr tüchtigen — Autor bearbeiteten, prächtig illustrierten Histoire des plantes des uner- müdlichen Baillon. Dass andererseits aus diesem Grunde der Gegen- stand in den natürlichen Pflanzenfamilien im Gegensatz zu der Histoire des plantes eine ungleichmässigere Bearbeitung findet, ist erklärlich aber nur von untergeordneter Bedeutung Es dürfte geboten sein, eine Uebeisicht von dem zu geben, was bis jetzt erschienen ist: Zu Ende gebracht sind die Familien der Juncaceen (durch Buchenau), Stemonaceen, Liliaceen, Flagellariaceen , Mayaeaceen, Xyridaceen. Rapateaceen. Typhaceen; Saururaeeen, Piperaceen, Chlo- ranthaeeen, Lacistemaceen, Casuarinaceen, Juglandazeen. Myricaceen, Leitneriaeeen, Ceratophyllaceen, Lactoridaceen, Philydraceen. Ulmaceen (durch Engler), Gycadaceen, Coniferen und Gnetaceen (durch Eichler). Palmen und Cyclanthaceen (durch Drude). H aemodoraeeen, Amarylli- d; ceen, \'elloziaceen, Taccaceen. Dioscoreaceen, Salicaceen, Cyper.iceen. Iridaceen (durch Pax), Restionaceen. Gentrolepidaceen, Erioeaulaceen (durch Hieronvmus). Pandanaceeii (durch H. Grafen Sohns). Betula- ceen. Magnoliaceen, Trochodendraceen, Myristieaceen, Fagaceen (durch Prantl). Nymphaeaceen (durch t'aspary), Gramineen (durch Hackel). Bromeliaceen (durch Wittmack), Commelinaceen u. Pontederiaceen (durch Schönland). Angefangen sind die Familien der Araceen, Sparganiaceen, Moraeeen (durch Engler). Ranunculaceen (durch Prantl). Ausserdem bieten uns die bisher erschienenen Lieferungen zwei Abschnitte allgemeineren Inhaltes aus der Feder Engler's, über- schrieben: „Embryophyta siphonogama" (das sind also die Phanero- gamen) und Angiospermae. In dem erstgenannten Abschnitt bietet der Verfasser auch einen U eberblick des von ihm angewandten Systemes bezüglich der grösseren Abteilungen, welches wir oben zum Abdruck gebracht haben. Die Autoren und die Verlagshandlung halten — wie das übri- gens bei dem guten Klange der Namen derselben nur erwartet worden ist — vidi, was sie versprochen haben. Es wird immer mehr zur Gewissheit, dass die natürlichen Pflanzenfamilieu ein unentbehrliches Handbuch der systematischen Botanik zu werden bestimmt sind. H. P. Bock, C. E., Hand-Atlas der Anatomie der Menschen. 7. Aufl. umgearb. u. hrsg. v. A. Brass. 4 Lfg. 4 U . (M 8 Taf.) Preis pro Lief. 3 JC. Uenger'sche Buchh. (< rebhardt & Wilisch) in Leipzig. Claus, C, Lamarck als Begründer der Descendenzlehre. Vortrag. gr 8". (35 S.) Preis 1 JC Alfred Holder in Wien. Cramer, C, Ueber die verticillierten Siphoneen besonders Neomeris und Cymopolia. (Separat-Abdr.) 4". (M. 5 Taf.) Preis 4 JC. H. Georg, Verlag in Basel. Daniel, Et. A., Leitfaden für den Unterricht in >l , Geographie. 166. Aufl.. hrsg. v. I!. Volz. Preis 80 ... Einbd. 20 .f.' Buch- handlung d. Waisenhauses, Verl.-Cto. in Halle. Dietlein, W., Die Provinz Sachsen in geschichtlichen u. geogra- phischen Bildern, gr. 8°. Preis 40 ,c. als Anh. zum Vaterland. Lesebuch v. Keck u. Johansen. Preis 25 .(. Buchhdlg. d. Waisen- hauses in Halle a S. Fol, H.. et E. Sarasin, Penetration de la lumiere du jour dans les '■im i du lac de G-eneve et des Celles de la Mediterranfc. 4°. (M. 1 Taf.) Preis 1 Jt 60 ,(. 11. Georg, Verlag in Basel. Früh, J. J., Beiträge :ur Kenntnis der Nagelfluh der Schweiz. 4°. (M, 4 Taf.) Preis 8 JC. H. Georg, Verlag in Basel. Hartmann, E. v., Moderne Probleme. 2. Aufl. gr. 8". Preis 5 JC. Wilhelm Friedrieh. K. 1!. Hofbuchh. in Leipzig. Hartmann, Die Chemie für das Tentamen physichem. 4°. Preis 2 JC 40 .(. Andreas Deichert in Erlangen. Krukenberg, C. F. W., Die Durchflutung d. Isthmus v. Suez in chorologischer. hydrographischer und historischer Beziehung. gr. 8°. (M. 2 lith Taf.) Preis 7 JC. Carl Winters Univ. -Bin!, - hdlg. in Heidelberg. Löhle, M., Heimatskunde des Kreises Forbach. 8°. Preis kart. 90 .(. J. Boltze'sclie Buchh. in Gebweiler. Strasburger, E., Histologische Beiträge. 1. Heft. Ueber Kern- und Zellteilung im Pflanzenreiche, nebst e. Anh. über Befruchtung. gr. 8°. ,KV11I, 258 S. m. 3 Taf.) Preis 1 JC. Gustav Fischer in Jena. Todt, C, Lehrbuch der Gewebelehre, mit vorzugsiveiser Be.rück- sichtigung des menschlichen Körpers. 3. Aufl. gr. 8°. (XVI, 708 S.) Feld. Enke in Stuttgart. Preis 15 JC. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir 'vorstehende Merke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes hallen wir uns bestens empfohlen. Berlin KW. 48. Die Expedition der „Natnrwissenschaftlichen WochenMch rift". Briefkasten. Herrn K. F. in S. — 1. Ueber Mikroskopie finden Sie Auskunft in Nägeli und Schwendener: Das Mikroskop und in der „Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie." Herausgegeben von Dr. W. J. Behrens. (Verlag von Harald Bruhn in Braunschweig.) 2. Werke über Mor- phologie der Pflanzen sind: Eichler: Blütendiagramme. — ■ Drude: Die Morphologie der Phanerogamen (Aus Schenk's Handbuch der Botanik I). — Goebel: Grundzüge d»r Systematik und specialen Pflaiizenniorphologie. — Hofmeister: Allgemeine Morphologie der Gewächse. — A. St. Hilaire: Morphologie vegetale. — Potonie: „Elemente der Botanik" und „Illustrierte Flora von Nord- und Mitteldeutschland". 3. Für anatomische Untersuchungen bestimmte Pflanzenobjekte bewahrt man in Alkohol auf. K. Freise, Stettin. — Die von uns eingeführte Verpackung der Nummern ist die praktischste. Würden wir die Nummern un- getalzt verschicken, so würden sie, wie die Erfahrung gezeigt hat, in defektem Zustande in die Hände der Leser gelangen. Die Falze werden übrigens von einem geschickten Buchbinder beim Einbinden durch Anfeuchten beseitigt. Das Versenden von unverlangten Probe- nummern ist leider ziemlich erfolglos. Die grösste Verbreitung findet eine Zeitschrift durch die Empfehlung ihrer Leser. Wollten Sie auf diese Weise für unser Blatt wirken, so wären wir Ihnen dankbar. 80 Naturwissenschaftliche Wochenschrift- Nr. 10. I^gQ^at© namentlich Anzeigen allei' optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung-. Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An- gebot, Nachfrage und Tausch naturwissenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. Gegen Einsendung von 1 M> 20 4 pro Band (auch in Brief- marken) liefern wir franko: Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne und die Planeten. Mit 68 Ab- bildungen. Bieg. geb. Gerland, Dr. E., Liebt und Wärme. Eleg. geb. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernährung der Pflanzen. Mit 74 Abbildungen Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R„ Die Nilländer. Eleg. geb. Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine Witterungskunde. Eleg. geb. Lehmann, Paul, Die Erde und der Mond. Eleg. geb. Peters, Prof. Dr. C. F. W., Die Fixsterne. Mit 69 Abbildungen. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E.. Die Insekten naeb ihrem Nutzen und Schaden. Mit 70 Abbildungen Eleg. geb. Taschenberg, Dr. Otto, Die Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- bildungen. Eleg. geb. Valentiner, Kometen und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg. geb. Wassmuth, Prof. A„ Die Elektricitftt und ihre Anwendung. Mit 119 Abbildungen. Eleg. geb. Berlin SW. 48. Rieiiiami & Möller. Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von Jl 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von M 2,10 (in Briefmarken.) — Einzelne Nummern kosten für Abonnenten 25 -j. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. Balbi-Arends, Allgemeine Erdbeschreibung oder Hausbuch des geogr. Wissens 6 Aufl. 2 starke Bande. Lex. 8°. 2424 Seiten mit vielen Illustr. 1878. In 2 eleg. Ganzleinenbänden. Statt M. 30,— nur DI. 10,—. Bernstein, A., Naturkraft und Geisteswalten. 1876. broch. Statt M. 5,— nur M. 3,—. Diercks, G., Entwicklungsgeschichte des Geistes der Menschheit 2 Bde. 1882 Statt M. 10— nur DI. 5,-. Haeckel, E., Gesammelte populäre Vortrüge aus dem Gebiete der Ent- wickelungslehre. 2 Bde. mit 82 Abbild. Lex. 8°. 1879. broch. Statt MS— nur DI. 5,—. Harms, F., Die Philosophie in ihrer Geschichte. 2 Bde. 1879/80. Statt M. 13,50 nur DI. 7,-. — , Geschichte der Psychologie. 2. Au«. 1879. Statt M. 7,50 nur DI. 5,—. — , Geschichte der Logik. 1881. Statt M. 6,— nur DI. 4,—. Homeyer, E. F. V., Die Wanderungen der Vögel. 1881. broch. Statt M. 8.— nur DI. 4,—. — , Ornithologische Briefe, gr. 8°. 1881. broch. Statt M. 6.— nur DI. 2,—. Lassalle, Ferd., Die Philosophie Herakleitos des dunklen von Ephesus. 2 Bde. Lex. 8°. 1858. broch. Statt M. 26.— nur DI. 18,—. — , Dasselbe. Band 2. 1858. broch. Statt M. 12— nur M. 8,—. inhalr: Physik. — Lehre vom Erkennen. — Ethik. Lewes, Geschichte der Philosophie von Thaies bis Comte. 2 Bde. gr. 8°. 1876 In 2 eleg. Halbfrzbdn. geb. Statt M. 25,— nur M. 18,—. Nasemann, Gedanken und Erfahrungen über Ewiges und Alltägliches. 2 Bde. 2. Aufl. 8°. 1880. brosch. Statt M. 15,— nur DI. 9,-. Plumacher, 0., Zwei Individualisten der Sehopenhauer'schen Schule (Mainländer u. Hellenbach). 1881. broch. Statt M 2,40 nur DI. 1,50. Riesenthal, 0. V., Die Raubvögel Deutschlands u. d. angrenzenden Mitteleuropas. Mit Atlas von 60 färb. Tafeln in gr. Folio. Lwbd. Text in 8«. Lwbd. Statt M. 80 — nur DI. 40,—. Wipper & Graap, 46 Beweise des Pythagoraeischen Lehrsatzes nebst biogr. Mitteilungen über Pythagoras. Mit 59 Fig. Lex. 8°. 1888. Statt M. 1,50 nur DI. 1,20.' 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Inhalt: Dr. Eugen Dreher: Der Zweck der Naturwissenschaft und die Art und Weise wie sie heute betrieben wird. — Dr. Henry Potonie: Ueber Stigmaria. — Kleinere Mitteilungen: Eine Hausente mit Enterichgefieder. — Latbraea squamaria und Bartsia alpina sind keine „fleischfressende" Pflanzen. — Ueber Liebreicb's „toten Raum". — Diamant in einem Meteorstein. — Astronomischer Kalender. — Fragen und Antworten: Vorschrift zur Düngung von Zimmer-und Gartenpflanzen. — Litteratur: Engler und Prantl: Die natür- lichen Pflanzenfamilien. — Biicherschau. — Briefkasten. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Möller. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. VöMssens Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 10. Juni 1888. Nr. 11. Abonnement: Mau abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- •• Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grössere Aufträge anstalten, wie bei der Expedition. Der VierteljahrspTeis ist Jl 2.— ; ejp entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkuni't. Inseraten- Bringegeld bei der Post lö ■) extra. Jl annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck, ist nur mit vollständiger t^ucl lenangabe gestattet. Naturgeschichte des Verbrechers. Unter dem Titel „Der Verbrecher in anthropolo- gischer, ärztlicher und juristischer Beziehung"*) ist im vorigen Jahre eine von Sanitätsrat Dr. M. 0. Fraenkel besorgte Bearbeitung eines Epoche machenden Werkes aus der Feder des Professors der .Medizin an der Uni- versität Turin Cesare Lömbroso erschienen, dessen eingehendere Besprechung hier durchaus am Platze ist. weil dasselbe einen äusserst wichtigen Beitrag zur Natur- geschichte des Menschen, insbesondere also zu der Naturgeschichte des Verbrechers bietet. Möchte unser besonderer Hinweis auf jenes Werk diesen und jenen anregen, es selbst zur Hand zu nehmen! Wir wollen auf den naturgeschichtliehen Teil der Sache im Fol- genden näher eingehen und müssen die wichtigen Fol- gerungen, die sich für das Strafrecht ergeben, unbeachtet lassen; soviel aber wollen wir sagen, dass das aufmerk- same Studium des in Rede stehenden Buches jedem mit Pharisäer-Neigungen behafteten eindringlich macht, wie kurzsichtig ein hochmütiges Herabschauen auf die un- glücklichen Mitmenschen ist, die das Strafgesetzbuch fühlen lernen. Wir beeilen uns, gleich hinzuzufügen, dass wenn der Naturforscher auch die Einsicht gewinnt, dass die Verbrecher bei ihren verbrecherischen Hand- lungen zwingenden Trieben folgen, doch daraus natürlich noch nicht folgt, dass sie nunmehr straflos ausgehen sollen: ein jeder, der sich nicht in den allgemeinen Lauf der Menschenwelt fügt, wird dafür im Kampf ums Dasein hart bestraft, mag der Unglückliche nun in juristischem Sinne für seine Handlungen verantwortlich *) Verlag vou J. F. Richter in Hamburg. 1887. Preis 15 Mk. sein oder nicht. Giebt es z. B. wohl eine schwerere Sühne für ein im Wahn begangenes Unrecht als das Irrenhaus? Die menschliche Gesellschaft sucht eben natargemäss jeden,.. der ihre Einrichtungen gefährdet, un- schädlich zu machen: sie besitzt die Macht und unter- drückt alles ihr Feindliche. Lombroso weist ausführlich durch seine Unter- suelmngen an weit über 1000 Verbrechern und gestützt auf eine grosse Anzahl aus der Litteratur gesammelten Thatsachen nach, dass sich die Verbrecher im ganzen durch gewisse Merkmale von dem Gros der Menschen unter- scheiden. Er hat die Handlungen der Tiere vom Ge- sichtspunkt des menschlichen Begriffes vom Verbrechen im ersten Teile seines Buches: „Uranfang des Ver- brechens" in die Betrachtung gezogen und folgert aus seinen Beobachtungen, dass die Verbrecher atavistische Formen darstellen. Die 'Untersuchungen Lombroso's zeigen eine merk- würdige Uebereinstimmung der Thatsachen, aus denen I die Aehnlichkeit des Verbrechers mit dem sogenannten wilden und dem kranken Menschen hervorgeht. Vor allem ist es das Tättowieren, das uns darauf hinweist. Sein häutigeres Vorkommen bei den blut- dürstigen und rückfälligen Verbrechern, die obseönen, I den ganzen Körper bedeckenden Bilder, die Eitelkeit. | und körperliche Gefühllosigkeit, die sich darin aus- spricht, erinnert ganz an den Charakter und die Sitten j wilder Völkerschaften. Die körperliche Fühllosigkeit wurde experimentell nachgewiesen, zugleich der wichtige Umstand, dass die eine Körperhälfte und zwar die rechte weniger empfindlich 82 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 11. ist als die linke. Dabei ist die grössere Gesichtsschärfe überhaupt und die des linken Auges insbesondere bei den Verbrechern zu beachten — ebenso wie die Grösse der Augenhöhlen — beides Dinge, die sie mit dem Wilden gemein haben. Daran reiht sich das häufige Vorkommen von Farbenblindheit, endlich die grössere Empfänglich- keit für magnetische und Witterungseinflüsse. Die Reflexe zeigen Anomalien. Dazu kommen Krämpfe, Epilepsie und andere ähnliche Krankheits- erscheinungen. Die Muskelkraft erwies sich auf der linken Seite stärker als auf der rechten. — Linkshändigkeit wurde drei bis viermal häufiger bei Verbrechern als bei normalen Menschen beobachtet. Daraus, wie aus der grösseren Empfindlichkeit der Unken Körperhälfte lässt sich der Schluss ziehen, dass bei dem Verbrecher die rechte Hirnhälfte entwickelter ist, als bei dem gesunden Menschen, wo der umgekehrte Fall stattfindet. Die Gefässreaktion ist schwächer als bei Gesunden. Das Erröten fehlt insbesondere bei den Dieben. Während Schmerzeindrücke keine Reaktion hervorriefen, thaten es unter Umständen lascive Bilder. Die Unempfindlichkeit gegen Körperschmerz und Gemütseindrücke erklärt bei Verbrechern und Wilden die Gleichgültigkeit gegen das Leben anderer und gegen das eigene Leben, mehr noch die Grausamkeit, mit der sie sich zur Befriedigung der Rache, von Hass oder aus Gewohnheit an den Leiden anderer weiden. Darauf beruht auch öfter der gänzliche Mangel an Gründen, oder die Geringfügigkeit der letzteren, für Ausübung der schwär- zesten Verbrechen. Ihr Verstand ist nicht für voll und richtig anzusehen. Genie ist bei ihnen eine Ausnahme. Wo ein Verbrechen mit grossem Geschick ausgeführt wird, da kommt mehr die Uebung in diesen Dingen und eine gewisse Schlau- heit in Betracht, die nur als „Schild für Verstandes- schwäche" dient. Leichtsinn, launenhafte Einfälle und Winkelzüge treten bei ihnen an die Stelle von solider Ueberlegung und Ausdauer. Das erkennt man an ihrer Sprechweise, die ihnen wie das Tättowieren mit dem Urmenschen ge- mein ist, erstere insofern atavistisch als sie die Natur- laute nachbildet und abstrakte Dinge personifiziert. Soviel über die im dritten (letzten) Teil des Lom- broso'schen Buches behandelte „Biologie und Psychologie des geborenen Verbrechers". Nun noch die Resultate aus dem zweiten Teile: „Pathologische Anatomie und Messungen an Verbrechern". Die Messungen am Leichnam zeigen, dass die Ver- brecher, besonders die Diebe, auf einer niedrigeren Ent- wicklungsstufe stehen als die normalen Menschen. Da- für spricht der geringere Schädelraum und -Umfang, der geringere Stirndurchmesser, die Kurzköpfigkeit, die Grösse der Augenhöhlen, die gewaltige Kinnlade und die un- verhältnismässige Höhe des Gesichtes. Das Gehirn entspricht den Schädel-Anomalien: im Ganzen ist es kleiner als bei Normalen. Die Windungen zeigen viele atavistische Abweichungen, z. B. grosse Neigung zum Zusammenfliessen. Merkwürdiger aber ist die Thatsache, dass bei dem Verbrecher häufiger als beim Irren diejenigen Anomalien auftreten, bei denen atavistischer Ursprung nicht anzu- nehmen ist, wie z. B. die Schädel- und Gesichtsassymetrie. Verschiedene krankhafte Erscheinungen sind bei den Verbrechern häufiger als bei anderen Menschen, z. B. Vollblütigkeit, Leberleiden. Trotz alledem findet man erstaunlicherweise ein höheres Körpergewicht, gleiche, vielleicht sogar eine grössere Körperlänge und eine verhältnismässig längere Lebensdauer bei den Verbrechern, letztere erklärlich durch die erwähnte Unempfindlichkeit für Körperschmerz und die geringe Gefässreaktion. Die Betrachtung der Photographien verschafft uns das Mittel zur Kontrolle und Feststellung des Verhält- nisses, in welchem die Verbrecher-Physiognomie vorkommt ; nämlich 25% mit einem Maximum von 36% bei den Mördern und einem Minimum von 6 bis 8% bei Banke- rottierern, Betrügern und Bigamisten. Ferner ist daraus ersichtlich, dass bei den Gelegenheits-Verbrechern Kopf- und Gesichtanomalien in fast gleichem Verhältnis wie bei ehrlichen Leuten vorhanden sind. Die Beobachtung am Lebenden bestätigt das häufige Vorkommen von Kleinköpfigkeit, Asymmetrie, Schrägheit der Augenhöhlen, Schiefzähnigkeit (Prognathie), Auf- treibung der Stirnhöhlen. Sie hebt neue Thatsachen von Aehnlichkeit zwischen Irren, Wilden und Verbrechern hervor. Die Prognathie, die Ueberfülle an schwarzem, krausem Haar, der spärliche Bart, die häufig braune Hautfarbe, die Spitzköpfigkeit, die schrägen Augen, der kleine Schädel, die grossen Kiefer und Wangenbeine, die fliehende Stirn, die ungestaltenen Ohren, der verwischte Geschlechtsunterschied in der äusseren Gestalt, die grössere Spannweite der Arme — sind, zusammen mit den ana- tomischen, ebensoviele neue Merkmale, welche dem eu- ropäischen Verbrecher fast den Stempel der australischen und mongolischen Rasse aufdrücken. Ausserdem zeigen uns das Schielen, die Schädel- Assymetrie und die schweren histologischen Fehler, die Knochenauswüchse, die Folgezustände von Genickkrampf, Herz- und Leberleiden u. a. m., dass wir es bei dem Verbrecher mit einem Menschen zu thun haben, den entweder Entwickelungshemmung oder erworbene Krank- heit, besonders der Nervencentren, schon von seiner Ge- burt an in einen anomalen, dem des Irren ähnlichen Zustand versetzt hat, — kurz mit einem wirklich chro- nisch-kranken Menschen. Wie eindringlich mahnen uns nicht wieder die Untersuchungen Lombroso's, wie sehr gründlichere naturwissenschaftliche Kenntnisse jedem Gebildeten not- wendig sind! Leistet doch selbst nach dem Ausspruch eines anerkannt tüchtigen Juristen, des Prof. Dr. jur. Nr. 11. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 83 von Kirchenheim (der die deutsche Ausgabe des Lombroso'schen Buches mit einer „Einführung" versehen hat), die nunmehr gewonnene Erkenntnis mehr für das Strafrecht als die Forschungen der sogenannten klassi- schen Jurisprudenz. Leider werden aber die wichtigen Resultate Lom- broso's voraussichtlich nur sehr langsam die dringend notwendig gewordene wesentliche Aenderung in der juridischen Behandlung der Verbrecher bewirken, weil eben den Juristen im allgemeinen — vermöge ihrer Vor- bildung und ihres Studienganges — das Verständnis für die Wucht der naturwissenschaftlichen Logik begreiflicher- weise abgeht. Mit Befriedigung sieht der Naturforscher den Beweis geliefert, dass auch die angewandte Rechtswissenschaft die Naturforschung nicht entbehren kann, die sie allein in den Stand setzt, ihre Objekte zu „erkennen". H. Potonie. Der Zweck der Naturwissenschaft und die Art und Weise wie sie heute betrieben wird. Von Dr. Eugen Dreher, weil. Dozent an der Universität Halle. (Schluss) Zu den weitragendsten Errungenschaften der Natur- wissenschaft geholt unstreitig das um die Mitte unseres Jahrhunderts von Robert Mayer aufgestellte „Gesetz von der Erhaltung der Kraft". Ist der Dualismus von Kraft und Materie (letztere im engeren Sinne des Wortes) erwiesen, besteht Kraft und Materie jede für sich, so muss, da keine Neu -Schöpfung noch Vernichtung an- genommen werden kann, die Kraftgrösse der Ursache gleich der ihrer Wirkung sein, so dass die Kraft der Ursache sich nur in verändeter Form in der Wirkung vorfindet. Hiermit wäre vom rein philosophischen Stand- punkte aus das Gesetz von der Erhaltung der Kraft im strengsten Sinne des Wortes als bewiesen zu erachten. Anders hat sich der Naturforcher dem Gesetze von der Erhaltung der Kraft gegenüber zu stellen. Wie die Geschichte darlegt, ist dieses Gesetz nicht wie das von Descartes aufgestellte Axiom von der Undurch- dringlichkeit der Materie, wie das von demselben Forscher herrührende Beharrungsgesetz als plötzlicher Lichtgedanke aufgetaucht, sondern mühselige experimentelle Unter- suchungen vieler Forscher haben ganz allmählich zu seiner klaren Aufstellung geführt, so dass es dem genannten Heilbrouner Arzt, der als Entdecker dieses Gesetzes ge- nannt wird, streng genommen, nur vorbehalten war, dieses Gesetz am tiefsten und weitgreifendsten zu motivieren und in seinem vollen Umfange am schärfsten aus- zusprechen. Dies geschah aber zu einer Zeit, wo man schon brauchbare Hypothesen von der Wirksamkeit und dem Wesen der Kräfte hatte, Annahmen, die in der modernen Wissenschaft noch üblich sind und welche Robert Mayer, wenngleich sehr einseitig, behufs Durchführung seines Gesetzes auch verwendete, wobei er gewiss nicht ahnte, ■dass man diese Hypothesen auch gegen die Richtigkeit seines Gesetzes ins Feld führen kann. So viel steht jedoch dem historischen Gange gemäss fest: dass das Gesetz von der Erhaltung der Kraft nicht als ein natur- wissenschaftliches Axiom aufzufassen ist, welches man den Phänomenen zu Grunde legt, um sie daraus her- zuleiten, sondern vielmehr als ein Massstab, mit welchem man die Richtigkeit unserer Erklärungen in Bezug ihres theoretisch-mechanischen Wertes zu messen hat. In diesem Sinne wünscht selbst Robert Mayer sein Gesetz von der Erhaltung der Kraft verwertet zu wissen, indem er stets nach der gleichen Kraftgrösse von Ursache und Wirkung forschte. Ganz anders betrachten selbst moderne Koryphäen der Physik wie von Helmholtz und John Tyndall die Bedeutung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft. So sucht von Helmholtz, dessen vorsichtiges Forschen sonst hohe Anerkennung verdient, genanntes Gesetz dadurch annehmbar zu machen, dass er an nicht erheblich schwierigen Fällen nachweist, dass wenn eine Kraft- wirkung aus der Erscheinung tritt, eine ihr gleichwertige phänomenell werden kann, woraus er, bei unrichtige] Berücksichtigung von Ursache und Wirkung den ver- frühten Schluss zieht, dass ein Kraftumsatz stattgefunden habe. Indem so von Helmholtz nicht genügend nach Ursache und Wirkung forscht, gelangt er zu Folgerungen. die unverträglich mit der Wissenschaft sind, wie z. B. zu der, dass ein in die Höhe geworfener Stein deswegen falle, weil die Wurfkraft in ihm aufgespeichert sei. (Vergl. seine Vorträge: „Ueber die Erhaltung der Kraft". „Ueber die Wechselwirkung der Naturkräfte u. s. w."l Um aber zu zeigen: wie leichthin man mit dem Gesetz von der Erhaltung der Kraft umgeht, will ich hier einige Citate anführen und zwar aus dem berühmten Werke von John Tyndall: „Die Wärme, betrachtet als eine Art der Bewegung" (Braunschweig, 1875), welches von Helmholtz und G. Wiedemann heraus- gegeben haben, ein Umstand, der gewiss für die hohe Bedeutung des genannten Werkes spricht. Jn diesem Buche findet sich durchgängig der freilich nahe liegende Irrtum, dass Massenbewegung wie: Reibung, Stoss und Druck direkt in Wärme sich um- setzen kann. So heisst es beispielshalber daselbst (Seite 10): „Durch das Ueberwinden hemmender Reibung wird Wärme erzeugt, und die gewonnene Wärme ist das genaue Mass der Kraft, welche angewendet wurde, um die Reibung zu überwinden. Die Wärme ist einfach die ursprii/ngliche Kraft in einer anderen Form u. s. iv." Der erste Satz dieses Citats ist richtig; der zweite 84 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 11. hingegen: der die Wärme als eine direkte Umsetzung der bei der Reibung in Anwendung gekommenen Kraft hinstellt, wurzelt in einem Missverständnisse des ob- waltenden Verhältnisses von Massen- und Molekular- bewegung, in einem Missverständnisse, welches dadurch herbeigeführt worden ist, dass man behufs Erklärung der auftretenden Wärme das Gesetz von der Erhaltung der Kraft in zu einfacher Weise verwerten zu können glaubte. Denn: würden zwei absolut starre Körper, die je ihr Volumen vollkommen ausfüllen, wie etwa zwei Atome. aufeinander stossen, so würde nie und nimmer Wärme entstehen, sondern die zusammentreffenden Körper würden einfach hinsichtlich ihrer Bewegung dem Gesetze von dem „Parallelogramm der Kräfte" unterworfen sein. Wärme kann nur dann auftreten: wenn ein Körper Moleküle bestimmter Elasticität besitzt, die durch irgend welchen Anstoss ihr elastisches Gleichgewicht verloren haben und dasselbe durch ihre Oscillationen wieder herzustellen suchen. Diese „Schwingungen" sind eben dasjenige, was der Physiker Wärme nennt. Die hierbei in Anwendung kommende Kraft, die der Elasticität der Moleküle zu- gesprochen werden muss, ist jedoch gleichwertig der ver- schwundenen Kraft des Anstosses. Man kann diesen Vorgang mit dem Schwirren einer angeschlagenen ge- spannten Seite vergleichen, welche, streng theoretisch gefasst, zu Schall- statt zu Wärmephänomenen unter geeigneten Umständen Veranlassung bietet. Wie im genannten Falle dem Gesetze von der Erhaltung der Kraft Rechnung getragen wird, dies zu ergründen, bleibt demjenigen vorbehalten, der es nicht scheut, einen ursächlichen Zusammenhang auch dort noch nachzuweisen, wo derselbe viel verwickelter ist, als man beim ersten Blick glauben möchte. Begeistert von dem Grundgedanken des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft, fand ich, dass die uns zu Gebote stehenden Erklärungen der einzelnen darauf Bezug nehmenden Phänomene nicht diejenige genügende Beweis- kraft besitzen, die wir der „theoretischen Mechanik"' gemäss, in den exakten Naturwissenschaften beanspruchen. Aus diesem Grunde suchte ich genanntes Gesetz fester, als es bisher geschehen war, für mich zu begründen und stiess lüerbei auf vorher nicht geahnte Schwierigkeiten, deren Wegräumung an fast unüberwindliche Hindernisse gebunden ist. Meine Schrift: „Ueber den Begriff der Kraft mit Berücksichtigung des Gesetzes von der Er- haltung der Kraft (Dümmler. Berlin 1885.)" mag u. a. wenigstens Zeugnis dafür ablegen, dass es mir nicht an ernstem Willen gefehlt hat, ein Gesetz von solcher Trag- weite, wie das in Frage stehende, den Anforderungen unserer heutigen Hypothesen entsprechend, fest und fester zu begründen. Dass eine derartige Begründung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft jedoch nicht leicht fällt, fühlt Tyndall sehr wohl, indem er sich am Schluss des ge- nannten Werkes die erdenklichste Mühe giebt, das Gesetz von der Erhaltung der Kraft in einem demselben beson- ders gewidmeten Artikel: „Bemerkungen über die Aequi- valenz der Naturkräfte" dem Zuhörer plausibel zu machen. Der kritisch veranlagte Leser wird sich jedoch wundern, wie der sonst so klare und gewandte Autor sich hierbei in zahlreiche Widersprüche verwickelt, wie seine Dar- stellung mit Steigerung der zu überwältigenden Schwierig- keiten immer mehr an Klarheit verliert, bis man schliess- lich deutlich erkennt, dass Tyndall nicht im Stande ist, dasjenige durchzuführen, was er wohl möchte, d. h. das „Gesetz von der Erhaltung der Kraft" zu begründen. Trotz des ausgesprochenen Tadels will ich dennoch nicht verkennen, dass das besagte Kapitel entschieden zu dem besten gehört, was über das Gesetz von der Erhaltung der Kraft geschrieben ist, da der gewissenhaft unternommene Versuch der Begründung dieses Gesetzes jeder Oberflächlichkeit entbehrt und so auch Schwierig- keiten würdigt, um deren Beseitigung es sich bei der Begründung handelt. Um das Behauptete zu belegen, mögen schliesslich einige Stellen aus dem besagten Kapitel hier Erwähnung finden. So erklärt John Tyndall im genannten Werke (Seite 703) ausdrücklich: „Von der inneren Eigenschaft, welche den Stoff befähigt, Stoff anzuziehen, ivissen wir nichts; und das Gesetz von der Erhaltung der Kraft stellt in Bezug auf diese Eigenschaft nichts fest. Es nimmt die Thatsachen der Anziehung so wie sie sind, und bestätigt nur die Konstanz der Arbeit sgrösse." Wäre dem so, so hätte das „Gesetz von der Er- haltung der Kraft keine Bedeutung, weil: immanente Kräfte: wie Gravitation, chemische Verwandtschaft, obwohl als Kraftanlagen unverändert bleibend, dennoch zu Be- wegungen, also zu aktuellen Kräften Veranlassung bieten. womit im Saushalte der Natur der Vorrat an Kraft, und zwar an aktueller Kraft, wachsen muss, während nichts an virtueller verloren geht. Unter „aktueller" Kraft verstehe ich sachgemäss diejenige, die in Wirksamkeit begriffen ist, selbst wenn die Resultate ihrer Arbeit sich auch teilweise oder ganz aufheben. Unter „virtueller" diejenige Kraft, die als Anlage vorhanden ist. In demselben Kapitel lautet es ferner: „ Wenn z. B. zwei Wasserstoff- Atome sich mit einem Sauerstoff-Atom verbinden, um Wasser zu bilden, werden die Atome zuerst gegen einander hingezogen : sie bewegen sich, prallen auf einander, and infolge ihrer Elasticität prallen sie zurück und gittern. Dieser zitternden Bewegung geben wir den Namen Wärme." John Tyndall übersieht zunächst hier, dass Atome unserer modernen Theorie zufolge sich wegen der ihnen innewohnenden abstossenden Kraft gar nicht berühren können, dass ferner Atome, falls sie „aufeinanderprallen" könnten, mit einer unendlich grossen Kraft aneinander gekettet sein würden, mit einer Kraft, die keine Aether- welle, kein physikalisches noch chemisches Agens zu überwinden vermag. Derartige Atomgruppen würden Nr. 11. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 85 gewissermassen als absolut unteilbar neue Atome bilden. Ferner ist es doch widersinnig, von elastischen Atomen su sprechen, da die Elasticität auf der Möglich- keit der Verschiebung von 'Massenteilchen beruht. Mit demselben Beehte könnte man von einer Zerstäubung der Atome u. s. w. reden, was nicht minder gegen den Begriff' der Atome Verstössen, ah denselben Elasticität zuzusprechen. Derartige Behauptungen streiten nicht nur gegen das Gesetz der Undurchdringlichkeit der Materie, sondern entziehen auch der ganzen „exakten Naturwissenschaft" ihren Boden. Sie tragen nicht zur Aufklärung des Geistes bei, die ich als wesentlichstes Merkmal aller Naturwissenschaft erachte. Deswegen will ich es nicht unterlassen, hier zu erwähnen, dass sich in dem bekannten Werke: „Ausführliches Lehrbuch der anorganischen Chemie von Dr. A. Michaelis, auf Grund von Otto's aus- führlichem Lehrbuch der Chemie neu bearbeitet, fünfte umgearbeitete Auflage" (Braunschweig. Vieweg & Sohn.) Seite 62 nachfolgende Stelle findet: „Wir heben hier ausdrücklich hervor, dass diejenigen Atome, welche die Chemie annimmt, noch die allgemeinen Eigenschaften der Materie vor allem Raumerfüllung, Zusammendrückbarkeit und Ausdehnbarkeit be- sitzen. Absolut harte Atome sind ein Unding, da zwischen diesen jede Wechselwirkung unmöglich ist." Der Verfasser ahnt nicht: wie unverträglich Raum- erfüllung (Undurchdringlichkeit) mit Zusammendrückbar- keit und Ausdehnbarkeit ist. — Atome sind als die Elementarbestandteile der Körper stets als Kraftcent ren zu erachten, während Moleküle u. s. w. ihrer zusammen- gesetzten Beschaffenheit wegen als Kraftsysteme auf- gefasst werden müssen. Dass John Tyndall die Wärme für eine ato- m istische, statt für eine molekulare Bewegung erachtet, fällt zu wenig den angeführten Unrichtigkeiten gegenüber ins Gewicht, als dass es hier Beachtung ver- diente, wo vorher schon von der Wärme als Molekular- bewegung gesprochen wurde. Das Angefühlte mag einen Beweis dafür liefern: wie höchst erforderlich es ist, dass der Schüler nicht bloss lernt, was in anerkannten Büchern steht, sondern dass er beständig selber prüft und urteilt. Jeder von uns ist und bleibt aber „Schüler", wie dies die englische Sprache durch das Wort: „scholar", welches Schüler und Gelehrter bezeichnet, zutreffend ausdrückt. Kleinere Mitteilungen. Ueber den Krankheitskeim des gelben Fiebers und die Schutzimpfung gegen dasselbe sind in den letzten Jahren interessante Untersuchungen angestellt worden, über welche Kreis- physikus Dr. med. Schmitz in dem „Jahrbuch der Naturwissen- schaften 1887—1888" wie folgt berichtet: Dr. Domingos Freire in Rio de Janeiro machte bereits im November 1884 Mitteilungen über einen Mikro-Organismus, welchen er sowohl in den Organen als auch in den erbrochenen Massen der am Gelben Fieber erkrankten Personen aufgefunden hatte und welchen •er als den Krankheitserreger dieser so gefährlichen Krankheit er- achtete. Seine Entdeckungen begegneten mannigfaltigen Anzweife- lungen sowohl seitens europäischer als brasilianischer Aerzte. Neuer- dings legte derselbe die weiteren Ergebnisse seiner Forschung der französischen Akademie vor. welche folgende sind: „Untersucht man mikroskopisch das Blut eines im letzten Stadium des Gelben Fiebers befindlichen Kranken, so erkennt man zwischen den Blutkörperchen eine grosse Menge sehr feiner, glänzender, be- weglicher Mikiokokken; dieselben Mikro-Örganismen findet man in der Magenschleimhaut, sowie in den erbrochenen schwarzen Massen der Erkrankten. Entnimmt man mittels einer sterilisierten Pipette eine kleine Menge Blut aus dem Herzen eines am Gelben Fieber Gestorbenen und bringt dasselbe in ein mit sterilisierter Bouillon beschicktes Kulturglas, so findet man, dass die Kulturflüssigkeit sich innerhalb der nächsten Tage immer mehr trübt, währenddessen sich die Blutkörperchen zu Boden des Glases setzen. Späterhin bildet sich dann eine anfangs käsig aussehende, hernach dunkel ge- färbte Substanz im Kulturglase, welchem zu dieser Zeit ein eigen- tümlicher Geruch entsteigt, ähnlich dem der von den Kranken er- brochenen Massen. Mikroskopisch untersucht, enthält die Kulturflüssigkeit eine Menge Mikrokokken von gleicher Art, wie sie im Blute der Er- krankten vorkommen. Dieselben hängen aneinander und bilden lange, bewegliche, immer wechselnde Ketten. Bringt man von dieser Masse in eine gute Nährflüssigkeit, so geht die Entwickelung des Mikro- kokkus in Kolonien vor sich, welche von Anilinfarben leicht gefärbt werden. In Gelatine wachsen die Mikro-Organismen in Nagelform, unter allmählicher Verflüssigung di j s Nährbodens. Die chemische Untersuchung der dunkel gefärbten Massen, welche sich auf dem Boden des Kulturglases abgesetzt haben, zeigt, dass diese Pt omaine enthalten von gleicher Art, wie sie sich in den erbrochenen Massen vorfinden. Es lässt sich das Gelbe Fieber auf Tiere — Kaninchen, Meer- schweinchen, Vögel — durch Injektion sowohl mit den erbrochenen Massen, als auch mit Kulturflüssigkeit übertragen." Zu gleichem Ergebnisse gelangten Range\ Finlay und Mänzel. „Bemerkenswert ist, dass die Giftigkeit der Kulturflüssig- keit nur 8 — 10 Tage andauert. Wenn man mit einer älteren Kulturflüssigkeit Tiere impft, so gehen dieselben nicht zu Grunde, sondern erlangen umgekehrt eine Schutzkraft gegen das GelbeFieber, so dass eine Impfung mit unter sonstigen Verhältnissen sicher wirkender Kulturflüssigkeit wirkungslos bleibt. Die Heftigkeit der Wirkung der Kulturflüssigkeit nimmt mit dem zunehmenden Alter derselben ab. Demnach hat man es in der Hand, sich einen Impfstoff gegen das Gelbe Fieber zu bereiten, dessen Ein- impfung gefahrlos bleibt und den Geimpften gegen die Krankheit immun macht." Das gewonnene Resultat hat Freire in der Art verwertet, dass er von Januar 1885 bis September 1886 in Rio de Janeiro 4949 Brasilianer und 1575 Ausländer impfte. Von den Geimpften ver- starben seitdem acht Personen an Gelbfieber (0,12°/ ). Von den nicht Geimpften, deren Zahl auf 160,000 geschätzt wird, welche unter gleichen Verhältnissen und an denselben Orten lebten, gingen innerhalb desselben Zeitraumes 1675 Personen um Gelben Fieber zu Grunde (1,05%). Aus den angeführten Zahlen lässt sich folgern, dass die Wirksamkeit der Impfung über allen Zweifel erhaben sein dürfte. Freire machte auf dem im September 1887 zu Washington abgehaltenen internationalen Kongresse noch folgende Einzelheiten über seine Entdeckungen bekannt: „Die speeifische Mikrobe des Gelben Fiebers ist das Amarillus- Bakterium von 1 — lVs'j« (1 f- = 0,001 mm) Länge. Dasselbe findet sich in einer einzelligen Form, anfangs als kleiner runder Punkt beginnend, vor und ist bei einer Vergrösserung von 700 linear kaum zu erkennen. Die Punkte vergrössern sich ganz allmählich und brechen stark das Lieht. Die Zellen haben sphärische Gestalt, sind von einem graulichen oder schwarzen Rande umgeben und enthalten Protoplasma in ihrem Innern. Wenn die Zellen grösser geworden sind, dann platzen sie, worauf das Bakterium heraustritt. Gleich- zeitig gehen aus der Zelle zwei verschiedene Pigmente hervor, ein gelbes, welches alle Körpergewebe des Kranken infiltriert und dadurch die gelbe Farbe desselben hervorruft, und ein schwarzes, welches, in den Blutstrom geleitet, zu Verstopfung der Blutkapillaren und zu Blutstauungen innerhalb der Kürperorgane führt. Die schwarze Farbe der erbrochenen Massen rührt von dem schwarzen Pigment her." Der Mikrokokkus des Gelben Fiebers scheint demnach ein chromogener. d. i. einen Farbstoff hervorbringender zu sein. Der- artiger Organismen sind bereits verschiedene bekannt und näher 86 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 11. untersucht, wie z. B. der Bacillus cyanogenus, welcher ein blaues Pigment, und der Micrococcus prodigiosus, welcher ein rotes Pigment produziert. Freire demonstrierte auf dem Washingtoner Kongresse Präpa- rate seines Bacillus. Die Einimpfung dieses Bacillus bewirkte das Gelbe Fieber. Meerschweinchen und Kaninchen wurden dadurch in 2— 10 Tagen getötet. Die Einatmung der mit dem genannten Mikro- organismus erfüllten Luft hatte denselben Erfolg. Durch successive Kulturen wird der Amarillus Bacillus "weniger giftig. Die vierte Ueberpflanzung wird von Freire in der letzten Zeit als Impfstoff henutzt. Die Kulturfiussigkeit wird in 4 — 8 g fassende Röhrchen gebracht, durch Hitze sterilisiert und verschlossen. 2 — 15 Tropfen, je nach dem Alter des Impflings, werden mittels einer Pravaz- schen Spritze unter die Haut bei der Impfung injiziert. Die nach der Impfung auftretenden Symptome sind starkes Fieber, Kopfschmerz, bisweilen Erbrechen und leichte Gelbsucht; jedoch werden diese Krank- heitserscheinungen niemals gefährlich und schwinden in 2 — 3 Tagen. Die Mortalität der geimpften Personen an Gelbsucht betrug nach Freire' s Angabe 0,001 %. Die Gestorbenen seien Arme gewesen, welche unter schlechten hygieinischen Verhältnissen gelebt hätten. TJeber die Entstehung der Alpen. — Bekanntlich sind die höchsten Gebirge der Erde, die Alpen, der Himalaya, die Anden, vor einer — geologisch gesprochen — kurzen Zeit entstanden (Mitte der Tertiärperiode). Auch Apemiinen und Pyrenäen sind nur um ein weniges älter. Es wäre jedoch unrichtig, hieraus den Schluss zu ziehen, dass in den früheren Abschnitten der Erdgeschichte, der- artige hohe Gebirge gefehlt hätten. Man muss vielmehr annehmen, dass zum Teil durch Verwitterung und messendes Wasser, zum Teil durch die Brandungswelle des vordringenden Meeres die älteren Ge- birgserhebungen wieder eingeebnet worden sind. Der Geologe vermag nun aus dem Gefüge der Schichten, aus der Architektur der Erdrinde zu erkennen, wo früher Gebirge ge- standen haben. Gebirge bilden sich entweder durch Runzelung der Erdrinde, durch Faltung und Aufwölbung der Schichten, oder durch Bruch und Absenkung ausgedehnter Schollen in die Tiefe; die zwischen den Brachfeldern stehen bleibenden Stücke werden ebenfalls als Gebirge bezeichnet. Wo nun die Schichten stark gefaltet sind, die Oberfläche des Landes aber eben ist — wie z. B. im südlichen Russland — oder wo gewaltige Brüche durch Höhenunterschiede sich an der Oberfläche nicht mehr bemerkbar machen, pflegt der Geologe das Vorhandensein eines „erloschenen" Gebirges anzunehmen. Z.B. deuten die Faltungserscheinungen, die man im rheinischen Schiefer- gebirge und den angrenzenden belgischen Kohlenrevieren beobachtet, auf das Vorhandensein einer uralten GebirgsKette, die wahrschein- lich die Alpen an Höhe übertroffen hat. Die Einebnung ist hier durch das Vordringen des Meeres erfolgt und die heutige Oberflächen- gestaltung durch die Erosion des fliessenden Wassers geschaffen. Von Wichtigkeit sind nun die von mir gemachten Beobachtungen (Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 1887, p. 239 ff. [Ueber Bau und Entstehung der Karnischen Alpen]), welche darauf hinweisen, dass schon am Ende der paläozoischen Aera ein später eingeebnetes Gebirge an der Stelle der heutigen Alpen gestanden hat. Der südliche Teil der heutigen Ostalpen trägt das Gepräge eines Schollen- oder Bruchgebirges ; nun fand sich, dass die paläo- zoischen Schichten der Karnischen Alpen innerhalb der von Brüchen begrenzten Schollen in der mannigfachsten Weise gefaltet und ver- schoben waren. Es ist der Natur der Sache nach undenkbar, dass diese Falten gleichzeitig mit den Brüchen entstanden sind, denn bei der Faltung verhält sich die Erdrinde gleichsam elastisch, bei der Entstehung von Bruchgebirgen hingegen als starre Masse; bei der Faltung findet eine Kompression und Raumvernünderung. bei Brüchen und Absenkungen hingegen eine Zerrung und Raumerweiterung statt. Da nun heute die Brüche das formgebende Element des Gebirgs- baues sind, muss die Faltung in früherer Zeit erfolgt sein. Die Altersbestimmung der Faltungsperiode ergab sich aus der Beobach- tung, dass die jüngsten paläozoischen Schichten (Perm) auf den Schiefern der Steinkohlenperiode ungleichförmig (mit abweichendem Neigungswinkel) aufgelagert sind. Die Faltung und Aufrichtung des alten Gebirges, das den heutigen Alpen an Höhe wahrscheinlich gleichkam, hat also in der Zwischenzeit, im Beginn der jüngsten paläozoischen, der Permperiode, stattgefunden. Aehnliche Beobach- tungen über ungleichförmige Auflagerung waren schon früher in den Westalpen (Dauphine) gemacht; es ist also im höchsten Grade wahr- scheinlich, dass die Längserstreckung der „paläozoischen Alpen" mit der des heutigen Gebirges übereinstimmte. Jedoch ist der Umstand von Bedeutung, dass die Centralkette des alpinen Urgebirges süd- licher (in der Zone der heutigen Südalpen) lag; aus den heutigen Nordalpen sind keine Anzeichen älterer Faltung bekannt. Die Beobachtung, dass die gebirgsbildende Kraft an bestimmte Regionen der Erde auf unendlich lange Zeiten hin gewissermassen gebunden ist, wurde schon in früherer Zeit gemacht; wichtig, aber leicht erklärlich, ist der Umstand, dass innerhalb dieser Regionen die Zone der stärksten Faltung nicht beständig bleibt. Denn der Teil der Erdrinde, welcher einmal durch heftigen Seitendruck ver- festigt und gewissermassen komprimiert ist, wird sich gegenüber späteren Aeusserungen der gebirgsbildenden Kraft passiv verhalten. Möglicherweise liegt in diesem letzteren Umstand die Erklärung für den abweichenden Bau der Südalpen. Die heutigen Nord- und Centralalpen bilden den Typus von Faltengebirgen, die Südalpen sind ein Schollengehirge soweit sie noch sichtbar geblieben und so- weit sie nicht an einem kolossalen Bruch am Rande der Lombardei abgesunken sind. Hier stossen nämlich die Centralalpen (Monte Rosa-Gruppe) unvermittelt an die Ebene. Erwägt man nun, dass das Centrum der uralten Faltung eben in den Südalpen lag, so' ist die Vermutung nicht ungerechtfertigt, dass das Vorhandensein eines alten gefalteten Gebirges in der Tiefe (unter den mesozoischen Schich- ten) den abweichenden Bau der Südzone bedingt hat. Dr. F. Frech Privatdozent in Halle. Zur Blitzableiterfrage. — Gegenüber der bereits seit Jahr- zehnten beständig zunehmenden Blitzgefahr*) ist es von grösster Wich- tigkeit, nicht nur möglichst vollkommene Blitzschutz- Vorkehrungen zu treffen, sondern auch auf eine wirklich verlässliche, regelmässige Prüfung derselben bedacht zu sein. Was die ersteren anbetrifft, so richtete man bisher bei der Anlage eines Blitzableiters das Haupt- augenmerk auf Dinge, die keineswegs zuerst berücksichtigt zu werden brauchen. Schon der elektrotechnische Verein zu Berlin bezeichnet©' in der von ihm herausgegebenen Schrift „Die Blitzgefahr" die An- wendung vergoldeter, silberner oder platinierter Spitzen als keines- wegs unumgänglich notwendig zu einem ausreichenden Blitzschutz. Die gleiche Meinung vertritt jetzt in entschiedenster Weise A. Herricht in seiner Schrift „Zur Blitzableiterfrage, Lübeck 1887, Selbstverlag d. Verf., Preis 60 -j", indem er ausführt, dass eine doch keinesfalls sehr dicke Oxydschicht, welche sich an der Oberfläche verzinkter, eiserner oder kupferner Spitzen bildet, nicht im stände sei, bei dem Ausgleich der bedeutenden Spannungen der Gewitter- elektricität eine störende Einwirkung auszuüben. Viel wichtiger sei es, dafür zu sorgen, dass der Abieiter selbst in allen seinen Teilen genügend stark, leitungsfähig und unversehrt ist, sowie dass der Uebergangswiderstand der Erdleitung, der entsteht, wenn die Elek- tricität aus der Erdplatte in das sie umgebende, verschieden be- schaffene, insbesondere nicht immer gleich gut vom Grundwasser durchsetzte Erdreich abfliesst, ein möglichst geringer ist. Diese Widerstandsverhältnisse sind besonders einer regelmässig zu wieder- holenden, messenden Prüfung zu unterziehen. Die bisherigen Prüfungen, welche sich meist darauf beschränkten, den oberirdischen Abieiter in den Stromkreis einer Batterie einzuschalten und fest- zustellen, ob danach beim Ingangsetzen der Batterie ein merklicher Strom vorhanden ist, sind durchaus ungenügend. Keineswegs unter- lassen darf man es ferner, metallische Röhrenleitungen mit dem Blitz- ableiter zu verbinden. Da nämlich der Uebergangswiderstand einer Röhrenleitung auf jeden Fall geringer als der des Abieiters ist, die elektrische Entladung aber unter allen gebotenen Wegen stets den kürzesten und bestleitenden wählt, so wird der Blitz von dem Ab- ieiter auf die Röhrenleitung überspringen, wenn beide nicht mit- einander verbunden sind und — sei es auch nur in einem Punkte — nahe bei einander liegen; die Folge davon wird die Zerstörung oder Entzündung der zwischen beiden liegenden Hindernisse sein. — Als (wenigstens für zahlreiche Fälle) höchst zweckmässiges Blitzschutz- System empfiehlt der genannte Verfasser, ebenso wie in einem jüngst in Magdeburg gehaltenen Vortrage Herr Dr. Assmann, das des holländischen Prof. Melsens, welches darin besteht, eine grosse Anzahl weniger hoher Spitzen mit zahlreichen Ableitungen und Erdleitungen zu einem weitmaschigen Netze zu verbinden, und welches vergleichbar den städtischen Fernsprechnetzen sein würde, deren auf den Dächern befindliche Träger sowohl untereinander, als mit der Erde in leitender Verbindung stehen, sodass dergestalt die Fernsprechnetze als Schutzmittel gegen die Blitzgefahr gelten können. Dr. K. F. Jordan. Astronomisches. — Astronomische Neuigkeiten. — Ueber die Bestimmung der Bewegung von Sternen im Visionsradius. Im Jahre 1842 machte Doppler darauf aufmerksam, dass gleichwie die Höhe eines Tones sich ändert, wenn die Entfernung zwischen dem Beobachter und dem tönenden Körper sieh mit einer im Ver- hältnis zu der des Schalls merklichen Geschwindigkeit vergrössert oder verkleinert, so auch die Farbe eines leuchtenden Körpers sich ändern müsse, sobald derselbe sich in Bezug auf den Beobachter *) Die Opfer, welche der Blitz alljährlich an Blut und Gut fordert, sind viel beträchtlicher, als man gemeinhin annimmt. Im Königreich Preussen werden durchschnittlich im Jahre mehr als hundert Menschen vom Blitze getötet, in Deutschland Brandschäden im Betrage von 6 — 8 Millionen Mark durch den Blitz hervorgerufen. Von 15 Bränden überhaupt, im Königreich Sachsen aber schon .von 5 Bränden, ist einer auf Blitzschlag zurückzuführen. Nr. 11. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. mit piner Geschwindigkeit bewegt, welcl.e in messbarem Verhältnisse zu der des Lichtes steht. Diese Farbenänderung macht sich im Spektrum des Sternes durch eine Verschiebung der Spektrallinien geltend und zwar werden, wenn der Körper in der Richtung der Gesichtslinie sich vom Beobachter fortbewegt. Wellen grösserer Länge ankommen, die Spektrallinien sich nach dem weniger brech- baren Ende des Spektrums verschieben und ähnlich umgekehrt beim Näherkommen des Sternes. Diese Verschiebungen bieten daher ein Mittel an die Hand, Sternbewegungen im Visionsradius direkt zu bestimmen, wie dies schon früher von Huggins und Vogel ge- schehen ist. Indessen stellte sich bei den Beobachtungen der Uebel- stand heraus, dass bei den geringen Geschwindigkeiten der Sterne auch die Verschiebungen so geringe sind, dass die Messungen, die ausserdem vom Zustande der Atmosphäre stark beeinflusst werden, ausserordentlich schwierig sich gestalten. Anfang dieses Jahres machte I'rofessor Vogel den Versuch, die l'hotographie auf diese Beobachtungen anzuwenden und bei den aussordentlichen Fort- schritten derselben, namentlich in Bezug auf die Empfindlichkeit der Blatten, haben sich die Erwartungen desselben vollständig be- stätigt. Unter Assistenz des Dr. J. Scheiner ist es gelungen, Photographien der Spektra von Sirius, Pröcyon, Castor, Arcturus, Follux, Rigel, yOriouis und Regulus zu erhalten, auf denen die Ver- schiebung der Linien gegen die H j--Linie des Wasserstoffspektrums mit grosser Deutlichkeit zu erkennen und recht sicher zu messen ist. Die Unruhe der Luft übt hier keinen Einfluss mehr. Die Messungs- resultate stimmen mit den älteren Erfahrungen von Huggins und Vogel gut überein. — Entdeckung eines neuen Planeten. — Diesmal kommt von der Marseiller Sternwarte die Kunde von der Entdeckung eines neuen Planeten, den der Assistent an derselben, Borelly, am 12. Mai auf- gefunden hat. Der neue Planet ist der 278. und der 15. den Borelly entdeckt hat, er ist 11,5. Grösse. Dr. F. Plato. Litteratur. Dr. H. Potonie: Elemente der Botanik. — Mit 539 in den Text gedruckten Abbildungen, 8°, 323 Seiten. Berlin, Verlag von Moritz Boas. 2 JC 80 4, gebunden 3 Jt 60 4. Vorliegendes Werk liefert einen sehr wertvollen Kommentar zu der in Nr. 20 des ersten Bandes dieser Zeitschrift von Herrn Inspektor H. Lindemuth besprochenen dritten Auflage der illustrierten Flora von Xord- und Mitteldeutschland desselben Verfassers. Schon in dieser Flora hatte Potonie dem speciellen Teile ausser mehreren ■wichtigen praktischen Winken einen allgemeinen Teil, enthaltend die Grundzüge der Morphologie. Physiologie, Phytopaläontologie, l'tianzen- geographie und .Systemkunde, vorangehen lassen. In den Elementen der Botanik geht nun der Verfasser auf die einzelnen obengenannten Zweige der Wissenschaft näher ein. Die vielen schönen Abbildungen, dienen wesentlich dazu, den Wert des in allgemeinverständlicher Sprache abgefassten Buches zu erhöhen. So ist die auf 84 Seiten abgehandelte Lehre von der Morphologie der Pflanzen von nicht weniger als 82 ganz vortrefflichen Ab- bildungen begleitet; der Physiologie fallen 28 Abbildungen zu. Die Abteilung der Systematik wird eingeleitet durch eine sehr anziehende, kurze Darstellung der Descendenz-Lehre. Wie auch in der Flora ist der Aufzählung und Beschreibung der Pflanzen das natürliche System von Eichler zu Grunde gelegt. Diese Abteilung ist mit 419 sehr guten, anschaulichen Abbildungen versehen. Wenn auch in derselben die Pflanzenwelt Deutschlands in erster Linie berück- sichtigt ist, so sind doch die Pflanzen fremder Länder keineswegs unerwähnt gelassen und von manchen der wichtigsten unter ihnen, wie z. B. Zuckerrohr, Zimmet, Cycas, Dattelpalme u. s*. w. finden sich hübsche verkleinerte Abbildungen in diesem das gesamte Gebiet der Wissenschaft umfassenden Werke. Auch die Pflanzengeographie, Paläontologie, sogar Pflanzenkrankheiten fehlen nicht, und das Buch schliesst mit einem ganz kurzen Ueberblick über die Geschichte der Botanik. Das Register umfasst 14 dreigespaltene Seiten. Die Disposition des Gänzen geht aus der folgenden Inhaltsübersicht hervor: Einführung, Morphologie, 1. Grundbegriffe, 2. Entwicklungsgeschichte, 3. Die äussere Gliederung der Pflanzen. 4. Anatomie, Physiologie, Systematik, Aufzählung und Beschreibung der wichtigsten Pflanzen-Ab- teilungen und -Arten, Ptlanzengeographie. Paläontologie. Pfl anzenkrankheiten . Geschichte der Botanik. Register. Es dürfte nicht viele Lehrbücher geben, welche in so gedräng- ter, aber doch so klar verständlicher Form die Lehre vom Pflanzen- reich in ihrer ganzen Ausdehnung bringen, und das Werk kann allen denen, welche eines Führers in dieser Wissenschaft bedürfen, nicht warm genug empfohlen werden. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass dies Buch mit seinen so sehr zahlreichen vorzüglichen Ab- bildungen für einen ungewöhnlich niedrigen Preis geboten wird. Sicherlich wird es sich Eingang in sehr weite Kreise verschaffen und der Ausbreitung der Wissenschaft recht förderlich sein. J. Grönland, Lehrer an der Landwirtschaftsschule zu Dahme. Mantegazza, P., Die Ekstasen d. Menschen. Aus dem Italienischen v. R. Teuscher. gr. 8°. Preis 7 Jt; geb. 8 Jt 50 4. Hermann Costenoble in Jena. Moos, S., Untersuchungen über Pilz-Invasion des Labyrinths im Gefolge v. Masern, gr. 8°. M. 5 Taf. Preis 3 JC 60 -j. J. F. Bergmann in Wiesbaden. Müller J., Graphideae Feeanae inclus. trib. affinibus nee non Graphideae exoticae Acharii, El. Friesii et Zenkeri. 4°. Preis 4 JC. H. Georg in Basel. Pahde, A., Die theoretischen Ansichten über Entstehung der Meeresströmungen. 4°. Preis 1 JC 50 4. .1. Greven in Krefeld. Posselt's, L., Kreuz- und Querzüge durch Mexiko u. die Ver- einigten Staaten v. Nord-Amerika. Nach Tagebuchaufzeichnungen bearbeitet v. F. Maurer. 2. Ausg. 8°. Preis 2 Jt. Carl Winter in Heidelberg. Reeherches sur la transparence des eaux du lac Leman faites en 1S84, 1885 et 1886 par une reunion de membres de la Societe de physique. (Sep.-Abdr.) 4°. Preis 1 JC 60 4. H. Georg in Basel. Saussure, H. de, Spicilegia entomologica Genavensis. II. Tribu des Pamphagiens. 4°. M. 2 Taf. Preis 8 JC. H. Georg in Basel. Schwarz, C. 6., lieber die sogenannte „Schleimdrüse" der männ- lichen Cypriden. gr. 8°. M. 2 Taf. Preis 3 JC. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Freiburg i. B. Soret, J. L., Sur la couleur de l'eau. 4°. Preis 1 JC. H. Georg in Basel. Thurein, H., Elementare Darstellung der Mondbahn. 4°. (26 S.) Preis 1 JC. R. Gärtner's Verlag in Berlin. Universitäts-Kalender, Deutscher. Herausg. v. F. Ascherson. 33. Ausg. Sommer-Semester 1888. 2 Thle. 16°. (72 u. 245 S.) Preis: In 1 Bd. geb. 2 JC; % Thl. brosch. ap. 1 JC. 80 4. Leonhard Simion in Berlin. Vilmorin's illustrierte Blumengärtnerei. 2. Aufl., neu bearb. u. hrsg. v. Th. Rümpler. Ergänzungsbd. : Die Neuheiten d. letzten Jahrzehnts. 2. Lfg. gr. 8°. (S. 49—96.) Preis 1 JC. Paul Parey in Berlin. Weber, Th., Metaphysik. Eine wissenschaftl. Begründung der Ontologie des positiven Christentums. 1. Bd. Einleitung u. An- thropologie, gr. 8°. (VIII, 427 S.) Preis 8 JC. F. A. Perthes in Gotha. Wettstein, R. Ritter v.. Rhododendron Ponticum L.. fossil in den Nordalpen. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (12 S. m. 1 Taf.) Preis 50-). G. Frey tag in Leipzig. — Heber die Verwertung anatomischer Merkmale zur Erkennung hybrider Pflanzen. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (26 S. m. 2 Taf.) Preis 90 4. In Komm. G. Freytag in Leipzig. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Briefkasten. Chiffre x. — Eine auf Exkursionen handliche „Flora von Braunschweig" enthaltend die Phanerogamen und Pteridophyten ist von Pastor W. Bertram geliefert worden. Sie erschien 1885 in dritter, durch einen Nachtrag vermehrter Ausgabe im Verlage von Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig zum Preise von 3 JC. Das rein floristische an dem Buch ist gut. Standortsangaben sind gewissenhaft zusammengetragen. Das behandelte Gebiet ist kein politisch begrenztes; es umfasst zwar zunächst den nördlichen Teil des Herzogtums Braunschweig, geht aber an einzelnen Punkten da- rüber hinaus. Berichtigung. Seite 68 muss es Zeile 4 des Aufsatzes von Ben dt heissen lunisch und nicht launig. 88 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 11. Za@@ar€Lt@ namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen Bücheianzeie-en finden weiteste und etc. Gerätschaften. Naturalien, 1 iassendste Verbreitung. Chemikalien . sowie Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anseigen, welche An- gebot, Nachtrage und Tausch natuneissenschaftlichcr Sammlungen etc. vermitteln. 1 J( 20 .i pro Band (auch . in Brief- die Planeten. Mit 08 Ab- Gegen Einsendung von marken) liefern wir franko: Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne unc bilduiigen. Eleg. geb. Gerland, Dr. E., Licht und Wärme. Eleg. geb. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernährung der Pflanzen. Mit 74 Abbildungen. Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R., Die Nilländer. Eleg. geb. Klein, Dr. Herrn. )., Allgemeine Witterungskunde. Eleg. gel». Lehmann, Paul, Die Erde und der Mond. Eleg. geb. Peters, Prof. Dr. C.F.W., Die Fixsterne. Mit 69 Abbildungen. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die Insekten nach ihrem Nutzen und Schaden. Mit 70 Abbildungen Eleg. geb. Taschenberg, Dr. OttO, Die Verwandlungen der Tiere Mit 88 Ab- bildungen. Eleg. geb. Valentiner, Kometen und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg geb. Wassmuth. Prof. A., Die Elektrirität und ihre Anwendung. Mit, 119 Abbildungen. Eleg. geb. Berlin SW. 48. Riemann & Möller. Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von M 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von M 2,10 (in Briefmarken.) — Einzelne Nummern kosten für Abonnenten 25 j. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich- Strasse 226. Balbi-Arends, Allgemeine Erdbeschreibung oder Hausbuch des geogr. Wissens 6. Aufl. 2 starke Bände. Lex. 8°. 2424 Seiten mit vielen 111 ustr. 1878. In 2 eleg. Ganzleinenbänden. Statt M. 30,— nur M. 10,—. Bernstein, A., Naturkraft und Geisteswalten. 1876. broch. Statt M. 5,— nur DI. 3,—. Diercks, G., Entwicklungsgeschichte des Geistes der .Menschheit 2 Bde. 1882. Statt M. 10 — nur ffl. 5,-. Haeckel, E., Gesammelte populäre Vorträge ans dem Gebiete der Ent- wickelungslebre. 2 Bde. mit 82 Abbild. Lex. 8°. 1879. broch. Statt M. 8 — nur DI. 5— . Harms, F., Die Philosophie in ihrer Geschichte. 2 Bde. 1879/80. Statt M. 13,50 nur DI. 7,—. — , Geschichte der Psychologie. 2. Aufl. 1879. Statt M. 7,50 nur DI. 5,—. — , Geschichte der Logik. 1881. Statt M. 6.— nur DI. 4,—. Homeyer, E. F. V., Die Wanderungen der Vögel. 1881. broch. Statt M. 8- nur DI. 4,—. — . Ornithologisohe Briefe, gr. 8°. 1881. broch. Statt M. 6 — nur DI. 2,— . Lassalle, Ferd., Die Philosophie Herakleitos des dunklen von Ephesus. 2 Bde. Lex. 8°. 1858. broch. Statt M. 26,— nur DI. 18,—. — , Dasselbe, Hand 2. 1858. broch. Statt M. 12.— nur DI. 8,—. Inhalt: Physik. — Lehre vom Erkennen. — Ethik. Lewes, Geschichte der Philosophievoii Thaies bis Oomte. 2 Bde. gr. 8°. 1876 In 2 eleg. Halbfrzbdn. geb. Statt M. 25— nur DI. 18,—. Nasemann, Gedanken und Erfahrungen über Ewiges und Alltägliches. 2 Bde. 2. Aufl. 8°. 1880. brosch. Statt M. 15,— nur DI. 9,-. Plumacher, 0., Zwei Individualisten der Schopenhauer'schen Schule (Mainländer u. Hellenbach). 1881. broch. Statt M 2,40 nur DI. 1,50. Riesenthal, 0. V., Die Raubvögel Deutschlands u. d. angrenzenden Mitteleuropas, Mit Atlas von 60 färb. Tafeln in gr. Folio. Lwbd. Text in 8 Ü . Lwbd. Statt M. 80,— nur DI. 40,—. Wipper & Graap, 46 Beweise des Pythagoraeischen Lehrsatzes nebst biogr. Mitteilungen über Pythagoras. Mit 59 Fig. Lex. 8°. 1888. Statt M. 1.50 nur DI. 1,20. Vorstehende Bücher sind zu den beigesetzten — bedeutend ermässigten — Preisen von uns franko zu beziehen. Berlin SW. 48, Riemann & Möller. Friedrichstrasse 226. Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer. i ig" i % ertragende Kon- zentration 0,5°/oo- Chlor und Brom reizen schon bei 0,001 — 0,005 %o die Respirationsorgane, rufen in stärkerer Konzentration Lungen- entzündung hervor, bei 0,6 °/oo wirken sie rasch todlich. Schwefel- wasserstoff ist weniger giftig; 0,2 %o erzeugen bei Katzen die ersten Vergiftungssymptome, 3.25 °/ (X) wirken tütlich nach einer 10 Minuten dauernden Einatmung. Di M Bragard. Leuchtende Insekten. — Bereits im Jährt; 1381 veröffent- lichte Henri Gadeau de Kerville eine umfassende Schrift über die leuchtenden Insekten unter dem Titel „Les Cnsectes Phosphores- centes, avec quatre planches chromolithographico". (Rouen, Leon Deshayes.) Jetzt liegt eine Fortsetzung dieses Sferkes von dem- selben Verfasser vor, welches betitelt ist: „Lc Inseotes Phosphores- centes. Notes complementaires et bibliographic generale: anatomie. Physiologie et biologie" (Rouen, Julien Lecerf, 1887), 132 > Dieses Werkelten enthält eine vollständige Aufzählung der Litteratur über leuchtende Insekten. Darnach ist die Zahl der Allhandlungen bereits auf 460 angewachsen, welche 330 verschiedet!*' Verfasser haben Die bei weitem meisten leuchtenden Insekten gehören zu den K und Cicaden. Von jenen sind es die zu de: Familie 1er Elateriden oder Schnellkäfer gehörigen zahlreichen Allen von Pyrophorus (Amerika) und die eine Abteilung der Malacodormen bildenden Lampyriden (alle Erdteile). Bei den Pyrophoren geht das Leuchten von 2 erhabenen Flecken auf dem Halsschilde aus . bei den Lamp leuchten die letzten Segmente an der Unterseite des Leibe.-. Die leuchtenden Cicaden sind die sogenannten Laternenträg r (Fulgora), hei denen die Phosphoreszenz in dem Stirnaufsatze ihren Sitz hat. DieFulgora leben in Südamerika. Andere Laternenträger, Hotinus und Pyrops, bewohnen China und Indien bezw. Afrika, Madagaskar und Australien. Das nächtliche Leuchten des grossen Laternen- trägers (F. laternaria) wurde/zuerst von dei bekannten Reisenden Sibylla Merian beobachtet und in ihrem Werke „Metamorphosis insectorum Surinamensium" (Amsterdam 1701 | mitgeteilt, von ande- ren Reisenden aber geleugnet; de Kerville nimml es alsThats Auch bei uns in Deutschland giebt es kleine (nicht leuchtende,, mir den ausländischen nahe verwandte Laternenträger; sie geboren zu den Gattungen Delphas, f'ixius etc. und sind 2 bis 1 mm laug, während die Fulgora 2 a / 4 Zoll lang ist und mit ausgespannten Flügeln 5 V2 Zoll misst. Zu den Leuchtkäfern gehören in Deutschland die Lampyris noctiluca L. und Lamprorhiza splendidula L.: auch noch der weniger verbreitete Phosp'haeni - hemipterus Geoffr. In Südeuropa und schon in Südfiaukreieh giebt es noch mehrere verwandte Arten aus den Gattungen Lampy ris und Lamprorhiza und die noch stärker leuchtenden und häufigen Arten der Gattung Luciola. 11. F. Kolbe. Ueber die Ausbreitungsgeschwindigkeit unterirdischer Erschütterungen hatte man aus den Beobachtungen von Brd- beben sehr verschiedene Zahlen abgeleitet, welche von den Gesteins- arten, in welchen die Erschütterungen vor sich gehen, und von den Stellungen .der Beobachter abhängig waren. Einige Beobachterhaben alsdann experimentelle Messungen an verschiedenen Felsarten vor- genommen, waren aber zu wenig übereinstimmenden Zahlen gelangt. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit dieser Schwingungen ist in derThat auch von zahlreichen Grössen abhängig; die Natur und Zusammen- setzung der Gesteine, ihr Molekularzustand, die Art der Erschütte- rung, die Lagerung der mineralischen Massen 11. s. f. sind sicher hierbei bestimmend. Die beiden französischen Forseher Fouque und Levy haben unter möglichster Berücksichtigung dieser Punkte und mittels sehr vollkommerer Apparate sehr gute Resultate erlangt. In den Jahren 1880 bis 1885 hat andererseits Nogues in Minen von 50 bis 100 m Tiefe und an verschiedenen Felsarten Versuche angestellt, deren Resultate er in den Comptes Rendus der französi- schen Academie des Sciences mitteilt. Die Erschütterungen wurden dabei durch Pulver oder Dynamit erzeugt und zwar im porphyr- artigen Trachyt des Cap de' Gates, im Granit der Sierra de Santa Elena und de Linares, im dichten Trias-Kalk der Sierra Alhamilla und Gador und in dem alten Schiefer der Sierra Alhamilla und von Santa Elena. Die Zahlen, welche Nogues gefunden hat, variieren Ton 700 m in der Sekunde bis 1500 m. Es zeigt sich, dass die Aus- breitungsgeschwindigkeit nicht nur von der Richtung derselben und von der Beschaffenheit des Gesteins abhängt, sondern dass noch andere Faktoren hier Einfluss haben müssen, welche teilweise noch unbekannt sind. A. Gutzmer. Erklärung für die Drehung der Windbahnen. — Die Luftströmungen verdanken ihre Entstehung ausschliesslich den durch verschiedenartige Erwärmung und Abkühlung bedingten Ausdeh- nungen und Zusammenziehungen der Luftmassen, welche den oft sehr bedeutenden Schwankungen des atmosphärischen Druckes zu Grunde liegen. Bezüglich der Richtung und Bahn der Hauptwind- strömungen der Erde stellte zuerst Dove die vom theoretischen Standpunkt sehr einleuchtende Behauptung auf, dass das Fortschreiten einer kälteren, tieferen Luftmasse vom Pol gegen den Aequator hin, indem sie in Breiten schnellerer Rotation gelange, ein stetig ver- langsamtes, gewissermassen zurückbleibendes sein müsse, während höher befindliche, wärmere Luft, der .Südwestwind der nördlichen und der Nordwestwind der südlichen Halbkugel, in vorauseilender Bewegung vom Aequator polwärts ströme. Diese Theorie, in dieser Form und als alleinige Erklärung für die Bahn jener Winde gänz- lich veraltet, hat durch Dr. Sprung eine wesentliche Ergänzung erfahren, die den thatsächlichen Vorgangen besser entspricht als alle anderen diesbezüglichen Erklärungsversuche Denkt man sieh als sinnfällige Verkörperung einer gewissen Luftmasse eine schwere, absolut runde Kugel unweit des Nordpols Ulf der völlig glatten, unbeweglich verharrenden Erdoberfläche auf- ruhend und ohne Reibung auf ihr beweglich, so wird dieselbe als- bald dem Zuge der Schwere folgend, die durch die Abplattung der Igegend bedingte schiefe Ebene gewissermassen hinabrollend, dem Po!, als tiefstem Punkt, beschleunigt zusteuern, über ihn, dem Ge- setze der Pendelschwingung folgend, hinausschiessen und mit stetig verlangsamter Bewegung bis zu demselben Breitengrade „hinauf- fallen', um wieder umzukehren und das Spiel von neuem zu beginnen. Denken wir uns, auf dem Nordpol stehend, nun die Erde für einen Moment in ihrer Bewegung von rechts nach links und der Kugel davo mitteilend, so wird offenbar zu jener Pendelschwingung eine neue Bewegung hinzutreten, indem die Kugel nunmehr in elliptischer Bahn den Pol umschlingt- Wie gestaltet sich dieselbe aber, wenn wir uns die Erde rotierend und ihre volle Bewegung der Kugel mitgeteilt denken'' Alsdann kommt zu' jener, die Kugel polwärts treibenden Schwerkraft die Zentrifugalkraft hinzu, welche die Kugel dem Aequator zuzuführen bestrebt ist. Wie nun aber, wenn der Kugel, ähnlich dem Südwestwinde, eine vorauseilende Bewegung mitgeteilt wird'? Alsdann wird die von rechts nach links in die Nil: des Pols strebende Kugel eine stetig zunehmende Ablenkung nach rechts, äquatorwärts, erfahren, welche jene zu ihrem Ausgangs- punkte zurückführt, indem sie ihre Bahn zu einem vollkommenen, rechts herumziehenden Kreise gestaltet. Bei entgegengesetzter, also wie bei den Polarwinden zurückbleibender Richtung der Bewegung umschlingt die Bahn in weit bedeutenderem Bogen den Pol. Auf der südlichen Hemisphäre sind beide Kreisbewegungen natürlich links- läufig. Man kann sich leicht von der Wahrheit des über die relative Kreisbahn Gesagten überzeugen, wenn man eine runde Pappscheibe, ■leren Mittelpunkt den Erdpol darstellt und deren Rand 24 Kerben ( = Stunden) trägt, schrittweis unter einer hineinpassenden elliptischen (als absoluten Bahn der Kugel) mit ebenso versehenem Rande links bezw. rechts herumdreht und schrittweise rechts bezw. links herum vordringend von letzterem aus auf jene die Bahn des Körpers durch 12 zu einem Kreise zusammenlaufende Punkte markiert. Es ergiebt sich hieraus, dass die Kugel an einem Tage ihre sogenannte Träg- heitsbahn zweimal in gleichförmiger Bewegung durchlaufen würde. Die Grösse des Trägkeitskreises wächst mit der Geschwindigkeit der vorauseilenden Kugel; ist diese gleich Null, so fällt die Bahn in einen Punkt zusammen, weshalb man die Bahn, die jeder ruhende Körper auf der Erde theoretisch beschreibt, durch seinen Standpunkt zum Ausdruck bringen kann. In der Nähe des Aequators wird die Bahn spiralig, am Aequator selber fallt sie mit diesem zusammen. Im Bereich der Winde liegt das Bewegungsmoment stets in der Höhe, und finden die Strömungen, die bei stillstehender Erde kaum merklich wären, von den Gebieten hohen nach denen niederen Luft- druckes statt. Die Ablenkung der Waldbahnen aber aus ihrer ge- raden Richtung und ihre Drehung wird durch die erörterten Ver- hältnisse bedingt. W. P. Optisches. — Bei Gelegenheit seiner berühmten Unter- suchungen über die Intensität der Sonnenstrahlung wurde Langley zuerst darauf aufmerksam, dass der infrarote Teil des Sonnen- spektrums eine weit grössere Ausdehnung besitzt, als man sie ihm bisher zuzuschreiben pflegte. Das für unser Auge sichtbare Spektrum liegt bekanntlich zwischen den Wellenlängen X =0,00036 mm oder 0,36 ß (1 ,u=0.001 mm) und 0,75 ß, umfasst also kaum mehr 94 •Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 12. als eine Oktave; im ultravioletten Teile des Sonnenspektrums hat die Photographie Wellenlängen bis zu 0,295 jtt erkennen lassen und die kürzesten "Wellen . welche von dem zwischen Aluminiumelek- troden übergehenden elektrischen Funken ausgesandt werden, haben eine Länge von 0,185 ß. Während diese sogenannten chemisch wirksamen Strahlen den Gegenstand vielfacher Untersuchungen bildeten, sind die infraroten dunklen Wärmestrahlen bis in die letzte Zeit hinein ziemlich vernachlässigt worden. Nach 1880 gab Drap er die äusserste mit Sicherheit beobachtete Grenze des infraroten Spektrums zu 1 /i an. Langley hat nun die Untersuchung mit Hilfe des von ihm konstruierten Bolometers fortgesetzt; dasselbe besteht im wesentlichen aus einem Platin-. Bisen- oder Kohlefaden von 1 cm Länge und Viooo D ' s Vs """ Durchmesser, der in den Stromkreis eines Galvanometers eingeschaltet und den Strahlungen ausgesetzt wird; der geringe Durchmesser des Fadens gestattet es, jedesmal nur einen sozusagen linearen Teil des Spektrums, also vollkommen homogenes Licht von einer bestimmten Wellenlänge, zu untersuchen. Die auffallende Strahlung verändert den Widerstand des Drahtes nach einer komplizierten Funktion, welche jedoch inner- halb kleiner Grenzen — und um solche, handelt es sich bei den vor- liegenden Untersuchungen — direkt als den Energieschwankungen proportional angenommen werden darf. Zur Messung dient ein be- sonders konstruiertes Spiegelgalvanometer von hoher Empfindlichkeit, welches bei 20 Ohm Widerstand noch einen Strom von 0,0000000005 Ampere anzeigt, was einer Temperaturvariation im Drahte von 0,000 000 001° C. entspricht, 0,000 01° C. kann gemessen werden. Mit Hilfe dieses Apparates erkannte nun Langley, dass, entgegen der bisherigen Annahme, ein Flintglasprisma für Sonnenstrahlen bis 2,7 i± Wellenlänge vollkommen durchlässig ist; hier hört allerdings das Spektrum plötzlich auf, als ob eine Absorptionsbande vorläge. Es blieb nun die wichtige Frage, welche Wellenlängen im Maximum von irdischen Quellen ausgesandt werden. Als solche strahlende Quellen dienten Langley*) der heisseste Teil der positiven Kohle des elektrischen Lichtbogens, ein Platinstreifen zwischen Dunkelrot- glut und Schmelztemperatur, Kupfer bei allen Temperaturen unter- halb der Rotglut, ferner ein Leslin'scher Würfel mit Anilin bei 100° und 178° (Siedepunkt des Anilins) oder mit Wasser unter 100°, und endlich die Banden des Bolometers selbst für Temperaturen unter 0°. Von den von diesen Quellen ausgehenden Strahlen wurde ein Spektrum entworfen, wozu freilich weder Glasprismen dienen konnten, die diese Wellenlängen völlig absorbieren, noch auch Re- flektionsgitter allein, da die Spektren verschiedener Ordnung sich bei so grossen Wellenlängen übereinanderlagern; Prisma und Linsen mussten vielmehr aus Steinsalz hergestellt werden. Mit dem Prisma wurden zunächst die Brechungsexponenten und die Energie in den verschiedenen Teilen des Spektrums gemessen; das Maximum der Strahlungsenergie rückt mit steigender Temperatur, wie dies auch früher schon gefunden wurde, nach der violetten Seite des Spektrums hin, da die Energie zwar allenthalben zunimmt, jedoch gegen das Violett hin stärker als gegen die Grenze des Ultrarot. Die Messung der Wellenlängen geschah dann durch Verbindung von Gitter und Prisma. Es ergab sich zunächst, dass keine der bisherigen Dispersions- formeln (diejenige von Ketteier wurde allerdings von Langley nicht untersucht) für diese Wellenlängen noch gütig ist; der Brechungs- exponent wird in diesen Teilen des Spektrums nahezu lineare Funk- tion von X, so dass u. a. theoretisch eine Grenze für x X nicht ab- zusehen ist. Die Grösse der beobachteten Wellenlängen stellt Lang- ley, ohne dabei Anspruch auf grosse numerische Genauigkeit zu erheben, folgendermassen zusammen : AeussersteStrahlen des Funkenspektrums zwischen Aluminium- elektroden nach M. A. Cornu 0,185 ß Grenze des ultravioletten Sonnenspektrums am Meeresniveau nach Cornu 0,295/.« Violette Grenze des für normale Augen sichtbaren Spektrums 0,360 // Grenze des siebtbaren Spektrums im Dunkelrot .... 0,810 ß. Aeusserste mögliche Wellenlängen im Infrarot nach Draper 1881 1,000/i Von Becquerel den äussersten Absorptionsstreifen im Sonnenspektrum zugeschriebene Wellenlänge .... 1,500 ß Aeusserste Grenze des infraroten Sonnen Spektrums nach Langley 2,700^ Strahlungen irdischer Quellen: Mit Steinsalzprisma 1886 beobachtete Grenze 5,300 ß Intensitätsmaximum einer irdischen Wärmequelle von 100° C. 7,500// von 0° 0. 11,000 ß Grösste durch das Bolometer noch angezeigte Wellenlänge (ungefährer Minimalwert) .... 30,000// Bedenkt man, dass die Länge der kürzesten durch das Ohr wahrnehmbaren Schallwellen (von Savart mit 48 000 Schwingungen *) Die Untersuchungen über das Sonnenspektrum sind 1884 als gesonderte Publikation, diejenigen über die Wellenlängen irdischer Quellen 1886 im American Journal of Science erschienen. pro Sekunde bestimmt) 14 mm oder 14 000 ß beträgt, so ist jetzt, wie Langley sagt, „die Kluft zwischen der kürzesten Schallwelle und der längsten bekannten Aetherwelle einigermassen überbrückt." Dr. Dessau. Die Grösse der Sterne und das psychophysische Grundgesetz. — Wenn in der Astronomie von der Grösse der Sterne gesprochen wird, so bezieht sich dies bekanntlich auf ihren Helligkeitsgrad und nicht auf ihren Durchmesser, da derselbe (bei den Fixsternen) nicht mehr zu messen ist. Nach dem, was man von der Geschichte der Astronomie weiss, war Hipp arch (um 150 v. C'hr ) der erste, welcher alle mit blossem Auge sichtbaren Sterne in sechs Klassen teilte, wobei er die Lichtstärke mit seinen Augen „schätzte". Die hellsten Sterne, z. B. Sirius und Wega, sind darnach erster Grösse, die, welche dem Auge nur halb so hell erscheinen, zweiter Grösse u. s. f. Eine solche Klassifikation hängt, natürlich ganz von der Beschaffenheit des Auges ab und wird ähnliche Willkürlichkeiten enthalten wie die Härteskala in der Mineralogie. Seitdem man aber Methoden besitzt, Licht auf seinen Helligkeits- grad zu untersuchen, und zwar Methoden, welche „Messungen" und nicht nur „Schätzungen" zu machen erlauben, hat man auch die Intensität des Lichtes von Sternen der verschiedenen Grössen ge- messen. Wenn wir ein Licht von bestimmter Leuchtkraft haben, so wird dasselbe eine gewisse Lichtmenge in unser Auge senden; stellen wir nun zwei Lichte von genau derselben Baschaffenheit an derselben Stelle und in derselben Entfernung von unserem Auge auf, so senden dieselben doppelt so viel Licht aus, werden uns daher theoretisch doppelt so hell erscheinen müssen. Der Physiker Steinheil war nun der erste, welcher fand, dass in der That ein bestimmtes Zahlenverhältnis zwischen den Licht- mengen von Sternen der verschiedenen Grössenklassen besteht; er fand, dass die zu uns gelangende Lichtmenge eines Sternes einer be- stimmten Grösse 2,83 mal so gross ist als die eines Sternes der nächsten Grössenklasse. Diese Bestimmungen wurden später mehr- mals wiederholt und namentlich konnte Zöllner mit seinem Polari- sations-Astrophotometer sehr genaue Messungen vornehmen, aus denen hervorging, dass die von Stein heil gefundene Zahl zu gross war, dass dieselbe näher an zwei, dem theoretischen Werte liegen müsste. Es ging aber auch daraus hervor, dass unter den Sternen erster Grösse mehrere sich befänden, welche nach der zu uns ge- langenden Lichtmenge theoretisch in eine noch höhere Grössenklasse gehören müssten, während das Auge keinen sehr merklichen Unter- schied empfindet. In neuerer Zeit sind namentlich von Pickering in Cambridge, Nord-Amerika, genaue Messungen vorgenommen worden, bei denen die Sterne in MeridiansteHung untersucht wurden, wobei manche Fehler der früheren Methoden vermieden wurden. Die Resultate dieser Messungen verwertet Dr. Jastrow in dem neugegründeten American Journal of Psychology" (herausgegeben von Prof. Hall) für das psycho-physische Grundgesetz von Fechner. Dasselbe sagt bekanntlieh aus, dass die Reize in geometrischer Reihe zu- oder abnehmen müssen, damit unsere Empfindungen derselben in arithmetischer Reihe zu- eder abnehmen; wenn also dem Reize von der Stärke R die Empfindung E entspricht, so entspricht dem Reize von der Stärke R . R = R 2 eine Empfindung von der Intensität E-f E = 2E u. s. f. Wenn wir also eine gleichförmig abgestufte Reihe von Licht- eindrücken oder Helligkeitsgraden empfinden, so muss nach jenem Gesetz das Verhältnis der von zwei aufeinander folgenden Stufen ausgehenden Lichtmengen eine bestimmte Zahlengrüsse sein. Wenn also umgekehrt durch genaue Messungen sich ergeben würde, dass die Lichtmengen beim Uebergang von einem Helligkeitsgrade zum nächsten stets ein konstantes Verhältnis besitzen, so wäre damit eine vorzügliche Bestätigung des Fechner 'sehen Gesetzes gewonnen. Dr. Jastrow schliesst nun a. a. 0. aus Pickering's Messungen, dass diese Zahl nicht konstant ist, sondern mit der Helligkeit gleich- zeitig abnimmt; er giebt dann eine empirische Formel an, aus der man den Multiplikator, wenn die mehrfach bezeichnete Verhältnis- zahl so genannt wird, berechnen kann im Einklang mit Pickering's Resultaten. Indessen ist damit noch nicht das letzte Wort in dieser Frage gesprochen. Denn aus den Untersuchungen von Dorst geht her- vor*), dass bei den photoraetrischen Messungen die Helligkeits- unterschiede ganz verschieden aufgefasst worden sind und dass Pickering dieselben bei schwächeren Sternen kleiner fand als die Mehrzahl der übrigen Beobachter. Es wird also weiterer genauer Untersuchungen zur Entscheidung dieser Frage bedürfen. Aber das scheint sich aus allen bisherigen Bestimmungen zu ergeben, dass das Fechner'sche Gesetz — soweit die Helligkeitsgrade der Sterne in Frage kommen — bei mittleren Intensitäten der auf das Auge ausgeübten Reize mit sehr grosser Aniiäherung gilt. — r. *) Vgl. a. „Naturw. Wochenschrift". Bd. I, S. 154: Astronom. Arb. 11. Entd. Nr. 12. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 95 Litteratur. J. N. vonNussbaum: Neue Heilmittel für Nerven. Ein populär-wissenschaftlicher Vortrag. 2. Aufl. Verlag von Eduard Trewendt in Breslau. 1888. Preis 0,60 JC. Wir geben aus dieser allgemeinen interessanten Schrift im folgenden ein ausführliches Referat. Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die Bedeutung der verschiedenen Teile des Nervensystems und der Physiologie des- selben geht Verfasser zunächst auf ein aus dem Turnen hervor- gegangenes Heilmittel für Nerven ein: auf die schwedische Heil- gymnastik. Die schwedische Heilgymnastik veranlasst passive, aktive und duplizierte Bewegungen. Die passiven Bewegungen, von denen viele den bei der Massage vorkommenden ganz gleich sind, erzeugen „Nerven- Vibratiunen". die ein neues bedeutendes Heilmittel für die Ner- ven sind. hie aktiven Bewegungen der schwedischen Heilgymnastik werden langsamer ausgeführt als die beim Turnen und sind für •den Stoffwechsel auch wirksamer. Eine duplizierte Bewegung ist eine solche, die der Patient macht, während ein Widerstand geleistet wird. Um die Bewegungen möglichst dem Zweck entsprechend aus- zuführen, bat man eine Maschinen-Gymnastik ersonnen. Der Ergostat ist /.. B. eine Maschine die bei Entfettungskuren gebraucht wird: die zehnstündige Arbeit an derselben bedingt 8 g Fettverlust. Der Ergostat verlangt eine Kurbelarbeit, welche eine grosse Anzahl von Muskeln am Hals und Nacken, an Brust und Rücken, am Unter- leib, an Armen und Füssen anstrengt. Deshalb kann man auch mit der Kurbel die meiste Arbeit leisten. Der Ergostat ist aber auch ein herrliches Heilmittel bei Ueberreizung des Gehirns und der Nerven, indem bei Benutzung desselben das Blut in wohl- tätigster Weise von dem Gehirne weg in die Muskeln geleitet wild. Kin zweites neues Heilmittel ist die Hypnose. Die Hypnose ist offenbar ein Reizzustand unserer Nerven, unseres Gehirnes und Rückenmarkes. Wenn Massage für neuralgische Schmerzen und Krämpfe an- gewendet wird, ist die Hand, welche massiert, nicht ganz gleichgültig. Niemand kann sich z. B. selbst so kitzeln. dass er stark lachen um«, während fremde Hände einen Menschen totkitzeln können. Ein noch grellerer Beweis, dass die berührende Hand oft nicht gleichgültig sein dürfte, wird von der verschiedenen Empfindlichkeit gegen Elektricität geliefert. So vermochte eine Dame durch ihr Gefühl augenblicklich zu unterscheiden, in welcher Schachtel ein vielfach eingewickelter, elektrisch positiver und in welcher ein ebenso eingewickelter, elektrisch negativer Körper sich befand. Ein so feines Gefühl dürfte auch ein Beweis sein, dass die Homöopathie kein Betrug ist; denn wenn man in der geschilderten Weise noch deutlich unterscheidet, ob man einen elektrisch positiven oder negativen Kör- per in der Hand hat, dann kann mau wohl auch die Wirkung eines Milliontel Tropfens fühlen. Magnetismus und Elektricität sind aber eng verbunden: man kann ja einen Eisenstab sofort zu einem Magnet machen, wenn man durch einen um denselben gewickelten Draht einen galvanischen Strom leitet. Es lässt sich also nicht leugnen, dass die Menschen auch für' den Magnetismus voneinander verschieden disponiert sein können. Mau nennt den hypnotischen Schlaf auch den tierisch magnetischen Schlaf, weil der metallische Magnet auf solche Schlafenden einen ganz enormen Eindruck macht. Ist jemand in hypnotischen Schlaf gebracht, und man nähert ihm einen metallischen Magnet, so tritt grosse Unruhe ein, und es entsteht eine höchst merkwürdige Erscheinung, welche man Transfert, einen Umtausch, nennt. Schrieb der Schlafende z. B. vorher mit der rechten Hand, so schreibt er, wenn man einen Magnet nähert, mit der linken Hand, und zwar sogenannte Spiegelschrift, wenn er selbe auch nie. gelernt hat. Ist der linke Arm von Krämpfen befallen und man bringt, während der Patient im hypnotischen Schlafe liegt, einen Magnet in die Nähe, so geschieht der Transfert, dass der Krampf des linken Armes verschwindet und auf den rechten übergeht. Hat man ferner dem Schlafenden z. B. beigebracht, dass er diese oder jene Person hasst, so bewirkt der genäherte Magnet den Transfert der Liebe in Hass, der Freude in Leid. Die Hypnose wird immer durch Konzentration aller Gedanken auf den Schlaf und durch monotone Erregung der verschiedenen Nerven erzeugt. Der Hypnotisierte, das sogenannte Medium, ist das willenlose Werkzeug des Magnetiseurs: desjenigen, der ihn eingeschläfert hat. Dass dies sein Bedenkliches hat, liegt auf der Hand, um so mehr als das Medium vom Magnetiseur auch Befehle bekommen kann, welche es erst eine gewisse Zeit nach dem Schlafe ausführen rauss und auch wirklich ausführt. Es lässt sich durch die Suggestion, d. i. das Zureden während der Hypnose, viel Unrecht erreichen. Was nun die Hypnose als Heilmittel anlangt, so lässt sich durch dieselbe bei manchen Kranken eine Beruhigung schaffen. Ferner wird bei manchen hypnotisierten Personen die körperliche Gefühllosigkeit (Anaesthesie) so gross, dass man ihnen kranke Arme und Füsse schmerzlos amputieren kann; bei sehr vielen Menschen tritt Anaesthesie allerdings nicht ein. Die grüssten Resultate er- reicht man aber durch die Suggestion; denn jede Empfindung kann man durch dieselbe geben und jede nehmen. Krämpfe, Schmerzen und Lähmungen, denen keine bedeutenden objektiven Veränderungen zu Grunde liegen, kommen hier besonders in Betracht, In der Hypnose kann man auch jede Arzneiwirkung durch Suggestion erreichen, gleichgültig ob die Arznei wirklich vorhanden ist oder nur fingiert wird. Wenn der Magnetiseur einem Schlafenden ein Stückchen Papier auf den Arm legt und ihm sagt: „Sie werden an der bedeckten Stelle Brennen fühlen und einen roten Fleck be- kommen", so trifft das Gesagte auch ein. H. P. Beobachtungen derkaiserl. Universität-Sternwarte Dorpat. 17. Bd. I". Preis 15 -'f. Inhalt: Reduzierte Beobachtungen am Meridian- kreise v, Zonensternen u. mittlere Oerter derselben f. 1875,0, an- gestellt u. hrsg. v. L. Schwarz. K. F. Kühler in Leipzig. Breese, G., Ein Beitrag zur Statistik u. pathologischen Anatomie der Hirnblutung, gr. 8°. Kreis 1 JC. Lipsius & Tischer in Kiel. David, A., Beitrag :ur Kenntnis der Wirkung des chlorsauren Natrium*, gr. 8°. Preis 80 ■(. Lipsius & Fischer in Kiel. Engels, F., Ludwig Feuerbach it. der Ausgang der klassischen deutsehen Philosophie. -Mir Anhang: Karl Mars über Feuerbach vom J. 1846. gr. 8°. (VII, 72 S.) Preis 1 JC. J. H.W. Dietz in Stuttgart. Kahnmeyer, L., und H. Schulze, Naturgeschichte, in Lebens- gemeinschaften dargestellt, (>. Autl. gr. 8°, M. Illustr. Preis 65 -j; kart. 80 -j. Hellmuth Wollermann. Verl.-Buchh. in Braunschweig. Kosmann, B., Die Marmorarien des Deutschen Reichs, gr. 4°. Preis •'! JC. Leoiihard Simion in Berlin. Nussbaum, J. N. v., New Heilmittel für Nerven. Vortr. 3. Aufl. gr. 8°. Preis 60 .(. Eduard Trewendt in Breslau. Wiedemann, G. O., Die geometrische Darstellung der Quadratur des Kreises, gr. 8°. (4 S. m. 1 Taf.) Preis 60 -). Wilhelm Friedrich Nachf. in Berlin. Wossidlo, P., Leitfaden der Botanik für lädiere Lehransfalten. gr. 8 n . M. [llustr. Preis geb. :; . i( . Weidraann'sehe Buchhandl. in Berlin. Wulfinghoff, R., Invarianten-Rechnung. Methode zur Bestimmg. der gegenseit. Abhängigkeit der Konkomitanten e. binären Form. 4°. \2i> S.) Preis \ JC. R. Gärtners Verlag. H. Heyfelder in Berlin. Yung E., Contributions ä Vhistowe physiologigue de l'Escargot iHe/i.e /mmatia). 4". M. 2 Taf. Preis 4 JC. H. Georg in Basel. Zopf, W., Untersuchungen über Parasiten aus der Gruppe der Monadinen. gr. 4". (39 S. m. 3 Taf.) Preis 6 JC. Max Nie- meyer in Halle. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke frank«. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Briefkasten. Herrn K. Freise in Stettin. — 1. An die Firma Paul Wächter (Optische Werkstätte in Berlin) können Sie sieh behufs Ankauf eines Mikroskopes vertrauensvoll wenden. Andere gute Firmen sind z. B. Carl Zeiss, Optische Werkstätte in Jena, welche vorzügliche, wenn auch allerdings teure Instrumente liefert; W. & H. Seibert, Optisches Institut in Wetzlar; L. Beneche. 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Xaeearafee namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerät Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuche» und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An* gebot, Nachfrage und Tausch naturu-issenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. «•.haften, Naturalien, Chemikalien, sowie Verbreitung. Ein Chemiker, Will. Schlüter in Halle a|S. l*r. phil., [89 der seine Studienzeit in Marburg, Giessen u. Berlin (6 Sem.) beendete, mit besten Empfehlungen, sucht per Oktober d. J. Anfangsstellung. Gell. Offerten snb L. R. 42 d. d. Bxp. d. „Naturw. Wochenschrift." Neu erschienen: Katalog der Verkaufsvorräte unseres sj Conchylien-Lagers (circa 12.000 2 Species). Katalog der Verkaufsvorräte in Fossilien des Mainzer Beckens u. and. tertiärer Ablagerungen. Berlin KW. 6, ».Jim««»» Luisenplatz 6. mJMWäMM.WßU,m Naturalien- und Lehrmittelhandlung. 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Nussbaum: Bücherschau. — Briefkasten. — Berichtigung. — Inserate. Neue Heilmittel für Nerven. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Riemann & Möller. - Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Redaktion: Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Möller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 24. Juni 1888. Nr. 13. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 2.— ; Bringegeld bei der Post 15 .j extra. IC Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grössere Aufträge <3E> entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- Jl annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Die Quadratur des Zirkels. Von Dr. TT. .Schubert. Profe Schon das älteste mathematische Handbuch, das wir besitzen (Papyrus Rhind des British Museum), und das im 18. oder 19. Jahrhundert vor Christi, Geburt in Aegypten verfasst ist, enthält einen Versuch zur Lösung der Aufgabe, einen Kreis in ein flächengleiches Quadrat zu verwandeln. Die dort gegebene Vorschrift lautet, man solle den Durchmesser um 7» verkürzen, und über dem Reste ein Quadrat errichten. Freilich ist diese Lösung ungenau, aber doch immer noch genauer, als so manche Lösung, die heutzutage von Leuten, in denen ebensoviel Arroganz wie Ignoranz steckt, in die Welt posaunt wird. Alle älteren Kulturvölker, auch Inder und Chinesen, namentlich aber die Griechen, haben Bei- träge zu dem noch heute vielumworbenen Probleme ge- liefert. Ja, man kann sagen, dass die Entwicklung der griechischen Geometrie zum grossen Teile der Unlösbar- keit dieses Problems zu verdanken ist. Denn Hippokrates und viele andere griechische Mathematiker beschäftigten sich mit Geometrie hauptsächlich deshalb, um dabei die Lösung der Quadratur des Zirkels zu erzielen. Hippias von Elis konstruierte sogar einen Mechanismus, welcher eine eigenartige Kurve, die ^Tpaymwt^ooaa der Griechen, die quadratix der Römer, aufzeichnet, mit deren Hilfe man die Aufgabe mathematisch genau lösen könne. Der- artigen mechanischen Lösungsversuchen gegenüber wurde schon von den Griechen geltend gemacht, dass es nicht darauf ankäme, die Aufgabe mit irgend welchen Hilfs- mitteln zu lösen, sondern darauf, sie mit alleiniger Anwendung- von Zirkel und Lineal zu lösen. Archimedes, der grösste Mathematiker des Altertums, ssor um Johanneum in Hamburg. hat zwar über die Lösung dieser Aufgabe nichts gesagt, wohl aber hat er die Berechnung des Kreises gelehrt, indem er durch Vergleichung der einem Kreise um- und einbeschriebenen regulären Polygone von hoher Seiten- zahl (er kam, vom Sechseck ausgehend, bis zum Sechs- undneunzig-Eck) bestimmte, dass die Zahl n, d. h. die Zahl, welche angiebt, wieviel mal so gross der Umfang eines Kreises ist als sein Durchmesser, oder auch, wieviel mal so gross der Inhalt eines Kreises ist, als das Quadrat über seinem Radius, zwischen 3 1 /- und 3 10 /7i liegen müsse. Einen noch genaueren Näherungswert fand um 1550 Adrian Melius, nämlich 35r> /ii3- In Decimalstellen be- rechneten die Zahl jt Vieta, Adrianus Romanus und Ludolf van Ceulen (letzterer auf 35 Stellen), indem sie, nach der Methode des Archimedes, zu Polygonen von immer höherer Seitenzahl aufstiegen. Nach Erfindung der Differential- und Integralrechnung gelang es dann Newton und Leibniz, Potenzreihen aufzustellen, aus denen man n-, ohne grosse Rechenmühen, auf noch viel mehr Decimalstellen bestimmen konnte, und gegenwärtig kennt man die Zahl n auf mehr als 500 Stellen, ein Genauigkeitsgrad, von dem man sich nur schwer eine Vorstellung verschaffen kann, und der, selbst für die subtilsten Fragen der Praxis, ohne Nutzen ist. Durch die immer genauer gewordene Berechnung der Zahl * war aber das alte Problem der Quadratur des Zirkels in keiner Weise gefördert. Vergeblich mühten sich die bedeutendsten Mathematiker ab, die historisch gewordene Nuss zu knacken. Aber auch unberufene Köpfe, die nicht einmal hinreichende Kenntnisse hatten, um klar 98 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 13. auffassen zu können, um was es sich bei der Quadratur des Zirkels überhaupt handelte, haben von jeher dafür gesorgt, dass die Geschichte dieses Problems nicht ohne Curiosa ist. Im vorigen Jahrhundert bestürmten derartige Quadratoren die wissenschaftlichen Akademien mit ihren vermeintlichen Lösungen, bis im Jahre 1775 die französische Akademie den Beschluss fasste, keine ihr eingereichte sogenannte „Lösung der Quadratur des Zirkels" mehr prüfen zu wollen, da die Anzahl der ein- gesandten, vermeintlichen Lösungen nicht mehr bewältigt werden könne (Mein, de FAc, 1775, Histoire, p. 61). Seitdem finden alle auf Lösungen des Problems gerich- teten Abhandlungen bei den Akademien ihren sicheren Papierkorb. Doch der Quadrator sieht in einer solchen vornehmen Abweisung nur den Neid der Grossen auf seinen Geistesfund. Er wendet sich deshalb an die Oeffentlichkeit, um die Würdigung und Anerkennung zu erzielen, die er verdient zu haben glaubt, und die ihm die Wissenschaft verweigert. Daher kommt es, dass alle Jahre mindestens einmal die Zeitungen die mathema- tische Seeschlange durchläuft, ein Herr N. N. in P. P. habe endlich das alt-berühmte Problem der Quadratur des Zirkels gelöst. Der Grund, warum Nicht-Mathema- tiker gerade dieses und kein anderes mathematisches Problem in Angriff nehmen, liegt einerseits in dem hohen Alter des Problems, wodurch es gekommen ist, dass dasselbe, ebenso wie die Trisektion des Winkels, in der Laienwelt als ein von den Mathematikern noch nicht bewältigtes Problem, als der mathematische Stein der Weisen, bekannt ist; gebraucht man doch vielfach die Ausdrucksweise „Quadratur des Zirkels lösen wollen" im bildlichen Sinne für „etwas Unmögliches versuchen." Anderseits ist auch die seit mehr als 100 Jahren ver- breitete Fabel, dass auf die Lösung des Problems eine hohe Prämie ausgesetzt sei, daran schuld, dass sich Leute damit beschäftigen, welche glauben, dass es mit der Lösung nicht anders sei wie mit dem grossen Loose einer Lotterie, das ihnen ebenso gut in den Schoss fallen könne, wie jedem andern. Nachdem schon der grosse Physiker Huygens den Wunsch geäussert hatte, die Mathematiker möchten sich nicht mehr mit der Quadratur des Zirkels, sondern viel- mehr damit beschäftigen, streng zu beweisen, dass die Konstruktion eines einem gegebenen Kreise flächen- gleichen Quadrates mit Zirkel und Lineal unmöglich sei, wiederholten am Ende des vorigen Jahrhunderts Legendre und andere Mathematiker diese Aufforderung. Zwar hatte Lambert 1761 bewiesen, dass die Zahl * irrational sei, d. h. nicht als Quotient zweier ganzer Zahlen, und wären dieselben noch so gross, genau dargestellt werden könne. Aber gewaltige Fortschritte musste die Mathematik noch machen, ehe auf diesen Beweis ein Un- möglichkeitsbeweis für die Quadratur des Zirkels folgen konnte. Zwar erkannte man schon damals, dass ein solcher Beweis streng geleistet wäre, sobald man bewiesen hätte, dass die Zahl « nicht Wurzel einer algebraischen Gleichung irgend welchen Grades mit ganzzahligen Koeffizienten sein könne, und deshalb waren die Be- mühungen der Mathematiker seitdem vielfach darauf gerichtet, den letzterwähnten Satz zu beweisen. Endlich gelang dies im Juni 1882 dem Professor Lindemann, damals in Freiburg, jetzt in Königsberg; und damit ist seit nunmehr 6 Jahren die Unlösbarkeit des Problems streng bewiesen. Der Lindemann'sche Beweis wurde dann von dem Senior der deutschen Mathematiker, Pro- fessor Weierstrass, noch etwas vereinfacht. Immerhin ist aber aucli der vereinfachte Beweis so beschaffen, dass er nur denen verständlich gemacht werden kann, die mehrjährige Studien in der höheren Mathematik unseres Jahrhunderts hinter sich haben. „Es ist unmöglich, mit Zirkel und Lineal ein Quadrat zu konstruieren, das einem gegebenen Kreise inhaltsgleich ist". So lautet die schliessliche Entscheidung über eine Streitfrage, die so alt ist wie die Geschichte des menschlichen Geistes. Aber unbekümmert um diesen Urteilsspruch der Mathematik, des unfehlbarsten Schieds- richters, wird das Geschlecht der Quadratoren nicht aus- sterben, so lange Halbwisserei und Ruhmsucht sich paaren. Ungebetene Gäste unserer Tafel. Von Dr. med. et phil. H. Griesbach, Privatdozent an der Universität in Basel. (Schluss) Gelangt nun ein Cysticercus mit Schweinefleisch in unseren Magen, so scheint der sonst wie im Scheintod Verharrende plötzlich von neuem Leben beseelt. Er sprengt seine verkalkte Kapsel und unser Magen unter- stützt ihn hierbei. In kurzer Zeit ist es den vereinten Kräften, der lösenden Wirkung des säurehaltigen Magen- saftes und den peristaltischen Bewegungen des Band- wurmkeimes, gelungen, die lästige Kalkhülle zu sprengen. Nunmehr stülpt sich der aus Kopf- und Halsteil be- stehende Zapfen um, sodass die Haftapparate für den späteren Bandwurm, die sich ja im Grunde des hohlen Cysticercus-Zapfens befinden, nunmehr nach aussen ge- langen. Es geschieht die Umstülpung in der Weise, dass die zweite Umhüllung des Zapfens in Bewegung gerät und dadurch auf ihren Inhalt drückt, dieser wird so unter Beihilfe seiner eigenen Muskulatur genötigt, sich aus sich selbst und somit auch aus der häutigen Umhüllung hervor- zustülpen, die damals als sogenannte Schwanzblase dem unteren Ende des Zapfens anhängt. Der eigentliche, Haken und Saugnäpfe tragende Kopf bleibt bis zum Uebertritt in den Darm noch unausgestülpt. Während der peristaltischen Vorgänge beginnt aber auch durch die unaufhaltsam chemische Thätigkeit unseres Magensaftes eine völlige Auflösung der Schwanzblase. Sie unterliegt der Verdauung. Nr. 13. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 99 Warum aber wird denn der kleine Bandwurm nicht mit verdaut? Die Wirkung- des Magensaftes während der im Mittel drei und eine halbe bis vier und eine halbe Stunde dauern- den Verdauungsarbeit des Magens steht in enger Be- ziehung zu der Art und Weise, wie leicht lösliche Nahrungs- substanzen mit schwer löslichen oder ganz unlöslichen gemengt sind. Wahrend nun der Magensaft an dem hineingelangten Cysticercus zunächst auf die Umhüllungen wirkt, erst die kalkige Cyste, dann die Schwanzblase löst, bleibt der Bandwurmkopf noch vor der direkten Einwirkung des- selben mehr oder weniger geschützt. Kommt aber jetzt auch die Reihe an ihn, so ist schon ein geraumer Teil der Zeit, während welcher die Speise im Magen sich auf- hält verstrichen, ausserdem ist auch er so stark mit Kalk- körperchen imprägniert und gepanzert, dass er wenigstens den ersten Anprall lösender Gewalten auszuhalten im stände ist. So erklärt es sich denn, dass der Parasit mit dem gebildeten, fortwährend in den Darm übergehenden Chymus wohlbehalten in den Dünndarm gelangt. Hier nach circa fünf Stunden angekommen, stülpt der Wurm den bis jetzt noch versteckt gehaltenen Kopf ganz hervor und befestigt sich mittelst der beschriebenen Haken und Saugnäpfe in der Darmwand. Noch ist der ganze Wurm hohl, wie er es in den Cysten war, und an seinem hinteren Ende sind oft noch kleine, nicht ganz verdaute Fetzen der früheren Schwanzblase wahrzunehmen. Aber schon während der nächsten Tage verwandelt sich durch mannigfaltige Verwachsung der hohle Leib in einen soliden, und oft, unter günstigen Bedingungen, kann er nach zehn bis vierzehn Tagen schon die Länge von anderthalb bis zwei Fuss erreicht haben. Unser Wurm ermangelt aller derjenigen Organe, welche für das Aufsuchen der Nahrung und für die Auf- nahme derselben bei anderen Organismen von grösster Wichtigkeit sind. Er hat keine Augen, um seine Nahrung zu erspähen, keinerlei Extremitäten, um dieselbe zu er- reichen, keinen Mund, um sie aufzunehmen, keine Spur von Verdauungswerkzeugen, um sie zu assimilieren. In dem Speisebrei, der von unserem Magen zur Resorption in den Darm gelangt, liegt er gebettet und ernährt sich davon auf endosmotischem Wege, seine ganze Körperfiäche dient ihm gewissermassen als Mund. Und in der That, es ist dafür gesorgt diesen Mund möglichst gross zu machen. Wir können uns gar keine bessere Form und Gestalt des Wurmleibes, als die ihm zugehörige denken, um recht viel des präparierten Speisebreies auf- zunehmen. In seiner Gestalt ist mit Anpassung an die Raumverhältnisse des Wohnortes zugleich das Maximum an Flächenausbreitung erreicht, jede andere Körperform, die runde, die eckige, würde an Grösse der Fläche weit hinter der bandförmigen zurückstehen. Nachdem der schlauchartige, junge Wurm solid ge- worden ist, streckt sich der unmittelbar hinter dem Kopfe befindliche Teil, den wir als Hals bezeichneten, in die Länge. Zugleich bilden sich in einiger Entfernung vom Kopfe durch ringförmige Einschnürung mehrere hinter- einander liegende Glieder, die desto grösser, breiter und entwickelter sich zeigen, eine je entferntere Stellung, vom Kopfe aus gerechnet, sie in der Reihe einnehmen. Ein einzelnes Glied, anfangs kaum als schmales Segment er- kennbar, gelangt dadurch, dass sich vor ihm immer neu- gebildete Glieder einschieben, weiter und weiter in der Reihe, bis es endlich das letzte wird und sich von der Kette ablöst, um den nachrückenden den Platz zu räumen. Der ganze Körper des Bandwurmes besteht aus einer parenchymatösen Masse, d. h. die Zellen, welche die Gewebe des Tierleibes bilden, sind nach allen Richtungen hin ungefähr gleichmässig ausgebildet. Zwei Schichten setzen das Körperparenchym zusammen, eine innere und eine äussere. In der ersteren sind die Fortpflanzungs- und Exkretionsorgane des Tieres gelegen, die letztere enthält vorzugsweise Körpermuskulatur und das Nerven- system, welches im Kopfe ein Gehirn, in der Gliederkette zwei seitliche von Strecke zu Strecke miteinander ver- bundene Längsnerven bildet. Beide Schichten, besonders aber die äussere, ent- halten unzählige mikroskopische Konkremente von Kalk- salzen. Die Entstehung dieser Gebilde, hängt mit den Exkretionsorganen zusammen. Das Leben jedes Organis- mus ist an einen Stoffwechsel gebunden, die aufgenomme- nen Nährstoffe werden verarbeitet. Dabei treten Zer- setzungsprodukte auf, welche ausgeschieden werden, oft aber für den Körper noch praktische Verwendung finden. Letzteres findet in hohem Grade beim Bandwurme statt. der exkretorische Apparat, das sogenannte Wassergefäss- system durchzieht in Form von zwei Paar im seitlichen Rande der Mittelschicht gelegenen Kanälen den ganzen Bandwurm vom Kopf, wo sich eigentümliche Schlingen- bildung der Kanäle findet, bis zum letzten Gliede. Die Längskanäle stehen am hinteren Ende eines jeden Gliedes untereinander in Verbindung und nehmen auch zahlreiche, feine verzweigte Aeste des Körperparenchyms auf. Das- selbe ist überall von eigentümlichen Lücken, sogenannten Lacunen, welche die Leibeshöhle des Tieres repräsentieren, durchsetzt und von diesen Lacunen liegen die trichter- förmig gestalteten Anfänge des „Wassergefässsystems". Mit Hilfe dieses ganzen Apparates werden nun die zahl- losen Kalkkörperchen gebildet und durch den wasser- klaren, flüssigen Inhalt durch den ganzen Körper getragen und überall in demselben verteilt. Diese Kalkmassen bilden einen natürlichen Panzer, welcher die weichen Gewebe des Bandwurmleibes widerstandsfähig macht. Während Muskulatur und Exkretionsorgane und das Nervensystem der ganzen Gliederkette des Parasiten ge- mein sind, finden sich in den Fortpflanzungsorganen andere Verhältnisse vor. Die Berechtigung den Bandwurm als eine in inniger Gemeinschaft lebende Kolonie von Tieren, in der jedes Glied ein Individuum darstellt, zu betrachten, liegt in 100 Naturwissenschaft! iclie Wochenschrift. Nr. 13. der Organisation und Anordnung der Fortpflanzungs- organe. Jedes der Bandwurmglieder bildet eine selbständige Einheit, denn jedes hat seine eigenen Fortpflanzungsorgane, welche überdies noch zweifach geartet sind; männliche sowohl, als auch weibliche Organe finden sich in einem Gliede vereinigt, wir haben ein eklatantes Beispiel der Zwitterbildung vor uns. Jedes Glied erzeugt seine eigene Nachkommenschaft, die in tausenden von kleinen Eiern in den mütterlichen Organen verharrt. Die Fortpflanzungs- organe und deren Inhalt haben aber noch nicht gleich am Anfang der Kette, in den ersten Gliedern, den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht. In den ersten Segmenten ist noch keine Spur davon aufzufinden, dann beginnt ganz allmählich die Anlage und erst in denjenigen Gliedern, welche ungefähr die vierhundertste Stelle hinter dem Kopfe einnehmen, macht sich eine deutliche Differenzierung bemerkbar. „In der kontinuierlichen Aufeinanderfolge der Glieder spricht sich das Entwicklungsgesetz für die Ent- stehung und das Heranreifen der Fortpflanzungsorgane und deren Inhalt aus, und in der Zahl der Bandwurm- glieder, von der Anlage der Fortpflanzungsorgane bis zur völligen Reife des Gliedes", welches soweit gediehen, eigentlich nichts weiter ist als ein mit Eiern prall ge- füllter Behälter (Uterus) „liegt der Formelausdruck für die Anzahl der Stadien enthalten, welche jedes Glied bis zu seiner völligen Reife durchlaufen muss". Die Anzahl der Eier eines einzigen abgestossenen Gliedes beträgt mehrere Tausend, würde sie nur ein Tausend betragen, dann würde sich die Nachkommenschaft, welche ein normaler Bandwurm mit achthundert Gliedern hervorbringen könnte, schon auf achthunderttausend be- laufen. Wenn man die mannigfaltigen Schranken und Schwierigkeiten berücksichtigt, die sich in den verschie- denen Entwicklungsstadien unseren Parasiten entgegen- setzen, so erkennt man, dass die Natur, da wo sie einer- seits eine so ungeheuere Nachkommenschaft begünstigt, auf der anderen Seite auch den' richtigen Ausgleich be- werkstelligt. Je verwickelter die Prozesse in der Lebens- geschichte eines Parasiten sind, desto schwieriger ist das Gelingen derselben : für einen Bandwurm z. B. 1:85 Millionen, d. h. von 85 Millionen Eiern bringt erst eines wieder einen Bandwurm hervor. Für die Weiterentwicklung des Bandwurmes ist es erforderlich, dass die abgestossene Proglottis, so wird das reife Glied genannt, in den Magen gewisser Warmblütler gelangt. Für das Schwein als omnivores und koprophages Tier liegt durch seine Lebensweise die Möglichkeit sehr nahe, sich mit geringeren oder grösseren Bandwurm- massen zu infizieren. An jedem Abort, an jedem Düngerhaufen, wohin' vorzugsweise durch die menscldichen Exkremente die Proglottiden gelangen, schnobert es herum, ja mancher Bauer mag sogar glauben, sein Schwein könne ohne die nötigen Exkremente nicht recht fett weiden und ge- deihen! Bei solchen Tieren, welche lediglich unter Stall- fütterung gross geworden sind, finden wir weit seltener eine Infektion, als bei denen, die gelegentlich an Dünger- gruben etc. sich aufhalten. Sobald die abgelösten Proglottiden, vom Schwein gefressen, in dessen Magen gelangen, spielt der Ver- dauungsprozess an ihnen seine Rolle. Die parenchymatöse Masse der Proglottis wird verdaut und die davon um- schlossenen stark mit Kalksalzen imprägnierten Eier werden frei. Nach stattgefundener Befruchtung, welche in jedem einzelnen Bandwurmglied vor sich geht, hat sich während des Aufenthalts der Eier in den mütterlichen Organen in ihnen bereits der Embryo gebildet. Zwischen diesem und dem elterlichen Organismus liegen die seltsamsten Verwandlungen, von denen wir schon einen Teil kennen lernten. Der Embryo, der aus den Eiern, deren ver- kalkte Hüllen vom Magensafte des Schweines bald ge- löst sind, ausschlüpft, zeigt keine Spm von Aehnlichkeit mit dem Bandwurm, von dem er abstammt. Der von seinen Hüllen befreite Embryo, welcher in Grösse ungefähr dem vierzigsten Teil eines Millimeters entspricht, hat eine kugelige Gestalt und zeigt an seinem vorderen Ende sechs kleine, zum Festhalten dienende Häkchen, nach denen er den Namen: der sechshakige Embryo führt. Dieser sucht sich jetzt über die Körper- verhältnisse seines neuen Wirtes zu orientieren, um sich dort, wo es ihm am besten gefällt, ansässig zu machen. Er begiebt sich also auf die Wanderung, durchbohrt zu- nächst mit Hilfe seiner sechs Haken vom Magen oder Darm aus deren Wandung, bahnt sich selbst seinen Weg durch die anderen Weichteile des Körpers, bis er ein ihm zusagendes Ruheplätzchen gefunden hat. Nicht gar selten kommt es vor, dass er auf seinem Wege die Wände irgend eines Gefässes, einer Vene beispielsweise, durch- bohrend, in die Blutbahn gelangt, wo er dann von den roten Wellen bis in die feinsten Haargefässe der ent- ferntesten Organe getragen wird. An Ort und Stelle angelangt, verliert der Embryo seine Haken und damit zugleich die Möglichkeit sich ferner zu bewegen. Nach beendeter Wanderung des sechshakigen Embryos, nach dem Verlust seiner Haken wird derselbe an seinem neuen Aufenthaltsort zur Finne. Zunächst treten zur Isolierung des Fremdkörpers alle jene Verhältnisse ein, welche wir als pathologische geschildert haben. Dann zeigt sich an dem jetzt schon bis zur Grösse eines Zehntel- Millimeters herangewachsenen Parasiten ein eigentümlicher Verflüssigungsprozess, durch welchen das Innere des bis dahin festen Körperchens in ein Liquidum umgewandelt wird. Die sich ansammelnde Flüssigkeit nimmt einen immer grösseren Raum ein und drängt dadurch das Körper- parenchym des Parasiten peripherisch auseinander, so dass er zur Wand eines mit Flüssigkeit gefiülten Hohlraumes wird. Von diesem Stadium, in welchem uns der Parasit Nr. 13. Naturwissenschaftliche Wochenschrift, 101 unter dem Namen Finne als kleines, weisses Pünktchen im Schweinefleische erscheint, sind wir in unseren Be- trachtungen ausgegangen. Bei diesen Entwicklungsvorgängen fällt nicht, wie beim Menschen und den höheren Tieren, die Lebens- geschichte der Art mit der Entwicklung des einzelnen Individuums zusammen, sondern baut sich aus dem Leben mehrerer auseinander hervorgehender Generationen auf, daher man in solchen Fällen von Generationswechsel spricht, Eine geschlechtlich ausgebildete Generation wechselt nach ganz bestimmten Gesetzen beim Bandwurm mit einer Ciene- ration, die sich auf ungeschlechtlichem Wege fortpflanzt. Wir können fünf verschiedene Stadien in der Ent- wicklung unserer Parasiten verfolgen. Als erstes tritt uns der sechshakige Embryo entgegen, welcher zum zweiten Stadium, das der Finne (Cysticercus), führt. Alsdann folgt, als drittes in der Reihe, der frei gewordene Bandwurmkopf ohne Glieder (sogenannte Scolexform), daran schliesst sich viertens der eigentliche Kettenwurm (Strobila) und den Abschluss bildet das fünfte Stadium, das sich ablösende, geschlechtsreife Glied oder Pro- glottis. Unter diesen fünf bilden das zweite und vierte Stadium aber nur Uebergangsformen. Schon älteren Forschern war es bekannt, dass der Mensch gelegentlich einen Bandwurm beherberge, den sie als eine Spielart des gewöhnlichen zu betrachten pflegten. In den fünfziger Jahren aber wurde festgestellt, dass beide Parasiten sich zwar der äusseren Form und Gestalt nach ähnlich, in ihrem anatomischen Baue aber ganz verschieden verhielten. Der gemeine Bandwurm führte den wissenschaftlichen Namen Taenia soüum, den neu entdeckten nannte man Taenia mediocanellata. Letzterer, auf den wir jetzt zu sprechen kommen, wird aber nicht durch den Genuss von Schweinefleisch, sondern vielmehr durch den des Rindfleisches in unseren Darm importiert, daraus erhellt also, dass das Finnenstadium dieses Para- siten im Rinde verläuft. 1. Kopf von Taenia solium, a. von oben, l>. von der Seite, c. ein zwei- wurzliger Haken. 2. Kopf von Taenia medioe., a. von oben, i. von der Seite. 3. Glieder von Taenia soliuni, a. mittlere, *. eines der End- glieder, c. abgelöste Proglottide mit Uterusverzweigimg. 4. Glieder von Taenia medioe., a. mittlere, 6. eins der Endglieder, c. abgelöste Proglottide mit dendritisch verzweigtem Uterus. 5. Freigewordener Scolex von Taenia solium mit Resten der Schwanzblase. Die allgemeine Entwicklung des T. med. geht nach denselben Gesetzen vor sich, wie bei T. solium. Was den Bau der Finnen beider Parasiten betrifft, so ähneln sich beide, abgesehen davon, dass die Rinderfinne etwas grösser und mehr kugelig ist als die des Schweines, äusserlich so vollkommen, dass man sie, ohne detaillierte Verhältnisse zu Rate zu ziehen, kaum voneinander zu unterscheiden im stände ist. Anders liegt die Sache bei den ausgebildeten Parasiten. Der Kopf der Taenia medioe. (Fig. 2) entbehrt der hakigen Bewaffnung, hat dafür aber grössere und mit stärkerer Muskulatur versehene Saugnäpfe. Auf der Stelle, wo bei dem gemeinen Bandwurm der Stirnzapfen (das sogenannte Rostellum), in welchem die Haken wurzeln, steht (Fig. 1), findet sich bei Taenia medic. noch ein kleiner Stirnsaugnapf, so dass ihr Kopf also mit fünf zum Ansaugen dienenden Apparaten versehen ist. Der ganze Wurm übertrifft seinen Verwandten gewöhnlich an Länge und ist auch feister als dieser. Die einzelnen Glieder der Kette (Fig. 4) sind breiter als die der Taenia solium (Fig. 3). Während die abgestossenen Proglottiden von Taenia solium nur spärliche Verzweigungen des Uterus, Ei-Behälters, zeigen, sind die entsprechenden Verzweigungen bei Taenia medioe. dicht dendritisch. Das Vorkommen dieser beiden Bandwurmarten beim Menschen steht in inniger Beziehung zu der Verbreitung ihrer Finnenträger. In Gegenden, wo Rindviehzucht vor- waltet, werden wir im allgemeinen mehr Menschen an Taenia medioe. leiden sehen, in solchen, wo das Schwein den Hauptbestand der Viehzucht ausmacht, wird sich Taenia solium häufiger finden. Dazu kommt die mehr oder minder reinliche Haltung des Viehes und vor allem der überwiegende Konsum des einen oder anderen Fleisches. Abgesehen von Europa, wo in Deutschland (statistische Untersuchungen aus Dresden und Erlangen ergeben von fast viertausend Sektionen zweiundzwanzig mal Band- würmer, darunter Taenia solium siebzehn mal), England und Russland die meisten Fälle vorkommen, ist der ge- meine Bandwurm (Taenia solium) mit Sicherheit noch im Orient, am Kap, in Algier und in Nordamerika beobachtet. Taenia medioe. dagegen scheint eine bei weitem grössere geographische Verbreitung zu haben, im Zu- sammenhange damit, dass die Rinderzucht über die ganze Erde ausgedehnt ist. Vor allen anderen Gegenden muss aber Indien und Abyssinien als häufigster Fundort der Taenia medioe. erwähnt werden. Dort trägt fast jeder Bewohner diesen Bandwurm und nicht nur in einem Exemplare, sondern oft zu zweien und mehreren. Dieses massenhafte Vor- kommen erklärt sich aus der nachlässigen Haltung der Rinder und aus der grenzenlosen Unsauberkeit ihrer Be- sitzer. Bei uns sind es das Boeuf ä l'anglais, Roastbeef, vor allem aber die Beefsteaks ä la Tatare, welche zur Verbreitung des Bandwurmes, speciell der Taenia medioe. beitragen. Roher Schinken, rohe Würste aller Art 102 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 13. können leicht, ganz abgesehen von der Trichinose, die Bandwurmkrankheit bewerkstelligen. Um die Finnen ihrer Lebensfähigkeit zu berauben, um sie zw weiteren Entwicklung unschädlich zu machen, ist es nötig, dass mindestens eine Temperatur von 60 bis 75° C. eine Zeit lang auf sie eingewirkt hat. Dieses gilt sowohl von der Schweinefinne, als von der des Rindes. Unter solchen Bedingungen erst wird das betreffende Fleisch, welches dann auch nicht mehr „blutig rot" er- scheint, ohne Schaden, auch wenn wirklich Finnen vor- handen sind, genussfähig. Endlich müssen wir noch eines Artikels gedenken, der, wie sich neuerdings herausgestellt hat, den Import aller möglichen Parasiten bewerkstelligt. Es ist der roh genossene Salat. Wenn man berücksichtigt, dass der Salat in den Gemüsegärten vielfach einer Beschmutzung mit Exkrementen ausgesetzt sein kann, dass ferner die auf dem Markte Einkäufe machende Haushälterin die Fleischwaaren auf den Salat in ihrem Korbe ausbreitet, so wird es Jedem klar, dass an den Flächen der Blätter mancherlei Unliebsames haften kann. In grossen Restau- rants und Hotels wird das Abwaschen des Salates oft recht oberflächlich betrieben und die für den Tisch er- forderlichen Zuthaten, wie Essig und Oel, beeinträchtigen die Lebensfähigkeit etwa vorhandener Parasiten oder deren Keime nicht. Es sind mannigfaltige Beschwerden, teils örtliche, teils den ganzen Organismus betreffende, welche die An- wesenheit eines erwachsenen Bandwurmes hervorruft. Als örtliche Störungen kommen Schmerzen in den Ein- geweiden, krampfhaftes Würgen, namentlich im nüchter- nen Zustande, oft auch das sogenannte Sodbrennen in Betracht. Dabei leidet der Patient oft an Appetitlosig- keit, bisweilen aber wird er auch von kaum zu stillen- dem Hunger geplagt. Wird das Leiden nicht erkannt, und trägt das betreffende Individuum seinen Bandwurm längere Zeit mit sich herum, so leidet die Ernährung und schwerere Symptome meist nervösen Charakters können hinzutreten. Doch müssen wir hier bemerken, dass solche und ähnliche Erscheinungen auch andere Ursachen haben können. Nur dann kann man mit Gewissheit auf An- wesenheit eines Bandwurmes schliessen, wenn man in den Exkrementen Eier oder Proglottiden findet. Taenia medioc. lässt sich wegen der kräftigeren Saugapparate schwerer entfernen als Taenia solium, letztere führt insofern grössere Gefahren herbei, weil das Cysticercusstadium, die Ent- wicklung der Finne, zum Unterschiede von Taenia medioc. sich auch im menschlichen Organismus selbst vollziehen kann. Ein Mensch, der den gemeinen Bandwurm vom Schwein bei sich beherbergt, ist — um mit den Worten eines bedeutenden Fachgelehrten zu reden — ein gemein- schädliches Individuum (!) und ebenso gefährlich als ein toller Hund! Nicht allein die Möglichkeit einer Selbst- infektion liegt vor, sondern auch die Umgebung kann mit entwicklungsfähigen Keimen unvermerkt versehen werden. Uebertragung auf diese zweifache Weise kommt häufig vor, sei es durch Unsauberkeit, sei es durch un- bewusste mechanische Handlungen etc., wodurch dann die klebrigen, mikroskopisch kleinen Eier einzeln oder zu mehreren den Fingern anhaften und entweder auf die Lippen des betreffenden Trägers selbst, oder auf fremde Gegenstände, wie Fleischwaaren, Brod, Obst übertragen werden, welche letztere dann für andere einen Import zur Folge haben. Gelegentlich ereignet es sich auch, dass sich der Bandwurmträger durch einen Brechakt, bei welchem oft ganze Proglottiden durch den Pförtner vom Darm in don Magen gelangen, ansteckt. Wenn aber abgelöste Proglottiden oder deren Eier auf irgendwelche Weise in den menschlichen Magen gelangen, so wird dort der sechshakige Embryo frei und entwickelt sich im selben Organismus zum Cysticercus cellulosae. Die hinteren Teile des Auges — aus den vorderen lässt sich der Parasit oft auf operativem Wege entfernen — und vorzugsweise das Gehirn bilden den Wohnsitz des schlimmen Einwanderers, der dann Veranlassung zu den schwersten Störungen der Sehfunktion und des Geistes wird. Es ist eine statistische Thatsache, dass bei grassieren- den Epidemien die niederen Volksklassen in bei weitem grösserer Mehrzahl heimgesucht werden als die höheren, deshalb, weil sie im allgemeinen weniger Sorgfalt auf Reinlichkeit verwenden. Geradeso ist es mit der Ver- breitung der Bandwürmer, ihre Zahl wächst mit Ver- nachlässigung der Sauberkeit. Auch verteilen sich die Parasiten ungleich auf beide Geschlechter und deren Be- schäftigung, sowie auf Nationalität. Wir finden das weibliche Geschlecht häufiger vom Bandwurm geplagt als das männliche, für Schlächter, Garbereiter, Köche etc. scheint der Bandwurm ebenfalls eine besondere Vorhebe zu haben, und Juden und Muhaniedaner beherbergen ihn seltener als die übrigen Nationen. Die Gründe dafür liegen einerseits in der Beschäftigung, durch welche die Möglichkeit einer Infektion in den besagten Fällen grösser wird, anderseits aber darin, dass wir die erwähnten Völker sich mehr von dem Genüsse des Schweinefleisches zurück- halten sehen. Aufmerksamkeit, Reinlichkeit und Sorgfalt in der Zubereitung der Nahrungsmittel, scharfes Braten, Kochen, Räuchern etc. sind die besten Schutzmittel gegen Ein- wanderungen aller Parasiten. Das zu verwendende Fleisch muss einer genauen Be- trachtung und alsdann einer sorgfältigen Waschung unter- zogen werden ; denn auch wenn das betreffende Stück an und für sich vollkommen gesund ist, so können doch Parasiten und deren Keime an der feuchten Oberfläche desselben haften, um so mehr, wenn man sich vorstellt, wie in einem Schlächterladen manches bunt durcheinander liegt, und wie dort mit Messern und anderen Instrumenten hantiert wird. Nr. 13. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 103 Kleinere Mitteilungen. Auf den Haaren von Faultieren lebende Algen sind seit längerer Zeit bekannt, neuerdings hat Frau "Weber van Bosse dieselben eingehender untersucht. Janse berichtet über die Arbeit der letzteren im „Botanisehen Centralblatt" Bd. XXXIV. Nr. 6. Die Algen rinden sich ganz allgemein auf den Haaren von Bradypus. sowie auf denen von Choloepus, einer zweiten Gattung der Faultiere. Es wurden sowohl Haare von toten, wie auch die von acht lebenden Tieren untersucht. Bei Bradypus befinden sich die Algen ausschliesslich auf den steiferen Haaren, welche aus einem hornartigen Cylinder bestehen und von einer dicken Schicht von „Bastzellen" umgeben sind. Diese Zellen sterben bald ab und lösen sich dann ohne Mühe vom Central- Cylinder los; dadurch entstehen eine grosse Zahl von Spalten, in denen die Algen nisten. An dieser beschützten Stelle und in der feuchten Atmosphäre der Urwälder Amerikas, in der die Faultiere leben, vermehren die Algen sich stark, drängen sich gegenseitig und können so bis in die Mitte des Haares eindringen. Der Entdecker dieser Algen berechnete, dass auf einem einzelnen Haar etwa 150- bis 200 000 Algen leben können. Wenn die Tiere in zoologischen Gärten in unserem Klima leben, so sterben die Algen der trockenen Luft wegen allmählich ab. Die erwähnte äussere „Basf-Zellschicht der Haare von Cho- loepus bildet nicht eine zusammenhängende Schicht, sondern Längs- streifen, welche mit Leisten abwechseln. Auch hier findet man die Algen nur dort, wo die Bastzellen ausgefallen sind. Hauptsächlich wurden die Haare von zwei lebenden Exem- plaren von Bradypus cuculiger untersucht; die Haare des einen hatten eine grüne, die des anderen eine violette Farbe. Es stellte sich nun heraus, dass dieser Unterschied durch das Vorkommen zweier Algenarten hervorgerufen wurde. Die ganze Entwicklung der grünen Alge konnte nicht ver- folgt werden, doch scheint sie zu einer neuen Gattung der Familie der Chrolepidaceen zu gehören; sie erhielt den Namen Trichophilus Welckeri. Die violette Alge gehört zu der Gruppe der Chamaesiphoneen; sie bildet eine neue Gattung mit zwei Arten: Cyanoderma Brady- podis und C. Choloepodis. Bei der Kultur der Haare entwickelten sich die violetten Algen ausserordentlich bei einer Temperatur von 15° G, hingegen ent- wickelte sich auf dem Sande oder auf dem Sägemehl, auf dem die Haare lagen, keine einzige Alge; es scheint dieselbe somit an das Substrat gebunden zu sein. Ebenso misslangen stets die Versuche, sie auf dem Objektträger sich entwickeln zu lassen. Da die Faultiere ihre Jungen auf dem Rücken tragen, kann die Infektion der Haare leicht erfolgen. Als ein neues Mittel gegen Kesselsteinbildung wird Petroleum vorgeschlagen. Dasselbe wird dem Speisewasser zugesetzt, und zwar ein sehr geringes Quantum zu Anfang der Speisung und ein ebensolches während derselben. Es soll nicht nur die Entstehung von Kesselstein verhindert, sondern auch bereits vorhandener wieder gelöst werden. Auf den ostindischen Eisenbahnen hat man das Petroleum mit Erfolg angewandt, auch anderweitig soll es sich ver- schiedentlich gut bewährt haben. — (Die Oel- u. Fett-Industrie 1888, S. 340.) __ Dr. M. B. Fragen und Antworten. Ist es wahr, dass der Maulwurf nur in der höchsten Not die Larven des Maikäfers frisst und lieber verhungert, als sich beständig von denselben zu nähren, so dass also sein Nutaen zweifelhaft wird? Der Maulwurf nährt sich ganz ausschliesslich von lebenden Tieren, z. B. Engerlingen und Würmern, die sie in grosser Menge verzehren. Man nimmt an, dass ein Maulwurf in einem Jahre über 10 000 Stück Gewürm aller Art frisst. Prof. Fleischer beob- achtete Maulwürfe in der Gefangenschaft; sie frassen nur Enger- linge, Würmer, andere Gliedertiere etc., Hessen aber vegetabilische Nahrung unberührt. Auch der Befund des Mageninhalts hat das- selbe bewiesen. Dass der Maulwurf sich von Wurzelfasern nähre, soll eine falsche Annahme sein. Kolbe. Litteratur. Dr. Ernst Schaff: Leitfaden der Zoologie für Studierende der Naturwissenschaften und der Medizin. Stuttgart 1888. Schweizerbart (E. Koch). 214 Seiten mit 101 Holz- schnitten. Gr. 8°. Preis 3 Jt. Während für Mittelschulen (Gymnasien, Realschulen, höhere Bürgerschulen) eine grosse Zahl von zoologischen Leitfäden existiert, fehlte es bis vor kurzem fast ganz an ähnlichen Büchern für Hoch- schulen, namentlich für Studferende der Naturwissenschaften und Medizin. Es sind nun zwar kürzlich einige derartige Hilfsbücher erschienen, doch dürfte der von Dr. E. Schaff vor einigen Monaten herausgegebene Leitfaden der Zoologie immerhin eine hervorragende Stelle unter ihnen einnehmen. Der Inhalt ist mit Fleiss und Um- sicht zusammengestellt; die in den Text eingefügten 101 Holz- schnitte sind einfach, aber klar und instruktiv. Jeder Studierende der Naturwissenschaften und der Medizin wird den genannten Leitfaden, welcher teils zum Gebrauch neben den Universitäts- Vorlesungen, teils zur Repetition bestimmt ist, mit wesentlichem Vorteil benutzen ; derselbe sei hiermit bestens empfohlen. Prof. Dr. Nehring. Adler, G., lieber die elektrischen Gleichgeivichtsverhältnisse von Konduktoren und die Arbeitsverhältnisse elektrischer Systeme überhaupt. Preis 50 4, G. Freytag in Laipzig. Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen. Her- ausg. von G. Neumayer. 2. Aufl. 2 Bd. gr. 8°. Preis 16 Jt\ geb 17 Jt 50 4. Robert Oppenheim in Berlin. Averbeek, H., Die Kehlkopfmassage. 8°. Preis 50 4. Eugen Grosser in Berlin. Baginsky, A., lieber Rückgratverkrümmungen der Schulkinder. Vortrag. 8°. Preis 50 4. Eugen Grosser in Berlin. Baer, K., Parabolische Koordinaten in der Ebene und im Raum. 4°. Mit 2 Tat". Preis 1 Jt 60 4. Mayer & Müller in Berlin. Bail, Methodischer Leitfaden für den Unterricht in der Natur- geschichte. Zoologie. 1. Heft. Unter Mitwirkung von Fricke. 6. Aufl. gr. 8°. (194 S. m. Illustr.) Preis geb. 1 Jt 50 4. Fues's Verlag (R. Reisland) in Leipzig. Behr, F., Neueste Karte von Australien. 1:12500000. Chromo- lith. Fol. Preis in Mappe 6 Jt. Julius Maier in Stuttgart. Beobachtungen, Deutsche überseeische meteorologische. Gesam- melt u. hrsg. von der deutschen Seewarte. 1. Heft. gr. 4°. (76 S.) Preis 7 Jt. L. Friederichsen & Co in Hamburg. Bergh, R., Heber Ansteckung und Ansteckungsivege bei Syphilis. gr. 8°. Preis 80 4. Leopold Voss in Hamburg. Brühl, C. B., Universität und Volksbildung, — Priestertum und Naturwissenschaft. 2. Aufl. 8°. Preis 1 Jt. Franz Deuticke, Verlag in Wien. CandoÜe, L. de, Considerations sur la question de Vutilisation agricole de eaux d'egout ä Geneve. gr. 8°. Preis 40 4. Henri Stapelmohr in Genf. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten ivir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Abonnements-Erneuerung' für das III. Quartal 18SS bitten wir gefälligst bei den betreffenden Bezugsstellen recht bald bewirken zu wollen. Die Post erhebt für Bestellungen, die ihr erst nach dem 1. •Tuli zugehen, vorschriftsmässig IO Pf. für Nachlieferung der bereits erschienenen Nummern. II ir glauben mit Befriedigung auf das verflossene Vierteljahr zurückschauen zu können, da ivir kein Mittel unversucht Hessen, durch Heranziehung be- währter Kräfte als Mitarbeiter und Vorführung mög- lichst vieler Illustrationen unser Unternehmen unsern Lesern recht tvertvoll zu machen. — Bei dem Reich- tum an gediegenem Inhalt und guten Illustrationen ist es uns aber leider nicht möglich, den bisherigen so billigen Abonnementspreis künftig beizubehalten, und haben wir uns deshalb entschlossen, denselben vom nächsten Quartal ab um Hark 1. — , also anf Mark it. — pro Quartal, zu erhöhen in der Hoffnung, dass unsere Leser diese kleine Mehrausgabe nicht scheuen und unserm Blatte treue Abonnenten bleiben werden. Den beiliegenden Bestellzettel empfehlen wir güti- ger Beachtung. Die Redaktion und Verlagshandlung. Berichtigung. In der kleineren Mitteilung des Herrn H. J. Kolbe: »Leuch- tende Insekten" muss es in Zeile 11 von oben heissen 360. 104 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 13. I el s e x- a -b e namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften. Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An- gebot, Nachfrage und Tausch naturwissenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von M 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von M 2,10 (in Briefmarken.) — Einzelne Nummern kosten 25 4. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrieh-Strasse 226. Gegen Einsendung von 1 Jt 20 4 pro Band (auch in Brief- marken) liefern wir franko: Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne und die Planeten. Mit 68 Ab- bildungen. Eleg. geb. Gerland, Dr. E., Liebt und Wärme. Eleg. geb. Hansen,. Dr. Adolf, Die Ernährung der Pflanzen. Mit 74 Abbildungen. Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R., Die Nilländer. Eleg. geb. Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine Witterungskunde. Eleg. geb. Lehmann, Paul, Die Erde und der Mond. Eleg. geb. Peters, Prof. Dr. C. F. W., 1 )ie Fixsterne. Mit 69 Abbildungen. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die Insekten nach ihrem Nutzen und Schaden. Mit 70 Abbildungen Eleg. geb. Taschenberg, Dr. Otto, Die Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- bildungen. Eleg. geb. Valentiner, Kometen und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg. geb. Wassmuth, Prof. A., Die Elektricität und ihre Anwendung. Mit 119 Abbildungen. Eleg. geb. Berlin SW. 48. Kiemann & Möller. £ Über 500 Illustrationstafeln und Kartenbeil agen. = Unentbehrlich für jeden Gebildeten. =N £ ME YERS Konversations-Lexikon VIERTE AUFLAGE. Das 1. Heft und den 1. 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[35] Inserate für Nr. 16 müssen späte- stens bis Sonnabend, den 7. Juli in unseren Händen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: Dr. E. Huth: Die Verbreitung der Pflanzen durch Meeresströmungen. — Dr. K. F. Jordan: Die Wirksamkeit der dynamo- elektrischen Maschine. (Mit Abbild.) — Kleinere Mitteilungen: Elektricität als Nachrichter. — Ueber die Erforschung des Rio Xingii. — Ueber Eiszeiten in früheren geologischen Perioden. — Die Umwandlung von Hyoscyamin in A tropin. — Eine neue Erscheinung der Totalreflexion. — Neues aus dem Gebiete der Elektricität und des Magnetismus. — IT eher die Entstehungsgeschichte der Spektral- analyse. — Zur Vorausbestimmung der Temperatur. — Fragen und Antworten: Was versteht man unter Getreidekrebs, und wo findet man Näheres über denselben. — Litteratur: Dr. Wilh. Runge: Die Mineralogie in Schule und Haus. — Bücherschau. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Hermann Riemann. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Redaktion: Dr. H. Potonie. Verlag: Hermann Riemann, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. iL Band. Sonntag; den 8. Juli 1888. Nr. 15. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 3.— ; Bringegeld bei der Post 15 ., extra. ¥ SP I Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annalmie bei allen Annoneenbureaux, wie bei der Expedition. Aburnck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Die Feigen und Von Prof. Dr Wie Galiläi einst die Ansicht) dass unser Planet das Centrum des Weltalls sei, um daß sich alles andere drehe, als eine irrige erwies, so haben die Sprengel, Fritz und Hermann Müller und andere uns die Meinung genommen, dass die Erde ausschliesslich des Menschen halber da sei, indem sie die Wunder der Blumenwelt, die wir so gerne als Schöpfungen zu Freud und Ergötzen des Menschen betrachteten als Anpassungen an andere Wesen, die Insekten erklärten. Freilich gelang es Ihnen ebensowenig ohne ein gewisses Martyrium, ihre Mitwelt dieses anthropocentrischen Standpunktes zu berauben, als dem grossen Astronomen die Yerrückung des geocentri- schen Standpunktes ohne dasselbe möglich ward. Und welch' wunderbare Klarheit hat diese moderne Blumen- lehre in das Chaos der Blumengestalten gebracht! Welch' zweckmässiges Walten tritt uns da überall entgegen, wo wir vordem nichts als ein launenhaftes Spiel der Natur zu erkennen vermochten! Da erscheinen uns nicht nur die merkmürdigen Blütenmechanismen der Orchideen, der Osterluzei, der Schwalbenwurz und tausend anderer Pflanzen erklärlich, nein jedes Strichel- chen und Härchen in der Blüte erscheint uns wie eine wohlbedachte Einrichtung, die zu den Insekten in Be- ziehung steht. In der ganzen Pflanzenwelt dürfte es kaum ein besseres Beispiel für das Ineinanderleben von Blumen und Insekten geben, kaum auch ein anderes die Frucht- barkeit der neuen Anschauungen schlagender erweisen als das der Feigen und ihrer Liebesboten : der bestäubungs- vermittelnden Wespen. Die Geheimnisse, welche der ihre Liebesboten. F. Ludwig. Blütenboden der Feige birgt, sollen uns im Folgenden etwas näher beschäftigen. * "Schon den Alten war ein Verfahren bekannt, das noch heute in Griechenland, dem früheren Königreich Neapel etc. bei der gewöhnlichen Feige, Ficus Carica, geübt wird, um reichlicheren Ertrag zu erzielen. Herodot, Theophrast und Plinius berichten darüber. Theophrast schrieb: „Dem Abfallen der Früchte des Feigenbaumes beugt man durch die Kaprifikation (Erinasmos) vor. Man hängt nämlich an den zahmen Baum wilde Feigen (Erineos, Caprificus), aus denen Gallwespen hervorkommen, die in die zahmen Feigen von deren Aussenende aus hinein- kriechen. . . Die Gallwespen kommen nur aus wilden Feigen und zwar aus den Kernen. Den Beweis dafür liefert der Umstand, dass die Kerne fehlen, wenn die Gallwespen ausgeschlüpft sind". — Der Entomologe Low hat im Jahre 1843 Studien über dies Verfahren der „Kaprifikation" auf der Insel Leros gemacht. Nach seinem Berichte werden nach Mitte Juni die halbreifen von Wespen befallenen und an ihrer nicht so vollkommen geschlossenen Oeffnung kenntlichen Früchte der wilden Feige gesammelt, je zwei derselben durch Binsen vereinigt und in gleichmäßiger Verteilung auf die Zweige der kultivierten Feige gehängt oder ge- schickt geworfen. Beim Einschrumpfen der aufgehängten Früchte brechen die Wespen daraus hervor und legen ihre Eier in die Früchte der Kulturfeige, die aber reift, bevor sich die junge Brut entwickelt. Im Jahre 1881 hat der Professor Graf zu Solms-Laubach in einer grösseren Abhandlung „die Herkunft, Domestikation und 114 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 15. Verbreitung des gewöhnlichen Feigenbaumes (Abh. d. Kgl. Ges. d. Wiss. Göttingen, Bd. XXVIII)" über Wesen Ursprung und Verbreitung der Kaprifikation die Resultate eingehenderer Studien niedergelegt, ohne indessen die Zu- gehörigkeit des Kaprifikus, der Ziegenfeige, richtig zu erfassen. Während bei der Feige der ganze Blütenstand saftig wird, Blütenhülle und Blütenstiele anschwellen und sich mit süssem Saft füllen, bleibt das Fruchtgehäuse des Kaprifikus hart und milchend bis zur Fruchtreife und vertrocknet schliesslich. Fritz Müller kam erst 1882 hinter die Bedeutung der zur Kaprifikation verwendeten Ziegenfeigen — Graf zu Solms-Laubach hatte die Essfeige als Kulturform der letzteren betrachtet. Fritz Müller wies nach, dass die Ziegenfeige und Ess- feige, von welchen letztere nur weibliche Blüten ent- hält, erstere nur im Grunde weibliche, um den Blüten- eingang herum dagegen männliche, die sich erst monatelang nach den Aveiblichen entfalten, zusammengehörige Formen derselben Art sind, wie sie die Biologen in den kleinblütigen, weiblichen Stöcken des Thymians und vieler anderen Lippenblütler, Nelkengewächse etc. oder in den lang- und kurzgriffeligen Stöcken der Primeln etc. erkannt haben, er verglich den Kaprifikus den männ- lichen, die Essfeige den weiblichen Exemplaren anderer Pflanzen. Damit war eines der wichtigsten Rätsel gelöst — es war diese Deutung, wie Solms-Laubach selbst sich ausdrückt, das Ei des Columbus. Solms- Laubach fand dann auch bei javanischen Feigen- arten eine ähnliche Geschlechterverteilung, so bei Ficus hirta Vahl., wo er bereits nach dem äusseren Aussehen der Feigen zweierlei Büsche unterscheiden konnte: die einen trugen kugelige, später kirschrot und saftig werdende Feigen, die anderen aus kugeliger Basis gegen die Spitze verschmälerte, birnen- förmige, die ihre grüne Farbe und lederzähe Kon- sistenz behielten. Die ersteren enthielten stets nur weibliche Blüten, aus denen normale Früchtchen sich entwickelten. Die anderen, die männlichen Feigen, enthielten oben die männlichen Blüten (mit 1 — 2 Staub- gefässen) darunter ausschliesslich (bis zur Mitte der Feige) weibliche Blüten, welche unfruchtbar blieben. — Es war hierdurch die Zwiegestalt der Feigen und das Wesen der Kaprifikation klargestellt. Die Feigenwespen — bei der gewöhnlichen Feige Blastophaga grossorum Gasp. — müssen den Blütenstaub des Kaprifikus in den weiblichen Blütenstand der Essfeige übertragen, wenn Samen gebildet werden sollen. Auch bei der Sykomore, Ficus Sycomorus, bei der nach Valentiner in Unter- ägypten eine Kaprifikation vorgenommen wird, war es nicht anders, nur besorgt hier Blastophaga Sy- comori die Bestäubung. Eine weitere Entdeckung machte zuerst an den javanischen Feigen Graf Solms-Laubach 1885. Schon länger war es bekannt, dass die Feigen- wespen — die geflügelten Weibchen, die Männchen sind ungeflügelt — ihren Besuch den Feigen zu dem Zwecke machen, um in die Fruchtknoten, die darauf gallenartig anschwellen, ihre Eier abzu- legen, nicht wie andere Insekten dem Honig und dem Pollen nachgehen. Wie bei manchen Pollenblumen zweier- lei Antheren, Beköstigungs- und Befruchtungsantheren gebildet werden, so sind bei den Feigen zweierlei weibliche Blüten vorhanden, Gallenblüten und Samenblüten, von denen die ersteren der Ei- ablage dienen, die letzteren dagegen eben durch jene vor dem Angriff der bestäubenden Insekten geschützt bleiben. Auch bei der gewöhnlichen Feige erwiesen sich die weiblichen Blüten des Kaprifikus als Gallenblüten, die der Essfeige als Samenblüten. Diese beiden Blütenformen haben wesentliche Unterschiede. In den Samenblüten der weiblichen Bäume (Essfeige), der Ficus Carica, sind die Griffel etwa zweimal so lang, als die Fruchtknoten und konstant gebogen, in den Gallen- blüten sind sie ohne Narbenpapillen, kürzer als der Frucht- knoten und aufrecht, so dass der Legestachel der Blasto- phaga grossorum bequem in die Samenknospe gelangen kann, wogegen dies bei den Samenblüten wegen der Länge und Krümmung der Griffel nicht möglich ist. Wir nennen hier einige der javanischen Feigen, bei denen gleichfalls zweierlei Stöcke vorkommen, von denen die einen in ihren Feigen nur weibliche Samen- blüten, die anderen (männlichen Stöcke) in dem oberen Teile unter der Ausgangsmündung männ- liche Blüten und darunter früher zur Entwick- lung kommende Gallblüten erzeugen. Ficus hirta Val. Bestäubungs- ) Blastophaga javanica vermittelnde Gallwespe) G. Mayr F. diversifolia Bl. „ ,. B. quadratipes G. M. F. Ribes Miq. „ „ B. crassipes G. M. P. subapposita Miq. ,. ,. B. constricta G. M. F. canescens Kurz ,, ,, B. Solmsi G. M. F. lepicarpa Miq. „ „ B. bisulcata G. M. Die Inquilinen kommen hier also nur auf den männlichen Stöcken in den Gallblüten zur Ent- wicklung. Sie finden beim Verlassen ihrer Feigen reifen Blütenstaub vor, den sie nach den weib- lichen Feigen anderer Stöcke tragen. In letz- teren können sie aber nur Bestäubung vollziehen; die Versuche Eier daselbst abzulegen misslingen. Bei der gemeinen Feige, Ficus Carica, fanden sich an dem männlichen (Gallenblüten-) Baum, dem Kaprifikus, mehrere Generationen von Inflorescenzen vor, deren wichtigste die überwinternden ,.Mamme" und die später sich entwickelnden „Profichi" sind. Die Mamme enthalten nur weibliche Gallblüten und in ihnen die über- winternde Generation der Blastophaga grossorum, während die Profichi nur in ihrem unteren Kessel (etwa 2 /s) Gall- blüten (für die befruchtende Wespengeneration), darüber unter dem Ausgang zahlreiche woclien- oder monate- lang später aufspringende männliche Blüten erzeugen. Um die Zeit der Entwicklung der letzteren sind die Samenblüten der weiblichen Stämme der Essfeige empfängnisfähig. Nr. 15. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 115 Ueber die Ausbildung dieser eigentümlichen Ge- schlechtsanordnung und der Doppelgestalt der weiblichen Blüten der Feigen scheinen einige andere Arten Licht zu verbreiten. Bei dem Gummibaum, Ficus (Urostigma) elastica (bestäubende "Wespe Blastophaga clavigera G. M. |, und anderen Urostigmaarten, die dem ältesten Feigen- typus anzugehören scheinen, stehen noch in ein und derselben Feige männliche und weibliche Blüten regellos durcheinander und die letzteren zeigen keinen Unterschied, so dass es zufällig erscheint, ob aus ihnen samenbergende Früchte oder wespenbergende Gallen werden. Bei anderen Ficus- und Urostigma- arten, z. B. bei Urostigma religiosum (Wespe: B. quadraticeps G. M.) hat sodann eine Scheidung in eine vordere männliche und eine hintere weib- liche Blütenzone stattgefunden. Im weiteren findet eine Scheidung in langgriffelige und damit dem Einstich der Inquilinen entzogene Samenblüten und kurzgrif feiige, der nun überflüssiges Narbenpapillen entbehrende Gallblüten statt, die aber bei Ficus (Sycomorus) glomerata (Wespe: B. fuscipes G. M.) u.a. noch regellos durcheinander stehen. Hieraus dürfte sich dann erst die vollkommene Geschlechts- trennung (eine diöcische — die monöeische ist weder beobachtet noch wahrscheinlich) der oben genannten Feigen herausgebildet haben, indem für die weiblichen Blüten durch gesteigerte Griffelverlängerung die Möglichkeit der Gallenbildung verloren ging. — Die hochgradige An- passung der Feigen an ihre Inquilinen wird noch auf- fälliger, wenn man berücksichtigt, dass innerhalb der Familie noch ein der Windbestäubung angepasster Zweig in der Gattung Sparattosyce existiert. (Schluss folgt.) Eine pathologische Wirkung des elektrischen Lichtes. Von A. Wie grosse Sonnenhitze während des Sommers häufig den sogenannten Sonnenstich veranlasst, so übt auch elektrisches Licht von grosser Intensität eine ganz merk- würdige, ähnliche pathologische Wirkung aus, die man geradezu als „elektrischen Sonnenstich" bezeichnet hat, obwohl dieser Name etwas sonderbar klingt. In den grossen französischen Eisenschmelzwerken zu Creuzot verwendet man seit einiger Zeit die Elek- tricität in grossem Massstabe zum Schmelzen und Schweissen von Metallen. Man verfährt dabei so, dass man das zu bearbeitende Metall mit dem einen Pole, und einen Kohlenstab mittels eines Kabels mit dem anderen Pole einer elektrischen Batterie von entsprechen- der Stärke verbindet. Der Kohlenstab wird alsdann für kurze Zeit mit dem Metall in Berührung gebracht und darauf wieder entfeint; es entsteht infolgedessen zwischen Metall und Kohle ein elektrischer Lichtbogen von so bedeutender Hitze, dass in ihm die Metalle augenblicklich schmelzen. Nichtsdestoweniger ist selbst in nur 5 m Entfernung von einer solchen Schmelzvorrichtung keine merkliche Temperaturerhöhung wahrzunehmen. Der auf- tretende Lichtbogen besitzt eine. Stärke von über 100000 Kerzen, und dieser ist es, welcher noch in 10 bis 12 m Entfernung dem Sonnenstich ganz gleiche pathologische Wirkungen auf den Körper ausübt. Dieselben winden von dem Arzt der Eisenwerke, Dr. Defontaine, der Gesellschaft für Chirurgie zu Paris in einem ausführlichen Berichte mitgeteilt und verdienen allgemeinste Aufmerk- samkeit, da sie zeigen, welchen ausserordentlichen Einflnss das Licht haben kann. Die auftretenden Erscheinungen geben sich für einen in etwa 10 m Entfernung von dem Lichtbogen befind- lichen Menschen zunächst darin zu erkennen, dass der- selbe nach kurzer Zeit eigentümliche Stiche und ein heftiges Brennen empfindet, trotzdem er keine Temperatur- G u t z m e r. erhöhung wahrnehmen kann. Die Stellen, wo der Schmerz sticht — und zwar findet dies am Halse und im Gesicht, namentlich an der Stirn, statt — werden kupferrot bis bronzefarben. Die Augen werden gerade so wie vom Sonnenlicht, selbst bei Anwendung geschwärzter Gläser, geblendet, so dass minutenlange Blindheit eintritt; die Retina wird ganz ausserordentlich gereizt, das sogenannte „Gelbsehen" tritt ein, das Auge thränt stark, und Ent- zündungen der Bindehaut folgen, begleitet von der Empfindung, als befänden sich Sandteilchen unter den Lidern. Kopfschmerz und Schlaflosigkeit stellen sich ein, und bisweilen treten Fieberanfälle auf. Diese Erschei- nungen halten in der Regel zwei Tage an, um dann nachzulassen. Die Haut löst sich alsdann in grossen Stücken ab, während das Gesicht eine hellrote Farbe behält. Wie man sieht, sind dies sehr ähnliche, wenn nicht gleiche Krankheitserscheinungen, wie man sie beim Sonnenstich beobachtet. Zieht man die Umstände in Betracht, so sieht man, dass es einzig und allein das ausserordentlich starke Licht ist, welches die geschilderten unangenehmen Wirkungen hervorbringt, denn auch die von diesem „elektrischen Sonnenstich" betroffenen Personen haben deutlich die Empfindung, dass sie Stiche, aber keine Hitze empfinden. Die Arbeiter schützen sich gegen den verderblichen Ein- fluss, wenn auch nur in unvollkommener Weise, indem sie Gesicht und Hals bedecken und sich geschwärzter Gläser bedienen. Da man über die Ursachen des Sonnen- stichs selbst noch nicht Gewissheit besitzt, so ist wohl denkbar, dass derselbe gleichfalls von dem von der Sonne ausgestrahlten Lichte und weniger von der begleitenden grossen Hitze herrührt, wie man gewöhnlich annimmt. Dr. Defontaine selbst stellt keine Erklärung der von ihm beobachteten „elektrischen Sonnenstiche" auf, und es bleibt daher noch zu untersuchen, welche Strahlen — 116 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 15. die gelben und roten oder die violetten und ultravioletten (sogenannten chemischen) — die Ursache bilden. In- teressant ist es jedenfalls, hierüber Aufschluss zu erhalten und ähnliche Einflüsse des elektrischen Lichtes auf Or- ganismen festzustellen, was bei der grossen Verbreitung und Verwendung desselben muss ohne Schwierigkeit ge- schehen können. Neue Phonographen. Von Dr. B. Dessau. Die grossen Hoffnungen, welche sich seinerzeit an die Erfindung des Edison'schen Phonographen knüpften, haben sich, wie bekannt, in keiner Weise erfüllt; der Apparat, der das Briefschreiben überflüssig machen und die Glanzleistungen berühmter Sängerinnen verewigen sollte, ist zur Rolle eines interessanten Schaustückes physikalischer Kabinete herabgesunken. Trotzdem hat die Technik das einmal aufgeworfene Problem nicht wieder aus dem Auge verloren, vielmehr sind eine Reihe Erfindungen aufgetaucht, welche die Mängel des E diso n- schen Phonographen beseitigen sollten. Bei dem letzteren war vor allem, um eine möglichst laute Wiedergabe zu erzielen, die Deutlichkeit zum Opfer gefallen, da die Eindrücke, welche eine schwingende Spitze in einem widerstehenden Metall hervorbringt, unmöglich das ge- treue Bild dieser Schwingungen sein können. Diesen Uebelstand hat nun Graham Bell in seinem „Graphophon" oder „photischen Phonographen", einem auch in rein physikalischer Hinsicht sehr interessanten Apparate zu vermeiden gewusst. Die Aufgaben des Empfängers und des Gebers sind getrennten Vorrichtungen übertragen. Soweit aus den unvollständigen Beschrei- bungen zu erkennen ist, dienen als Empfänger sogenannte empfindliche Flammen, welche durch Töne in Schwin- gungen geraten, oder vibrierende, gefärbte Flüssigkeits- schichten, durch welche ein Lichtstrahl fällt. Vermittelst beider Einrichtungen werden den Schallwellen entsprechend schwankende Lichtintensitäten erhalten, welche man auf einer kontinuierlich bewegten photographischen Platte (etwa einer Cylinderfläche) nebeneinander abbildet. Als lichtempfindliche Substanz fungiert dabei vermutlich Chromgelatine, welche an den vom Lichte getroffenen Stellen erhärtet und so bei nachherigem Waschen mit Wasser eine Art von Reliefbild der Schallschwingungen liefert. Auf diesem lässt man behufs Reproduktion der Töne einen Mikrophonkontakt gleiten, welcher, in den Stromkreis eines Telephons eingeschlossen, in bekannter Weise dieses zum Tönen bringt. Die ganze Einrichtung ist jedenfalls sehr sinnreich; ob der Apparat jedoch in der Praxis dem Edison'schen überlegen ist, bleibt vor- erst abzuwarten. Von den zahlreichen anderen Apparaten zur zeit- lichen Aufbewahrung und Wiedergabe von Tönen ist namentlich Berliner's „Gramophon" bemerkenswert. Die „Elektrotechnische Zeitschrift" (Jan. 1888, Nr. 59) entwirft von demselben folgende Beschreibung: „Ein Uhrwerk bewegt eine Glasscheibe horizontal um ihre vertikale Axe unter gleichzeitiger geradliniger horizontaler Verschiebung ihres Mittelpunktes. Die Glas- scheibe ist auf ihrer unteren Fläche mit einer Kohlen- schicht bedeckt, welche auf folgende Weise hergestellt wird. Mit Hilfe einer Druckerwalze wird zunächst eine Seite der Scheibe mit einer dünnen Lage von Drucker- schwärze bedeckt, darauf wird jene Fläche einer stark russenden Flamme ausgesetzt. Es bildet sich dadurch auf derselben eine zähe, beinahe feste, gleichmässige un- durchsichtige Schicht. Die so präparierte Platte ist dazu bestimmt, das Phonogramm aufzunehmen. Zu diesem Zwecke ist die Membrankapsel wie gewöhnlich mit einer Schreibspitze versehen. Die Bewegung derselben jedoch findet nicht senkrecht zur berussten Fläche statt, sondern parallel dazu. Die Schwingungen der Membran bringen daher eine Furche in der Kohlenschicht hervor, deren Hauptzüge die einer archimedischen Spirale sind; die einzelnen Teile derselben sind wellenartig gezackt und ihre Tiefe ist überall gleichmässig dieselbe. „Eben dieser Punkt bildet den principiellen Unter- schied des Gramophons von den übrigen Phonographen. Während bei den letzteren die Schwingungen der Mem- bran in einer Richtung durch den Gegendruck der Folie oder der Kohlenschicht gehemmt werden, in der anderen aber frei stattfinden, ja von jenem Gegendruck unterstützt werden, erfährt der Stichel und mit ihm die Membran in Berliner's Gramophon stets denselben, übrigens sehr geringen Widerstand, so dass die Form der Schwingungen eine regelmässigere ist und diese nicht deformiert werden. „Das erhaltene Phonogramm ist direkt nicht ver- wendbar, sondern muss erst in haltbarerem Material re- produciert werden. Dies geschieht entweder durch Abguss mit Wachs oder leichtschmelzbarem Metall oder durch Galvanoplastik, oder endlich vorzugsweise auf chemischem Wege durch das Chromgelatine -Verfahren. Aus den derart erhaltenen Negativen werden dann die eigentlichen Phonogramme in behebiger Zahl meist durch Galvano- plastik heigestellt. „Die Wiedergabe der Sprache wird ebenso wie beim Phonographen durch Umkehrung des Vorganges erzielt, wobei Berliner die Methode empfiehlt, ein scharf zu- gespitztes Bambusstäbchen zwischen die Zähne zu nehmen und unter Zuhaltung der Ohren die Scheibe rotieren zu lassen, während man die Spitze leicht in die Furche presst; man soll dann die Stimme voUkommen deutlich wieder hören." Neuerdings ist nun Edison selbst mit einer wesent- lich verbesserten Auflage seines alten Phonographen her- vorgetreten; auf die Intensität des Tones ist verzichtet Nr. 15. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 117 und dafür soll eine grössere Schärfe und Genauigkeit der Wiedergabe erzielt sein. Das zu wenig nachgiebige Stanniol des alten Apparates ist durch einen Ueberzug von besonders präpariertem Wachs auf dem Cylinder ersetzt. Dieses Material ist jedenfalls für Eindrücke empfanglicher, dafür aber dürften nunmehr die Leistungen des Apparates sehr von der Temperatur abhängig sein. Während früher der Cylinder sich drehte und dabei zu- gleich eine Längsverschiebung erhielt, erfährt er in der neuen Anordnung nur die Drehung, wogegen der Schall- trichter sich verschiebt — eine Veränderung, die für den Sprechenden oder Hörenden kaum vorteilhaft sein dürfte. Die Bewegung des Mechanismus geschieht nicht mehr von der Hand, sondern mittelst eines elektromagnetischen Motors von sehr einfacher Konstruktion und, wie es heisst, sehr regelmässigem Gange. Als wesentliche Ver- besserung muss es gelten, dass zur Aufnahme und Wiedergabe der Töne Diaphragmen von verschiedener Einrichtung dienen, welche, an dem Apparate befestigt, sich rasch gegeneinander auswechseln lassen ; eine einfache Vorrichtung dient ferner dazu, die Wachsfläche jedesmal vor dem Gebrauche zu glätten. So die Beschreibungen amerikanischer Quellen, nach welchen ferner besondere Kästen zum Postversandt der Wachscylinder konstruiert worden sind. Man ist drüben des Lobes voll für die neue Erfindung, welche wieder einmal Telegraph, Telephon etc. verdrängen soll. Dem ist aber doch entgegenzuhalten, dass eine phonographische Mitteilung im besten Falle den Wert eines durch die Stimme beglaubigten Briefes haben, aber niemals die Schnelligkeit des Telegraphen oder die Vorteile der tele- phonischen Unterhaltung im sofortigen Austausch von Rede und Antwort bieten kann. Kleinere Mitteilungen. Um ein kleines Beispiel aus dem Sarraeenia purpurea weiter hinten be- sprochenen Ker- •^.-s^^ n er 'sehen Werke ^Sttää „Pflanzenleben' 1 zu bieten, geben wir hier eine Ab- bildung der in Sümpfen des öst- lichen Nord- amerika von der Hudsonsbai herab bis Florida vor- kommenden, tier- fangenden Sarra- eenia purpurea, von der Kerner das Kul» ende sagt. Die in Schläuche metamorpho- sierten Blätter sind rosettig ge- stellt, liegen mit ihrer Basis der feuchten Erde auf, krümmen sich von da bogenförmig empor, sind un- gefähr in der Mitte etwas blasig aufgetrieben, an der Mündung da- gegen wieder ver- engert und gehen dort in die ver- hältnissmässig kleineBlattspreite über. Die Blattspreite ist von roten Striemen wie von Blutadern durchzogen, hat eine nnischelförmige Gestalt und wendet ihre konkave Seite dem einfallenden Regen zu. Sie dient zum Auf- fangen der Regentropfen, welche von ihr in den Grund des Schlauches hinabfliessen und diesen mehr oder weniger hoch mit "Wasser füllen. Aus den bogig gekrümmten Schläuchen verdunstet das Wasser nur sehr langsam. Selbst dann, wenn es eine Woche lang nicht geregnet hat, findet man in der Tiefe von früher her noch immer etwas Wasser angesammelt. Die Zellen, welche die Innenseite des Schlauches auskleiden, sind wie die Schmelzschuppen auf dem Rücken eines Hechtes angeordnet ; die gegen den Hohlraum vorspringende Wand jeder dieser Zellen gestaltet sich zu einer starren, nach abwärts gerichteten Spitze, und je weiter nach ab- wärts, desto länger werden diese Spitzen. Die muschelfürmige Blattspreite über der verengerten Mündung des Schlauches dagegen trägt Drüsenhaare, welche Honig ausscheiden, so dass die Umgebung der Schlauchmündung mit einer dünnen Schicht des süssen Saftes überzogen ist. ijüHHI^fjlüigHIHMaHiljgjü^»*,. Durch diesen Honig werden nun zahlreiche kleine Tiere an- gelockt, teils ge- flügelte, welche angeflogen kom- men, teils unge- flügelte, welche eine eigentüm- liche, an der kon- kaven Seite des Schlauches vor- springende Leiste zum Erupor- krieeken benut- zen. Gelangen diese Näscher des Honigs von der Blattspreite weg in jene Region der schlauch- förmigen Kanne, welche mit den nach abwärts ge- richteten glatten und schlüpfrigen Zellen tapeziert ist, was sehr leicht geschieht, so sind sie auch so gut wie ver- loren ; sie gleiten über diese Zellen nach abwärts; jeder Versuch, wieder in die Höhe zu kommen, wird durch die tiefer unten die Wand bekleidenden, abwärts starrenden nadei- förmigen Spitzen vereitelt, und schliesslich fallen sie in die mit Wasser gefüllte Tiefe, wo sie ertrinken und verwesen. Die Pro- dukte der Verwesung aber werden von den Oberhautzellen im Grunde des Schlauches als Nahrung aufgesaugt. Manchmal ist die Menge derartig verunglückter Tiere so gross, dass sich von den zerfallenen Leichen ein widerlicher Geruch entwickelt, der den Schläuchen ent- steigt und sich auf ziemliche Entfernung bemerkbar macht. Im Freien sollen die kannenförmigen Schläuche, oft bis zur Mitte mit ersäuften Tieren erfüllt sein, und es wird erzählt, dass sich dann auch Vögel einstellen, welche einen Teil der toten Tiere aus den Schläuchen herauspicken. Ob die Flüssigkeit, welche den Grund der Schläuche erfüllt, nur aus Regenwasser besteht, oder ob dieses Regenwasser nicht doch vielleicht durch eine aus den drüsenartig gruppierten Zellen her- 118 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 15. stammende 1 Ausscheidung des Sarraeenia-Blattes verändert wird, ist noch zweifelhaft. Ein über 4 cm langer Tausendfuss, welcher im Laufe der Nacht in einen der Schläuche der Sarracenia pnrpurea fiel,, war nur zur Hälfte unter Wasser gekommen, die obere Hälfte des Tieres ragte über die im Schlauchgrunde angesammelte Flüssig- keit empor und machte lebhafte Versuche zu entkommen ; der untere Teil aber war nach wenigen Stunden nicht nur bewegungslos ge- worden . sondern erhielt infolge des Einflusses der umgehenden Flüssigkeit auch eine weisse Farbe, war wie maceriert und zeigte Veränderungen, welche an den in gewöhnliches Regenwasser ge- fallenen Tausendfüssern in so kurzer Zeit nicht beobachtet werden. Sind einmal mehrere in die Falle gegangene Tiere in Zersetzung übergegangen, dann färbt sich die Flüssigkeit braun und bekommt ganz das Ansehen einer Jauche. (Vergl. auch die Mitteilung über S. p. in Bd. I der „Naturw. Wochensehr." Seite 23.) Kormoranfisehen in Japan. — Im Januarheft d. J. des „American Naturalist" findet sich eine interessante Beschreibung einer neuen Art und Weise des Fischfanges vermittelst abgerichteter Kor- morane, wie sie von Jong in Japan gesehen wurde. Gewöhnlich wird die Fischerei mit Kormoranen in der Weise betrieben, dass der Fischer sich in einem Boot befindet, auf dessen B.and eine Anzahl von gezähmten Kormoranen sitzen. Die Vögel schiessen von hier aus in das Wasser und fangen in gewohnter Weise Fische. Damit sie dieselben nicht verschlingen können, ist ihnen ein Messingring um den Hals gelegt: Oft sind die Vögel gewöhnt, auf einen Pfiff oder ein ähnliches Zeichen ihres Herrn zum Boot zurückzukehren. Manchmal jedoch muss der Fischer sehen, wie er seine Beute erlangt'; er wirft, wie Doolitle erzählt (cf. Brehm, Tierleben) einen an einer Stange befestigten, netzartigen Beutel über Vogel und Fisch und zieht so beide zu sich heran, worauf er dem Kormoran den Fisch abnimmt. In dieser lange bekannten Manier benutzen die Chinesen auf ihren ruhig rliessenden Gewässern die gelehrigen beschwingten Fischer. Ganz anders ist dagegen das Fischen mit Kormoranen in den reissenden Berg-Strömen Japans. Man fischt hier des nachts und zwar je ein Fischer mit nur einem Kormoran. Jong schildert in seinem Tagebuch den Fang in folgender Weise: „ . . . Der Mann erwartete uns an dem steinigen Ufer des Flusses mit seinem Vogel und mit einer hell brennenden Kienfackel. Der Vogel war sehr zahm und sass auf einem Felsen dicht dabei. Eine Leine war ziemlich straff um den unteren Teil der Kehle und zwischen den Schultern befestigt; an derselben war ein Stück Bambusrohr (mit einem Wirbel an jedem Ende) angebracht, lang genug um über des Vogels Flügel hinauszuragen und zu verhindern, dass die Leine sich verwickelte, während der Vogel im Wasser war. Der Mann trug einen Korb an der Seite, um die Fische hineinzuthun, und eine Art Schürze, in welcher er Kienspäne hatte, um Licht zu machen. Die Laterne war ein an einer langen Stange befestigter Drahtkäfig oder -Korb. Diese, sowie die an dem Vogel befestigte Leine, welche jenem einen Spielraum von ungefähr 20 Fuss giebt, wird in der linken Hand gehalten, während die rechte damit beschäftigt ist, den Vogel zu lenken, das Feuer anzufachen und die Fische einzustecken. Wenn Alles bereit ist, nimmt der Fischer die Fackel in die linke Hand, wickelt die Leine frei, welche den Vogel hält und watet in den Strom. Der Vogel folgt ihm und nachdem er eilig Toilette gemacht hat, indem er Kopf und Hals ins Wasser taucht und sich putzt, beginnt die nächtliche Arbeit. Der Fischer hält das Feuer gerade nach vorn und über den Kopf des Vogels, so dass er den Fisch in dem klaren Wasser sehen kann. Der Vogel scheint völlig furchtlos zu sein und wenn er empor kommt fallen Feuerfunken ihm beständig auf Kopf und Rücken. Das Fischen geschieht strom- aufwärts und der Mann hat genug daran zu thun, mit dem Vogel Schritt zu halten, da das Wasser beinahe bis an seine Schenkel reicht. In der That war es für uns an der Küste ein hartes Stück Arbeit, in dem ungewissen Licht über die Felsen weiter zu kriechen und gleichzeitig auf den Vogel zu achten. Der Vogel taucht, schwimmt 8 oder 10 Ellen weit unter Wasser, kommt herauf und ist wieder hinunter; er arbeitet sehr schnell und ergreift beständig Fische. Wenn diese klein sind, darf er 2 oder 3 gleichzeitig in seiner Kehle behalten, aber ein Fisch von guter Grösse wird ihm sofort abgenommen und in den Korb gethan. Während einer halben Stunde wurden 15 Fische gefangen, was für einen guten Fang erklärt wurde in Anbetracht der Hellig- keit der Nacht. Die grössten dieser Fische, welche alle derselben Art angehörten, waren 9 bis 10 Zoll lang und kaum verletzt, da sie dem Vogel sofort aus dem Schnabel genommen waren .... Die Vögel werden besonders für diese Arbeit abgerichtet und fischen am Tage nicht. Unser Vogel war 2 Jahre alt und wurde als vorzüglicher und eifriger Fischer angesehen, da er in guten Nächten, wenn die ganze Nacht gefischt wurde, nicht weniger als 400 Fische gefangen hatte, während 300 als gute Leistung angesehen wurden. Nur ruhige Nächte sind günstig und je dunkler, desto besser. Der Fang erstreckt sich auf einen besonderen Fisch aus der Familie der Salmoniden, den Plecoglossus altivelis T. und S. Dieser Fisch, der „Ai" der Japaner steht seinem Aeussern nach zwischen einer Forelle und einem Stint, wird 12 bis 14 Zoll lang und ist von silberglänzender Farbe mit einem goldigen Fleck an jeder Schulter. Er ist von ausgezeichnetem Geschmack und für die Tafel sehr ge- schätzt. In einem Lande, welches durch die Mannigfaltigkeit und Vortrefflichkeit seiner Fische" berühmt ist. nimmt diese Art den ersten Platz ein und erzielt den höchsten Marktpräs. Sie wird auf viele sinnreiche Art und Weise gefangen, von denen die mit dem Kormoran die interessanteste ist. Dr. Ernst Schaff. Ueber die Fixierung des Stickstoffs durch den Pflanzenboden hat sich zwischen den französischen Forschern Schloesing und Berthelot ein Streit erhoben, der sich in den Sitzungen der Academie des Sciences und in den Comptes Rendus abspielt, ohne bisher zu einer Erledigung der streitigen Frage zu führen. Es handelt sich dabei natürlich nur um die Fixierung des in unserer Atmosphäre enthaltenen Stickstoffs durch die Pflanzen- decke. Während Schloesing und mit ihm Boussingault diese Fixierung leugnen, behauptet Berthelot, dass dieselbe unter ge- wissen Bedingungen stattfinde. Die Wichtigkeit der Fragestellung ist ohne weiteres einleuchtend, und schon seit 1884 hat Berthelot eine Reihe von einschlägigen Versuchen angestellt. Er glaubt nach- gewiesen zu haben, dass manche Thonbüden und Sandarten durch Fixierung des Stickstoffes der Atmosphäre sich mit stickstoffhaltigen organischen Verbindungen anfüllen können. Und zwar geschieht dieses — ■ nach Berthelot — unter dem Einfiuss gewisser Mikro- organismen, welche den Boden durchsetzen. Ein weiteres Moment, das gleichfalls günstig auf die Aufnahme des Stickstoffes durch den Boden einwirken soll, ist die Zirkulation der atmosphärischen Luft im Boden, also Porosität desselben u. s w. Demgegenüber behauptet Schloesing, dass diese „stickstofffixierende" Mikrobe vorläufig nur eine Hypothese sei. Der von Bert hei ot gemachten Angabe, dass dieser Mikroorganismus bis zu 1200 kg Stickstoff auf 1 ha fixieren könne, stellt Schloesing die Frage gegenüber, warum die Land- wirte alsdann für grosse Summen Ammoniumnitrate u. s. w. kaufen, um schliesslich nur 40 bis 60 kg Stickstoff auf den Hektar zu haben. — Wie bemerkt, ist die so entbrannte Frage noch nicht zu einer völlig zufrieden- stellenden Erledigung gelangt; wir wollten aber nicht verfehlen, die Aufmerksamkeit unserer Leser auf den Gegenstand zu lenken. A. G. Apparat für Experimente bei hoher Temperatur in Gasen unter hohem Druck. — ■ In „La Nature" (11. Februar) beschreibt L. Cai liefet einen von ihm erfundenen und bereits seit mehreren Jahren benutzten Apparat, welcher das Experimentieren in Gasen bei hohem Druck und hoher Temperatur gestattet. Der- selbe besteht aus einer cylindrisch geformten Stahlmasse, welche innen einen Hohlraum besitzt. Dieser steht einerseits mit dem Be- hälter des komprimierten Gases, andererseits mit einem Metall- manometer in Verbindung und erlaubt die Vorgänge im Innern durch ein sehr dickes, kleines Glasfenster von aussen zu beobachten. Diesem gegenüber befindet sich innen der zu untersuchende Körper entweder zwischen zwei Platinplatten, die wie Schmelztiegel gehöhlt sind, oder in einer Spirale von I'latindraht oder auch zwischen zwei Kohlen- spitzen. Diese stehen durch Kupferdrähte mit einem Akkumulator in Verbindung. Geht ein Strom durch die Drähte, so wird der innen befindliche Körper in Glühen versetzt, geschmolzen u. s. w. und kann dabei bequem beobachtet werden. Die erreichte Temperatur kommt der des Schmelzpunktes von Platin ziemlich nahe. Mit diesem Apparat, hat Caillet et. Versuche über elektrisches Licht unter Druck und über das Verhalten gewisser Mineralien bei hohem Druck und hoher Temperatur angestellt und empfiehlt denselben für chemische uud mineralogische Untersuchungen. — r. Zur Kenntnis des Färbungsvorganges. — Hebe) chemische Vorgänge, welche beim Färben der Wolle und Seide mir basischen Theerfarben stattfinden, berichtet Edm. Knecht (Ber. d. d. ehem. Ges. 21, 1556) auf Grund quantitativer Versuche. Die Erklärung der Thatsache, dass Wolle oder Seide in Lösung basisclui Theerfarben (Fuchsin, Methylviolett) den Farbstoff anziehen und so gefärbt werden, war bisher die, dass entweder der Farbstoff mechanisch von der Faser absorbiert werde oder damit eine chemische Ver- bindung eingehe. Um den Vorgang klar zu stellen, löste Knecht abgewogene Mengen basischer Farbstoffe, nämlich Fuchsin, ChrysoYdin und Krystallviolett in Wasser auf, brachte zu den Lösungen Wolle oder Seide, und kochte, bis die Lösungen entfärbt waren. Die Wolle oder Seide, hatte dann den Farbstoff aufgenommen. Doch stellte es sich heraus, dass nicht der gesamte Farbstoff, sondern nur ein Theil von der Faser aufgenommen wird. Besagte Farbstoffe sind die Chloride von Basen der allgemeinen Formel X . OH. Die an sich farblosen Basen gehen in Farbstoffe über, wenn sie sich unter Wasseraustritt mit Säuren verbinden. So ist Fuchsin das Chlorid des Rosanilins. Knecht untersuchte die durch Wolle oder Seide entfärbten Lösungen auf Chlor und fand, dass der Gesamt- chlorgehalt des Farbstoffs in Lösung geblieben war. Daneben liese Nr. 15. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 119 sich auch Ammoniak nachweisen. Es handelt sich daher bei der Färbung tierischer Faser mir basischen Teerfarbeii nicht um eine mechanische Absorption, sondern eine quantitative chemische Um- setzung, verbunden mit Spaltung des Farbstoffe. Das darin ent- haltene Chlor verbindet sich mit Ammoniak, das wahrscheinlich von ' einer teilweisen Zersetzung' der Faser herrührt, wahrend die Farben- base sich mit der Wolle verbindet, unter Färbung letzterer. Dafür, dass in derThat. nur die Base an sich aufgenommen wird, spricht der Umstand, dass sieh Wolle in farbloser Rosanilinlösung ohne Säure intensiv fuchsinrot färbt. Was aber für Verbindungen sich auf der Faser beim Färben mit diesen Farbstoffen bilden, ist eine Frage, die sieh vorläufig noch nicht entscheiden lässt. E. Knecht beabsichtigt den Gegenstand hoch genauer zu untersuchen. Dr. M. Bragafd. Fragen und Antworten. 1. Wird die Kichtung eines Gewitters, wenn es auf seinem Wege an einen grösseren FTuss kommt, durch •denselben beeinflusst? 2. Es wird behauptet, dass ein Gewitter nicht über einen Ort heraufziehen könne, wenn derselbe im Mond- schein liegt. Inwiefern könnte ein Gewitter in dieser Weise von dem Monde beeinflusst werden? 1. Die Zugrichtung' eines Gewitters wird im allgemeinen durch einen grösseren Fluss nicht geändert, wohl aber haben die grossen Wasserläufe einen entscheidenden Anteil an der Verbreitung des Gewitters, da der über Flüssen und Seen vorherrschende absteigende Luftstrom der Weiterverbreitung' eines Gewitters ein Hindernis zu bieten geeignet ist, und das Fortschreiten des Gewitterzuges an die Bedingimg aufsteigender Luftströme geknüpft ist. Es kommt sehr häufig vor, dass ein Gewitterzug an der Elbe Halt macht, und nicht auf das jenseitige Ufer tritt, oder dass hei stärkeren Gewittern plötzlich auf beiden Seiten des Flusses, aber in grösserer Entfernung von demselben die Linien gleichzeitigen ersten Donners parallel verlaufen. Dieser Einfluss lässt sich mit Sicherheit nicht durch Beobachtungen an einem einzelnen Ort wohl aber durch die synop- tische Methode entscheiden. 2. Dass der neuerdings wiederum betoute, immer noch sehr problematische Zusammenhang zwischen Mondumlauf und Gewitter- häufigkeit sich in der geäusserten Weise zeigen sollte, ist eine so sonderbare Ansicht, dass sie deswegen bei manchen Anklang finden dürfte; die Behauptung selbst beruht nur auf ungenügenden Be- obachtungen. . Dr. E. Wagner. Litteratur. Anton Kerner von Marilaun: Pflanzenleben. I. Bd.: Gestalt und Leben «ler Pflanze. Mit 553 Abbildungen im Text und 20 Aquarelltafeln. Verlag des Bibliographischen Instituts. Leipzig 1888. Preis 16 JC. Die Entwicklung aller naturwissens haftlicher Disciplinen ist wesentlich von zwei Faktoren abhängig, die sich unbedingt erfordern und deren Ineinandergreifen zum guten Teile diesen Disciplinen den Charakter induetiver Forschung verliehen hat. Die unendliche Zald von Naturobjekten, deren verschiedene Verbreitung und Veränderlich- keit hat nämlich seit Beginn wissenschaftlicher Forschung stets eine grosse Zahl von Menschen angezogen und beschäftigt. Von momentanen und oft zufälligen Einflüssen beherrscht, arbeitet der einzelne und sammelt Thatsachen bis endlich der kommt, der diese Unsumme von Einzelbeobachtungen sammelt, in Verbindung bringt, aus ihnen Gesetze allgemeinen Charakters ableitet und endlich die Bahnen vorzeichnet, auf denen die Forschung zu wandern hat. So war es auch zu allen Zeiten auf dem Felde der Botanik als Gesammtwissenschaft wie ihrer einzelnen Disciplinen; neben der grossen Zald eifriger Forscher ragen dann die Namen einzelner Männer, wie Linne, Jussieu, Unger, Darwin u. a. hervor, die die Resultate ihrer Vorgänger sammeln, verwerten und Epochen in der Geschichte der Wissenschaft kennzeichnen. — Im Laufe dieses Jahrhunderts haben sich die einzelnen Zweige der Botanik ent- wickelt, und sie alle, Morphologie und Entwicklungsgeschichte, Anatomie und Physiologie etc. haben es bis heute zu einem hohen Grade der Ausbildung gebracht. Neben diesem hohen Werte der Arbeitsteilung brachte dieselbe auch den Schaden weitgehender Specialisierung ; die Zahl der Botaniker wird immer kleiner, jene der „Pflanzenanatomen'', „Physiologen", „Systematiker" etc. immer grösser. In einer solchen Zeit muss es einem Bedürfnisse entsprechen, wenn ein Ruhepunkt geschaffen wird, von dem aus wir Rückblick halten können auf die zurückgelegten Wege, in dem diese alle zu- sammenlaufen, und von dem aus wir nach allen Seiten Ausblicke auf ■die einzuschlagenden Richtungen erhalten können. Einen solchen Ruhepunkt kennzeichnet in der Entwicklung der Wissenschaft ein soeben erschienenes Werk: „Das Pflanzenleben" von A. von Kerner, von dem uns der I. Band vorliegt, der jedoch vollkommen die Be- deutung desselben abschätzen lässt. Es ist das erste Mal, dass man durch Zusammenfassung der Resultate aller einschlägigen Disciplinen ein anschauliches Bild von dem Zusammenhange äusserer form und innerer Organisation, zwischen Form, Bau und Funktion erhält, mithin Einblick in all' das, was wir Pflanzenleben nennen können. Durch Kerner's Werk ersieht der Fachmann, welchen Wert, die wissenschaftlich festgestellte einzelne Thatsache durch Verbindung mit anderen erhalfen kann, lernt der Laie die Pflanze als ein lebendes, für die mannigfachen Erfordernisse des Lebens ausgerüstetes Wesen kennen. Wir entnehmen demselben aber auch allerorts Weisungen, welche Wege die Wissenschaft zunächst zu gehen hat, um Lücken in der Erkenntnis auszufüllen. Die Reichhaltigkeit des Inhaltes und der Gedankengang des vorliegenden I. Bandes wird am besten aus einer kurzen Uebersicht des behandelten Stoffes hervorgehen. Nach einer dem Entwicklungsgange der botanischen Forschung gewidmeten Einleitung, die insbesondere eine Darlegung der gegen- wärtigen Ziele und Aufgaben enthält, wendet sich der Verfasser zur Schilderung des „Lebendigen in der Pflanze". Die Lebensthätigkeit des ProtopTasten, in Bewegungen, Ausscheidungen und Bauthätigkeit, ferner in den wechselseitigen Beziehungen sich äussernd, finden wir im Zusammenhange mit den Prinzipien der Pflanzenanatomie ge- schildert. Das nächstliegende Ziel des Lebens der Pflanzen ist die Aufnahme der Nahrung, welche den Gegenstand des 2. Abschnittes bildet. Derselbe gliedert sich naturgemäss in eine Besprechung der Aufnahme organischer Stoffe, da Aufnahme organischer Stoffe aus verwesenden Pflanzen und Tieren, der Aufnahme der Nahrung durch Schmarotzer, der Aufnahme des Wassers, der Ernährungsgenossen- achaften, sowie der durch die Ernährungstätigkeit der Pflanze be- dingten Veränderungen des Substrates. In diesen Abschnittten finden wir insbesondere die lebendige Schilderung der mannigfachen Einrichtungen zur Versorgung der Pflanze mit der nötigen Nahrung, der Tierfänger und Schmarotzer u. s. w., erläutert durch zahlreiche prächtige Illustrationen.*) In natürlicher Folge scldiesst sich an diesen Abschnitt des Werkes jener über die Leitung der Nahrung an die Stellen des Verbrauches, in welchem die verschiedenen Ur- sachen der Nahrungsleitung, vor allem die Transpiration geschildert wird, sowie die Regulierung und Abhängigkeit derselben von äusseren Faktoren. Der 4. Abschnitt behandelt die Bildung organischer Steife aus der aufgenommenen anorganichen Nahrung durch Ver- mittlung der Chlorophylls, die Bildung und Verteilung der grünen Blattei, die Beziehungen der Blattform zur Blattstellung, endlich die Schutzmittel des Blattes. In einem weiteren Abschnitte finden wir die Besprechung der Stoffwandlung in der lebenden Pflanze, der Zu- und Ableitung der Stoffe, der Bedeutung des Anthocyans für die Stoffwandlung, sowie der die Wandlung und Wanderung der Stofl'e beeinflussenden Kräfte (Licht, Wärme etc.). Die Aufnahme und Umwandlung der Nahrung bedingt das weiterhin abgehandelte Wachstum und den Aufbau der Pflanze. Nach einer Darlegung der Theorie des Wachstums zeigt Verfasser die mannigfachen Beziehungen des Wachstums der Pflanze, resp. dieser selbst zur Wärme. Den AbschlUSS «les Werkes bildet eine allgemein morphologische Dar- steliung, in der wir von der Entstehung und Ausbildung des Keim- blattes ausgehend einen Ueberblick über die mannigfachen Orgaue der Pflanze, sowie des innigen Zusammenhanges der Form derselben mit ihrer Funktion erhalten. In allen Teilen des Werkes tritt die. umsichtige Benutzung der früheren Litteratur hervor, zum grossen Teile enthält es aber neue Thatsachen als Resultate der Untersuchungen des Verfassers. Als Kapitel, die sich durch die Fülle neuer, wichtiger Beobachtungen auszeichnen, nenne ich insbesondere jene über die Aufnahme der Nahrung, besonders mit Rücksicht auf die Aufnahme organischer Substanz, von Wasser und auf den Einfluss der Pflanzenernährung auf den Boden, das Kapitel über die Bildung organischer Stofl'e in ihr Pflanze, jenes über Wachstum und Aufbau u. s. w. Einen erhöhten Wert gewinnt das Werk durch die prächtige Sprache bei wirklich populärer Schilderung. Dort, wo wir zur Be- zeichnung von Objekten und Vorgängen deutsche Worte haben oder haben können, sind dieselben angenommen oder gebüdet und kon- sequent durchgeführt. Die Ausstattung kann die höchsten Ansprüche befriedigen; ganz besonders sind die bildlichen Darstellungen hervor- zuheben, die zum Teil in Farbendruck, zum Teil in geradezu muster- haftem Holzschnitte ausgeführt Schönheit der Darstellung mit grösster wissenschaftlicher Genauigkeit vereinigen. Ausserdem sind es durchweg Originalabbildungen nach Untersuchungen des Verfassers, die vielfach überhaupt noch nicht illustrirte Gegenstände und Vorgänge darstellen. Wenn ein englisches Fachblatt in jüngster Zeit den Ausspruch that: „Es ist dies ein Werk, um das wir die Deutschen beneiden", SO' möchte ich mit den Worten schliessen : Es ist ein Werk, auf das wir Deutsche stolz sein können, das einen Markstein auf dem Boden wissen- schaftlicher Entwicklung zu bilden berufen ist. Dr. R. v. Wettstein.. *) Vergl. die kleinere Mitteilung über Sarracenia purpurea und die dazu gegebene Figur in dieser Nummer der „Naturw. Wochen- schrift". Red. 120 Naturwissenschaftliche. Wochenschrift. Nr. 15. I^g^fat® namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Chemikalien, sowie Band I (Okt. 1887— März 188 ) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von M 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von M 2,10 (in Briefmarken.) — Einzelne Nummern kosten 25 j,. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. Hermann Rieniann Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 226 empfiehlt sich zur Besorgung von naturwissenschaft- lichen Werken und Zeitschriften. *< Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. )* Behufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Central» Anzeiger für Erd- und Völkerkunde Wegweiser durch d. geoyraph. Litteratnr alter u. neuer Zeit. Neueste Nachrichten für alle Freunde der Erdkunde. Unter Mitwirkung der Herren Professor Dr. K. W. v. Dalla Torre, Doz. a. d. Univ. Innsbruck; Dr. 0. Feistmantel, Prof. a. d. techn. Hoch- schule in Prag; Dr. Günther, Prof. d. Erdkunde a. d. techn. Hochschule in Münschen; Dr. Jentzsch, Dir. d. geol. Provinzialmus. u. Doz. a. d. Univ. Königsberg; Dr. K. Keilhack, kgl. Bezirksgeol. in Berlin'. Dr. 0. Krümmel, Prof. d. Brdk. a. d. Univ. Kiel; Dr 0. Lenz, Prof. d. Erdk. a. d. Univ. Prag; Dr. F. Regel, Doz. d. Erdk. a. d. Univ. Jena; Dr. Riggenbach, Doz. a. d Univ. Basel; Dr. F. Wahnschaffe, kgl Landesgeid. u. Doz. a. d. Univ. Berlin u. a. herausgegeben von Dr. Faul BticlsholK. Monatlich erscheint einlieft von 1—2 Bogen. Der Jahrgang beginnt im April. — Zu beziehen durch alle Buchhandlungen zum Preise von 3 Alk, pro Halbjahr. ■2. B. JL — ^ 1 s. 3" o- 2 -ST S- »: EP © o o t:' a £ » &o .§■ £13» *S < »S S'S = o £ o E p: o ^ » as-a» g a <^' ö (D g 3 S-- » ■ TJ j^ Qi PS » Q ?) 3 ! 3 3 It. ; . 3" © £, — CT ~ 9 2 - ; Willi. 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(Mit Abbild.) - kormoranfischen m Japan. — l eber.tie Fixierung des Stickstoffs durch den Pflanzenboden. — Apparat für Experimente bei hoher Temperatur in Gasen uurer hohem Drucke. — Aur Kenntnis des Farbungsvorganges. -- Fragen und Antworten. — Litteratur: Anton Kerner von Marilann: rtiaii/.enlebe u. — Inserate. ~ Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Hermann Riemann. — Druck: Gebrüder Kiesau. Samtlich in Berlin. 1 . Verlag: Hermann Riemann, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 15. Juli 1888. Nr. 16. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 3. — ; Bringegeld bei der Post 15 -/ extra. IC Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 j. Grössere Aufträge eö entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- JL annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Die künstliche Beleuchtung in der Photographie. Von W. Pütz. Pbotograph und Zeichner an Seitdem die Photographie sich aus ihren bescheide- nen Anfängen zu der heutigen Vollkommenheit empor- geschwungen und für die verschiedensten Zwecke dienst- bar gemacht worden ist, war man bestrebt, sie auch von dem, besonders in nördlichen Klimaten, häufig ungenügen- den Tageslicht mittelst künstlicher Beleuchtung unabhängig zu machen. Der Wert eines solchen künstlichen Ersatz- lichtes hängt natuigemäss von der Sonnenähnlichkeit des- selben, mit anderen Worten, von dem Spektrum und der Intensität ab. Bei dem elektrischen Licht, der stärksten künstlichen Beleuchtung, die der Menschengeist in weiser Benutzung geheimer Naturkräfte schuf, werden jene Be- dingungen in so reichem Masse erfüllt, dass dasselbe für photographische Zwecke noch einer Abschwächung bedarf, jedoch steht seiner grösseren Verbreitung die kostspielige und umständliche Einrichtung entgegen. Man war daher unablässig bemüht, neue billigere und einfacher zu hand- habende Lichtquellen zu entdecken, oder bekannte zu ver- bessern. Versuche mit Gas-, ja selbst mit Kerzenlicht seien liier nur der Vollständigkeit wegen erwähnt, dagegen scheint dem Magnesium, welches schon lange vor dem elektrischen Lichte zu photographischen Beleuchtungs- zwecken diente, neuerdings noch eine bedeutende Rolle vorbehalten, nachdem die Brennvorrichtung mittelst eigens zu diesem Behufe konstruierter Lampen wesentliche Ver- besserungen erfahren hat. Diese Lampen, welche von O. Ney in Berlin und dem Eisenwerk Gaggenau in Baden gefertigt werden, bestehen aus einem Uhrwerk, welches in Thätigkeit gesetzt, das auf drehbarer Rolle aufgerollte Magnesiumband successive austreten lässt, so der Kgl. Preuss. geologischen Landesanstalt. dass es, entzündet, eine andauernde Flamme bildet, welche, je nach dem zu erreichenden Zwecke entweder mittelst Reflektors auf eine grössere Fläche, wie in der Porträt- photographie, oder mittelst Linsenkombination auf einen bestimmten Punkt konzentriert wird, wie dies in der Mikro- photographie, d. h. der Darstellung stark vergrößerter photographischer Bilder von tierischen und pflanzlichen Gewebsteilen, Gesteins-Strukturen u. dergl. der Fall ist. Für letztgenannten Zweck hat diese Beleuchtung vielfache Anwendung gefunden, dagegen steht ihrer Ein- führung in die Porträtphotographie die verhältnismässig lange Expositionszeit entgegen. Gleichwohl dürfte, wenn nicht alle Zeichen trügen, gerade im Porträtfach sich das Magnesium bald ein weites Gebiet erobern, nur in anderer Form und zwar in Pulverform und (zur Erhöhung der Entzündbarkeit) mit chlorsaurem Kali gemischt. Die Anwendung dieser neuen und originellen Beleuchtungs- methode, womit im verflossenen Jahre Vogel und Gaedicke die photographische Welt überraschten, und deren ersten staunenerregenden Versuchen Referent bei- wohnte, geschieht auf folgende Weise. Zunächst wird das aufzunehmende Objekt mittelst einer gewöhnlichen Lampe oder Kerze in die richtige Beleuchtung gebracht, und die Schattenseite durch Aufstellen einer weissen Wand etwas aufgelichtet. Nachdem sodann das Bild auf der Visierscheibe eingestellt worden, wird die Lampe entfernt und an ihrer Stelle das vorher aufgeschüttete geringe Quantum Magnesiumpulver mit einem Wachsstock oder dergleichen entzündet, welches den dunklen Raum auf einen Moment fast sonnenhell erleuchtet und so die Auf- 122 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 16. nähme bewirkt. Die Vorzüge dieser Beleuchtungmethode drängen sich sofort auf, wenn man sich die grossartige Entwicklung der heutigen Porträtphotographie infolge Erfindung der jetzt ausschliesslich dazu benutzten schnell wirkenden Trockenplatten vergegenwärtigt. Jene Porträts mit dem starren, ermüdeten Gesichtsausdruck, jene steifen, durch Kopf- und Rückenhalter erzwungenen Stellungen und Haltungen, wie sie das Ergebnis der langsam wirkenden, sogenannten nassen Platten waren, haben längst einem freien, ungezwungenen Aussehen und einer natürlichen Körperhaltung Platz gemacht, und lieb- liche Kinderaufnahmen, die früher fast zu den Unmöglich- keiten gehörten, erfreuen allenthalben mit köstlicher An- mut das Auge. Aber das Bessere ist stets der Feind des Guten, und da es in unserer sehr an Nervosität leidenden Zeit sehr viele Menschen giebt, die, ein Schrecken für den Photographen, namentlich bei, infolge trüben Wetters erforderlicher längerer Expositionszeit auch nicht einige Sekunden sich absolut ruhig zu verhalten im Stande sind, so wird eine möglichst kurze Belichtung, oder, wie es bei vorgenannter Beleuchtungsmethode geschieht, eine Momentaufnahme im Atelier sets anzustreben sein. Ein weiterer, der künstlichen Beleuchtung im allgemeinen zu gute kommender Umstand betrifft die Einrichtung des Ateliers ; das Publikum, namentlich in Grossstädten wäre nicht mehr gezwungen, vier bis fünf Etagen hoch zu klettern, sondern die Aufnahme könnte in jedem dunklen Parterre-Hinterzimmer vor sich gehen. Eine dritte in jüngster Zeit zu grösserer Vervollkomm- nung gediehene Art künstlicher Beleuchtung geschieht mittelst Zir konlicht. Dieselbe ist besonders für Re- produktionen, Vergrösserungen und mikrophotographische Aufnahmen geeignet und beruht im wesentlichen auf einer Verbesserung des bekannten, zu ähnlichen Zwecken sowie auf Leuchttürmen etc. angewandten Drumond'schen Kalklichtes, die sich sowohl auf das dazu benutzte Leucht- gas-Sauerstoffgebläse, als auch auf das zum Glühen zu bringende Kalkplättchen (hier also Zirkon) bezieht. Während die bisher gebrauchten Knallgas-Brenner sämtlich den Felder hatten, dass die Verbrennung der Gase schon innerhalb der Düse stattfand, hat Professor Linnemann diesem Mangel durch Konstruktion eines neuen Brenners in erfolgreicher Weise abgeholfen. Der Sauerstoff tritt hierbei unter fünfzehnmal stärke- rem Drucke wie das Leuchtgas in den Cylinder des Brenners und entzündet sich erst beim Austritt an der Gasflamme, wodurch eine solche Hitze erzielt wird, dass die bisher üblichen Kalkplättchen zwar im ersten Augen- blick auch ein gutes Licht gaben, aber binnen kurzem unbrauchbar wurden. Dagegen gelang es Linnemann aus Zir koner de (ZrOa), dauerhafte Plättchen herzustellen, was freilich jahrelange Schwierigkeiten verursachte. Die Zirkonerde wird in Platin gefasst und in den heissesten Punkt der Flamme gebracht; sie giebt ein prachtvolles, weisses Licht, dessen kontinuierliches Spektrum den besten Ersatz für Sonnenlicht bietet. In Fig. I ist der neue Knallgasbrenner, wie der- selbe von der optischen Werkstätte von Franz Schmidt sarkonpwteho» & Haensch in Berlin gefertigt wird, mit Stativ in ein Fünftel natür- licher Grösse, in Fig. II der Längs- schnitt des Brenners selbst in natür- licher Grösse dargestellt. — Das in a (Fig. II) einströmende Leuchtgas tritt in den hohlen Raum der Düse, um- kreist den Cylinder, welcher durch die Schraube c verstellbar ist und tritt aus der Düse aus. In b tritt Sauerstoff unter fünfzehnmal höherem Druck wie das Leuchtgas durch vier Löcher in das Innere der vorher erwähnten Schraube c ein, um dann mit grosser Vehemenz aus der kapillaren Durch- bohrung D dieser Schraube zu ent- weichen und nun in gemeinsamer Ver- brennung mit der Leuchtgasflamme das bei Fig. I sicht- bare Zirkonplätt- chen zum Glühen zu bringen. Diese neueste Beleuchtungsme- thode findet z. B. bei den mikropho- tographischen Ar- beiten an der Kgl. Preuss. geologisch. Landesanstalt und Bergakademie be- hufs einer vom Ministerium der öffentlichen Arbei- ten angeordneten mikroskopischen Eisenuntersuchung ihre erste Anwen- dung, wobei der eigenartigen, einer besonderen Besprechung vorbehaltenen Beleuchtung wegen Tageslicht nicht benutzt werden kann. Wenn es somit auch der Erfindungsgabe des Men- schen gelungen ist, die Hilfe des Tagesgestirns bei Ausübung einer Kunst zu entbehren, die nur seinen Zauberstrahlen ihre Entstehung verdankt, so wird das- selbe dennoch, namentlich in der von künstlerischem Blick geleiteten Porträt-Photographie, wo es gilt, die feinsten Nuancierungen von Licht und Schatten mit weisem Ver- ständnis auszunützen, wohl stets der Urquell bleiben, der Licht und Leben in reichster Fülle und Vollkommen- heit spendet. Nr. 16. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 123 Die Feigen und ihre Liebesboten. Von Prof. Dr. F. Ludwig. (Schluss) Noch rätselhafter fast, als die Feigen selbst, waren ihre zahlreichen Bewohner und vor allem ihre Liebes- boten, die zur Familie der Agaoniden (Chalcidix) ge- hörigen Gallwespen, über welche besonders von Paul Mayer, Gustav Mayr, und Fritz Müller merkwürdige Thatsachen zu Tage gefördert worden sind. Nachdem schon früker von Rudow, Valentiner, Solms-Lau- bach u. a. der sexuelle Dimorphismus von Männchen und Weibchen der Blastophaga grossorum der gemeinen Feige und der Blastophaga Sycomori und Blastophaga crassipes der Sycomore nachgewiesen worden — die Männchen sind gelb, ungeflügelt, die Weibchen schwarz, geflügelt, mit Punktaugen versehen — , hat Paul Mayer Begattungsweise und Entwicklung der Blastophapa grosso- rum genau geschildert (Mitt. d. zool. Stat. Neapel Bd. III Heft 4 1882, p. 551—590 Tf. XXV, XXVI). Betreffs der Zahl und Folge der Generationen hat er darauf hin- gewiesen, dass nicht alle Feigenbäume ihre Insekten zu gleicher Zeit entlassen. Die Neapolitanischen Gärtner unterscheiden bereits zweierlei Kaprifikusformen, eine frühreife und eine spätreife C. „tempestivo" und „tardivo"). Von den drei zeitlich verschiedenen Blütenständen des Kaprifikus, den Mamme, Profichi, die bereits früher erwähnt wurden und den Mammoni (welche zur Aufnahme, Entwicklung und Ueberwinterung der Bestäuber der Essfeige dienen) werden die Mammoni eines frühreifen Baumes von den Insekten aus den Profichi eines spätreifen Baumes und um- gekehrt aufgesucht. Paul Mayer hat an der Mens Carica nun noch eine zweite Wespe — „Ichneumon iicarius Carolini" untersucht, die Fritz Müller gleich- falls als Bestäubungsvermittler betrachtet. Ein ständiger Gast der Feige Anguillula Caprifici Gasp. lässt sich von der weiblichen Blastophaga von den alten zu jungen Feigen tragen, ähnlich wie der ständige Gast der gährenden Eschen, das Eichenälchen , über welches wir kürzlich berichteten durch Hornissen von Baum zu Baum getragen wird. Die flügellosen Männchen der Feigenwespen sind zuweilen mundlos, so die der Sykomore, bei denen der sehr dehnbare Hinterleib ein Paar seitlich abstehende, sehr lange Fortsätze trägt, an denen Luftröhren münden. Sie dienen nach Mayers Vermutung zum zeitweiligen Verschluss der grossen im sechsten Hinterleibsringe befindlichen Luftlöcher, die sonst von dem braunroten, klebrigen Saft der Sykomore an- gefüllt würden. In den Feigen und Sykomoren der alten Welt ist die Zahl der Wespenarten eine sehr geringe. Ganz anders sind die Verhältnisse die Fritz Müller (1885—1887) und G. Mayr (1885) an den brasilianischen Feigenarten vorfanden. Wie bei den Feigen anderer Länder sind zwar auch hier die Blastophagaarten die hervorragendsten Bestäubungs- vermittler. Während aber in der alten Welt — ab- gesehen von Blastophaga grossorum, der den Alten bereits bekannten Wespe, welche auf verschiedenen nahe ver- wandten Feigenarten in Kleinasien, Persien, Afghanistan, am Nil und in Abessynien auftritt — jede Blastophaga- species zu einer besonderen Feigenspecies gehört, ist Blastophaga brasiliensis in fünf bis sieben Fikusarten des Itajahy besonderer Bestäubungs- vermittler, nur eine zweite Blastophaga, B. bifossuluta fand sich in einer einzigen Feigenart. Neben den Blastophagaarten (von denen fast ausschiesslich nur eine Species in einer Feigenart sich findet) kommen in den brasilianischen Feigen — bisher als Parasiten derselben betrachtet, nach Fritz Müller aber gleichfalls Gallenerzeuger und Bestäubungsvermittler — noch schlanke Wespen mit langer Legescheide vor, Tetragonaspisarten, deren ungeflügelte Männchen von G. Mayr als Ganoso ma beschrieben worden sind. — (Bei Ficus Carica: Phitotrypesis Caricae, der frühei 1 erwähnte „Ichneumon Iicarius" Cavolinis). Tetra- gonaspis flavicollis mit seinem Männchen (Ganosoma robustum) kommt allein in sieben von den neun untersuchten Feigenarten des Itajahy vor. Um- gekehrt sind zuweilen bis sechs verschiedene Tetra- gonaspisarten in derselben Feige enthalten und dann ist es schwer zu verstehen, wie die flügellosen Männchen (Ganosoma) die Gallen der zugehörigen Weib- chen finden, in welche sie ein Loch beissen, um die Weibchen zu befruchten. Während bei den meisten brasilianischen Fikusarten — der Untergattung Urostigma Blastophaga und die ihnen geselligen Tetragonaspis ■ — Ganosoma die Liebesboten sind, fehlen diese Wespen bei der Gattung Pharmacosycea (P. radula), die sich überhaupt am frühesten von dem Fikusstamm abgezweigt zu haben scheint. Blastophaga ist bei dieser Feige vertreten durch Tetrapus americanus G. Mayr und Tetragonaspis-Ganosoma durch Trichaulus, dessen ungeflügeltes Männchen von G. Mayr als Critogaster beschrieben ward. Oft finden sich die drei Arten Critogaster singularis, C. püiventris, C. nuda G. Mayr mit den zu ihnen gehörigen Weibchen Trichaulus versicolor in derselben Pharmacosyceafeige. Andere Inquilinen fehlen der Pharmacosycea, da sie be- sondere Schutzmittel gegen ungebetene Gäste zu haben scheint, während es bei anderen Feigen noch von allerlei Wespenarten wimmelt, deren Verhalten in der Feige nur teilweise bekannt ist. In einer der von Fritz Müller untersuchten Feigenarten fanden sich z. B. nach G. Mayr: Blastophaga brasiliensis, Physothorax disciger und annuliger, Tetragonaspis flavicollis, T. gracili- cornis, T. forticornis, Ganosoma parallelum, G. attenuatum Diomorus variabilis, Plesiostigma bicolor, Decatoma aequiramulis , D. breviramulis, Heterandium longipes, Colyostichus longicaudus, Aipocerus excavatus, A. amar- 124 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 16. ginatus, A. simplex, A. fiavomaculatus, A. punctipannis, A. inflaticeps. — G. Mayr hatte in seinem Werk über Feigeninsekten (Wien 1885) im Ganzen 67 Arten (21 Genera) von Feigenwespen (66 Chalcidier und 1 Braconidus, Psenobolus pygmaeus Reinh. aus brasil. Urostigma) be- schrieben, von denen 63 (15 Gattungen) neu waren, 25 aus der alten Welt, 38 vom Itajahy in Brasilien stammten, — dabei ist zu berücksichtigen, dass man erst kaum den zwanzigsten Teil der bekannten Feigenarten und von diesen die meisten höchst ungenau untersucht hat. Die fortgesetzten mit ausserordentlichem Eifer betriebenen Untersuchungen der Inquilinen der neun erwähnten Feigenarten durch Fritz Müller haben von diesen ver- meintlichen Arten allerdings manche beseitigt und zu sehr merkwürdigen Resultaten geführt. Er schrieb mir darüber: „Die Feigen und mehr noch ihre Bestäubungs- vermittler und sonstigen Insassen haben mich während der letzten Monate fast ausschliesslich beschäftigt, und es haben schon die recht zeitraubenden und langweiligen Untersuchungen der letzteren einen über Erwarten günsti- gen Erfolg gehabt. So hatte G. Mayr aus den Feigen eines Baumes nicht weniger als zwanzig verschiedene Arten beschrieben, darunter neun cf ohne 9 und vier 9 ohne cf ; dadurch, dass ich aus 40 Feigen dieses Baumes die Wespen gesondert sammelte und die jeder Feige ge- sondert untersuchte — es waren im ganzen über 2000 Wespen — gelang es mir fast für alle diese Fälle die zusammengehörigen cf und 9 herauszufinden. Der Ueber- schuss der cf erklärt sich daraus, dass in mehreren Fällen dasselbe 9 zweierlei cf hat: geflügelte, die ihm sehr ähnlich sind, und ungeflügelte, die nicht die geringste Aehnlichkeit mit ihm haben. So ist Physothorax disciger G. M. das flügellose cf von Diomorus variabilis (9 cf). [Diomorus variabils G. M. und Diomorus n. sp. finden sich bei Ficus (Urostigma) doliaria nicht selten beide in derselben Feige. Sie ent- wickeln sich in grossen Gallen, die nichts mit den Blüten der Feige zu thun haben; die der D. variabilis sind sitzend Seepocken (Baianus) ähn- lich, die der zweiten Art gestielt, Entenmuschelu (Lepas anatifera) ähnlich]. Heterandrium longipes G. M. das flügellose cf von Colyostichus longicaudis (9 cf), Heterandrium nudiventre G. M. das flügellose cf zu Colyostichus brevicaudis G. M. Agpocerus inflaticeps G. M. (aus Ficus doliaria mit geflügelten und ungeflügelten cf gehört zu A. emarginatus von dem G. M. nur 9 be- schrieb u. s. w. — Aus einer anderen Feigenart hatte G. Mayr nach flügellosen cf die Gattung Nannocerus aufgestellt; dazu gehört nun als 9 ein Diomorus (wie D. variabilis zu Physothorax disciger). — Mit dem rein systematischen Teile wäre ich somit nun ziemlich im klaren ; aber es bleiben noch die schwierigen biologischen Fragen: in welcher Beziehung steht jede der zahlreichen Wespen- arten zur Feige und zu den übrigen Insassen der Feige? Aepocerusarten sind Schmarotzer von Diomorus . . . Aber für die Mehrzahl der zahlreichen Feigenwespen habe ich noch keine Ahnung, was sie eigentlich in der Feige wollen und bedeuten." Auch weitere Beobachtungen von Fritz Müller sind noch von Interesse, so die, welche es ihm wahrscheinlich machen, dass die Männchen von Feigen- wespen ähnlich wie die der Honigbiene aus unbefruch- teten Eiern entstehen. Während man es bisher als Regel betrachtete, dass die flügellosen cf die Feigen, in denen sie geboren werden, nie verlassen, beobachtete F. Müller frei umherkriechende Männchen und ist der Ueberzeugung, dass diese von Feige zu Feige wandern. Ohne dieses Wandern wäre eine Inzucht zwischen Geschwistern un- vermeidlich zumal derselbe Forscher weiter beobachtet hat, dass bei kleinfrüchtigen Feigenarten in jede Feige nur ein Weibchen einzudringen pflegt. Aus letz- terer Beobachtung folgt, dass die Blastophaga- weibchen diejenigen Feigen zu erkennen und zu meiden wissen, von denen bereits ein anderes Weibchen Besitz ergriffen hat. Es resultiert daraus ein dreifacher Vorteil: 1) werden möglichst viele Feigen bestäubt; 2) findet die Brut der 9 reichliches Futter; 3) reifen in den Feigen möglichst viele Samen. Wir sind am Ende. Blicken wir noch einmal zurück auf die wichtigen Entdeckungen, welche die Biologie in Bezug auf Feigen und Feigenwespen zu Tage gefördert: auf die einzig im Pflanzenreich dastehende Geschlechter- verteilung, auf die Arbeitsteilung in den weiblichen Blüten, auf die völlige Anpassung der zeitlich getrennten Generation des Kaprifikus bei der am gründlichsten unter- suchten Ficus Carica und seiner frühzeitigen und spät- reifen Form an die Generationen der Feigenwespen, auf die engen Anpassungen einzelner Wespen- und Feigen- arten aneinander, auf die merkwürdige von Fritz Müller entdeckte Vielgestaltigkeit der Wespengeschlechter, so müssen wir Ausdauer und Genie der genannten Forscher, die mit der Leuchte der modernen Blumenlehre in diese Geheimnisse des Feigenkessels eindrangen, gleichermassen bewundern; uns aber gleichzeitig gestehen, dass wir bis jetzt erst die Erstlingsfrüchte dieses hoch interessanten Specialstudiums kennen gelernt haben. Wer die wunder- baren brasilianischen Feigenwespen in ihren mannigfachen Formen sich unter dem Mikroskop noch näher besehen hat mit ihren merkwürdigen Fühlern und Esswerkzeugen, dem tauchen fast ebensoviel neue Fragen auf, als uns die Natur bereits beantwortet hat. Unsere gewöhnliche Feige ist aber nicht nur ein Züchtungsprodukt jener merkwürdigen Tierchen aus der gleichen Gruppe der Insekten, der die hunderte zierlicher Eichengallen ihren Ursprung verdanken — sie ist auch eine alte Kulturpflanze und daher der Zuchtwahl der Menschen unterworfen gewesen. Auch das ist ihr an- zumerken. Sie hat mit vielen anderen Kulturpflanzen, deren Früchte der Mensch sich nutzbar gemacht hat, das gemein, dass ihre Fruchthülle oder hier richtiger der Fruchtboden auch ohne Befruchtung und Samenbildung fleischig wird. Daher mag für den Menschen die Kaprifi- kation, die anfangs zur Erzeugung nutzbarer Feigen nötig Nr. 16. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 125 gewesen sein dürfte, überflüssig - geworden sein, jetzt nur noch ein zwecklos gewordenes Kulturaltertum darstellen. Thatsächlich wird die Essfeige an vielen Orten, wo die Kaprifikation nicht mehr geübt wird, gegenwärtig auch ohne jene und stellenweise sogar bei fehlendem Kaprifikus (natürlich dann ohne Samen) gezogen. Ueber die Be- ziehungen des Feigenbaumes zum Menschen und die An- passung, die er unter dessen Zucht gewonnen hat, ver- weisen wir zum Schluss nur noch auf die zitierte Ab- handlung des Grafen zu Solms-Laubach. Kleinere Mitteilungen. Die Fauna der Azoren. — Der französische Zoologe Jules de Guerne, welcher an der vom Fürsten von Monaco ausgeführten dritten wissenschaftlichen Seereise teilnahm, brachte hierbei einige Zeit auf den Azoren zu, um auf den Inseln Fayal und San Miguel faunistische Studien anzustellen, deren Resultate er in den Comptes Rendus der Pariser Akademie der Wissenschaften (Oktober 1887) niedergelegt hat. Das Hauptaugenmerk wurde auf die Fauna des Süsswassers gerichtet, welche den Zoologen noch fast ganz unbe- kannt geblieben war. Die untersuchten Gewässer waren die Seeen von Sete Cidades, die grössten des Archipels, von denen der Lagoa Grande 30 m tief ist. Da es für ziemlich sicher gilt, dass diese Seeen bei der vulkanischen Eruption des Jahres 1444 entstanden sind, so sind sie auch die ältesten Seeen der Azoren. Die pelagische Fauna des Lagoa Grande enthält eine Menge Volvocineen, einige Glenodinium, verschiedene Diatomeen und zahlreiche Bakterien. Ferner wurden gesammelt Daphnella bra- chyura LieV., Chydorus sphaericus Jur., Cyclops viridis S. Fisch.. Asplanchna Imhofi sp. n, und Pedalion mirum Huds. Einige Reste lassen sich vielleicht auf Leptodora hyalina Lillj. beziehen. Diese Crustaceen und Rotiferen sind an der Ober- fläche viel weniger häufig als in einer gewissen Tiefe, während die Zahl der mikroskopischen pflanzlichen Organismen (mit Ausnahme der am Grunde lebenden Diatomeen) sich mit der Zunahme der Tiefe progressiv vermindert. Die Untersuchung der Tiefenfauna hat Nematoden, Tur- bellarien und Rhizopoden geliefert. Die Diatomeen wuchern auf der Oberfläche des Schlammes und bilden, wie in den Schweizer Seeen, den feutre organique (organischen Filz), wie ihn Forel nennt. Die littorale Fauna ist verhältnismässig reich, unterscheidet sich aber beim ersten Anblick sogleich von den analogen continen- talen Faunen durch das gänzliche Fehlen von Mollusken. Hingegen sind die hinsichtlich des Verbreitungsvermögens begünstigten Tiere zahlreich; z. B. eine Bryozoe, Plumatella repens L., deren Kolonie 0.30 m lang werden und deren Statoblasten oft isoliert vor- kommen; verschiedene C'Iadoceren und zahlreiche Acariden; eine Tardigrade, Macrobiotus; von "Würmern Nais elinguis Müll, und eine Art von Chaetonotus. Die Rotiferen, sowohl die frei als die in Röhren lebenden, scheinen sehr gemein zu sein; sie ge- hören zu verschiedenen, sehr weit verbreiteten Gattungen, z. B. Cephalosiphon, Rotifer, Philodina, Furcularia. Von Wasserinsekten fand sich nur ein einziges Exemplar einer Hemiptere, Corixa atomaria 111. Endlich sind noch Protozoen gefunden, nämlich Vorticellen, Acineten, mehrere Rhizopoden, Trinema enchelys Ehrenb., Centro- pyxis aculeata Ehrenb. und eine Difflugia, deren Schale aus den Resten von transparenten Bimsteinstückchen besteht. Es ist wahrscheinlich Difflugia azorica (Ehrenberg), eine einfache Varietät von D. piriformis Perty. Dies sind die bei Sete Cidades erhaltenen Resultate. Andere Untersuchungen, und zwar in der Umgegend von Ponta Delgada, in stagnierenden Gewässern, führten zur Entdeckung verschie- dener anderer, meist zu denselben Gruppen gehörender Arten: von Rotiferen Actinurus n eptunius Ehrenb.; von Würmern Tubifex rivulorum d'Udek und einer Hirudinee, von der nur Cocons ge- funden wurden. Auf Fayal fand sich Nephelis octoculata Berg.; von Crustaceen Daphnia pulex Geer, Cyclops diaphanus S. Fisch, und eine neue Ostracode, Cypris Moniezi. Auf Fayal, und zwar in dem centralen Krater der Insel, wurde besonders sorgfältig gesammelt. Es existiert dort kein eigent- licher See, sondern nur ein morastiges Gewässer ohne Tiefe, welches wegen der Häufigkeit der Regen unregelmässigen Niveauschwankungen unterworfen ist. Pelagische Formen fanden sich dort nicht, wohl aber ziemlich viele littorale; verschiedene Acariden, Nematoden und viele Cladoceren: Pleuroxus nanus Baird, Alona costata G. 0. Sars, A. testudinaria S. Fisch, etc.; auch Insektenlarven: Aeschna, Agrion, Phryganea etc.; ferner einer der seltensten Käfer, Agabus Godmani Crotch, der den Azoren eigentümlich ist. Die interessanteste Entdeckung bildet aber ein Pisidium, die erste Süsswassermolluske, welche eine typische Form der Azoren ist, und die erste Lamellibranchie, welche von den Inseln bekannt ge- macht wird. Früher wurde dort schon eine zu den Gasteropoden gehörige Molluske (Physa) gefunden, welche nach Morelet im- portiertist und auf Ph. acuta Drap. (Madeira, Kanarien) bezogen wird. Hinsichtlich der Landfauna lieferte die Untersuchung des Kraters von Fayal sehr anziehende Ergebnisse. Es fanden sich dort zwei neue Crustaceen : eine Isopode, Philoscia G uernei, und eine Amphipode, Orchestia sp. Letztere Gattung ist für die marine Küstenregion typisch; und ihr Vorhandensein im Grunde eines Kraters in einer Höhe von 700 m ist schwer zu erklären. Es ist aber be- merkenswert, dass eine Art derselben Gattung, Orchestiatahitensis Dana, auf Tahiti in ähnlicher Weise in einer Höhe von 500 m über dem Meeresspiegel unter feuchtem Laube vorkommt. Ueber die schon von früheren Forschern untersuchten Land- Mollusken ist nichts Neues zu sagen. Von Myriopoden wurden bei Fayal und San Miguel 3 oder 4 nach v. Porath den Azoren eigen- tümliche Arten gefunden. Guerne fügt diesen Cryptops hortensis Leach hinzu, der wahrscheinlich eingeführt ist. Von Isopoden fanden sich ausser Philoscia Guernei zwei bisher noch nicht dort ge- sehene Arten, Eluma purpurascens Bl. und Metopornarthrus sexfasciatns Bl., gemeine, weit verbreitete und sicher einge- führte Tiere. Das Resultat von Guerne's Forschungen auf den Azoren ist folgendes : 1) Die Süsswasserfauna der Azoren, die bisher für kaum vor- handen galt, besteht aus einer ziemlich grossen Zahl von Arten. 2) Die meisten Arten gehören zu denjenigen, welche sich auf leichte Weise weit verbreiten, dank ihrer eigenen Widerstandsfähigkeit oder derjenigen ihrer Wintereier, Statoblasten etc. 3) Im Ganzen betrachtet hat die Fauna einen kontinentalen und selbst europäischen Charakter; übrigens ist zu berück- sichtigen, dass die meisten Arten kosmopolitisch sind. 4) Von eigenen Formen besitzen die Azoren nur einige Arten von Landtieren, speciell Crustaceen und Mollusken. Letz- tere scheinen vor dem Eindringen introduzierter Arten mit der Zeit zurückzuweichen oder verschwinden zu wollen. H. J. Kolbe. Ueber die Lebenszähigkeit unserer gemeinsten Süss* wasserflsche teilt Karl Knauthe in der Zeitschrift „Der zoolo- gische Garten" (März 1888) Beobachtungen mit. Einige unserer gemeinsten Süsswasserfische vermögen mit dem Wasser einzugefrieren und beim Auftauen desselben wieder zu neuem Leben zu erwachen. — Eine ähnliche Beobachtung verzeichnet schon Brehm, welcher freilich in Bezug auf Fische ein sehr unzuverlässiger Führer und Berater ist, in seinem „ Tierleben"; er schreibt: „Ja ekel sah den Bitter- ling im März unter dem Eise eines seichten Grabens, welcher im Winter bis auf den Grund gefroren gewesen sein musste, munter umherschimmen." Weitere Wahrnehmungen über diesen Punkt sind Knauthe nicht bekannt. Er berichtet über drei neue Fälle auf Grund eigner Anschauung. 1. In unmittelbarster Nähe von""Schlaupitz in Schlesien liegt, inmitten ziemlich trockner Wiesen, eine nicht ganz 3 Fuss tiefe, quellenlose Grabe. Obwohl der Tümpel nun im Sommer, da er eben sein Wasser nur von Regengüssen hernimmt, fast vertrocknet, be- herbergt er doch, wahrscheinlich durch Wildenten angesammelte Fische und zwar die Karausche, Carassius vulgaris Nilss., die Schleie, Tinea vulgaris Cuv. (selten), Cyprinus Kollari Bl. und den Wetterfisch, Cobitis fossilis L. — Im letztverflossenen Winter war das damals nur 2V2 Fuss tiefe Wasser der Grube entschieden bis auf den Grund erstarrt, denn eine in unserem Gehöft befindliche 6 Fuss tiefe Cisterne war völlig eingefroren, und trotzdem schwammen im Frühling sämt- liche obengenannte Fische wieder munter, aber auffällig abgemagert und bedeutend abgeblasst in ihrem Element herum. 2. Unfern des Heimatsortes des genannten Beobachters liegt auf einer grossen Wiese der Mergel fast zu Tage. Man hat schon früher versucht, dieses wertvolle Düngemittel zu heben und zu ver- werten, jedoch bald von dem Vorhaben abstehen müssen, weil sich der Abbau nicht lohnte. Es sind nun zwei Gruben, jede einen Morgen gross und anderthalb Fuss tief, vorhanden, welche sich regelmässig infolge der Regengüsse des Frühlings mit Wasser füllen, 126 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 16. im Sommer austrocknen und im Herbst abermals voll Wasser stehen. Nach Land- oder heftigen Gewitterregen vermögen sie jedoch häufig den Zufiuss nicht zu fassen, das Wasser muss sich also zum nahe gelegenen Graben einen Weg bahnen. Dieser beherbergt, da er in der Forellenregion gelegen ist, neben Schmerle, Cobitis barbatula L., ganze Schwärme des „Sonnenbrüters" oder „Sonnenstriehes" Phoxinus laevis Ag. Die Elritze steigt aber sehr gern, .besonders wenn das Wasser trüb ist, stroman, der Quelle entgegen, und gelangt auf diese Weise in die Gruben; so geschah es auch im Vorjahr. Als nun der strenge Winter übers Land kam, da froren die Elritzen natürlich ein — man bedenke nur die geringe Höhe des Wasser- standes! — blieben eine recht ansehnliche Zeit im Eise stecken und erwachten beim Einzug des Lenzes sämtlich; aber auch sie waren sehr abgemagert. 3. lieber^ den dritten Fall endlich berichtet Knauthe wie folgt: Anfang" November des Jahres 1887, wir hatten gerade einen Teich gefischt, in welchem es von „wildem Zeug" allerlei Art: Schmerle, Cobitis barbatula, Elritze, Phoxinus laevis, Gründling, Gobio fluviatilis Cuv., Barsch, Perca fluviatilis L., Leucaspius deli- neatus Sieb. etc. wimmelte, liess ich in einer quellenlosen Letten- grube eine Vertiefung von 1 qm Fläche und 2 cm Höhe anfertigen, dieselbe voll Wasser füllen und sodann mit drei einsommrigen Barschen, 6 grösseren Exemplaren von Leucaspius delineatus, 3 Schuppenkarpfen, Cyprinus carpio L., 3 Edelspiegelkarpfen, Cypri- nus res cyprinorum, ebenso vielen Gründlingen und der doppelten Anzahl verschiedenartiger Schmerlen besetzen. Li der folgenden Nacht trat Frost ein, welcher mehrere Tage anhielt und das Wasser nachweislich auf den Grund erstarren liess. Bekanntlich regieren aber strenge Herren nicht lange; der Wind, der bisher aus Norden geweht hatte, warf sich nach Süden herum und brach gar bald das Eis! In dem Thauwasser schwammen meine Fische mit Ausnahme der 3 Stück Edelspiegelkarpfen, welche eingegangen waren, freudig herum. Nur war ebenfalls die Färbung sämtlicher heller geworden, und namentlich hatte die, ehedem prächtig blaugrüne der Barsche einer hellgelben Platz gemacht, auf welcher man nur schwer 8 violette Binden erkennen konnte. Langsame Verbrennung organischer Substanzen. — Bekanntlich erhitzen sich viele organische Substanzen (Blätter, Heu, Gras, Dünger etc.), wenn sie in grösseren Haufen aufgestapelt und dem Zutritt der Luft ausgesetzt sind, mehr oder minder stark und können ziemlich hohe Temperaturen erreichen. Da man es hierbei mit einer Art Gährung zu thun hat. so könnte man sich zu der Annahme bewogen fühlen, dass durch den Einfluss von Mikroorga- nismen die organischen Substanzen langsam oxydiert werden. Die Temperatur steigert sich aber zuweilen bis zu 60 — SO , manchmal sogar bis zur Feuererscheinung. Offenbar können bei solchen Tem- peraturen Bakterien keinen Einfluss mehr ausüben; eine einfache chemische Verbrennung ersetzt dann die mikrobiologische Aktion. Doch kann der Uebergang nicht deutlich wahrgenommen werden. Von einer bestimmten Temperatur an hört die bakteriologische Wirkung auf, während die chemische Reaktion zunimmt. Das Re- sultat aber, das nur durch Bestimmung aller erzeugten Kohlensäure festgestellt werden kann, bleibt nahezu dasselbe. Schloesing (Comptes rendus 1888, S. 1293) stellte über den Gegenstand Ver- suche mit Tabakblättern an. Zur Schnupftabakfabrikation wird das Rohprodukt, mit Salzwasser Übergossen, einer Gährung überlassen, bei, welcher eine Temperatur bis 80 ° erreicht werden kann. Be- stimmte Mengen Tabak, teilweise vorher sterilisiert, teilweise im natürlichen Zustande angewandt, wurden bei verschiedenen Tempera- turen in Luftbädern Monate lang erhitzt, und während der Dauer der Versuche Luft übergeleitet. Von Zeit zu Zeit wurde die er- zeugte Kohlensäure bestimmt. Aus seinen Versuchen zieht Schloesing den Schluss, dass (he anfängliche Erhitzung, wie a priori angenommen wurde, durch organische lebende Wesen verursacht wird, ihr Einfluss aber bei 40 — 50 " aufhört und einer rein chemischen Verbrennung Platz macht. Diese nimmt schnell mit steigender Temperatur' zu. Schloesing beabsichtigt weitere Versuche über die langsame Ver- brennung des Düngers vorzunehmen. Dr. M. Bragard. lieber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Erd- bebens zu Charlestone, welches am 31. August 1886 stattfand, sind von Simon Newcomb und E. Dutton im American Journal of Science nähere Einzelheiten veröffentlicht worden. Dieses Erd- beben wurde an sehr vielen Stellen beobachtet und es war daher möglich, eine ungewöhnlich grosse Zahl von näheren Zeitangaben zusammenzustellen, welche nach einer genauen und eingehenden Sichtung und unter Berücksichtigung der wahrscheinlichen Fehler eine Berechnung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Erschüt- terungen ermöglichen. Bei der Sichtung der Zeitangaben zeigte sich, dass sehr viele der letzteren auf Multipla von 5 lauteten: 9 h 50 m, 9 h 55 m, 10 h u. s. w., welche natürlich mit berechtigtem Misstrauen betrachtet wurden. Indessen ist trotz solcher abgerun- deten Angaben die berechnete Zahl für die Geschwindigkeit der Fortpflanzung im Mittel nur mit einem wahrscheinlichen Fehler von + 80 m behaftet; die Ausbreitung-sgesch windigkeit des Erdbebens beträgt, im Mittel 5184 + 80 m. A. G. "Welches ist die geringste Lichtstärke, welche ein nor- males Auge gerade noch wahrzunehmen vermag? — Da auch im geschlossenen Auge in völlig dunkler Umgebung stets ein schwacher Lichtreiz auf der Netzhaut besteht, so kann hier selbstverständlich nur jene objektive Li chtintensität gemeint sein, welche mindestens erforderlich ist, um neben jenen subjektiven Reizen bemerkt zu werden. Aubert (Physiologische Optik, Leipzig 1876) nahm dieselbe zu V300 des Lichtes an, welches von einem dem Vollmond ausgesetzten weissen Papiere reflektiert wird. Diese Schätzung, welche sich auf weisses Licht bezieht, sagt nichts über die relative Empfindlich- keit des Auges für die verschiedenen Farben — eine Lücke, welche H. Ebert (Wied. Ann. XXXIH, 1888, p. 136) nunmehr ausgefüllt hat. Das Licht, aus der Flamme eines Argandbrenners etwa 1 cm oberhalb des letzteren ausgeblendet, fällt auf ein Oel- papier, welches dadurch vollkommen gleichmässig erleuchtet wird und nunmehr als eigentliche Lichtquelle ein Spektrum hervorzu- bringen bestimmt ist; dabei wird die in das Spektroskop gelangende Lichtmenge durch ein zwischen diesem und dem Oelpapier verschieb- bares Diaphragma variiert. Der Beobachter verschiebt, während er einen ausgeblendeten schmalen Streifen des Spektrums betrachtet, das Diaphragma, bis die Lichtempfindung gerade verschwindet und gießt ihm dann die entgegengesetzte Bewegung, bis das Licht eben wieder erscheint. Die Distanz des Diaphragmas von der Linse des Spektroskops wird beide Male von einem zweiten Beobachter abge- lesen und liefert ein Mass im ersten Falle für die geringste Inten- sität, bis zu welcher das Auge den verschwindenden Eindruck zu verfolgen vermag, im zweiten Falle für das Minimum der zur Ent- stehung des Eindrucks erforderlichen wachsenden Intensität. Der Wert der Intensität im ersteren Falle ist natürlich kleiner als im zweiten; das Mittel aus beiden wird dann als wahres Minimum be- handelt. Es ergiebt sich zunächst, dass die Empfindlichkeit des Auges für die verschiedenen Farben durchaus nicht die gleiche ist. Be- rücksichtigt man die relative Intensität der verschiedenen Farben in der angewendeten Lichtquelle und reduziert danach die Beobachtungen auf eine Quelle mit gleichen Energien aller Lichtarten, so zeigt sich, dass von grünem Lichte die kleinste Intensität oder Vibrationsenergie zur Hervorbringung eines Lichteindruckes genügt; die Empfindlich- keit ist also für Grün am grüssten, während sie für Blau 3 — 4mal, für Gelb 15 — 17mal, für Rot gar 25 — 34mal geringer ist. Die beiden Zahlen, welche für jede der Farben angegeben sind, beziehen sich auf verschiedene Beobachter: numerische Uebereinstimmung ist natür- lich nicht möglich, wo es sich um physiologische und psychologische Vorgänge handelt, doch lässt dir gleiche Sinn der beiden Zahlen- reihen keinen Zweifel, dass hier ein allgemeines Gesetz vorliegt, welches Ebert übrigens noch an einer Reihe von Individuen zu prüfen beabsichtigt. Dieses Gesetz erklärt auch die Beobachtungen von Weber und Stenger, wonach die Lichtemission eines durch Erhitzung strahlend gewordenen Körpers stets mit dem Grün be- ginnt: dasselbe erklärt ferner das Vorherrschen grüner Strahlen im Spektnim lichtschwacher Nebelflecke. Dr. B. Dessau. Fragen und Antworten. Was wissen wir über die Spargelfliege? Die Spargelfliege (Platyparea poeciloptera Schrank) gehört zur Familie, der Bohrfliegen (Trypetidae). Diese halten sich im Sommer ausschliesslich auf Pflanzen auf; ihre Larven leben zum Teil in den Stengeln kraut- oder staudenartiger Pflanzen, andere im Samen. Nach Meigen bewohnen die Bohrfliegen und ihre Larven haupt- sächlich die Pflanzen mit zusammengesetzten Blüten (Compositae). H. Loew behandelt in seinem Prachtwerke „Die europäischen Bohrfliegen (Trypetidae)" — Wien 1862 — diese Insekten in um- fassender Weise. Bare wesentlichen Merkmale sind (vergl. Archiv für Naturgeschichte, Bericht. 1862 S. 213) 1. der weibliche Lege- bohrer. Derselbe ist hornig, dreigliedrig und einfach zugespitzt. Der an der Spitze ungeteilte Penis des Männchens entspricht ihm an Länge. 2. Die Stirn. Diese ist in beiden Geschlechtern breit und am vorderen Teile ihres Seitenrandes mit Borsten besetzt, welche eine von den vom Scheitel herabsteigenden unabhängige Reihe bilden. 3. Am Ende der Mittelschienen finden sich Sporen, sonst felden Borsten mit wenigen Ausnahmen ganz. 4. Das Flügelgeäder ist sehr vollkommen ausgebildet; die Hilfsader biegt sich jäh gegen den Vorderrand und wird am Ende undeutlich. Durch das zweite und vierte Merkmal werden die Trypetiden gut von den Ortaliden unter- schieden. Platyparea gehört zu derjenigen Gruppe der Trypetiden, welche durch die ungegitterten Flügel ausgezeichnet ist und die grosse Mehrzahl der Trypetiden enthält. Nr. 16. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 127 Der berühmte Fliegenkenner Meigen beschrieb die Spargel- fliege in seinem Werke „Systematische Beschreibung der bekannten europäischen zweiflügeligen Insekten", Band V, 1826, S. 275, unter dem Namen Ortalia fulminans. Auf der Tafel 46 stellt die Figur 20 das Insekt im Bilde dar. Der Hinterleib der Fliege ist schwarz mit vier grauen Quer- binden. Die Flügel haben eine braune Zickzackbinde. Das Unter- gesicht st rötlich gelb: die flachen Taster gelb; die Fühler rotgelb, ilire Wurzel braun, das dritte Glied unten spitzig. Das Rückenschild ist fein grau bereift und mit drei schwarzen schmalen Längslinien versehen. Das Schildchen ist glänzend schwarz. Die Schwing- kölhchen sind gelb, an der Spitze braun. Die Länge des Körpers beträgt 3 Linien. Loew schied in seiner eben angeführten Monographie die Spargelfliege von der Gattung Ortalis aus und gründete dafür die neue Gattung Platyparea, während er zugleich den älteren Artnamen poeciloptera Schrank an die Stelle des späteren Meigen'schen setzte. Da diese Fliegenart den Spargelpflanzungen gefährlich wird. so hat sie die Aufmerksamkeit in höherem Grade auf sich gelenkt, als ihre zahlreichen Verwandten. Nach Bouche (Stett. Entomol. Zeitung, 1847, p. 145) lebt die Larve vom Mai bis September in den Stengelteilen von Aspa- ragus officinalis, worin sie Gänge gräbt und oft vielen Schaden an- richtet, indem die Pflanzen dadurch zu Grunde gehen. Sie ist walzenförmig, glänzend, glatt und gelblich weiss; die Mundteile schwarz; die Prothorakalstigmen gelb. Das Afterende bildet einen grossen hornartigen, etwas ausgehöhlten, schwarzen Stigmenträger, auf welchem die beiden gekrümmten, keglig zugespitzten Stigmen stehen. Die Länge des Körpers betraut 4 Linien. Die Verpuppung findet im Herbst innerhalb der Gänge statt. Im April und Mai des folgenden Jahres fliegt die Fliege aus. Die Puppe ist nach demselben Beobachter ein langgestrecktes hellbraunes Tönnchen ; das Kopfende ist oben flach gedrückt, wulstig gerandet und auf der Unterseite jederseits mit einem tiefen Längs- eindrucke versehen; der Mund ist vorn schwarzbraun. An dem schwarzbraunen Afterende stehen die beiden einander genäherten Stigmen auf einem gemeinschaftliehen pyramidalischen Träger. Die Länge des Körpers beträgt 3 Linien. H. J. Kolbe. Litteratur. 1. Im Verlage von Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen ist erschienen: Ambronn, L., Beitrag zur Bestimmung der Refraktions-Kon- stanten. 4°. (28 S. m. 2 Taf.) Preis 2 JC. Becker, E., Beiträge zur Geschichte der AspiraUohspneumonie. gr. 8". (75 S.) Preis 1 Jl 80 4. Berggreen, H., Zur Kenntnis der Thiophosgens. Anh.: Zur Kenntnis der Isonitrosokörper. gr. 8°. (45 S.) Preis 1 J( . Drude, P., Ueber die Gesetze der Reflexion und Brechung des Lichtes cm der Grenze absorbierender Krystalle. gr. 8°. (47 S.) Preis 1 JC. Erlenmeyer, E., Zur Kenntnis der Phenyl-alpha und der Phenyl- alpha -beta-oxypropionsäure. gr. 8°. (48 S.) Preis 1 JC. Gerland, J., Ueber intrathoracische Tumoren, gr. 8°. (23 S.) Preis 60 4. Hermann, A., Ueber m. — Nitro — p. Tolylglycerin bezw. deszen Reduktionsprodukt: „Oxydihydrotoluchinoxalin" . gr. 8°. (42 S.) Preis 1 JC. Herzberg, W., Ueber die Einwirkang von Phenylcyanat auf Orthotoluylendiamin und Orthoamidophenol. gr. 8 °. (36 S.) Preis 80 4. Hess, W., Ueber die Einwirkung von Harnstoff chloryd auf Phenol- äther bei Gegenwart von Albuminiumchlorid. gr. 8. (56 S.) Preis 1 JC 60 4. Hildebrandt, W., Ueber den therapeutischen Wert der Borsäure bei Mittelohreiterungen, gr. 8°. (27 S.) Preis 80 4. Hörn, E., Beiträge zur Kenntnis der Entioicklungs- und Lebens- geschichte des Piasmakörpers einiger Kompositen. 8°. (46 S.) Preis 1 JC Huff, Ph., Ueber den jährlichen und täglichen Gang der erd- magnetischen Kräfte in Tiflis während der Zeit, der internatio- nalen Polarexpeditionen 188,? und 188S. 4°. (35 S. mit 1 Taf.) Preis 2 JC 40 4. Irish, P. H, Ueber die Einwirkung von alkalischen Ferricyan- kaliumlösungen auf Ketone. gr. 8°. (37 S.) Preis 80 4. Lueder, J., Beiträge zur Lehre von der Leukämie mit besonderer - Berücksichtigung der Steinbild ung. gr. 8°. (28 S.) Preis 60 4. "Meyer, C, Ueber di< thermisclie Veränderlichkeit des Daniell' sehen Elements und d,-s Accumulators. sv- 8°. (27 S. mit 1 Taf.) Preis 1 JC. Römer, M., Ueber die Kinirirkung von Acetylchlorid auf halogen- substituierte Thigphqne und deren Homologe. Ueber die Ni- trierung der-a-Thiophensäure. gr. 8°. (61 S.) Preis 1 , IC 60 4. Schecker, G., Ueber einige Umsetzungen aromatischer Körper. gr. 8°. (43 S.) Preis 1 JC. 2. In Fischers medizin. Buchhandlung (H. Kornfeld) in Berlin ist erschienen: Berliner Klinik, Sammlung Min. Vorträge. 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Preis 50 4. Lübbert, A., Die a-Oxynaphtoesäure. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (15 S.) Preis 50 4. Noeggerath, E., Ueber eine neue Methode der Bakterienzüchtung auf gefärbten Nährmedien zu diagnostischen Zwecken. (Sep.- Abdr.) gr. 8°. (3 S mit 1 Taf.) Preis 75 4. Senator, H, Ziele und Wege der ärztlichen Thätigkeit. Ueber Icterus, seine Entstehung und Behandlung . (26 S.) Soyka, J., Zur Theorie und Praxis der Desinfektion. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (11 S.) Preis 50 4. TJnverrieht, Ueber multiple Hirnner oenlähmung. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (18 S.) Preis 75 4. — - Zur Reform unseres Schulwesens. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (6 S.) Preis 50 4. 3. Verschiedener Verlag: Adamkiewicz, A., Ueber die Nervenkörperchen des Menschen. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (20 S. mit, 3 Taf.) In Komm. Preis 1 JC 80 4. G. Freitag in Leipzig. Bau, A., Handbuch für Insektensammler. IL Bd. Die Käfer. Beschreibung aller in Deutschland, Oesterreioh -Ungarn und der Schweiz vorkommenden Coleopteren. gr. 8°. (49 S. mit Illustr.) 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S^S^^SL^©« Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von M 4,20 (in Briefraai'ken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendimg von JC 2,10 (in Briefmarken.) — Einzelne Nummern kosten 25 4. .Naturwissenschaftlichen Wochenschritt" Friedrich-Strasse 226. Die Expedition der „ Berlin SW. 48. Hermann Riemann, Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer Berlin SW. 48. Friedriehstrasse 226 empfiehlt sich zur Besorgung von naturwissenschaft- lichen Werken und Zeitschriften. *•( Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. >t> Behufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Central» Anzeiger für Erci- und Völkerkunde Wegweiser durch d. geograph. Litteratur alter u. neuer Zeit. Neueste Nachrichten für alle Freunde der Erdkunde. Unter Mitwirkung der Herren Professor Dr. K. W. v. Dalla Torre, Doz. a. d. Univ. Innsbruck; Dr. 0. Feistmantel, Prof. a. d. teclm. Hoch- schule in Prag; Dr. Günther, Prof. d. Erdkunde a. d. techn. Hochschule in Münschen; Dr. Jentzsch, Dir. d. geol. Provinzialmus. u. Doz. a. d. Univ. Königsberg; Dr. K. Keilhack, kgl. Bezirksgeol. in Berlin; Dr. 0. Krümmel, Prof d. Erdk. a. d. Univ. Kiel; Dr 0. Lenz, Prof. d Erdk. a. d. Univ. Prag; Dr. F. Regel, Doz. d. Erdk. a. d. Univ. Jena; Dr. Riggenbach, Doz. a. d. Univ. Basel; Dr. F. Wahnschaffe, kgl. Landesgeol. u. Doz. a. d. Univ. Berlin u- a. herausgegeben von Dr. Paul Bncliliolz. Monatlich erscheint ein Heft von 1 — 2 Bogen. Der Jahrgang beginnt im April. — Zu beziehen durch alle Buchhandlungen zum Preise ^ von 3 Mk. pro Halbjahr. )* 5* » t Mi Mt W. * *, *. *; *; *: «< *; *; « Präparator Berlin N. Invalidenstrasse Nr. 38 und 42 empfiehlt sich zum naturgetreuen und zoologisch lichtigen Ausstopfen von Säugetieren und Vögeln. -&m » 5" £• 3- H. o> 3 $ < $ X © £> a o* m s p. SP es 5" S- ä: ST ® " CJ S " (P C O " J3; « s, II. 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Inserate für Nr. 18 der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" müssen späte- stens bis Sonnabend, 21. Juli in unseren Händen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: W. Pütz: Die künstliche Beleuchtung in der Photographie. (Mit Abbild.) — Prof. Dr. F. Ludwig: Die Feigen und ihre Liebes- boten. (Schluss). — Kleinere Mitteilungen: Die Fauna der Azoren. — Ueber die Lebenszähigkeit unserer gemeinsten Süsswasserfische. — Langsame Verbrennung organischer Substanzen. — Ueber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Erdbebens zu Charlestone. — Welches ist die geringste Lichtstärke, welche ein normales Auge gerade noch wahrzunehmen vermag? — Fragen und Antworten: Was wissen wir über die Spargelfliege? — Bücherschau. — Inserate. __ ^____ Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Hermann Riemann. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Verlag: Hermann Riemann, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag-, den 22. Juli 1888. Nr. 17. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3. — ; Bringegeld bei der Post 15 -j extra. % Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 j. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt- Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Der Farbenwechsel des Saftmais Von Prof. Dr. P Vor einer Reihe von Jahren wies ich auf die mir damals neue Thatsache hin, dass der als Saftmal dienende Fleck am Grunde der Blumenblätter der Rosskastanie (Aesculus Hippocastanum L.) unmittelbar nach dem Auf- blühen gelb ist, später diese Farbe aber allmählich in Carminrot ändert. (Sitzb. bot. Verein Brandenb. 1877 S. 114). Diese Beobachtung war anf einem der von mir geleiteten botanischen Ausflüge von einem meiner Zuhörer, dem jetzigen Gymnasiallehrer 0. Ohmann ge- macht worden; Herrn Dr. Koehne war dieser Sachverhalt seit Jahren bekannt. Selbstverständlich unterliess ich es da- mals nicht, mich in der Litteratur umzusehen, ob diese so leicht festzustellende Thatsache auch schon früher auf- gezeichnet sei; durch einen eigentümlichen Zufall versäumte ich, das Werk zu vergleichen, in dem ich in erster Linie hätte erwarten dürfen, Aufschluss zu finden: das klassische Buch Kon radSprengel's über das „ Entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen", in dem diese Erscheinung S. 210 — 212 eingehend be- sprochen wird. Es ist charakteristisch, dass mit dem Sprengel' sehen Werke auch diese auffällige Thatsache so völlig in Vergessenheit geriet, dass sie fast hundert Jahre später für neu gehalten werden konnte. Sprengel spricht a. a. 0. mit Recht sein Erstaunen aus, dass das Saftmal in dem zweiten Stadium, das doch den Insekten verkünden soll, dass für sie nichts mehr in der Blüte zu holen ist, wenigstens für ein menchliches Auge auffälliger ist als im ersten.*) Dagegen ist seine *") Die Blüten verhalten sich also entgegengesetzt wie die der Maerotomia echioides (L.) Boiss. (= Arnebia e. Alph. D. C), bei der, in den Blüten der Rosskastanie. Ascherson. Bezugnahme auf den ihm nur aus der Litteratur (Leers Flora Herbornensis, S. 66) bekannten Umstand, dass bei Ribes alpinum L. die Krone der männlichen Blüten gelb, die der weiblichen Blüten aber rot gefärbt sei, in doppelter Hinsicht unzutreffend. Die Annahme Sprengeis, dass die Blüten der Rosskastanie proterandrisch seien, dass also die rote Färbung des Saftmals das weibliche Stadium anzeige, wird durch die Beobachtungen von Hildebrand und H. Müller, nach denen sie vielmehr proterogynisch sind, nicht bestätigt. Jedenfalls aber ist ein Vergleich der lebhaft purpurnen Saftmale der Rosskastanie mit den weiblichen Blüten von Ribes alpinum L. kaum berechtigt. Bekanntlich wird die Augenfälligkeit der Ribes-Blüten hauptsächlich durch den Kelch hervorgebracht und die Kronblätter sind nur in ganz untergeordneter Weise dabei beteiligt. Ob die Leers 1 sehe Angabe zutreffend ist, davon konnte ich mich an dem mir jetzt allein zu Gesicht stehenden trockenen Material nicht überzeugen. Dass die Blumenblätter der weiblichen Blüten, wenn überhaupt deut- lich rot gefärbt, jedenfalls sehr unscheinbar sein müssen, geht aus der Angabe von H. Müller hervor, der (Befruch- tung der Blumen durch Insekten, S. 94) die Blüten von Ribes alpinum beschreibt und abbildet aber, wie die meisten Floren, die weiblichen nur im Gegensatz zu den auffälligeren, gelblich grünen, männlichen als „mein grün" bezeichnet. Auch bei Besprechung der Blumen von Saxifraga umbrosa L., deren Saftmal aus mehreren kleinen roten und zwei grösseren gelben, am Grunde der Blumenblätter befind- nach der schönen Beobachtung von E. Loew (Berichte D. Bot. Ges. 1886, S. 165). „die Honigsignale eingezogen" werden. 130 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 17. liehen Flecken besteht, spricht Sprengel (Sp. 247) noch einmal unter Bezugnahme auf die Rosskastanie die Ver- mutung aus, „dass die gelbe Farbe für die Insekten mehr Reiz haben, oder denselben stärker in die Augen fallen müsse, als die rote." Die richtige biologische Deutung des auf den ersten Blick paradox erscheinenden Farben- wechsels bei Aesculus ist aber sicher nicht in dieser Rich- tung zu suchen, sondern ohne Zweifel die von H. Müller für farbenwechselnde Blumen im allgemeinen, wie Ribes aureum, Lantana, Weigela (Bot. Zeit., 1882, Sp. 280) und Pulmanaria (Kosmos XIII, 1883, S. 214, Nature XXVIII, S. 81) gegebene. Durch das gleichzeitige Vorhandensein auffälligerer aber ausbeuteloser und un- scheinbarer Blumen, die die Vermittler der Bestäubung durch Ausbeute belohnen, wird eine Auslese der Besucher bewirkt, indem die dümmeren und nutzlosen auf die auf- fälligeren abgelenkt werden, die intelligenten und nütz- lichen aber den unscheinbaren sich zuwenden. Denselben Farbenwechsel des Saftmals wie bei den Rosskastanien*) finden wir auch bei dem zu derselben Familie (Sapindaceen) gehörigen chinesischen Zierstrauche Xanthoceras sorbifolia Bunge (vgl. Wittmack, Garten- zeitung, 1884, S. 247). *) Auch an Aesculus carnea Willd. und A. flava Ait. bat Martelli dieselbe Farbenänderung des Saftmals beobachtet (Giorn. bot, it. 1888 p. 402). Das Skelet eines weiblichen Ur (Bos primigenius). Von Prof. Dr Am 12. Mai 1887 wurde auf der Sohle des Torf- moores von Guhlen unweit Goyatz, also westlich von dem Südende des Schwieloch-Sees in der Niederlausitz, das Skelet eines grossen Rindes gefunden, welches sich dem- nächst bei genauerer Untersuchung als zu Bos primigenius gehörig erwiesen hat. Die betreffenden Skeletteile lagen nahe bei einander, meistens noch in natürlichem Zu- sammenhange, so dass man unzweifelhaft annehmen darf, dass sämtliche Knochen an dem Fundorte vorhanden waren; da aber der ganze Fund spät abends, als die Arbeiter schon nach Haus gehen wollten, gemacht wurde, hat man einige Stücke übersehen; es fehlen die unteren' Knochen des rechten Vorderbeines, die unteren Knochen des linken Hinterbeines, die Mehrzahl der Schwanzwirbel, sowie einige kleine Knöchelchen der Hand- und Fuss- wurzeln. Auch sind einige Zähne abhanden gekommen. Die übrigen Teile sind vollzählig vorhanden und aus- gezeichnet erhalten. Durch Vermittlung des Herrn Pastor Overbeck in Zaue (am Schwieloch-See) kam der Fund bald in den Besitz des Herrn Baumeister Overbeck zu Berlin. Nachdem dieser die Skeletteile durch Herrn J. Wickers- heimer kunstgerecht hatte montieren lassen, (wobei die fehlenden Knochen aus Holz ergänzt wurden), ist das Skelet kürzlich von dem Curatorium der Königl. land- wirtschaftlichen Hochschule in Berlin angekauft und der zoologischen Sammlung der letzteren eingereiht worden. Aus der Schmalheit des Schädels, aus der Schlank- heit der Extremitätenknochen und manchen anderen Verhältnissen ergiebt sich, dass wir das Skelet eines A. Xehring. weiblichen Bos primigenius, also einer Urkuh, vor uns haben. Die Widerristhöhe beträgt bei der jetzigen annähernd richtigen Aufstellung 168 cm; die Länge des Schädels ßöVa cm, die Länge eines der Hornkerne, aussen der Krümmung nach gemessen 70 cm, die grösste lichte Weite zwischen den inneren Krümmungen der Hornkerne 74 cm, die Entfernung ihrer Spitzen voneinander 67 cm. Zur Vergleichung sei erwähnt, dass das in unserer Sammlung befindliche Skelet einer sehr grossen Kuh hollän- discher Rasse eine Widerristhöhe von 148 cm, eine Schädel- länge von Bi 1 /-' cm zeigt, und dass die Hornkerne des Schädels viel kürzer und schwächer sind, als die jener Urkuh. Der Gesamthabitus des subfossilen Skelets von Guhlen erinnert stark an die Steppenrinder von Podolien und Ungarn, namentlich auch in der Form und Grösse der Hornkerne. Das Steppenklima scheint ganz allgemein einen fördernden Einfluss auf die Hornbildung der Rinder auszuüben; in vielen Steppengegenden der Erde, welche überhaupt fruchtbar genug für die Zucht von Rindern sind, findet man sehr ansehnliche Hörner bei den letzteren, so in Podolien, in Ungarn, in Südafrika, in den Campos von Brasilien. Die sogenannten „Francpieiros" der Cam- pos von Brasilien gehen in ihrer Hornentwicklung noch über Bos primigenius hinaus; ihre Hörner erreichen eine fast unglaubliche Grösse. Da jene Franqueiros von euro- päischen Rindern abstammen, welche keineswegs so gross- hörnig waren, so dürfen wir annehmen, dass die eigen- tümlichen Lebensbedingungen der Campos von Brasilien die Hornentwicklung der Rinder ganz besonders fördern. Die südliche baltische Endmoräne des ehemaligen skandinavischen Eises in der Uckermark und Mecklenburg-Strelitz. Von Prof. Dr. G. Berendt, Kgl. Preuss. Landesgeologe. Es ist immer und immer die alte Erfahrung, die der Mensch von neuem zu machen hat, dass er in oft weiter Ferne sucht oder schon kennt, was er im eigenen Vater- lande hat, aber nicht kennt; dass er sich die Lösung fernliegender Rätsel zur Aufgabe macht und die nächst- liegenden Fragen nie gestellt hat. So gehen auch wir Norddeutsche bis jetzt, um alte Gletschermoränen kennen zu lernen, in die Alpen oder nach Norwegen und haben Nr. 17. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 131 nicht gewusst, dass wir sie in Norddeutschland in der schönsten Ausbildung besitzen, ja im stände sind auf einer dreitägigen Fussreise uns ein Bild alter End- moränen zu verschaffen, wie es grossartiger kaum in der Ferne zu finden. In der Mai-Sitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft entrollte ich ein Bild der alten südbaltischen Endmoräne des grossen einstmaligen skandinavischen Eises die ich im vorigen Herbste auf eine Erstreckung von vollen acht deutschen Meilen in ununterbrochenem Zu- sammenhange durch die Uckermark hin verfolgt hatte. Zweck dieser Zeilen war es anfänglich nur, auch hier einen kurzen Bericht über jenen Vortrag zu geben. Da ich jedoch inzwischen Gelegenheit genommen habe, zum Teil in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Wahnschaffe, den weiteren Verlauf dieser grossartigen Endmoräne bis ins Mecklenburgische hinein, also nunmehr auf über zwanzig Meilen hin, zu verfolgen, so kann ich mir das Vergnügen nicht versagen, den Lesern auch hierüber zu berichten. Es wird dadurch an dieser Stelle zum ersten Male ein Ueber- blick über dieses grossartige und unwiderlegliche Zeug- nis von der zusammenhängenden ehemaligen Eisdecke unseres engeren Vaterlandes gegeben*). Endmoränen sind bekanntlich die, vor dem stetig abschmelzenden Gletscherrande noch heute unter den Augen des Hochgebirgsbewohners sich bildenden bezw. vergrössernden Hügel oder Kämme von Gesteinsschutt, zum Teil auch grossen Blöcken, welche das Gletschereis auf, in und unter sich mitführt. Ganz in derselben Weise musste das skandinavische Eis der Diluvial-, Glacial oder Eiszeit, welches einst von den skandinavischen Gebirgen herab bis an die Deutschen Mittelgebirge hinan unser Vaterland bedeckte, falls es abschmelzend auf seinem Rückzuge irgendwo längere Zeit Halt machte, so dass an seinem scharfen Südende Nach- schub und Abschmelzen, wie beim Gletscher der Jetztzeit, in der Wage, gehalten wurde, sich ein mehr oder weniger deutlicher Kamm, eine mehr oder weniger zusammen- hängende Linie von Schutt- und Steinhügeln bilden, welche diese zeitweise Südgrenze bezeichnet. In überraschender Weise hat sich diese immer wieder von den verschieden- sten Seiten angezweifelte, noch in den jüngsten Tagen aufs entschiedenste geleugnete Steinmoräne nun derartig verfolgen lassen, dass sie in ihrer Längenausdehnung bereits auf dem kleinsten Kartenbilde Deutschlands zum deutlichen Ausdruck gebracht werden kann. Ich sage in überraschender Weise ; denn es ist, wie so oft hinter- ' iher, kaum glaublich, wie es möglich war, dass diese End- moräne in ihrer Deutlichkeit bisher übersehen werden konnte. Zwar ist ein Teil der Endmoräne unter dem Namen der Steinberge durch die Steinlieferungen für das Berliner Strassenpflaster aus der Gegend von Joachimsthal, von *) Eingehendere Nachrichten geben zwei im Drucke befindliche Abhandlungen über diesen Gegenstand im Jahrbuche der Kgl. Geolog. Landesanstalt für 1887. Chorin und von Liepe bei Oderberg bereits seit langem bekannt geworden und auch von Geologen vielfach besucht worden — hatte Berichterstatter doch selbst die Ehre den Deutschen Geologentag im Jahre 1880 zu einem der schönsten Aufschlüsse des sogenannten Geschiebewalles bei Liepe zu führen — immer aber war es nur der innere Aufbau des Geschiebewalles, die Verschiedenartigkeit der Gesteine u. dgl. fast nie aber die eigentliche Längs- erstreckung desselben, welche Beachtung fand*). Zwar spricht ferner schon Boll, dessen Verdienst um die Geologie . Mecklenburgs unvergessen bleiben wird, im Jahre 1846 von mehreren Geschiebewällen, welche in nordwestlicher Richtung Mecklenburg und die Uckermark durchsetzen und werden seine Angaben nunmehr in ge- wissem Grade glänzend gerechtfertigt. Aber diese An- gaben sind doch auch wieder so unbestimmt, vermengen so oft den grösseren Geschiebereichtum einer Gegend mit Anhäufungen von Geschieben zu einem wirklichen Geschiebewall und umgekehrt, ja ziehen ganze Feldmarken, welche als steinarm bezeichnet werden können, in die Streifen hinein, während andere, durch welche der Stein- rücken hindurchzieht, ausserhalb liegen bleiben, dass man sieht, auch er hat nie den Geschiebewall als eine schmale, fortlaufende Endmoräne wirklich verfolgt, sondern zum grossen Teil auf Mitteilungen ortskundiger Bewohner über besonderen Steinreichtum einzelner Gegenden, wie solcher in der Nähe der Endmoräne vielfach bemerkbar wird, mehr oder weniger breite Streifen erkannt, welche einiger- massen gleichlaufend das Land durchsetzen. Die aus dem beigegebenen Kartenbild ersichtliche Erstreckung der Endmoräne von Oderberg bis Strelitz, zum Teil mit einer zweiten ein paar Meilen dahinter gelegenen von Gerswalde bis Fürstenwerder und bezw. Wendorf bis Neuhof bei Feldberg, ist nun endlich das Ergebnis thatsächlicher Beobachtungen, wie ich sie teils im vorigen Herbste, teils in diesem Frühjahr zunächst allein, hernach zum Teil in Gemeinschaft mit Dr. Wahnschaffe gemacht habe. So hatte ich im vorigen Herbste Gelegenheit, den Verlauf der Endmoräne aus der Gegend von Oder- berg und Liepe über Kloster und Dorf Chorin bezw. Chorinchen bis Senftenhütte mit einer Rückbiegung bis in die Gegend von Schmargendorf und zurück, vorbei an Amt Grimnitz, bis Alte Hütte, sowie weiter über Joachims- thal, Friedrichswalde und Ringenwalde, mit einer aber- maligen Rückbiegung nach Alt-Temmen zu, und weiter bis Gross- und Alt-Kölpin in ununterbrochenem, mit der jedesmaligen Oberfläche auf- und absteigenden Zuge volle 8 deutsche Meilen oder etwa 60 km genauer zu verfolgen**). Die Breite des Geschiebewalles oder der eigent- *) Prof. Remelö in Eberswalde, BergassessorBus.se, in seiner derzeitigen geognostischen Arbeit zum Bergreferendarexamen, und Dr. Heiland in Christiania waren bisher die einzigen, welche mit mir für die Endmoränennatur des bisher bekannten Teiles des Geschiebe- walles eintraten. **) Siehe die demnächst erscheinende Abhandl. im Jahrb. d. Kgl. Geolog. Landes-Anstalt für 1887. 132 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 17. liehen Endmoräne schwankt auf diese ganze Erstreckung- irin in der Hauptsache nur zwischen 100 und 400 m. Das Doppelte, also 8 — 900 m, erreichende Verbreiterungen kommen nur ganz vereinzelt an zwei Stellen, einerseits bei Senftenhütte, andererseits bei Ringenwalde vor. Was die Höhe dieses Kammes oder der einzelnen ihn zuweilen zusammensetzenden Kegelberge betrifft, so überragen sie ihre Umgebung um durchschnittlich etwa 5 — 10, aber auch zuweilen bis 20 m mit mehrfach 35 und 40 Grad erreichendem Böschungswinkel. Ihre innere Beschaffen- heit lassen schon oberflächlich die zuweilen dicht bei dicht aus der Gras- und Moosdecke des sie vielfach bedecken- den Waldes hervor- Dje südba | tisc blickenden oder nament- lich kleine Kuppen und Vorsprünge unverhüllt bildenden Geschiebe- blöcke erkennen. Auf- geschlossen und bis auf eine Tiefe von 8 und 10 m aus richtiger Stein- packung bestehend, in welche nur untergeordnet eine Mergel- oder Sand- bank eingelagert ist, zeigen diese innere Be- schaffenheit der End- moränen alle die zahl- reichen Steingruben einerseits bei Joachims- thal, andererseits bei Senftenhütte und Chorin- chen und drittens in der Gegend von Liepe und Oderberg. Ueberblickt man den soeben angedeuteten Verlauf des Ge- schiebewalles an der Hand des beigegebenen Kärtchens genauer, so sieht man, dass man es auf der in Rede stehen- <■""•■'■*■*""'«■ H»EMm.nin. den Strecke mit zwei grossen gegen W. bezw. WSW. vorgeschobenen bogenartigen Ausbuchtungen der grossen Endmoräne zu thun hat, innerhalb welcher, also gegen O. bezw. ONO., der Geschiebemergel, die alte Grund- moräne, in der Hauptsache die Oberfläche bildet, während ausserhalb der Bogen weite, anfangs wellige, weiterhin zum Teil völlig ebenflächige und nur von aufgesetzten Dünenkämmen durchzogene Sandflächen, nach Art der aus Island vor dem Eise bekannten Sandes, sich vorlegen. Durch solche Sandüberschüttungen auf längere Strecken verhüllt und nur in seinen höchsten Kuppen hervorragend setzt nun der bei Alt-Temmen beginnende und bis Gross- und Alt-Kölpin in seiner Moränennatur schön ausgeprägte dritte Bogen, an Kreuzkrug, Kloster- walde und Warthe vorbei fort. Nordwestlich Warthe bei Mahlendorf, wo die Endmoräne über die Senke des Küstrin- und des Boitzenburger Haus-Sees setzt, verliert man auf kurze Strecke ihre Spur, findet dieselbe jedoch schon westlich Brüsenwalde wieder, westlich an Thomsdorf vorbei, wo sie längs des sogenannten Alten-Grundes bei Charlottenthal und im Priesterholze die volle Deutlichkeit wiedererlangt, geht sie auf kurze Strecke in der Halbinsel nordwestlich Thomsdorf in eine breitere Steinbeschüttung über, taucht dann aber bei Karwitz in voller Urwüchsig- keit aus dem gleichnamigen See wieder auf, um in ge- he Endmoräne. schbssenem Zuge und scharf nördlicher Rich- tung in die grossherzog- lich mecklenburgische Porst Hullerbusch ein- zutreten. Ja die kammartige Ausbildung der End- moräne kommt hier so- gar in dem Grade zur Erscheinung, dass man sich in der Mitte des Hullerbusch mit dem Fahrwege auf einem kaum mehr als 30 Schritt oder 20 m breiten, beider- seits steil abfallenden Kamme befindet. Während nun , gerade von dieser schmälsten Stelle aus, einerseits eine Fortsetzung in nordöst- licher Richtung auf Wittenhagen zu zu ver- folgen ist, auf die ich demnächst zurückkomme, setzt die eigentliche älteste Moräne, einen vierten Bogen beginnend, spitzwinklig zurück / ///oiMeiti g ; fumeu. g«.vmwi haben nun A. Michelson und E. W. Morley (American Journal of Science XXXI p 377) die Frage wieder aufgenommen. Ein Lichtbündel wird durch ein Refraktometer in zwei Teile zerlegt, und durch zwei parallele Röhren hindurchgesendet, welche in entgegengesetzter Richtung von destilliertem Wasser durchströmt werden. Die wiedervereinigten Komponenten geben ein System von Interferenzstreiten, aus dessen Verschiebung bei verschiedener Strömungsgeschwindigkeit des Wassers auf einen etwaigen Einfluss der letzteren zu schliessen wäre. Das Resultat war jedoch völlig negativ. Schon Fresnel hatte aus theoretischen Gründen geschlossen und Fizeau hatte experimentell verifiziert, dass der Aether nicht be- einflusst wird durch eine Bewegung des von dem Lichte durch- setzten Mittels. Michelson und Morley, welche mit vortreff- lichen Apparaten und unter Ausschluss aller störenden Einflüsse arbeiteten, fanden dieses Resultat vollauf bestätigt. Dr. B. D. Litteratur. Weiss, E. : Die Sigillarien der preussischen Stein- kohlengebiete. I. Die Gruppe der Favularien. Mit 9 Tafeln. Beiträge zur fossilen Flora IV. Abhandlungen zur geologischen Spezialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten. Band VD. Heft 3, Berlin 1887. Die Systematik der fossilen Lycopodineen-Gattung Sigillaria, über deren Bau in diesen Blättern (IL Bd., p. 74— 77) bereits das Nähere mitgeteilt wurde, ist mit grossen Schwierigkeiten ver- knüpft. Diese sind darin begründet, dass stets nur Bruchstücke von Stämmen oder Zweigen und zwar meist ohne Blätter uud ohne Er- haltung der inneren Struktur, sehr selten mit Anfängen der abgehenden Wurzeln vorliegen, bisher aber noch nie ansitzende Reproduktions- organe gefunden wurden. Von allen den sicher zusammengehörigen Teilen bietet aber wiederum nur die Rindenoberfläche für eine Gruppierung der Sigillarien geeignete Merkmale. Diese letzteren sind leider bisher nicht allenthalben mit der Sorgfalt berücksichtigt und dargestellt worden, dass die vorhandenen Abbildungen und Be- schreibungen durchweg als hinreichende Unterlage für weitere Be- stimmungen und Gruppierungen gelten könnten. Es ist daher ein sehr verdienstliches Unternehmen des bewährten Autors, die Sigillarien einer Neubearbeitung zu unterziehen. Mit welcher ausserordentlichen Sorgfalt er dabei zu Werke geht, davon giebt die vorliegende Arbeit, die nur ein Vorläufer des Hauptwerke, sein soll, den sprechendsten Beweis. Es dürfte die Le~er interessieren, zu hören, welches Verfahren der Verfasser einschlägt, um Abbildungen von denkbar grösster Natur- treue zu erzielen. Es ist folgendes: Nach erfolgter photographischer Aufnahme des Gegenstandes in natürlicher Grösse wird ein Licht- druckbild hergestellt, das mindestens alle Konturen schon richtig enthält. Dieser Abdruck dient dann als Grundlage zur Herstellung der gewünschten genauen Abbildung mit der Hand und das so er- langte möglichst vollkommene und revidierte Bild zu einer zweiten Aufnahme im Lichtdruckverfahren und zur endgiltigen Fertigstellung der Tafeln. Speziell bei den Sigillarienzeichnungen wird stets von dem betreffenden Künstler zuerst unter Anleitung eine vergrösserte Detailfigur entworfen und nach dieser erst bei erlangter richtiger Erkenntnis der Form die Ausführung der Hauptfigur vollendet. Das vorliegende Heft behandelt nur die Gruppe der Favularien und enthält auf den ersten 8 Tafeln nur vergrösserte Detailfiguren in der oben erwähnten mustergiltigen Ausführung, auf Tafel 9 Kopieen derjenigen älteren Figuren, welche erforderlich erschienen, um den Vergleich mit den neuen Formen möglichst zu erleichtern. Die Abbildungen der Originale selbst sollen später mit ausführlicher Bearbeitung nachfolgen. Wie die Sigillarien überhaupt, so zeigen insbesondere die Favularien in der Beschaffenheit ihrer Rindenoberfläche einen Formen- reichtum, wie er bei keiner anderen Pflanzenfamilie der Vorwelt und der Jetztzeit vorkommt, während wir nach des Verfassers Darlegungen den besten Anhalt dafür haben, dass in den übrigen Teilen dieser Pflanzen die grüsste Einförmigkeit herrscht. Freilich sind die Beschaffenheit der Rippen, der Längs- und Querfurchen, die Form der Blattpolster und Blattnarben und ihre gegenseitige Stellung, sowie gewisse Einkerbungen und Dekorationen ausserordentlich veränderliche Merkmale, ausserdem ist die ausschliessliche Berücksichtigung derselben bei Einteilung der Sigillarien ein einseitiges Verfahren, welches nur zu einem künst- lichen Systeme führen kann. Dessen ist sich der Verfasser recht wohl bewusst. aber es giebt eben für den Paläontologen vorläufig kein anderes Mittel für eine Gruppierung der fraglichen Fossilreste. „Mir der vorliegenden Arbeit soll daher auch" — so spricht sich der Verfasser selbst aus — „nichts anderes erzielt werden, als nach- 136 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 17. zuweisen, dass die Natur uns hier eine viel grössere Fülle von Formen bietet, als bisher geglaubt wurde, und dass diese Formen unter sieh zwar wohl erkennbaren Gestaltungsgesetzen unterworfen, aber so innig mit einander zusammenhängen und verbunden sind, dass die grösste Schwierigkeit vorhanden ist, feste Arten in der üblichen Weise in der Gruppe zu erkennen und auszuscheiden. So sieher es ist, dass unvereinbare Formen auch unter der beschränkten Gruppe der Favularien existieren, die jeder wohl als „Arten" an- erkennen wird, so schwierig wird ihre Begrenzung bei einer so voll- ständigen Reihe, wie z. B. die hier vorliegende, welche noch viel mehr erweiterungsfähig sein wird. Kein einziges Merkmal ist fest; keine einzelne Form existiert, welche nicht vermittelnde Zwischen- glieder nach anderen derselben Gruppe hin hat; wo noch einige Lücken erscheinen, da werden sie sichtlich durch neue Funde immer mehr ausgefüllt, so dass kein unüberbrückbarer Zwischenraum zwischen den einzelnen — Arten? — bleibt. Wollte man diese Erfahrung, die zunächst am vollständigsten bei den Favularien zu machen ist, auf alle Sigillarien anwenden, wie man es ja müsste, wenn sie für jene Gruppe gilt, so würde man zuletzt zu dem Schlüsse gelangen, dass alle Sigillarien nur eine einzige Art darstellen, — freilich mit einem unglaublichen Reichtum der verschiedenartigsten Formen- entwicklung." Der Autor belegt 41 Formen der Favularien mit Artnamen, weil „man diese Methode der Unterscheidung und die dadurch her- vorgerufene Benennung nicht wohl entbehren kann." Er ist aber weit entfernt, diese Formen als „Arten" im strengen Sinne aus- zugeben. „Besser immerhin erscheint es, einige Arten zu viel zu unterscheiden, die durch Beobachtung reduciert werden können, als heterogene Formen zusammen zu werfen und sie so für die Beobach- tung gleichsam unzugänglich zu machen, indem man sich der Wahr- nehmung ihrer Verschiedenheiten verschliesst." Die Hauptmerkmale der Favularien sind nach Weiss folgende: Die Blattpolster stehen auf Rippen, welche durch zickzackförmig verlaufende Längsfurchen getrennt sind. Zwischen den Blattpolstern verlaufen Querfurchen. Längs- und Querfurchen sind aber von ver- schiedener Deutlichkeit. Die Form der Polster ist von dem Zickzack und -dem Verlauf der Querfurche abhängig; nur die Wölbung der- selben entwickelt, sich selbständig. Die Form der Blattnarben wird an demselben Individuum ziemlich konstant gefunden. Sie ist rhom- bisch, sechseckig, rundlich - sechsseitig , rundlich- fünfseitig, breit- eiförmig, glockenförmig, kopfförmig (ähnlich einem Batrachierkopf), ähnlich dem Thorax eines Seekrebses u. s. w. Von grosser Wichtig- keit ist die Stellung der Blattnarbe zum Polster. Für einige Reihen werden gewisse durch kantige Erhebungen, Punkte oder eigentümlich gruppierte Runzeln gebildete Dekorationen des Polsters charak- teristisch. Unter Berücksichtigung dieser Merkmale gelangt Weiss zur Aufstellung folgender Gruppen der Favularien: I. Favulariae centratae. Narben völlig oder nahezu centrisch auf den Polstern. Abstand der Narben von den benachbarten Längs- und Querfurchen etwa gleich gross. 9 Arten. II. Favulariae contiguae. Narben central, stossen aber oben und unten ganz oder fast zusammen. a) Contiguae acutae. Narben mit scharfen Seitenecken. 6 Arten. b) Contiguae obtusae. Narben mit stumpfen oder ab- gerundeten Seitenecken. 3 Arten. HI. Favulariae eccentrae. Narben mit sichtlich excentrischer Lage auf den Polstern, meist nach oben gerückt. a) Eccentrae laeves. Polster glatt; ohne, höchstens ver- einzelt mit Andeutungen von Kanten oder Runzeln unter den Blattnarben, aa) mit schärferen Seitenecken der Narben, bb) mit schwachen bis abgerundeten Seiten- narben. — 10 Arten. b) Eccentrae decoratae. Polster mit konstanten Zeich- nungen des Feldes über oder unter der Blattnarbe, aa) mit Runzelung unter der Narbe. 2 Arten, bb) mit schwachen kantigen Erhebungen des Polsters unter der Narbe, eingestochenen Punkten über derselben. 2 Arten, cc) mit deutlichen Kanten auf dem Polster unter der Narbe. 9 Arten. Dr. T. Sterzel. Albreeht, P., Schemata zur Veranschaulichung Albrecht' scher ver- gleichend anatomischer Theorien. Schema Nr. 4 u. 5. Serie 1. Die vier Zwischenkiefer der Wirbeltiere. 3. u. 4. Blatt. Kolor. Fol. Preis 3 JC 60 4. Paul Albrecht's Selbstverl. in Hamburg. Anderson, B. B. , Die erste Entdeckung von Amerika. Eine histor. Skizze der Entdeckung Amerikas durch die Skandinavier. Uebers. von M. Mann. (62 S.) Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, herausgegeben von R. Virchow und F. v. Holtzendorff. Preis 1 JC 20 «j. J. F. Richter in Hamburg. Baurath.H., lieber a-Slilbazol und seine Reduktionsprodukte, gr. 8°. 36 S.) Preis 1 JC. Lipsius & Tischer, Verl.-Cto. in Kiel. Classen, A. , lieber den Einfluss Kants auf die Theorie der Sinnesicahmehmung und die Sicherheit ihrer Ergebnisse, gr. 8° (XI, 275 S.) Fr. Wilh. Grunow in Leipzig. Cohn, F., u. A. Engler, Das botanische Museum der Universität Breslau. Reden, geh. zur Einweih, desselben. 8°. (48 S.) J. U. Kern's Verlag (Max Müller) in Breslau. Curr, E. M., Australian race. its origin, language, customs. 4. Vols. 8°. Preis 42 $. Trübner & Co. in London. Flower, W. H., Einleitung in die Osteologie der Säugetiere. Nach der 3. unter Mitwirkung von H. Gadow durchgeseh. Orig.-Aufl. gr. 8°. (X, 349 S.) Preis 7 JC. Wilhelm Engelmann i. Leipzig. Förster, W. u. E. Blenck, Populäre Mitteilungen zum astrono- mischen und chronologischen Teile des königl. preussischen Nor- malkalenders für 1889. gr. 8°. (28 S.) Preis 1 JC. Verlag des königl. statistischen Bureaus in Berlin. Fresenius, B. , Chemische Analyse der Soolquelle im Admirals- gurten-Bad zu Berlin, gr. 8°. (20 S.) Preis 80 4. C. W. Krei- del's Verlag in Wiesbaden. Gaerdt, H., Gärtnerische Düngerlehre, gr. 8°. (VIII, 189 S.) Preis 2 JC 25 -j. Trowitzsch & Sohn in Frankfurt a. O. Geyer, W., Katechismus für Aquarienliebhaber. 8°. (80 S. m. Blustr.) Preis 1 JC. Creutz'sche Verl.-Buchh. (R. & M. Kretsch- mann) in Magdeburg. Göppert, H. B., Nachträge zur Kenntnis der Coniferenhölzer der palaezoischen Formationen. Aus dem Nachlasse bearb. v. G. Stenzel. 4°. (68 S. m. 12 Tafeln.) Preis kart. 9 JC. Herausgegeben von der Akademie der Wissensch. zu Berlin. Georg Reimer in Berlin. Groth, P., lieber die Molekularbeschaffenheit der Krystalle. Fest- rede. 4°. (29 S.) Preis 80 4. G. Franz'sche Verlagsh. (J. Roth) in München. Hoffmann, J., Anleitung, Schmetterlinge zu fangen, aus Raupen zu erziehen und eine Sammlung anzulegen, gr. 8°. (15 S.) Mit Beigabe eines Apparates für junge Schmetterlingssammler in einem poliertem Holzkasten. Preis 7 JC 50 4. Julius Hoffmann in Stuttgart. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstellende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Briefkasten. Hr. K. F. in St. — Zur anatomischen Untersuchung des Holzes sind Schnitte in drei verschiedenen Richtungen notwendig, der eine von diesen, der Querschnitt, ist senkrecht, die beiden anderen, die Längenschnitte, sind parallel zur Längsachse des Baum- stammes oder Zweiges, dem das Holz entstammt, zu führen. Die Längsschnitte sind nun entweder Radial schnitte, wenn die Schnitte in Richtung der Radien des im allgemeinen kreisähnlichen Quer- schnitts geführt sind, also die Radialwände der Holzzellen zur An- schauung bringen, während alle Längsschnitte, die nicht durch den Kreismittelpunkt gehen, Tangentialschnitte sind, weil sie — dort wo sie recktwinklig auf eine Radialebene treffen — die tangen- tial verlaufenden Wände im mikroskopischen Bude zeigen. Hr. Neumann in Rietschen. — Ihre Frage ist der Redaktion nicht zugegangen, sonst hätte dieselbe gewiss längst Erledigung gefunden. Inhalt: Prof. Dr. P. Ascherson: Der Farbenwechsel des Saftmals in den Blüten der Rosskastanie. — Prof. Dr. A. Nehring: Das Skelett eines weiblichen Ur (Bos primigenius) — Prof. Dr. G. Berendt: Die südliche baltische Endmoräne des ehemaligen skandina- vischen Eises in der Uckermark und Mecklenburg-Strelitz. (Mit Karte.) — Kleinere Mitteilungen: Aus der Hygiene. — Biber an der Elbe. — Bildung von Haarsilber. — Wirkungen des elektrischen Stromes auf feine Wagen. — Veränderungen auf der Oberfläche des Mars. — Tuberculose-Congress. — Fragen und Antworten. — Litteratur: E. Wei s : Die Sigillarien der preussischen Steinkohlengebiete. — Bücher- schau. — Briefkasten. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Hermann Riemann. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Hierzu eine Inseraten-Beilag-e. Redaktion: * Dr. H. Potonie. Verlag: [Hermann Riemann, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 29. Juli 1888. Nr. 18. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3.— ; Bringegeld bei der Post 15 4 extra. ¥ Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Ueber die Entwicklungsgeschichte der spanischen Fliege und anderer Blasenkäfer*). ' K 1 b e . verschiedenes Larvenstadium, demnächst ein wirkliches Puppenstadium und endlich das entwickelte Insekt folgt. Y.< L'ii'lit also fünf Entwicklungsstadien nach dem Eizu- stande; das dritte Stadium heisst das der Pseudonymphe. Allen übrigen Käfern kommen nur drei Entwicklungs- stadien zu, nach dem Eizustande das der Larve, Puppe (Nymphe | und des fertigen Insekts. Genau bekannt war bisher nur die Entwicklungs- geschichte einiger Arten von Meloe und Sitaris, welche namentlich von Newport und Fabre beobachtet worden ist. Vor einigen Jahren hatte Lichtenstein kurze Mit- teilungen über die Entwicklungsformen der Cantharis vesicatoria publiziert, ohne dass man einen Einblick in das Entwicklungsleben dieser Art erhielt. Andere Beob- achter schrieben etwas auch über andere Arten, sowohl europäische wie nordamerikanische. Nunmehr hatte der Franzose Beauregard unter Aufwendung von grosser Mühe und Geduld das Glück, die Entwicklungsgeschichte der im fertigen Zustande so bekannten Cantharis vesicatoria aufs genaueste kennen zu lernen; auch diejenige einiger anderer französischer Arten der Vesicantien, deren Lebensgeschichte bisher ebenfalls noch ganz unbekannt war. Es war anzunehmen, dass die jungen Larven der Cantharis, welche Triungulinen genannt werden, weil sie drei Klauen an jedem Fusse besitzen, wie die von Meloe Blumen ersteigen würden, um sich an den Pelz blumen- besuchender Bienen zu hängen, so dass sie in deren Nester getragen werden, wo sie an dem Honig der Zellen die ihnen zusagende Nahrung fänden und ebendaselbst Von H. J Aus der Familie der blasenziehenden Käfer (Vesi- cantia) ist am bekanntesten die sogenannte spanische Fliege, (Vergl. die Figur) auch Pflasterkäfer und in der Wissenschaft Lytta oder Cantharis vesicatoria L. genannt, jenes Insekt, aus dessen Körper bekanntlich ein medizinisch verwendetes blasenziehendes Mittel gewonnen wird. Zu den Vesicantien gehören eine Reihe von Gattungen, ausser Lytta namentlich Meloe, Mylabris, Cerocoma, Epicauta, Sitaris. Die meisten Gattungen und Arten kommen in den subtropischen und tropischen Ländern vor. Die blasenziehende Eigenschaft von An- gehörigen dieser Familie ist seit den ältesten Zeiten bekannt; und auch gegenwärtig dienen in den verschie- denen Ländern die eine oder die andere der dort ein- heimischen Arten zu medizinischen Zwecken, in Europa die oben genannte Art. Ebenso merkwürdig wie durch jene absonderliche Eigenschaft ist die Entwicklungsgeschichte der Vesican- tien. Die Verschiedenheit von anderen Käfern beruht darin, dass auf das erste und zweite Larvenstadium ein puppenartiges, dann ein drittes von den beiden ersten *) Ueber den in der Ueberschrift genannten, von dem fran- zösischen Gelehrten Beauregard behandelten Gegenstand habe ich in der „Pharmaceutischen Zeitung" vom 81. März d. J. S. ltS9 — 191 ein Referat geliefert, welches ich auf Wunsch der Redaktion der „Naturw. Wochenschrift" mit wenigen Aenderungen auch in dieser Zeitschrift zum Abdruck bringen lasse. Das erscheint um so gerecht- fertigter, als die nunmehr endlich bekannt gewordene und durch ihre merkwürdigen Einzelheiten auch ein weiteres, für die Geheimnisse der Natur empfängliches Publikum interessierende Naturgeschichte der „spanischen Fliege". Cantharis vesicatoria L., in Deutschland noch kaum zur weiteren Kenntnis gelangt ist. 138 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 18. oder teilweise in der Nähe der Bienennester ihre ganze Entwicklung durchzumachen hätten. Beauregard bekam im Laufe des Monats Juni 1883 mehrere hundert lebende Cantharis vesicatoria, hielt sie in grossen Käfigen, deren Wände aus Drahtgaze bestanden, stellte kleine Flieder- pflanzen in Töpfen in die Käfige und gedachte so die ganze Lebensgeschichte dieses Pflasterkäfers verfolgen zu können. Bald schon beobachtete er die Paarung und das Ablegen der Eier. Das letztere fand am 27. Juni statt. Es war 2 Uhr 10 Minuten nachmittags, als er die Käfige inspizierte. Einer' von den Pflasterkäfern schien an einer vom Krautwerk entblössten Stelle des mit Erde bedeckten Bodens ein Loch zu graben. An dieser Stelle lag ein Kloss harter Erde, und unter diesem legte der Käfer in schräger Richtung einen Gang an. Mit seinen Man- dibeln grub er in den Boden und zerkleinerte die Erd- teilchen zu feinen Krümchen, die er durch die successive Bewegung der drei Beinpaare hinter sich warf. Die Bewegung der Hinterbeine kann am besten mit der der Beine eines Hundes verglichen werden, wenn er dasjenige mit Erde bedeckt, was er den Augen verbergen zu müssen glaubt. Kleine Wurzeln von der Stärke eines Fadens, welche beim Graben hinderlich waren, zerbiss der Käfer mit den Mandibeln oder Fresszangen und entledigte sich so dieses Hindernisses. Bald war der gegrabene Gang tief genug, dass das Tier ganz hineinkommen konnte. Es war so den Augen des Beobachters für vier Minuten entzogen. Er sah es abermals, wie es rückwärts wieder an die Mündung des Ganges kam. Das hatte aber keinen anderen Zweck als den, die nachgestürzten Erdkrümchen wieder nach aussen zu schaffen. Danach verschwand das Insekt auf kurze Zeit ; aber das zuletzt erwähnte Ver- fahren wiederholte sich dreimal, während es sich immer tiefer in den Boden hineingrab und sich bald ganz unter- halb des Erdklosses befand, unter dem es zu graben be- gonnen hatte. Schon hatte es sich eine Zeitlang nicht mehr sehen lassen, als der Erdkloss, welcher die Decke des Ganges bildete, sich zu bewegen schien und wieder- holt gehoben wurde, woraus man schliessen durfte, dass unter ihm heftige Bewegungen sich bethätigten. Danach war alles still. Der Beobachter wartete zehn Minuten, und als sich noch nichts regte, entschloss er sich, den Erdkloss emporzuheben. Er blickte in die kreisförmige Oeffnung des Ganges und bemerkte in dieser in mas- siger Tiefe, indem er sie mit einem Spiegel erhellte, den Kopf und die Füllhörner des Käfers. Das Tier hatte sich also umgewendet, so dass sich der Hinterleib jetzt im Grunde des Ganges befand. Das Umwenden hatte also die Hebungen des Erdklosses verursacht, unter dem es operierte. Um 4 Uhr 10 Minuten, also zwei Stunden nachdem es mit dem Graben begonnen, bewegte der noch still sitzende Käfer den Kopf und die Fühlhörner. Bald begann er aus seinem Loche hervorzukommen, und als er schon mit dem Vorderkörper und den Beinen draussen war, machte er sich daran, die Erde mit den Beinen zu- sammen zu kratzen, die Erdkrümchen von neuem mit den Fresszangen zu zerkleinern, endlich das Loch, in dem er seine Eier abgelegt hatte, wieder zuzufallen und dann den Boden derart zu nivellieren, dass es unmöglich war, den Ort wieder zu erkennen, wo er soeben seine Arbeit verrichtet hatte. Beauregard hat diese Beobachtung wiederholt ge- macht; alle Canthariden operierten in derselben Weise. Aber die Zahl der abgelegten Eier war sehr verschieden und variierte von 80 bis zu mehreren hunderten. Entgegen der Meinung, dass die auskommenden Larven, die kleinen Triungulinen, zu dem oben genannten Zwecke eine Blume zu erreichen suchen würden, sah der Beobachter, dass die Lärvchen gerade das Licht flohen und sich in den Boden gruben. Er hatte die Eierpäck- chen in Glasröhren gelegt, deren blindes Ende mit Eide versehen war, und konnte nach 20 bis 25 Tagen kon- statieren, dass die aus den Eiern geschlüpften Triungu- linen sich immer schnell in die Erde eingruben; sie hatten also garnicht die Neigung, sich an Blumenbienen zu hängen und sich von diesen umhertragen zu lassen, wie die Triungulinen von Meloe und Sitaris. Aber die Nahrung der Cantharislarven war nicht bekannt; was sollte ihnen vorgesetzt werden? Riley hatte gefunden, dass die Larven einer Art der mit Can- tharis nahe verwandten Gattung Epicauta sich von Heu- schreckeneiern ernähren, und die Vermutung ausgesprochen, dass auch die Cantharislarven von demselben Nahrungs- stoffe lebten. Beauregard reichte deshalb seinen Larven Eier von Acridiern und Locusten dar, die er in grosser Zahl sich verschafft hatte. Vergebens. Riley s Meinung war un- richtig. Die Larven von Cantharis hatten einen anderen Küchenzettel als die Epicauta Amerikas. Aus Mangel an etwas besserem gab er seinen Pfleglingen nun Eier von Ameisen und Schnecken, sowie künstliche Mischungen von weissem Honig uud Rosenpollen. Alles dieses wurde hartnäckig verweigert. Bienenzellen mit Honig waren schwer zu bekommen. Die Saison war zu sehr vor- geschritten. In dem dünnflüssigen Honig der gewöhn- lichen Honigbiene ertranken die Larven. Der Beobachter teilt mit, dass er anfing, den Mut zu verlieren; denn es schien ihm, dass die Larven unruhig wurden und die Erde mit einer Schnelligkeit durcheilten, welche wohl zeigte, dass sie von Hunger getrieben wurden. Indes bekam er noch rechtzeitig halbflüssigen Honig enthaltende Zellen von Osmia tridentata, welche sich an trockenen Zweigen von Brombeersträuchern befinden; ferner einige Zellen von Hallictes, welche ziemlich trockenen Honig enthielten, und eine Zelle von Megacliile, welche zur Hälfte mit braunem, halbflüssigen Honig angefüllt war. Mit diesem Futter waren die schönsten Aussichten auf Erfolg verbunden. Es war am 28., Juli, als der Beob- achter zu sehen glaubte, dass die in die Zelle von Me- gacliile gesetzte Larve mit Gier frass. Er wurde gewahr, dass seine Aufregung darüber so lebhaft war, dass er Nr. 18. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 139 das Tierchen nur einige Augenblicke zu betrachten wagte, aus Furcht, es zu stören. Er hatte die Geduld, bis zum. folgenden Tage zu warten und dann von neuem nach- zusehen. Da hatte er die Freude, zu sehen, dass die junge Larve sich deutlich ausgedehnt hatte. Am 31. Juli hatte sie sich zum ersten Male gehäutet. Dieselben Beobachtungen wurden an mehreren Larven gemacht, welche in die Zellen von.Osmia gesetzt waren; es waren im ganzen zehn Larven, welche nunmehr Aussicht auf weitere Entwicklung gewährten. Die mit Megachilehonig gefütterte Larve war am 4. August schon 6 mm lang. Aber sie war mit ihrem Vorrat an Honig ungefähr zu Ende gekommen und es wurde ihr eine halbe Honigzelle von Osmia gereicht und sie darin in eine Glasröhre ge- sperrt, deren Grund mit Erde angefüllt war. Nach zwei Tagen war auch das neue Futter verzehrt. Die Larve mass jetzt 10 mm. Eine weitere halbe Honigzelle von Osmia war gleichfalls nach zwei Tagen ausgeleert. Da- nach häutete sich die Larve zum zweiten Male und war 14 mm lang. Es war am 10. August. In zwölf Tagen hatte die Länge der Larve, nachdem sie die erste Nah- rung bekommen, um 13 mm zugenommen. Hiermit war sie auf der Höhe ihrer Entwicklung angelangt; denn am folgenden Morgen, als sie nicht mehr frei zu sehen war, fand sie sich am Grunde der Glasröhre, zusammen- gekrümmt in einer aus Erde angefertigten Zelle liegend. Sie verwandelte sich jetzt nach einer nochmaligen Häutung in die Pseudonymphe, um zu überwintern. Letztere ist von strohgelber Farbe, kurz kahnförmig, mit drei Paar kurzen Beinen, Antennen und sehr reduzierten, kurze Stummel bildenden Mundteilen versehen. Sie verbleibt den Winter über in absoluter Ruhe bis zum Frühling. Alsdann tritt sie nach einer Häutung wieder in gewöhn- licher Larvenform auf, um sich wie andere Käfer in eine Nymphe und dann in das vollkommene Insekt zu ver- wandeln. Also ausgerüstet mit der Kenntnis der verschiedenen Verwandlungsstadien der Cantharis- reiste Beauregard im Oktober nach Aramon, einem kleinen Dorfe bei Avi- gnon, wo die spanischen Fliegen jedes Jahr sehr häufig sind, und woher er auch im Juni die lebenden Tiere be- kommen hatte. Anfangs wurde hier und auch bei Seri- gnon nichts gefunden. Schliesslich aber fand sich bei Aramon eine sandige Böschung, welche wie ein Sieb durchlöchert und wie ein Schwamm von den Minirgängen unterirdisch lebender Bienen durchzogen war. Die Böschung wurde umgegraben und untersucht. In der Tiefe eines Meters fand sich endlich eine Pseudonymphe, nur eine einzige; sie hatte alle Charaktere von derjenigen der Cantharis. Aber zugleich wurden gegen hundert Stück einer Art kleiner eiförmiger Puppen gefunden, welche gelbbraun und dem Entdecker ganz unbekannt waren, der aber mit dieser freilich geringen Ausbeute nach Paris zurückkehrte, letztere bestmöglichst unterbrachte und den Frühling erwartete. Die Pseudonymphe, welche derjenigen von Cantharis so ähnlich sah, lieferte Cerocoma Schieben; die kleinen eiförmigen Körperchen Stenoria apicalis, die auch zu den Vesicantien gehört. Die Entwicklungsgeschichte dieser beiden Arten war bisher noch unbekannt. Die Hyme- nopterenart, bei der sie ihre parasitische Lebensweise führten, war Colletes signata. Im Dezember 1884 reiste Beauregard wiederum nach Aramon, um dort seine Erdarbeit fortzusetzen. Zwei Pseudonymphen wurden gefunden, welche derjenigen der Cantharis glichen. Diese wurden unter Beobachtung grösster Vorsicht mitgenommen und entwickelten sich, zur Genugthuung ihres Finders, im folgenden Frühling zu Larven, die nach ihrer Umwandlung in Nymphen die offizinelle Cantharis lieferten. Beauregard hatte auch diese Pseudonymphen in Zellen von Colletes signata gefunden, einer kleinen Bienenart, welche zu tausenden ihre Nester in der Erde einige Meter von der Oberfläche entfernt baut. Es war kein Zweifel, dass der Honig dieser Zellen den Larven zur Nahrung gedient hatte, seitdem wir wissen, dass der Honig ihre Nahrung bildet. Die Kleinheit der Zellen gestattet den Schluss, dass sie nacheinander mehrere Zellen angreifen. Zudem liegen immer mehrere Zellen, fünf oder sechs, zusammen. Dass die Cantharislarven im natürlichen Zustande aber auch in den Nestern anderer Bienenarten schmarotzen, wie schon die obigen künst- lichen Zuchten nicht unwahrscheinlich machen, bewies demnächst eine direkte Beobachtung. Denn es wurden Pseudonymphen von Cantharis in der Nähe von Zellen einer grossen mit Meliturgus verwandten Imme gefunden, und ebenso entwickelte sich eine Cantharis in einem Tu- bus, welcher Megachilezellen enthielt. Die Entwicklungsgeschichte der Cantharis vesicatoria lässt sich demnach in folgender Weise zusammenfassen: Die Eier werden in die Erde gelegt; die daraus hervorkommenden Triungulinen graben sich Dank ihrer Behendigkeit in den Boden ein und suchen nach Zellen unterirdisch lebender Bienen. Sicher werden die Eier von den Käfern in die Nähe solcher Honigzellen gelegt; wenn nicht, und wenn der Triungiüin stirbt, bevor er seinen Lebensunterhalt gefunden hat, so genügt die Zahl der Eier, welche jedes Weibchen legt, um in jedem Falle einige Nachkommenschaft zu sichern. Wenn der Triun- gulin die gesuchten Zellen von Colletes, Meliturgus oder Megachile gefunden hat, verzehrt er den Inhalt dieser Zellen und häutet sich unterdessen einige Male. Als- dann, ohne in einer Bienenzelle zu verbleiben, wie die Larve von Meloe und Sitaris, verlässt er dieselbe, gräbt sich in den Boden ein, häutet sich nochmals, worauf sie zur Pseudonymphe wird und überwintert in diesem Zu- stande. Dieses beständige Leben in der Erde erklärt die frühere Hypothese, dass die Cantharislarven von Pflanzenwurzeln lebten. In der That kommt auch erst das entwickelte Insekt aus der Erde hervor. Die Cantharis lebt also parasitisch bei mehreren Hymnenopterenarten aus der Gruppe der einsam lebenden 140 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 18. Bienen, und diese Thatsache bringt sie Meloe und Sitaris nahe, entfernt sie aber von Epicauta, welche Gattung früher häufig mit Cantharis (Lytta) vereinigt wurde. Da von amerikanischen Epicautaarten bekannt ist, dass sie als Larve in Locustidennestern leben, so galt es, die noch unbekannte Lebensweise einer europäischen Art dieser Gattung, Epicauta verticalis, zu untersuchen. Beauregard beschäftigte sich also nunmehr mit der Aufzucht der Larven der europäischen Epicauta. Er bekam die Larven aus Eiern von Käfern, die er lebend zu Hause hielt. Das Glück war diesem Forscher auch in diesem Falle günstig. Anfangs gab er den aus- geschlüpften Larven ein Eiernest der Gottesanbeterin, Mantis religiosa, und hatte das Vergnügen, dass sich die kleinen Larven nicht zweimal bitten Hessen und mit Appetit die Eier verzehrten. Danach nahmen sie auch die von anderen Orthopteren (Dasypoden) gelegten Eier an. Die Larven gediehen gut, und alle Entwicklungs- stadien wurden erzielt. Es war nun festgestellt, dass der einzige europäische Repräsentant von Epicauta dieselbe larvale Lebensweise hat, wie die amerikanischen Arten. Dies genügt, um diese Gattung von Cantharis zu unterscheiden. Der französische Forscher hat somit die Kenntnis der Entwicklungsgeschichte der Vesicantien um vier typische Beispiele vermehrt. Er hatte das eigentümliche Glück, eine wahrhaft merkwürdige Anomalie aus der Welt zu schaffen. Ein weltbekanntes Insekt, seit Jahr- hunderten gebraucht, über einen grossen Teil Europas verbreitet, erschien jedes Jahr in grossen Scharen, ohne dass es möglich war, zu wissen, woher es kam. Es kommt aus der Erde, hiess es; und das war alles, was man wusste, bis auf Lichtenstein, welcher versuchte, den Schleier zu heben. Aber erst Beauregard gelang es, diesen Punkt der arzneiwissenschaftlichen Natur- geschichte vollends aufzuhellen. Die Publikationen des letztgenannten Forschers finden sich in den „Comptes-Rendus" der Pariser Aka- demie der Wissenschaften (Band 99, 1884; 100, 1885 und 101, 1886); im Auszuge auch in den „Annales" der französischen Entomologischen Gesellschaft (6. Ser., 5. Band p. 118 — 119) und in den „Annais and Magazine of Natural History" (5. Ser., 16. Band p. 74 ff.); schliess- lich ein Resume in dem „Journal de Pharmacie et de Chimie" (Paris 1888). Ueber Verwendung des Torfs. Von R. Raab, Königlich Preussischer Post-Direktor. Torf ist in erster Linie Feuerungsmaterial. Die Hausfrauen werfen ihm vor, dass er leicht zerbröckele, einen hässlichen Geruch verbreite und eigentlich nur glimme. Jene Uebelstände haften nur dem gewöhnlichen Torf, nicht aber dem steinkohlenartigen Presstorf an, der aus gestochenem und mit Messern zerschnittenen Torf durch Maschinen gewonnen wird und durch seinen Heiz- wert die besten Steinkohlen aus dem Felde schlägt. Er brennt wie Buchenholz mit gleichmässiger Flamme, voll- kommen geruchlos, und eignet sich für jeden Ofen. Als Brennmaterial verdienen auch Presstorf briketts *) und Presstorf koks Beachtung. Der letztere ist gepresster Torf, welcher in Meilern oder Koksöfen in Koks (Torf- kohle) verwandelt worden ist. Die Torfkohle wird wegen ihrer Porosität, ähnlich wie Holzkohle, zum Entfärben von Flüssigkeiten, zur Entfuselung von Branntwein u. s. w. verwendet. Bei dem Verkohlen (Verschwelen) des Torfes destil- lieren Dämpfe und Gase ab, die sich zum Teil verdichten lassen. Aus dem hierbei erhaltenen Teer stellt man Photogen, Solaröl, Paraffin, Schmieröle, Asphalt dar. Diese Substanzen unterscheiden sich wenig von den gleich- namigen Produkten der Braunkohlendestillation. *) Das Dictionnaire de l'Academie giebt folgende Erklärung: „Briquette: Petite masse faite de houille, ou de tourbes. ou de tan qui sert de combustible". Hiernach darf man, obwohl als Briketts zuerst solches Brennmaterial auftrat, demein Bindemittel zugesetzt war, auch Kohlenziegel, Holzkohle und sogar Lohkuchen, dem französischen Sprachgebrauche gemäss, zu den Briketts zählen. Wenn man den Torf wie Steinkohlen in von aussen stark erhitzten Retorten bei gänzlichem Luftabfluss trocken destilliert, so bildet sich unter anderem auch Torf gas, für Heizung sowohl als Beleuchtung. Die obere Lage der Moore bis zu 1 m Tiefe, früher ein lästiger, wegen seines Gehaltes an unzersetzter Pflanzen- faser zum Brennen unbrauchbarer Abraum, wird jetzt an der Luft getrocknet und zu Torfstreu und Torfmull verarbeitet. Die Torfstreu hat als Einstreu in Viehställe für die Landwirtschaft eine' hervorragende Bedeutung erlangt. Der Staub oder Mull, wie er allgemein heisst, wird bei Bereitung der Torfstreu durch Siebwerke von der aus den Zerreissmaschinen kommenden Streumasse getrennt. Die Torfstreu ist ebenso wie der Torfmull ein leider bei weitem nicht gebührend gewürdigtes Desinfektions- mittel. Durch die Aufsaugungsfähigkeit des Materials wird jede Flüssigkeit festgehalten und ein Versickern in den Boden, welcher häufig zufolge der Durchlässig- keit der Senkgruben ein Herd von Miasmen ist, ver- hindert. Die Humussäure des Torfes bindet das Ammoniak. In einigen Städten — in Christiania schon vor dreissig Jahren — ist den Hausbesitzern die Verwendung von Torfabfällen zum Desinfizieren der Gruben durch Polizei- verordnung vorgeschrieben. Möchte doch die in sani- tärer Hinsicht so ausserordentlich wichtige Massregel an vielen Orten Nachahmung finden und auch auf Schulen, Krankenhäuser, Kasernen und andere öffentliche Gebäude ausgedehnt werden! Nr. 18. Naturwissenschaftliche Wachenschrift. 141 Eine rührige und segensreiche Thätigkeit entfaltet der Verein zur Förderung der Moorkultur im Deutschen Keiche, von welchem im Februar d. J. in Berlin eine Ausstellung, die erste dieser Art, veranstaltet wurde. Rittergutsbesitzer Ringau auf Cunrau (Provinz Sachsen) ist der Begründer einer rationellen Niederungs- moorkultur. Nach seinen Feststellungen lässt sich der kalkreiche Moorboden durch Bedecken mit einer Sand- schicht in ein Kulturmedium umwandeln, welches ledig- lich der Zufuhr von Phosphorsäure und Kali bedarf, um hohe Erträge an allen Früchten zu liefern. Als schlechter Wärmeleiter wird der Torfmull zur Ausfüllung der Doppelwände bei Eisschränken benutzt. In jüngster Zeit hat sich die Presse vielfach mit der Beraudine beschäftigt, welche ja die Damenwelt be- sonders- interessieren muss. Tch habe micli mit dem Erfinder direkt in Verbindung gesetzt und noch anderweit Erkundigung eingezogen, bin daher in der Lage, sichere Auskunft zu geben. Die Beraudine ist eine nach dem Erfinder benannte, dem Torf entnommene, präparierte, zum Verweben ge- eignete Pflanzenfaser, zu deren Fabrikation und Aus- nutzung sich in Maastricht (Holland) eine Gesellschaft H. Berauld Fils & Cie. gebildet hat. Den bisher un- benutzten und infolgedessen wertlosen Grundstoff giebt diejenige Faser ab, welche den Torf wie eine Art Füll- haar einschliesst und die entfernt werden muss, bevor man den Torf als Brennmaterial verwenden kann. Das Herstellungs- Verfahren wird geheim gehalten. Die Gesellschaft beabsichtigt, nach und nach in Holland zehn Fabriken zu errichten, und lässt gegen- wärtig zwei grosse Fabriken in Italien und in Russland bauen. Nach dem mir von Berauld Fils & Cie. zugegange- nen Schreiben verkaufen sie die Faser nach fünf ver- schiedenen Nummern. Da der Verlust beim Spinnen ein höchst gering- fügiger ist, so erklärt sich die geradezu verblüffende Billigkeit der Beraudine-Stoffe. Aus den Faser -Abfällen gewinnen Berauld Fils & Cie. einen Kohlenstoff, welcher das weit teurere Bein- schwarz beim Klären des Zuckers in den Zuckerfabriken ersetzt, und ein Oel für die Färbereien. Chemiker haben aus der Beraudine fluorescierende Farben in allen Schattierungen ausgezogen. Bedenken sind gegen die Beraudine als Spinnfaser laut geworden. Der niederösterreichische Gewerbeverein, Abteilung für Textil-Industrie , hat nach Untersuchung der Faser und einiger daraus erzeugter Stoffe ein wissen- schaftliches Gutachten abgegeben. Dasselbe bezeichnet die Beraudine als ein stark von Bitumen durchtränktes, spissiges, sprödes Material von vorwiegend holzigem Charakter und gelangt zu dem Schluss, dass sie nicht berufen sei, eine hervorragende Rolle unter den Spinn- fasern einzunehmen. Dem gegenüber habe ich hervor- zuheben, dass die von Berauld Fils & Cie. mir über- mittelten Proben eines aus Beraudine gewebten Tuchs an Festigkeit nichts zu wünschen übrig lassen und auch gut aussehen. Aus einem Stück gemusterten Tuchs habe ich ein Kleidungsstück anfertigen lassen, das unverwüst- lich zu sein scheint. Auch der an der Königl. landwirtschaftlichen Hoch- schule in Berlin unterrichtende Professor Dr. H. Grüner hegt kein Vertrauen zu der neuen Erfindung. Er schreibt mir u. a.: „Da die Torffaser als Zusatz zur Pappe sich nicht eignet, diese also brüchig macht, so bezweifle ich die erfolgreiche Verwendung. Die von Berauld empfangenen Garne erschienen ziemlich grob und kann ich mir Halt- barkeit nicht versprechen." Das freundliche Entgegenkommen der Aktiengesell- schaft für Torfstreu-Fabrikation vorm. Fedor Wolff & Co. in Bremen hat mich in den Stand gesetzt, den ganzen Entwicklungsprozess des Garnes aus der Torffaser zu überblicken. Das vor mir ausgebreitete Bündel roher, der Torfstreu entnommener Fasern erinnert an einen zerzausten Lockenkopf, dessen ausgetrocknetes Haar jede Geschmeidigkeit eingebüsst hat. Das mir von der Ge- sellschaft zugegangene gefärbte, mit Wolle versetzte Garn ist ebenfalls recht massiv. Aus dieser „Grobheit" lässt sich doch aber nicht auf mangelhafte Haltbarkeit, sondern nur auf Derbheit des Gewebes ein Schluss ziehen. Mag sein, dass die Beraudine es mit anderen Spinn- fasern, namentlich mit der Baumwolle und Jute, in Bezug auf Qualität nicht aufnehmen kann. Selbst wenn alles, was Berauld Fils & Cie. mir von den feinen torfge-' borenen Damenkleidern erzählen, in das Reich der Fabel gehören, selbst wenn nur gröbere Waare aus dem Neuling emporspriessen sollte, will es mich bedünken, dass die Beraudine auch als Spinnfaser für torfreiche Gegenden eine erhebliche Bedeutung erlangen wird. Der niedrige Preis dürfte ihr die Unterstützung des Unbemittelten und in vielen Fällen die Ueberlegenheit sichern. Speziell für Holland, dessen Torfmoore nicht weniger als 216000 fm Oberfläche einnehmen, ist es doch wahrlich in volks- wirtschaftlicher Hinsicht von grosser Tragweite, dass durch die Ausnutzung des Berauld' sehen Verfahrens der Wert der Torfländereien eine namhafte Steigerung erfährt. Auf der Berliner Ausstellung erregten Man- schettenknöpfe, Eierbecher, Cigarrenspitzen, Kegelspiele, Dosen, Thermometersäulen, Bilderrahmen, Briefbeschwerer, Dolche und Messer aus Torfmasse, sowie in Torf ge- stochene Wappen begreifliches Aufsehen. Das Material ist Presstorf vom Torfwerk Kolbermoor in Oberbayern, welchen der Verwalter Schill durch eigenartige Be- handlung in eine harte, feste Masse verkehrt. Die Hand des Drechslers oder Bildhauers verleiht die Gestalt. Apotheker Herold in Rosenheim hat ein Verfahren erfunden, aus Moorschlamm und zwei ihr Inkognito ge- wissenhaft wahrenden Helfershelfern allerlei ebenholz- schwarze Geräte hervorzuzaubern. Allerdings nicht wie beim Tischchen-decke-dich. Der Schlamm bedarf mehrerer 142 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 18. Wochen zum allmählichen Trocknen unter beständiger Luftzuführung. Die von Herrn Herold für mich be- sonders angefertigten und mir zugeschickten Nippsachen aus Eburit — so hat er das Präparat getauft — sehen den schwarzlackierten Papiermache-Artikeln von Gebr. Adt in Farbach täuschend ähnlich. Gegenwärtig handelt es sich um wenig mehr als eine Spielerei. Wer wollte bestreiten, dass hier ein Boden sich darbietet, worin ein neuer Industriezweig zu ge- deihen vermag? Zu den in Torflagern auftretenden Mineralien ge- hört der Fichtelit, ein Kohlenwasserstoff. Das Mineral findet sich amorph im Kolbcrmoor an den Stöcken der sogenannten Mooskiefer. Apotheker Herold lässt die formlosen Stücke zu zarten, weissen Krystallen zusammen- wachsen. Mehr und mehr in Aufnahme kommen die Moor- bäder gegen Rheumatismus. Auf den Hochebenen von Schottland bauen sich die Bauern Hütten von Torf. Auf Schonen werden Dächer mit Beihilfe von Rohr und Schilf mit Torf gedeckt. In Norwegen wird bei der Erbauung von Dämmen der Raum zwischen zwei Mauern mit Torfziegeln ausgefüllt. Kleinere Mitteilungen. Physiologische Wirkung des Methans und seiner Chlorderivate. — Interessante Versuche über die physiologische Wirkung des Methans, der Grundsubstanz des Chloroforms, teilt Herter mit (Ber. d. d. ehem. Ges. XXI, Ref. 304). Ein Gemisch von ca. 21% Sauerstoff und 79% reinem Methan wurde in kon- tinuierlichem Strom durch eine Glasglocke geleitet, unter welche ein Kaninchen gebracht war. Das Tier verhielt sich darin nicht anders als in atmosphärischer Luft und hatte auch nicht an üblen Nach- wirkungen zu leiden. Eingehende Versuche von Pouritz erwiesen, dass durch die Einatmung von Methan weder die Atmung noch Sauerstoffaufnahme, noch der Blutdruck beeinflusst wird. Zu dem- selben Resultat führen Versuche, welche von J. Regnault und E. Villejean (Bull. g6n. de the>. 55) an Meerschweinen, Mäusen und Vögeln angestellt wurden. Das Methan ist daher als ein völlig indifferentes Glas anzusehen. Ganz anders verhalten sich die gechlorten Methane; sie üben sämtlich eine anästhesierende Wirkung aus. Der Luft als Dampf beigemischt, ruft Methylchlorid, CH 3 Ol, eine zwei bis drei Minuten andauernde, Methylchlorid, CH 2 Cl 2 , eine vollkommene Anästhesie hervor. Die Wirkung des Chloroforms, CH Cl 3 , ist allbekannt. Tetrachlorkohlenstoff, CC1 4 , endlich wirkt wie Methylenchlorid, aber ungleich gefährlicher, da er leicht Herz- lähmung erzeugt. Dr. M. B. Parasiten in Hühnereiern. — Es mag wohl Manchem ein unbehagliches Geführ erregen, dass selbst in Hühnereiern Parasiten und zwar aus der Klasse der Würmer gefunden werden. Ein Trost ist es jedoch, dass dies nur in äusserst seltenen Fällen vorkommt. Im „American Naturalist". Januarheft 1888, findet sich eine Notiz von Edw. Linton (aus Proceedings U. S. Nat Mus. 1887) über das Vorkommen von Distomum ovatum im Weissen eines Hühnereies. Der Wurm hält sich gewöhnlich in der Bursa Fabricii auf, jenem eigentümlichen Drüsensack an der Hinterwand der Kloake. Durch Zufall kann gelegentlich ein Individuum in die Kloake kommen und von hier aus in den Eileiter dringen. Wandert er in diesem auf- wärts, so ist es wohl möglich, dass er mit einem Eidotter gleich- zeitig von dem in besonderen Drüsen gebildeten Eiweiss umhüllt wird und, nachdem das Ei eine Schale erhalten, in dem fertigen Ei eingeschlossen bleibt. Ueber einen anderen Parasiten, einen Fadenwurm, Heterakis inflexa Rud., berichtet Prof. Mübius in den Schriften des natur- wissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein, Bd. VII, Heft 1. Das Tier wurde lebend im Eiweiss eines frischen Hühnereies gefunden. Es war ein Weibchen der erwähnten Species, welche im Darm ver- schiedener Vögel z. B. des Haushuhns, des Truthuhns, der Ente gefunden wird. Auch diese Art gelangt in das Ei, indem sie zu- nächst vom Darm in die Kloake wandert und dann von hier in den Eileiter dringt. Das vorliegende Exemplar hatte eine Länge von 84 mm bei einer Breite von 1,4 mm in der Mitte des fadenförmigen, nach dem Kopf- und dem Schwanzende etwas verjüngten Körpers. Dr. E. S. Die Flora der ägyptisch-arabischen Wüste ist von Dr. Georg Volke ns untersucht worden; wir greifen aus seinen Mit- teilungen in den Berliner Akademie-Schriften einzelnes heraus, wohl geeignet, einen weiteren Kreis zu interessieren. Der Wechsel der Jahreszeiten zeigt im Ganzen in Beziehung zur Vegetation nur einen Gegensatz zwischen der Regenzeit, die zu- meist in den Februar und März fällt, und der ganzen übrigen trockenen Periode des Jahres. Eine Besonderheit der Wüstenflora, welche in direkter Beziehung zum Klima steht, zeigt sich darin, dass die ein- zelnen Arten sich nicht in so bestimmter Weise wie die unserigen in ein-, zwei- und mehrjährige gliedern lassen,, da manche Arten in der Mehrzahl der Fälle zwar nach der Blüten- und Fruchtreife völlig absterben, jedoch, wenn ihre Wurzeln tief genug in den Boden gedrungen sind, unterirdisch dadurch überdauern, dass sie kurze und zunächst unentwickelt verbleibende Sprösschen treiben, welche die ganze trockene Zeit hindurch ruhen und erst bei Befeuchtung des Bodens schnell hervorwachsen. Besondere Eigentümlichkeiten im Bau werden bei den Wüsten- pflanzen vermisst, deren Dauer auf die Regenzeit beschränkt ist; ebenso verhalten sich die Zwiebelgewächse. Jedoch besitzen die anderen Gewächse besondere Mittel, um des für das Leben so notwendigen Wassers, namentlich durch Absorption des Boden- wassers seitens der Wurzeln habhaft zu werden. Sie thun dies, indem sie ungemein lange, senkrecht in den Boden bis zum Grund- wasser hinabsteigende Wurzeln entwickeln, die um das 20fache an Länge die oberirdischen Teile übertreffen können. Fand man doch bei Gelegenheit der Ausgrabung des Suezkanals auf dessen Sohle Wurzeln, die zu hoch oben auf seitwärts gelegenen Höhen wachsen- den Bäumen gehörten. Manche Erodien besitzen Wurzelknollen, die gegen Verdunstung durch einen starken, vielschichtigen Kork- mantel geschützt sind und Speicherorgane für Wasser darstellen. Was die Absorption von Luftfeuchtigkeit und Tau seitens oberirdischer Organe anbetrifft, so kann diese durch einen hygros- kopischen Salzkörper, der von Blattdrüsen ausgeschieden wird, be- wirkt werden, so dass z. B. Reaumuria hirtella sich durch eine während und unmittelbar nach der Regenzeit erfolgende Ausschei- dung eines . solchen Salzes die Möglichkeit schafft , in der folgenden langen Periode der Dürre die in der Atmosphäre dampfförmig vor- handene Feuchtigkeit tropfbar flüssig niederzuschlagen und mit Hilfe der oberirdischen Organe für ihr Fortbestehen zu verwerten. Eine andere Gruppe von Arten nimmt den Tau direkt durch die ober- irdischen Organe in das Innere auf, indem z. B. Haare die Tau- tropfen auffangen und nach Stellen der Oberhaut führen, die für Wasser besonders durchlässig sind. Ebenso funktionieren zarte fadenförmige Wurzeln, die nach jedem stärkeren Taufall, nach dem geringsten Regenschauer zahlreich in kürzester Zeit an die Ober- fläche kommen, um die geringe Feuchtigkeitsmenge aufzunehmen, und schnell wieder verschwinden. Ein Schutzmittel gegen übermässige Verdunstung wird sehr oft durch verhältnismässige Herabminderung der Verdunstungsfläche geboten. Wachsbedeckungen, stark cuticularisierte Aussenwandungen dienen dem gleichen Zweck. Bei zahlreichen Arten sind die Epi- dermis-Lumina mit Celluloseschleim erfüllt, der einmal aufgenom- menes Wasser mit grosser Kraft festzuhalten vermag. Auch Gerb- stoffinhalt hat wolü dieselbe Bedeutung. Zuweilen zeigen sich die oberirdischen Organe von einem dichten Haarfilz bekleidet, der wohl geeignet ist, die Verdunstung herabzudrücken; ausserdem hält ein Filz am besten von allen Apparaten, ohne hygroskopisch zu sein, geringe Mengen auftropfenden Wassers fest. Häufig scheiden ge- wisse Drüsen unter dem Filz ätherische Oele aus, und dies bietet insofern einen Vorteil, als eine mit den Dünsten eines solchen Oeles geschwängerte Luftschicht die strahlende Wärme vreit weniger durch- lässt als reine Luft. Der Spaltöffnungsapparat liegt immer beson- ders geschützt, und das Gewirr feiner mäandrischer Intercellularen bei Gramineen befreit die aus dem Innern kommenden Gase mög- lichst von dem Wasserdampf. Die ohnehin als Speieherorgan für Wasser bei den Pflanzen überhaupt aufzufassende Epidermis ist dieser Funktion bei den Wüsten- pflanzen besonders angepasst. Nicht selten finden sich im Innern der Organe besondere Wasserspeicher-Gewebe. H. P. Nr: 18. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 143 Fragen und Antworten. Warum gebrauchen die Mitarbeiter der „N. W." in der Benennung der Tiere und Pflanzen nicht stets deutsche Namen; die Anwendung von Namen aus dem Lateinischen und Griechischen macht doch wohl eine weitgehende Kenntnis dieser beiden Sprachen notwendig? Wir antworten auf diese Frage mit den Worten aus einem in der Täglichen Rundschau vom 26. Februar 1888 erschienenen Auf- satze Carus Stern e's „Vom Standesamte der Natur". Carus Sterne sagt: Nachdem die lateinische Sprache in unserer Zeit aufgehört hat, zur notwendigen Ausrüstung des Gebildeten zu gehören, haben die Einen behauptet, auch die lateinischen Namen der Naturdinge müssten nunmehr abgeschaut und für uns durch deutsche ersetzt werden, ■während andere wieder aus der Unentbehrliehkeit der lateinischen Namen die unbedingte Notwendigkeit des lateinischen Unterrichtes für jedermann beweisen wollten. Beide Anforderungen sind aber gleich unberechtigt, denn man bedarf notwendig für jedes Natur- wesen eines von allen Volkern anzuerkennenden internationalen Doppelnamens, dem der erste Beschreiber seinen eigenen Namen ! meist in Abkürzung z. 13. L. für Linne) mit genauem Steckbrief Diagnose) hinzufügt, damit es immer wieder darnach erkannt werden kann, und welche andere Sprache als die lateinische könnte dazu gewählt werden? Etwa Volapük'? Das wäre überflüssig, weil diese Namen, wie wir gleich sehen werden, gewissermassen die älteste Form des Volapük darstellen; lateinisch ist an den meisten von ihnen überhaupt nur die Endung. Aber diese Einhüllung in eine tote, starre, unveränderliche Sprache hat den Vorteil, sie selbst unantast- bar zu machen. Der Vorschlag, den man öfter gemacht, an ihre Stelle die oft hochpoetischen und sinnigen Volksnamen zu setzen, ist schon darum nicht ausführbar, weil diese Volksnamen nach Zeit, Land und Ort fortwährend wechseln, daher keinerlei Sicherheit und Beständigkeit darbieten. Unter Butterblumen versteht man in sechs preussischen Provinzen ebensoviele grundverschiedene Dinge, die Pfingstrose hat mit der Weihnachtsrose und eigentlichen Rose, das Gelbveilchen mit dem Mondveilchen oder dem blauen Veilchen gar nichts zu thun. Lateinisch zu lernen, um Tier- und rflanzennamen zu ver- stehen, wäre verlorene Liebesmüh, denn die meisten der sogenannten lateinischen Pflanzen- und Tiernamen entstammen in ihrem ersten Teile dem Griechischen, nur der zweite eder Artnamen ist meist •wirklich lateinisch. Aber wenn man auch Griechisch und Latein be- herrscht, ist damit nicht viel gewonnen, denn ein sehr ansehnlicher Teil der wissenschaftlichen Namen entspringt nicht den klassischen, sondern den barbarischen Sprachen, bis auf die gurgelnden und schnalzenden Sprachen der Wilden herab. Wie der Mensch ihres Vaterlandes sie nannte, so hat man es bei unzähligen Pflanzen und Tieren, auch in den wissenschaftlichen Namen, aufgenommen. Wenn wir z. B. auf unsere Zierpflanzen einen flüchtigen Blick werten, so ■werden wir finden, dass sogar in Europa wildwachsende Pflanzen, wie Tulpen, Traubenhyazinthen, Gemswurz und Stechapfel, barba- rische Namen empfangen haben: Tulipa stammt aus dem Türkischen, Museari, Doronieum, Jasminum und Datura aus dem Arabischen. Gingko, Akebia und Kadsura sind Pflanzennamen japanischen Ur- sprungs, Araucaria, Dammara, Inga. Ptija, Tacsonia. Tecoraa und Yucca den amerikanischen Ursprachen entlehnt, und bei den Heil- pflanzen würde man noch viel mehr solcher aus barbarischen Sprachen stammenden Namen antreffen; ganz ebenso verhält es sich aber mit den Tiernamen. Manche andere „lateinische" Pflanzennamen, wie Beccabunga, Bovista, Prunella u. a. sind in ihrem Ursprünge sogar deutsch. Bedenkt man ferner, dass ein sehr grosser Anteil, vielleicht ein Drittel der naturwissenschaftlichen Namen aus latinisierten Personennamen besteht, eine beträchtliche Anzahl heute überhaupt nicht mehr enträtselbar ist, so ergiebt sich leicht, wie vergeblich es wäre, Latein zu lernen, um die wissenschaftlichen Namen zu verstehen. Namen sind da, um gerufen zu werden, oder um Personen und Dinge damit zu bezeichnen, nicht aber, um zergliedert und ver- standen zu werden. Wenn Eltern ihre Kinder Friedrich, Hans und Grete taufen lassen, so wird ihnen wenig daran liegen, zu wissen, dass nur ersterer Name deutschen Ursprungs, der zweite hebräischer und der dritte griechischer Herkunft ist, oder was ihr Sinn wäre. Im Gegenteil ist das Wortableiten eine für Ungelehrte höchst be- denkliche Leidenschaft, weil dazu nicht allein Sprach-, sondern auch Sachkenntnis gehört. Von hundert Sprachkundigen werden vielleicht neunundneunzig den Namen der Bergamottbirne auf die Stadt Bergamo in Ober-Italien, oder gar auf Pergamon zurückführen, bis der hundertste, allein wohlberatene kommt und uns sagt, es sei ein türkisches Wort (heg armödi) und bedeute „Herr der Birnen". Litteratur. W. von Beetz: Leitfaden der Physik. 9. Auflage, nach Leipzig 1888, Th. Grieben 's Verlag (L. Fern au). 8°. 354 S. Preis brochiert 3,60 JC. Nach dem am 22. Januar 1886 erfolgten Tode des Dr. W. von Beetz, weil. Professor der Physik an der Technischen Hoch- schule zu München, hat Professor Henrici die Bearbeitung und Herausgabe der 9. Auflage des „Leitfadens der Physik" übernommen, der sich in seinen ersten 8 Auflagen eines guten Rufes erfreute und mit der „grüssten Bündigkeit des Ausdrucks" eine ausserordentliche Fülle physikalischer Thatsachen zusammenfasste. Auch die jetzt vorliegende Bearbeitung gewährt in gedrängter Kürze einen Ueber- blick über die hauptsächlichsten Errungenschaften der Physik Bei der Reichhaltigkeit sind die Erklärungen allerdings bisweilen etwas zu kurz geraten, so z. B. beim Radiometer S. 308 u. a., aber man muss im Auge behalten, dass man einen „Leitfaden" und kein aus- führliches Lehrbuch vor sich hat. Als einen Vorzug der jetzigen Bearbeitung mochten wir hervorheben, dass in dieselbe die Zusätze der letzten Auflagen in den übrigen Stoff verflochten worden sind, wodurch eine grössere Einheitlichkeit erreicht worden ist; es betrifft dies besonders die Einführung des absoluten Masssystems und die Erklärung elektrischer Erscheinungen durch den Begriff des Potentials. Wie der Wortlaut kurz und treffend ist, so sind auch die 339 Holzschnitte in einfachen Linien und schematisch gehalten; so vortreffliche Abbildungen, wie sie z. B. das bekannte Lehrbuch der Physik von Müller-Pfaundler enthält, kann man natürlich nicht erwarten. Dennoch sind die gegebenen Figuren im allgemeinen zweckentsprechend. Jedenfalls durfte kaum ein zweites Werk dieser Art von gleicher Reichhaltigkeit bei solcher Kürze und einem so massigen Preise vorhanden sein. Die Gliederung des Stoffes er- giebt sich am besten aus der folgenden Einteilung: Einleitung: Körper und Kräfte im allgemeinen. I. Abschnitt: Von den Kräften, welche auf die ganzen Körper wirken. II. Abschnitt: Von den Kräften, welche auf die Molekel wirken. III. Abschnitt: Von der Wärme. IV. Abschnitt: Von dem Magnetismus und der Elektricität. V. Abschnitt: Wellenlehre. VI Abschnitt: Vom Schalle. VII. Abschnitt: Vom Lichte. Wenn wir für die 10. Auflage einen Wunsch äussern dürften, so würde derselbe die Aufnahme eines historisch oder alphabetisch geordneten Verzeichnisses derjenigen Forscher, welche fördernd auf die Entwickelang der Physik eingewirkt haben, und der wichtigsten Entdeckungen derselben betreffen. Wir sind überzeugt, dass vielen damit ein angenehmer Dienst erwiesen werden würde. A. Gutzmer. Grünfeldt, Die Zimmergymnastik. Ihr Wesen, ihre Bedeutung und Anwendung. (64 S. m. Blustr.) — Medizinische Hausbücher. 35 Bd, 8°. Preis 1 JC. Martin Hampel in Berlin. Handwörterbuch der Zoologie, Anthropologie und Ethnologie. Herausgegeben v. A. Reichenow. 5. Bd. gr. 8 0- (640 S.) Preis 16 JC. Eduard Trewendt in Breslau. Hettner, A., Reisen in den columbianischen Anden, gr. 8°. iX. 398 S. m. 1 Karte.) Preis 8 JC. Duncker & Humblot in Leipzig. Hofmeier, M., Grundriss der gynaekologischen Operationen, gr. 8°. (X, 352 S. m. Dlnstr.) Preis ü JC. Franz Deuticke, Verlag in Wien. Holzapfel, ~E.,- Die Mollusken der Aachener Kreide. 1. Abteil. Cepbalopoda und GHossophora. (Sep.-Abdr.) gr. 4°. (IV, 150 S. m. 18 Taf.) Preis 40 JC. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchh. in Stuttgart. Hutchinson, J., Syphilis. Deutsche Ausg.. bearb. und durch Erläuterungen und Zusätze vermehrt v. A. Kollmann. 8°. (XV, 606 S. m. •'! Taf.) Preis geb. 9 JC. Arnoldische Buchhandlung in Leipzig. Igel, B , lieber einige algebraische Heciproritäts-Sätze. (Sep.-Abdr.) 4°. (20 S.) Li Komm. Preis 1 JC. G. Freytag in Leipzig. Jacob, J., lieber simulwte Augenkrankheiten, gr. 8°. (29 S.) Preis 1 Je. Lipsius und Tischer in Kiel. Flassmann, J., Beobachtungen veränderlicher Sterne, angestellt in den Jahren 1881 — 1888. Beilage zum Jahresbericht der math.- physik.-chem. Sektion des Westf. Provinzial -Vereins für Wissen- schaft u. Kunst. Münster i. W. 1888. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. «erlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". 144 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 18. Inserate namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. fl^~ Bemerkung für die Leser: Für den Inhalt der Inserate sind wir nicht verantwortlich. -&& ermann Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 226 empfiehlt sich zur Besorgung von naturwissenschaft- lichen "Werken und Zeitschriften. *•< Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. 5» Behufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Band I (Okt. 1887— März 1888) unseres Blattes' liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (in Briefmarken) fran-j ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von Jt 2,10, (in Briefmarken.) — Einzelne Nummern kosten 25 -j. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrieh- Strasse 226. MEYERS Über 100 Bildertafeln, Kartenbeilagen etc. Soeben erscheint in Groß -Lexikon- Format und deutscher Schrift: HAND LEXIKON Vierte, gänzlich umge- arbeitete Auflage. Gibt in mehr als 70,000 Artikeln Auskunft Über jede, Gegenstand der menschlichen Kenntnis und auf jede Fra^e nach einem Namen, Begriff, Fremdwort, Ereignis, Datum, einer Zahl oder Thatsache augenblicklichen Bescheid. I Verlag Jes Biblio- graph. Instituts in Leipzig. Wilh. 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Berlin SW. 48, Friedrichstrasse 226. s: = ^oimläre (Seotogie. = A Sn nemeinüerfiänMidjer Sarftetfunti unb fünftterifd}« 2lu§; ftattuna, firf) an „SBrehmS Sierieben" anfajliejsenb, erfaßten: §rbgefd)tdjf' worden ist und ferner bleibt die häufig zu beobachtende narbig-grubige Oberflächenbeschaffenheit der Dreikanter und das Auftreten von warzigen Hervorragungen bei der angenommenen gegenseitigen Absclileifung durch bewegtes Wasser völlig unerklärt. Auch Fontannes glaubte im Gegensatz zu der schon früher ausgesprochenen Flugsandtheorie die an Gerollen in Sand- und Geröllablagerungen auf den Abhängen der Hügel im Rhonetal zwischen Lyon und dem Mittelmeer beobachtete Kantenbildung nicht auf eine Wirkung des Windes, sondern vielmehr des strömenden Wassers zurück- führen zu müssen. Demgegenüber hebt jedoch De Lap- parent mit Recht hervor, dass die Einwendungen Fon- tannes, sich zum grössten Teile nur dagegen richten, dass die Schliftflächen an den Gerollen sich unter den gegen- wärtigen Verhältnissen durch Wind dort nicht mehr bilden können, dass dagegen dem nichts entgegensteht, in einer früheren geologischen Periode im Rhonetal wüsten- artige Verhältnisse anzunehmen, während welcher die Gerolle durch Flugsand angeschliffen worden seien. Keilhack berichtet, dass er auf seiner Reise durch Island (1883) in den recenten Moränen Pyramidal- geschiebe gesehen habe, von denen einzelne an der Gletscherstirn auf dem Eise selbst lagen. Aus ihrem Vorkommen in der Moräne schliesst er, dass sie echte Gletscherbildungen sein müssten. Da nur die härtesten Gesteine (Dolerite und Basalte) sich dort in der Form von Pyramidalgeschieben finden, so meint er, dass die erste Veranlassung zu ihrer Bildung dadurch gegeben sei, dass bei der Zertrümmerung dieser Gesteine Bruch- stücke mit mehreren annähernd ebenen Flächen entstanden, die dann nachher bei dem Eistransporte eine weitere Abarbeitung und scharfkantige Zuschleifung erhalten hätten. De Geer hat darauf aufmerksam gemacht, dass Keilhack gleich nach der Beschreibung der Pyramidal- geschiebe die Wirkungen heftiger Stürme in den dem ausschlämmenden Einflüsse der Gletscherwasser entzogenen kahlen Geschiebesandflächen schildert. Nach De Geer 's Annahme, der auch ich mich anschliesse, sind die Drei- kanter, welche bisher und doch nur immer in verhältnis- mässig seltenen Fällen in Moränen beobachtet sind, im Vorlande des Gletschers gebildet und nachher beim Vor- rücken des letzteren in die Grundmoräne aufgenommen. In entschiedenem Widerspruch mit den thatsächlichen Beobachtungen im sächsischen Eibgebiete steht die der Keilhack 1 sehen Auffassung sehr ähnliche Ansicht Dr. F. Theile's, nach welcher die Dreikanter unter dem Drucke der Gletscher in der Grundmoräne ent- standen seien. Sie finden sich nämlich dort vorzugsweise an der Oberfläche sandiger Bildungen und sind hinsichtlich ihrer Gestalt von den kantengerundeten, häufig geschliffenen und gekritzten Geschieben des als Grundmoräne aufzufassenden Geschiebemergels sehr scharf zu unterscheiden. (Siehe die Abbildung in dieser Zeit- schrift 1888, Nr. 1, S. 5.) Leider waren die bereits im Jahre 1869 von Tra- vers gegebenen Mitteilungen über die Bildung sand- geschliffener Steine in dem Dünengebiet an der Evans- Bay auf Neu-Seeland,*) welche einen Fingerzeig für die Bildung der Dreikanter hätten geben können, den meisten deutschen Geologen unbekannt geblieben. Dasselbe war der Fall mit den von Enys 1878 in demselben Gebiete angestellten Untersuchungen, durch welche die Entstehung kantiger Gerolle durch die abschleifende Wirkung des vom Winde getriebenen Dünensandes zweifellos fest- gestellt wurde. Unter den norddeutschen Geologen gebührt Gott- sche das Verdienst, die Bildung der Pyramidal-Geschiebe zuerst auf dieselbe Ursache zurückgeführt zu haben. In seiner Schrift über „Die Sedimentär-Geschiebe der Pro- vinz Schleswig-Holstein. Yokohama 1883" findet sich die nachstehende wichtige Bemerkung: „Die sogenannten pyramidalen Geschiebe, welche im Gebiete des Decksandes häufig auftreten, können dennoch weder für diese noch für eine andere Schicht des Diluviums als charakteristisch gelten. Sie finden sich vielmehr überall, wo lockere Sande und Kiese der Einwirkung des Windes unterliegen (besonders schön auf grossen Haiden, wo die Hauptschiff- flächen dann stets in derselben Weise nach der Haupt- windrichtung orientiert sind) und müssen daher als „sand- cuttings", als Produkt der vereinigten Wind- und Sand- erosion betrachtet werden." *) Man hatte ebenso wie in Europa die dort aufgefundenen Kantengerölle anfangs für (von den Maoris gefertigte) Kunstprodukte | gehalten. Nr. 19. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 147 Der schon erwähnte schwedische Geologe De Geer, welcher bei einem Besuche Gottsche's in Kiel 1880 dessen Ansicht über die Bildung der Dreikanter kennen lernte, konnte bereits im Jahre 1883 der geologischen Gesellschaft in Stockholm einige windgeschliffene Steine vorlegen, die er in Flugsandgebieten Schönens aufgefunden hatte. Von besonderer 'Wichtigkeit war jedoch eine von ihm im Jahre 1885 entdeckte Lokalität 9 Jim westsüd- westlich von Kristianstad , woselbst am Fusse einer in nordwestlicher Richtung sich erstreckenden Düne an der Erdoberfläche eine Menge Gerolle lagen, die durch Fort- wehung des Sandes daselbst angereichert zu sein schienen. Dieselben sassen fest in der Grasnarbe und nur ihr über die Erdoberfläche hervorragender Teil war wind- geschliffen und glänzend. Die meisten dieser Steine be- sassen nur eine deutlich ausgeprägte Kante, deren mittlere mit dem Compass bestimmte Richtung N22°"\V ergab. Durch besonders günstige Terrainverhältnisse ist dieses Gebiet derartig geschützt, dass nur die Winde der daselbst herrschenden mittleren Windrichtung (S35oWi dasselbe ungehindert bestreichen können. Da nun die mittlere Windrichtung ungefähr senkrecht auf der mitt- leren Richtung der Kanten steht, so folgerte De Geer, dass letztere der abschleifenden Wirkung des vom Süd- west wehenden Windes ihre Entstehung verdanken. Ein von ihm im Verein mit H. Lundbohm an einem Sandgebläse ausgeführter Versuch zeigte ausserdem, dass die frische Bruchfläche eines Quarzitsandsteins schon nach 15 Minuten langer Einwirkung die für die Drei- kanter so charakteristische schwachgrubige Politur annahm. Durch Wind geglättete Gerolle waren auch von dem schwedischen Geologen G. Holm auf seiner geologischen Reise, durch Estland in dem Flugsandgebiet bei Nömme unweit Reval 1884 aufgefunden worden, den Nachweis wirklicher Kantengerölle daselbst verdanken wir jedoch erst dem Ingenieur A. Mickwitz in Reval. Ueber die Entdeckung des letzteren gab zuerst der Akademiker Friedrich Schmidt — St. Petersburg im Neuen Jahr- buche für Mineralogie und Geologie (1885. Bd. IT. S. 177 i eine kurze Mitteilung, an welche sich 18S6 ein sehr interessanter Aufsatz von Mickwitz selbst anschloss. Derselbe trägt die Aufschrift: „Die Dreikanter, ein Produkt des Flugsandschliffes, eine Entgegnung auf die von Herrn G. Berendt aufgestellte Packungstheorie." Auf meiner geologischen Reise durch die russischen Ostseeprovinzen im Frühjahr 1887 hatte Herr Mick- witz die Freundlichkeit, mich zu jenem Fundort zu führen und ich konnte mich an Ort uud Stelle von der Richtig- keit seiner sorgfältigen Beobachtungen überzeugen. Zwei von mir daselbst entnommene Dreikanter sind in der beigegebenen Abbildung an zweiter und dritter Stelle zur Darstellung gebracht. Das eine Gerolle ist von einem kleinen Quarzgange durchzogen, welcher der Ab- schleifung grösseren Widerstand entgegengesetzte, als das übrige Gesteinmaterial, sodass er nun als eine schmale leistenförmige Erhebung aus demselben hervortritt. Die an der Reval-Baltischporter Eisenbahn gelegenen blauen Berge bestehen aus einem Geröll-führenden Diluvialsande. Die im Sande selbst liegenden Gerolle, welche in den Aufschlüssen unmittelbar an dem Bahnstrange beobachtet werden können, zeigen keine Spur von Kantenbildung oder Glättung. An der Oberfläche dieses Diluvialsandes finden sich jedoch an einer Stelle, an welcher der feine Sand durch den Wind fortgeweht ist, zahlreiche Gerolle, welche nur an dem aus dem Boden herausragenden Teile geschliffen sind und alle Uebergänge der Kantenbildung bis zur echten Dreikanterform zeigen. A r ielfach treten warzenförmige Erhebungen und grubige Vertiefungen auf den Schliffflächen hervor. Die mit dem Kompass ge- messene Lage der Kanten ergab, dass sie mit grosser Regelmässigkeit nach drei mittleren Richtungen, nämlich N, S60°O und S50°W orientiert sind, ein Umstand, der Mickwitz veranlasste, die Kantenbildung auf drei herrschende Windrichtungen, welche senkrecht gegen die Richtung der Kanten wirkten, zurückzuführen. In dieser Hinsicht stimme ich nicht mit ihm überein, da nach meiner Auflassung nur zwei herrschende Windrichtungen erforderlich sind, um als Durchschnittselemente der ge- bildeten Ebenen drei scharfe Kanten hervorzurufen. Jm Jahre 1885 sprach sich auch Professor A. G. Nathorst in Stockholm entschieden für die Entstehung der Dreikanter durch Winderosion aus, indem er die Berendt' sehe Packungstheorie durch schlagende Gründe zu widerlegen suchte. Von besonderer Bedeutung jedoch war seine Mitteilung über das Vorkommen echter Pyramidalgerölle in dem cambrischen Eophyton- sandstein von Lugnäs. Unter der Voraussetzung, dass sich Dreikanter nur durch die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes bilden können, lässt sich aus diesem Vorkommen der wichtige Schluss ableiten, dass während der cambrischen Periode dort bereits ein Fest- land vorhanden war. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Entstehungsort der cambrischen Pyramidalgerölle einen mit Dünen besetzten Strand bildete, welcher zeit- weilig vom Meere überflutet wurde, so dass auf diese Weise die Dreikanter in Sehlamm eingebettet und er- halten werden konnten. Nathorst hebt hervor, dass die von ihm beschriebenen Pyramidalsteine meist auf beiden Seiten Schliffflächen zeigen und mithin den sogenannten Doppeldreikantern entsprechen, wie sie auch bisweilen im norddeutschen Flachlande beobachtet worden sind. Es lässt sich diese Erscheinung am besten auf folgende Weise erklären. Durch den Wind wurde der Sand in gewissen Fällen soweit vor dem bereits gebildeten Drei- kanter weggeblasen, bis der Schwerpunkt desselben nicht mehr senkrecht über dem Unterstützungspunkte lag. Die Folge davon war, dass das Gerolle umschlug und nun auf der unteren Seite zum Dreikanter zugeschliffen werden konnte. Wie so häufig, wenn eist einmal die Aufmerk- samkeit auf einen Gegenstand gelenkt worden ist, 148 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 19. sich in schnelles Aufeinanderfolge die Beweise für die Richtigkeit einer Auffassung mehren, so auch hier. In der Februarsitzung 1887 konnte ich der deut- schen geologischen Gesellschaft eine Anzahl von Pyra- midalgeschieben aus dem oberen Geschiebesande der Gegend von Rathenow vorlegen, deren Lagerung (nur der aus dem Sande hervorragende Teil zeigte die Ab- schleifung) und Gestalt unzweifelhaft auf Windwirkung hinzudeuten schien. Das an erster Stelle abgebildete Kantengerölle stammt aus diesem Gebiet. Hieran an- schliessend besprach Professor Dam es ein sehr be- merkenswertes Vorkommen von Kantengeschieben, bei welchem die Wirkung von Sand, der durch Wind daran getrieben ist, nach seiner Auffassung die allein annehm- bare Erklärungsweise darstellt. Unter dem Senon-Sand- stein-Felsen des Regensteins am Harz befindet sich nämlich ein früher fast völlig vegetationsloses, jetzt mit Nadelholzschonungen bestandenes Gebiet von lockerem weissen Sand, auf dessen Oberfläche mehr oder minder dicht Diluvial-Gerölle von weitaus grösstenteils Harz- Gesteinen liegen. Dieselben sind fast ausnahmslos Kantengeschiebe und zwar zeigen sie die Kanten nur auf dem aus dem Sande herausragenden Teile. In vielen Fällen liess sich beobachten, dass die nach Süden gewen- deten Seiten der Steine nicht angeschliffen waren, weil sie hier durch den steilen Nordabfall des Regensteins vor der Einwirkung südlicher Winde geschützt sind. Zu erwähnen ist noch eine wichtige Mitteilung über die Entstehung von Kantengeröllen in der Galalawüste, welche Dr. J. Walther — Jena der königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig im November 1887 machte. Auf seiner Reise durch die sogenannte arabische Wüste zwischen Nil und Rotem Meer hatte er mehrere mit Gerölllagern erfüllte Täler beobachtet, die auf einen früher weit grösseren Wasserreichtum dieses Gebietes hindeuteten. An der Oberfläche der älteren Fussablage- rungen nun, in welche das heutige Rinnsal etwas einge- schnitten war, zeigten sich zahlreiche Gerolle, welche, soweit sie aus der Erde herausschauten, jenen speckigen Glanz besassen, welchen das Sandgebläse der Chamsin- stürme fast allen Gesteinen der Wüste giebt. Unter ihnen befanden sich alle möglichen Uebergänge von völ- lig runden Flächen zu kaum bemerkbaren Kanten und endlich bis zu schneidenden Schärfen. Einige vom Ver- fasser durch Lichtdruck wiedergegebene Dreikanter sind den im norddeutschen Flachlande sich findenden zum Verwechseln ähnlich, sodass nunmehr kein Zweifel über die Entstehung dieser früher so verschiedentlich gedeu- teten Gebilde bestehen kann. In einer jüngst erschienenen theoretischen Betrachtung über Kantengeschiebe aus dem norddeutschen Diluvium spricht sich Professor Albert Heim dahin aus, dass es sich hier nicht um Gletscher- oder Gletscherbach- wirkung, sondern nur um die Wirkung von Sandwind- erosion handeln kann. Dagegen ist er der Ansicht, dass die verschiedenen Pyramidalflächen der Kanten- gerölle nicht auf ebensoviele herrschende Windrichtungen zurückgeführt werden dürfen, da die Form der geschlif- fenen Pyramiden von der ursprünglichen Umrissform des Gesteinsstückes abhängt. Mag der Wind von irgend- einer Seite blasen, stets wird ihn der breite Umriss des Gesteinsstückes derartig ablenken, dass er über denjenigen Umrissseiten als leitende Basis Ebenen anschleifen muss, welche dem Winde quer oder schief entgegenstehen. Wirkungsart der krankheiterregenden Mikroorganismen im tierischen Körper. Von Kreisphysikus Von allgemeinem Interesse ist ein Hinweis darauf „in welcher Weise die in den tierischen Körper hineingeratenen pathogenen (krankheiterregenden) Mikroorganismen ihre schädliche Wirkung entfalten''. Man kann die pathogenen Spaltpilze bezüglich ihrer Wirkungsart in vier Gruppen einteilen. Die erste Gruppe umfasst solche Mikroorganismen, welche nur im Blute der Erkrankten ihr Leben ab- spinnen, während dieselben die Blutgefässe nicht ver- lassen und keinen direkt schädigenden Einfluss auf die Körpergewebe ausüben. Hierzu gehören von den bis jetzt als Krankheitserreger bekannten Mikrobien der Milzbrandbacillus, der Bacillus der Mäusesepti- ämie, der Micrococcus tetragenus und sepsis, welche gleichfalls bei Mäusen eine tötliche Krankheit erzeugen. Nur äusserst selten vermögen diese Mikro- organismen auch an der Eingangspforte, durch welche sie in den tierischen Körper gelangen, in den Körper- geweben eine krankhafte Störung zu veranlassen, welche dann aber gegen den sich im Blute abspinnenden Pro- Di 1 . L. Schmitz. zess sehr zurücktritt. Von den angeführten Mikrobien wird infolge ihrer Lebensthätigkeit ein Giftstoff hervor- gebracht, dessen Anhäufung im Blute die Erscheinungen der betreffenden Krankheit und schliesslich den Tod bewirkt. Zu derselben Gruppe gehören noch einzelne Mikro- organismen, welche intermittierend im Blute auf- treten. Es sind diese die Obermeier'sche Recurrens- Spirille, welche das Rückfalltieber herbeiführt, und der Malariabacillus, welcher das Wechseltieber hervorruft. Die zweite Gruppe begreift solche Mikroorganis- men, welche nur in Geweben wuchern und daselbst einen Zerstörungsprozess veranlassen. Von manchen dieser Organismen werden giftige Substanzen — Pto- maine — hervorgebracht, deren Uebergang in das Blut alsdann ausser lokalen auch allgemeine Krankheits- erscheinungen hervorrufen kann. Diesem Umstände ist es daher zuzuschreiben, dass sich aus einem anfäng- lich lokalen Leiden später ein allgemeines entwickelt. Die genannte Gruppe umfasst eine grosse Anzahl Nr. 19. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 149 pathogener Mikrobien. Der Kock'sche Cholcrabacillus sowie der Typhusbacillus bewirken Entzündungser- scheinungen im Darmkanale, welche sich durch Diarrhöe kundgeben. Die durch die Lebensthätigkeit dieser Ba- cillen hervorgebrachten Toxine, welche in das Blut gelangen, rufen die ausgeprägten Erscheinungen der Cholera und des Typhus hervor. In ähnlicher Weise verhält es sich mit dem Bacillus des Wundstarr- krampfes, welcher am Orte seiner Ansiedelung ein Gift erzeugt, dessen Aufnahme in das Blut die Erscheinungen des Starrkrampfes bewirkt. Einfache Entzündungen veranlassen in der Regel der Micrococcus erysipelatosus, welcher Rotlauf, der Diplococcus pneumoniae Friedländer, welcher croupöse Lungenentzündung, und der Bacillus oedema- tosus, welcher das malinge Oedem hervorruft. Zu dieser Gruppe gehören ferner die verschiedenen Mikroorganis- men, welche Eiterung bewirken: Staphylococcus pyo- genes aureus, albus und citreus, Streptococcus pyogenes und Bacillus foetidus. Alle die zur zweiten Gruppe zugehörigen Mikro- organismen besitzen die Eigenschaft, nicht nur lokal, sondern auch temporär beschränkt zu sein, indem sie nach einiger Zeit ihres Bestehens in ihrer Lebenskraft erlahmen. Die dritte Gruppe bilden Mikroorganismen, welche vorerst im Blute kreisen und darauf, nachdem sie sich entsprechend vermehrt haben, in die verschiedenen Körpergewebe übertreten, um daselbst lokale Störungen zu veranlassen. Hierzu gehören die Mikroorganismen der akuten Exantheme (Röteln, Scharlach, Pocken), über welche die Untersuchungsakten noch nicht vollgiltig abgeschlossen sind, sowie die Krankheitserreger der Hühnercholera, des Rauschbrandes, der Pyämie und Osteomyelitis. Zur vierten Gruppe sind Mikroorganismen zuge- hörig, welche Infektionsgeschwülste erzeugen: Die Mikrobien der Tuberkulose, des Rotzes, der Sy- philis, des Aussatzes (Lepra), des Krebses u. a. m. Durch ihre Thätigkeit entstellt vorerst ein Zerfall des betreffenden Gewebes, worauf dann die benachbarten Gewebszellen in lebhafte Thätigkeit geraten, indem sie gleichsam gegen das Weiterumsichgreifen des feindlichen Mikroorganismus einen Schutzwall bilden, infolgedessen immer mehr an Umfang zunehmende Geschwülste ent- stehen. Der Vorgang, welcher sich in dem von pathogenen Mikroorganismen befallenen Körper abspinnt, ist ein Kampf um's Dasein zwischen den mikroskopisch kleinen Körperzellen und den noch kleineren, feindlich ein- gedrungenen Mikrobien. Hierbei hängt es wesentlich von der Superiorität und grösseren Resistenzfälligkeit der einen oder anderen Art von lebenden Wesen ab, ob die feindliche Mikrobie das Feld räumen muss, oder ob der in seiner Gesamtheit weit stärkere tierische Körper Schaden nehmen resp. zu Grunde gerichtet wird. Dieser Kampf en miniature lässt sich bisweilen mit Hilfe des Mikroskopes beobachten. Bestimmte Zellen des tierischen Körpers sind bestrebt, den eingedrungenen mikroskopisch kleinen Feind durch Umzingelung und Absperrung vom weiteren Vordringen in die Gewebe abzuhalten und den- selben kampfunfähig zu machen dadurch, dass sie die pathogenen Mikroorganismen in ihren Leib aufnehmen und gleichsam verspeisen (Phagocyten). Wesentlich hängt es bei diesem Kampfe und daher bezüglich des Krankheits Verlaufes davon ab, bis zu welcher Menge die pathogenen Mikrobien sich innerhalb des tierischen Organismus vermehrt haben. Da näm- lich die als Krankheitserreger bekannten Schimmel- Spross- und Spaltpilze im tierischen Körper die Bedin- gungen für ihre Existenz vorfinden, so nehmen sie als- bald durch Teilungsvorgänge an Menge zu. Daher kommt es, dass sicli aus einer ursprünglich winzigen An- zahl von Infektionskeimen nach und nach eine Legion herausbildet. Diese Vermehrung erfordert eine bestimmte Zeitdauer, wählend welcher häufig die Anwesenheit des verderbendrohenden Feindes im tierischen Organismus nicht geahnt wird (latentes Stadium der Krankheit). Die bezüglich der Vermehrungsgeschwindigkeit der Bak- terien neuerdings angestellten Beobachtungen haben er- geben, „dass mit Wahrscheinlichkeit die Zeit von 15 Minuten als das Minimum bezeichnet werden muss, unter welches die Generationsdauer in keinem Falle und bei keinem Spaltpilze herabsinkt." Man kann hieraus folgern, dass die Zahlenzunahme der eingewanderten Krankheitskeime innerhalb einer Stunde jedenfalls sich nicht höher be- ziffert als das 16 fache der ursprünglich in den tierischen Körper gelangten Menge, innerhalb zwei Stunden nicht höher als das 256 fache u. s. w. Hieraus ergiebt sich für die Therapie, wie wichtig es ist, die auf einer Infek- tion mit Mikroorganismen beruhenden Krankheiten so bald als möglich in Behandlung zu nehmen, um der Weiter- vermehrung der Infektionskeime möglichst Einhalt zu thun, indem es ja um so leichter gelingt, einem Feinde wirk- sam entgegenzutreten, in je geringerer Anzahl derselbe vorhanden ist. Kleinere Mitteilungen. Die Höttinger Breecie. — Die Umgebung von Innsbruck bietet einen interessanten Punkt, der schon lange zwischen Phyto- paläontologen und Geologen ein Gegenstand des Streites war. nun aber, wie es scheint, endgiltig ausgetragen ist. Wandert man am nördlichen Talgehänge bei Innsbruck längs des Höttinger Grabens und tritt aus dem ..Mittelgebirge" in das eigentliche Gehänge des lnntales, so gelangt man zu der Stelle, wo der Graben sich teilt; der Hauptzug steigt nach NNW. an, ein Arm löst sich nach O. los, und am linken Gehänge des letzteren kaum 500 m von der er- wähnten Gabelungsstelle trifft man den die Flora einschliessendeu Kalktuff und die Breecie in etwa 1200 m Meereshöhe an. Schon in. den fünfziger Jahren beschäftigten sich die Gelehrten mit derselben. 150 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 19. F. Unger erklärte die Pflanzen der Hüttinger Breccie für keines- wegs jünger als die miocenen Pflanzen von Parsohlug in Steiermark, ■wogegen die Geologen Penck. Blaas, Böhm die Breccie auf einer Moräne ruhend fanden, die in ihm eingeschlossene Flora für inter- glacial , daher diluvial bezeichneten. Der Ansicht der Geologen schloss sich auch C. v. Ettingshausen an, der in seiner Arbeit über die fossile Flora der Hüttinger Breccie dieselbe ebenfalls als der Diluvialperiode angehörig ansprach. Um so überraschender rousste daher die im Vorjahre erschienene Arbeit D. Stur's sein, der mit seiner bekannten Gründlichkeit die von Unger und C. v. Ettingshausen benutzten Originale und andere Funde einerneuen Untersuchung unterwarf und darauf auf den Standpunkt Unger's zurückkehrte. Die auffallende Abweichung der drei so geübten Phytopaläontologen in ihren Bestimmungen wird am besten aus der folgenden Zusammenstellung sichtbai Unger. Arundo Goepperti Heer. Cyperus Sirenum Heer.i C. plicatua Heer, t Persea, Lauras, Lauri-i nea, Quercus. } Ulmus Bronnii Heer, \ Carpinus ? * v. Ettingshausen. Salix arbuscula L. S. nigricans Sm. S. Caprea L. Rhamnus Frangula L. Yiburnum Lantana L. Acer trilobat.um AI. Br. Acer Pseudoplatanus L. Stur. Arundo Goepperti Heer. Chamaerops f. Helvetica Heer. Salix sp. pl. Actinodapbne Hoettin- gensis Ettgsh. sp. Actinodaphne Frangula Ettgsh. sp. Viburnum cf. Lantana L. (an: Buchanania sd. seu Semecardus sp.). Acer f.trilobatumAl.Br.) A. f. Ponzianum Gaud.> A. f. Pseudo-PlatanusL.J — — Onestis? sp. — Ledum palustre L. Dalbergia bella Heer. Stur erklärt daher den Kalktuff und die mit ihm innig ver- bundene gelblich-weisse Breccie für gleichartig mit der Flora von Oeningen; den darüber liegenden Tegel mit Zapfen von Pinus Pu- milio als glacial; die rote Breccie der Tegelgrube, von der er selbst sagt, dass sie sich nicht wesentlich von der pflanzenführenden Kalk- breccie unterscheide, sie. aber dennoch petrographiseh auseinanderhält, als interglacial und keine Pflanzen führend. Es wäre dies daher ganz gewiss von grossem Interesse gewesen, die Zeugen einer in der Tertiärzeit thätig gewesenen Kalkquelle gefunden zu haben; aber die jüngsten Untersuchungen haben der Sache eine andere Deutung verliehen. Es ist schon von vornherein ersichtlich, dass sich die drei ausgezeichneten Phytopaläontologen in ihrem Urteile kaum so weit von einander hätten entfernen können, wenn nicht die Pflanzenreste in einem nur zu fragmentarischen Zustande wären , wie dies schon ein Blick auf die Tafeln Stur's lehrt, und deren Ursache, wie wir sehen werden, von Penck richtig erkannt, von den Phytopaläon- tologen aber unberücksichtigt blieb. Vor allem fand nun E. Palla nach eingehender Untersuchung, dass Stur's Palmenblatt durchaus nicht als solches gelten kann, sondern dass dies vielmehr eine Mono- kotyle sei, die dem Formenkreis der Juncaceen, Cyperaceen oder Gra- mineen angehören mag. Er nennt sie Cyperites Hoettingensis und spricht dabei den wohl hinlänglich gerechtfertigten Wunsch aus, dass man den Namen Cyperites zu einer Collektivbenennung erweitere, da es sich bei einem schmalen parallelnervigen Blattfragment in vielen Fällen unmöglich entscheiden lässt, welcher der drei erwähnten Gruppen es angehören mag. "Wurde schon durch diese Untersuchung eine bedenkliche Lücke in den vermeintlichen tertiären Charakter der Hottinger Flora gerissen , die durch die Aeusserung eines anderen Fachmannes, dass Actinodaphne Hüttingensis auch mit Rhododendron Ponticum verglichen werden kann, nur erweitert wird, so haben die gründlichen stratigraphischen Untersuchungen Penck 's die Lücke zur Bresche erweitert. Entgegen der Ansicht Stur's konnte er konstatieren, dass die weisse und rote Breccie zusammen ein Ge- stein bilden, denn die weisse lagert über der roten und ist zwischen beiden keine scharfe Grenze zu ziehen. Ebenso ist es sicher, dass die rote Breccie nicht nur auf Moränen liegt, sondern in ihren unteren Partieen mit solchen wechselt, wie es auch nicht richtig sei, dass sie petrefaktenlos sei, denn Prinzinger, Pichler und Blaas fanden Pflanzenreste in ihr, so wie solche von Penck auch in den gelblichen Zwischenmitteln des roten Gesteins gefunden wurden. Schliesslich fand man das letztere anderwärts auch auf dem zähen, die schon erwähnten Zapfen enthaltenden Tegel lagern. Die weisse Breccie ist somit das oberste und jüngste des fraglichen Schichten- komplexes, und dass sie daher interglacial sei, wird auch durch diese Thatsache bestätigt, dass sie selbst gerötete Gesteine führt. Die Lagerungsverhältnisse erklären aber auch nach Penck die ab- weichenden Genusbestimmungen der Botaniker. Die Hottinger Brec- cie ist nämlich ein von einem Wildbach aufgehäufter Schuttkegel und seine die Pflanzenreste einschliessende Partie erinnert weit eher an verfestigten zähen Schlamm, welchen Murgänge herabzuwälzen pflegen, als an den wohlgeschichteten, sichtlich im stehenden Wasser abgesetzten Kalk von Oeningen. Die in ihr enthaltenen Pflanzen- reste liegen nicht auf Schichtflächen, sondern durchsetzen das Gestein: oft der Quere nach, wobei sich vielfach eine parallele Anordnung- der einzelnen Formen geltend macht. Diese Verhältnisse mahnen lebhaft an die Schleppungen , welche der Pflanzenteppich einer ver- murten Wiese aufweist. Penck möchte daher die in der Breccie- eingeschlossenen Pflanzenreste am ehesten als Reste einer Wiesen- vegetation ansehen, während man sonst bei paläopbytologischen Untersuchungen ganz mit Recht geneigt ist, zuerst eine Waldvege- tation beim Vergleiche in Betracht zu ziehen. (Staub: Referat über Penck „Die Hottinger Breccie" in Bot. Ceutralbl. XXXIH). Durch eine ganz neuerdings erschienene Arbeit des Botanikers R. v. Wettstein: „Rhododendron Ponticum L., fossil in den Nord- alpen" findet die Ansicht Penck's eine wesentliche Stütze. Wett- stein fand nämlich in der Hüttinger Breccie nur Reste von solchen Pflanzen, die noch gegenwärtig — wenn auch nicht mehr an jenem Standorte — leben. „In seinem Referat der Wettstein'schen Arbeit (Bot. Centralbl. XXXV) sagt Fritsch: „Die auffallendste- Pflanze ist Stur's Actinodaphne Hoettingensis, die von anderen Paläontologen als Laurus, Persea etc. bestimmt worden war. Ver- fasser weist auf Grand eingehender Untersuchungen (in Bezug auf Blattstellung. Blattform und Nervatur) mit Bestimmtheit nach, dass diese Reste von Rhododendron Ponticum L. herrühren. Die übrigen Reste gehören fast durchweg solchen Pflanzen an, die auch heute in Gesellschaft des Rhododendron Ponticum wachsen. Es muss also zur Zeit der Bildung dieser Breccie am Südabhange der Inusbrucker Kalkberge in einer Höhe von 1100 — 1200 m eine Flora gelebt haben,, die mit der heutigen der pontischen Gebirge in gleicher Höhe über- einstimmt. Berücksichtigen wir das Vorkommen des Rhododendron Ponticum (und anderer Pflanzen des Orientes) in Südspanien, und andererseits das Vorhandensein von Inseln mediterraner Flora an den Nordabhängen der Alpen , so sind wir wohl zu der Annahme be- rechtigt, dass diese letzteren Vorkommnisse eben nur die letzten Reste aus einer längst entschwundenen Zeit darstellen, in welcher in unseren Gegenden ein weit milderes Klima herrschte, welches die Entwicklung von Pflanzenarten ermöglichte, die sich inzwischen nach südlicheren Gegenden zurückgezogen haben." Ueber die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalle» haben .T. Vi olle und Th. Vautier neue Versuche angestellt, über welche sie in den „Comptes Rendus" berichten. Von der Versuchs- anordnnng wollen wir nur bemerken, dass in einer 0,70 m weiten Röhre eine Pistole abgeschossen wurde und nun die Zeiten bestimmt wurden, welche die Welle gebraucht, um einmal, zweimal u. s. f. die Wellenlänge zu durchlaufen. Es wurde dabei die Pistole verschieden stark geladen , und zwar wurden Ladungen von 3 gr r 2 gr und 1 gr beziehungsweise verwendet, um so den Einfluss der Intensität zu bestimmen. Aus den Zahlen, welche die beiden Forscher fanden, geht hervor, dass die Fortpflanzungsgeschwin- digkeit der Schallwelle sich mit der Intensität vermindert. Es- zeigt sich hier also ein anderes Resultat als bei der Ausbreitung der Lichtwellen, für welche Dr. Ebert feststellte, dass hier die Li- tensität ohne Einfluss ist (vgl. Frage in N. W. Bd. II S. 8). Indem nun andererseits zahlreiche Versuche mit verschiedenen Instrumenten (Dampfpfeifen, Orgelpfeifen u. s. f.) angestellt wurden, konnten Violle und Vautier konstatieren, dass die Höhe des Tones auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schallwelle keinen Einfluss hat. A. G. Photographische Aufnahme eines Begenbogens. — Professor Dr. H. Kayser zu Hannover, welcher vor einigen Jahren vom Dache des physikalischen Instituts zu Berlin aus ganz vorzüg- liche Blitzphotographien aufnahm, welche in den Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Akademie zu Berlin veröffentlicht wurden, hat neuerdings einen Regenbogen photographiert. Es geschah dies vom Rigikulm aus mit Beachtung besonderer Vorsichtsmassregeln und mit Anwendung einer gefärbten Azalin-Trockenplatte. Die photographische Aufnahme eines Regen- bogens ist deshalb von ganz hervorragendem Interesse, weil man dieselbe bisher nicht für möglich hielt; man war allgemein der An- sicht, dass ein Regenbogen keine Strahlen besässe, welche auf die photographische Platte eine Wirkung ausüben. Diese Meinung ist jetzt durch die Thatsache widerlegt worden, und zugleich ist dar- gethan, dass auch farbige Erscheinungen eine photographische Auf- nahme erlauben, obwohl man hierin noch nicht vieles erreicht hat. A. G. Zur Konstitution der Lösungen. — Professor Dr. Rü- dorff hat (Ber. d. D. ehem. Ges. 1888, S. 4—11 und 1882—85) Diffusionsversuche mit Lösungen von Doppelsalzen angestellt und dabei gefunden, dass die von Graham, Marignac, Ingenhoes u. a. ausgesprochene und in viele Lehrbücher übergegangene An- sicht, dass Doppelsalze in Lösungen nicht bestehen, sondern in ihre Komponenten zerfallen, in dieser allgemeinen Form nicht zutreffend ist. Vielmehr diffundieren bei gleicher Zeitdauer gewisse Doppel- Nr. 19. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 151 salze als molekulare Verbindungen, während andere in ihre Einzel- salze zerlegt in der Lösung- zur Diffusion gelangen. Zu den von Rüdorff untersuchten Körpern der ersten Gruppe (durch Diffusion keine Zerlegung-) gehören die Doppelsalze des Cyan- kaliums mit einigen Metalleyaniden, das Natriumplatinchlorid, ferner einige Oxalsäure-Doppelsalze: zur zweiten Gruppe (Zerlegung in die Einzelsalze) einige dem Alaun analog zusammengesetzte Doppelsalze gewisser Metallchloride. Als Diffusion smembran wandte Rüdorff an Stelle des ziem- lieh ungleiehmiissigen und daher untereinander sehr wenig überein- stimmende Zahlen liefernden Pergamentpapiers die zarte Oberhaut des Ochsenblinddarmes an, welche zu Goldsehlägerhaut verarbeitet wird. Die frisch abgezogene, mit Wasser längere Zeit gespülte Haut wurde getrocknet und, nachdem sie zuvor auf ihre Gleich- mässigkeit hin untersucht worden war, in geeigneter Grösse über die Ditfussionsgefässe gespannt. Die Versuche machen es in hohem Masse wahrscheinlich, dass der Grad der Zersetzung, welche Doppelsalze beim Autlösen erleiden, von der Konzentration der Lösung unabhängig ist. Auch scheinen sie den Beweis dafür zu liefern , dass die Bestandteile der Doppelsalze bei zunehmender Konzentration der Lösung erst kurz vor der Kristallisation sich zu einer molekularen Verbindung vereinigen. Interessant ist übrigens, beiläufig bemerkt, die Thatsache, dass die Glieder der beiden Gruppen auch in anderer Beziehung, z. B. in Bezug auf die' Erniedrigung des Gefrierpunktes ihrer Lösungen, «ich als verschieden erweisen. Dr. Max Koppe. Miclucho Maclay, der vor wenig Monaten verstorbene russische Forscher, ist der einzige weisse Mann gewesen, der vor der Besitzergreifung durch die N'eu-Guinea-Compagnie, sich längere Zeit in Kaiser- Wilhelmsland aufgehalten hat. Dank seiner Verbin- dungen am russischen Hofe ward es Maclay 1870/71 ermöglicht, seine Studien in der Südsee durch solche auf dem damals fast ganz unbekannten Neu-Guinea zu ergänzen. Zweimal kurz nacheinander weilte er mehrere Monate hindurch an der von ihm benannten Astrolabebai, allein mit seinen Dienern und beschäftigte sich mit ethnographischen Studien. Sein Verhältnis zu den Eingeborenen gestaltete sich bald sehr freundlich und sein Kultureinfluss ist noch heute bemerkbar. Nirgends an der Küste von Kaiser- Wilhelmsland fanden wir die Leute so friedlich und rechtlich gesinnt, wie an der Astrolabebai. Es liegt nahe, dies auf Maclay 's einstigen Einrluss zurückzuführen. Als 1886 die Station t lonstantinhafen angelegt wurde, war die erste Frage der Schwarzen, ob die neuen Ankömm- linge Boten Maclay 's wären. Die Eingeborenen hatten so leb- hafte Erinnerung an ihn bewahrt, dass man selbst, wenn die von Maclay hinterlassene Tafel nicht mehr vorhanden gewesen wäre, seinen alten Wohnsitz bald wieder gefunden hätte. Die Leute zeigten alte Messer und Perlen, welche sie von ihm erhalten hatten, und fragten nach russischen Worten. Sie führten uns die nach Maclay und seinen Dienern benannten Kinder (Mirjam etc.) zu, nannten die Dörfer, welche er besucht und die Hütten, in welchen er geschlafen hatte. Er war für sie aber nicht nur eine Kuriosität, sondern ein Wohlthäter, dem sie dankbare Verehrung bewahren und um den sich schon ein Sagenkreis gebildet zu haben schien. Maclay hatte ihren Nationalreichtum vermehrt, hatte friedlichen Verkehr gepflegt, und dadurch der Bongusprache die Bedeutung der Handelssprache auch für Bocadji, Bili-Bili, Maragun und die nahen Orte der Berge verschafft. Ganz begeistert war der alte Saul in Bongu, als er mir die erste Papaia zeigte, welche der russische Forscher dort gepflanzt habe, und aus deren Kernen weiter, als er anzugeben vermöchte, diese Fruchtbäume im ganzen Lande erwachsen seien. Die Gurken und Kürbisse werden angebaut und geschätzt. Von dem Vieh, welches Maclay in Bongu lies,, war ein Rinderpaar mit Kalb noch erhalten. Die früheren Kälber sind regelmässig, wenn sie gross ge- nug waren, getötet worden. Wenig fortgekommen sind der Mais, •(derselbe gedeiht in den Kulturen der X. G. C. sehr gut), und ein zarteres Gras, welches man heute nur an dem Platze der einstigen Niederlassung des russischen Forschers sieht. Auch wo er selbst nicht gewesen ist. blieb s H in Name in dankbarer Erinnerung. Ich bin nicht der einzige, der in einem neu besuchten Dorfe als Mac- lay begrüsst wurde und die Versicherung, ich seiMaclay ati (wie Maclay) beruhigte die misstrauischen Schwarzen bald und bewies ihnen meine friedlichen Absichten zur Genüge. Charakteristisch ist, dass man ihm trotz alledem eine Ohrfeige nicht vergessen kann, die er einmal im Zorn einem seiner schwarzen Begleiter in Maragee ge- geben hat, denn so wenig der Papua sich über verdiente Strafe beklagt, so schwer erträgt er eine ihm ungerecht erscheinende Be- handlung. Es ist selten, dass die ethnographischen Zustände eines Volkes einmal eingehend studiert, dann dieses 15 Jahre hindurch, abgesehen von gelegentlichem und sehr seltenem Anlegen eines Schitt'es, sich selbst überlassen wurde, ehe sich wieder Weisse dort niederliessen. Es ist begreiflich, dass sieh die Sitten und Gebräuche der Papuas jener Gegend nur wenig geändert haben, aber es wäre interessant, zu verfolgen, wie weit Veränderungen eingetreten sind. Leider hat Maclay nur kleine Abhandlungen veröffentlicht und diese sind meist in holländischen Zeitschriften zerstreut. Auf späteren Reisen hatte er auch den englischen und holländischen Teil von Neu-Guinea be- sucht und seit langen Jahren sich nur der Ausarbeitung seiner Tage- bücher gewidmet. Sein Tod ist der Veröffentlichung eines umfang- reichen Werkes ( welches er versprochen hatte, zuvorgekommen. Hoffentlich unterbleibt die Herausgabe nicht ganz, da sie nach ver- schiedenen Seiten hin Vergleiche ermöglichen dürfte. Dr. Karl Schneider. Congresse. — 1. Der Ophthalmologische Congress wird aus Anlass des 25jährigen Bestehens der Ophthalmologischen Gesellschaft in Heidelberg daselbst am 9. August abgehalten werden. — 2. In den Tagen vom 7. — 10. August wird in Glasgow die 56. Jahres- versammlung der „British medieal Association* unter dem Präsidium von Prof. Gairdner tagen. — 3. Vom 6. bis 9. August findet Anthropologen-Versammlung in Bonn statt. Fragen und Antworten. Wo haben die Flöhe ihre natürliche syatematische Stellung? Trotzdem sie ungeflügelt sind und keine Schwing - kölbchen haben, werden sie in manchen Lehr-Büchern zu den Dipteren gerechnet. Die Abteilung der Flöhe, Pulicidae (Siphonaptera) bildet nach Brauer und Kräpelin eine selbständige und der der Dipteren gleichwertige Ordnung. Jene unterscheiden sich von diesen nament- lich durch die typisch verschiedene Bildung der Mundteile, des Thorax und der Ausmündung der Speicheldrüsen. Bei den I'uli- eiden ist das Saugrohr aus der Oberlippe und den Mandibeln ge- bildet, während die Unterkiefer hierzu nicht oder nur teilweise seit- lich am i irunde verwendet werden. Der Hypopharynx fehlt. Der Thorax besteht aus drei freien Segmenten und ist ohne Spur von Flugorganen. Der Ausführungsgang der Speicheldrüsen ist paarig in den Oberkiefer- Rinnen. Die Augen sind keine Facettenaugen; nur eine einfache Cornea ist vorhanden. Bei den Dipteren be- steht der Rüssel aus der zu je einem Halbrohre ausgebildeten Ober- nnd Unterlippe , und die Kiefernpaare sind borsten- oder messer- förmige Stechorgane. Die drei Segmente des Thorax sind mit- einander verwachsen; der Abschnitt des Mesothorax ist am grössten und trägt mit wenigen Ausnahmen Flügel, der Metathorax Schwing- kölbchen (Halteren i. Der Ausführungsgang der Speicheldrüsen ist an der unteren Schlundwand in eine unpaare Stechborste (Hypo- pharynx) verlängert. Die Augen sind meist gross und bestehen aus Facetten. Die Verwandlungsstadien in beiden Ordnungen bestehen aus Larve und Nymphe. Brauer meint, dass die Puliciden Beziehungen zu den Käfern haben. H. J. Kolbe. Litteratur. Prof. Dr. C. Claus: Lamarck als Begründer der Descendenzlehre. Alfred Holder in Wien 1888. Preis 1 Mk. Allgemein ist jetzt die von Darwin in seinem 1859 erschienenen Werke „Die Entstehung der Arten* wissenschaftlich begründete Des- cendenzlehre, welche die Blutsverwandschaft aller Lebewesen so gut wie gewiss macht, angenommen; anders aber ist es mit dem „Dar- vinismus im engeren Sinne", der Selektionstheorie, Theorie der Zucht- wahl, mit deren Hilfe Darwin die Entstehung neuer Arten erklärt: die Meinungen über den Wert der Selectionstheorie gehen nach ver- schiedenen Richtungen auseinander. Die Deseendenz- oder Transmutationslehre ist bekanntlich keineswegs neu. *) Der hervorragendste und auch durch die Ergeh- nisse seiner Forschungen verdienstvollste dieser Männer ist Jean Baptist de Lamarck, der die Grundsätze seiner Abstammungslehre zuerst im Jahre 1802 in der Schrift: „Considerations sur l'organisa- tions des corps vivants" bekanntgab, aber erst in der 1809 er- schienenen „Philosophie zoologique" ausführlicher begründete. Die Lehren dieses so hervorragenden Forschers sind durch Darwin 's Schriften stark in den Schatten gestellt und keineswegs in dem Masse, als sie es verdienen, gewürdigt worden. Lamarck, am 1. August 1744 als das 11. Kind eines Edel- manns in der Picardie geboren, war zum geistlichen Stande bestimmt, entzog sich aber den Händen der Jesuiten zu Amiens, die seine spätere Erziehung leiteten , nach dem Tode seines Vaters durch die Flucht, um Soldat zu werden. Er kämpfte als solcher gegen *) Vergl. H. Potonie : Die Geschichte der Darwinschen Theorie (Naturwissenschaftliche Wochenschrift Bd. I Seite 181—183 und 189-192i. 152 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 19. die verbündeten deutschen Heere, zeichnete sich durch Mut und Tapferkeit aus und avancierte zum Offizier. Nach Beendigung- des Krieges kam er nach Toulon und Monaco in Garnison. Die Pflanzen der Umgebung derselben machten ihn zum Botaniker, nachdem er aus dem Militärdienst ausgetreten war. Aber nur in seinen Musse- stunden konnte er studieren : seinen Lebensunterhalt erwarb er durch Arbeit bei einem Bankier in Paris. Als Frucht seines Studiums erschien 1778 die „Flore francaise." in drei Bänden, und ausserdem bearbeitete Lamarck botanische Artikel für die von Diderot und DAlembert herausgegebene Encyclopedie methodique. Aber es wollte ihm nicht glücken, eine gesicherte Stellung im Staatsdienste zu erringen: seine besten Lebensjahre verbrachte er in Sorge und Not. Erst beinahe öüjäbrig wurde ihm " an dem neu gegründeten Musee d'histoire naturelle eine Professur für Zoologie verliehen, die er nach einjähriger Torbereitung 1794 antrat. Er beschäftigte sich namentlich mit dem System der Tiere, das von Jahr zu Jahr durch ihn verbessert wurde. Die mühevollen Studien, die Lamarck zu den Verbesserungen führten, sind in seiner 7bändigen „Histoire naturelle sur les animaux sans vertebres" niedergelegt, das ein Werk ersten Ranges ist und auch lange Jahre für die Formkenntnis der niederen Tiere massgebend blieb. Seine früher erschienene „Philo- sophie zoologique" geriet jedoch bald in Vergessenheit. Die an- gestrengte Thätigkeit bei Untersuchung kleiner Objekte hatte Lamarck's Augen derartig geschwächt, dass sie zuletzt vollständig erblindeten. Die letzten zehn Jahre lebte er „in Finsternis versenkt" und materiell beschränkt, bis er am IS. Dezember 1829 im Alter von 85 Jahren starb. Die weitesten Erfahrungen haben Lamarck zu seiner Theorie geführt, die er in der umsichtigsten Weise begründete. Zur Erklärung der Verschiedenheit der Arten bildet er auf Grund zahlreicher Beobach- tungen und tatsächlicher Vorgänge eine Theorie aus, welche auf dem Principe der direkten Anpassung beruht. Er geht davon aus, dass die. Verhältnisse auf die Lebewesen einen Einfluss ausüben, und da die ersteren sich ändern, so wirken sie auch umgestaltend auf die letzteren.- Besonders bemerkenswert ist der schon in seinen „Recherches sur les corps vivants" von Lamarck ausgesprochene Satz: „Nicht die Organe, d. h. die Natur und Gestalt der Körper- teile eines Tieres haben seine Gewohnheiten und seine besonderen Fähigkeiten hervorgerufen , sondern umgekehrt seine Gewohnheiten, seine. Lebensweise und die Verhältnisse, in denen sich das Individuum, von denen das Tier abstammt, befanden, haben mit der Zeit seine Körperteile, die Zahl und den Zustand seiner Organe und seine Fähigkeiten bestimmt." Also der Wille des Tieres, zu leben, hat die besonderen Einrichtungen hervorgerufen. Ausser der Erwerbung neuer Eigenschaften durch den Gebrauch und Vererbung derselben auf die Nachkommen, nahm Lamarck die gleichzeitige Wirkung organischer Bildungsgesetze an, die von einer unerforschlichen ersten Ursache, von dem Willen des Urhebers aller Dinge ausgehen. Diese Entwicklungsgesetze sollten die Stufenfolge bewirkt haben, in welcher sich Tiere und Pflanzen in fortschreitender Ausbildung der Organisation vom Einfachen zum Verwickelteren ausbildeten. Wäre die unaufhörlich auf Verwirklichung der Organi- sation hinstrebende Ursache die einzige, welche Abänderungen jener hervorruft, so würde die Stufenfolge der Tiere eine regelmässige sein ; in Wahrheit aber erscheint dieselbe sehr unregelmässig, und zwar in- folge der zweiten, auf Abänderungen hinwirkenden Ursache, des Einflusses einer grossen Zahl verschiedener Verhältnisse, welche die Anpassung- im einzelnen vermitteln und bestrebt sind, Störungen in der durch die Bildungsgesetze bedingten Arbeit der Natur, sowie Abweichungen in der eontinuierlichen Stufenfolge der Organisation herbeizuführen. Die einfachsten Lebewesen entstehen nach Lamarck unter günstigen Bedingungen durch Urzeugung. Lamarck nimmt also vom Schöpfer gegebene Bildungsgesetze in Anspruch und Darwin lässt den Schöpfer das erste oder die ersten Lebewesen erschaffen: die Grenze unseres Erkenntnisvermögens wird lüermit «gekennzeichnet. Schon von Kant war diese bestimmt worden : dieser stellt es zwar als Aufgabe aller Naturwissenschaft hin, einer mechanischen Erklärung aller Naturprodukte soweit als möglich nachzugehen, aber das Vermögen, damit allein auszulangen, spricht er dem menschlichen Geiste ab. H. P. Kerschbaum, G., Beweis, dass es eine Quadratur des Kreises giebt, und dass die bisher zur Berechnung des Kreises benützte Ludolph'sche Zahl etwas zu klein ist. 2. Aufl. 8°. (16 S. m. 1 Taf.) Preis 1 JC. E. Riemann jr. in Koburg. Kiefer, A., Ueber die geraden Kegel und Cylinder, welche durch gegebene Punkte des Raumes gehen, oder gegebene gerade Linien des Raumes berühren. 4°. (30 S.) Preis 1 JC 60 4. J. Huber in Frauenfeld. Köstler, H. , Leitfaden der ebenen Geometrie für höhere Lehr- anstalten. 2 Heft. Lehre vom Flächeninhalt. Construktionslehre. 2. Aufl. 8°. (42 S.) Preis 75 4, kart. 80 4. Louis Neberfs Verlag in Halle. Kossei, A., Leitfaden für medizinisch-chemische Kurse. 2. Aufl. gr. 8°. (63 S.) Preis 2 JC; geb. 2 JC 50 4. Fischers med. Buchh. in Berlin. Kramer, E., Hilfsbuch für den ersten geographischen Unterricht. 1. und 2. Teil. 5. Aufl. 8°. Preis 10 4. Bihalt: 1. Geographie von Schlesien. (32 S. m. 1 Karte.) Preis 30 4; 2. Kurze Ueber- sicht der Erdteile. (59 S.) Preis 40 4. E. Morgenstern, Verl.- Buehh. in Breslau. Krenzier, E., Ein Jahr in Ostafrika. 8°. (124 S. m. 1 Karte.) Preis 2 JC 50 4. J. Ebner'sche Buchhandlung in Ulm. Kronfeld, M., lieber vergrüntc. Blüten von Viola alba Bess. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (10 S. m. 1 Tafel.) In Komm. Preis 40 4. Z. Freytag in Leipzig. Kürzel, R. , Ueber die Lage des Uterus und die physiologiseke Bedeutung des Sphincter ani tertius. gr. 8°. (42 S. m. 5. Taf.) Preis 2 JC. M. Waldbauer's Buchhandlung (Max Coppenrath) in Passau. Lagrange, F. , Physiologie des exercices du corps. 8°. Preis kart. 6 fr. Felix Alcan in Paris. Land, R., Ueber die Berechnung und die bildliche Darstellung von Trägheits- und Centrifugatmomenten ebener Massenfiguren. (Sep.-Abdr.) gr. 8°. (66 S.) Preis 1 JC 80 4. Arthur Felix in Leipzig. Lehmann, P., Die veränderlichen Tafeln des astronomischen und chronologischen Teiles der kgl. preuss. Normalkalenders für 1S89. Nebst einem allgemeinen statistischen Beitrage von E. Blenck. gr. 8°. Preis 5 JC. Verlag d. kgl. Statist. Bureaus in Berlin. Liznar, J., Die tägliche u. jährliche Periode der magnetischen Inklination. (Separat-Abdr.) gr. 8°. In Komm. Preis 40 4, G. Freytag in Leipzig. Lock, CG-., Coffec its eulture and commerce. 8°. Preis 12 sh 6 d_ E. & F. N. Spon in London. Loewenthal, W., Deutsche Zeit- n. Streit-Fragen. Herausgegeb. von F. v. Holtzendorff. Inhalt: Die Aufgaben der Medizin in der Schule. Preis 80 4. J. F. Richter in Hamburg. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten tvir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Briefkasten. Herrn Leube. 1. In der 3. Auflage meiner Illustrierten Flora finden Sie die bei uns im Freien aushaltenden häufigeren und ge- wöhnlichen Zier- und Kulturpflanzen, in weiterem Umfange als es sonst in Floren gebräuchlich ist, angeführt, und zwar sowohl die Holzgewäcbse, sowie auch die einjärigen und Staudenpflanzen. Die Arten sind nach dem Buch bestimmbar und systematisch angeordnet. Die Flora ist 1887 erschienen und kostet 5 Mk. — Wollen Sie sich eingehender mit Gartenpflanzen beschäftigen, auch mit solchen, die bei uns nur in Töpfen gehalten werden, so kann ich Ihnen für die eitvjährigen und Stauden-Gewächse „Vilmorin's illustrierte Blumen- gärtnerei" (2. Auflage, bearbeitet und herausgegeben von Rümpler 1879. Preis 20 Mk.) empfehlen nebst dem 1888 erschienenen Er- gänzungsband (Preis 7 Mk.) Ueber den letzteren wird demnächst eine Besprechung in der „N. W." erscheinen. Die Arten sind in der Blumengärtnerei alphabetisch angeordnet. — Für eine eingehendere Kenntnisnahme der Gehölze empfehle ich Ihnen Karl Koch 's Den- drologie, Bäume, Sträucher und Halbsträucher, welche in Mittel- und Kordeuropa im Freien kultiviert werden. Das Werk erschien 1869— 1873 und kostet 33 M. Wie ich höre, sind zwei gewiegte Autoren mit der Abfassung neuer Dendrologieen beschäftigt; sobald eine derselben erschienen ist, werde ich auf den Gegenstand zurück- kommen. H. P. Inhalt: Dr. Felix Wahnschaffe: Ueber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an der Oberfläche liegenden Steine. (Mit Abbildung.) — Dr. L. Schmitz: Wirkungsart der krankheiterregenden Mikroorganismen im tierischen Körper. — Kleinere Mitteilungen: Die Höttinger Breccie. — Ueber die Ausbre.ifungsgeschwindigkeit des Schalles. — Photographische Auf- nahme, eines Regenbogens. — Zur Konstitution der Lösungen. — Miclucho Maclay. — Kongresse. — Fragen und Antworten. — Litteratur: Professor Dr. C. Claus: Lamarck als Begründer der Descendenzlehre. — BUcherschau. — Briefkasten. — Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonte. — Verlag: Hermann Riemann. — Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Hierzu eine Inseraten-Beilage. Redaktion: ' Dr. H. Potonie. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. IL Band. Sonntag-, den 12. August 1888. Nr. 20. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie hei der Expedition. Der Yierteljahrsjireis ist M 3.— ; Bringegeld bei der Post 15 -j extra. -i|- Inserate: Die viergespalteue Petitzeile 30 -j. Grossere Aufträge ÖS entsprechenden Rabatt. Beilagen nacli Uebereinkunft. Inseraten- Jl annähme hei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Ahdrnek ist nnr mit vollständiger iluellenangabe gestattet. Arbeitsteilung und Genossenschaftsleben im Pflanzenreich. Von Dr. F. G. Kohl, Den freundlichen Leser ersuche ich, mit mir auf kurze Zeit einzutreten in eine grossartige Werkstatt, gefüllt mit Legionen emsiger Arbeiter. Man fürchte nicht sinnverwirrendes , nervenangreifendes Geräusch , sondern lasse sich im voraus versichern, dass diese Werkstatt den Vorzug vor anderen hat, dass in ihr eine fast lautlose Stille herrscht, es sei denn, dass etwa die schwere Bürde oder ein heftiger Windstoss einem alten Arbeiter ein Stöhnen abpresst, oder dass ein Geräusch wie Blättersäuseln heimliches Zwiegespräch verrät oder dass reife Früchte mit Knall die samen- bedeckende Hülle zersprengen. Sonst kein Ton, der von den Arbeitenden selbst herrührte. Die Werkstatt, in die mich zu begleiten ich bitte und von deren Einrichtungen ich einige von einem besonderen Standpunkte aus hier auseinanderzusetzen versuchen will, ist, es wird längst erraten sein, die Natur, soweit sie von Pflanzen belebt ist. Welche sind die Erzeugnisse dieser Werkstatt, fragt man mich vielleicht beim Eintreten? — Es sind nicht nur die das menschliche Auge entzückenden, duftspen- denden Blüten, nicht nur die gaumenletzenden Früchte, die Kleidung liefernden Fasern oder die zum Bauen ver- wendeten Hölzer, sondern diese und alles Organische, mit einem Wort die gesamte organische Substanz, welche wir auf dieser Erde kennen, welche fortwährend produziert wird und in den mannigfachsten Formen in die Erscheinung tritt, die organische Substanz, welche im eigentlichsten Sinne des Wortes „das Weltgetriebe erhält." Die Rohmaterialien, aus welchen sie bereitet wird, Tivatdoeent in Marburg. sind die Kohlensäure der Atmosphäre und das Boden- wasser mit seinen Mineralsalzen, die winzig kleinen Maschinen, welche die Rohstoffe verarbeiten, sind grüne Plasmakörperchen, Chlorophylkörner, die sich in den Blattzellen der Pflanzen angehäuft finden, und die treibende Kraft ist die Energie des tSonnenlichtes. Der Kohlenstoff der atmosphären Kohlensäure wird durch die mechanische Kraft der Lichtwellen vom Sauerstoff losgerissen und mit den Elementen des Bodenwassers vereinigt zu Stärke, welche in Form mikroskopisch-kleiner Körnchen mit Leichtigkeit in den Chlorophylkörnern ge- sehen werden kann. Aus dieser Stärke gehen alle Bestandteile des Pflanzenkörpers hervor; jeder neue Spross, jedes junge Blatt, jede Frucht, jede Holzfaser entsteht in letzter Linie aus der in den Blättern erzeugten Stärke, denn diese wird, kaum gebildet, verflüssigt und als Zuckerlösung überall hingeleitet, wo die. Pflanze an ihrem Körper baut oder zu späterer Verwendung in irgendeinem Reservestoffbehälter abgelagert. Man liebt es, die Bedeutung des Wassers im Haus- halt der Natur zu veranschaulichen, indem man die ein- zelnen Phasen seines ewigen Kreislaufs kennzeichnet. Auch der Kohlenstoff zeigt mutatis mutandis solchen Kreislauf. Anfangs gasig, ein Bestandteil der Atmosphäre wird er durch die mechanische Kraft des Sonnenlichts und die Thätigkeit des Blattgrüns der Pflanzen in or- ganische Substanz verwandelt, aus welcher die Pflanze zunächst ihren Körper aulbaut. Hat die letztere den Gipfel ihrer Entwicklung erreicht, so stirbt sie ab und ihre Leiche verwest, wenn Luft zutreten kann, sie ver- 154 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 20. kohlt, wenn diese fehlt. Im ersten Fall wird der Kohlenstoff der organischen Substanz langsam wieder zu Kohlensäure verbrannt und der Atmosphäre zurück- gegeben, im letzteren bleibt er in dem Torf, der Braun- oder Steinkohle so lange in der Erde deponiert, bis der Mensch diese ausgräbt, um sie in seinen Oefen zu ver- brennen. Auch hier wird wieder Kohlensäure erzeugt, rascher als dort, und in die Luft geführt und die mit Recht so gehassten Schornsteine sind Kanäle, welche die vieltausendjährige Vegetation vergangener Zeiten mit der heutigen verbinden, denn dieselben Kohlenstoff- Atome, welche vor tausenden von Jahren aus der Atmosphäre in die damalige Pflanzenwelt übergingen, strömen jetzt dem Luftmeer wieder zu. Doch nicht immer ist die Wanderung des Kohlenstoffes eine so kurze. Nicht alle Pflanzen sterben eines natürlichen Todes. Menschen und Tiere vernichten bei einer einzigen Mahlzeit grosse Mengen von Pflanzenleben, ja sie bauen aus Pflanzen- stoffen ihren ganzen Körper auf, stammt doch das Fleisch, welches sie neben Vegetabilien geniessen, zuletzt immer von Pflanzenfressern her. Nur einen Teil des ver- schluckten Kohlenstoffs atmen sie als Kohlensäure wieder aus, wenn Tier und Mensch nicht mehr atmen, geben sie der Erde zurück, was sie auf die Dauer ihres Lebens von ihr geliehen, darunter allen nicht bereits veratmeten Kohlenstoff. Man sieht, welche eminent wichtige Rolle die Pflanzen in diesem Kreislauf des Kohlenstoffs spielen. Ihre grünen Blätter, mit denen sie das Sonnenlicht auf- saugen, sind die Werkzeuge, die unermesslichen Mengen des gasförmigen Kohlenstoffs gleichsam zu condensieren, damit er in fester Form in's Leben eintrete. Doch nicht alle Pflanzen haben grüne Blätter. Auch nicht alle Gewächse sind in dieser Weise aktiv und selbstschöpferisch. Es giebt unter ihnen auch Raubgesindel, zu eigenem Schaffen unfähig, im Verborgenen oft auflauernd, selbst den Mord nicht scheuend, um die Beute auszuplündern. Diesen Gesellen der Finsternis ist der Stempel der Ver- worfenheit gleichsam auf die Stirn gedrückt. Sie prangen nicht im grünen Gewand; sie sind meist von bleicher Farbe, ihr spinnewebartiges Fadengeflecht schleicht oft im Dunkeln dahin, lebende Organismen zu befallen — dann nennen wir sie Parasiten, — oder in bereits ab- gestorbenen Pflanzen und Tieren ihre Nahrung zu suchen (Saprophyten). Der Verlust des Chlorophylls, welches auch sie früher besassen, ist die Strafe ihrer Trägheit und die Ursache ihrer jetzigen Unselbständigkeit und dependenten Stellung. Ihnen ist im Laufe der Zeit die Fähigkeit, organische Substanz zum Aufbau ihres Körpers sich selbst zu bereiten, abhanden gegangen, sie müssen fertige organische Substanz in sich aufnehmen, Stoffe, welche im Körper eines Tieres oder einer Pflanze noch dienen oder gedient haben. — Die soziale Stellung dieser farblosen Geschöpfe des Pflanzenreichs ist sehr ver- schieden. Viele sind herabgesunken zu bedeutungslosen Kreaturen, denn kurz, kaum einen Tag mitunter, ist ihr Dasein, unschädlich aber auch nutzlos ihr Leben. Das Pilzreich weist genug derartiger Eintagsfliegen auf! Viele (voran ein grosser Teil der Bacterien) sind verderbliche Feinde anderer Lebewesen geworden, sie töten und vernichten alles, was sie befallen, sie kämpfen und besiegen meist, sie schwärzen das Pflanzen- blatt, sie machen dem Fisch das Atmen schwer, sie ver- giften den Kuss, sie lassen die Lungen erkranken, sie fliegen wie die apokalyptischen Reiter von Land zu Land, Pest, Hungersnot, Tier- und Völkersterben im Gefolge. Vielen endlich, und sie sind es, welche uns hier zu- nächst interessieren, ist ein Wirkungskreis bestimmt, der ihnen eine, wenn auch völlig verschiedene, doch nicht minder grosse Wichtigkeit verleiht, als ihren grünen Genossen. Sie haben eine Arbeit zu verrichten, durch welche sie in eine Art Antagonismus zu den grüngefärbten Pflanzen treten und es dokumentiert sich hier eine Arbeitsteilung im Pflanzenreich von fundamentaler Bedeutung. Die gesamte Naturordnung ist darauf ge- gründet, dass die Körper, in welchen das Leben erloschen ist, der Auflösung anheimfallen, damit ihre Bestandteile neuem Leben dienstbar werden können. Die Seelen- wanderung der alten lndier, Aegypter und Griechen ist ein Mythus, die Stoffwanderung ist eine längsterkannte naturwissenschaftliche Thatsache, sie ist eine unabänder- liche Notwendigkeit, weil die Masse des Stoffes, welcher sich zu Lebewesen ausgestalten kann, auf Erden be- schränkt ist. „Neues Leben blüht nur aus Ruinen!" Den in Rede stehenden pflanzlichen Wesen ist nun die grosse Aufgabe zuerteilt, jeden abgestorbenen Tier- und Pflanzenleib wieder zur Erde werden zu lassen, von der er genommen. Brauche ich wohl zu sagen, dass die Bacterien zum Teil und die Gährungspilze es sind, die hier in Frage kommen. Man pflegt sie wohl auch Spalt- und Sprosspilze zu nennen, weil sie sich, um sich zu vermehren, fort- gesetzt spalten; auch ihre Thätigkeit müsste ihnen diesen Namen einbringen, denn sie spalten fortwährend, sich selbst ernährend und vermehrend, die komplizierten Verbindungen ihrer Substrate in einfache und bewirken und beschleunigen den totalen Zerfall der letzteren und helfen in hervorragender Weise den sozusagen leben- digen Kohlenstoff als toten der Atmosphäre wieder ein- veiieben, damit er von neuem seinen Kreislauf beginne. Kann man wohl einen grösseren Gegensatz denken, als ihn die grünen Pflanzen und genannte Pilze in ihrer Lebensarbeit aufweisen. Jene bauen zeitlebens aus Ele- menten organische Substanz auf, diese sind ununter- brochen thätig, letztere wieder in ihre Elemente zu zer- legen, eine Arbeitsteilung, deren Bedeutung ohne weiteres einleuchtet. Betrachtet man einen jener Spaltpilze unter dem Mikroskop, so findet man nichts weiter als ein mit farb- losem Plasma erfülltes Zellhautbläscln-n. Alle Lebens- einrichtungen, (Ernährung, Stoffwechsel, Fortpflanzung) Nr. 20. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 155 gehen in dem einen Plasmatröpfchen vor sich, das in der sie einschliessenden Zellwand eine genügende Stütze hat. Jede Zelle ist ein Individuum, sorgt allein für sich und schenkt nach kurzem Dasein seinen Leib seinen Kindern. Anders, wenn wir eine hochentwickelte Pflanze unter- suchen. Ein vielzelliges Gebilde liegt vor uns, ein Ganzes, wie jeder Vogel, jeder Käfer, jeder Fisch ist, und doch himmelweit von diesen verschieden. Der tierische Körper ist (mit wenigen Ausnahmen) ein einheitliches, unteilbares Ganze, zusammengesetzt aus Organen, welche — sit venia verbo — gezählt sind. Nur durch ihre Wechsel- wirkung erhalten sie das Leben des Ganzen wie ihr eigenes. Aus dem Verband gelöst atmet die Lunge nicht, hört das Herz auf zu schlagen, leitet der Nerv, zuckt der Muskel nicht mehr. Anders bei den Pflanzen! In viel loserem Zusammenhang stehen ihre Glieder, die wir freilich auch Organe nennen. Wir können vom Baum viele Blätter reissen, viele Zweige und Aeste ab- schneiden, das übrige lebt weiter; wir können eine Weide über der Wurzel abhauen, der zurückgebliebene Stumpf treibt neue Sprosse, wir können die wurzellose Krone in feuchte Erde setzen, sie bewurzelt sich wieder. Eine Zweigspitze, ein Stück Blatt, ja oft nur ein paar Zellen oder gar nur eine einzige ist lebens- und entwicklungs- fähig. Das Tier ist ein einheitliches Wesen, dessen Glieder nur Organe, nicht selbst Individuen sind; die Pflanze ist ein Organismus, dessen Organe selbst wieder Organismen darstellen. Es ist nicht neu, die Organismen mit Staaten zu vergleichen und ich würde mich dieser Vergleichung nicht bedienen, hätte sie nicht den Vorzug leichter Verständlichkeit, wenn sie auch hinkt. Thue ich es, so kann ich das Tier mit einem zentralisierten Einheitsstaat vergleic